Dienstag, 21. Oktober 2014

EINE WAHNSINNSFAMILIE (Parenthood 1989 Ron Howard)


Gil Buckman gibt sich große Mühe ein toller Vater zu sein, von seinem eigenen arg enttäuscht, und er versucht es noch mehr, als die Lehrerin eines seiner Kinder ihn darauf aufmerksam macht, dass sein Großer zu langsam für die Regelklasse ist. Damit fühlt sich sein Schwager bestätigt, der Gils Erziehungsmethoden intelektuell schon immer zu nachlässig fand, während er seine eigene Tochter durch seinen verkopften Erziehungsstil so sehr überfordert, dass sie sich sozial wunderlich benimmt. Gils andere Schwester, vom Vater ihrer Kinder sitzengelassen, hat mit bereits pubertierenden Kindern ganz andere Probleme, und Gils Vater merkt anhand Gils Bruders, dass der Job der Eltern niemals aufhört...


Vatersein dagegen sehr...

Die 80er Jahre waren nicht nur der Start für Steve Martins Starruhm, dieses Jahrzehnt war in der Klasse seiner Komödien auch sein Höhepunkt. Und sein letztes 80er-Werk sollte allen Freunden von Martins provokativem Humor vor den Kopf stoßen, führte doch nicht umsonst der massentaugliche Regisseur Ron Howard Regie. „Eine Wahnsinnsfamilie“ sollte keinesfalls provozierend oder skurril ausfallen, sich damit von Martins Frühwerken stark unterscheiden, durch seine Positionierung als Tragikomödie sogar von späteren, bodenständigeren Erfolgen wie „Roxanne" oder „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“. Interessanter Weise steht „Parenthood“ (Originaltitel) den anderen 80er Jahre-Filmen Martins qualitativ in nichts nach, und das ist die wahre Überraschung daran. Allerdings muss man sich als Bewunderer seiner Filme auf etwas völlig anderes einlassen.

Den Drama-Bereich mit im Gepäck habend muss man als Europäer zunächst einmal darauf verweisen, dass es die Amerikaner nur selten schaffen lebensechte Tragik in einem Film durchgehend durchzuziehen. Gute Dramen und Tragikomödien aus diesem Land sind am Ende oftmals lediglich schön erzählte Geschichten, die einen durchaus traurig und nachdenklich stimmen können, aber im Kopf doch immer erzählte Geschichte bleiben. Werke wie "Wild Boys", „Stand By Me“, „Die Royal Tenenbaums“ und „Peggy Sue hat geheiratet“ zeigen, dass das auch gar nicht schlimm ist, kann diese Art der Erzählung doch eine starke Wirkung entfalten, und so ist es auch in dem im deutschen so unpassend benannten „Eine Wahnsinnsfamilie“ der Fall.

Der präsentiert uns anhand einer großen Familie verschiedene Perspektiven auf das Elternsein. Jeder Erwachsene hat andere Probleme mit seinen Kindern, die es zu bewältigen gibt. Fast jeder löst sie so gut es geht, den Idealfall gibt es nie, und Fehler die begangen werden, können nicht immer easy behoben werden. Das hat wie gesagt nicht immer wirklich mit einer glaubwürdigen Realität zu tun, aber das Gefühlsmeer reißt einen mal heiter, mal traurig mit, manchmal haarscharf am Sozialkitsch vorbeirutschend, aber haarscharf ist glücklicher Weise immerhin auch daneben. Gut so!

Steve Martin steht zwar im Zentrum des Streifens, trotzdem ist er nur Teil dieser großen Familie, und dass der Film so gut funktioniert liegt nicht nur an einem guten Drehbuch, das sich Zeit für Einzelsituationen nimmt und am Ende doch alles zu vereinen weiß, es liegt auch an der starken Besetzung, die ihre größten Talente neben Martin in den Schauspielern Jason Roberds als Gils Vater, Rick Moranis als Gils Schwager und Dianne Wiest in der Rolle von Gils alleinerziehender Schwester besitzt. Gerade Letztgenannte legt großes Schauspiel an den Tag, eine Leistung die häufig neben Keanu Reeves stattfindet, der trotz schwacher Begabung trotzdem nie negativ auffällt, da er die richtige Rolle zugeschrieben bekommen hat, in welcher er innerhalb seines Rahmens zu wirken weiß.

Am Ende darf man es den Talenten in Sachen Drehbuch, Schauspiel und Besetzung zuschreiben, dass „Eine Wahnsinnsfamilie“ ein solch sehenswerter Film geworden ist, der es sich zur Aufgabe macht aufzuzeigen was es für ein Geschenk ist Eltern zu sein. Das ist schon eine Leistung für sich innerhalb einer Gesellschaft, in der gerne darüber diskutiert wird welchen Vorteil das bitte haben soll, wenn man in Sachen Freizeit und Finanzen als kinderloses Paar oder Single doch viel besser darsteht. Mag die Geschichte von „Parenthood“ auch immer zu sehr Kino sein, seine Kernaussage trifft ins Schwarze, gibt Kinder-Skeptikern eine ehrliche Antwort, und wen der Film kalt lässt, der bleibt vielleicht wirklich besser kinderlos, der wird mit der Thematik einfach nichts anzufangen wissen. Jedem anderen sei diese warmherzige Komödie jedoch ans Herz gelegt. herausragend


Montag, 20. Oktober 2014

SHRIEKER - DIE FRATZE DES TODES (Shrieker 1998 David DeCoteau)


Fünf in einem leerstehenden Krankenhaus illegal wohnende Studenten müssen sich gegen eine Kreatur aus der Hölle zur Wehr setzen, da jemand Fremdes in dem Gebäude das Wesen versehentlich erweckt hat...


Drum lese nichts laut vor was Du nicht verstehst...

Was David DeCoteau mit diesem ollen Horrorstreifen vorlegt ist ein belangloser Film aus seinem Stamm-Hause von Produzent Charles Band namens Full Moon Pictures. Das ist eigentlich die Heimat billig heruntergekurbeltem aber sympathischen Trashs. Zugegeben, billig passt auf „Shrieker“ zu, er lockt jedoch keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Er ist zu routiniert ausgefallen um ihn zur Aufheiterung gut zu finden, und er ist es ebenso um ihn als Horrorfilm schlecht zu finden.

In gewisser Weise ist dieses Werk schon schlecht zu nennen, es ist immerhin nie spannend obwohl es dies unbedingt sein will, das Monster ist extremst billig zurecht gemacht und die Charaktere sind arg plump ausgefallen, wenn auch verkörpert von halbwegs brauchbaren Nicht-Schauspielern. Aber die Wahrheit ist, dass es da draußen auf dem Videomarkt schlimmeres für Horror-Fans zu entdecken gibt, oft auch von Band selbst produziert.

Der Mann, der sonst mit herrlich schrägen Ideen jongliert, man nehme als Beispiel nur einmal die gefangene Girlband aus "Blood Dolls", bietet diesmal nur eine 08-15 Spukgeschichte. Diesmal ist Band auch wieder nur ausführender Produzent und nicht selbst Regisseur, was eigentlich immer ein gutes Zeichen ist. Dennoch ist Fremdregie keine Garantie für das kleine sympathische Trash-Erlebnis für zwischendurch. Mag sein dass der ein oder andere naive Horrorfilm-Neueinsteiger oder Kinder, die aufgrund ihrer FSK-Ausgrenzung den Film heimlich aus Papas Videoregal schmuggeln müssen, an diesem schlichten Produkt etwas zu gruseln finden, aber selbst „Die Nacht der reitenden Leichen“ ist unheimlicher als das olle Gummigesicht Shrieker ausgefallen, und über dessen Gruselgehalt schmunzeln bereits schreckhafte Persönchen.

Was die Geschichte selbst betrifft, die ist so 08/15 ausgefallen wie der Rest des Streifens. Die Wendungen zum Ende hin sind uninteressant, die Gründe der Täter an den Haaren herbeigezogen und das alles wird zudem noch ziemlich lahmarschig erzählt. Vielleicht weht den ein oder anderen ein Hauch von "The Beach" an, wenn der Gründer der WG den Führer raushängen lässt, eigentlich ist der Vergleich dann aber doch zu übertrieben.

Wer Filme wegen skurriler Besonderheiten guckt muss allerdings dann doch einschalten. In „Shriek“ (Alternativtitel) dürfte es den langsamsten Abspann der Filmgeschichte geben. Mit einfachem Vorspulen bekommt er die Schnelligkeit eines üblichen Abspanns, bei zweifachem Vorspulen ist er immer noch leserlich. Bei einer Lauflänge von gerade einmal 71 Minuten ist das schon eine Dreistigkeit für sich. Andererseits ist es freilich der kurzen Laufzeit zu verdanken, dass „Shrieker - Die Fratze des Todes“ nie wirklich langweilig wird. Wenn man sich nebenbei noch anderweitig beschäftigt und den Film nur mit einem Auge mitverfolgt kann er noch als recht putzig wahrgenommen werden.

Ach, übrigens: „Shrieker“ kommt auf seine Gesamtlänge mit nur acht (!!!) "Schauspielern" aus, den Shrieker bereits mit eingerechnet. Das nenne ich doch mal eine Kostensenkung a la Billigfilmer Band. mittelmäßig

FAST FOOD NATION (2006 Richard Linklater)


Der Marketing-Manager einer Burger-Kette geht vor Ort in die Produktionsstätten, da Lebensmitteltests Fäkalienrückstände aufwiesen. Vor Ort erlebt er einen Betrieb voller illegaler Einwanderer und anderer Dinge die es todzuschweigen gilt...


