Samstag, 31. August 2013

ATTACK FROM THE ATLANTIC RIM (Atlantic Rim 2013 Jared Cohn)


Von menschlichen Piloten gelenkte Riesenroboter bekämpfen Seeungeheuer...


Gefahr aus dem Pazifik...

Auf die Plagiat-Schmiede The Asylum ist wie immer Verlass. Guillermo del Toro lässt gerade in „Pacific Rim“ Riesenroboter gegen bösartige Kreaturen kämpfen, da kommt besagte Produktionsfirma mit einem ähnlichen Plot unter dem ähnlichen Titel „Atlantic Rim“ (Originaltitel) daher, um vom finanziellen Kuchen ein Stückchen ab zu bekommen. Ist del Toros Werk ein Blockbuster, der eine immense Summe verschlungen hat, so war das Budget des Asylum-Filmes auf einem Minimum, wie üblich. Produziert werden diese Werke ohnehin nur für dem Heimvideo-Markt, da müssen die Kosten flink wieder eingespielt sein.

Als Regisseur holte man sich Jared Cohn an Bord, der für Filme mit solch aussagekräftigen Titeln wie „Bikini Spring Break“ und „Born Bad“ verantwortlich war. Sein Talent dürfte auf ebenso nicht vorhandenem Niveau angesiedelt sein, wie das der Drehbuchautoren und der Darsteller. In italienischen Horrorfilmen aus den 70er und 80er Jahren gab es diesbezüglich größere Talente zu entdecken, und das will schon was heißen.

Vergleicht man The Asylum mit The Asylum, so ist allerdings eine Qualitätssteigerung durchaus erkennbar. Die Tricks sind zwar billig, aber nicht so schludrig eingebracht wie üblicher Weise, so z.B. geschehen bei „Transmorphers“ und „King Of The Lost World“. Auch langweilt der Film nicht wie letztgenannter, oder „Alien vs. Hunter“, oder „Terminators“, die durch uninspirierte Action und Endlosdialoge öder Charaktere zur reinen Tortur wurden. Andererseits ist „Atlantic Rim“ auch nicht ganz so schwachsinnig wie die durch ihre unfreiwillige Komik so wunderbar zu guckenden Filme „Mega Piranha“ und „Mega Shark vs. Giant Octopus“ ausgefallen.

Aber auch hier gilt: Vorsicht! Ich vergleiche nur Asylum mit Asylum, freilich wimmelt es auch in „Attack From The Atlantic Rim“ nur so vor Unsinnigkeiten. So darf die Karte eines U-Boot-Radars gleich die komplette Weltkarte abbilden, ganze Roboter werden von Piloten gesteuert, aber die Klimaanlage kann nur aus der Ferne von der Zentrale aktiviert werden, .... Es schwebt wie gehabt viel Irrsinn in der Luft, gepaart mit Fragwürdigkeit, Überheblichkeit und all den anderen Zutaten, die einen Z-Film in seiner patriotischen Amerika-Mentalität so dümmlich erscheinen lassen.

Da hier beide Typen Asylum-Film aufeinander treffen, ist der hier besprochene zwar nicht zur Gruppe der eben erwähnten Langeweiler mutiert, leider wird er jedoch auch kein Partykracher des unfreiwillig komischen Schundes. Die aus beiden Bereichen beeinflusste Form ist zwar auf seine Lauflänge gesehen trotz monotoner Handlung und elektronischer Fließbandmusik im Hintergrund guckbar und fast schon erträglich, aber doch wiederum zu zäh, um sich auf längere Zeit vom hernieder regnenden Schwachsinn belustigt berieseln zu lassen. Dafür ist Jared Cohns Science Fiction-Kracher wiederum zu unmotiviert ausgefallen. Es fehlt die nötige Dynamik in der Erzählung und die individuellen Zusatzpunkte des Irrsinns. Alles was an „Attack From The Atlantic Rim“ belustigt gibt es in fast jedem Asylum-Film zu sichten, und so tritt nach einem kurzweiligen Anfang Ernüchterung ein.

Man sieht also: auch die bessere Art Asylum-Film ist noch immer ein schlechtes Werk, so dass die unfreiwillig komische Variante missglückter Film weiterhin das wertvollste Ergebnis bleibt was diese Produktionsschmiede hervorbringen kann. Schade dass „Atlantic Rim“ nicht dazu zählt, obwohl er nicht zu den Tiefpunkten gehört und so manche geglückte unfreiwillige Lacher auf seiner Seite hat. Hätte ich den Film alleine gesehen, ohne zwischendrin Schwätzchen halten zu können, hätte ich ihn vielleicht sogar unausstehlich gefunden, wer weiß. Aber ein solch objektives Urteil sprengt die Möglichkeiten meines subjektiven Blickfeldes. Zumindest weiß ich, dass ein „Terminators“ auch mit auflockerndem Schwätzchen nicht erträglicher geworden wäre, was den hier besprochenen Streifen somit in ein positiveres Licht rückt.


Weitere Reviews zum Film:

Dienstag, 27. August 2013

TERMINATOR 2 - TAG DER ABRECHNUNG (Terminator 2: Judgement Day 1991 James Cameron)


Um sich einen Vorteil im Krieg Mensch gegen Maschine in der Zukunft zu verschaffen, schicken die Maschinen ihr neuestes Terminator-Modell aus flüssigem Metall in die Vergangenheit, um den Rebellenanführer der Zukunft im Kindesalter zu eliminieren. Der Widerstand schickt ein veraltetes Model der Tötungsmaschinen ebenfalls in die selbe Zeit. Dieser Terminator soll den zukünftigen Helden beschützen...


Verletzten anstatt zu töten...

Als ich „Terminator 2“ vor geschätzten 10 Jahren das letzte Mal sah, war ich sehr enttäuscht von seiner spannungsbefreiten Erzählweise und fand ihn ziemlich schwach. Für eine Neusichtung bin ich mit weniger Erwartungen herangegangen, dem Film als simples Unterhaltungsfilmchen eine Chance bieten wollend, ohne zu verbissen an die Sache heranzugehen, wissendlich dass ich eine Phase des viel zu strengen Filmguckens seit ein paar Jahren hinter mir gelassen habe. Diese Einstellung anzunehmen, um Gefallen an Camerons zweiten Ausflug in die Roboterwelt zu haben, war jedoch gar nicht nötig, entpuppte sich „Terminator 2“ die Tage doch für mich als erstaunlich gelungene Fortsetzung, der zwar der Pioniergeist des Erstlings fehlte, aber dadurch positiv auffiel, dass er Teil 1 nicht kopieren will, sondern komplett anders angelegt ist.

Es ist schon wahr, so spannend wie der eiskalte Teil 1 ist die Fortsetzung nicht mehr ausgefallen, aber sie legt es nicht darauf an in ihrem Herzstück, ein Plädoyer für Humanismus, in seiner radikalsten Veränderung wohl dem Fan des ersten Teils provozierend vor die Nase gesetzt mit einem zum Beschützer umprogrammierten von Arnold Schwarzenegger gespielten Terminator, der nicht nur kaum bösartig ist, sondern die Menschen verstehen lernt, sich von der Killermentalität seiner Programmierung entfernt, bis er gar zu ethischen Handlungsweisen fähig ist. Funktionieren tut das ganze nur deshalb, weil Cameron stets darauf achtet diese Fortschritte aus der Robotersicht einer Tötungsmaschine zu betrachten, so dass für manch schwarzhumorigen Moment inmitten von Action und einem wundervollen Hauch Drama noch Platz im Film ist.

Wer maulen mag, dass ein Kind als Zentrum einer solchen Story nervt, der erkennt nicht wie wichtig gerade dieser Aspekt ist, um Camerons Vorhaben psychologisch halbwegs sinnig anzugehen, denn um einen gewissen Grad Logik, der „Terminator 2“ an manch anderen Stellen fehlt, ist man sichtlich bemüht. Cameron schafft es nicht immer Kitsch zu umgehen, aber er rutscht nie in eine zu unangenehme Extreme ab. Die Geschichte bleibt in einem Gleichgewicht, kombiniert den Actionfilm mit dem Bereich des Jugendfilms ohne all zu seicht zu werden, und ist, gerade in der ersten Hälfte, dank einer dynamischen Erzählung immer auf einem Unterhaltungshoch.

Zwar wird es zu Beginn der zweiten Hälfte etwas ruhiger, aber das ist eigentlich ganz okay so. Im kompletten Film hätte man meiner Meinung nach nur eine Phase kürzen sollen, und das ist der endlose Kampf am Schluss zwischen den beiden Maschinen, war doch das davor Erzählte wesentlich aufregender zu verfolgen. Dort versuchen die Helden der Geschichte die Zukunft zu verändern, und da kitzeln Szenen die Nerven schon mehr als beim Zuschauen zweier Haudegen, die sich gegenseitig verkloppen, wenn sie nicht gerade aufeinander schießen.

Also: Mission geglückt, Cameron hat eine faszinierend andere Geschichte mit "Terminator 2“ abgeliefert, ohne den Vorgänger zu verraten oder mit diesem nicht kompatibel zu sein. Manches Mal übertreibt es Cameron mit seiner Symbolik, und sein verspielter Drang immer zu viel auf (damals sehr sensationelle) Spezialeffekte zu setzen ist auch hier bemerkbar, allerdings schaut sich die Fortsetzung von „Der Terminator“ nie all zu sehr auf Spezialeffekte konzentriert. „Terminator 2“ ist stimmiges Unterhaltungskino mit einer lobenswerten Botschaft, auf die im finalen Satz von Sarah Connors stets geglückten Off-Kommentaren, mit völliger Hingabe zur Übertreibung noch einmal mehr als deutlich hingewiesen wird. Da der Film in kurzen Momenten auch immer etwas selbstironisch ausfällt, ohne zu einer rückgratlosen Nummer zu verkommen, wirken solche Extreme gar positiv anstatt negativ.

Montag, 26. August 2013

BATMAN UND ROBIN (Batman And Robin 1997 Joel Schumacher)


Der kaltblütige Mr. Freeze droht Gotham City einzufrieren, unterstützt von der giftigen Öko-Frau Poison Ivy. Da kommt es Batman und Robin recht gelegen, dass jemand neues in ihrem Superhelden-Clan hinzu stößt: Batgirl...


Warum die Reihe auf Eis gelegt wurde...

Joel Schumacher machte sich bereits mit „Batman Forever“ nicht viele Freunde unter den Kinozuschauern, machte er aus Burtons so düster begonnener Reihe doch ein buntes Popkorn-Kino der spaßigen Art. Ein toller Film ist ihm damit nicht gelungen, aber richtig unterirdisch sollte es erst mit dem Nachfolger „Batman und Robin“ werden, der völlig würdelos mit den Kult-Figuren umgeht und uns ein knallbuntes, schrilles und überdrehtes Etwas präsentiert, das die alte „Batman“-TV-Serie wie ein zurückhaltendes Kammerspiel wirken lässt.

