23.08.2014

FRÖHLICHE WEIHNACHT (1984)

Der einzigen Regie-Arbeit von Schauspieler Edmund Purdom, der in seinem eigenen Film die Rolle des Inspektors Harris übernahm, sieht man in seinem Stil die leicht durch amerikanischen Einfluss verwässerte britische Handschrift deutlich an. Dass sich „Fröhliche Weihnacht“ damit äußerst europäisch guckt, liegt aber auch daran dass die Rezeptur dieses englischen Horror-Thrillers stark dem italienischen Giallo ähnelt, so dass Freunde dieser Gattung Kino-Erlebnis ruhig auch hier einen Blick riskieren können.

Die Morde sind hart umgesetzt, wenn auch nicht immer optisch glaubwürdig, das Hauptaugenmerk der Ermittlungen liegt gleichermaßen bei der Polizei wie auch bei einer aus privaten Gründen ermittelnden Person, und nackte Haut darf auch nicht fehlen. Ein humoristischer Grad ist vorhanden, jedoch sehr gering gehalten, und das ganze wurde künstlerisch recht wertfrei simpel abgefilmt, was den Streifen aufgrund seiner plumpen Story ganz klar zum Schmuddelfilm degradiert, anfangs jedoch zu jener Art, die man mit Freude am Anspruchslosen und Reißerischem auch gerne hin und wieder konsumiert.

Da kommt es „Fröhliche Weihnacht“ zu Gute dass er ein Produkt aus der ersten Hälfte der 80er Jahre ist, wo noch leicht ein 70er Jahre-Einfluss spürbar ist, während Mode und Tempo das tatsächliche Jahrzehnt nicht mehr leugnen lassen. Somit ist „Don‘t Open 'Till Christmas“ (Originaltitel) in der letzt möglichen Kino-Phase entstanden, in der dreckige kleine Filme noch auf schlichte Art geradeaus erzählt waren ohne entweder unnötig die Story aufzupeppen, oder zu zahm oder politisch korrekt angegangen zu sein. Produziert hat den Streifen Dick Randall, der zwei Jahre später im selben Gebiet den wesentlich schlechteren „Die Todesparty“ abgeliefert hat, ein Slasher der endgültig in den 80er Jahren badete.

Der im selben Jahr von „Stille Nacht, Horror Nacht“ entstandene „Fröhliche Weihnacht“, der das Thema des Konkurrenzfilmes genau von der anderen Seite angeht, könnte an sich ein sympathischer Vertreter der Gattung Schmuddelfilm sein, aber leider verstrickt und verirrt sich Purdom in dem eigentlich recht leicht überschaubaren Plot und verliert immer mehr die Übersicht dessen was nötig und unnötig ist, bis die Unnötigkeiten Überhand nehmen und in einem Meer an Unlogiken und Widersprüchen enden.

Warum ein Mann seinen psychopathischen Bruder in einer Klinik aufsuchen kann, obwohl dieser mordend durch London wandert ist ebenso unklar wie die Frage, warum eine junge Frau bei einem Besuch in der Klinik an jegliche Antwort gerät, eine Frage die wohl auch der Autor der Geschichte nicht erklären konnte, weswegen der komplette Besuch ab dem Eintritt ins Büro des Chefarztes weggeblendet wird. Der Schluss-Gag, nach dem der komplette Film im Original benannt wurde, weist ähnliche Lücken auf, fragt man sich doch warum der gute Mann ein Geschenk seines Bruders öffnen sollte, von dem er weiß wie sehr dieser Weihnachten hasst.

Mit diesem Beispiel sind wir jedoch im Randbereich angekommen, wo Logik nicht mehr wichtig ist. Aber da sich diese auch in den Ermittlungen und den Taten des Mörders wiederfinden (was soll z.B. die unnötige Entführung einer Stripperin und das an anderer Stelle nicht benötigte Palavern mit ihr?), durchbricht „Fröhliche Weihnacht“ die für dieses Genre übliche Dosis Unsinn und lässt den Film selbst für seine Gattung recht sinnlos erscheinen. Dank des sympathischen Schmuddel-Touchs ist der Film jedoch immerhin Durchschnitt für Freunde anspruchsloser Horror-Kost und damit immer noch besser als manch anderer Slasher jener Tage. Ich erinnere da nur mit Schaudern an den völlig Sehwert-freien „Splatter University“.  OFDb

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