Gefundenes Fressen für die Presse...

Auf der Bonusdisk der "Super Size Me"-DVD war seinerzeit ein Interview mit dem Autor des Buches, auf dem dieser Film basiert, enthalten. In diesem Interview wurden wesentlich mehr Themen innerhalb von 25 Minuten ausführlich abgearbeitet als es der hier besprochene Spielfilm leistet. Stets hält er sich mit unnötigen Dingen auf, stets blendet er Themen da aus, wo sie eigentlich erst beginnen. Da Filme über die Verbrechen des Turbokapitalismus noch immer Mangelware sind, ist es um so bedauerlicher wenn ein Film nicht alles tut um uninformierte Menschen wachzurütteln. Ansätze sind in „Fast Food Nation“ vorhanden, emfehlenswerter ist besagtes Interview.

Ein Mann erzählt, dass es für die Burger-Firma toll wäre einen Schlachtbetrieb gefunden zu haben, der für so wenig Geld Fleisch liefert. Das ist ein guter Ansatz, darauf kann man bauen. Neben aller berechtigter Konzernkritik wäre dieser Satz aber der ideale Auslöser gewesen, auch Kritik am Konsumenten zu tätigen. Ein Konzern kann erst dann Mitarbeiter schlecht behandeln und billig Fleisch herstellen, wenn der Konsument billig einkaufen will. Dass der Konsument im Laufe der Jahre des Wohlstandes seine Pflichten vergessen hat und nur noch fordert (und in erster Linie ja auch billig fordert) müsste ihm ebenfalls vorgehalten werden. Konzerne können nicht ohne die Dummheit des Konsumenten groß und mächtig werden. Unsere Welt ist schließlich keine Zauberwelt. Hier hätte der Film gute Aufklärungsarbeit leisten können, die sonst üblicher Weise nur Dokumentarfilme leisten.

Als kleiner Trost ist „Fast Food Nation" zumindest nicht langweilig ausgefallen und kann immerhin Menschen informieren, die von der Materie des Themas noch gar keine Ahnung haben. Für alle anderen erzählt das Werk bereits Bekanntes aus dem traurigen Alltag hinter der Werbe-Blende und von dem was die Masse aus Michael Moores Werken bereits kennt. Es ist sicherlich kein Fehler diesen Film zu sehen, aber Kopf und Kragen riskiert um gegen den Willen der großen Burgerfirmen aufzuklären haben die Macher des Streifens auch nicht gerade. Somit ist „Fast Food Nation“ eine feige Art einen mutigen Film zu drehen. mittelmäßig

Sonntag, 19. Oktober 2014

HILFE, MEINE BRAUT KLAUT (1964 Werner Jacobs)


Valentin Haase umwirbt eine Frau ohne zu wissen dass sie Millionärin ist. Deswegen lassen ihn so einige Missverständnisse glauben seine Herzensdame wäre eine Diebin...


Braut klaut, Blaukraut und Rotkohl...

Im selben Jahr des sympathischen „...und sowas muss um acht ins Bett“ drehte Peter Alexander mit Regisseur Werner Jacobs und Schauspiel-Kollege Gunther Philipp „Hilfe, meine Braut klaut“. Anstatt Schlagersängerin Gitte Haenning agiert diesmal Schlagersängerin Cornelia Froboess an seiner Seite, und anstatt diesmal den Pennäler-Komödien a la „Die Lümmel von der ersten Bank“ vorzugreifen erleben wir die klassische Verwechslungs-Komödie a la „Schäm Dich, Brigitte“, jedoch versehen mit einem romantischem Schwerpunkt a la „Hilfe, ich liebe Zwillinge“.

Gesungen wird auch, jedoch erleben wir zuvor angenehme 51 Minuten in denen dies nicht getan wird. Ab dann gibt es kein Halten mehr. Ein Lied folgt dem nächsten, innerhalb von 12 Minuten 4 Lieder, und dann kehrt wieder Ruhe ein, und die Geschichte kann ohne die Unterbrechung eines kompletten Liedes fortgesetzt werden. Mit Gesang muss man in einem Peter Alexander-Film rechnen, so war die alte Zeit, und nicht jeder Song nervt.

So wird beispielsweise ein auf russisch getrimmtes Lied recht liebevoll in das tatsächliche Geschehen integriert, noch treffender wird ein Lied in das Szenario eines 50. Hochzeitstages eingebaut. Mancher Song, der erste zum Beispiel, wird jedoch nur vor sich hin geträllert ohne wirklich kompatibel mit dem Restfilm zu sein. Das ist schade. Ein heiteres Duett mit Gunther Philipp, der Höhepunkt von „...und sowas muss um acht ins Bett“, gibt es diesmal leider nicht zu erleben.

Wesentlich angenehmer sind jedoch die unbesungenen Szenen in einer Geschichte, die etwas zu sehr bemüht mit Verwirrungen um sich schmeißt und damit manchmal etwas zu extrem in den Klamaukbereich abrutscht. Das schadet dem ansonsten recht charmant gespielten und geschriebenen Film schon ein wenig, letztendlich bleibt „Hilfe, meine Braut klaut“ jedoch sympathisch genug um simpel unterhalten zu werden. Philipp spielt stur und starrsinnig wie gehabt, mit einer liebevollen Übertreibung zu seinem Beruf als Detektiv, was fast ein wenig an „Sledge Hammer“ zu erinnern weiß. Und Peter Alexander beweist mal wieder dass er mehr als nur der vor sich hin trällernde Schlagersänger in einem Spielfilm ist, setzt Mimiken treffsicher ein, tanzt choreographisch leichtfüßig und weiß auch sonst seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Etwas mager wirkt die Darstellung seiner Schlagerkollegin Froboess, die zwar austauschbar spielt, aber ohnehin nur das Anhängsel des männlichen Duos ist, welches für die wahren Lacher der Geschichte verantwortlich ist. Das sind dann zwar (mittlerweile?) eher kleine Schmunzler als große Lacher, aber sie wissen zu gefallen, wirken nur selten krampfhaft gewollt wie in dem Szenario um das Aneinandergekettetsein mit schlüssellosen Handschellen, sondern gefallen meist, so z.B. in der parallel zur Handschellensituation ablaufenden Szene, in welcher der mit Haase befreundete Detektiv in einem teuren Restaurant feststellen muss, dass seine Begleitung mit Vorliebe teuren Champagner trinkt, während er pleite auf seinen Kumpel wartet, der ihm Geld vorbeibringen wollte.

Der letzte Schliff zur wahrlich gelungenen Verwechslungs-Komödie fehlt, und die Grundlage warum die Millionärin lügt ist ein wenig dünn aufgetragen, aber „Hilfe, meine Braut klaut“ weiß auf klassische und damals zeitgemäße Art zu unterhalten und verkommt nicht zum pausenlosen Singsang, der manch anderen Peter Alexander-Film unerträglich macht. Der international benannte „Help, My Bride Steals“ ist der Zwischendurchverzehr für Freunde der leichtfüßigen 50er/60er-Jahre Phase deutscher und österreichischer Komödien. Wer als Cineast Gefallen an dieser Art nostalgischer Filmkunst hegt, kann bedenkenlos reinschalten. unterhaltsam


EIN MANN GEHT DURCH DIE WAND (1959 Ladislao Vajda)


Der Finanzbeamte Buchsbaum hat nicht so viel aus seinem Leben gemacht wie er gekonnt hätte, was daran liegt, dass er sich alles gefallen lässt ohne sich zu wehren. Als er die Fähigkeit entdeckt durch Wände zu gehen, krempelt er sein Leben um...


Grenzenlose Freiheit...

Heinz Rühmann sieht man eigentlich nie in übernatürlichen Stoffen agieren. Der Fantasy-Gedanke jemand könne durch Wände gehen wirkt mit ihm in der Hauptrolle fremd. Das verrückteste jenseits der möglichen Realität in einem seiner sonstigen Filme dürften die Träumereien seiner Filmtochter in „Der Lügner“ gewesen sein, wenn er einen Astronaut im All spielt oder den Chef des Weltrates. Die Geschichten in denen er mitspielt sind immer bodenständiger Natur. Und so wundert es nicht, dass es „Ein Mann geht durch die Wand“ trotz des fantastischen Elements im Zentrum vom Grundton her ebenfalls ist.

Zwar testet Buchsbaum seine Grenzen, tut verrückte Sachen und versucht mit seinem neuen Talent die Frau seines Herzens zu erobern, alles so wie es ein Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ getan hat, die Taten einer Rühmann-Figur werden jedoch nie wirklich ausgeflippt und arbeiten innerhalb der braven, konservativen Welt eines jeden Rühmann-Filmes, eine Welt mit einer Ur-Moral ohne Alternativen, der Welt des ehrlichen Durchschnittsbürgers, einer Welt der Tugend und Aufrichtigkeit. Die Orientierung seiner Figur ist die eines fast jeden Filmes mit ihm. Und wie so oft wird sie der fehlerhaften Welt gegenüber gestellt, die nicht so läuft wie sie es ethisch sollte.