Schumacher dreht derart auf, dass man sich für nichts mehr was im Film passiert interessiert. Das merkt man bereits in den ersten 12 Minuten, in welchen Mr. Freeze eingeführt wird, der vor den Titelhelden fliehen muss. Die Kamera macht den Eindruck immer zu spät zur Stelle zu sein, so dass manche Geschehnisse plump von Robin per Off-Kommentar erklärt werden müssen. Der kunterbunte Augenkrebs eines völlig überzogenen Szenarios einer Welt, die durch ihre Extreme schon gar nicht mehr erklärt werden möchte, macht einen geradezu blind für das was tatsächlich im Film passiert, und das ist viel und wenig zugleich.

Schade dass der gute Mann, der sowohl für manchen Kultfilm wie „St. Elmo‘s Fire", „The Lost Boys“ und „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ verantwortlich war, wie auch für solch populäre Werke wie „8 mm“, „Flatliners“ und „Falling Down“, sein Werk derart in die Tonne kloppt, so sehr, dass sein Film übelst floppte und es für lange Zeit keinen weiteren „Batman“-Film mehr gab. Denn die Besetzung kann sich eigentlich sehen lassen: George Clooney wirkt als Batman und Bruce Wayne nicht halb so schlecht wie gerne behauptet wird, bekommt aber ohnehin keine Chance dem an sich so vielschichtigen Charakter Tiefe zu verleihen. Arnold Schwarzenegger, damals noch immer auf dem Hoch seines Erfolges, hätte ein Gegner mit Schmackes werden können, und Alicia Silverstone darf zumindest süß aussehen.

Einzig das Talent von Uma Thurman darf inmitten dieses Irrsinns ab und an aufblitzen, ist aber auch hoffnungslos verloren in einem visuell überfrachteten Film, der sich um viel zu viele Figuren kümmern muss, als dass er auch nur eine wirklich zur Zufriedenheit des Zuschauers vertiefen könnte. Da dürfen nicht nur Mr. Freeze und Poison Ivy gemeinsam als Gegner tätig werden (was noch okay wäre, da doppelte Gegner im Vorgänger immerhin halbwegs und spätestens in „The Dark Knight“ tatsächlich funktioniert haben), nein auch Batgirl und Bane müssen mit eingebracht werden, Erstgenannte ganz besonders unnötig, da bereits Robin an der Seite von Batman zu viel des Schlechten ist.

Wenn man erst einmal abgehärtet den Film weiter verfolgt und die grellen Abscheulichkeiten halbwegs akzeptieren kann, dann fällt einem auf was an „Batman und Robin“ endgültig stört: die Helden sind heterosexuell, während der komplette Film das schrille Klischee und Vorurteil des Homosexuellen visualisiert. Ob Mr. Freeze dämliche Puschelpantoffel tragen darf, Bösewichter mit neonleuchtender Ketten Ivy attackieren dürfen, oder das Kostüm der beiden Helden Brustwarzen-Nippel aufweist, alles bekommt solch einen schwulen Touch beschert wie ein „Im Himmel ist die Hölle los“, freilich ohne dessen Charme zu erreichen. Selbst das Logo zu Beginn muss sich eines schwulen Vergleiches stellen. Ebenso wie Erni und Bert umwehten auch schon immer die Figuren Batman und Robin Spekulationen um eine mögliche Homosexualität. Schumacher scheint diese zu bestätigen, ohne sie dies auch sexuell ausleben lassen zu dürfen. Nein, innerhalb der Geschichte sind sie Heteros. Fast schon schade, dann würde vielleicht heute die nervige Debatte um einen schwulen Spider-Man nicht mehr geführt werden.

„Batman und Robin“ genießt den Ruf der schlechteste „Batman“-Film zu sein, der bislang gedreht wurde, und ich kann da nicht widersprechen. Im Gegensatz zu dem ebenfalls unbeliebten „Catwoman“ funktioniert Schumachers zweiter Abstecher nach Gotham City nicht einmal als Trash. Das Teil nervt und enttäuscht um so mehr, als dass Batman meiner Meinung nach der interessanteste Superheld am Kino- und Comichimmel ist. Es ist wahrlich eine Schande ihn in ein derart albernes Licht zu rücken, vor dem wahrscheinlich selbst Adam West schockiert zusammenzucken würde. Wäre der Film so düster wie sein Trailer, hätte er funktionieren können. Allein deswegen ist dieser einen Blick wert. Der Film selbst nicht.


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 25. August 2013

KICK-ASS 2 (2013 Jeff Wadlow)


Während Mindy ihr Superhelden-Kostüm nicht mehr anzieht, da sie dies Marcus, ihrem Pflegevater, versprechen musste, schließt sich Kick-Ass einer Superheldenvereinigung an. Doch auch Chris D‘Amico sitzt nicht untätig herum und mutiert von Red Mist zum Motherfucker, der als erster Super-Bösewicht der Welt allerhand Psychopathen um sich scharrt, um die Stadt zu vernichten...


Raumverteilung...

Kick-Ass“ war eine kunterbunte und gleichzeitig bluttriefende Wundertüte am Kino-Himmel, genau jener Einfallsreichtum den ich in einem Blockbuster längst wieder sichten wollte, ein wirrer Genre-Mix, clever erzählt, mit echten Charakteren versehen und einem hohen Unterhaltungswert gesegnet. Dass ein solch vorbildliches Ergebnis so leicht nicht zu wiederholen ist, ist klar, und so brauchte man bei der Fortsetzung nicht ernsthaft mit einem vergleichbaren Ergebnis zu rechnen. Und mit diesen heruntergeschraubten Erwartungen an „Kick-Ass 2“ heranzugehen ist genau die richtige Einstellung, denn auch er bereitet genügend Freude einen über seine Lauflänge lang gut zu unterhalten.

Allein dass Hit-Girl ein normales Leben führen soll ist das Reinschalten schon wert. Zwar ist Kick-Ass mittlerweile ein halbwegs gleichwürdiger Partner als Superheld auf dem Bildschirm, aber die interessantesten Momente bekommt weiterhin Mindy beschert, die uns diesmal das Mädchen hinter der Hit-Girl-Maske präsentiert. Das ist auch die richtige Entscheidung, haben wir Dave doch in Teil 1 genauestens kennen gelernt, der kann sich nun seinem merkwürdigen Hobby widmen. Nun lernen wir die Gefühlswelt der Mindy kennen. Und war ich noch am Zweifeln ob Hit-Girl als Teen so gut wirken kann wie als kleines Mädchen, so verstreuten sich zumindest diese Befürchtungen Mindy betreffend. Die Hit-Girl-Szenen waren tatsächlich in Teil 1 besser, aber auch sie, diesmal weniger vorhanden, wissen aufgrund origineller und blutiger Einfälle zu gefallen. Aber die Hit-Girl-Persönlichkeit tritt diesmal ein wenig zurück, um der Mindy-Persönlichkeit mehr Raum zu geben. Da werden einige sicher drüber schimpfen, mir hat diese Entscheidung jedoch sehr gut gefallen.

Unverständlich ist mir dagegen das Verheizen von Jim Carrey an Bord, dessen Charakter nicht genügend Screentime beschert bekommt um mehr zu werden als ein Stichwortgeber. Das ist nicht wirklich schlimm für die Geschichte, zumal spätestens sein Hund für einige Lacher gut ist. Warum man sich für eine solch unwichtige Rolle jedoch einen der talentiertesten Männer Hollywoods aussucht, kann ich nicht verstehen. Er als Anführer der Superheldenvereinigung teilt damit jedoch das Schicksal jeder neuen Nebenfigur. Alle sind für den kurzen Gag aufgrund ihrer schrillen und kaputten Art für einen Schmunzler gut, lediglich herausstechen tut jedoch nur Hit-Girls End-Gegnerin aus Russland.

Schicksalsschläge wie in Teil 1 gibt es auch zu erleben, die sind zwar nicht ganz so dramatisch herausgearbeitet wie dort, finden gerechter Weise diesmal aber an der Seite Davids statt, womit die erzählerischen Momente zwischen ihm und Mindy endgültig im Vergleich zu Teil 1 vertauscht werden. Dass einem das ganze nicht trotzdem wie eine schlichte Wiederholung von Teil 1 vorkommt, liegt an der völlig anderen Orientierung der Geschichte, dürfen wir doch z.B. den ehemaligen Red-Mist beim Aufbau der ersten Superschurken-Bande beobachten, was schon einiges an inhaltlichem Raum einnimmt.

Als Motherfucker ist er leider zur vollkommenen Witzfigur heruntergekommen. Zwar sind die Lacher auf seiner Seite und Christopher Mintz-Plasse wie gehabt eine gute Besetzung, aber der Motherfucker wird nicht zum würdigen Endgegner, womit ein Ungleichgewicht im Finale entsteht, zumal Kick-Ass mittlerweile zum ernstzunehmenden Superhelden geworden ist, sofern man davon in der realen Welt sprechen kann. Ohnehin ist der Bezug zur realen Welt diesmal einer der Haupteckpfeiler der im Hintergrund ablaufenden Geschichte, fragt sich Kick-Ass bei der seinem Beispiel folgendem Bande und noch mehr bei dem Trupp Psycho-Gegner, die wie eine Horde verkleideter Hooligans herüberkommen, ob er mit seinem Gedanken Superheld zu werden tatsächlich die Welt verbessert oder doch nicht eher verschlechtert hat. Die Frage ist berechtigt, je tiefer man in das oberflächliche Geschehen hineintaucht.

Die meisten Zuschauer werden das nicht. Sie werden sich an der kurzweiligen Geschichte laben, die ihren Humoranteil ein wenig zurückgeschraubt hat und mehr Raum für die Action bietet, die mal wieder recht gewalttätig daherkommt, wenn auch nicht so extrem wie es in der Comicvorlage der Fall sein soll. Etwas schade finde ich es, dass die Geschichte sich diesmal nicht so professionell entfaltet wie in Teil 1 geschehen. Der Ablauf findet recht überraschungsfrei statt und verfolgt eigentlich nur eine schlichte Erzähllinie. So qualitativ wie der Vorgänger ist diese Herangehensweise nicht. Zumal es unverständlich ist, die Regie auszutauschen, nachdem Matthew Vaughn mit „Kick-Ass“ solch ein Meisterwerk ablieferte. Zumindest bleibt das hier Gesehene der Mentalität von Teil 1 treu, das heißt es geht politisch ordentlich unkorrekt zur Sache, es weht ein Hauch Anarchie und es geht wieder darum, dass das wichtigste in einer Gesellschaft die Individualität der einzelnen Menschen ist.

„Kick-Ass 2“ weiß zu gefallen, wird nie langweilig und erzählt die Geschichte der Charaktere aus Teil 1 würdig weiter. Zwar ist der Stil des Streifens etwas infantiler ausgefallen (wahrscheinlich wollte man das finanzstarke Jugend-Publikum endgültig an Bord holen), was seinen Tiefpunkt in einer Fäkalszene erfährt, die glücklicher Weise Ausnahme bleibt, aber Tiefgang und das richtige Gespür für Situationen und Personen ist durchaus vorhanden. Gerade das Beispiel Hit-Girl macht dies deutlich. Eroberte sie als Mädchen in Teil 1 das Herz der Comic-Freaks, so darf sie, da Persönlichkeit gewinnend und zur jungen Frau herangewachsen, diesmal die Herzen der männlichen Teenager erobern, was nicht nur dem niedlichen Aussehen von Darstellerin Chloe Grace Moretz zu verdanken ist.


