Dienstag, 26. August 2014

RAW - DER FLUCH DER GRETE MÜLLER (2013 Marcel Walz)


Drei junge Frauen ziehen gemeinsam los um einen Dokumentarfilm über die Hexe Grete Müller und die Legende, die um ihren Fluch herum entstanden ist, zu drehen. Nachts kampierend an den Ruinen des Ortes wo sie einst verbrannt wurde lauert das Grauen auf die Mädels...


Eine wahre Geschichte...

Der Legende nach gab es einst im 20. Jahrhundert ein Werk namens „The Blair Witch Project“, von dem man erzählt es habe seinen Erfindern und seinem Vertrieb bei wenig Kosten so viel Reichtum beschert, dass seit dem ein Fluch auf dem DVD-Konsumenten liegt mittels paranormal aktiver Kraft fast ein Jahrzehnt nach dessen Erscheinung Jahrein Jahraus immer wieder von vergleichbaren Folgewerken auf dem Heim-Videomarkt heimgesucht zu werden, denen es an der Kraft und Magie des Besonderen fehlt und dem Zuschauer jegliche Kraft beim Betrachten raubt, so dass er beim Zusehen geistig entweder in einen tiefen Schlaf entführt wird oder die Nerven derart gereizt werden, dass ein pausenloses Augenverdrehen dem Zuschauer fremdgesteuert seine Kontrolle über den Körper nimmt.

Neben den unangenehmen Erscheinungen einer künstlich konstruierten „Paranormal Investigations“-Reihe spricht man in Kreisen derer die an Found Footage glauben auch von Sichtungen einer sogenannten „RAW“-Reihe, die sich mit dem Fluch der Grete Müller beschäftige, und ein besonders übles Objekt sei, so penetrant wie es dem „Blair Witch Project“ nachäfft, gar penetranter als es ein stümperhafter „The Dark Area“ je versucht haben soll, oder ein Charles Bandiger „The St. Francisville Experiment“, von dem überlebende schlombiehafte Rezensenten gar behaupten eine unheimliche Wirkung gespürt haben zu wollen.

Die unangenehme Erscheinung „Raw“ zeichne sich darin aus, jegliches Feingefühl des von ihm geplünderten Originals vermissen zu lassen, jegliches Talent zum psychologischen Verständnis für Genre, Sub-Genre, Filmstil und Geschichte, Situationen und Personen in einem schwarzen Loch an Unvermögen komplett in sich auf Nimmerwiedersehen aufgesogen zu haben, um dem Zuschauer gegenüber ein dilettantisches Etwas auszukotzen, das ihn von der Aussprache der sogenannten „Schauspieler“ her seit seiner Grundschulzeit während der ersten Leseübungen nicht mehr widerfahren sei. Ein peinliches Bemühen um eine unheilvolle Stimmung sei ebenso vorhanden, unter welcher der Zuschauer bei Sichtung dieses Werkes zu leiden habe, unterstützt von um Spannungsaufbau bemühter Musik, die sich aufgrund fehlenden Verständnisses für Authentizität in gefakten Realszenen in ein Gebiet verlaufen hat, in welchem sie nichts zu suchen hat.

Auch spricht man davon, dass der Zuschauer beim Betrachten der etwa 75minütigen Aufnahmen fast von Übelkeit heimgesucht werde, bei der selbst für Found Footage-Verhältnisse penetrant ungeschickten verwackelten Kameraaufnahmen, welche der Professionalität der um einen Dokumentarfilm bemühten Trullas erste Risse beschert, die in ihrem Unvermögen sachlich, kreativ und glaubwürdig an das Projekt heranzugehen in einer endgültigen Ruine besagter Professionalität mündet.

Man spricht davon, dass innerhalb der ewig ausgeschlachteten Found Footage-Welle auch „RAW“ endlos ausgeschlachtet werden solle, so wie es dem einst gelungenen „Paranormal Activity“ mit seinen wenig unterhaltsamen Anhängseln erging, heißt es doch ein „RAW 2“ habe bereits im heuer laufenden Jahr die Macht über einige silbernen Scheiben ergattert. Und jene die von ihm besessen wurden, sind auch mit den besten Exorzismen nicht mehr zu befreien um sie gegen gute Unterhaltung auszutauschen. Der Fluch brennt sich so tief in sie ein, dass man ihm entweder mit den zu Beginn erwähnten Symptomen erliegt oder den Fluch per Staubfänger bannt, was wohl die klügste Entscheidung wäre. Man mutmaßt jedoch in Zukunft gar von „RAW 3“ und „RAW 4“ belästigt zu werden, aber um Himmels Willen: wollen wir es bloß nicht herbeirufen!!!

Aber eins sei gegen Ende zur Warnung noch ausgesprochen: mit der Staubfänger-Taktik bannt man, zumindest zunächst, nur den Fluch um „RAW“, nicht aber den Fluch um die Legende von „The Blair Witch Project“, der noch locker einige Jahrzehnte geldgeile Nachahmungs-Täter inspirieren wird tätig zu werden, so dass der Zuschauer auf der Hut sein muss diesen vom kreativen Täter unterscheiden lernen zu müssen, um vom angenehmen Teil des Fluches kosten zu können, der ihm mit „[Rec]“, „Cloverfield“ und Jahrzehnte vor Fluchbeginn mit „Die Delegation“ beschert werden kann. Nur tofunerdige, schlombonische und vergleichbare den Bodensatz erforschende Unterarten der Cineasten-Gattung   sollten sich mit den Untaten der talentfreien Geldgeilen weiterhin beschäftigen, um die Abspielgeräte Dritter rein zu halten und die Geldbeutel ohnehin Hobby-Gebeutelter voll.


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