Und in dieser Welt voller Normen und Bodenständigkeit wird selbst das durch die Wand laufen innerhalb seiner wahnsinnigen Idee in Grenzen gehalten. Aus dem sinnbildlichen Rat des durch die Wand schreiten sollens, wird das tatsächliche Können dieser Sache in der Realität. Anfangs ungern gesehen, später gerne genutzt, viel später als Unnötigkeit angesehen, meistert Buchsbaum mit dieser Fähigkeit eine Art Midlife Crisis, nur dass er sich keine bunten Hosen anzieht und junge Damen aufreißt, sondern sich zur Wehr setzt und seinen Mann steht.

Nachdem mit der neuen Fähigkeit in der Arbeitswelt für Gerechtigkeit gesorgt wird, erreicht „Ein Mann geht durch die Wand“ den obligatorischen Romantik-Bereich, in welchem wieder mal die soziale Ader Rühmanns zelebriert wird, die fast wichtiger erscheint als die Gefühle zu der Dame selbst. Aber so ist sie, die Welt der Rühmann-Filme, und so muss sie auch sein, schließlich erwartet man diese beim Einschalten eines seiner Werke. Mir würde sein moralisches Tun fehlen, zumal er es immer mit einem schelmischen Schmunzeln anreichert, was solche Filme schließlich rettet.

Neben typischer zwischenmenschlicher Schelmereien geht man diesmal, weil die Geschichte es auch erstmals zulässt, ebenso amüsiert mit der Grundthematik um. Man spielt mit dem Umgehen von Spezialeffekten, sich scheinbar darüber bewusst sein, dass die angewendeten nicht wirklich Gold wert sind, und man spielt mit den Tücken der Fähigkeit durch die Wand zu gehen, z.B. wenn ein Bild ungünstig hängt, oder die bequeme Pose des sich an die Wand Anlehnens nicht mehr angewandt werden kann.

Somit versprüht „Ein Mann geht durch die Wand“ auf verschiedenen Ebenen Komik, angereichert mit einem kleinen Hauch Dramatik, was zur Dosis Fantasy passt, die aufgrund der Thematik geringer ausgefallen ist, als man vermuten würde. Wie typisch für diese Art Film wird der Hintergrund der neu erlangten Fähigkeit nicht erörtert, auch wenn zumindest kurz darüber spekuliert wird, was zeitgemäß auf religiöser Ebene stattfindet. Und ähnlich wie in Murrays Vergleichsfilm wird das Fantastische der Geschichte wie ein Fluch behandelt, der nach der Läuterung des Betroffenen beendet ist.

„Ein Mann geht durch die Wand“ ist ruhig erzählt, zahm ausgefallen wie so ziemlich jede Rühmann-Komödie, und so wird sich jener heimisch fühlen, der die Werke des beliebten Schauspielers regelmäßig aufsucht. Freunde fantastischer Stoffe wird das ganze eventuell zu lahm oder brav vorkommen, aber auch die können, vorausgesetzt sie finden gefallen an der Nostalgie alter Filme, nett unterhalten werden.

Vajdas Film ist schließlich ein sympathisches Stück Kurzweile geworden, in welcher der Mensch im Zentrum steht mit all seinen Pros und Kontras, und dies im Retro-Gewandt schaut sich sehr angenehm, gerade mit Rühmann in der Hauptrolle. In gewisser Weise tut es gut zu erkennen, dass all dies was wir heute verfluchen schon damals Alltag war. Die Welt der Ethik und des Wettbewerbs ändert sich nicht, und sie wird sich nie ändern. Da wirkt „Ein Mann geht durch die Wand“ wie ein seelisches Trostpflaster - auch wenn er fälschlicher Weise an das Gute im Menschen glaubt und sich damit einer Träumerei hingibt. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Freitag, 17. Oktober 2014

ZWEI HINREISSEND VERDORBENE SCHURKEN (Dirty Rotten Scoundrels 1988 Frank Oz)


Zwei Gauner, die Frauen um Geld prellen, jagen im selben Revier. Eine Wette soll entscheiden wer bleiben darf...


Ein Gauner zuviel?...

Kaum zu glauben, aber Steve Martin sollte ursprünglich die Rolle des stilsicheren Gauners Lawrence spielen, bestand aber auf die Rolle des Freddy. Sicherlich darf dessen Charakter mehr Wandlungen erfahren und dank eines einfallsreichen Drehbuchs in verschiedene Rollenmuster fallen, aber eigentlich liegt die wahre Herausforderung in der Rolle des Lawrence, die perfekt beherrscht werden muss, um die kleinen, leisen Töne dementsprechend wirken lassen zu können. Verstehe einer Martin, der in seiner Wunschrolle aufblüht und umwerfend komisch spielt, aber immerhin haben wir seiner Entscheidung wegen Michael Caine als Ersatzbesetzung des Lawrence zu verdanken, der geradezu perfekt erscheint diesen Charakter auszufüllen.

Mit diesen beiden Stars, welche in der einfallsreichen Geschichte eines pointensicheren Drehbuchs mitspielen, kann ein Film schon nicht mehr scheitern, und „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ darf man wohl zu den besten eher unbekannten Werken mit Steve Martin zählen, so skurril manche Situationen hier sind, so stilsicher, konsequent und wendungsreich die Geschichte erzählt ist und so ur-komisch wie sich der Streifen schaut. Martin kalauert sich durch eine intelligent erzählte Story, die stilreiche Momente ebenso zulässt wie völlig durchgeknallte, wobei Regisseur Frank Oz selbst diese stilvoll zu inszenieren weiß. Würde bleibt selbst dann bestehen, wenn Martin in einem völlig idiotischen Outfit am Tisch sitzend während einer Mahlzeit vor den Augen eines Gastes seine Notdurft verrichtet.

Ob ein Korken auf einer Gabel, schmerzhafte Erfahrungen eines Rollstuhlfahrers mit einem Schwert, eine Belehrung wie man Geld auszugeben habe, eine Liebesnacht mit ungewöhnlichem Ausgang oder ein Allesklebereinsatz während einer Party, „Dirty Rotten Scoundrels“ (Originaltitel) sprudelt nur so vor schräger Ideen, ordnet diese aber dem Sinn und roten Faden seiner Handlung unter, und achtet mit größtem Respekt auf die Glaubwürdigkeit und psychologischen Gesetze seiner jeweiligen Charaktere.

Mag der Witz manches Mal im Dialog, ein anderes Mal in einer lustigen Mimik und hin und wieder in der Situationskomik liegen, so oder so dürfen die drei Profis Caine, Martin und Oz dem Projekt ihren persönlichen Stempel aufdrücken, Martin beispielsweise in einer Knastszene, in welcher sein Humor kaum klassischer hätte ausfallen können. Caines stilvolles Spiel hingegen wirkt als würde er bereits für seine wunderbare Rolle in „Miss Undercover“ üben, in welcher er die Grundeigenschaften von Lawrence noch einmal perfektionierte, wenn vom Niveau her auch im schwächeren Umfeld. So oder so gehört die absolute Körperbeherrschung zu Caines Vorzügen, wie auch sein gekonntes Spiel in „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ beweist.

Frank Oz, der mit Steve Martin bereits in „Der kleine Horrorladen“ zusammen gearbeitet hat, beweist Überblick und das Talent für niveauvolles Humor-Entertainment, das er meiner Erfahrung nach erst in seinem „Die Frauen von Stepford“ verloren hat. Seine Werke „Was ist mit Bob?“, „In und out“ und „The Score“ (ein ernster Film) hingegen sind alle zu empfehlen, und dass seine erneute Zusammenführung mit Steve Martin in „Housesitter“ nichts wirklich Geglücktes hervor gebracht hat, lag weder an ihm noch an Martin. Aber davon erzähle ich ein andermal.

Interessant ist, dass „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ der unterschiedlichsten Gattung Cineast gefallen kann. Egal wie konservativ man sein mag oder wie albern man es mag, für jeden ist etwas dabei in einem harmonierenden Cocktail, der bei so viel Abwechslung nicht, wie man erwarten könnte, so viele Kompromisse eingehen muss bis er nicht mehr schmeckt. Der Ton trifft nie daneben, die Geschichte erfährt nie Leerlauf und das Gekabbel der beiden völlig unterschiedlichen Gauner verläuft sich nicht in einer sich ewig wiederholenden Schleife ähnlicher Ereignisse. Das oberste Prinzip der Geschichte heißt Weiterentwicklung, und das betrifft Personen ebenso wie den Verlauf, oftmals sogar den Humor. Da an diesem nicht gespart wird und alles andere auch so positiv wirkt, kann man „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ wirklich nur empfehlen. herausragend


Donnerstag, 16. Oktober 2014

WIEGE DES TERRORS (Relative Fear 1994 George Mihalka)


Im Umfeld des autistischen Adam kommt es immer wieder zu Todesfällen. Mit der Zeit zweifelt die Mutter an seiner Krankheit. Ist sie nur die Tarnung eines außergewöhnlichen psychopathischen Kindes?...


Zu viele Zufälle...