Nachtrag:
Zwar ist die Geschichte des zweiten Teils längst nicht so verästelt und gekonnt miteinander verbunden wie die von Teil 1, etwas weniger linear als von mir anfänglich behauptet ist "Kick-Ass 2" aber durchaus. Der Niveau-Abstieg gegenüber Teil 1 ist also nicht ganz so extrem wie nach dem ersten Gucken wahrgenommen.  

FLUCHT INS 23. JAHRHUNDERT (Logan's Run 1976 Michael Anderson)


Die Zukunft: Die Menschen leben unter einer Kuppel. Allen geht es gut. Und wer 30 wird muss ins Karussell zur Erneuerung. Was kaum wer weiß: erneuert wird niemand. Die Bürger werden lediglich getötet. Diejenigen die es begreifen und sich weigern werden von Jägern eingefangen, die für die Regierung arbeiten. Um eine Rebellion aufzudecken wird dem Jäger Logan die Lebensuhr vorgestellt. Damit schafft er es die Rebellen aufzuspüren und lernt über sie die grauenvolle Wahrheit kennen...


Running Man...

Eine gedankenfreie, dekadente Wohlstandsgesellschaft in der Zukunft, Belügen des Volkes zur Vertuschung eines üblen Geheimnisses, Gesellschaftskritik am Heute in einer Geschichte über das Morgen... das war alles im Science Fiction-Kino der 70er Jahre nichts neues, stattdessen geradezu typisch, und dafür liebe ich diese Zeit dieses Genres, hat es doch mit „Der Omega Mann“, „Westworld“, „Phase IV“, „Andromeda“ und vielen anderen Filmen ganz große Werke hervorgebracht, Werke die sich ernsthaft mit den Nöten der Gesellschaft, den Lügen der Privilegierten und den kommenden Problemen der Menschheit auseinandersetzten.

Die Blauäugigkeit vergangener Tage war längst überholt. Umweltsünden und anderweitige Nachteile verdrängten längst die Arroganz des in den 50er Jahren bis in die Tiefen der 60er Jahre gefeierten Siegeszuges der Technologie der Menschheit und dem Glauben damit irgendwann eine Art Utopia errichten zu können. Die Schattenseiten waren zu dominant, der Mensch musste sich der Wahrheit stellen, und dies machte das Jahrzehnt zu einem welches (zum Glück der Cineastenherzen) die ernüchterndsten und frustrierendsten Werke aller Zeiten ins Lichtspielhaus brachte. Die 80er Jahre mit ihren naiven Filmchen, denen der Unterhaltungswert wichtiger war, waren noch weit weg.

Allerdings nicht weit genug. Auch bei Werken des Science Fiction-Genres gab es erste Vertreter, die nicht ganz das Niveau ihrer Konkurrenz besaßen und Spezialeffekte und billige Aufhänger dafür nutzten ihre Geschichten naiver als nötig zu erzählen. Und dazu gehört neben „Die Körperfresser kommen“ und „Futureworld“ auch der recht früh auf dieser Bildfläche erschienende „Flucht ins 23. Jahrhundert“, der in seinem gesellschaftskritischem Aufhänger kaum mehr erzählt als die wesentlich besseren „Rollerball“ und „Jahr 2022... die überleben wollen“. Einzig die Thematisierung des Jugendwahns, der sich auch im Kino im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahrzehnten immer mehr durchsetzte, war der individuelle Pluspunkt des Streifens. Und mag der Film auch nicht in die Schiene der anspruchsvollen Genre-Kost passen, die geradezu typisch für seine Entstehungszeit waren, auf schlichte Ebene weiß auch er zu unterhalten.

Aber auch eben nur das! Nachdenklich wird in dieser blauäugig erzählten Geschichte niemand. Aber „Logan‘s Run“ (Originaltitel) hat einige Pluspunkte auf seiner Seite. Neben dem eben erwähnten individuellen Aspekt wären dies außerdem die wenigen Szenen mit Peter Ustinov, der den einzig alten Mann in der Zukunft spielen darf, und die erschreckende Szene, in welcher Logan und seine Begleiterin die Wahrheit darüber erfahren, wo die erfolgreich Geflohenen in all den Jahren der Rebellion tatsächlich gelandet sind. Auch wenn diese Szene durch seinen Überraschungsgast, den ich an dieser Stelle nicht verraten werde, wieder auf eher verspielten Unterhaltungswert setzt, so wirkt die Idee hinter dieser Wahrheit doch sehr bitter und gehört damit zu den am besten funktionierenden Momenten des Filmes.

Aufgrund seiner sehr naiven Erzählung, in welcher vieles nicht zu Ende gedacht ist, Emotionen vor Logik gesetzt werden und einzelne Ausnahmeszenen vor dem Gang in die Zuflucht sogar Fremdschämen verursachen, funktioniert „Flucht ins 23. Jahrhundert“ nur in der Lightversion, schaut er sich doch wie eine Folge „Raumschiff Enterprise“ in besserer Kulisse, was für sich gesehen ja auch nichts schlechtes heißen muss, aber eben mit Blick auf die zur selben Zeit entstandenen Zukunftsvisionen einfach doch zu verärgern weiß. Ist dieses Manko aber mal akzeptiert und der Stolz des Zuschauers heruntergeschluckt, kann man Spaß mit dem von Michael Anderson inszenierten Film haben, jener Regisseur, der bereits 1956 eine Version der berühmten „1984“-Thematik fertig stellte und ein Jahr nach dem hier besprochenen Film mit „Orca, der Killerwal“ trotz naiverer Thematik als hier ein besseres Ergebnis erzielte.

Auch der Schluss der Geschichte, der deutlich positiver ausfällt als all die düsteren Visionen seiner Zeit, gehört zu den Höhepunkten des Filmes. Leider nahm sich Anderson zuvor für so viele Unnötigkeiten Zeit, dass er keine mehr hatte um das Ende sinnvoll einzuführen. So erleben wir den Weg zum finalen Ereignis im Schnellverfahren, womit dieses unglaubwürdig wird und die Ketten der Gesellschaft, die uns zuvor gezeigt wurden, zu einem wesentlich geringeren Problem werden als zuvor behauptet. Auf psychologischer Ebene funktioniert da gar nichts mehr. Der Schluss ist reines Gefühlskino.

Letztendlich beißt sich der Film mit diesem Fehler selbst in den Schwanz. Vertrödelte die im Film gezeigte Gesellschaft ihre kurze, wertvolle Zeit mit unnötiger, gedankenloser Dekadenz, so krankt der Film in seiner ersten Hälfte ebenfalls an unnötig erzählten Momenten, die rein des reißerischen Unterhaltungswertes integriert wurden, anstatt diese zu übergehen, um Zeit für den späteren Bereich des Streifens zu nutzen, in welchem man sie für Qualitäten und Glaubwürdigkeit hätte nutzen können, um am Ende cineastisch gesehen eine längere Lebensdauer zu erreichen. Denn durch sein ständig auf Quantitäten setzendes Konzept bleibt „Flucht ins 23. Jahrhundert“ in seinem Erstehungsjahr stecken und guckt sich damit keineswegs so zeitlos wie viele der in dieser Review genannten Vergleichsfilme.

Samstag, 24. August 2013

DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (E tu vivrai nel terrore - L'aldilà 1981 Lucio Fulci)


Die New Yorkerin Lisa hat in Louisiana ein heruntergekommenes Hotel geerbt, welches sie renovieren lässt, um den Betrieb wieder zu starten. Allerdings weiß sie nicht, dass das Gebäude auf einem der sieben Tore des Bösen erbaut wurde. Unheimliche Vorkommnisse häufen sich...


John - Lisa, Lisa - John, ...

Wer nach einem tieferen Sinn in „Die Geisterstadt der Zombies“ sucht, einem der größten Erfolge des italienischen Kult- und Schund-Regisseurs Lucio Fulci, der steht auf verlorenem Posten, ergibt doch so ziemlich alles was wir hier erleben keinen, oder zumindest wenig Sinn, zumal uns alles etwas zusammenhanglos präsentiert wird. Da man auch keine wirkliche Identifikationsfigur präsentiert bekommt, dadurch dass einem jeglicher Charakter zu fremd bleibt, kann man schon etwas orientierungslos werden. Scheinbar soll man das sogar, denn nur mit dieser Absicht lässt sich eine Art Sinn in Fulcis Werk erkennen. Gibt man sich also einfach mal dieser Orientierungslosigkeit hin, kann einem mit „Über dem Jenseits“ (Alternativtitel) ein ähnlich angenehmes Filmvergnügen wiederfahren, wie mit dem ein Jahr zuvor erschienenden „Ein Zombie hing am Glockenseil“.

Fulci erschafft in dem Nichts an Story eine unglaublich starke Atmosphäre, die man einfach auf sich wirken lassen muss, sofern man kann. Dann reißen Soundtrack und die grauenhaften Bilder mit, die Fulci uns zumutet. Erstaunlich: die völlig unnötig in Blut getränkten Abartigkeiten unterbrechen die dichte Atmosphäre des Streifens nicht, sie unterstützen diese sogar. Da mögen noch so sinnlos Spinnen ein Gesicht zersetzen, ein Mensch mit heißem Kalk gefoltert werden und einem Kind das halbe Gesicht weggeschossen werden (wohl der Tabubruch seiner Zeit schlechthin), der Film wirkt, und das obwohl Fulci die Ekelschraube nach dem bereits unappetitlichen „Ein Zombie hing am Glockenseil“ noch einmal ordentlich aufdreht.

Ebenso wie der spielen die im Titel genannten Zombies lediglich eine Nebenrolle. Ein zweiter „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ ist der Film inhaltlich somit nicht. Wer einen echten Zombiefilm vom italienischen Meister des B-Films sehen wollte, der musste damals bis 1988 warten als „Zombie 3“ erschien. Im hier besprochenen Film geht es eher um Spuk und um alternative Welten. Es geht um alles und nichts. Und da wird sich fleißig an mal mehr mal weniger Klischee-artigen, altbekannten Horrorzutaten bedient, wie ein geisterhaftes Läuten, ein mystisches Buch, Prophezeiungen einer Blinden, eine Lynchmeute mit Fackeln, uvm. Aber es blitzen auch Ideen auf, die große Genre-Werke später ins Zentrum rücken sollten, so z.B. die kurzzeitig geglückte Flucht aus dem Jenseits, die später im Mittelpunkt von Clive Barkers „Hellraiser“ stand.

Höhepunkt von „Im Jenseits der Zombies“ (Alternativtitel) ist dann tatsächlich auch sein Finale, in welchem die Zombies in den Mittelpunkt rücken, gefolgt von der Abschluss-Szene, in welcher die Musik ein atmosphärisches Zusammenspiel mit der billigen aber wirkungsreichen Kulisse bildet. Es ist eine Szene, die wenigstens einen Teil der offenen Fragen beantwortet. Glücklicher Weise ist man kurz vor diesem Szenario doch noch halbwegs warm mit den beiden Helden der Geschichte geworden, zumindest genug, damit der einfallsreiche Schluss zu wirken weiß.

