Sonntag, 28. Dezember 2014

DIE TANZMEISTER (The Dancing Masters 1943 Malcolm St. Clair)


Stan und Ollie betreiben eine Tanzschule, stehen aber kurz vor dem Rauswurf weil sie pleite sind. Obwohl sie selbst in Nöten sind helfen sie einem Freund dabei mit seiner neuen Erfindung, den unsichtbaren Strahlen, an Fördergeld zu gelangen...


Versicherungen, Bananenschalen und eine versteckte Bar...

„Die Tanzmeister“ ist der dritte in den FOX-Studios produzierte Dick und Doof-Film nach „Schrecken der Kompanie“ und „Dick und Doof als Geheimagenten beim FBI“. Er guckt sich auch wesentlich entspannter als die ersten zwei Versuche Laurel und Hardy in ein Konzept hineinzuzwängen, welches ihre klassischen Filme um Normen anderer Filme erweitert. Die hier besprochene Komödie wirkt wie ein verzweifelter Rückschritt zu alten Ufern, und wird dem fertigen Streifen damit zum Vorteil, gehört er doch neben „Stierkämpfer wider Willen“ zum besten was die beiden Komiker unter den strengeren Produktionsbedingungen von FOX abgedreht haben.

Eine Geschichte braucht hier niemand suchen. Die gibt es nicht. Der Storyverlauf ist gar holpriger und sinnloser eingebracht als in alten Hal Roach-Filmen, die sich diese Kritik immer gefallen lassen mussten. Trotz solcher Schritte zurück zum alten Stil krankt auch „Dick und Doof - Die Tanzmeister“ (Alternativtitel) wie viele der FOX-Produktionen mit den beiden Komikern an zu dominanten Nebenrollen.

Unangenehm fällt in erster Linie die Rolle des jungen Erfinders aus, von der man nicht weiß was die Autoren eigentlich mit dieser bezwecken wollten. Er ist ähnlich trottelig wie die beiden Helden, was ihn je nach Sichtweise entweder zum extremeren Sonderling macht oder Dick und Doof zu normaleren Personen. Eigentlich soll er aber eher ein liebevoller Versager sein, der seine Herzensdame gewinnen soll, was aber dann doch nicht mehr interessiert, da es plötzlich doch eher um seine Karriere geht, und um die zu einem Happy End zu führen baut man auf das diesbezüglich holprige Verhalten eines Unternehmers auf. Was ein Drehbuch!

Ob gewollt oder nicht: wer ebenso wie bei Erni und Bert meint nach homosexuellen Verweisen bei Laurel und Hardy suchen zu müssen, der wird wenn hier fündig werden, wenn Stan Laurel seine Tanzstunden in Frauenkleidung abhält und die klassische Rollenverteilung in Sachen Finanzen, Haushalt etc. immer wieder Ollie als Mann und Stan als Frau positionieren. Das ist zwar Unsinn, „Gehopst wie gesprungen“ (Alternativtitel) will lediglich entspannt unterhalten und Homosexuelles weder fördern noch veralbern, aber wer nach „Hinweisen“ sucht wird auch immer irgendwie fündig werden.

Der Aufhänger dass Dick und Doof Tanzmeister sind, ist nicht von großer Bedeutung und spielt nach der ersten viertel Stunde auch keine Rolle mehr. Das tut dem Film auch sichtlich gut. So darf man dem üblich chaotischen Treiben folgen anstatt endlosen Tänzen, und zu den Highlights zählen diesmal eine Bananenschalenszene (man soll‘s nicht glauben), eine wahnwitzige Busfahrt und das Szenario rund um ein Versteck im Schlafzimmer. Den ahnungslosen Stan unbedingt verletzen zu wollen, um an das Geld der Versicherung zu gelangen, macht aus Ollie in einer längeren Phase des Streifens eine bösartige Person und damit zu jemanden, den wir so nicht kennen. Daran erkennt man die Fremdautoren, denen die Psychologie seiner Figuren nicht vollends bewusst waren, was glücklicher Weise aber selbst in den FOX-Produktionen ein einzelner Ausrutscher bleiben sollte.

Ich persönlich mochte Stan und Ollies ersten Langfilm „Hinter Schloss und Riegel“ nicht, u.a. weil dort auf recht unwitzige Art getanzt wurde. Deswegen tat ich mich etwas schwer mich auf „The Dancing Masters“ (Originaltitel) einzulassen. Um so erleichterter war ich, dass dem Tanzen nicht viel Beachtung geschenkt wird, und die wenigen Ausnahmen charmant lustig ausgefallen sind. Am Ende war trotz aller Skepsis  „Laurel und Hardy - Die Tanzmeister“ (Alternativtitel) gar einer der kurzweiligsten und lustigsten FOX-Filme mit den beiden Comedy-Stars, aber auch der konfuseste, sind seine Storyfragmente doch noch viel mehr Ausrede und Alibi als in anderen Dick und Doof-Komödien.


Samstag, 27. Dezember 2014

STIERKÄMPFER WIDER WILLEN (The Bullfighters 1945 Malcolm St. Clair u.a.)


Da Stan einem großen Stierkämpfer ähnlich sieht und dieser bislang nicht aufgetaucht ist, erpresst ein Veranstalter solcher Kämpfe den dümmlichen Privatdetektiv diesen zu doubeln. Sein Kumpel Ollie steht im so gut wie möglich bei...


Laurel olé!...

„Stierkämpfer wider Willen“ ist die letzte FOX-Produktion eines Dick und Doof-Filmes und damit auch der letzte echte Film der beiden Komiker, standen die Umstände des fünf Jahre später folgenden „Dick und Doof erben eine Insel“ doch so schlecht, dass man das überladene und völlig fremdbestimmte Werk kaum noch als ein Stan und Ollie-Original bezeichnen könnte. Lustlos spielen sie mit, ganz im Gegenteil zu dem in Spanien spielenden Vorgänger, der in vielen Momenten an die bessere Zeit der beiden Komiker erinnert.

Die Raffinesse der Bestzeit fehlt auch „Stierkämpfer wider Willen“, aber er zelebriert beliebte Rituale so gekonnt und fordert seinen Darstellern auch mal wieder etwas mehr ab als in anderen FOX-Produktionen, dass man sich fast an die Zeiten von Hal Roach zurück erinnert fühlt, zumal „Laurel und Hardy - Die Stierkämpfer“ (Alternativtitel) nicht mit unnötigen Nebenhandlungen und zu dominanten Randfiguren zugepackt wurde wie die meisten anderen 40er Jahre-Werke besagten Duos.

Wie immer werden Nichtigkeiten zu Wichtigkeiten, gerade wenn es um kleine Rachemomente geht. Und im Gegensatz zu „Schrecken aller Spione“ lässt man sich für einzelne Chaosmomente auch wieder genügend Zeit, wobei die aus „Hollywood Party“ bekannte Eierszene ganz besonders heraussticht. Wer mit solch infantilen Späßchen nichts anzufangen weiß, der wird bei „Dick und Doof jagen einen Stier“ (Alternativtitel) auf verlorenem Posten stehen, sind es doch genau diese Momente von denen der Film lebt.

Gegen Finale dreht der Streifen komplett auf, verlässt sich dabei aber leider nicht mehr auf Stan Laurel und Oliver Hardy allein, sondern haut dem Zuschauer jede Menge (manchmal absichtlich billige) Spezialeffekte und Archivmaterial um die Ohren, was „Dick und Doof als Stierkämpfer“ (Alternativtitel) optisch zwar allerhand Rasanz beschert, die Komödie humoristisch jedoch bremst. Das schadet dem fertigen Werk nicht wirklich, bedauerlich ist es trotzdem.

Aus der Doppelgänger-Thematik hat man nicht all zu viel herausgeholt. Inhaltlich ist dieser Bereich zwar Hauptaugenmerk der Geschichte, da das Original jedoch erst spät, zum Finale hin, in die Story integriert wird, kommt es nicht zu der Extreme an Verwechslungsmomenten, wie es möglich gewesen wäre wenn beide Doppelgänger sich zeitgleich am Handlungsort aufgehalten hätten. Trickaufnahmen gibt es nur wenige, da beide Laurel-Rollen nur ganz selten aufeinander treffen, aber dafür wissen immerhin andere optische Späßchen des Streifens zu gefallen.

Um die Geschichte an sich darf man nichts geben. Das war in einem Dick und Doof-Film schon immer der Fall. Dementsprechend braucht man auch nicht darüber maulen, dass die ohnehin schon schlichte Geschichte ein solch schlichtes Ende findet. Dank eines angehangenen Schluss-Gags der besonderen Art ist das aber ohnehin entschuldigt, verlassen die beiden Komiker ihre letzte wahre Komödie doch mit einer Pointe, wie man sie auch in einem ihrer frühen Kurzfilme angewendet hätte - die Spielerei mit Spezialeffekten mit eingeschlossen.

Würde „The Bullfighters“ (Originaltitel) ein wenig mehr auf neue Ideen von Stan Laurel setzen und weniger altes recyceln, könnte man von einem richtig guten Film der beiden sprechen. Letztendlich ist „Stierkämpfer“ (Alternativtitel) aber nur gelungenes Füllmaterial für Freunde des Comedy-Duos, besser als das was FOX uns mit den beiden in den 40er Jahren ansonsten beschert hat, aber nicht die Qualität erreichend, die es zu Hal Roach-Zeiten zu bewundern gab. Wenn man aber einen Dick und Doof-Beitrag aus der FOX-Zeit gesehen haben sollte, dann wohl am ehesten diesen hier. Das liegt sicher auch daran, dass Stan Laurel, wenn im Vorspann auch ungenannt, als Co-Regisseur wieder etwas mehr Einfluss auf den Film haben durfte.


OFDb

DICK UND DOOF ALS GEHEIMAGENTEN BEIM FBI (A-Haunting We Will Go 1942 Alfred L. Werker)


Da sie als Sargträger einen lebendigen Gangster anstatt einer Leiche transportiert haben, werden Stan und Ollie über Umwege zu Assistenten eines Zauberers...


Zauberhafte Sargträger...

Dick und Doof, das stand immer für fröhlichen Klamauk, der nie vollkommen geistfrei präsentiert wurde. Das Zeitgeschehen wurde bedacht, und die Figurenzeichnung der beiden hielt sich strikt an feste Charaktereigenschaften welche die beiden sowohl trennte als auch zusammengescheißt hat. Wer aufmerksam hinter die Fassaden schaut, merkt dass mehr hinter der Komik der beiden steckt als ins Gesicht fallende Torten und vergleichbares Chaos.

Als Laurel und Hardy zu FOX wechselten und dabei das Mitspracherecht an ihren Werken verloren ging ein wenig von der HIntergründigkeit der Stoffe flöten. Übrig blieb lediglich der Klamauk und die intelligente Charakterzeichnung der Hauptfiguren. Wie bei den meisten anderen Dick und Doof-Beiträgen besagter Produktionsfirma war dieser Qualitätsverlust aber nicht hinderlich für einen fröhlichen Filmeabend, was mitunter wohl daran liegt, dass man die beiden so wundervoll harmonierenden Stars nach so vielen Jahren und Filmen in ihrer vertrauten Art wie Freunde empfindet. Denen sieht man ihr fortgeschrittenes Alter an, aber eben auch ihre fachmännische Routine.