Die Grundidee des Streifens ist ja nun wirklich nicht ohne, hätte aber auch ein professionellen Drehbuch benötigt, um wirklich glaubwürdig zu sein und den Zuschauer ernsthaft zu verunsichern. So wirklich glaubt der aber nicht an den Jungen als Täter. Zugegeben, man beginnt kurzfristig zu zweifeln, aber die Inszenierung verrät eigentlich schon zu früh, dass da etwas anderes im Busch sein muss. Es bieten sich immer andere Möglichkeiten an, und Kamera und Schnitt gestehen in Todesszenen ungewollt, dass sie mehr verbergen als die womögliche Tat des Autisten.

Zwar kann man sich „Wiege des Terrors“ durchaus mal geben, seine arg konservative Umsetzung macht ihn aber zu einem solch austauschbaren Film zu den ihn bereits der lahme deutsche Titel macht und damit zu keiner Empfehlung. Zwar ist „Relative Fear - Die Wiege des Schreckens“ (Alternativtitel) glaubwürdiger und geradliniger erzählt als Mihalkas berühmter „Blutiger Valentinstag“, aber der besaß dafür andere Stärken, wirkte dreckiger, einfach nicht so glatt poliert. Immerhin die Auflösung weiß zu überraschen, weht nur aus einer ungefähr vermuteten Richtung, aber auch sie überzeugt nicht wirklich.

Die Schauspieler schlagen sich wacker, auch der Mime des kleinen Adams, wahre Größe beweisen sie aber alle nicht, fügen sich also nur den Stand der Mittelmäßigkeit ein, die den kompletten Film umweht. Ich bin nun wirklich ein Freund der Sub-Gattung Horrorfilm mit bösen Kindern, aber „Relative Fear“ (Originaltitel) konnte ich nicht wirklich etwas abgewinnen, dafür fehlt ihm einfach die nötige Stimmung, ein individueller Touch oder eine andere Besonderheit außerhalb der Norm einer TV-Produktion. Trauriger Weise ist er laut IMDb nicht mal eine. mittelmäßig


Sonntag, 12. Oktober 2014

CONSTANTINE (2005 Francis Lawrence)


Ein Detektiv für paranormale Fälle stößt auf mysteriöse Hintergründe bei dem Tod einer vom Dach einer Nervenheilanstalt gestürzten Person...


Was dem letzten Mann auf Erden sein Will Smith, ist dem Constantine sein Keanu Reeves...

Gleich vorweg: Constantine ist eines jener Werke, welches dank großer Ideen wirklich ein großer Film hätte werden können, wenn einem nicht, typisch Blockbuster, so viel Unfug um die Ohren gehauen würde. Das sich wohlige Unterhaltenfühlen wird immer wieder unterbrochen durch das Schlagen der Hand auf die Stirn des Zuschauers, ein Reflex der automatisch einsetzt wenn man das Publikum unterschätzt, Hollywood sich überschätzt und Quantitäten über Qualitäten gestellt werden.

Es ist mit Sicherheit richtig Keanu Reeves aufgrund seiner mangelnden schauspielerischen Fähigkeiten den Coolen spielen zu lassen, schließlich zeigte er im ersten „Matrix“, dass er diesen Part brauchbar auszufüllen weiß. Auf der anderen Seite ist es aber grundsätzlich ein Fehler einen Film komplett auf cool zu trimmen. Das schließt ein erwachsenes Publikum aus. Wenn überhaupt, dann muss es innerhalb einer normalen Erzählstruktur cool angelegte Rollenbilder geben, und meist ist ein ironischer Unterton von Nöten, damit selbst dies funktioniert. „Constantine“ hätte diesen benötigt, er ist jedoch nicht vorhanden.

Es ist mit Sicherheit richtig Höllenkreaturen technisch mühevoll und geglückt zu animieren. Die Idee mit den halb offenen Köpfen wirkt ebenso wie das krabbelnde Viechzeug. Auf der anderen Seite ist es aber ein Fehler andere gute Ideen, die nur für kurze Zeit benötigt werden, mit einer schlechten Animation zu bestrafen. Wenn z.B. im Laufe des Films Kühe umkippen, weil ein böser Mann sich ihnen nähert, ist das eigentlich eine brauchbare Idee. Sie blieb es leider nur in der Theorie, da die Tiere nicht halbwegs echt aussahen. Für eine Großproduktion ist das eine Frechheit, wenn man bedenkt dass Spezialeffekte im Massenkino oft der einzige Pluspunkt sind.

Es ist mit Sicherheit richtig unangenehme Themen wie Lungenkrebs in ein solches Werk mit einzubauen. Es steigert die Dramatik, es zeigt, dass auch Filme mit phantastischen Elementen die graue Realität streifen kann. Auf der anderen Seite ist es ein Fehler solche Ideen im späteren Verlauf der Geschichte zu vergessen. Constantine raucht nicht mehr, Constantine hustet nicht mehr, und das alles ab jenem Zeitpunkt wo nicht mehr genügend Raum für die Charaktere vorhanden ist, da die Action zelebriert wird. Ich verstehe es ja noch, wenn ein Held aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse nicht mehr zum Rauchen kommt, aber er müsste zumindest noch husten müssen, aufgrund der vielen Bewegung sogar mehr als zuvor. Selbst als Sinnbild einer von Gott gewollten gesundheitlichen Verbesserung aufgrund der seelischen Verbesserung Constantines, kann das nicht funktionieren bei einem Film, der an jeder anderen Stelle dem Publikum nicht zutraut etwas von selbst zu verstehen.

Diese Aufzählungen guter Ideen, die wieder zunichte gemacht werden durch die ihnen gegenüber stehenden schlechten Ideen oder der unbefriedigenden Umsetzungen guter kann man ewig fortführen. Das bedeutet freilich nicht, dass „Hellblazer“ (Alternativtitel) nicht auch positive Elemente besitzen würde, die kein negatives Gegenstück nach sich ziehen. Auf der Habenseite sei die Besetzung Gabriels erwähnt. Es ist eine erfrischende Idee ihn von einer Frau spielen zu lassen, und die Maske sorgt dafür, dass dieser Einfall nicht nur theoretisch geglückt ist. Auch wie Gabriel in die Geschichte integriert wird, wie er sie beeinflusst und wie interessant sein Charakter gestaltet ist unterstützen seine positive Wirkung. Man könnte nach der Sichtung des Streifens ewig über das Für und Wider seiner Gedanken und seines Geisteszustandes diskutieren.

Leider gibt es auch rein negative Elemente in Francis Lawrences Film. Es ist leider ein typisch amerikanisches Denken zu glauben, dass eine neutrale Person sich doch auf die Seite der Guten stellt, wenn ein solcher nicht mehr weiter weiß. Ja, ich weiß du bist neutral, aber hey, ich bin Amerikaner. Wir sind immer auf der richtigen Seite, also hilf mir jetzt gefälligst! - Ja, ist okay, hast ja recht. Neutral sein ist ja auch nichts Gutes, also helfe ich Dir! Also bitte! Und hätte der Verweis auf die Schweiz diesbezüglich nicht ungenannt stattfinden können?

Trotz all des Schimpfens sei einmal erwähnt, dass „Constantine" mit weit heruntergeschraubten Ansprüchen unterhalten kann. Er ist beileibe kein einschläferndes Werk. Ich hab es aber einfach satt in Popkornfilmen der 00er und 10er Jahre immer das Hirn ausschalten zu müssen. Das geht bis zu einem gewissen Grad, aber auf Durchzug stellen fänd ich zu bedenklich für meinen eigenen Zustand und ein Film der dies von mir erwartet halte ich für eine fragwürdige Angelegenheit. Das 80er-Kino und noch mehr das 70er-Kino haben uns immerhin gezeigt, dass ein gewisser Grad Anspruch auch im Popkorn-Kino funktionieren kann, ohne die dummen Menschen, die nun einmal auch Filme gucken möchten, dabei auszugrenzen. Ich wünschte diesen Respekt würden Blockbuster-Filme dem denkenden Publikum heutzutage als Gegenleistung ebenso entgegen bringen. mittelmäßig

Samstag, 11. Oktober 2014

THE QUIET ONES (2014 John Pogue)


In den 70er Jahren möchte ein Professor mit seinem Team eine geisteskranke Frau heilen, die über telekinetische Fähigkeiten verfügt. Im Laufe der Zeit zweifeln die jungen Leute, ob die Theorie ihres Profs stimmt, oder ob die Patientin nicht doch eher von etwas Bösem besessen ist...


Die Fremde in Dir...

Laut dem DVD-Cover von skrupellosen Forschern handelnd, die eine Frau geisteskrank machen möchten, um in ihr einen Poltergeist herauf zu beschwören, handelte „The Quiet Ones“ in Wirklichkeit von einem Forscher-Team, das eine unter ihren telekinetischen Fähigkeiten leidende Frau heilen möchte und im Laufe dieses Experiments vermutet die Patientin könne besessen sein. Die Cover-Story hatte mich gelockt, somit war ich schon ein wenig enttäuscht, dass mir da ein Bär aufgebunden wurde, aber Horrorfilme mit einem Forschungsobjekt im Zentrum machen mir eigentlich immer Spaß, also hat mir auch die tatsächliche Geschichte Freude bereitet.