„Eibon - Die 7 Tore des Schreckens“ (Alternativtitel) ist das Paradebeispiel dafür, dass ein Horrorfilm auch als loses Stückwerk mit wenig Sinn und mittelmäßigen Mimen funktionieren kann, zumindest dann wenn die Atmosphäre und die einzelnen Einfälle gut genug zu wirken wissen. Ob das Zusammenspiel der einzelnen ineinandergreifenden Fragmente tatsächlich dem Regisseur zu verdanken sind oder bloßes Glück waren ist die große Frage, die den Film umweht. Immerhin war Fulci nicht der begabte Regisseur für den ihn viele halten. Das meiste was ich von ihm sichten durfte war eher dürftiger Natur. Da aber bereits „Ein Zombie hing am Glockenseil“ auf ähnliche Art funktionierte, mag es vielleicht doch ihm zu verdanken sein. Vielleicht hatte er genau in den Jahren 1980 - 1981 ein intuitives Händchen, das nötige Gespür oder einfach nur freies Spiel das ihm vorher/später kein Produzent mehr ermöglichte. Wer weiß, wer weiß...

Freitag, 23. August 2013

DIE AUSBILDUNG (2011 Dirk Lütter)


Jan befindet sich im letzten Ausbildungsjahr, arbeitend in einem Großraumbüro per Laptop den Kundenservice absolvierend und darauf hoffend übernommen zu werden. Er steht unter Druck, wie alle, und er sieht wie man seinen Weg in dieser Branche macht und wie man scheitert...


Optimierung ist alles...

Eiskalt, steril und streng wirkt der Film „Die Ausbildung“, bildet auf diese Art aber sehr zielgenau das ab, was in Wirtschaftsberufen heutzutage Alltag ist, Berufe die eiskalt, steril und streng sind. Dass Dirk Lütters Langfilm-Debut sogar sehr sensibel erzählt ist, fällt kaum auf, eben weil er von etwas erzählt, das fern jeglicher Ethik und menschlichem Miteinanders stattfindet. Wer in Berufen wie dem hier gezeigten arbeitet, für den ist der hier präsentierte Umgang unter- und miteinander oftmals schon ganz normal, und das ist das erschreckende daran, zeigt sich doch damit ein Verständnis für solch ein unterdrückendes Berufsbild und damit Akzeptanz für Arbeitsplätze, in denen es nur noch um Optimierung geht und der Mensch nur noch Ressource ist.

Das gelungene an „Die Ausbildung“ ist, dass er mit seiner nüchternen Art nicht nur diesen traurigen Alltag zeigt, von den manche Menschen glauben er müsse so ablaufen. Er zeigt mit der Figur des Jan auch überdeutlich, warum manche Leute mit einiger Zeit in diesen Berufen an das System glauben und die Gesetzmäßigkeiten der Branche gutheißen. Jan wächst in dieser kommunikationsfreien Umgebung einer typisch modernen Familie auf in unserer Zeit, jener Zeit, die von sich behauptet dank modernster Techniken ach wie kommunikativ zu sein. Jans Leben ist so leer wie die Gespräche die er führt. Auch sein Seelenleben wirkt verkümmert. Alles ist optimiert, selbst im Alltag. Der Intimbereich ist glattrasiert, das Sexualbedürfnis durch die Pornoauswahl im Netz auf das aktuelle Bedürfnis abgestimmt, die Musik mit ihrem synthetischen Elektroklängen emotionslos, rein für den Rhythmus ausgelegt. Hierzu zu tanzen oder schnell Auto zu fahren, darin sieht Jan seine Ventile.

Wo Jan theoretisch einmal enden könnte, zeigt ein Blick auf seinen Chef, der durch langsames sprechen und sozialer Phrasen vorgaukelt die Mitarbeiter wären ihm wichtig. Aber einzig die Zahlen haben zu stimmen, und um diese zu optimieren nutzt er die Naivität und die mangelnde Lebenserfahrung des Auszubildenden aus, manipuliert ihn, benutzt ihn, was Jan spätestens merkt wenn eine Kollegin, der er helfen wollte, weinend erzählt wie sie abgezockt wurde, als es um das Loslösen des Arbeitsverhältnisses ging. Jan ist auf dem besten Weg so zu werden wie sein Chef, ist in sozialen Gebieten nicht sonderlich sensibilisiert obwohl seine Mutter engagiert für den Betriebsrat tätig ist, für den Kleinbereich, auf den dieser überhaupt noch Einfluss hat. Und doch erleben wir Jan, noch nicht ganz manipuliert von seinem Alltag, am Scheideweg, frustriert durch das was er erlebt hat.

Beziehungen müssen räumlich unterbrochen werden, denn wem der Job wichtig ist, der muss auch umziehen dafür. Wer Kritik äußert oder im knappen zeitlichen Rahmen sein Ziel nicht erreicht wird gekündigt oder zur Kündigung gedrängt. Sicher fühlt man sich nicht in einem solchen Job, gebraucht auch nicht. Und Jan beginnt zu begreifen, dass es das nicht sein kann. Ob er auch begreift, dass er an einer solchen Welt nicht teilhaben muss, ist am Ende von „Die Ausbildung“ nicht sicher, wird doch auch er, wenn im Film auch nicht gezeigt, die Gehirnwäsche mitgemacht haben wie jeder Jugendliche, die einen Einbläuen will das wichtigste sei ein Ausbildungsplatz, private Bedürfnisse und damit das soziale Miteinander haben hinten an zu stehen.

Dirk Lütters Film zeigt Courrage, und mit der Art wie er endet Größe, lässt er den Zuschauer doch nun mit einer Frage allein, die er nach allem was er miterleben durfte nun für sich selbst beantworten muss. Spätestens an diesem Punkt erwartet Lütter das Mitdenken des Zuschauers. Aber das sollte eigentlich auch schon zuvor geweckt worden sein, ist doch „Die Ausbildung“ ein Film der den Zuschauer für mündig genug hält selbst zu entdecken und sich selbst über das Gezeigte Gedanken zu machen. Erklärungen liefert der Film nicht, kitschige Sozialmomente umgeht er ebenso wie die Arbeitswelt die er kritisiert. Wer nicht weiß was der Film will, sich gar langweilt oder empört über das ist was dieses Drama kritisiert, der ist längst angekommen in der verkümmerten Einbahnstraße wirtschaftlichen Denkens und Optimierens, in welchen Ethik ein Fremdwort geworden ist.

Donnerstag, 22. August 2013

ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN (Never Let Me Go 2010 Mark Romanek)


Kathy, Ruth und Tommy sind nicht wie andere Kinder, und das wissen sie auch. Sie gehen in ein Internat für Klone, die später dafür da sind ihre Organe an echte Menschen zu spenden. Bis es so weit ist ensteht eine Liebelei zwischen Ruth und Tommy, die so lange anhält, bis Kathy sich von den beiden abseilt, um Betreuerin für Organspender zu werden...


Die Kunst und der Aufschub...

„Alles, was wir geben mussten“ kann man als das absolute Gegenstück von Michael Bays „Die Insel“ bezeichnen. Während dieses Werk laut war und von der Entdeckung eines Geheimnisses in der Zukunft handelte und dem Versuch dass die Klone ihr Schicksal verhindern wollen, ist Mark Romaneks Film ein ruhiges sentimentales Werk, welches in einer alternativen Vergangenheit spielt und in welcher die Klone sich ihres Zweckes bewusst sind und sich dem fügen. Sie sind von klein auf drauf eingestellt. Und das System funktioniert lückenhaft. In den 50er Jahren funktionierte erstmals das Verfahren der Organverpflanzung und wurde Standart. In den 60ern ist die Lebenserwartung bereits bei 100 Jahren angekommen. In den 70er Jahren wachsen die Helden der Geschichte im Internat auf, um in den 80er Jahren ihre kurzen Wege zu gehen, sich zu verlieren und irgendwann wiederzufinden.

So ereignislos das klingt, zumal die Klongeschichte eher unauffällig im Hintergrund spielt, während es vordergründig um das Beziehungs- und Gefühlsdreieck der drei Protagonisten geht, so sehr zieht der Film gerade daraus seine Stärke. Er beruht auf einem Roman des Japaners Kazuo Ishiguro, der eine  alternative Welt erschuf, die durch ihre Selbstverständlichkeit und der Befremdlichkeit bitterböse wirkt. Die Gesellschaft steht der Klonthematik völlig emotionslos gegenüber, und Ethik scheint es selbst dann nicht zu geben, wenn sich mancher Mensch, wie ein interessanter Aspekt der Auflösung eines im Film gestellten Rätsels zeigen wird, mit der Ethikfrage beschäftigt. Ganz im Gegenteil, diese Menschen wirken fast noch kühler als der Rest der Gesellschaft.

Da die Charaktere das wichtigste Gut neben der Grundidee sind, ist man ganz nah dran am Empfinden der drei Hauptfiguren, ganz besonders freilich an der Gefühlswelt der Identifikationsfigur Kathy, mit derer verpassten Chance man ebenso leben muss wie sie selbst. Der Film zeigt nebenbei auf wie Menschen, die alternativ leben, sich ganz von selbst eine alternative Realität basteln. Zum einen beschönigen/verdrängen sie die real auf sie zukommenden Probleme, wie es ein jeder wohl (ob bewusst oder unbewusst) tut, zum anderen wecken sie durch Gerüchte Hoffnungen ihr Schicksal verzögern zu können und malen sich den Sinn diverser Dinge aus ihrer Vergangenheit aus, den sie durch mangelnde Informationen nicht verstehen können. Ist man sich anfangs der Spekulation bewusst, so formt sich diese im Laufe der Zeit zu einem echten Glauben, und dem Zuschauer ist währenddessen durchaus bewusst, dass ein solches Denken, Fühlen und Glauben nur auf einen großen Crash hinauslaufen kann, der aber freilich ebenso sensibel angegangen wird wie der Rest des Films.

Zwar ist „Alles, was wir geben mussten“ in jeglicher theoretischer Art mehr als geglückt (Schauspieler, Regie, Drehbuch, Schnitt, ...), aber seine größte Stärke besitzt Romaneks Werk in der Mündigkeit, die er dem Zuschauer zugesteht. Nie stößt er einen zu weit auf die aufblitzenden Tiefen der Geschichte hin. Romanek lässt uns selbst entdecken, und neben den geradezu zwangsweise mit einer solchen Idee einherlaufenden Ansätzen von Gesellschaftskritik, philosophischen Gedanken und ethischen Grundsatzfragen, provoziert der Film doch eigentlich immer in den kurz aufgegriffenen Nebensächlichkeiten am effektivsten, beispielsweise wenn sich das groß gewordene Trio ganz nebenbei darüber austauscht was sie über ihre ehemalige Schule gehört haben, und dass einer von ihnen gehört habe, dass die jetzigen „Schüler“ nur noch Produkte in einer Art Legebatterie wären. Ausgesprochen, weitergesprochen!