Den Stil einer grotesken Grundidee auf die alles aufbaut haben die FOX-Schreiber stilistisch zumindest verstanden. So baut „Fauler Zauber“ (Alternativtitel) ebenso wie später auch „Der große Knall“ auf einer solchen auf. War es in "Dick und Doof auf hoher See" die Fabrik für Autohupen und Ollies psychischer Schwächeanfall aufgrund der Lärmbelästigung dort, oder in "Laurel und Hardy als Salontiroler" das Vorhaben in der Schweiz Mäusefallen zu verkaufen, so ist es hier die wirklich hervorragend dämliche Idee der Inflations-Geldmachine. Auf einen solchen Mumpitz können auch nur zwei sehr naive Dorftrottel hereinfallen, herrlich.

Dank der guten Idee einen Zauberer mit in den Mittelpunkt zu stellen, kann wie zu guten alten Kurzfilm-Zeiten auch wieder viel mit technischem Schnick-Schnack gespielt werden. Da verschwindet wer einfach, oder wird kleiner, einer geht links aus dem Bild und kommt rechts wieder raus, und das alles schön sinnfrei umgesetzt, einfach nur um zu belustigen. Das weiß zu gefallen.

Verworren ist hingegen der Storystrang um die Gauner ausgefallen. Ihr genaues Vorhaben war mir nie ganz einleuchtend, auch wenn es Erklärungsansätze gibt. Wer wann wem misstraute und bei wem es einen Vertrauensbruch gab wurde mir nie so ganz klar. Zumindest sind die Verbrecher nett besetzt worden und spielen die klassischen Prototypen von Ganoven alter Kriminalfilme nach. Attraktionen, wie der gefährliche, wenn auch zahm wirkende, Löwe wären bei solch einer kurzweiligen Geschichte nicht nötig gewesen, es ist aber schön dass so etwas trotzdem seinen Weg ins fertige Werk fand.

Völlig untypisch für einen Laurel und Hardy-Film ist es jedoche, dass die Geschichte diesmal als Ganzes wirkt und nicht wie aneinandergereihte Sketche, die etwas lose zusammengetackert nach außen hin nicht immer einen ganzen Film ergaben, so z.B. im wirklich geglückten "Laurel und Hardy in Oxford" oder beim eben erwähnten "Dick und Doof auf hoher See" geschehen. "Laurel und Hardy - Die Geheimagenten" (Alternativtitel) schaut sich hingegen wirklich wie ein in sich geschlossener Film.

Sauer stößt in dieser Hinsicht höchstens der sehr plötzliche Schluss auf, der im Gegensatz zu „Schrecken aller Spione“, bei dem selbiges der Fall war, aber wenigstens eine Schlusspointe beschert bekam, wenn auch eine recht ominöse. Betrachtet man diesbezüglich rückblickend diverse Kurzfilme der beiden Komiker, kann man jedoch erkennen, dass ein solcher finaler Überraschungsmoment nicht unüblich für einen Dick und Doof-Film ist. So durfte einer von beiden einmal am Ende eines Kurzfilmes ein Tier sein, und ich meine mich dunkel erinnern zu können, dass es auch mal eine Pointe gab, in der einer von beiden zum Schluss ein Baby wurde.

Trotz aller berechtigter Kritik am Studiotreiben von FOX sollte man also nicht zu streng mit „A-Haunting We Will Go" (Originaltitel) sein. Was bleibt ist immerhin ein kurzweiliger Spaß mit zwei gealterten Topstars, die man zwar schon einmal spielfreudiger erlebt hat, die einem aber immer noch genug zu lachen bieten. Das einzige was ich vermisste war Stans persönlicher von Film zu Film wechselnder Trick und der Anspruch des Klamauks älterer Werke, der ja von vielen trauriger Weise aufgrund von Vorurteilen gegenüber Klamauk nie bemerkt wurde.


Trailer (letzter von insgesamt drei Dick und Doof-Trailern),   OFDb

Freitag, 26. Dezember 2014

DER GROSSE KNALL (The Big Noise 1944 Malcolm St. Clair)


Stan und Ollie sollen den Erfinder einer Superbombe beschützen. An dessen Erfindung sind viele Spione interessiert...


Dick und Doof und die Bombe...

"Der große Knall" gehört ganz sicher nicht zu Stan und Ollies besten Filmen, was kein Wunder ist, da ihre Hal Roach-Zeit vorbei war und sie mittlerweile unter der Fuchtel der humorlosen Fox-Studios standen. Trotz kleinerer Längen ist „Kennwort: Geheimauftrag" (Alternativtitel) trotzdem ein kurzweiliges Vergnügen geworden, welches man sich als Freund der beiden begnadeten Humoristen durchaus mal geben kann. Allerdings dauert es eine Weile bis unsere beiden Helden ihren ersten Auftritt haben.

In der Zwischenzeit lernen wir zunächst einmal andere wichtige Figuren des Filmes kennen, darunter recht skurrile Gestalten wie zum Beispiel eine dicke Ehemänner-mordende schwarze Witwe. So wunderbar schräg diese Figuren auch sein mögen, sie sind völlig nutzlos eingebracht. Mit der eigentlich recht ruppig erzählten Geschichte haben sie nichts wirklich zu tun, und die Gags für die sie verwendet werden sind ziemlich halbgar ausgefallen. Ein hupender Opa geht da schon mehr in die Richtung alter Dick und Doof-Komik, völlig Laurel und Hardy-fremd ist das Drehbuch somit nicht ausgefallen.

Die Dick und Doof-Situation mit der alles los geht könnte klassischer nicht sein: als Hausmeister eines Detektivbüros geben sie sich selbst als die Detektive aus, da sie erfahren, dass beim Ausführen des Auftrags freie Kost auf sie wartet. Das besagte Essen entpuppt sich jedoch als Fraß in Pillenform. Aus dieser Situation wurden einige gute und einige maue Witzchen herausgeholt, aber zumindest wird dieses herrliche Thema nicht auf die Schnelle abgehakt.

Wie bei von Fox produzierten Dick und Doof-Filmen typisch durften Laurel und Hardy nicht in ihrem klassischen Outfit kalauern, aber zumindest die Kopfbekleidung hat man ihnen gelassen. Die nutzt man auch gleich für einige Witze, mitunter einem klassischen Hutverdreher, der als einziges so richtig an die Blütezeit der Komiker erinnert. Denn wie gehabt spielen sie zwar routiniert gut, aber eben auch nicht springlebendig wie einst unter Mitspracherecht. Aber wer würde schon in Fesseln sein Bestes geben?

Ein klarer Minuspunkt der Geschichte ist die viel zu lang ausgefallene und arg unwitzige Szene im Schlafwagen eines Zuges. Stan und Ollie ziehen sich hier stundenlang aus, blödeln eher schwach, und zu allem Überfluss bekommen sie im weiteren Verlauf dieser ewig langen Prozedur auch noch unnötige, da nicht lustige, Gesellschaft. Da nutzen selbst Ollies Blicke in die Kamera, die ihm drei Jahre zuvor in „Schrecken der Kompanie“ von FOX untersagt wurden, nichts mehr, selbst dieser tolle Running Gag kann das fehlende Zünden einer zu gewollten und gezogenen Zote nicht retten. Dies ist jedoch der einzige wahre Wermutstropfen des Streifens, vielleicht wurde die Szene auch deshalb in der alten deutschen Fassung gekürzt.

Auch an anderer Stelle wurde die Schere angesetzt, auf DVD komplett zu sichten in englisch mit deutschen Untertiteln macht dies das Gesamtwerk aber nicht wirklich sinnvoller. Auch im kompletten Zustand wirkt es noch ziemlich wild zusammengeschustert. Das mag das "Problem" von Stan und Ollies Langfilmen allgemein sein, Werke wie „Dick und Doof als Geheimagenten“ (Alternativtitel) schauen sich jedoch auf andere Art holprig als solch gelungene Klassiker wie „Die Klotzköpfe“. In die meisten FOX-Produktionen haben sich einfach Storyfragmente und Figuren eingefunden, die mit dem Stan und Ollie-Universum nicht wirklich eins werden wollen. Das hindert „Dick und Doof in geheimer Mission“ (Alternativtitel) jedoch nicht daran genügend Freude zu verbreiten um dieser abstrusen Geschichte nicht doch noch folgen zu wollen. Auf simple Art weiß auch dieses Spätwerk, dem nur noch zwei weitere Dick und Doof-Filme folgen sollten, zu gefallen.


Donnerstag, 25. Dezember 2014

SCHRECKEN ALLER SPIONE (Air Raid Wardens 1943 Edward Sedgwick)


Als Amerika in den zweiten Weltkrieg mit einsteigt, wollen Stan und Ollie als Patrioten mit als erstes an die Front. Das Militär kann die beiden Trottel jedoch nicht gebrauchen. Auch als Hilfskräfte in ihrem Heimatort sind sie nach diversen chaotischen Situationen nicht mehr gern gesehen. Als sie einer feindlichen Spionageaktion auf die Schliche kommen, wissen sie, dass sie auf sich selbst gestellt sind...


Klingeln, nicht pfeifen...

Stan und Ollie waren schon immer patriotische Mitkämpfer in amerikas Kriegen. Ob zu Beginn von „Die Klotzköpfe“, in „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ oder in ihrem zweiten Langfilm „Die Teufelsbrüder“, das Thema Militär war oft präsent, eben weil die beiden Komiker den aktuellen Zeitgeist stets mit in ihre Werke eingebunden haben, meist um ihn zu parodieren. „Schrecken aller Spione“ ist ein Spätwerk aus der Zeit als die beiden Schauspieler an ihren aktuellen Projekten kein Mitspracherecht mehr hatten. Warum der Streifen von MGM (auf DVD vermarktet über Warner Brothers) produziert wurde und nicht von 20th Century Fox, welche den Ruf und das Niveau der Dick und Doof-Filme zerstörten, ist mir nicht bekannt. Angenehm zu bemerken ist jedoch, dass sich „Schrecken aller Spione“ schon wesentlich mehr wie einer der Originalfilme guckt als Fox-Werke wie „Schrecken der Kompanie“, „Dick und Doof und die Wunderpille“ oder später auch „Die Leibköche seiner Majestät“ und „Der große Knall“.

Das Niveau eher einer Nicht-Story zu folgen, anstatt wie in den misslungenen Filmen eine überfrachtete Handlung anzugehen, in welche zusätzliche Hauptfiguren eingebunden werden, ist wieder vorhanden. Das wurde häufig kritisiert an den Langfilmen der beiden Komiker, aber es ist meiner Meinung nach wichtiger Bestandteil des Erfolges dieser und deswegen als positiver Zustand von „Air Raid Wardens“ (Originaltitel) zu bezeichnen. Stan und Ollie dürfen ihre klassische Kleidung tragen, Ollie darf wieder genervt in die Kamera blicken, was er zu Beginn bei Fox nicht mehr durfte, und im Zentrum stehen wieder die kleinen Kabbeleien, die eine Kettenreaktion an chaotischen Ereignissen nach sich ziehen.

Die werden nicht ganz so lang zelebriert wie es ihnen gut täte, aber was an Länge solcher Szenen fehlt, wird mit der Häufigkeit dieser wieder wett gemacht. Ganz so flüssig schauen sich diese Momente nicht mehr wie früher, teilweise sind sie etwas zu gewollt umgesetzt, aber das hat man davon, wenn man solche Szenen nicht Stan Laurel selbst inszenieren lässt. Bei Stan und Ollies Spätwerken weiß man einfach, dass nicht alles Gold ist was glänzt, und allein der Rückschritt zur alten Schule weiß einen Cineasten mit Herz für die beiden zu gefallen.