„The Quiet Ones“ ist eine der Produktionen aus den wiederbelebten Hammer-Studios. An „Let Me In“ weiß John Pogues kleiner Film nicht heran zu reichen, an den sympathischen „Wake Wood“ jedoch schon. Aber ebenso wie dort braucht man nicht mit wirklichem Grusel zu rechnen. Die beiden Filme sind nette Werke weil ihre Geschichte zu unterhalten weiß, nicht weil sie gruselig wären, funktionierende Schockmomente besitzen würden oder mit Spezialeffekten nur so um sich werfen würden. Die Geschichte ist nicht wirklich neu, lässt aber alle Eventualitäten lange offen, damit der Zuschauer mit den Studenten schön miträtseln darf was denn nun Fakt ist und was nicht.

Und damit das ganze nicht all zu altbacken wirkt, mixte Pogue stilistisch die klassische Art zu filmen mit der  Methode des Found Footage, das mit „The Blair Witch Project“ massenkompatibel geworden war. Ob dieser Mix zwingend nötig gewesen wäre, sei einmal dahin gestellt. Ich glaube nicht dass die Found Footage-Szenen ein Gewinn sind, und dass „The Quiet Ones“ ohne sie weder besser noch schlechter ausgefallen wäre, aber beide Stilrichtungen wissen immerhin nebeneinander zu harmonieren, ergeben am Ende einen kompletten Film und kein mühsam zusammengeflicktes Stückwerk, und dank talentierter Schauspieler und einer rätselhaften Geschichte weiß der Forscher-Film in diesem Gewand somit auf simpler Ebene zu gefallen, als kleiner Genre-Beitrag für zwischendurch, ohne dabei zum Geheim-Tipp zu werden.

Das Zeug dafür hätte er gehabt, aber dann hätten sich die Verantwortlichen des Drehbuchs entscheiden müssen was sie wirklich erzählen wollen. Denn so sehr sie auf der einen Seite alles möglichst lange zum Miträtseln offen halten wollen, so sehr vergeigen sie es auf der anderen Seite der Auflösung genügend Screentime zu bescheren und das lange Rätseln damit befriedigend zu lösen. Es ist zwar schön, dass der Zuschauer sich am Ende vieles selbst zusammenreimen darf, aber den Fokus der Geschichte etwas spezieller halten hätte dieser Hammer-Produktion durchaus gut getan.

Viele Storyelemente werden nur kurz angeschnitten, so z.B. die Idee, dass sich der Kameramann in die Patientin verliebt, oder der Verdacht der Professor könnte die Zerbrechlichkeit seines Untersuchungsobjektes sexuell ausnutzen. Nur wenige Stränge werden konsequent aufgegriffen, noch weniger werden beendet. Da wirkt manches gerne mal wie Füllmaterial, zumal das ganze am Ende keinen psychologisch sinnvollen Cocktail ergibt. Glücklicher Weise wird „The Quiet Ones" aber auch nie langweilig, und manch nicht zu Ende gedachter Storystrang schafft es einen immerhin kurzfristig zu verwirren bei dem Versuch zu enträtseln was mit der Patientin denn nun los ist. Schließlich weiß man erst hinterher, dass besagte Ideen nur kurz aufgegriffen werden. Von daher erfüllen sie zumindest einen Zweck.

Unter einer besseren Regie hätte es sicherlich funktionierende Gruselszenen geben können. Die Geschichte bietet hierfür einiges an Möglichkeiten, da ist es schon schade, dass nichts dergleichen atmosphärisch vorhanden ist. Uns zu ängstigen versteht Pogue nicht, der drei Jahre zuvor mit „Quarantäne 2“ das amerikanische „[Rec]“-Remake „Quarantäne“ fortsetze. Dieses fehlende Grusel-Feeling degradiert „The Quiet Ones“ lediglich zu einem kleinen, feinen Horrorfilm, der aber zumindest Leuten wie mir zu gefallen weiß, Leuten die es mögen wenn im Science Fiction- oder Horrorbereich die Forschung im Mittelpunkt steht. Vielleicht hätte der Film im dramatischen Bereich ein wenig emotionaler ausfallen können, quasi als Alternative zum fehlenden Gruselgehalt. Aber auch mit dem schlichten Ergebnis wie erzielt bin ich bereits zufrieden gestellt. unterhaltsam

Mittwoch, 8. Oktober 2014

28 DAYS LATER (2002 Danny Boyle)


Jim erwacht in einem menschenleeren Krankenhaus in einem menschenleeren London und muss schnell feststellen, dass ein Virus den Großteil seiner Artgenossen in aggressive zombieartige Infizierte verwandelt hat. Gemeinsam mit der zufälligen Bekanntschaft Selena versucht er zu überleben...


Das wahre Erbe Romeros...

Es waren „28 Days Later“ und der ihm zwei Jahre später folgende „Dawn Of The Dead“ von Zack Snyder, welche in den 00er Jahren die zweite Zombiewelle im Kino auslösten, die heute nach über 10 Jahren noch immer aktuell ist. Während man über die Qualitäten von Snyders Pseudo-Remake eines Sub-Genre-Klassikers von George A. Romero streiten kann, bietet Danny Boyles Film über rennende zombieartige Infizierte vieles von dem, was viele Nachfolger nicht begriffen haben. Er nutzt das klassische Zombie-Szenario, steckt es in eine Endzeit-Welt a la „Der Omega Mann“, und wirft nun nicht einfach mit fixen Ideen um sich, sondern mit durchdachten. Da er nebenbei auch die Charakterzeichnung nicht ignoriert, kommt ein cleverer Genre-Beitrag dabei herum, der an den Nerven zerrt und mit dessen Protagonisten man mitfühlen darf.

Ein großartiger Soundtrack und künstlerich wertvolle Fotografien machen „28 Days Later“ zu einem Leckerbissen seines Genres, von Danny Boyle nie zu hektisch, sondern eher langsam inszeniert, und doch inhaltlich vieles hineinpackend, wofür ein Romero wesentlich mehr Laufzeit benötigte. Sein Werk steht denen des Zombie-Meisters in nichts nach, erweitert sogar manche Idee aus der ersten Zombiewelle der 70er und 80er Jahre und achtet sowohl in Sachen Inhalt, Aussage und Figurenzeichnung auf psychologische Richtigkeit, so z.B. in einem der dramatischsten Momente, in welchem sich das Fehlverhalten einer Person rächt, die sich immer unter Kontrolle hatte.

Der Autor des Streifens hält sich streng an die von ihm selbst gesetzten Gesetzmäßigkeiten und Bedingungen, und so bleibt seine Geschichte selbst dann größtmöglichst glaubwürdig, wenn sich ein Fahrradkurier erfolgreich mit professionellen Soldaten anlegt. Untypisch für diese Art Film ist sein Optimismus, und den hervorragenden Grundlagen sei Dank wirkt dieser nicht fehl am Platz, sondern steckt, ganz im Gegenteil, den Zuschauer an, in einer Welt in welcher er, wenn auch sicher vor dem Fernseher sitzend, das Grauen hautnah miterleben musste.

„28 Days Later“ lässt einen nicht kalt, geht sein Szenario konsequent nach und macht dabei alles richtig, so dass er, trotz ähnlichem Inhalts, im Gegensatz zur allseits beliebten und überschätzten, da psychologisch scheiternden, Serie „The Walking Dead“ auch jenen Filmfreunden zu empfehlen ist, die sich nur in der Ausnahme der Zombie-Thematik nähern.

Danny Boyles Einstieg in die neue Zombiewelle ist auch gleich eines der besten Werke dieser, und man darf als Freund des Sub-Genres dankbar für seinen gesellschaftskritischen und glaubwürdigen Film sein (mit Abstrichen auch für die Fortsetzung „28 Weeks Later“), besitzt er doch nicht nur das Niveau von Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“, „Zombie“ und „Zombie 2“, Romero selbst vergeigte es in den 00er Jahren mit „Land Of The Dead“ und „Diary Of The Dead“ leider komplett das eigene Niveau seiner vergangenen Werke zu erreichen, so dass man sich mit „28 Days Later“ über diese Enttäuschungen bestens hinwegtrösten kann. herausragend

Montag, 6. Oktober 2014

GAMERA GEGEN BARUGON - FRANKENSTEINS DRACHE AUS DEM DSCHUNGEL (Daikaijû kettô: Gamera tai Barugon 1966 Shigeo Tanaka)


Kurz nachdem Gamera auf die Erde zurückgekehrt ist, muss es gegen ein Monster kämpfen, das aus einem frisch geklauten Ei entschlüpft ist...


Schildkröte gegen Drachen-Ei...

In einer Fantasy-Monster-Box lauerte mir Gamera auf unter der Ausrede Godzilla zu sein. Mein erster Gamera-Streifen mit der dreisten Titeltäuschung „Godzilla - Monster des Grauens“, den es aber u.a. auch unter den Titeln „Godzilla - Der Drache aus dem Dschungel“ und „Gamera gegen Godzilla“ gibt, unterhielt mich ganz gut in einem Mix aus freiwilligem Trash und einigen eher unbeabsichtigten Lachern. Die Story ist schön stupide, Gamera als Wesen als solches ebenso, und so soll es ja schließlich auch sein für den eingefleischten Japan-Monsterfan, eine Gattung Cineast zu der ich nicht zähle.

Interessant ist zunächst einmal, dass Gamera, der in der deutschen Synchronisation anders genannt wird, kaum vorkommt. Der Großteil der Story beschäftigt sich mit einem Drachen mit einem Horn auf der Nase mit dem Namen Godschilla. Ob das nur eine der Aussprachen für Godzilla ist, oder ob „unauffälligst“ auf ihn angespielt werden sollte, weiß ich nicht, denn wie gesagt kenne ich mich mit dieser Gattung Film kaum aus. Besagter Drache kann Eis versprühen und ist auch sonst ein unangenehmer Zeitgenosse, der den Menschen lästig wird.