In dieser Welt ist das normal, und der Klon will sich auch gar nicht zu sehr mit einer solchen Thematik befassen, muss er sich dann doch wieder ganz bewusst seinem Schicksal stellen. Es gibt einen Unterschied zwischen dem theoretischen Wissen und dem Wissen im Bewusstsein. Toll wie der Film sich der kompletten Psychologie seiner Idee bewusst ist und uns damit immer wieder den Spiegel vorhält, einen Spiegel den man auch auf andere Dinge im Leben ableiten kann.

So wirken die isoliert aufgewachsenen Kinder, wenn sie erstmals in die Stadt fahren, von der sie nur aus der Theorie wissen wie man sich dort verhält, wie Sektenmitglieder. Auch die Auflösung des im Film gestellten Rätsels wirft einen großen Schatten auf das Thema Religion, wäre die Kaltblütigkeit der Ethikforscher doch nie so immens, wenn gewisse Thesen, die Weltreligionen als Wahrheit verkaufen, nicht die Gehirne der Menschen seit langer Zeit manipuliert hätten. Im Prinzip zeigt die Auflösung, dass auch der nicht geklonte Mensch längst in einer sich vorgelogenen Realität lebt, die mal als Spekulation angefangen hat. Das läuft freilich alles sehr versteckt ab und muss vom Zuschauer entdeckt werden. Aber diese Themengebiete sind vorhanden und aus gutem Grund nicht direkt angesprochen. Das von mir gewählte Beispiel ist hierbei nur ein Teil eines großen Gedankenpuzzles, das in den hinteren Reihen des Films abläuft.

Dementsprechend wertvoll ist „Never Let Me Go“ (Originaltitel) ausgefallen, der es somit schafft auf drei Ebenen zu funktionieren. Der emotionale Teil der Hauptgeschichte lebt trotz (?) der Naivität der drei Hauptfiguren und geht dem Zuschauer sehr zu Herzen. Die Thematik des Klonens wird auf vielschichtige Art durch die zurückhaltende Erzählstruktur aus verschiedensten Richtungen beleuchtet, und das nicht nur in ihrer, sondern auch in unserer Ethikfrage. Und auf dritter Ebene funktionieren die unterschwelligen Aussagen losgelöst vom angegangenen Thema, um sich diversen Vergleichen in unserer Welt stellen zu können, damit wir diese kritisch und mündig hinterfragen können. In diesem Bereich ist Romaneks Werk eine Art Räuberleiter für den Zuschauer, manchmal nur in kurz angeklungenen Sätzen oder anderweitigen Nebensächlichkeiten und in diesem Punkt somit vergleichbar mit dem Film „Delphinsommer“.

„Alles, was wir geben mussten“ ist großes Gefühlskino mit Intellekt, zeigt dass das eine das andere nicht ausgrenzt sondern stützt und geht mit der Frage nach der menschlichen Natur nicht gerade zimperlich um. Hier wird nicht indoktriniert, manipuliert und frisiert, hier stellt man sich knallhart einer Wahrheit, losgelöst von Kultur und Zeit, da in einer Alternativwelt angesiedelt. Romaneks Werk ist eine der ganz wertvollen Filmempfehlungen, was mit Blick auf seinen missglückten „One Hour Photo“ verwundern darf. Der scheiterte seinerzeit an einer fehlerhaften Psychologie und somit genau an dem, was am hier besprochenen Werk gerade der größte Pluspunkt ist.

Mittwoch, 21. August 2013

EIN COMPUTER WIRD GEJAGT (The Questor Tapes 1974 Richard A. Colla)


Kurz nachdem der Android Questor fertig gebaut ist und nicht zu funktionieren scheint, bricht dieser zunächst unentdeckt aus dem Labor in dem er erschaffen wurde aus, um seinen Schöpfer zu finden, den viele Beteiligte des Projektes für tot halten. Ein Mitarbeiter der Crew wird erst unfreiwillig, dann freiwillig Helfer seiner Odyssee, die in London beginnen soll...


Der Plan des Schöpfers...

„Ein Computer wird gejagt“ ist schon ein recht simples Produkt seiner Zeit, in dieser auch extrem feststeckend, was durch die TV-Herkunft nicht zwingend etwas schlechtes bedeuten muss. Gerade der 70er Jahre-Charme wirkte auf mich ungemein, und da die eher banale Geschichte sympathisch, da in aller Ruhe und mit Liebe zu den Charakteren, erzählt ist, kann man einem Werk mit solch schlichtem Gemüt nicht wirklich böse sein, dass es eigentlich eine recht unaufgeregte Geschichte erzählt.

Der naive Geist ihres Erfinders Roddenberry ist immer präsent mit seinem optimistischen Blick der perfekten Zukunft des Menschen, mit der Meinung der Mensch müsse zunächst gelenkt und errettet werden, da in ihm Großes stecke, versehen mit einer widersprüchlichen Moral die sich mit ihrer Fragwürdigkeit selbst in den Schwanz beißt. Das ist schon sehr naiv und manchmal schwer zu erdulden, erst recht wenn relativ plump Tiefsinn mit Pathos verwechselt wird. An anderer Stelle weiß manch philosophischer Anstoß tatsächlich zu funktionieren, meist wenn der Schöpfer des Androiden Questor einer möglichen Gottheit des Menschen gegenüber gestellt wird, bis hin zur wohl schönsten nicht nachgegangenen Frage des Films: was, wenn Dein Schöpfer geisteskrank und/oder bösartig war/ist?

Dem braven, gottestreuen Amerikaner mag 1974 womöglich mit dieser Provokation selbst ein so harmlos scheinendes Filmchen wie „Ein Android wird gejagt“ (Alternativtitel) geschockt haben, das in seiner Besetzung so einfach und doch so wirksam ist, wie der komplette Film auch. Interessanter Weise wird die Geschichte für den Freund ruhigerer Stoffe nie langweilig, und die Auflösung der ganzen Sache weiß sogar mit einer einfallsreichen Idee zu überraschen, auch wenn diese im oben von mir kritisierten Weltbild Roddenberrys badet, der im übrigen persönlich Hand ans Drehbuch angelegt hat.

„The Questor Tapes“ (Originaltitel) ist der Pilotfilm einer Serie, die nie in Serie ging, deswegen muss man ihm manch inhaltliche Holprigkeit verzeihen, für die der Film und sein Regisseur Colla nichts können. Dass der an sich eher positiv wirkende Streifen nicht weiter fortgesetzt wurde, scheint jedoch eine gute Entscheidung gewesen zu sein, wäre doch meiner Vermutung nach eine Art braver „Hulk“ aus der Geschichte geworden, wenn man sie in Serie gesetzt hätte. Ein Android wandert durch die Welt und hält vor Ort an wo er gebraucht wird. Und dieser Gedanke klingt höchst langweilig. Also danke, dass darauf verzichtet wurde.

Regisseur Colla konnte diesem unterschlagenen Gebiet aber immerhin seine Handschrift in der TV-Serie „Werwolf“ aufsetzen, die im Kern der Serie „Hulk“ gar nicht so unähnlich ist und nur eine von vielen TV-Projekten war, an welcher der Regisseur beteiligt war. „Ein Computer wird gejagt“ ist ein TV-Produkt durch und durch, nie eine Spur großes Kino versprühend, und ich vermute der Regisseur war mit seinem Können im Fernsehen auch besser aufgehoben als im Medium der großen Leinwand.

Montag, 19. August 2013

TERMINATOR (1984 James Cameron)


Eine Killermaschine aus der Zukunft versucht in der Gegenwart die Mutter des zukünftigen Rebellenanführers im Krieg gegen die Maschinen zu vernichten. Ein Mensch reist ebenfalls in die Vergangenheit, um besagte Mutter zu beschützen...


Er kommt wieder - und immer wieder auf den Bildschirm...

Wenn einer der qualitativeren Schwarzenegger-Filme bis auf einige wenige nicht mehr wirken wollende Spezialeffekte die Zeit gut überstanden hat, dann ist es jener, der ihn auch zum Weltstar machen sollte: „Terminator“, seine erste Zusammenarbeit mit James Cameron, die zeigt, dass der Regisseur Großes leisten kann, wenn man ihm nicht zu viel Budget beschert. Denn dann besinnt sich Cameron, der auch für das Drehbuch verantwortlich war, auf die wichtigen Dinge einer Erzählung, und das ist neben allerhand wirksamer Action und einem Schuss Dramatik der Spannungsgehalt der Geschichte.

Dieser wird nicht nur durch die überzeugende Leistung Schwarzeneggers und dem passend düsteren Soundtrack unterstützt, sie erwächst in erster Linie durch etwas, welches die Fortsetzungen und viele andere Produkte bis in unsere Zeit hinein vernachlässigen: Cameron nimmt die von ihm erschaffene Bedrohung ernst. Hier wird nichts schön geredet. Der Terminator ist eine Killermaschine, gnadenlos, und das bekommt der Zuschauer unverschönt zu spüren, so dass die Nerven blank liegen und die Identifikation mit den Filmfiguren zu einem ehrlichen Mitfiebern führen.

Im kompletten Film gibt es nicht eine einzige unnötige Szene. Die Psychologie ist stimmig, alles macht Sinn. Schwachpunkte gibt es nur wenige und das an eher unwichtiger Stelle, so z.B. in der Einleitung und Umsetzung der für die Geschichte obligatorischen Liebesszene. „Terminator“ verdrehte seinerzeit mit einer Story, in der Zukunft und Gegenwart mehr miteinander zu tun haben als es zunächst scheint, die Gehirne und beeinflusste damit so tolle Filme wie „12 Monkeys“, die ohne den hier besprochenen Streifen wohl nie entstanden wären. „Terminator“ ist ein Evergreen und hat nichts von seinem Reiz verloren.

Sonntag, 18. August 2013

TRUE LIES - WAHRE LÜGEN (True Lies 1994 James Cameron)


Geheimagent Harry Tasker hat allerhand zu tun und vernachlässigt dadurch seine Familie, die nichts von seiner Tätigkeit weiß und im Glauben lebt, er wäre in der Computer-Branche tätig. Per Zufall bekommt er mit, dass seine Frau fremdzugehen scheint. Er zweckentfremdet die technischen Möglichkeiten seiner Arbeit, und gerade als es zu einer Lösung zwischen den beiden zu kommen scheint, werden sie von Terroristen entführt, die eine Atombombe in ihrer Gewalt haben. Erst jetzt erfährt Helen Tasker den wahren Beruf ihres Mannes...


Von einem Mann, der nur die Bösen tötet...

„True Lies“ bedeutete ein Wiedersehen in der Zusammenarbeit zwischen Arnold Schwarzenegger und James Cameron, die mit den beiden „Terminator“-Filmen große Erfolge feierten. Für den Regisseur war die Action-Komödie gar der direkte Folgefilm drei Jahre nach „Terminator 2“. Bereits dort wurde deutlich, dass Cameron nicht der talentierte Regisseur ist, für den ihn viele noch immer halten. Das große Kawumm ist sein Geschäft, und in „True Lies“, einen Film der im letzten Drittel von Showdown zu Showdown hüpft, soll es auch jeder merken. Da wird an Action nicht gespart, und Arnie darf böse Buben in einer Anzahl töten, die es wohl seit „Phantomkommando“ nicht mehr gegeben hat.