Wackelig wird „Bombenkerle“ (Alternativtitel) erst gegen Ende, wenn die Spionagegeschichte zu Ende erzählt werden muss, leider ohne Dick und Doof, und alles etwas arg heldenhaft und patriotisch umgesetzt wurde. Kurz vor Schluss dürfen die Helden dann doch noch einmal auftauchen, jedoch nur um den letzten Spion abzuliefern, nicht um noch einmal für einen Lacher zu sorgen. Ein viel zu plötzlicher Schluss lässt den Zuschauer überrascht zurück. So ein schlechtes Ende von einem auf simpler Ebene sympathischen Film wird „Dick und Doof - Schrecken der Spione“ (Alternativtitel) einfach nicht gerecht. Die Verantwortlichen dafür sollten sich schämen.


SCHACH DEM ROBOTER (Le Collectionneur des cerveaux 1977 Michel Subiela)


Eine Pianistin glaubt im Spiel eines hochmodernen Schachroboters den Stil ihres verstorbenen Verlobten, einem Schachprofi, wiederzuerkennen. Nachdem ein Freund der Frau entdeckt, dass der Sarg des vor Jahren Verstorbenen leer ist, beginnt er zusammen mit der Pianistin das Geheimnis des Schachroboters zu lüften...


Klicker klacker klicks...

Es gab den kommerziell gelenkten und dementsprechend schwach ausgefallenen „Futureworld“, und es gab den großartig erzählten kleinen Kult-Hit „Die Frauen von Stepford“. Sie alle erzählen thematisch verwandte Geschichten zu „Schach dem Roboter“, der dementsprechend genau dem Zeitgeist entspricht. Und da die Vergleichsfilme aus den USA stammen, war der Film um den Schachroboter ein interessanter Vergleich was wohl Europäer, in diesem Falle Franzosen, aus diesem Stoff ernten würden.

Es fällt auf, dass die Geschichte zu meiner Überraschung arg naiv erzählt ist. Die Pianistin wird viel zu schnell misstrauig. Ihr Freund ist viel zu schnell mit an Bord und buddelt mal eben illegal den Sarg des Verstorbenen aus, und der Roboterschöpfer ist naiv genug ausgerechnet die Frau des Schachprofis für einen Pianistenroboter als Vorbild haben zu wollen. Das ist nicht nur arg zufällig und durch die Geschichte nicht mit möglichen Zusatzbegründungen gestützt, wenn man weiß wie die Roboter funktionieren ist es auch ein viel zu gefährliches Unterfangen für den Schöpfer überhaupt ein solches Risiko einzugehen.

Aber was soll man sagen, „Schach dem Roboter“ guckt sich trotz dieser Risse in der Fassade doch sehr angenehm, u.a. weil er die typische 70er Jahre-Atmosphäre seiner Zeit ausstrahlt, Dialoge und stille Momente sich Zeit lassen, Charaktere trotz mangelnder Vertiefung dem Zuschauer vertraut vorkommen, ebenso aber auch die Geschichte, die neben bereits genannter Vergleichsfilme auch an Stoffe erinnern wie „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ und modernerer Genrebeiträge, an denen sich der hier besprochene Film freilich nicht hat bedienen können.

Wenn es im letzten Drittel einen kleinen Aufmarsch an Robotern gibt (nur zwei Stück an der Zahl), reizt das ungemein, zumal diese Momente, die locker den Trash-Bereich streifen könnten, stimmig umgesetzt sind und trotz der tricktechnisch simplen Umsetzung ein nostalgischer Augenschmaus sind. Hier wirkt die Geschichte moderner und mutiger als sie es ansonsten ist, ist Michel Subielas Werk vom Handlungsablauf und seinen Figuren her (ganz besonders dem rätselumwobenen Roboterschöpfer betreffend) doch eher auf klassischen Gruselfilm getrimmt, der von seiner Roboterthematik einmal abgesehen so auch in den 60er Jahren hätte verfilmt werden können.

Als Sympathiebonus kommt noch das Design des Schachroboters hinzu, das bei Filmnostalgikern seine Wirkung einfach nicht verfehlen kann. Und wenn der Apparat bei jeder Bewegung vor sich hinklickert mag das aus heutiger Sicht antiquiert wirken, seltsamer Weise aber keineswegs belustigend. Heute wie damals weiß dieses Klickern zu beunruhigen, womit die Maschine in jeder seiner Szenen zu wirken weiß und den Zuschauer in seinen Bann zieht. Ein auf Spannung getrimmter Film, der gar nicht so aufwühlend wirkt wie er es gerne möchte, gewinnt in diesen Momenten endlich sein erwünschtes  Spannungspotential, allein aus diesem simplen Effekt heraus.

„Schach dem Roboter“ ist ein Kultfilm, ein Geheim-Tipp, er macht auch Spaß und ist interessant umgesetzt. Ob er seinen hohen Ruf jedoch auch genießen würde wenn seine TV-Ausstrahlungen nicht so rar gesät gewesen wären und der Streifen eine frühere DVD-Veröffentlichung erhalten hätte, sei einmal dahin gestellt. Dieser ruhig erzählte Mix aus Science Fiction und Horror hat definitiv seine Qualitäten, ich habe ihn bei dieser meiner ersten Sichtung lieb gewonnen und weiß, dass ich ihn unbedingt irgendwann noch einmal wiedersichten werde. Aber aufgrund seines Rufes hatte ich schon etwas mehr erwartet als einen sympathisch erzählten naiven Nostalgie-Grusler. Als solcher weiß er aber definitiv zu punkten.


Dienstag, 23. Dezember 2014

RAGING SHARKS (2005 Danny Lerner)


Ein Unfall zweier Raumschiffe setzt eine Substanz frei, die in einem Meer der Erde gelandet die Haie aggressiver macht...


Einsatz für Parker Lewis...

Vor The Asylum waren es Nu Image, die mit ihren Billigfilmchen den Filmfreund zu amüsieren wussten, noch weit weg vom plumpen Niveau des heutigen King of the Schrott, aber doch schon plump genug, um hauptsächlich den Tier-Horror-Begeisterten die Nase rümpfen und/oder die Lachmuskeln kitzeln zu lassen.

Schon damals konnte es nicht schaden ein wenig Restprominenz mit an Bord zu haben, und das war im Falle von „Raging Sharks" Corin Nemec, der dann auch gleich beweist, dass er nicht wirklich gut schauspielern kann. Gut aufgelegt weiß er dennoch hin und wieder zu trumpfen, siehe „Parker Lewis" oder „Sand Sharks", doch im hier besprochenen Werk spielt er so lustlos wie später auch in „Dragon Wasps". Schade eigentlich! Ich persönlich mag ihn ja.

Seine Rolle soll die eines Wissenschaftlers sein, aber keiner der Mitwirkenden schien dies wirklich zu beachten. Ein Mann, der durch Analyse und Forschung geübt darin sein sollte Ruhe zu bewahren und mit dem Kopf zu arbeiten, rastet bei jeder noch so kleinsten Konfrontation sofort emotional aus, und das so extrem, dass ich nur noch darauf gewartet habe dass Lou Ferrigno ihm auf die grüne Schulter klopft und ihm erklärt dass er dies auch bereits hinter sich hat.

Schaut man sich die Frau vom Doc einmal etwas genauer an, könnte sie ein Erklärungsansatz dessen sein, warum Nemecs Rolle ein solch emotionales Wrack ist. Sie ist die Hölle! Das scheint er allerdings als einziger nicht zu bemerken. Diese Frau glaubt ernsthaft es sei die Aufgabe ihrer Mitarbeiter tauchen zu gehen, obwohl sich wissendlich Haie vor Ort befinden, die schon mehrere Leute getötet haben. Als ein Mitarbeiter sich weigert ihren Befehlen zu folgen, wird er auch gleich als Angsthase beschimpft und zur Sau gemacht. So schlimm sei diese Aufgabe ja nun auch nicht. Als sich ein wenig später jedoch ihr eigener Ehemann für den verweigerten Job anbietet, bittet sie ihn ängstlich vorsichtig zu sein. Es sei gefährlich. Um dem ganzen asozialen Verhalten der werten Dame noch eins drauf zu setzen schnauzt besagte Frau den verweigernden Mitarbeiter nachdem ihr Mann losgetaucht ist an er bekäme Ärger, wenn ihrem Gatten etwas passieren würde.

Man fragt sich unweigerlich, warum die so fragwürdig denkende Frau, wenn sie denn glaubt solch ehrliche Gefühle zu hegen, sich nicht selbst die Sauerstoff-Flasche überstreift. Schließlich ist die Aufgabe die ihr Mann zu verrichten hat für ihn als Forscher genauso Neuland wie für sie. Aber sie ist halt eiskalt und dumm, und das darf sie gegen Ende noch einmal beweisen, wenn sie sich darüber wundert dass niemand ihr ihre Alien-Geschichte glaubt. Sowas aber auch. Dabei ist doch jeder rational denkende Mensch bei Erklärungen, die Außerirdische mit einbeziehen, ohne vorhandene Beweise in der Regel sofort überzeugt. 

Das lustige und traurige zugleich daran ist, dass Firmen wie Nu Image und mittlerweile auch The Asylum derart faschistisch angehauchte Charaktere in Heldenrollen verwenden, sich nicht darüber bewusst seiend wie fragwürdig deren Weltsicht ist, in der Menschen in zwei Kategorien unterteilt werden: dem Untermensch, der sich gefälligst für den Übermenschen zu opfern hat. Filme dieser Art wären andererseits aber auch nicht so unterhaltsam, wenn sie nicht so unglaublich dumm erzählt wären. Natürlich ist einem Drehbuch-Autor, der nur reißerisch erzählen möchte was er woanders schon einmal besser umgesetzt sah und was mit der Zeit zum Standard wurde, nicht bewusst wie krank das Weltbild seiner selbstgeschaffenen Helden ist. Von Psychologie und Zusammenhängen hat ein solcher Mann keine Ahnung. Und es wäre schön man könnte behaupten, dass dieses Problem nur Autoren von Billigfilmchen hätten. Werke wie „Man of Steel“, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen, bringen aufgrund gleicher beruflicher Schwächen vergleichbare Fragwürdigkeiten für ein Massenpublikum auf die große Leinwand.

Eine Idiotie, die ich seinerzeit bei der Erstsichtung von „Raging Shark" noch als neuartigen Nonsens bemerkt habe, der in Sachen Hai-Horror aber schon auf zig Konkurrenzprodukte übergesprungen ist, ist die Idee Haie im Wasser wie Löwen knurren zu lassen. Okay, wir brauchen auch Explosionsgeräusche im Weltraum, damit uns ein Science Fiction-Film richtig Freude bereitet. An das Knurren im Wasser werde ich mich jedoch nie gewöhnen. Es belustigt mich jedes Mal. Würde man den hier besprochenen Film lediglich als Hörspiel mitbekommen und zu spät reinschalten, man würde denken es ginge um Raubkatzen. Aber was haben diese wasserscheuen Wesen im Meer zu suchen? Merkwürdig!