Die bekommen das Monster zwar nicht bekämpft, aber zumindest finden sie heraus, dass man den Gegner durch künstlichen Regen in Schach halten kann. Mit diesem Regen wird Godschilla nicht nur schwächer, er wird gar vollkommen kampfunfähig. Das ist schon zum Schießen! Eine Operation „Operation Regenbogen“ zu nennen, weil eines der Viecher solche herbei zaubern kann, ist auch ein herrlich trashiger Einfall. Aber dies nur so nebenbei erwähnt!

Dass die Kreaturen in einem solchen Streifen die eigentlichen Hauptfiguren sind, war mir schon vorher klar. Dass die menschlichen Identifikationsfiguren als solche jedoch erst arg spät eingeführt werden, überraschte mich dann doch. In der ersten Hälfte von „Dragonwars - Krieg der Monster“ (Alternativtitel) verlassen sich die Verantwortlichen für den Inhalt ernsthaft darauf, dass die Viecher den Film so gut wie alleine tragen könnten. Ein Mann und eine Inselschönheit, gespielt von einer Darstellerin von der man nur einen Gesichtsausdruck vorgesetzt bekommt (wow, was‘n Schauspieltalent), werden zur zweiten Hälfte dann doch noch zur Identifikation für den allein gelassenen Zuschauer vor der Flimmerkiste. Dass das grade bei ihr  aufgrund der eben erwähnten Vielfalt ihrer Schauspielkunst nicht wirklich funktioniert wie geplant, dürfte klar sein.

Aber wie gesagt, „Panik - Dinosaurier bedrohen die Welt" (Alternativtitel) soll ohnehin nur Trash sein, ist als solcher also auch so gewollt, also stellt man sich ohnehin auf recht krude Unterhaltung ein. Ein solches Trivial-Werk soll schlicht Spaß bereiten, freilich um nebenbei aus der „Godzilla“-Welle ordentlich Geld abzugreifen, was die Moral des Streifens um so verlogener macht, in der es heißt dass Geldgier etwas schlimmes ist, und dass es gut wäre, wenn sie für immer aus der Welt verschwinden würde. Welt, wieviel weniger Trash-Filme hätten wir zu sehen bekommen, wenn es die Geldgier nicht gäbe? Und wieviel besser wären die ollen Monsterkämpfe im hier besprochenen Film ausgefallen, wenn man aus der Geldgier heraus nicht ordentlich Moneten gespart hätte, Moneten genug, um in solchen Szenen schlechter dazustehen als die „Godzilla"-Konkurrenz, die nun auch nicht gerade mit tollsten Spezialeffekten um sich schmiss.

Wurde ich unterhalten? Und ob! Hatte das Anspruch? I wo! Hätte das irgendwer verlangt? Sowieso nicht! War es mehr als amüsanter Durchschnitt? Nööö! Eine Offenbarung für den Durchschnitts-Zuschauer ist Gamera ohnehin nicht, und ich denke mal dass Japan-Monsterfans diesen Film auch nicht zu ihren Top 10 zählen werden. Aber denen reicht sicherlich ebenso wie mir das akzeptable Ergebnis zum Schnellverzehr. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 5. Oktober 2014

ZOMBIE NIGHT (2003 David J. Francis)


Gerade eben war noch alles normal und nur kurz darauf ist die Welt bevölkert von Zombies. Eine kleine Gruppe Menschen schließt sich ein und hofft auf Rettung. Dort auf Teamwork angewiesen sorgt nicht nur ein unerträglicher Zeitgenosse für Ärger, auch die Zombies lassen sich nicht so leicht abwimmeln...


Die Nacht der gähnenden Toten...

Der kanadische „Zombie Night“ ist nur etwas für Fans des Zombie-Subgenres. Was sich wie eine Empfehlung für Stammgäste dieser Art Film liest, ist jedoch von mir anders gemeint. Der Grund warum man den ein oder anderen Zombiefilm schon gesehen haben sollte ist jener, dass Vorkenntnisse scheinbar von den Verantwortlichen der Geschichte erwartet werden. Das Werk ackert jeglichen Storyaspekt im Schnellverfahren durch. Urplötzlich sind die Zombies da, die Gruppe Überlebender findet sich viel zu schnell zusammen. Selbst Locations werden arg flott gewechselt. Das Woher und das Wie-töten wird in Rekordschnelle erkannt.

Nun könnte man meinen „Zombie Night“ wäre aus diesen Gründen ein flotter Vertreter seiner den Videomarkt überflutenden Gattung, aber weit gefehlt. Er guckt sich langatmig. Außerdem irritiert er mit seinen dämlichen Zeitsprüngen, die zwar gerne mal nur wenige Stunden betragen, aber reichen um ein mangelndes Feingefühl David J. Francis‘ deutlich zu machen. Dem Zuschauer fällt es damit schwer sich in die ohnehin lahm charakterisierten Gruppenmitglieder einzufühlen, wenn beispielsweise eine Person der Gruppe Überlebender das scheinbar sichere Versteck verlassen will, nur um nach einem schlecht gesetzten Zeitsprung sofort wieder rein zu wollen. Der Zeitunterschied ist kaum erkennbar.

Zudem will der Film eine Geschichte wie Romeros "Zombie" erzählen, nur dass ihm dafür das nötige Kleingeld fehlt. Was beim Zombie-Make-Up nicht viel ausmacht (billig umgesetzt, aber halbwegs effektiv ausgefallen) wirkt jedoch äußerst schädigend wenn man sich zu wenig Statisten leisten kann. Wie will man eine weltweite Zombiebedrohung darstellen, wenn immer nur ein paar Leutchen als die untote Bedrohung durchs Bild huschen?

Dass die Darsteller der größeren Rollen arg mau spielen wird wohl kaum noch wen nach der Aufzählung der bisherigen Negativpunkte überraschen. Die Charaktere die sie spielen wirken sprunghaft wie vieles andere im Film. Sie bestehen aus groben Charaktereigenschaften, formelhaft jegliche Individualität vermissen lassend, und die Auseinandersetzungen die sie untereinander austragen wirken unnötig und aufgesetzt, deshalb eingebracht weil dies zu einer solchen Geschichte dazuzugehören hat. Als wäre das alles nicht schon unvorteilhaft genug, sehen sich alle Protagonisten auch noch viel zu ähnlich, mit Ausnahme des Quotenschwarzen versteht sich, der als Klischee nicht fehlen darf.

Ein guter Drehbuchautor muss sich nicht nur in Figuren und Situationen hinein denken können, er muss auch gut planen können. Und so sind Filme dieser Art oft deshalb gut erzählt, weil es in obligatorischen Gruppen die sich in diesen thematisch ähnlichen Stoffen bilden auch immer einen Organisator gibt, jemanden der den Überblick behält und trotz der Gefahrensituation möglichst rational denkt. Das fängt bei dem Schaffen von Grundlagen wie Schutz, Nahrungsmittelorganisation, Lebensmitteleinteilung, dem Einteilen von Wachschichten und ähnlichen Dingen an. Sollte es ein Zufall sein, dass wir bei „Zombie Night“ ein mieses Drehbuch vorliegen haben und die Gruppe gleichzeitig eine solche Planungsfigur vermissen lässt?

Dass man bei all den Negativpunkten zu keinem positiven Ergebnis gelangt, ist klar. Zurück bleibt ein verärgerter Zuschauer, dessen Laune sich sicherlich nicht durch die Dreistigkeit bessert, dass Sonnenauf- und Untergang getrickst werden, in dem man das vorhandene Bildmaterial einfach auf- bzw. abdunkelt. Endlich gibt es kein Drumherumreden mehr. Der Zuschauer wird verarscht, dies offensichtlich, aber zumindest sorgt solch eine Sequenz endlich einmal zum lachen, nachdem „Zombie Night" ansonsten unfreiwillige Komik vermissen lässt und sich lediglich staubtrocken und todlangweilig guckt, da er sich trauriger Weise bierernst nimmt und sich selbst die Darsteller scheinbar für irre gute Mimen halten, so ernst und selbstsicher wie sie dilettantisch spielen.

Also, Finger weg von dieser Billig-Produktion, die wirklich gar nichts zu bieten hat, nicht einmal bedrohliche Zombieszenen. Die hier auftauchenden Untoten warten nämlich gerne mal das Ende eines Dialoges ab, bevor sie nach langem Nichtstun und Herumstehen lahm agierend angreifen. schlecht


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 4. Oktober 2014

SUPERMAN RETURNS (2006 Bryan Singer)


Nach Jahren im Weltall kehrt Superman auf die Erde zurück und muss feststellen, dass sich viel verändert hat. Nur eines nicht: Lex Luthor plant wieder etwas teuflisches...


Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug?...