Trotz mangelnder Ironie guckte sich dieser unfreiwillig komische Film nicht halb so peinlich wie der absichtlich in lustigen Gefilden schwimmende „True Lies“, und das hat seinen Grund. Die Ironie wird an falschen Stellen signalisiert und der Humor richtet sich an einfache Gemüter, nicht ohne auch mich zum schmunzeln und manches Mal zum lachen zu bringen, aber doch recht berechnend gestrickt. Funktionieren könnte das ganze trotzdem, das tut es teilweise sogar, z.B. in der Phase, in welcher Arnie der Ehefrau, gespielt von Jamie Lee Curtis, hinterher spioniert und dabei auf einen erbärmlichen Autohändler stößt, der sich als Spion ausgibt um Frauen aufzureißen.

Die Actiongeschichte, so schön sie sich auch an den Zutaten typischer James Bond-Geschichten orientiert, guckt sich jedoch nicht so entspannend wie der Rest, steckt sie im Gegensatz zu Arnies Werken aus den 80er Jahren doch mitten in den Regeln der Political Correctness fest und außerdem in einer Zeit, in welcher man Arnie nach finanziell erfolgreichen Ergebnissen mit „Zwillinge“ und „Terminator 2“ weiterhin unbedingt möglichst familienfreundlich vermarkten wollte. Dementsprechend wirkt das eigentliche Erwachsenenszenario gerne mal kindlich, und damit guckt sich auch der Wunsch nach einer erhöhten Actionschraube recht infantil. Vielleicht ist ja auch der Blick auf die Familienunterhaltung der Produzenten schuld am tölpelhaften Verhalten des schlecht gecasteten Gegners, der solch dämliche Fehler begeht, die ihn als Gegenpols zu Arnold Schwarzenegger so gar nicht würdig erscheinen lassen. Ein übler Fehler in einem Actionfilm!

„True Lies“ hat durchaus seine Momente, dafür ist das Drehbuch dann doch eine Spur zu gelungen und die Mitwirkenden zu engagiert bei der Sache. Aber er guckt sich unangenehm unausgereift, überfrachtet mit Quantitäten und verursacht ein Fremdschämen, komischer Weise auch in jenen Bereichen, für die man sich einen Schwarzenegger-Film eigentlich auch anschauen möchte. Gut zu wissen, dass er mit „The Last Stand“ heutzutage wieder mit sympathischem Ergebnis unterwegs ist. Den Karrieren der beiden Hit-Giganten hat „True Lies“ nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Die Geschichte um Harry Tasker war der letzte große Kino-Hit des Muskelmannes und spielte dementsprechend ordentlich Geld ein. Erst das Folgewerk „Eraser“ (ohne Cameron) brachte nicht den anvisierten Erfolg an den Kinokassen.

DJANGO UNCHAINED (2012 Quentin Tarantino)


Der Kopfgeldjäger Dr. Schulz kauft den Sklaven Django frei, da dieser ihm dabei helfen soll drei Gangster zu identifizieren. Aus einem Deal wird eine Partnerschaft. Schulz lehrt dem guten Schützen den Job des Kopfgeldjägers, und gemeinsam verdienen sie genügend Geld um Djangos Frau theoretisch freikaufen zu können, die als Sklavin auf einer Farm in Mississippi lebt. Es bedarf jedoch einiger Täuschungen, um den Besitzer zu bewegen die Sklavin frei zu lassen, also schmieden die beiden einen Plan...


Gewalttaten im Namen der Liebe...

Was es bedeuten kann einem Sklaven seine Freiheit im Wilden Westen zu schenken, das thematisierte bereits Mel Brooks Mitte der 70er Jahre in seiner Komödie „Is‘ was, Sheriff?“. Freilich kratzte der zu Klamaukzwecken nur an der Oberfläche, und an dieser kratzt Erfolgs-Regisseur Quentin Tarantino nun wesentlich mehr herum und erzielt dabei ein besseres und unterhaltsameres Ergebnis. Gekonnt vereint Tarantino die Genres Western, Action, Drama, Liebesfilm und Komödie und punktet erneut mit seinen beiden Trümpfen, der Charaktergestaltung und den Dialogen. Die Figuren sind lebendig, griffig und innerhalb Tarantinos Comicwelt überzeugend, zumal er, trotz des Genres Westerns, seine Figuren nie zum Ideal Amerikas macht. Ganz im Gegenteil, der konservative US-Zuschauer muss einiges über sich ergehen lassen und in vielen Punkten einfach mal die Wahrheit ertragen.

Am gelungenen Bild nagt leider ein klein wenig Tarantinos ewiger Drang zur Brutalität. Nicht dass mich das ernsthaft stören würde, wer Tarantino-Filme guckt weiß dass der Mann dies für eine obligatorische Zutat seiner Werke hält, aber um in diese Extreme schwenken zu können begeht der Kult-Regisseur nach etwa 120 Minuten einen Bruch in der Charakter-Logik seiner gelungensten Figur, dem Doktor. Und dass nach dieser Enttäuschung das darauf folgende Feuerwerk von prolliger Ghetto-Musik untermalt wird, lässt die Versöhnung mit dem Zuschauerteil, der nicht dem Proletentum angehört, verzögern. Aber sie kommt dennoch recht schnell, wird nach dieser Dosis Action die Geschichte doch wieder interessant, obwohl sie nun endgültig im Bereich des Rache-Films angekommen ist.

Von zwei bis drei Ghetto-Liedern einmal abgesehen ist die Musikuntermalung wirkungsvoll, und auch das Drehbuch weiß zu gefallen, bietet es doch (wie so oft zur späten Hochzeit des Genres geschehen, welche der Film preist) eine zunächst simple Geschichte, die mit der Zeit an Gehalt gewinnt, bis sie sich schließlich gegen Ende  als recht einfallsreich entpuppt. Zwar wird „Django Unchained“ bei weitem nicht so gehaltvoll wie ein „Spiel mir das Lied vom Tod“, das merkt man beim gefühlten zu frühen Erscheinen des Abspanns recht deutlich, aber auch das lässt das gelungene Bild des Filmes und seines Regisseurs nicht wackeln. „Django Unchained“ ist ein gelungenes Stück Unterhaltungs-Kino, losgelöst wie sein Held von den erzählerischen Ketten der Standard-Ware im Kino, umgekehrt jedoch in seiner erzählerischen Struktur gefangen in den Erwartungen an einen Tarantino-Film.

Sonntag, 11. August 2013

THE BEING (1983 Jackie Kong)


Ein Sheriff entdeckt, dass ein Monster in seiner kleinen Stadt der Grund für das Verschwinden von Menschen ist. Der Bürgermeister will von all dem nichts wissen. Aber ein Forscher, der Befürworter für die Atom-Müllhalde am Rande der Stadt, fängt an dem Gesetzeshüter zu glauben...


Das grüne Ding aus dem Müll...

In den 80er Jahren war es nichts ungewöhnliches, wenn ein grünes Monster in einem ernst gemeinten Film auf Menschenjagd ging. Da mag es noch so ironische Verweise, wie die Parallele zum Film im Autokino bezüglich des Geschehens im parkenden Auto der Kinozuschauer selbst, geben, oder geheucheltes Getue im Fernsehen auf augenzwinkernde Art. Der Grundton von „The Being“ ist ernst, und mit seiner staubtrockenen Atmosphäre, völlig Teenager-frei inszeniert, könnte er eines jener Filme sein, für die man Frühwerke besagten Jahrzehnts liebt. Aber leider ist dem nicht so. Die Charaktere sind einem zu egal um die langsame Erzählweise und das spärlich eingesetzte Monster genießen zu können.

Diesmal wäre es besser gewesen, man hätte etwas mehr von diesem Viech mitbekommen, zumal die Idee es mit einem radioaktiven Monster von der Atommüll-Deponie zu tun zu haben, nachträglich einen ungemeinen nostalgischen Reiz ausübt. Stoffe wie diese inspirierten zu dem Clever & Smart-Comic „Besetzt, besetzt - umsonst gewetzt“. Mit im Fahrwasser fuhr auch ein Jahr später der etwas berühmtere Film „C.H.U.D.“, in dem ebenfalls Müll-Mutationen eine Stadt unsicher machten, meist unter den Gullideckeln lauernd.

Das Vieh aus dem hier besprochenen Film kommt nur einmal aus dem Gulli, ansonsten buddelt es fleißig selbst seine Tunnel unter Deponie und Stadt, und als Zuschauer bekommt man das Gefühl es sei überall. Sind mehrere Monster am Werk? Nein, es soll tatsächlich nur eine Kreatur sein. Überzeugen kann der Plot damit nicht. Aber das kann er schon an anderer Stelle nicht, z.B. wenn das Klischee des störrischen Bürgermeisters zelebriert wird, ohne dass er diesmal einen plausiblen Grund hat zu bocken. Touristenausfall oder ähnliches hat er nicht zu befürchten, und sein im Film geäußerter Grund, der Verkauf von Kartoffeln, klingt nicht wirklich befriedigend.

Neben dem Monster weiß eigentlich nur Martin Landau als mal mehr mal weniger zwielichtig wirkender Wissenschaftler zu überzeugen, der für seine Erstnennung jedoch überraschend wenig Screen-Time beschert bekommt. Vom Sheriff bekommen wir wesentlich mehr mit, und obwohl dieser auf zahme und simple Art zeigt was in Zeiten vor der Political Correctness einen individuellen Charakter auszeichnete, der nicht nur aalglatt für alles Gute im Menschen steht, will seine Figur trotzdem nicht überzeugen. Im Deutschton murmelt er ähnlich vor sich hin wie er es sicherlich auch im Originalton machen wird (Amis eben), und sein Agieren ist so lahm wie das Tempo des Streifens, selbst wenn etwas passiert.

Das fällt vor allen Dingen noch einmal im Showdown auf, wo der Gesetzeshüter es Auge um Auge und Zahn um Zahn im Zweikampf mit der Bestie zu tun bekommt, und doch nie die richtige Stimmung aufkommen will, zumal das Monster mit ihm viel harmloser umgeht als mit dem Rest seiner Opfer. Auch so etwas nagt am Kompletteindruck eines solchen Filmes.

Mit etwas Langeweile im Gepäck lässt sich „The Being“ durchaus gucken. Allesgucker des Genres werden sicher nicht abgeneigt sein. Da hat es mit „Targoor“ und ähnlichen Beiträgen schon wesentlich schlechtere „Alien“-Nachahmer gegeben. Nicht dass die Geschichte an Scotts Science Fiction-Klassiker erinnern würde, aber das Monster ist schon recht stark an Gigers Kreatur orientiert, auch wenn seine Zähne eher an die Außerirdischen aus „Kosmokiller“ erinnern. Komplett Hopfen und Malz ist für Freunde des Monsterfilms also nicht verloren. Aber ein höherer Trash-Gehalt hätte Jackie Kongs Debutfilm, die mit ihrem vierten und letzten Film „Blood Diner“ zumindest für hartgesottene Horror-Fans in Erinnerung blieb, gut getan. Zwar bleibt so die unfreiwillige Komik komplett vor der Tür, aber selbst die wäre mir lieber gewesen, als dieses staubtrockene Filmchen ohne Mitfieber-Garantie.