Die Haie selbst sind leider aus Archivaufnahmen entnommen, was sich meist schlechter guckt als übel am Computer zusammengezimmerte Jäger des Meeres. So ist es auch hier. Und in den letzten 20 Minuten kommen sie auch kaum noch vor. Das Finale beschäftigt sich viel mehr mit dem Kampf böser Spion gegen lieber Wissenschaftler (der erstaunlicher Weise recht gut mit Waffen umgehen kann). Da die Haie überraschender Weise aber ohnehin den öden Teil des Filmes ausgemacht haben, ist das auch gar nicht schlimm. „Raging Sharks“ kommt ohne sie noch ein wenig lustiger rüber. Schnelle Schnitte haben halt nie darüber hinweggetäuscht, dass man nie eine Haiattacke zu Gesicht bekommen hat.

Mögen die Haie auch aus der Realität entliehen sein, zumindest die Außerirdischen sind computeranimiert, und da sie nur zwei mal durchs Bild huschen gab man sich auch keine Mühe mit ihnen. Der Weltraumunfall, Ursache aller Geschehnisse im Film, ist ebenfalls schlecht getrickst, und dies auf eine Art wie sie schon in besseren 60er Jahre-Werken Verwendung gefunden hätte. Und um noch ein Beispiel der Kostengünstigkeit vorzubringen: gerne werden Filmaufnahmen auch doppelt verwendet. Um darüber hinwegzutäuschen wird eine solche auch gerne mal spiegelverkehrt verwendet. Zu schmunzeln gibt es also auch im durch Asylums neu gesetztem Standard fast schon antiquiert wirkenden „Raging Sharks“ so einiges. Das macht ihn zwar nicht zum wirklich gelungenen Trash-Hit, macht ihn aber wenigstens erträglicher als „Shark - Das Grauen aus der Tiefe“, der als "Jurassic Shark 3" neu aufgelegt wurde, oder den überlangen „Shark Swarm“.


Weitere Reviews zum Film:

Montag, 22. Dezember 2014

SHARK WEEK - 7 TAGE, 7 HAIE (Shark Week 2012 Christopher Ray)


Ein Mafiaboss entführt acht Menschen die Schuld am Tod seines Sohnes sind. Auf seiner Insel sollen sie ein Spiel mit ihm spielen. Er lässt in verschiedenen Zeitabständen verschiedene Gattungen Haie auf seine Opfer los, und wer die Woche überlebt, kommt frei...


Graf Säge...

Kennt Ihr das? Man guckt einen Film der alles andere als toll ist, einem Vorhersehbares vorsetzt wie man es schon zig mal gesichtet hat, einen Scheiß den man eigentlich gegen die Wand schleudern und im Internet zerreißen sollte, Euch aber einfach nicht langweilig beim Sichten wird? Ein solches Werk ist „Shark Week“ für mich gewesen. Ich weiß nicht ob es an einer top-fitten Tagesform lag, oder daran dass ich mit der Nennung von „The Asylum“ im Vorspann schon jede Chance auf gute Unterhaltung in die Tonne gekloppt sah: gut sieht anders aus, aber mir wurde nicht langweilig. Ich musste nicht durchhalten. Ich guckte interessiert zu, auch wenn jeglicher Bereich billig zusammengeschustert wurde.

Das Interesse blieb jedoch nicht wie bei „Sharknado“ und „Mega Piranha“ am Leben, weil dieser Dilettantismus Party-mäßig zu belustigen wüsste. Klar wimmelte es vor Idiotien, aber aufgrund der monotonen Story und der Gewöhnung an diese Art Schrott wussten die mich nicht wirklich zum Schmunzeln zu bringen. Nein, ich blieb interessiert dabei, weit weg von der Langeweile eines „King of the Lost World“ und „Alien vs. Hunter“, völlig verwundert über meinen geduldigen und sich gesättigt gefühlten Zustand bei einer solch überraschungsfreien Story, die krampfhaft und uninspiriert den Bereich des Hai-Horrors mit „Graf Zaroff“ und der „Saw“-Reihe verknüpfte.

Aufgrund der schrecklich untalentierten Darsteller, der übelsten Hai-Szenen die ich seit langem gesehen habe (hektische Schnitte, Dunkelheit, kurze Hai-Auftritte, Blut im Wasser) und der erschreckend ereignislosen Auflösung der Geschehnisse im Finale, hätte ich „Shark Assault“ (Alternativtitel) eigentlich nichts abgewinnen dürfen. Selbst das absichtliche Zurschaustellen des Klammerns an Klischees, was gerade in der ersten Szene deutlich wird, wenn wir dem Spiel des Mafiabosses und die Art wie er ins Bild eingebunden wird beobachten dürfen, schaffte nur kurzfristig belustigte Distanz zu schaffen, zu erkennen wie absichtlich plump alles gemeint ist, zu sehen wie belustigt man, wenn nach außen hin auch todernst gehalten, an die Sache heran ging. Diese Distanz hielt Regisseur Christopher Ray („Mega Shark vs. Crocosaurus“, „2-Headed Shark Attack“), Sohn des Schundfilmers Fred Olen Ray, dessen Werke nicht besser waren als die vom Sohnemann, nicht lange durch. Schnell wird dieser Asylum-Film zu einem typischen Beitrag dieser Firma. Distanz ade!

Und doch, auf wunderliche Art habe ich mich unterhalten gefühlt. Nicht gut, aber auf plumpester Ebene doch zufrieden gesättigt und dabei Angst vor mir selbst bekommend. Wie kann ich auf Werke wie „Transformers“ und Emmerichs „Godzilla“ schimpfen, wenn ich solch plumpen Billigschund, dem jede Daseinsberechtigung zu fehlen scheint, nicht böse sein kann? Klar gucke ich das ganze aus einer gewissen Distanz heraus, kann darüber schmunzeln dass dieses Werk, so wie viele seiner naivsten Zuschauer, sein Wissen aus Kinofilmen anstatt aus dem wahren Leben ernten. Es ist lustig noch mehr Unsinnigkeiten über Haie zu erfahren, als in „Anaconda“ über die angeblichen Gesetzmäßigkeiten der Riesenschlangen. Kein Wunder dass in einem Film, in dem selbst Jahre nach „Der weiße Hai“ noch immer behauptet wird der weiße Hai sei der gefährlichste aller Haie, und Haie werden von Blut im Wasser angelockt, die tierischen Helden wie ein Löwe brüllend durchs Wasser schwimmen dürfen. Ich will nicht wissen wie viele der nicht absichtlichen Trash-Zuschauer glauben dem wäre tatsächlich so.

Geguckt mit dieser Distzanz, nur bedingt belustigt durch Idiotien und nicht gelangweilt vom 08/15-Plot dieser Art Film, unterhielt mich „Shark Week“ ohne mir wirklich zu gefallen, aber doch genug um nicht gelangweilt Nebentätigkeiten nachzugehen oder frühzeitig abzuschalten. Rays Werk fehlt eigentlich jeglicher Sehwert. Was ich gestern an ihm gefressen habe und warum ich ihn als nicht so schlimm wahrgenommen habe wie er eigentlich ist, ist mir nicht bewusst. Es ist mir ein Rätsel. Aber man muss ja nicht jedem Rätsel nachgehen. Ich sehe es einfach als Geschenk, dass ich einen uninspirierten Asylum-Film sichten durfte ohne mir minütlich das Ende herbeizusehnen. Vielleicht gehe ich ja irgendwann eine Zweitsichtung als eine Art Mutprobe an.


Sonntag, 21. Dezember 2014

GHOST SHARK - DIE LEGENDE LEBT (Ghost Shark 2013 Griff Furst)


Ein getöteter Haifisch kehrt als Geist zurück...


Dunkle Wasser...

Wer auf dem übersättigten Markt des Tier-Horrors heutzutage einen Haifisch-Film abliefern möchte, der benötigt einen besonderen Aufhänger. Da reicht es nicht mehr auf den Ur-Hai a la „Megalodon“, „Der Monster-Hai“ und „Shark Attack 3“ auszuweichen. Nein, man muss entweder den Ort der Haiattacken verändern, so wie in „Sharknado“, „Sand Sharks“, „Bait - Haie im Supermarkt“ und „Snow Sharks“ geschehen, oder an der Gestalt des Ungetüms etwas herumdoktern, so wie z.B. in „2-Headed Shark Attack“ oder „Sharktopus“.

Den Hai-Horror mit einer anderen Gattung Horrorfilm zu kreuzen liegt da schon recht nahe. Also griffen ein paar Köpfe nach der Idee besagtes Sub-Genre mit der Ur-Thematik von Horror und Grusel schlechthin zu kombinieren, dem Spukbereich und kreierten damit „Ghost Shark“. Im Prinzip löst die Idee eines Geisterhais gleich zwei Probleme: das der individuellen Idee sich aus der Masse hervorzuheben, und das sich dem Spott der Zuschauer über maue Computeranimationen zu entziehen. Ein Geister-Hai muss nicht gut aussehen. Er muss nicht detailreich animiert sein. Und er muss auch nicht optisch glaubwürdig seiner Heimat, dem Wasser, entsteigen.

Zwar hätte man sich trotzdem mehr Mühe mit der Animation des titelgebenden Ungeheuers geben können, eine flotte Umsetzung sei Dank ist dies aber nicht weiter von Bedeutung. „Ghost Shark“ weiß auch so zu gefallen. Regisseur Griff Furst, der mit „I am Omega“, „Lake Placid 3“ und „Swamp Shark“ immer nur arg mittelmäßige bis langweilige Produkte auf den Filmfreund losgelassen hat, hat einen kurzweiligen Spaß gezaubert, der sich wie typisch für das Sub-Genre nicht wirklich ernst nimmt und die Grundidee erweitert lediglich einen Hai gegen einen Geister-Hai auszutauschen. Dann wäre die Veränderung gegenüber dem klassischen Hai-Horror so gering wie in „2-Headed Shark Attack“, wo es eigentlich egal war ob eine Fressmaschine nun einen oder zwei Köpfe besitzt.

„Ghost Shark“ ist nicht einfach nur ein durchs Meer schwimmender untoter Hai, der Jagd auf Menschen macht, er taucht auch überall da auf wo es Wasser gibt. Ob da eine Sprenkleranlage wegen Feueralarm ausgelöst wird, oder ein Eimer Wasser auf dem Boden steht, nirgendwo ist man vor dem Biest sicher. Da werden Pfützen und Swimming Pools zu gefährlichen Fallen, und Toiletten und jede Art von Wasserhahn zum Verhängnis für den Benutzer. Die Autoren von „Ghost Shark“ machen nicht einmal Halt von dem Verzehr von einem Glas Wasser. Der mordende Geist ist einfach überall wo es feucht ist, und letztes Beispiel erinnert dabei ein wenig an die wunderbar eklige Restaurant-Szene aus „Slugs“.

Der war von Hand getrickst, „Ghost Shark“ ist es leider per Computer. Aber so wenig CGI-Blut auch zu gefallen weiß, so sehr macht doch der Ideenreichtum wie wer um die Ecke gebracht wird Laune. Dass die Logik auf der Strecke bleibt dürfte klar sein. Der Geisterhai taucht immer da auf wo es dem Autor gerade passt. Und warum ein materienloses Wesen Materie verletzen kann wird auch nie geklärt. Aber das ist der Pluspunkt den Schreiberlinge haben, wenn es um Spuk geht. Spuk hat seine eigenen Gesetze. Die dürfen nicht nur, sie sollen sogar von Film zu Film variieren. Und was geschieht hat man einfach zu akzeptieren.