Zunächst einmal muss ich den Produzenten dieses Films meinen Respekt aussprechen. Nach so vielen Jahren Pause nicht einfach nur einen neuen Superman-Film fertigzustellen, so wie es die Verantwortlichen des „Batman"-Franchise taten, sondern trotz des Flops von „Superman 4“ nach 19 (!!!) Jahren eine echte Fortsetzung der Reihe zu drehen ist mutig und kosequent zu nennen. Toll auch das deshalb die Titelmusik und die Titelsequenz beibehalten wurden. Das steigerte die Erwartungshaltung natürlich enorm. Aber leider habe ich mich zu früh gefreut. Der Film schwächelt, ohne gleich zur Katastrophe des jüngsten „Man Of Steel" zu werden, im Vergleich zu diesem ist „Superman Returns" ein Segen. Aber toll ist das Ergebnis trotzdem nicht zu nennen.

Der Film fühlt sich nicht echt an. Noch extremer als in bisher allen „Spider-Man"-Filmen, inklusive jener mit Andrew Garfield, wirkt der Superheld bei seinen Einsätzen zu computeranimiert, so als würde man das Begleitfilmchen eines Computerspieles anschauen. Auch alles um Superman herum wirkt oftmals ebenfalls zu unecht, weil es, ähnlich wie in "Sky Captain and the World of Tomorrow", noch einmal mit dem Computer bereinigt wurde, wenn nicht sogar komplett am Computer animiert. Und das unangenehmste von allem: die Gesichter der Protagonisten sind so extrem überarbeitet wie die Covergirls der TV Spielfilm, die wie geklonte sterile Möchtegern-Schönheiten aus der Welt der Chirurgie wirken.

Das Casting ist okay zu nennen, kommt aber was Superman und Luthor betrifft leider nicht an die Besetzung der alten Filme heran. Bedenkt man mit wie viel Freude seinerzeit Luthor gespielt wurde und wie lahm der an sich talentierte Kevin Spacey unmotiviert agiert, geht einiges von der möglichen Atmosphäre seiner Szenen flöten. Zumindest sind sie mit ordentlich Humor angereichert. Ohnehin fehlt es dem fünften Teil nicht an der Komik der alten Werke. Allerdings vermisse ich hier einfach das charmante Spiel Reeves, der seinen Clark Kent so unglaublich lustig angelehnt hatte und in seiner Tolpatschigkeit so wunderbar zu beherrschen wusste.

Zumindest Louis Lane ist nun besser besetzt als einst, wirkt nun halbwegs attraktiv, und ihr Charakter wurde modernisiert. Endlich glaubt man dieser Person ihr Talent und Engagement für den Beruf der Journalistin, und endlich wirkt sie emanzipiert genug, um nicht nur das zu rettende hilflose Wesen zu sein, das ohne den Schutz eines Mannes nicht existieren kann.

Warum Superman weg war, warum er wieder da ist und was so alles während seiner Abwesenheit passiert ist, ist eher unspektakulär und einfallslos zu nennen. Ohnehin dümpelt „Superman Returns“ ohne echte Höhepunkte vor sich hin, baut das Szenario zwar zunächst lobenswerter Weise erst einmal langsam auf, so wie es seinerzeit der erste „Superman“ tat, leider erreicht Teil 5 aber niemals dessen entspannte, ereignisreiche Atmosphäre und dessen Spannungsbogen. Okay, der Film ist guckbar, aber er ist im Endeffekt nur lahme Routine. Und in solch einem Zustand können 140 Minuten zur Bewährungsprobe der Geduld des Zuschauers werden.

Etwas schade, da unnötig, finde ich auch die Widersprüche zu den Vorgängern aus den 70er und 80er Jahren. Supermans toter Vater erklärte seinem Sohn einst, er dürfe nur dann eine Beziehung zu einer Erdenfrau führen, wenn er seine Kräfte ablegt. In „Superman Returns“ entpuppt sich Louis Kind nun plötzlich als das vom Krypton-Alien, nur um einen dramatischen Aspekt mehr mit einbringen zu können. Auf solchen Kleinigkeiten herumzuhacken mag Korintenkackerei sein, aber wenn man auf der einen Seite Respekt vor den alten Filmen zeigt und sich an ihnen orientiert, sollte man die dort gelebten Comic-kulturellen Gesetzmäßigkeiten nicht einfach ignorieren und auf Kosten neuer Ideen und mit Blick auf ein junges Publikum verraten.

Wirklich schaden kann das eine Fortsetzung aber ohnehin nicht, die bereits mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat. „Superman Returns" ist in der Theorie eine tolle Idee und in seiner Inszenierung kein totaler Flop, aber er ist einfach maues Mittelmaß, und so ungerecht es auch sein mag: schlecht guckt sich oft besser als mittelmäßig, so dass der unterirdische „Man Of Steel“, der von einer Fehlentscheidung in die nächste tritt, zumindest theoretisch betrachtet der interessantere Film ist, einfach weil es überrascht wie respektlos man mit der Comicvorlage umgehen kann. „Superman Returns“ guckt sich eigentlich zu lahm, um als Cineast interessiert zu schauen, was denn nun wirklich schief gelaufen ist. mittelmäßig

Freitag, 3. Oktober 2014

ROXANNE (1987 Fred Schepisi)


Der intelligente Bales ist in die attraktive Roxanne verliebt. Die wiederum interessiert sich für den dümmlichen Chris, der allerdings viel zu schüchtern ist Roxanne anzusprechen. Bales hilft ihm, in dem er in dessen Namen Liebesbriefe an die Angebetete schreibt. Die ist von den geschriebenen Zeilen hin und weg, so dass sie sich auf eine Beziehung mit Chris einlässt mit der alle Drei nicht glücklich werden...


Cyrano de Naserac...

Viele der richtig geglückten Steve Martin-Filme stammen aus seiner eigenen Feder. „Roxanne“ ist ein solches Werk und kann als Fingerübung Martins für den erwachseneren „L.A. Story“ betrachtet werden, in dem er ebenfalls Stil, Köpfchen, humoristische Romantik und Albernheiten gekonnt vereint, jedoch etwas besser aufeinander abgestimmt als hier. Zudem beruht der spätere, pofessionellere Film auf keinem Fremdstoff, wohingegen „Roxanne“ eine moderne Variante von „Cyrano de Bergerac“ ist, was ihn allerdings weniger zu einer Neuverfilmung macht, als viel mehr zu einer Komödie, die mit allerhand Elementen dieses klassischen Stoffes spielt.

Mag der hier besprochene Film auch noch nicht so ausgereift wie der ihm vier Jahre später folgende sein, auch „Roxanne“ ist eine wundervolle romantische Komödie mit gut aufgelegten Stars und sympathisch agierenden kleinen Lichtern aus dem Schauspielbereich. Daryl Hannah spielt zu ihrer attraktivsten Zeit, Steve Martin scheut sich inmitten einer recht niveauvollen Erzählung nicht mit Albernheiten zu sparen, und mag der Akteur des Chris auch nur gut aussehen ohne dabei sonderlich positiv auf beruflicher Ebene zu glänzen, das Drehbuch beschert ihm allerhand lustiger Szenen, meist auf seine Dummheit bauend, dies aber nie böswillig, was der Feel Good-Komödie ansonsten sicherlich hätte schaden können.

Nicht immer harmonieren Klamaukszenen und Dramatik, aber jede Szene für sich gesehen kann man als gelungen betrachten, und da das meiste durchaus ineinander greift, braucht man sich an den paar wenigen Momenten die es nicht tun auch nicht aufzuhängen. Dafür ist „Roxanne“ viel zu sympathisch ausgefallen. Die Gefühle stecken an, der Humor lässt einen schmunzeln, lächeln und lachen, und manches mal darf der Film auch nachdenklich stimmen, handelt er doch von vielen kleinen menschlichen Fehlern, Macken und Eigenarten, so dass genug dabei ist mit dem man sich selbst identifizieren kann. sehenswert


AUF MESSERS SCHNEIDE - RIVALEN AM ABGRUND (The Edge 1997 Lee Tamahori)


Ein Milliardär und ein Fotograf, die beide um eine Frau konkurrieren, stürzen mit dem Flugzeug über dem Jagdrevier eines Bären ab...


Mit Bären ist nicht Honig schlecken...

Anthony Hopkins und Alec Baldwin, zwei Stars mit denen ich bisher nicht all zu viel am Hut hatte, spielen wunderbare Rollen, und sie spielen diese gut, was zwar von Profi Hopkins zu erwarten war, bei Alec Baldwin jedoch eher überrascht, auch wenn er der talentierteste seiner Familie ist. Die Einführung der Rollen die sie spielen hat mir so gut gefallen, dass ich sofort im Film drin war und es mir fast schon egal war worum es eigentlich nun gehen wird. Ein gutes Zeichen! Und so blieb es dann auch: der Film erzählte auf packende, teilweise spannende, Weise was das gute Drehbuch ihm vorgab.

Hauptdarsteller Hopkins hat die interessantere von beiden Rollen erwischt. Sein Milliardär ist gelangweilt, man erfährt nie wie er an sein Vermögen kam, und die Idee dass er mit einem breiten Spektrum an Allgemeinwissen glänzt macht seine Figurenzeichnung besonders reizvoll und erinnert ein wenig an DeNiros Rolle in "Ronin". Klischees werden möglichst umgangen. Niemals wird erwähnt, dass er aufgrund seines Reichtums ein böser oder fragwürdiger Mensch wäre, sogar das Gegenteil ist der Fall, es werden eher seine Leiden aufgrund seines Reichtums angeschnitten. Zeit das ganze wirklich tiefsinnig zu verfolgen hat man in „Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund" aber ohnehin kaum, da es im Film stets um den Überlebenskampf geht, und wenn es dann doch mal hintergründig wird, dann wenn es darum geht wo der Mensch heute steht und auf was die Natur den zivilisierten Menschen im Kampf auf Leben und Tod reduzieren kann und was er dann noch wert ist.