Samstag, 10. August 2013

THE BLOODY COTTAGE IN THE FOREST (There's Nothing Out There 1991 Rolfe Kanefsky)


Jugendliche fahren ins Landhaus eines Freundes, nichts ahnend dass in der Gegend ein schleimiges Alien sein Unwesen treibt...


The Dollars In The Manager‘s Eyes...

Regisseur Rolfe Kanefsky war 22 Jahre alt, als er sein Debut „Don‘t Scream... Die - Spur in den Tod“, wie „The Bloody Cottage In The Forest“ zunächst in Deutschland betitelt wurde, filmte. Heutzutage dreht er neben Erotikfilmen wie „Emanuelle In Wonderland“ noch immer billige Horrorfilmchen, so z.B. „Nightmare Man“ und „Dead Scared“. Noch habe ich von denen nichts gesichtet, aber es würde mich wundern, wenn auch nur einer von ihnen den Charme der hier besprochenen Horror-Komödie besitzen würde, ein Charme der 1991 eigentlich längst gegen einen anderen bei Videoproduktionen ausgetauscht wurde, denn „There‘s Nothing Out There“ (Originaltitel) schnuppert 80er Jahre-Luft pur.

Das Bild, das für die mir bekannte DVD-Ausfertigung so gar nicht aufpoliert wurde, sitzt so tief im besagten Jahrzehnt fest, dass ich mich an meine Anfangszeit des VHS-Sammelns zurückerinnert fühlte. Wir waren echt abgehärtet was mangelnde Bildqualität betraf. Da „The Bloody Cottage In The Forest“ eine preisgünstige Produktion war, ist auch von damals moderneren Spezialeffekten nichts zu spüren, die selbst ein für den Videomarkt produzierter Charles Band-Film beinhaltet hätte. And Last But Not Least darf selbst der Popsong des Soundtracks nichts vom Erscheinungsjahrzehnt verraten, auch dieser badet in den 80er Jahren.

Während der etwas zu monoton geratene Vorspann eine billige Computeranimations-Sequenz zu einem billig komponierten Elektrosound präsentiert, wohl das einzige was wirklich in die 90er Jahre passt, atmet der Film also wie erwähnt noch die Luft jener Zeit, auf die sich Horrorfilm-Nostalgiker neben der 70er Jahre am liebsten besinnen, eine Zeit in der Trash etwas selbstverständliches im Videoregal war, ohne sich als solcher zu feiern oder sich durch ein zu ironisches Spiel vom Urgedanken des Schunds zu distanzieren. Gerade letzter Punkt ist im Hinblick auf Kanefskys Erstling wichtig, ist dieser doch ebenfalls ironisch erzählt, jedoch auf eine ganz andere Art.

„The Bloody Cottage In The Forest“ will sich mit diesem Stil nicht entschuldigen, oder protzig beweisen, dass er jene Art Trash ist, für die sich der Zuschauer nicht mehr schämen muss. Der augenzwinkernde Umgang der Thematik soll nur zeigen, dass man sich im Genre auskannte. Und das ist ein wichtiger Aspekt, da er die Horrorgemeinde selbst aufs Korn nimmt und mit ihr die immer wiederkehrenden Klischees der Dauerwiederholungsschleife im Zeitalter der schnell heruntergekurbelten Videoproduktionen.

Kanefsky weiß was er abgedreht hat. Sein Film thematisiert oben genannte Gebiete, aber er ist dennoch Teil dieser, hebt sich also ähnlich wie „Space Invaders" nicht arrogant vom persiflierten Stil ab, sondern stellt mit der Verballhornung klar, warum man diese Art Film trotz dieser angeblichen Mankos mögen darf. Eine Lektion, die ich in den meisten heutigen Trash-Werken vermisse. Ihre Zuschauer feiern die offiziell als nicht peinlich abgesegneten Filme, schämen sich für charmanten Schund, der sich nicht (deutlich genug) distanziert, und nutzen Genre-Werke, die humoristisch im Blut baden, als Rechtfertigung endlich auch mal Schund mögen zu dürfen - freilich nur solange der Rest das ebenso sieht.

Sicherlich sind manche Produktionen heutiger Zeit flotter und radikaler inszeniert als ein vergleichbares Werk der 80er und 90er Jahre, aber meist sind sie hohle Gefäße, denen es am gewissen Etwas fehlt, das man einem Dritten nicht so leicht erklären kann. Warum mag ich wohl so einen Billigfilm wie „The Bloody Cottage In The Forest“, der im gemütlichen Tempo nichts erzählt, was nicht schon einmal da gewesen wäre? Weil er einfach charmant ist und mit Blick von heute nostalgisch noch dazu. Das billige Monster weiß zu gefallen. Nicht weil es unfreiwillig komisch wäre, sondern weil es so wirkt wie die Regie es wollte. Und die Regie wollte es so, da sie sich selbst nichts beweisen musste. Ein Film wie der hier besprochene ist ein Liebhaber-Stück, gedreht von jemandem der das Genre so mochte wie die Zuschauer seine Arbeit. Und das faszinierende daran: sein Werk ist kein Geheim-Tipp geworden.

„The Bloody Cottage In The Forest“ ist weder ein Meisterwerk noch ein vergessener oder übersehener Beitrag den man als Genre-Fan unbedingt gesehen haben müsste. Er ist weder ein „Tanz der Teufel“ noch ein „Return Of The Living Dead“. Er ist nur einer von vielen Filmen, ein Lückenfüller, ein wahrscheinlich sogar schnell vergessener Film, aber verdammt noch mal, er ist trotzdem lohnenswert, da er für dieses eine Mal Gucken einfach Spaß bereitet. Er bietet ein glibberiges Alien, lustige Sprüche, schräge Situationen, Laserblitze die aus den Augen des Außerirdischen abgefeuert werden, und vor allen Dingen den richtigen Mix aus Komödie und Horror. Kein Part ist je zu dominant. Und nur so kann eine Geschichte funktionieren, in welcher die Protagonisten entdecken, dass sie es glücklicher Weise mit einem recht dummen Fremdling zu tun haben.

In der ersten Hälfte hätte es ruhig etwas mehr Tempo geben können. Die unnötigen Tittenszenen sind kein Ersatz für das was man in diesem Genre tatsächlich sichten möchte. Aber wer nicht nur Geduld besitzt, sondern sich auch an den kleinen Dingen eines Filmes erfreuen kann, der wird trotzdem Spaß mit dieser ersten Hälfte haben, die lediglich vorbereitet was uns in der zweiten Hälfte zu erwarten hat. Dass selbst in einer Produktion wie dieser die Handlung noch richtig durchdacht war und die Charaktere in ihrer Zusammenstellung Sinn ergeben und in dem was sie tun nachvollziehbar sind, zeigt nur auf ein neues, wie sehr das Verständnis für Psychologie und gute Drehbücher in der heutigen Zeit verloren gegangen sind. Eine Zeit in welcher Quantitäten zu qualitativen Punkten eines Filmes erkoren werden, und Elemente die einem Film (auch einem solch niveaulosem wie dem hier besprochenen) den nötigen Sinn bescheren und den nötigen Charme, kaum mehr beachtet werden.

„The Bloody Cottage In The Forest“ ist kein Opfer dieser heute so berechnenden Industrie geworden. Dafür erschien er viel zu früh. Stattdessen wurde, Jahre später, eine ganz andere Art Schindluder mit ihm betrieben, eine die es schon zu seiner Zeit gab. Er wurde neu veröffentlicht mit der Absicht zu täuschen. Als „The Cabin In The Woods“ im Kino lief, erschien „Don‘t Scream Die“ (Alternativtitel) unter dem Titel den er auch in diesem Artikel trägt. Da dies als Anlehnung nicht reicht, bildete man zudem eine heruntergekommene Holzhütte im Wald auf dem DVD-Cover ab, die nicht einmal entfernt an das Gebäude erinnert, in welchem der Hauptteil des Streifens tatsächlich spielt. Sie soll ja auch viel mehr an das Cover des Kino-Hits aus dem Jahr 2011 erinnern.

Die meisten werden nach dem Kauf enttäuscht gewesen sein, egal ob sie nun hereingelegt wurden oder wussten, dass sie nur ein alternatives Billigfilmchen kauften. Ich habe mich jedoch gefreut, findet man als Kenner solcher Werke doch kaum noch Vergleichbares, das man noch nie gesichtet hat, und ist es deswegen doch um so schöner wenn ein noch unbekannter Film dieser Zeit den Charme eines „Das Gehirn“, „The Curse“, „Shopping“, „Der Komet“ und „Kosmokiller“ besitzt, die Art Charme mit der Tunnelblick-Stammzuschauer heutiger Horrorfilme leider nichts mehr anzufangen wissen. Der Begriff Trash wurde von der Industrie neu geprägt, und so wird er heute leider gelebt. Immer gut, wenn man als Mensch die Chance hat eine solche Vorliebe vor dem großen Hype zu entwickeln, frei von Manipulation und frei von der Coolness, die manchem einreden will, dass ein solcher Film peinlich ist. Zum Glück hatte ich diese Chance, zu einer Zeit in der ein Filmsammler noch als Freak galt.


Weitere Reviews zum Film:

Freitag, 9. August 2013

METAL BEAST (Project: Metalbeast 1994 Alessandro De Gaetano)


Ein Werwolf bekommt von einem Forscher eine Metallhaut transplantiert. Der kann sich befreien und ist nun noch schwerer zu bekämpfen als ohnehin schon...


American Blech Wolf...

So weit ist es mit Barry Bostwick gekommen: zog er sich zur freiwilligen Belustigung in den 70er Jahren noch Strapsen an, um mit viel Spielfreude den Antihelden zu mimen ("Die Rocky Horror Picture Show") so spielt er 20 Jahre später bierernst in einem Horrorfilmchen mit, das mit seiner bescheuerten Grundidee in einem Genre das ohnehin schon häufig bekloppte Ideen ausbuddelt, seinesgleichen sucht. Das muss man sich erst einmal bewusst machen: ein Werwolf bekommt eine Metallhaut beschert mit welcher er unverwundbar ist, bzw. so gut wie. Dieser krude Plot ist echt nur bescheuert zu nennen, hat aber Potential für ein lustiges Trash-Happening.

Das traurigste zuerst: der Werwolf sieht eigentlich recht geglückt aus. Das spätere Vieh in metallenem Outfit nicht. Zu Trash-Zwecken soll uns das auch nicht weiter stören, zumal einige der typischsten Klischees uns wieder mal durch die 90 Minuten begleiten. Da gibt es eine Forscherin, die von einem Püppchen gespielt wird, die nicht mal wie eine Forscherin wirken würde wenn sie schauspielern könnte. Da wird ein Fuß durchbohrt und nach Entfernen des Fremdkörpers lediglich mit einem Tuch verbunden, freilich über die Stöckelschuhe gleich mit gebunden, und mit dieser perfekten Verarztung muss das „Opfer" den Rest des Streifens nur noch leicht humpeln, und fertig ist die typische Realitätsnähe in Billigfilmchen.

Aber so soll es sein, wenn man einen Film dieser Art gucken möchte. Wer hier auf ein echtes Horrorerlebnis hofft ist entweder sehr naiv oder hat nicht gewusst um was es geht. Und im Gegensatz zu manch anderen Trash-Werken ist es in „Metal Beast", dem Folgewerk von De Gaetanos „Bloodbath In Psycho Town" (1989), so dass das letzte Drittel am unterhaltsamsten ist, genau jener Part, in dem vergleichbare Werke wie „Mega Piranha“ gerne mal am unerträglichsten sind. Kombiniert mit der Aussage dass der Werwolf zu Beginn mehr wirkt als seine metallene Erweiterung ist es somit der Mittelteil der, auch aus Trash-Sicht, zu erdulden ist um am Rest seinen Spaß zu haben.

Ein blutiges Szenario sollte man übrigens nicht erhoffen. Wie die meisten Schrottfilmchen dieser Art kommt „Metal Beast" recht zurückhaltend daher, rutscht sogar leicht in den konservativen Horrorbereich ab, was sich mitsamt der schrägen Geschichte um so ungewöhnlicher guckt. Aber der niedrige Bodycount interessiert nicht weiter, hat „Project: Metalbeast" (Originaltitel) dafür doch noch den nötigen 90er Jahre Charme zu bieten und ist damit quasi noch eines jener Produkte, die vor der günstigen Computeranimations-Schwemme entstanden sind und damit noch handgemachte Effekte bieten.

Also, wer Spaß an unfreiwillig komischen Trash und dem Charme der prä-Computertrick-Ära hat (welch herrlicher Mix), der kann trotz einiger Durststrecken im Unterhaltungsbereich seinen Spaß mit dem metallenen Werwolf haben. Neben Bostwick ist anbei Kane Hodder mit an Bord, der ab dem siebten Teil der „Freitag der 13."-Reihe den Jason spielte und in der „Hatchet"-Reihe eine neue Heimat als Serienkiller im Horrorsektor gefunden hat. Wenigstens ist er wieder in einem interessanten Projekt gelandet. Denn so wenig er und Bostwick auch zur obersten Schauspieler-Riege gehören, dass sie mal so tief abrutschen würden, um bei solchem Unsinn wie dem hier besprochenen mitzuwirken, ist schon recht erschreckend. Zumindest mit den Augen von damals betrachtet, als noch nicht jeder B- und C-Star in C-Filmen verwurstet wurde.

Donnerstag, 8. August 2013

ECHOES - STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT (Stir Of Echoes 1999 David Koepp)


Tom lässt sich während einer geselligen Runde als Party-Gag hypnotisieren. Aus dieser erwacht scheint er seit dem Botschaften aus der Geisterwelt empfangen zu können...


Ghost - Nachricht von irgendwem...

„Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist ein kleiner, feiner Horrorfilm, den man als interessanten Mix aus "Dead Zone" und "Final Destination" bezeichnen könnte, versehen mit kleinen Elementen aus "The Sixth Sense" und Kubricks Verfilmung "Shining". "Final Destination" wurde erst später gedreht, der Rest ist ansonsten hübsch zusammengeklaut.

Dank Kevin Bacon, der die nicht sonderlich herausfordernde Rolle so souverän wie üblich spielt, weiß der schlichte Film, der einen originellen Aufhänger bietet, trotz teilweise mangelnder Spannungsmomente zu überzeugen. Nicht dass es diese nicht gäbe, aber eine Spur gruseliger hätte Koepps Werk durchaus ausfallen können, zumal die Auflösung der ganzen Sache nicht gerade zu überraschen weiß.

Die Frage nach dem Zusammenhang der Hypnose und ihrer Nebenwirkungen, und damit die erste Hälfte, machen den Höhepunkt des Streifens aus. Die Geschichte ist mysteriös erzählt und nah dran, so dass man eingeladen ist mitzurätseln. Wenn sich im Laufe der Zeit  heraus stellt, dass es Genre-typisch lediglich um Geistererscheinungen geht, schraubt man die Erwartungen ein wenig zurück. Schade! Da hätte es der Möglichkeiten mehr gegeben. Was hätte man ihn alles sehen lassen können: eine Parallelwelt, eine optimistische "Sie leben!"-Variante, Toms inneres (geisteskrankes?) Ich, oder, oder, oder.

Leute, die Geister sehen, sind in diesem Genre nun wirklich nichts neues. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass der Film nicht funktionieren könnte. Im Gegenteil verwundert es doch bis heute, dass das Genre Horror immer wieder so tolle Filme hervorbringt, selbst wenn nicht auf neue Ideen gebaut wird. Und da Drehbuch und Regie durchaus okay zu nennen sind, Filmfehler einem nicht ständig entgegenfliegen und die Darsteller inklusive Kinderrolle alle anständig spielen, gibt es auch an „Echoes" nichts auszusetzen.

Allerdings stört es ein wenig, dass zur Vereinfachung des Storyverlaufs die Figuren nie richtig miteinander sprechen. Sie teilen sich nie mit. Das nervt zu Anfang, macht zur Mitte sogar Sinn, aber im letzten Drittel hätte doch jeder (para)normale Mensch die Aussprache gesucht. Zumindest die Frau, nach ihrem Gespräch mit einem Seher, hätte nun den Kontakt zu ihrem Mann vertiefen können. Da kann man sicher drüber diskutieren, aber auf mich wirkt so ein Verhalten nicht menschlich individuell, sondern einfach wie eine Unlogik im Film.

Wie auch immer, David Koepp beschert stimmungsvolle Unterhaltung für einen netten Gruselabend, die weder kultverdächtig ist, noch im Stande einmal ein richtiger Klassiker zu werden. Im Gegensatz zu seinem „Das geheime Fenster“ weiß das fertige Produkt aber immerhin zu funktionieren. Am besten gefallen hat mir bisher jedoch die Komödie „Wen die Geister lieben“, die sich ebenfalls damit befasst, dass jemand Kontakt zu Geistern aufnehmen kann.  Aber selbst dieses Werk ist lediglich als ganz nett zu bezeichnen, so dass ich persönlich noch keinen kompromisslos geglückten Film von Koepp sehen durfte.


Weitere Reviews zum Film:

Dienstag, 6. August 2013

RETURN OF THE LIVING DEAD 5 - RAVE TO THE GRAVE (2005 Ellory Elkayem)


Aus der gefürchteten Chemikalie, die Menschen und Tote zu Zombies macht, basteln ein paar Teens eine Droge. Auf einer Rave-Party bekommen sie dafür die Rechnung serviert...


It‘s Party Time...

Böse Erwartungen waren gegeben. „Return Of The Living Dead 5“ wurde zeitgleich mit Teil 4 gedreht, somit war auch der Regisseur der selbe und einige der Figuren aus den Vorgänger wurden mit eingebaut. Alles kein gutes Omen, wenn man bedenkt wie unterirdisch schlecht „Return Of The Living Dead 4“ ausgefallen ist.

Dementsprechend ist Teil 5 kein gelungener Film geworden, aber er hat gegenüber seines Vorgängers einen klaren Vorteil: die Story ist simpler und damit dem geringen Budget angemessen. Wo Teil 4 an mangelnder Glaubwürdigkeit krankte, da wird diese in der vierten Fortsetzung des Kultfilmes von Dan O‘Bannon kaum mehr benötigt. Die Drahtzieher im Hintergrund wirken wie gehabt unterbesetzt und an den Haaren herbeigezogen. Der Rest erzählt jedoch lediglich von einer Party, auf welcher Menschen zu Zombies werden. Da benötigt man nicht viel Geld, und die comicartige Story keinen Bezug zur Realität. Dementsprechend unverkrampfter kommt Elkayems zweiter Zombie-Streich daher, und wie ein Amateurfilm schaut er sich im Gegensatz zum Vorgänger auch nicht mehr.

Die schönste Idee an Teil 5 war, dass man endlich einmal sieht, wie ein eingelagerter Zombie aus der Tonne herausbricht. Das wurde ja leider immer der Phantasie des Zuschauers überlassen. Und dass „Rave To The Grave“ ebenso wie „Necropolis“ wieder auf die Stammzutaten der Reihe achtet, jene die Yuzna in „Return Of The Living Dead 3“ ignorierte, ist eigentlich selbstverständlich, aufgrund der unterschiedlichen Qualität beider Filme von mir aber lieber trotzdem noch einmal erwähnt. Hier war jemand am Werk, der die ersten beiden Teile mochte, das merkt man. Schade dass man es dem Niveau des Streifens nicht ansieht.

„Return Of The Living Dead 5" ist ebenso dilettantisch gedreht wie sein Vorgänger, und kann sich nur durch einen gewissen Grad Charme der vorhanden ist vom Vorgänger distanzieren. Wie es zu einem solch niveaulosen Zustand kommen konnte bleibt dennoch fraglich, bewies der Regisseur mit „Larger Than Life“, "Arac Attack" und "They Nest" doch dass er eigentlich sein Fach beherrscht. Klar, hier wurde kostengünstig in Rumänien gedreht, aber das wurde so ziemlich jeder Streifen von Charles Band auch, und die funktionieren trotz unübersehbarem Trash-Charakter in der Regel besser als der hier besprochene Streifen.

Elkayem dreht wie ein Laie. Der Bildfilter ist billig, die Darsteller in ihren Rollen nicht glaubwürdig und die Dynamik des Films ist auch nicht gerade vorbildlich. Die Tricks sind ganz o.k. ausgefallen und den Zombies wurden nette Masken beschert. Immerhin das bekam man hin. Manches Mal stimmen gar die Gags. Aber der nötige Schwung um den Zuschauer mitzureißen, der fehlt noch immer. Man hat das Gefühl, dass es keinen Stunt-Experten im Team gab. Jegliche Actionszene wirkt schwach, so als würde sie zu langsam geschehen. Schade! Aber seine besten Momente hat Teil 5 ohnehin in den ruhigeren Szenen. Und Ideen wie dem Schluss-Gag kann man ihren Reiz nicht absprechen.

Also: Teil 5 ist kein Total-Reinfall wie der gleichzeitig mitgedrehte Teil 4, er guckt sich aber auch nur halbwegs versöhnlich wenn man den Vorgänger gesehen hat. Hat man diesen übersprungen ist man mental nicht auf diese halbwegs funktionierende Katastrophe eingestellt. Dann wundert man sich nur über die Produktionsbedingungen und kann die guten Elemente nur schwerlich annehmen. Dass dieser Billigfilm dem Konzept der ersten beiden Teile wieder treu bleibt, ist ihm immerhin hoch anzurechnen. Lediglich der wichtigste Aspekt wurde ignoriert. Warum sind die Zombies mittlerweile mit nur einem Kopfschuss aufzuhalten? Der Reiz der ersten beiden Teile bestand doch gerade darin, dass reanimierte Materie lebendig bleibt, selbst wenn sie als Hackfleisch existiert.