„Ghost Shark“ ist so ein kurzweiliger Stoff, von leichter Hand inszeniert, dass man ihn für einen 80er Jahre Videotheken-Horrorfilm halten könnte, wenn die Computereffekte nicht wären. Wer mault da noch über Lücken im Plot? Da die flachen Charakter-Abziehbilder zudem sympathisch besetzt sind, Overacting oftmals zum Vorteil wird und sich das Ganze trotz dichter Parallelen zu verwandten Produkten wesentlich entspannter guckt als alles was Asylum und Co so vom Stapel ließen, braucht man nicht ernsthaft über „Ghost Shark“ zu maulen, nicht wenn die Billigfilme dieser Reihe, und zu diesen gehört Fursts Werk nun einmal auch, meist weniger zu bieten haben.

Die streifen meist selbst in besserer Variation den Bereich der Langeweile, „Ghost Shark“ passiert dies nie. Sicher ist er nicht vergleichbar mit dem Ergebnis einer Kinoproduktion a la Ajas „Piranha“, aber Spaß genug um ihn beizeiten ein zweites Mal in den Player zu schieben macht der hier besprochene Film definitiv. Außerdem freue ich mich jetzt schon auf den bereits erschienenden „Ghost Shark 2“.


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 20. Dezember 2014

SNOW SHARKS (Avalanche Sharks 2013 Scott Wheeler)


In einem Skigebiet treiben Hai-ähnliche Kreaturen ihr Unwesen im Schnee. Vor 25 Jahren kam dies schon einmal vor...


Liebe ist nicht die Antwort...

Im Jahr 2011 erblickte der überraschend sympathische „Sand Sharks“ das Licht der Welt. Er erzählte von Haien, die im Sand hausten und Urlauber am Strand attackierten. Zwei Jahre später erschien „Snow Sharks“, von dem ich dachte er würde selbiges wiederholen und lediglich den Schnee gegen den Sand austauschen, dem ist aber nicht so. Ob die Filme von der Produktion her in einer echten Verbindung stehen weiß ich nicht, aber zumindest findet „Sand Sharks“ in der deutschen Fassung eine kurze augenzwinkernde Bemerkung.

Der komplette Film ist aufgrund seiner unsinnigen Idee augenzwinkernd erzählt. Im Gegensatz zu seinem Quasi-Vorgänger ist er jedoch nicht so sehr auf lustig getrimmt, was schon schade ist, wusste doch genau diese Zutat den Streifen zu retten - dies und ein gut aufgelegter Corin Nemec. „Snow Sharks“, der im Original eigentlich „Avalanche Sharks“ heißt, hat auch im Darstellerbereich nichts vergleichbares vorzuweisen. Uninspiriert und untalentiert spielen die gesichtslosen Leute ihre Stereotype, während vom Aufhänger einmal abgesehen das übliche 08/15-Tierhorror-Szenario durchgezogen wird.

Ein wenig Innovation erfährt „Sharkalanche“ (Alternativtitel) durch seine ungewöhnliche Kombination mit dem Indianerfluch-Klischee, der für den Bereich der Killerhai-Beiträge mehr als ungewöhnlich zu nennen ist. Aber „Snow Sharks“ ist was seine Monster betrifft ohnehin ein Blender, sind die Haie hier doch nur Hai-ähnliche Wesen, die bei ihren wenigen Auftritten optisch nicht zu wirken wissen und eine Art rächende Phantomwesen sein sollen. Diese Idee macht die Standard-Story nicht wirklich origineller. Da wäre die erste im Film genannte Vermutung für Trash-Fans schon wesentlich reizvoller gewesen, dachte doch einer der Protagonisten es handle sich um intelligente außerirdische Haie, die einst ihren sterbenden Planeten verlassen mussten um sich zu retten. Das hätte seinen Reiz gehabt. Die ausgelutschte Indianer-Mystik hingegen nicht.

Ich habe mit „Jurassic Shark“ und „Shark Night“ schon schlechtere Beiträge dieses Subgenres gesichtet. „Snow Sharks“ schaut sich zumindest ähnlich routiniert wie „Swamp Shark“, reißt also nicht vom Hocker, kann von Vielsehern dieser Gattung Film aber durchaus als Füllmaterial konsumiert werden. Jeder andere sollte einen Bogen um dieses Werk machen. Zwar ist es mit allerhand Unsinnigkeiten in Sachen Logik und Psychologie angereichert, aber selbst das ist schon Standard in diesem Filmbereich und weiß nicht mehr wirklich die Lachmuskeln zu kitzeln.

Was die Genre-Fans mit Blick auf die üblichen quantitativen Schauwerte betrifft: trotz ewiger Spielereien mit Erotik ist „Snow Sharks“ mehr als zahm ausgefallen. Nackte Tatsachen braucht hier niemand erwarten. Die Bluteffekte sind typischer US-TV-Standard, ein wenig CGI-Blut hier, ein paar halbe Körper dort, alles freilich so schlecht getrickst wie die „Haie“ selbst und damit nicht wirklich der Erwähnung wert. Und über die Auflösung der Geschichte hülle ich den Mantel des Schweigens. Die ist der einzige Grund warum Freunde unfreiwillig komischer Unterhaltung vielleicht doch noch einen Blick riskieren sollten.


A SOUND OF THUNDER (2005 Peter Hyams)


In der Zukunft sind Zeitreisen möglich. Sie werden unter schärfsten Vorsichtsmaßnahmen von einer Firma genutzt, damit Kunden in der Vergangenheit auf Dinosaurier-Safari gehen können. Trotzdem geht etwas schief. Ein Schmetterling, der für die Evolution von großer Bedeutung war, wird getötet, und von nun an verändern sich phasenweise die Begebenheiten unserer Umwelt in der Gegenwart. Ein Mann versucht das Geschehen rückgängig zu machen...


The Butterfly Effect...

Es gibt Filme bei denen man über Unlogiken, gerne auch mal über echte Blödheit, hinwegsehen kann. Wenn diese Eigenschaften jedoch dominant auf den Zuschauer hinabregnen, dann kann man Augen und Ohren noch so schließen, das Werk bleibt dumm, dies auf so penetrante Weise, dass es geradezu unverschämt ist vom Zuschauer überhaupt erst zu erwarten all das zu akzeptieren, was einem da erzählt wird - fiktiver Film hin oder her.

Die Grundidee von „A Sound of Thunder“ ist eigentlich gar nicht mal so übel. Und ähnlich wie bei der Science Fiction-Serie "Lexx" könnte man sicher auch über die mauen Computeranimationen hinwegsehen. Peter Hyams Werk krankt jedoch an allem. Die (noch eher harmlosen) Schwächen beginnen damit, dass uns eine völlig kritiklose Zukunft gezeigt wird. Der Film spielt etwa 50 Jahre nach seinem Entstehen. Eine Reise in die Vergangenheit wird für ganz Reiche angeboten, jene die es sich als einzige leisten können. Da hätte man, und wäre es nur in einer kurzen Erwähnung nebenbei gewesen, kritisch auf eine Zweiklassengesellschaft Amerikas hinweisen können, die schließlich jetzt schon vorhanden ist, in 50 Jahren aber sicher noch extremere Formen annehmen wird. Aber nein, das wird nicht getan.

Auch weitere Beispiele einer kritischen Betrachtung der Gesellschaft der Zukunft, in Hinblick auf das Treiben der Gesellschaft von heute finden nicht statt. Dass dies aufgrund der Thematik eigentlich förderlich für die Geschichte gewesen wäre, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein solches Vorgehen wäre klug gewesen, um damit auf die Frage aufzubauen: Lohnt es sich überhaupt diese Art Gesellschaft zu retten? Ist es gut was der Mensch erreicht hat, oder wäre es gar besser, wenn man einfach die neue Evolution akzeptiert, die immerhin keine Umweltzerstörung beinhaltet und den Mensch, wenn auch genetisch stark verändert, sogar noch mit im neuen Konzept enthalten hat.

Trotz des Fehlens dieser kritischen Beäugung könnte die Logik des Streifens zumindest noch auf etwas naive, blauäugige Art funktionieren. Könnte, tut sie jedoch nicht, da das was die Verantwortlichen für das Drehbuch niedergeschrieben haben hinten und vorne nicht zusammen passen will. Widersprüche, Unlogiken und oftmals auch Szenen in denen es sich die Erzähler der Geschichte zu einfach machten, bis hin zu lächerlichsten Ideen was aus den Menschen in der letzten Evolutionsstufe des Zeitirrtums geworden wäre, lassen den an sich doch recht flott erzählten und manchmal gar spannenden Film einfach nicht gut werden.

Das erwähnte Beispiel mit der veränderten Menschenevolution ist auch eines der besten Beispiele für die extreme Naivitäten der Erzählung. Ginge man davon aus dass der Schmetterling alles zukünftige verändern würde, so müsste man doch ernsthaft bezweifeln, dass selbst wenn es den Menschen in irgend einer Art und Weise noch geben würde, ausgerechnet dieser eine uns hier präsentierte Mensch noch existiert. Und selbst wenn man diesen vollkommenen Blödsinn noch akzeptieren würde, so ist es doch sehr fraglich, dass dieser eine Mensch sich noch genau am selben Ort befindet, wie sein Parallelkörper der zuvor existierenden Evolutionsgeschichte. Das ist schon völlig unmöglich, wenn das Leben ganz andere Wege geht, könnte mit viel Augenzudrücken aber noch akzeptiert werden, wenn diese Denkweise nur in der Ausnahme vorkäme. Leider ist dies nur eins von unglaublich vielen Beispielen.

Die Darsteller sind okay zu nennen, auch wenn wahre Größen nicht auffallen. Heike Makatsch hat eine zu kleine Rolle ergattert, was ihrer Kariere aber zumindest somit nicht schaden konnte. Die Computeranimation, in manchen Werken der Ersatz für mangelnde Schauspielgrößen, ist hier meist schlecht ausgefallen, hat hin und wieder aber auch ansprechende Kreaturen zu bieten. Leider werden in dieser ohnehin schon wackeligen Geschichte viele Ideen nicht konsequent genug umgesetzt, so z.B. die Attacke größerer Ameisen, die nur in einer einzigen Wohnung stattfindet. Der Rest der Welt weiß nichts von ihrer Existenz.

Wäre „A Sound of Thunder“ nicht so flott und auf wunderliche Weise nicht doch noch halbwegs nett erzählt, er hätte nie die Chance gehabt einen Rest Wohlwollen auf ihn fallen zu lassen. Aber ich mag allein schon die Grundidee, auch wenn ich sie mir einfallsreicher vorstellen könnte. Allein das Fehlen der nach und nach einsetzenden Zeitphasen hätte das Niveau der Geschichte schon ordentlich heben können. Die Erzählweise der selben Idee in einer der „Simpsons"-Halloween-Folgen fand ich wesentlich besser. Dort wurde der Rückkehrer direkt mit fertigen Konsequenzen einer veränderten Zukunft konfrontriert.

Zumindest ist "A Sound of Thunder" aber allein schon dadurch halbwegs spannend erzählt, dass man nie weiß was als nächstes passieren wird. Dies verdankt er ironischer Weise mitunter seiner Fehler. Wenn selten etwas zu Ende gedacht wird, wenn Unlogiken und Widersprüche zum Alltag werden, dann weiß auch der letzte Zuschauer nicht was ihn als nächstes erwarten wird. Zu dumm nur dass dies nur auf Zuschauer zutrifft, die sich trotz der Mängel naiv auf die Geschichte einlassen können.


Weitere Reviews zum Film:

FREITAG DER 13. 7 - JASON IM BLUTRAUSCH (Friday the 13th Part VII: The New Blood 1988 John Carl Buechler)


Die telekinetisch begabte Tina reist mit ihrer Mutter und ihrem Psychiater an jenen See, an dem einst ihr Vater starb. Sie glaubt Schuld an seinem Dahinscheiden zu haben, will ihn mit ihrer ungewöhnlichen Begabung wiedererwecken, erweckt jedoch versehentlich den im See beerdigten Killer Jason...


Die Wasserleiche mit der Eishockeymaske...

„Freitag der 13. 7“, der Teil mit dem reißerichsten deutschen Beititel, hätte einer der besten Episoden der kompletten Reihe werden können. Durch seine minimalen Veränderungen des ansonsten immer gleichbleibenden Grundkonzeptes wurde viel Grundpotential erreicht über den Vorgängern und Nachfolgern zu stehen. Es ist allerdings schwierig objektiv über ein Werk zu schreiben, das für einen Film seines Kalibers derart schlecht synchronisiert wurde. Das ganze ist nicht so übel ausgefallen wie manche Vertonung für Streifen, die direkt für den DVD-Markt produziert wurden, für einen Kinofilm ist sie allerdings als echt übel zu bezeichnen.

Jasons Outfit ist das Highlight von Teil 7 schlechthin. Er sieht wunderbar verfault aus, man sieht seine Wirbelsäule, sein Gang in diesem Zustand ist im Vergleich eher wackelig, insgesamt ist er aber nicht minder bedrohlich ausgefallen. Diese gelungene Arbeit der Verantwortlichen für die Maske könnte einen vorschnell glauben lassen die Entscheidung Jason häufig zu zeigen wäre eine gute, für die Wirkung des Films förderliche Idee gewesen. Ein Geheimnis ist die Identität des Killers schließlich noch nie gewesen wenn Jason der Mörder war, ein fröhliches Mörderraten hat es da bei „Freitag der 13.“ noch nie gegeben. Aber so oft wie man Jason diesmal durch den selbst in Billigoptik gut wirkenden Wald schleichen sieht, so sehr nervt es mit der Zeit dann auch. Toller Look hin oder her: weniger wäre diesmal mehr gewesen.

Die Morde sind großteils gelungen, sind natürlich eines der Highlights einer Filmreihe, die sonst auf wenig achtet. Aber die etwas weit hergeholte Idee Jason als Endgegnerin diesmal jemanden mit telekinetischen Fähigkeiten vorzusetzen zeigt dass man diesmal den Grad der Schauwerte erweitern wollte, und das tut dem Streifen sichtlich gut. Klar ist die Einleitung um die Geschichte in Gang zu kriegen weit hergeholt, aber wer sich einen Horrorfilm wegen eines guten Drehbuchs zu Gemüte führt, der wird schon nach Episode 1 aufgehört haben dieses Glück in einem „Freitag der 13."-Teil zu finden.

Der treue Fan der Reihe hat nun schon recht oft erlebt wie eine gewöhnliche Frau sich dem nicht totzukriegenden Killer stellt. Da tut es gut mal jemanden zu erleben, der Jason mit seinen übernatürlichen Kräften ebenbürtig ist. Es sorgt zudem für einen kleinen, angenehmen Humorgehalt, da der sehr debile Jason nicht versteht was da passiert. Umgekehrt ist es seinem begrenzten Verstand zu verdanken, dass er nicht lange darüber nachdenkt, sondern den Kampf sichtlich wütender werdend fortsetzt.

Was uns mit diesem Kampf präsentiert wird ist ein scheinbar endloses Finale, was ich keinesfalls negativ meine. Immer wieder ersteht Jason auf, immer wieder lässt sich die Heldin etwas neues einfallen, um über den Killer zu siegen. Sie lässt sogar ein komplettes Haus über den Massenmörder einstürzen. Je weiter sich „Freitag der 13. 7“ Richtung Ende vorarbeitet, um so radikaler werden die Ideen der telekinetisch veranlagten Frau. Das guckt sich flott und will einfach nicht langweilig werden.

Bis John Carl Buechlers Werk zu diesem schwungvollen Finale kommt haben wir es außerhalb des paranormalen Storyaspektes mit dem immergleichen System eine Geschichte zu erzählen zu tun. Die Figurentiefe bleibt so flach wie gehabt, Klischeeabziehbilder dienen lediglich als Zielscheibe für den mordgeilen Jason und dem nicht minder mordgeilem Publikum. Eine bösartige Teenagerin ragt aufgrund ihres negativen Verhaltens und der wirklich ätzend gewählten Synchronstimme hervor, was ihr Ableben um so mehr zur Herzenssache für Freunde der Reihe macht. Der Rest an anwesenden Teenagern bleibt blass. Der zwielichtige  Professor, der Tina angeblich heilen möchte, gespielt von Terry Kiser, der im „California Clan“ den Dr. Niclas gespielt hat, ist ein wunderlicher Charakter, den es so wohl nur in Filmen geben dürfte. Die naive Mutter wirkt glaubwürdiger, aber auch nerviger.

Man sieht, wirklich zu holen gibt es da nichts. Und da darf es schon wundern, dass bei solch leeren Charakteren und der fast immergleichen Geschichte noch immer Interesse beim Zuschauer bestehen bleibt. Hartnäckige Freunde der Reihe, so wie ich, lassen sich davon nicht abschrecken, genießen es bereits Bekanntes noch einmal abzugrasen (sowohl bei der Ersichtung als auch bei zig Folgesichtungen). Einen Innovationspreis gewinnt ein solcher Streifen jedoch nicht. Und die meisten Filmbegeisterten werden der monotonen Filmreihe schon viel früher den Rücken gekehrt haben, spätestens mit dem trockenen und etwas langatmigen Teil 4.

Für den treuen Fan wird „Jason im Blutrausch" jedoch immer ein besonderer Teil der Reihe bleiben, und dies nicht aufgrund der in der Review erwähnten inhaltlichen Unterschiede zu den Vorgängern, sondern aufgrund dessen, dass hier erstmals Kane Hodder den Jason spielt, der erst bei „Freddy vs. Jason“ nicht mehr als der Killer auftauchte. Ich persönlich empfand ihn nie als den besten Jason-Darsteller, zumal ich bis heute nicht weiß was es da zu schauspielern gäbe. Seine Vorgänger und der Nachfolger im erwähnten Zusammentreffen mit Freddy agieren in meinen Augen gleich gut.

Kurz noch einmal zusammengefasst haben wir es bei „Freitag der 13. 7 - Jason im Blutrausch“ mit einem üblichen Slasherfilm zu tun, der mit einer blöder Synchro bestraft wurde und von seiner bescheuerten Geschichte lebt, die ihn tatsächlich vom Rest der bisherigen Reihe abhebt. Ein optisch sehr gelungener und oft zu sehender Jason und ein Feuerwerk von einem nicht enden wollenden Finale lassen die Herzen von Filmfreunden, die mit wenig zufrieden zu stellen sind, höher schlagen. Inmitten der Gattung Slasher ist „Freitag der 13. 7“ so wenig Höhepunkt wie jeder andere Teil der Reihe. Ein spaßges Stück Unterhaltung ist er jedoch schon.

Sonntag, 14. Dezember 2014

SO EIN MILLIONÄR HAT'S SCHWER (1958 Géza von Cziffra)


Eine Frau verliebt sich in den armen Schlucker Eddie, der in Wirklichkeit der Millionär Peter Collins ist. Da er erst kürzlich aufgrund seines Vermögens fast die Falsche geheiratet hätte, lässt er die Holde zunächst noch im Glauben er habe kein Geld. Das sorgt freilich für allerlei Verwirrungen, aber zum Glück steht dem frechen Peter sein nicht minder frecher Butler Alfons immer hilfreich zur Seite...


Tun Sie‘s nicht...

Wie könnte ich eine Komödie nicht mögen, in welcher Peter Alexander und Heinz Erhardt vereint auftreten? Ein solcher Film ist ein Muss für Freunde nostalgisch deutscher und leichter Unterhaltung, und da stört es den Bewunderer dieser Stars von einst auch nur bedingt, dass „So ein Millionär hat‘s schwer“ nicht so gut ausgefallen ist, wie er es mit den beiden prominenten Zugpferden an Bord hätte werden können.

Nachdem ein Off-Kommentator mit schlechten Wortspielen eine Art Werbetext für ein französisches Urlaubsgebiet losgelassen hat, beginnt auch endlich einmal die Geschichte, mit welcher der Film besser direkt begonnen hätte. Oder auch nicht? Für unfreiwillig komische Lacher war der Beginn zumindest schon einmal sehr unterhaltsam. Und auch Alexanders oftmals peinliches Herumgehampel, während seiner meist uninteressanten und in die Geschichte nicht integrierten Lieder, wird im Laufe der Komödie noch so manches Mal den Zuschauer auf eine Art zum Schmunzeln bringen, die so sicherlich nicht gedacht war. Aber das degradiert den Streifen noch nicht zu reinem Trash wie beispielsweise „Hurra, die Schule brennt“.

„So ein Millionär hat‘s schwer“ weiß auch aufgrund seiner Stärken zu gefallen, und das sind u.a. die Sympathie der Stars, ihre lockerflockige Spielfreude und der augenzwinkernde Grundgedanke, dass ein Tunichtgut daran glaubt als Millionär keine Chance gehabt zu haben so etwas wie Arbeit zu erfahren. Ein solches Beispiel zeigt wie verspielt man einen an sich trivialen Stoff mit einem etwas anderen Blick auf die Dinge bereichern kann. Der freche Umgang der beiden Stars mit ihren meist dekadenten Mitmenschen bietet genug Grundlage hierfür. Wieviel Einfluss Alexander und Erhardt auf ihre Texte hatten, ist mir nicht bekannt. Aber Erhardt klingt in seiner Art Humor zumindest so stark nach Erhardt, dass ein Grad Mitspracherecht oder gar Improvisation eigentlich mit an Bord gewesen sein muss.

Auch ein Blick auf das Drehbuch stützt eine solche Vermutung, ist der Stoff doch eigentlich arg plump zusammengezimmert und löst die Geschichte doch die aufgebauschten Probleme viel zu schlicht auf. Nicht einmal der Bösewicht des Streifens wird gelungen abserviert. Auch der Prozess wie Peter Collins und seine Angebetete zusammen kommen ist überstürzt erzählt und dabei keinesfalls so hinreißend ausgefallen wie es beispielsweise im ebenfalls leichtfüßig erzählten „Hilfe, meine Braut klaut“ der Fall war.

Es ist wie gesagt das Glück des Filmes, dass er seine beiden Stars besitzt, die immer genug zu retten wissen, um „So ein Millionär hat‘s schwer“ kurz vor dem Kentern zu retten. Dementsprechend leisten die beiden Promis jedoch nur Reperaturdienste, anstatt eine sympathische Grundlage zum glänzen bringen zu können. Schade, aber immerhin schaffen sie es, dass man auf die hier besprochene Komödie erfreut zurückblickt, auch wenn sie so manches Mal, hauptsächlich während der unangenehmen Musikmomente, genervt hat. Einzig das Duett „Tun sie‘s nicht“, in welchem Heinz Erhardt und Peter Alexander gemeinsam singen, hebt sich von den anderen melodischen Momenten erfreulich ab, was aber nicht nur an der Lustigkeit des vorgetragenen Songs liegt, sondern auch daran, dass dieser nicht nur billig heruntergeträllert wurde, sondern auch Situationskomik beinhaltet und zudem in den Handlungsverlauf integriert wurde.

Der geht gegen Ende gar mutige Wege, wenn die Geschichte freiwillig alberner wird als zuvor. Warum plötzlich von einem Gefängnisaufenthalt der sehr anderen Art erzählt wird, werden nur die Beteiligten des Filmes wissen, denn nötig und sinnvoll ist es für die Geschichte nicht - witzig aber allemale. Die Leichtigkeit, die der Streifen mit diesem Nonsens gewinnt, tut ihm sichtlich gut und sorgt dafür, dass kurz vor Schluss bei der ansonsten vorhersehbaren Geschichte nicht die Luft ausgeht. Somit schafft es der etwas wackelige „So ein Millionär hat‘s schwer“ bis zum Schluss unterhaltsam über die Ziellinie.


Donnerstag, 11. Dezember 2014

ELECTION (1999 Alexander Payne)


Die übereifrige Schülerin Tracy will Schülersprecherin werden. Ihr Lehrer McAllister mag diesen Gedanken nicht und überredet den beliebten Paul ebenfalls zu kandidieren...


Äpfel und Orangen...

13 Jahre nach „Ferris macht blau“ wird der Spieß umgedreht. Matthew Broderick wechselt nicht nur die Seiten vom Schüler zum Lehrer, er darf auch ähnlich viel leiden wie einst Jeffrey Jones als Ferris Schuldirektor in der beliebten 80er Jahre Teenie-Komödie. „Election“ ist grob gesehen ebenfalls eine, wird der Blickwinkel der Teenager doch ebenso stark in die Geschichte mit einbezogen wie jener der Hauptfigur, dem Lehrer. Aufgrund seiner Thematik geht der Film jedoch weit über die Schlichtheit einer Teenie-Komödie hinaus, auch wenn man das bei einer ollen MTV-Produktion kaum glauben kann. Alexander Paynes Werk ist pfiffig erzählt, dies gerne auch über Umwege und ist in seiner Art nicht nur Pointen-sicher sondern auch geschickt darin sich in die Gedankenwelt seiner einzelnen Charaktere hineinzuversetzen.

Eine Sympathiefigur gibt es nicht. Eine Seite die Recht hat ebenso wenig. „Election“ zeigt versimpelt durch den Mikrokosmos Schule die vielen unterschiedlichen Denkweisen zum Thema Politik, im erweiterten Sinne aber auch Denkweise verschiedener Mentalitäten allgemein, weit über das eingrenzende Thema Wahl hinausgehend. Die Polit-Desinteressierten und die geistlosen Verfechter der Spaßgesellschaft bekommen ihr Fett ebenso weg wie rechtsgerichtete Konservative und liberale Idealisten. Dank der Off-Kommentare von vier im Zentrum stehenden Personen werden Blicke in deren Gedankenwelt offengelegt, die über das hinaus gehen, was allein durch Taten hätte aufgezeigt werden können.

Gedankliche Irrtümer, verdrehtes Rechtsempfinden und schlichtes Selbstanlügen und Ignorieren sind menschliche Eigenschaften die auf jede dieser Personen zutreffen, besonders schön zu beobachten am Verhalten McAllisters, der sein Fehlverhalten tatsächlich dadurch rechtfertigen will, dass er doch sonst immer eine Vorzeigeperson ist. Eine Tracy deutet ihre Einsamkeit als Preis für Menschen mit Engagement, Menschen die weniger davon besitzen sind unter ihrem Niveau. Gleichzeitig redet sie sich ein als Schulsprecherin für alle Schüler Pate zu stehen. „Election“ ist voll von solchen Widersprüchen in der Gedanken- und Tatenwelt seiner Protagonisten, und er ist dabei so zielsicher, dass es eine reine Freude ist sich dem auf leichten Stoff getrimmten Film hinzugeben.

Zwar lässt er mit seiner absichtlich umständlichen Erzählung Denkverweigerer außen vor, die Umwege die er schlägt machen „Election“ im Gegenzug aber auch zu keinem verkopften Film. Den Köpfen hinter dem Projekt passiert nicht der Fehler selbst zu etwas zu werden, das kritisiert wird. Paynes Werk bleibt objektiv, bezieht keine Position, sondern feuert seine Satire in jede Richtung ab, dies nicht blind drauf los, sondern trotz seiner lockeren Art wohl durchdacht. Kurzweile und Popkorn-Kino muss halt nicht immer geistlos vonstatten gehen, auch wenn Werke wie „Election“ in diesem Punkt für die Ausnahme stehen, auch bereits im Entstehungsjahr 1999.

Freilich kommt der Komödie auch seine gute Besetzung zu Gute. Broderick, mit Werken wie „In Sachen Liebe“, „Cable Guy“ und „Die Frauen von Stepford“ längst auf die Nische des Langeweilers abonniert, darf hier trotz selbigen Schwerpunktes wesentlich vielschichtiger agieren als in den meisten seiner Werke aus dieser Zeit. Witherspoon zeigt hier ebenso wie im zur selben Zeit abgedrehten „Eiskalte Engel“ wie talentiert sie ist, was ihre späte Rollenauswahl zu Zeiten großer Berühmtheit umso trauriger macht. Und Chris „American Pie" Klein muss zwar nicht wirklich schauspielern können, beherrscht die Rolle des naiven Gedankenlosen aber so perfekt, dass man sich freuen kann, dass er für die Rolle des Paul besetzt wurde.

„Election“ ist mehr als eine olle, kleine Teenie-Komödie. Er ist eine lockerflockig inszenierte Satire mit Köpfchen und mit Mut zu Albernheiten, ohne es mit diesen zu übertreiben. Ein gutes Drehbuch und talentierte Darsteller mit Spielfreude sorgen für den Rest. Spielereien mit der Erzählperspektive sorgen endgültig dafür, dass einem nicht langweilig werden kann. Sicherlich setzt Payne auf Stereotype um zu seinem Ziel zu gelangen. Er haucht ihnen aber so viel Leben ein, dass sie einem trotz ihres Karikatur-Daseins wie Menschen aus Fleisch und Blut vorkommen - wahrscheinlich weil die Geschichte sehr darauf bedacht ist sich auf die Fehler und den Irrglauben der einzelnen Charaktere zu konzentrieren. Als Regisseur und Autor versteht Payne seine Figuren einfach bestens. Unter Beweis durfte er dieses Talent drei Jahre später noch einmal im anspruchsvolleren "About Schmidt" stellen, der keinen Zweifel mehr an diesem Können aufkommen ließ.


Samstag, 6. Dezember 2014

APPARITION - DUNKLE ERSCHEINUNG (The Apparition 2012 Todd Lincoln)


Spukerscheinungen in einem von einem Pärchen bezogenen Haus gehen auf ein Experiment der Parawissenschaften zurück, bei welchem eine Teilnehmerin spurlos verschwand...


Wie von Geisterhand verschwunden...

Mag richtiges Grusel-Flair auch nicht aufkommen wollen, eine gewisse Sympathie liegt über dem wackeligen Projekt „Apparition - Dunkle Erscheinungen“, an dem während der Fertigstellung scheinbar viel herumgedoktert wurde, so zusammengeflickt und unausgegoren es sich guckt. So richtig fertig und rund erscheint Todd Lincolns Regiearbeit keineswegs, zumal die Geschichte keine echten Erklärungen liefert und viele Hintergrundideen nur angedeutet bleiben. Gravierender an der Schwächung des zu möglich erreichenden Ergebnisses ist jedoch, dass wichtigere, vordergründige Storystränge oftmals ins Leere laufen und wenn nicht, dann zumindest unbefriedigt beendet werden. Verstehe das wer will, denn mit dem Aufhänger des Experimentes hatte man eigentlich eine wunderbare Grundlage parat.

Genau sie ist es auch, welche zunächst für besagte Sympathie sorgt, wird sie doch in einer Found Footage-artigen Variante zu Beginn des Streifens eingebracht, bevor diese Sequenz von der Hauptgeschichte abgelöst wird, in welcher wir erste Spukerscheinungen im Haus eines der Teilnehmer des Experimentes erleben. Auch hier bleibt die Sympathie für den Film zunächst noch bestehen. Dass der weibliche Part nichts von dem Experiment ihres Lebensgefährten weiß, ist schnell klar, der Mann gibt sich zu Beginn des Spuks auch ahnungslos, zumal es keinen Zusammenhang zu damals zu geben scheint.

Dieser ergibt sich erst über das Zustoßen mit einem weiteren Mitglied besagten paranormalen Versuches, von dem man sich nun einige Antworten erhofft. Aber er bringt mehr Verwirrung mit ins Geschehen als wertvolle Informationen zur Aufklärung, und spätestens mit seinem Erscheinen verrennt sich die Geschichte, die nicht mehr weiß wo sie wie ihre Schwerpunkte setzen soll, so dass so grobe Fehler geschehen, wie zum Beispiel das plötzliche Ignorieren einer Art Schimmel, die zuvor zum Hauptgeschehen des Spuks erklärt wurde.

Glücklicher Weise wissen die Schauspieler und eine gewisse Grundatmosphäre das nötigste zu retten. „The Apparition“ (Originaltitel) weiß routiniert zu unterhalten. Aber es ist klar, dass ein Film mit unbefriedigendem Finale trotz passabler Rettung nicht wirklich vom Hocker reißen kann. Zwar ist Lincolns Werk noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, so kurzweilig wie er ausgefallen ist, aber er ist einer dieser Filme, die schnell wieder vergessen sind, denen wahre Höhepunkte fehlen oder das gewisse individuelle Etwas. „Apparition“ wäre ein Film dem eine Fortsetzung tatsächlich einmal gut tun würde. Dann könnte das Sequel Aufräum-Arbeiten in Angriff nehmen und einer Geschichte mit Potential die Lücken füllen, die dem bisherigen Werk zu einem Ganzen fehlen. Ob es für diese Art Projekt aber tatsächlich noch ein Publikum gibt steht auf einem anderen Blatt.


Weitere Reviews zum Film:

Mittwoch, 3. Dezember 2014

IN CHINA ESSEN SIE HUNDE (I kina spiser de hunde 1999 Lasse Spang Olsen)


Der Bankangestellte Arvid glaubt mit der Tat einen Bankräuber aufgehalten zu haben einen Fehler begangen zu haben. Deswegen sucht er seinen kriminellen Bruder Harald auf, den er schon Jahre nicht gesehen hat, damit dieser ihm dabei hilft einen Geldtransporter zu überfallen. Das Geld des Überfalls möchte er der Frau des von ihm niedergeknüppelten Bankräubers überlassen. Zwar verläuft die Aktion nicht planmäßig, aber das Ziel selbst wird erreicht. Erst der Versuch das durch den Banküberfall getrennte Pärchen zu vereinen, tritt eine Welle unerwarteter Vorfälle los...


Leg die Regeln selber fest...

Mittlerweile schon durch die beiden Vorgeschichten „Old Men in New Cars“ und „Too Fat Too Furious“ fortgesetzt, habe ich mich lange Zeit davor gedrückt „In China essen sie Hunde“ zu schauen, wissendlich dass mir dieser dänische Streifen von vielen Seiten aus empfohlen wurde. Die Story lockte mich nicht. Gaunerfilme sind nie meine erste Wahl, und die Welle humoristisch cooler Stoffe ließ mich glauben, auch Lasse Spang Olsens Werk könnte der typische Massengeschmack des alternativen Publikums sein. Nun habe ich „In China essen sie Hunde“ doch noch gesehen, freilich weil mich wer dazu überredet hat, und ich bin tatsächlich positiv überrascht. Der Film wird seinem Ruf gerecht und weiß in seiner Art tatsächlich zu überraschen.

Glücklicher Weise wusste ich aufgrund der vielen Jahre der Ignoranz nichts mehr von dem was man mir damals über die Handlung erzählt hat, somit war ich völlig unvorbereitet, was die ideale Vorraussetzung für einen Film ist, der sich ohnehin nicht an irgendwelche Spielregeln hält. Wenn gegen Ende die Erzählperspektive eine komplette Wandlung erfährt, überrascht das extremst, obwohl Olsens Werk schon zuvor des öfteren mit verschiedensten Ideen, ob radikalen oder sensiblen, zu überraschen wusste. Obwohl der Aufhänger der Story nicht gerade neu klingt, hat Olsen mit „I kina spiser de hunde“ (Originaltitel) doch ein recht individuelles Stück Film auf die Beine gestellt.

Das liegt unter anderem daran, dass zwar alles vor einem verbrecherischen Hintergrund und Milieu spielt, im Mittelpunkt aber der charakterliche Wandel des ruhigen Arvids steht, dessen veränderte Ansichten und neu gesetzten Grenzen, wenn auch aus einer Art geistigen Abwesenheit heraus begangen, zu einer mentalen Zusammenführung der sonst so unterschiedlichen Brüder führt. In einem Mix aus leichtem Drama und schwärzester Komik lernt Harald die Seite seines Bruders kennen, die nicht einmal er selbst kannte, und die dem entspricht was ein Typ wie Harald sich sicher schon immer als Bruder gewünscht hat.

Dank der nüchternen, sehr wortkargen Situationen zwischen den beiden, wird dieser Storystrang nie unangenehm, weder im übercoolen, noch im kitschigen, noch im zu dramatischen Sinne. Dieser eigentlich im Hintergrund versteckte Mittelpunkt des Streifens, der alles weitere beeinflusst, wird eher sachlisch angegangen. Gefühle werden dank der großartigen Besetzung mimisch versteckt und dabei unglaublich realitätsnah angedeutet, was inmitten dieser völlig übertriebenen Groteske dann auch das einzig realitätsnahe ist. „In China essen sie Hunde“ ist eine überzogene schwarze Komödie, mit nicht vorhersehbaren Wendungen, deren völlig überdrehte Story von gelungenen Charakteren gestützt wird.

Ein einfallsreiches Drehbuch mit gelungenen Running Gags und dem richtigen Gefühl dafür, wann man sich von diesen wieder lösen muss, sorgt in Kombination mit der professionellen Darstellung der Schauspieler für eine gute Grundstimmung, in der man entspannt dem chaotischen Treiben der Geschichte folgt, ohne dass diese sich in irgendeiner Art anbiedert. „In China essen sie Hunde“ schaltet trotz der gezeigten Extreme immer einen Gang zurück. Hier gibt es weder pausenlos Gewalt, noch endlose Action, noch krasse Sprüche im Sekundentakt. Alles wirkt wohldosiert und immer mit Blick auf Glaubwürdigkeit und Psychologie der Charaktere versehen. Wenn man aufgrund seiner filmischen Vorerfahrung glaubt zu wissen wie es ungefähr weiter geht, wird man immer wieder eines besseren belehrt. Olsens Werk ist nun einmal kein ewig wiedergekäuertes amerikanisches Werk, es ist original europäisches Kino, genau so wie es sein soll und genau mit den Stärken punktend, für welches europäisches Kino bekannt ist. Reinschauen lohnt!


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 29. November 2014

HELLFJORD (2012 Roar Uthaug u.a.)


Der unterdurchschnittliche Polizist Salmander wird in das weit abgelegene, popelige  Küstendorf Hellfjord zwangsversetzt, wo er die letzten drei Monate vor der Gültigkeit seiner Kündigung verbringen soll. Als im Dorf ein Isländer auf rätselhafte Art ums Leben kommt, führen alle Spuren in die Fischfabrik des zwielichtigen Bosse Nova...


Raucher, Monster, tote Menschen...

„Hellfjord“ gewinnt von Anfang an Sympathie durch seine grotesken Figuren, die in skurrilen Situationen Schwarzhumoriges hervorbringen, während das ganze in einem ganz nüchternen und trockenem Stil erzählt ist, vielleicht ein wenig mit dem Kult-Film „Fargo“ vergleichbar. Inhaltlich erinnert das ganze ein wenig an „Hot Fuzz“, ein Film mit dem man sich aufgrund dessen Bekanntheitsgrades auch auf der deutschen DVD-Veröffentlichung identifiziert. Eine Zeit lang scheint dieser Vergleich nicht zu hoch gegriffen zu sein, ist das Feingefühl für treffsichere Pointen in einer belustigenden Grundatmosphäre doch wirklich nicht von schlechten Eltern, wenn den Humorschwerpunkt auch ganz anders setzend als der Vergleichsfilm, eben weil alles sehr viel trocker, grotesker und ruhiger präsentiert wird.

Ein wenig verärgert das inflationäre Einbringen von Kotz- und anderweitiger Würgkomik, allerdings wird sie meist belustigend und psychologisch sinnvoll eingebracht, z.B. zur Verstärkung wichtiger Charaktereigenschaften. Ein Pluspunkt ist die Deutschvertonung, welche den grotesken Gestalten glaubwürdige Stimmen beschert, und welche es schafft die Kultfigur des Kobba um einige Lacher zu bereichern, eben weil dessen Synchronstimme so großartig zu seiner rätselhaften Natur passt.

Drei Folgen von gerade einmal sieben geht dies in der Mini-Serie „Hellfjord“ gut, doch schon in der vierten bröckelt langsam die Treffsicherheit der Komik, wenn die senile Gastgeberin Salmanders zu viele Auftritte beschert bekommt. Kommende Folgen weisen andere Mängel auf, z.B. das Zurückschrauben der Humorquote zur Aufstockung des Erzählpotentials. Aber auch dies wäre aufgrund funktionierender Komik in angenehm trockener Umsetzung kein Problem gewesen, zumal die Groteske der Figuren weiterhin, trotz einer gewissen Gewöhnung, zu funktionieren weiß. Viel mehr ist es die Überraschungsarmut Richtung Finale, die viel am Potential von „Hellfjord“ kaputt macht.

Dass die Serie nicht 1-A funktioniert braucht bei genauem Hinsehen der Hintergrundverantwortlichen auch gar nicht wundern, ist Hauptautor der Chose doch Regisseur Tommy Wirkola, der in seinem Erfolg „Dead Snow“ auf massentaugliche Komik unter Niveau setzte und mit seinem „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ auch alles andere als eine einfallsreiche Geschichte ablieferte. Gemessen an diesen Ergebnissen liegt die Qualität von „Hellfjord“ weit vorne, und man darf sich gar wundern, dass der Humor derart geglückt ist. Wahrscheinlich war es einfach eine weise Entscheidung, dass Wirkola die Regie anderen überließ, z.B. Roar Uthaug, der den ersten, so großartig ausgefallenen, „Cold Prey“ inszenierte.

Es ist schade mit anzusehen, dass die rätselhafte und groteske Geschichte zum Ende hin nicht eine ebenso rätselhafte und groteske Auflösung erhält. Je mehr man sich der Ziellinie nähert, um so gewöhnlicher werden die Umstände in und um die Fischfabrik herum. Und viel zu schnell will man die zunächst ominösen Ereignisse  zu einem Abschluss führen. Das sorgt dafür, dass neue Einfälle, die überraschend und skurril wirken sollen, nicht mehr die Qualität derer zu Beginn der Serie besitzen. Da schmunzelt man mal kurz über eine Parodie auf das urplötzlich auftauchende Frauenbild von Action-Comic-Nerds, das war es dann aber auch schon.

Freilich weiß die Serie auch in ihrer zweiten Hälfte noch zu amüsieren, und man bleibt auch mit Interesse dran. Es ist nicht so, als ob das „Hellfjord“-Konzept nicht auch auf simplerem Niveau zu unterhalten wüsste. Aber man ist als Zuschauer freilich enttäuscht, dass das vorhandene Potential nicht bei gleichbleibendem Niveau ausgeschöpft wurde, immerhin reden wir hier nicht von sieben Staffeln, wo ein Qualitätsverlust unausweichlich ist, sondern von gerade einmal sieben Folgen.

„Hellfjord“ guckt sich so angenehm anders, weit entfernt vom Massengeschmack, und die Sinne von Freunden grotesker Unterhaltung derart stimulierend, dass eine gewisse Enttäuschung beim Qualitätsverlust der zweiten Hälfte unausweichlich ist. Aus einem absoluten Geheim-Tipp wird ein Werk welches sich Freunde des anderen Geschmacks ruhig einmal geben können, aber aufgrund der schwächeren zweiten Hälfte ohne dabei all zu viel zu erwarten. Schade!


Nachtrag:
Nach zwei nochmaliger Sichtungen stört mich an der nach der ersten Sichtung als schwächer bezeichneten zweiten Hälfte eigentlich nur noch der etwas zu Action-lastige Schluss der letzten Folge, der glücklicher Weise aber auch für einige gelungene Gags gut ist. Was mir besonders gut gefallen hat und mir bei der ersten Sichtung merkwürdiger Weise gar nicht richtig auffiel, ist die Verlagerung der Groteske ab Folge 4 auf den dramatischen und den romantischen Aspekt, eine wirklich gelungene Idee, welche "Hellfjord" davor bewahrt sich zu schnell auf Bewährtes einzupendeln. Warum mich dies beim ersten Gucken nicht angesprochen hat ist mir ein Rätsel, sorgt es doch dafür dass die Serie so gelungen und einzigartig bleibt wie in ihrer ersten Hälfte. Mittlerweile ist dieser 7-Teiler ein wahrer Geheim-Tipp für mich, den ich nicht mehr missen möchte und auf dessen nächste Sichtung ich mich jetzt schon wieder freue, obwohl ich ihn innerhalb so kurzer Zeit nun schon drei Mal hintereinander gesehen habe. Zugegeben: zu wissen dass die Auflösung der Geheimnisse um Hellfish und dem Ort Hellfjord eher banaler Natur sind, machen es einfacher die positiven Aspekte der späten Phase zu entdecken. Ich bleibe dabei, dass des Rätsels Auflösung ruhig skurriler hätte ausfallen können. Aber gestört hat das dank der vielen Pluspunkte bei meinen Folgesichtungen überhaupt nicht mehr.