Alec Baldwins Rolle wird zwar als zweifelhafter Charakter eingeführt, seine Mimik verrät uns aber zu früh dass er tatsächlich der Bösewicht des Streifens ist. Das ist nicht weiter schlimm, er spielt es gekonnt, und dank eines guten Drehbuchs bekam ein Skeptiker wie ich doch hin und wieder seine Zweifel ob er geläutert wird oder nicht. Im Nachhinein hätte ich es besser gefunden, wenn die gemeinsamen Geschehnissen des Films zu einer Männerfreundschaft geführt hätte. Hätten die Erlebnisse einfach zwei unterschiedliche Menschen zusammengebracht, indem der eine von beiden seinen Neid überwindet und damit auf ein Gut- oder Böse-Schema verzichtet worden wäre, hätte „The Edge“ (Originaltitel) zusätzliche Pluspunkte sammeln können. Aber im Amerikakino rechnet man mit so einem naiven Gedanken nicht ernsthaft, nicht im Star-Kino-Bereich.

Stars hin oder her, die Hauptattraktion von „Bookworm“ (Alternativtitel) ist der Bär, und der wirkt selbst für hartgesottene Cineasten erschreckend, er wirkt natürlich und nicht wie ein für einen Film trainiertes, zahmes Wesen. Kurz gesagt: er wirkt echt! Dass die Verantwortlichen des Streifens keine Puppen, Kostüme oder Computereffekte verwendeten weiß ihnen der Filmfreund aufgrund des authentischen Ergebnisses zu danken, das macht seine Auftritte tatsächlich zu großem Kino. Der Bär stampft nicht nur mal kurz durchs Bild, ständig taucht er auf, wird zur beständigen Bedrohung, bis sich unsere Helden darüber bewusst sind, das sie sich ihm stellen müssen, komme was wolle. Hierbei erreicht der Film, der eher dem Abenteuerbereich zuzuordnen ist, einen Spannungsbogen den viele Thriller und Horror-Werke vermissen lassen.

Die wunderbar fotografierte Naturkulisse könnte man glatt als Hauptdarsteller Nummer 4 bezeichnen und sorgt für den letzten, entscheidenden Schliff. Dass hier nicht im Studio gedreht wurde sieht ein Blinder, und man hätte dort auch nie die hier eingefangene Authentizität der Wildnis darstellen können. Auch der Green Screen kam glücklicher Weise nicht zum Einsatz. Wieder gilt das Lob den Verantwortlichen die richtige Entscheidung getroffen zu haben, so dass die Natur in ihrer facettenreichen Art wirken kann. Mal wirkt sie bedrohlich, mal friedlich, aber doch immer fremd für den zivilisierten Menschen. Das verhilft „The Wild“ (Alternativtitel) mitunter zu seiner atmosphärischen Stärke.

Es ist auch schön zu beobachten, dass die Frauenrolle nicht rein der Quote wegen unnötig vergrößert wurde, sondern dass wir es hier ungeschönt mit einer Gruppe Männer zu tun haben, die sich auf Männerart unterhalten, rivalisieren und sich so dem Problem stellen wie es für ihr Geschlecht typisch ist. Bereits mit dem Schwarzen im Dreierteam ist die politisch korrekte Pflicht Hollywoods erfüllt, schön dass man nicht noch Frauenrechtlern den Tag versüßen wollte, oder a la „Nur noch 60 Sekunden“ die Rolle eines weiblichen Stars zur verzweifelten Zuschauerlockung krampfhaft ins Geschehen integrierte. Von daher wurden viele Entscheidungen von Produzenten- und vielleicht auch von Regieseite aus so getroffen, wie sie in Hollywood nicht üblich sind. Das lässt einen über manch auftauchendes Klischee großzügig hinweg sehen, so dass „Auf Messers Schneide“ einfach nur gut zu unterhalten weiß. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

EIN TICKET FÜR ZWEI (Planes, Trains and Automobiles 1987 John Hughes)


Neal Page möchte pünktlich zum Erntedankfest zu Hause sein, aber es gibt Probleme mit seinem Flug von New York nach Chicago. Er ist gezwungen auf andere Art Heim zu kommen, und auf recht merkwürdige Art ist er dabei an den nervigen Dale Griffith gekettet, der das selbe Ziel hat...


Flugzeuge, Züge und Automobile...

„Ein Ticket für zwei“, im Deutschen so genannt weil „Solo für Zwei“ ein großer Erfolg war, gehört zu den besten Werken mit Steve Martin, der diesmal den für die Rolle der stillosen Nervensäge ideal gecasteten John Candy zur Seite gestellt bekommen hat, während Martin vom Grund-Typ her noch einmal den relativ konservativen Menschen spielen darf, wie er bereits in „Solo für Zwei“ angedeutet wurde. Während beide Komiker jeweils ihr persönliches Ding durchziehen, sprich ihren speziellen, individuellen Humor einbringen dürfen, trägt das Gesamtwerk die klassische Handschrift von Regisseur John Hughes, der mit „Planes, Trains and Automobiles“ (Originaltitel) sein Ausnahmewerk schuf, nachdem er ansonsten nur Filme mit Teenagern und jungen Erwachsenen gedreht hat.

Sein Humor funktioniert auch in der Erwachsenenwelt (und wie spätere Produktionen des guten Mannes zeigen sollten auch in der Kinderwelt), und wer „Ferris macht blau“ kennt, der darf sich auf ein Wiedersehen drei bekannter Gesichter freuen, von denen zwei eigentlich den selben Typ Mensch verkörpern wie in der berühmten Teenie-Komödie um den Schulschwänzer. Aber John Hughes-Produktionen gucken sich ohnehin immer wie kleine Familienzusammenkünfte, lediglich Steve Martin kehrte nie wieder in einem Film aus dem Hause Hughes zurück, dabei passt er hervorragend in dessen Welt.

„Ein Ticket für zwei“ lebt jedoch nicht nur vom kompatiblen Zusammenfinden der drei individuellen  Humor-Richtungen dreier Profis ihres Fachs, Hughes komponiert einen Großteil der Szenen gar bis zur Perfektion durch, ob sie nun zur untermalten Musik passen oder ohne solche ihren idealen Rythmus finden. Zudem gesteht er dem Film lange Szenen zu, z.B. jene in welcher Page ausrastet und sich nach einer nervigen Nacht Luft macht, indem er seinen Reisebegleiter aufs Übelste beleidigt, wenn auch nicht völlig grundlos. Gleichzeitig steht diese Szene Pate für das gelungene Zusammenspiel von zum lauten Lachen einladender Komik und dem Tiefgang, der immer wieder mit einhergeht, gefühlvolle Szenen jenseits von Kitsch, zumindest wenn es um den Haupterzählstrang geht.

Unangenehm fallen lediglich die völlig unnötigen, da nicht einmal einen Kontrast bildenden, Szenen auf, in welchen die auf Neal wartende Ehefrau gezeigt wird. Nicht nur dass sie den mit heutigen Augen so unterkühlten Frauentyp repräsentiert, bei dem jede Sympathie flöten geht, jegliche Szene mit der Frau und den Kindern wäre nicht nötig gewesen. Man hätte die Geschichte komplett ohne sie erzählen können. Eine Frauenrolle am Telefon hätte durchaus gereicht, und den Schluss hätte man einige Minuten vor dem eigentlichen Schluss stattfinden lassen können. Der ganze Hickhack im trauten Heim ist unnötig, zumal der Zuschauer sich denken kann was dort passiert. An anderer Stelle baut Hughes auf das Mitdenken des Zuschauers. Das macht den völlig unlustigen und unsentimentalen Schluss um so unnötiger. Lachend gemeinsam den Koffer tragen und Ende, damit hätte der Film meiner Meinung nach perfekt geschlossen.

Diese Kritikpunkte sind für den Hauptfilm jedoch nicht wirklich von Bedeutung, schwächeln das Werk darunter doch nur minimalst, und eine Flut an skurrilen Figuren, geistreichen Witzen, herrlich flachen (aber niemals stillosen) Albernheiten, amüsante Dialoge und die Charakterzeichnungen, sowie das Spiel mit und die Entwicklung von ihnen, all das und vieles mehr macht „Ein Ticket für zwei“ so unglaublich sehenswert und lässt besagte Negativpunkte bestens verkraften.

Selten traf eine amerikanische Großproduktion so genial den Lachmuskel und die Gefühlswelt des Zuschauers zugleich. John Hughes Komödie ist ein Evergreen, auch wenn man ihm die 80er Jahre all zu gut ansieht, und eine der größten Empfehlungen was familientaugliche Komödien der 80er Jahre betrifft. Ein schöner Soundtrack rundet die Sache ab, selbst der wird erst in besagter letzter Szene schlecht, aber auch damit kann ich ganz gut leben. „Planes, Trains & Automobiles“ kann ich immer wieder gucken. Schön wenn geistreich und albern, sowie lustig und gefühlsbetont in so großartiger Harmonie Hand in Hand gehen. herausragend


Weitere Reviews zum Film: