Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Montag, 24. Juni 2013

HIGH LANE (Vertige 2009 Abel Ferry)


Eine Gruppe junger Leute trifft sich in der freien Natur um an Felsen herumzuklettern. Dummerweise sind sie in einem Gebiet unterwegs, das offiziell diesbezüglich gesperrt ist. Und nach einigen unangenehmen Erfahrungen, die erklären warum dem so ist, geraten sie an einem verwundbaren Punkt auch noch an einen geisteskranken Wilderer, der Jagd auf sie macht...


Falscher Weg hoch oben...

Hut ab, kann ich nur sagen! Da hat Regisseur Abel Ferry etwas ganz besonderes abgeliefert, auch wenn die Geschichte dieses Horror-Thrillers alles andere als individuell klingen mag. Die ausführlich erzählte erste Hälfte erinnert ein wenig an „The Descent“, nur dass wir es mit Wandkletterern anstatt mit Höhlenforschern zu tun haben. Statt der klaustrophobischen Stimmung des Eingeschlossenseins haben wir hier als natürlichen Feind und ständige Bedrohung die unglaubliche Höhe als Gefahrensituation, die nicht minder wirksam ist.

Dank schwindelerregender Kameraführung, gut gewählten Drehorten und Charakteren die trotz ihrer Berührungspunkte zu Stereotypen zusätzlich in ihrer Kombination für den nötigen Nervenkitzel sorgen, darf einem beim Zusehen der Kletteraktionen bereits anders werden noch bevor etwas passiert. Und noch lange bevor der eigentliche Feind auftritt, ist man mittendrin in einem Geschehen böser Ereignisse, die einen garantiert nicht kalt lassen, so gekonnt wie sie präsentiert und zelebriert werden.

Dabei widersteht Regisseur Abel Ferry sowohl hier als auch in der etwas monströsen zweiten Hälfte der Versuchung sich an dem zur Zeit recht berühmten und angesagten harten Horror seines Entstehungslandes zu klammern, der seinerzeit mit „High Tension“ ausgelöst wurde und seitdem am positiven Bild französischer Produktionen knabbert. „High Lane“ hat dies nicht nötig, verzichtet zwar nicht auf harte Momente, verschwendet die aber nie zum Selbstzweck oder rückt sie anderweitig in den Vordergrund. Der Nervenkitzel ist Ferry wichtig und nicht der rote Lebenssaft.

Ich kann mir vorstellen dass es für jemanden wie Ferry relativ einfach gewesen sein muss sich die Regie für einen Langfilm zu angeln. Wer für seine ersten beiden Kurzfilme, in Ferrys Falle „Putain, la vieille faut pas l'énerver!“ und „The Good, The Bad And The Zombies“, Dominique Pinon an Land ziehen kann, ein talentierter Schauspieler der zur Standard-Truppe von Künstler Jean-Pierre Jeunet gehört, der kann nicht frei von Talent sein. Im Gegensatz zu besagten Werken ist „High Lane“ nicht humoristisch erzählt, wahrscheinlich ist Pinon auch deshalb ausgerechnet nicht im Langfilm-Debut dabei. Sehr schade!

Aber auch nicht weiter wild, denn das Jungvolk vor der Kamera schlägt sich nicht schlecht, ist alles andere als der gesichtslose, austauschbare Cast eines Teenie-Horrors, und das steht dem spannungsgeladenen Film auch recht gut. Wenn hier Figuren nerven, dann tun sie es zurecht. Und das klassische gut/böse-Schema aus Übersee ist in einem europäischen Werk ohnehin verschwommener, teilweise sogar komplett aufgehoben. Auch der Sinn der Ereignisse wird nie außer Acht gelassen, und das ist der besondere Vorteil für die zweite Filmhälfte, in welcher „Vertige“ (Originaltitel) nun schnell in gewöhnliche Gefilde hätte abrutschen können.

Denn einen in der Wildnis aufgewachsenen Irren hatten wir im klassischen Horrorkino bereits in den Fortsetzungen von „Freitag der 13.“, „Ausflug in das Grauen“ und Co, sowie im modernen Terrorkino schon des öfteren seit „Wrong Turn“. Wenn „High Lane“ zum Backwood-Horror wird, dann wird er es ziemlich realitätsorientiert, denn die Art wie unser Freak hier blutig wütet ist ursprünglichste Gewalt, geboren aus der eiskalten Überlebensmentalität der Natur, die der zivilisierte Mensch nicht mehr kennt. Der Feind ist mehr Tier als Mensch und dies von der aggressiven Sorte, und das macht ihn zu einem solch unerbittlichen Feind.

Dementsprechend anders als in (meist amerikanischen) Konkurrenzprodukten ist die Auseinandersetzung mit dieser Bedrohung ausgefallen. Kommt es zum Kampf gegen die Bestie, sehen wir Überlebens-Fights die es in sich haben. Kein harmloses Gekabbel, keine filmtypische Rauferei, sondern ein wilder Kampf auf Leben und Tod, deren Bedrohung für den Zuschauer jederzeit spürbar ist. Und in diesen wilden, rohen Sequenzen, schafft die viel zu hektische Kameraführung etwas, das den meisten anderen Werken schadet: die Wackelkamera mit ihrem ewigen Gezuckel nervt nicht, sie passt zum psychologischen Aspekt solcher Szenen. Ruhige Bilder klassischem Kinos wären mir trotzdem lieber gewesen, aber „High Lane“ ist durch und durch ein moderner Film, also soll er sich auch ruhig so geben, so gekonnt wie er erzählt ist. Ein Desaster a la „Schlachtnacht“ ist mit der Wackeloptik zumindest nicht entstanden.

Also, wer „Wrong Turn“ und Co gerne mal in einer realitätsorientierten und nicht minder übertriebenen Variante erleben möchte, dem sei zu „High Lane“ geraten, der in beiden Filmhälften mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten gut zu unterhalten und gekonnt die Nerven zu kitzeln weiß, ohne dass das fertige Produkt dadurch unzusammenhängend wirken mag. Der Übergang kommt gut, überzeugt allein dadurch dass nicht ein Ereignis das andere ablöst, sondern in einem recht fiesen flüssigen Übergang aufeinandertreffende unangenehme Erfahrungen vermischt werden, so dass man trotz mancher Nervmomente tatsächlich Mitleid mit den Figuren hat und dementsprechend mit ihnen mitfiebern kann.

Da das Werk nun mittlerweile vier Jahre alt ist, frage ich mich wo denn so langsam der nächste Film von Ferry bleibt. Denn wenn er dieses Niveau beibehalten kann, bin ich sehr gespannt auf weitere Projekte. Horror-Regisseure wie ihn braucht Frankreich, denn von dem Provokationsschrott der letzten zwei Jahrzehnte wie „Frontier(s)" habe ich persönlich die Nase voll. Nicht dass ich sie nicht auch weiterhin dort hineinstecken würde, ich bin schließlich unbelehrbar und immer noch neugierig, aber zur Abwechslung mal wieder etwas Gelungenes aus diesem an sich positiven filmschaffenden Land zu sichten, tat einfach mal wieder gut.

Sonntag, 23. Juni 2013

DARK FOREST - ALIENS DES GRAUENS (Seedpeople 1992 Peter Manoogian)


Ein Kometen-Forscher kommt aus beruflichen Gründen in seine Heimatstadt und stößt dort zufällig auf eine Alien-Invasion, in welcher Menschen durch pflanzliche monströse Doppelgänger ersetzt werden...


Invasion Of The Copy Snatchers...

Manchmal möchte man sich Regisseur und Produzent Charles Band am liebsten mal greifen und ordentlich ohrfeigen, so dreist ist der gute Mann, der den Videomarkt seit Jahrzehnten mit Billigproduktionen zuschmeißt und dabei kaum Grenzen der Scham kennt. Es ist nicht zu übersehen, dass „Dark Forest“, oder „Sway“ wie er ursprünglich in Deutschland hieß, eine dreiste Kopie der berühmten Körperfresser-Filme „Die Dämonischen“ und „Die Körperfresser kommen“ ist. Und was macht der gute Mann? Er betont zunächst einmal im Vorspann, dass die Geschichte auf einer Originalidee von Charles Band beruht.

Ach, man muss diesen Mann dafür fast schon lieben, so unermüdlich wie er dreist für billig Geld, ohne Skrupel und doch mit einem gewissen Charme im großen Meer der Filmwirtschaft mitschwimmt und trotz manchem Scheiterns niemals aufgibt. Einen Band-Film erkennt man sofort. Und mögen Regisseure auch häufig wechseln, so ist es doch nie deren Handschrift, die in den Vordergrund rückt. Nein, wenn man für Band arbeitet, dann hat man nur so viele Freiheiten, die zwangsläufig in einem Film enden mit der Handschrift Bands.

Wen interessiert also wirklich, dass Regisseur Manoogian für den guten Mann außerdem mindestens noch „Arena“, „Demonic Toys“ und „Eliminators - Cäsars Rückkehr“ drehte? Am Ende ist ohnehin alles ein Band-Film. Und warum das gar nicht mal schlecht ist, zeigt ein Blick auf den hier besprochenen „Dark Forest“, der alles andere als ein guter Film ist. Unterhaltsam ist er, typisch Band, dennoch.

Unfreiwillige Komik gibt es zuhauf, meist entstehend aus Widersprüchen, und die erntet Band diesmal aus der völlig unnötigen Idee die Geschichte im Rückblick erzählen zu müssen. Nein, was erzählt der Überlebende da tolle Sachen die er nicht wissen kann, und was schweift er immer wieder ab anstatt der Polizei lediglich die konkreten Dinge zu erzählen. Aber dann wäre der Film ja noch kürzer als ein Band-Film in der Regel überhaupt noch ist, um als Spielfilm zu gelten.

Noch amüsanter ist jedoch die Betonung auf etwas, das gar nicht vorhanden ist: das Verstehen der Situation. Immer wieder fallen Sätze wie „noch ahnte ich nicht“ oder manchmal auch in die positive Richtung „mir war bereits aufgefallen“. Aber erscheint der Rückblick, so ist situativ davon nichts zu erkennen. Der Wissenschaftler trampelt ignorant durchs Geschehen. Klammert sich unsensibel an eine Ex-Frau die dies nicht möchte (bzw. aus Macho-Sicht noch nicht weiß dass sie eigentlich möchte) und hat so gar keinen Blick auf die ominösen Dinge die im Dorf geschehen. Er befasst sich nicht damit, wie soll er also die Situation analysieren? Das ist alles unglaublich witzig, und allein deswegen so charmant, weil besagter Rückblick wie erwähnt überhaupt nicht nötig ist.

Scheinbar wollte man damit auf „Die Dämonischen“ verweisen, damit man nicht allein bei „Die Körperfresser kommen“ klaut. Andererseits: wieso sollte man dies wollen, wenn man sich nicht nur nicht als nächstes Remake der berühmten Reihe ausgibt, sondern stattdessen auch noch so tut als sei die Geschichte von wem anders erfunden? Ach, verstehe einer Band. Das einzige was einen ernsthaft verwundert sind Aufnahmen, die an die dritte Verfilmung der Körperfresser erinnern, obwohl „Body Snatchers“ erst ein Jahr nach „Seedpeople“ (Originaltitel) erschienen ist. Absichtlich hat Ferrara wohl kaum von diesem Billigwerk geklaut.

„Seed People“ (Alternativtitel) hat jedoch noch andere Vorzüge als seine unfreiwillige Komik. Das war ja ohnehin immer das Kunststück Charles Bands. Ohne wirklich gelungen zu sein, weiß sein Film zu unterhalten, und dies gelingt ihm unter anderen durch seine handgemachten Effekte (an welche er sich im übrigens auch im Computerzeitalter heutzutage noch immer tapfer und vorbildlich hält). Ob es übertriebene Methoden sind Menschen ins Jenseits zu befördern (mit viel Glibber und weißer Soße) oder ob es die Außerirdischen selber sind, die so schön schleimig und putzig aussehen, dass man sie als Trash-Fan einfach nur ins Herz schließen kann.

In solchen Sequenzen merkt man, dass Band weiß was dem Fan gefällt. Und was stört da noch der Klau aus weiteren Filmen, bewegen sich die Aliens doch fort wie die berühmten „Critters“ und erinnern je nach Aussehen an das Monster aus der Neuverfilmung „Die Fliege“ und an den tazmanischen Teufel der Looney Tunes.

Das tolle an den Monstereffekten ist neben dem Aussehen jedoch die Unnötigkeit innerhalb des Geschehens. In einer Story über menschliche Kopien hätte man schleimige Monster theoretisch gar nicht benötigt. Und die Sequenzen in welchen sie sich in ihr ursprüngliches Aussehen verwandeln sind nicht nur billig getrickst, die Momente ergeben zudem oft gar keinen Sinn. Scheinbar gab es zu wenig Monsterszenen, so dass Band wohl drauf gepocht hat hier und da noch eine einzufügen, so sinnlos das auch sein mag. Aber es wäre auch schade gewesen er hätte dies nicht getan, ich konnte mich an diesen Viechern nicht satt sehen. Herrlich!

Was soll ich noch groß schreiben, wenn alles wichtige doch schon erwähnt ist: „Dark Forest - Aliens des Grauens“ macht Spaß, auch wenn oder obwohl hier so gut wie nichts Sinn ergibt. Mit Kenntnis der Body Snatchers-Filme bereitet er noch mehr Freude, aber auch ohne gibt es genug quantitative freiwillige und unfreiwillige Sehwerte, die den gerade mal unter 80 Minuten laufenden Film unterhaltsam genug machen, ohne durch zu viele Längen genervt zu werden, ein Punkt den sich die Asylum-Schmiede mal zu Herzen nehmen sollte. Dass zudem das biedere Verhalten der US-Amerikaner für uns Europäer wieder einiges zu belustigen weiß, ist auch nicht von der Hand zu weisen und bereichert den Unterhaltungswert.

Donnerstag, 13. Juni 2013

DOUBLE TAKE (2009 Johan Grimonprez)


Während einer Drehpause stößt Alfred Hitchcock auf sein 20 Jahre älteres Ich, testet ihn ungläubig und debatiert mit ihm, wissendlich dass nur einer von ihnen diese Unterhaltung lebend verlassen wird...


Kunst für einen Künstler...

Über Regie-Liebling Alfred Hitchcock braucht man wohl keine Worte verlieren, ist er doch auch dem jüngeren Publikum spätestens durch Anthony Hopkins Darstellung im Kinoerfolg „Hitchcock“ ein Begriff, ein Film der die späte Phase seines Lebens wiedergibt. Künstler Johan Grimonprez setzt ihm eine andere Art Denkmal. Er macht Hitchcock zur Hauptfigur in einer Thriller-artigen Geschichte. Hitchcock stößt auf Hitchcock, sowohl in der Art der Geschichte, als auch in Person.

Hierfür verwendete Grimonprez Archivmaterial, Szenen aus Hitchcock-Filmen, Werbefilme und neu gedrehtes Material, für welches Hitchcock-Double Ron Burrage zur Seite stand. Zudem wird Fernsehmaterial aus Nachrichtensendungen und aus Hitchcocks TV-Arbeiten verwendet. Diese Collage aus Filmschnipseln wird jedoch nicht a la „Tote tragen keine Karos“ zu einem klassischen Spielfilm zusammen gesetzt, sondern bleibt das was sie ist: eine Collage. „Double Take“ ist ein Experimentalfilm, und es dauert etwas, bis man sich in seine ungewöhnliche Erzählstruktur eingefunden hat, ist die Geschichte doch recht sprunghaft erzählt, immer wieder unterbrochen von politischen Gleichnissen und anderem Material.

Nach einiger Zeit findet man sich dann doch zurecht in dieser nüchternen Erzählung, deren tiefere Bedeutung einem erst mit der Zeit klar wird. Da grübelt der junge Hitch über das Zusammentreffen von Doppelgängern und dass immer nur einer lebend aus einer solchen Situation heraus kommen kann, während der alte Hitchcock, der genau weiß was in seinem jüngeren Ich vorgeht, damit provoziert, dass es auch mehr als zwei Ichs geben könnte. Ein toller philosophischer Ansatz und damit nur einer von vielen.

Interessant arbeitet Grimonprez heraus, wie Hitchcock selbst am Tod des Kinos beteiligt war, indem er für das neu aufkommende Medium, den Fernseher, gearbeitet hat, und damit sein liebstes Baby tötete. Letztendlich tat er damit genau das, womit er schon immer sein Geld verdiente und seine eigenen Ängste verarbeitete, tötet Hitchcock in seinen Filmen doch meistens das was er liebt, da eben nur so ein guter Thriller funktionieren kann.

Hitchcock ging es immer darum das Publikum zu verstören, wenn auch nie ohne Eigennutz, stellte sich der durch eine strenge katholische Erziehung recht ängstlich aufgewachsene Hitchcock doch damit seinen eigenen Ängsten, verarbeitete sie und konnte dementsprechend mit ihnen umgehen. In „Double Take“ wird das Publikum nun ausgeschlossen, denn nun darf er nur mit sich und seinen Ängsten hadern. Ein gekonntes Gleichnis von Grimonprez.

Das Publikum wird tatsächlich ausgeschlossen, denn „Double Take“ ist kein Unterhaltungsfilm. Zielpublikum sind Cineasten und Kunstliebhaber, und nur die werden mit diesem anstrengenden Stück Experimentalfilm etwas anfangen können. Ja, auch ich habe die Gleichnisse verstanden, wenn politisches Treiben den Doppelgänger-Szenen Hitchcocks gegenüber gestellt wird. Die Manipulation durch Werbung, das Aufschüren und Kompensieren von Angst, das Fernsehen, welches nicht nur Kino gefährdet sondern durch die ständige Präsenz auch Einfluss auf das Auftreten von Politikern hat, da kommt einiges zusammen, immer im Hinblick auf das Thema Doppelgänger und damit einhergehend mit dem Aspekt des Konkurrenzdenkens. Der Film ist also durchaus durchdacht und keine sinnlose Aneinanderreihung von Bildern, die einen Hitchcock huldigen sollen.

Aber scheinbar bin ich nicht der Typ für solche Arbeiten. Ich dachte ich wäre es, aber ich bin es nicht. Denn wirklich gefallen hat mir „Double Take“ nicht, und dass dies nicht die Schuld am Film selbst ist, sieht man daran, dass ich an ihm nichts zu kritisieren habe. Er liefert genau das, was man von einer Collage zu erwarten hat, ist geistreich erzählt, spielt gewitzt mit analytischen Erkenntnissen und weiß das Zeitgeschehen beider Hitchcocks innerhalb der zu treffenden Aussagen zielgenau mit einzubeziehen. Grimonprez hat dafür meinen Respekt und hatte auch auf die komplette Lauflänge meine Aufmerksamkeit, aber um „Double Take“ so zu achten wie er es verdient, bin ich einfach nicht künstlerisch interessiert genug.


PICKNICK AM VALENTINSTAG (Picnic At Hanging Rock 1975 Peter Weir)


Der Klassenausflug eines Mädcheninternats im Jahr 1900 zu den Hanging Rocks endet im Drama, als drei Schülerinnen und eine Lehrerin nicht mehr aufgefunden werden. Verzweifelt versuchen mehrere Leute herauszufinden was hier geschah...


Flucht oder Verbrechen?...

„Picknick am Valentinstag“ handelt von einem Mysterium, und das macht ihn aufgrund seiner provozierenden Art keine Antworten zu liefern selbst zu einem solchen, weiß doch kaum wer welches Genre auf den Streifen zutrifft. Nur eines ist nicht von der Hand zu weisen: der Drama-Bereich. Für den konservativen Filmzuschauer ist es sicherlich ebenso mysteriös wie ein Regisseur, der zuvor einen Trash-Streifen namens „Die Killerautos von Paris“ drehte, nur ein Jahr später ein Meisterwerk abliefern konnte, das Generationen von Filmfreunden nachhaltig beschäftigen sollte und heute noch ebenso wie einst zu wirken weiß.

Menschen gehen verschollen, die Anwesenden stehen vor einem Rätsel, es gibt jede Menge Andeutungen und ein offenes Ende. Zu einem Schluss kann man nicht wirklich kommen, da immer etwas nicht zusammen passt, wenn man eine der möglichen Hintergrundideen verfolgt. Darin liegt der Reiz, der Reiz einer Frage die nicht beantwortet werden kann. Möglichkeiten gibt es zuhauf. Ein Gewaltverbrechen ist ebenso möglich, wie die Flucht vor der Gefangenschaft gesellschaftlicher Spielregeln. Auch den Bereich des Übernatürlichen hält sich Weir offen, wird doch von einer rötlichen Wolke berichtet und bleiben doch zwei Uhren haargenau zur selben Uhrzeit stehen. Auch der Schlaf den jeder Ausflügler befällt könnte als etwas Übernatürliches gedeutet werden.

Im Gegensatz zu Finchers „Zodiac“, der mit einem ebenso ungelösten Rätsel trumpft, lässt uns Weir nie zu nah an die Charaktere heran, so dass ein aktives Mitfiebern nicht wie dort gegeben ist, zumal Fincher, obwohl er ein Kriminal-Drama erzählt, hin und wieder den Bereich des Thrillers aufgreift, damit der Zuschauer interessiert dran bleibt. Warum interessiert dann ein solches Werk wie „Picnic At Hanging Rocks“ (Alternativtitel)? Schließlich befasst er sich nur in der mittleren Phase mit dem Ergründen der Hintergründe.

Zuvor darf man dem Ausflug beiwohnen und dem Alltag der Daheimgebliebenen. So ist man mittendrin im Geschehen, bekommt jegliche nützliche und unnützliche Information aus erster Quelle, und ausgeblendet wird erst dann, wenn der Augenblick des Rätselhaften gekommen ist. Im letzten Drittel erfahren wir was aus den Menschen geworden ist, die indirekt mit dem Mysterium zu tun hatten und welchen Einfluss die Geschehnisse auf ihr weiteres Leben ausübten.

Was macht also einen Film so sehenswert, der sich jedweder alltäglichen Erzählform widersetzt, uns absichtlich Hintergrundinformationen und Auflösung vorenthält und niemals in reißerische Bereiche abrutscht? Eben genau das. Der Mensch steht im Vordergrund, das Miteinander, die Marotten, die Schicksale, immer so angedeutet, dass man sie mit genügend Abstand betrachten kann. Echte Identifikationsfiguren gibt es überhaupt nicht. Und so macht der Film einen am Rande angebrachten Vergleich von Menschen und Ameisen zu dem eigentlichen Blick auf seine Geschichte. Und das ist für Freunde sensibler Stoffe ausgesprochen interessant.

Vielleicht würde diese gewagte Herangehensweise sogar in Langeweile ausarten, wenn der Film nicht gleichzeitig so schön fotografiert wäre, die viktorianische Zeit nicht so glaubwürdig zum Leben erweckt würde (in Ton und Bild) und Gheorghe Zamfirs Panflötenmelodie nicht sanft die unbeschreibliche Atmosphäre dieses Streifens wüsste zu unterstützen. So entsteht letztendlich ein Werk, welches nur im Medium Film fruchten kann und wieder einmal deutlich macht zu wie viel mehr das Medium fähig ist, wenn man engagierte Filmmacher einfach mal machen lässt und wenn die Kommunikation zwischen Film und Zuschauer in beide Richtungen zu funktionieren weiß, im Gegensatz zu den Einbahnstraßen, die das heutige Kinoprogramm dominieren.

Wer etwas Handfestes braucht, es benötigt dass man ihm alles vorkaut und keinen Raum für eigene Überlegungen zulässt, der wird mit „Picknick am Valentinstag“ nicht viel anfangen können. Und das werden so einige sein, wenn man nur einmal sieht wie viele schon an den mangelnden Hintergründen und der längeren Vorgeschichte eines poppigen „Cloverfield“ verzweifelt sind. Cineasten hingegen wissen was sie an Weirs Film haben, gehört er doch zu jenen Werken, die man gerne öfter als ein mal sichtet. Man könnte ja wieder etwas neues entdecken, das noch mehr Fragen aufwirft. Denn letztendlich ist dies genau der Clou der Geschichte: jede neue Information wirft noch mehr Fragen auf anstatt zu einer Antwort zu führen. Dafür liebt oder hasst man diesen Film, ganz abhängig davon wie kultiviert man ist.


Weitere Reviews zum Film: 

Dienstag, 4. Juni 2013

THE WOODS (2006 Lucky McKee)


Heather kommt in ein Internat welches mitten in den Wäldern liegt. Recht schnell muss sie feststellen, dass mit der Schule etwas nicht stimmt. Mädchen verschwinden im Wald, Lehrer benehmen sich merkwürdig, und Heather hört neuerdings Stimmen...


Hier lernen die Teufel nicht das Tanzen...

Nach seinem gelungenem Debut „May - Schneiderin des Todes“ habe ich die Werke des Regisseurs Lucky McKee nicht weiter verfolgt. Deswegen kann ich über seine Entwicklung so ziemlich gar nichts sagen. Zu bemerken ist lediglich, dass beide Filme verschiedene Wege beschreiten, etwas völlig anderes erzählen und auf jeweils andere Art klassischen Erzählmethoden folgen. Beide Werke sind ruhig erzählt und setzen die Dramatik dessen was die Hauptfigur erlebt in den Vordergrund. Nur wurde dies in „May“ getan um den Charakter selbst und dessen Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen, in McKees Folgefilm „The Woods“ wird die Dramatik dafür eingesetzt  eine unheimliche Atmosphäre zu begleiten bzw. zu bereichern.

Somit ist es schön zu sehen, dass McKee scheinbar nicht immer gleiche Wege gehen wollte, und bis zu einem gewissen Grad ist sein „The Woods“ durchaus geglückt. Positiv fällt auf, dass er sich diesmal ganz bewusst an zwei Vorbildern orientiert, die für den Kenner des Genres auch nicht zu übersehen sind. Das ist gerade zu Beginn der inhaltliche Ablauf und das Verhalten der Lehrer, welches ebenso an „Suspiria“ erinnert wie der Hintergrund der Geheimnisse um das ominöse Internat. Ab einem gewissen Punkt in der Story rückt dann jedoch immer mehr Raimis „Tanz der Teufel“ in den Fokus, was letztendlich auch erklärt warum Bruce Campbell in einer kleinen, bedeutenden Nebenrolle mit an Bord ist.

Hatte ich nach dem Covertext und ersten Storyentwicklungen eher mit einer esoterisch angehauchten Geschichte gerechnet (Stammleser wissen sicher dass mir solche eher nicht schmecken), entpuppte sich „The Woods“ stattdessen als zunächst stimmiger Grusler, dies sogar weit bis über die erste Hälfte hinaus, so dass mancher ins Leere greifende Handlungsstrang oder manch zu konstruierte Wendung nicht wirklich ins Gewicht fiel. Dafür war die Atmosphäre viel zu stimmig, auch wenn diese eher eine Vorstufe zum echten Grusel war und nicht der aktiv erlebte Grusel eines „The Grudge - Der Fluch“ oder eines „Bis das Blut gefriert“.

Je mehr die Hintergrundgeschichte um einen möglichen Hexenfluch in den Mittelpunkt rückt und sich dabei auf eine bestimmte Figur fixiert, um so mehr geht vom Potential des Films verloren. Zu vieles wird nun zu holprig klar, der zentrale Hexencharakter zu kühl von seiner Schauspielerin interpretiert, und spätestens mit dem Eingreifen von Heathers Vater verliert „The Woods“ nun endgültig seine inhaltliche Orientierung und weiß nun gar nicht mehr, was er wirklich erzählen will.

Enttäuschend mündet dieses verirrte Rezept in einer Finalszene, die zu surreal erzählt ist, als dass man wirklich weiß ob sie nun Finalszene oder Traumsequenz sein soll. Nach einiger Zeit bemerkt man jedoch, dass es sich tatsächlich um finale Ereignisse handelt, doch da ist der Film leider schon fast vorbei und schließt mit einem theoretisch netten Off-Kommentar, der aber ebenso ruppig abgehandelt wird wie der komplette Film, den man viel zu schnell zu einem Schluss führen wollte, und dies nachdem er zuvor gerade durch einen ruhigen Aufbau seine Stärke bezog.

Der simple Weg die Hexe zu besiegen mag noch eine Verbeugung vor „Suspiria“ sein, der im Gegensatz zum Original nicht richtig zündet. Stattdessen weiß in der schlechten Phase des Streifens aber zumindest die Verbeugung vor „Tanz der Teufel“ zu überzeugen, sind die Szenen in welcher der Wald selbst zur personifizierten Gefahr wird allein durch schlichte Computeranimationen bereits zufriedenstellend umgesetzt und bieten einen Vorgeschmack auf das, was mit der Neuverfilmung „Evil Dead“ seit 2013 professioneller umgesetzt sicherlich auf den Horror-Fan wartet.

So versöhnlich zumindest diese Sequenzen ein vermurkstes letztes Drittel bereichern, so sehnsüchtig wirft man den Blick zurück auf die lange gelungene Phase des Filmes, die einen solch mauen Abschluss so gar nicht verdient hat. Beim Gucken hatte ich immer wieder den Eindruck einen unbeachteten Geheim-Tipp entdeckt zu haben, doch so sehr kann man sich irren, wenn man voreilig urteilt. „The Woods“ ist zunächst stimmig erzählt, badet in einer schönen bräunlichen Retro-Optik und wandelt sich irgendwann zum gewöhnlichen Stück Film mit inhaltlichen Verirrungen und einem schnellen unbefriedigenden Schluss. Somit erzielt „The Woods“ bei weitem nicht das positive Ergebnis von McKees Erstling „May“.


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 2. Juni 2013

DIE MUPPETS (The Muppets 2011 James Bobin)


Kermit versucht zusammen mit einem Fan die geschlossenen Muppet Studios vor ihrer Zerstörung zu retten, indem er die alte Truppe zu einer erneuten Show zusammen trommelt...


Muppet Movie 3.0 ...

Jeder kennt die Muppets, ob jung, ob alt. Fast jeder erzählt welche Puppe er am lustigsten findet und wie toll das alles war was er da mal gesehen hat, aber zuschauen wollte scheinbar keiner mehr, wurde doch beispielsweise die „Muppet Show“ auf DVD aus mir unbekannten Gründen bereits nach drei Staffeln eingestellt, obwohl es zuvor hieß alle Staffeln würden binnen eines Jahres erscheinen. Die Muppets führen ein Rest-Prominenzleben im US-TV mit gelegentlichen Filmen und Festtags-Specials, und bereits in den 90er Jahren wurde der Versuch ihnen mit „Muppets Tonight“ wieder ein regelmäßiges Forum zu geben, von Zuschauerfüßen getreten. Keiner interessierte sich für ihre Rückkehr, da konnte auch moderne Prominenz nichts dran ändern. Die Liebe zu den Muppets war eine rein theoretische, eine nostalgische.

„Die Muppets“ setzt bewusst auf diesem Todpunkt an, weiß wie verloren sein Patient ist und weiß dass die aktiven Fans zur Minderheit gehören. Von daher ist der Gedanke 12 Jahre nach „Muppets aus dem All“ mal wieder einen Kinofilm zu drehen aus finanzieller Sicht trotz der Berühmtheit dieses Franchising  recht gewagt. Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Mitproduzent Jason Segel hat es dennoch gewagt, anscheinend war es ihm eine Herzensangelegenheit die Muppets aus der Versenkung heraus zu holen und dies scheinbar mit Erfolg, las ich doch erst kürzlich dass mittlerweile eine Fortsetzung geplant ist. Ob dieser halbwegs erzielte Erfolg gerechtfertigt ist, sei einmal angefochten. Ich wurde zumindest bereits vor der Sichtung vorsichtig, als ich las dass Ur-Puppenspieler Frank Oz für das Projekt nicht zu begeistern war. Beim Reanimationsversuch mit „Muppets Tonight“ und Henson-Sohn Brian war er noch motiviert dabei.

Zunächst einmal fällt auf, dass die Geschichte nicht viel her gibt. „Die Muppets“ soll eine Verbeugung vor dem Original sein, da mag man es als passend ansehen können dass Kermit versucht die Truppe für eine Show zusammen zu trommeln. Wenn man jedoch nicht nur im modernen Kino unterwegs ist, sondern auch ältere Werke schaut, dann hat man mit „Muppet Movie“ und „Die Muppets erobern Manhattan“ bereits zwei mal eine nahezu ähnliche Geschichte gesichtet, eine solche die schon beim ersten Mal nicht das Gelbe vom Ei war.

Als Verbeugung vor dem Original mag das in der Theorie noch funktionieren, aber „Die Muppets“ sollte mehr als das sein. Man wollte die Muppets auch ins angekommene Jahrhundert katapultieren, freilich nicht mit zu viel Gewalt, die Seele der alten Projekte sollte beibehalten werden, doch das hat nicht wirklich geklappt. Zwar kann der Film tatsächlich mit anderen Muppets-Filmen mithalten, doch waren die nie das Herz des ganzen. „Die Muppet Show“ war der Zuschauermagnet. Und die war im Gegensatz zu den Filmen recht anarchistisch aufgebaut, trotz Feinsinn für Kunst laut und provokativ für seine Zeit. Die Filme waren schon immer viel zu brav, und der neue „Die Muppets“ ist dies auch.

Brav Ende der 70er Jahre, als mit „Muppet Movie“ der erste Langfilm der Puppen in den Kinos lief, war noch etwas anderes als brav zu Zeiten der Political Correctness. An den Muppets ist nichts mehr frech. Und die Prominenz grinst nur noch lieb und zahm vor sich hin, sicherlich mit glaubhafter Liebe zum Projekt, das Urgeschehen jedoch nie verstanden habend. Einzig Jack Black ab seinem zweiten Auftritt versprüht alten Gäste-Charme und kann damit Pluspunkte sammeln, der Rest ist akzeptables aber müdes Recycling, das so in der Art nicht hätte aussehen müssen.

Was soll man z.B. davon halten, dass ein Film, in welchem die Muppets im Zentrum stehen sollen, Musicalnummern beinhaltet, in welchen die berühmten Puppen zu Statisten degradiert werden? In seiner schlimmsten Szene tanzt ein Haufen Menschen fröhlich grinsend in braver Choreographie auf der Straße, und damit das ganze noch was mit den Muppets zu tun hat, lässt man ein paar Puppen nach einiger Zeit im Vordergrund mittanzen. Das ist peinlich, ärgerlich, unnötig und eine Beleidigung an die Mühe früherer Projekte.

Die Geschichte dümpelt ansonsten seicht vor sich hin, bietet eine sympathische Ausgangslage, zu viel selbstverliebten Gesang und gelegentlich manch netten Gag. Aber so recht zünden will da lange Zeit nichts. Nichts - bis zu jenem Zeitpunkt wenn die Muppet Show innerhalb des Kinofilms startet. Hier kommt nun der nötige Gehalt greifbarer Nostalgie auf, man lächelt über simpelste Dinge und hat Spaß dem munteren Treiben zuzuschauen. Und in dem Moment wurde es mir wieder bewusst: das Kino ist der falsche Ort zur Reanimation. Wenn diese Szenen in „Die Muppets“ etwas beweisen, dann dass es einer neuen „Muppet Show“ bedarf und nicht eines neuen Filmes mit den Filzköpfen.

Warum „Muppets Tonight“ in den 90er Jahren scheiterte ist mir ein Rätsel. Abgesehen von der ersten Folge, die alles andere als gut war, war es ein mutiger und meiner Meinung nach geglückter Versuch die Muppets zurück ins Fernsehen zu holen. Man modernisierte an den richtigen Ecken, vernachlässigte zugegebener maßen etwas zu sehr den künstlerischen Rahmen, hievte dafür aber den Anarcho-Charme der alten Zeit hervor, passte sie der Neuzeit an, was im Ergebnis um so lauter, schriller und schneller wurde, so wie die Erfolge „Die Simpsons“ und später „Futurama“, „Family Guy“ und Co.

Die braven Sequenzen aus „Die Muppets“ zeigen, dass eine Show auch auf die harmlosere Art zu wirken wüsste, badend in der Political Correctness, die heute leider, spätestens angekommen in den Disney Studios, nicht mehr zu verhindern wäre. Wenn schon kein radikal-freudiges Hoch wie „Muppets Tonight“, dann doch bitte eine „Muppet Show“ wie wir sie für einige Augenblicke im hier besprochenen Kinofilm sichten durften. Dies wäre die Heimat der Muppets. Hier wären sie gut aufgehoben, und hier würden selbstverliebt grinsende Stars auch nur bedingt unangenehm auffallen.

Im Kino, gestreckt mit einer künstlichen Geschichte auf Spielfilmlänge, kann der Charme der Puppencharaktere nicht richtig greifen. Kermit mag Zugpferd sein und das Herz der Muppets, aber er im Mittelpunkt ist einfach nicht der Zuschauermagnet. Und jede andere Puppe kommt zu kurz, zumal nur die heute noch bekannte Muppet-Prominenz in den Mittelpunkt rückt und schräge unbekannte Figuren gar keinen Rahmen mehr zum wirken erhalten. Außerdem fehlen die ausgeflippten Momente eines „Schweine im Weltraum“, und auch die bloße Anwesenheit des Professors mit Beaker oder des Chefkochs allein lassen noch nicht jenen Wahnsinn entstehen, der erst dann aufkommt, wenn man ihnen auch einen kompletten Sketch gewährt.

„Die Muppets“ ist gut gemeint, aber leider zu theoretisch und typisch Muppet-Film zu brav ausgefallen. Da hätte man sich in Sachen Frechheit besser am großartigen „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ orientieren sollen, der einzige Muppet-Film der genügend Pfiff besaß den Humor der Serie auf die große Leinwand zu transferieren. Etwas weniger Ehrfurcht und etwas mehr Mut hätte „Die Muppets“ gut gestanden. Zumindest verstehe ich jetzt warum Frank Oz sich abgewendet hat, auch wenn sich oberflächlich alles so wie gehabt anfühlt. Nur der Kenner erkennt auch die fehlenden Ecken und Kanten. Glattgehobelte Muppets wissen in diesem Format einfach nicht zu funktionieren. Mit Längen versehen ist der Film aber immerhin guckbar, wenn auch nicht sehr unterhaltsam.


Weitere Reviews zum Film: 

CITY OF ROTT (2006 Frank Sudol)


Rentner Fred stampft durch eine Zombie-verseuchte Stadt auf der Suche nach neuen Slippern...


In den Zombies ist der Wurm drin...

Ein gewöhnungsbedürftiger, schlichter Zeichenstil, wenn in seiner Art auch anders sicherlich ein wenig inspiriert durch „South Park“, zumindest was die Bewegungen betrifft, ist das erste das an „City Of Rott“ auffällt, einem Zeichentrickfilm der sich erstmals im Animationssektor mit Zombies befasst, zumindest als Hauptattraktion in kompletter Spielfilmlänge. Zuvor gab es schon eine Episode mit Untoten im 80er Jahre Trickfilm „Heavy Metal“, und in mancher Cartoon-Serie wie „Die Simpsons“ wurden die lebenden Toten auch bereits thematisiert. Doch zwei Jahre bevor unter einem berühmten Markennamen mit „Resident Evil - Degeneration“ eine Profi-Produktion heraus kam, war es nun einmal Frank Sudol der schneller war für eine Trickfilm-Zombie-Premiere.

Der gute Mann stellte auch alles alleine auf die Beine, und das ist wörtlich zu nehmen, ist es doch sein Name der den kompletten Abspann trägt, von einigen Danksagungen abgesehen und dem Vertrieb, sowie selbstverständlich der deutschen Bearbeitung. Im Vergleich zu Timo Roses magerem ähnlichen Versuch „Rout City“, der um fair zu sein im Gegensatz zum hier besprochenen Werk aber auch ein Amateurfilm war, kann sich „City Of Rott“ zumindest halbwegs sehen lassen. Schmunzelt man zuerst noch über so actionlastige Musik in einem billig gezeichneten Szenario, so gewöhnt man sich irgendwann doch tatsächlich daran und empfindet das Zusammenspiel von Sound und Optik dann doch als passend. Das liegt jedoch an der Jugend-Orientierung des Gesamtergebnisses, für die man einfach viel eher bereit ist ein Auge zuzudrücken, da man als Erwachsener ja ohnehin nicht zum Zielpublikum gehört.

Aber ich denke auch jüngeren Zuschauern dürfte das Gezeigte zu monoton erscheinen. Die gähnen sicherlich nicht bei der x-ten Zombieschlacht und erfreuen sich noch an quantitativen Blut-Späßchen, aber die eigentliche Geschichte geht sicherlich auch den am positivsten eingestellten Zombiefreunden irgendwann auf den Keks, wenn der mit sich selbst redende Rentner zum x-ten Mal betont Slipper zu suchen, während die Stimme die er hört ihn diesbezüglich für dämlich hält. Da fallen dann immer wieder Beleidigungen für Freunde der Komik von Filmen wie „Superhero Movie“, als Erwachsener ist man somit sicher schneller genervt, aber ein cineastischer Animationstraum für Teenager sieht sicherlich ebenfalls anders aus.

„City Of Rott“ hätte als Kurzfilm besser gefallen, ein Bereich den Frank Sudol zuvor mit „Psych“ und „Rise Zombie, Rise“ bereicherte. Zwar besitzt die Geschichte seines ersten Langfilmes einige nette Ideen, zu denen auch die todgewalzte des Rentners gehört, der naiv Slipper in der Zombiestadt organisieren will, aber davon kann ein Film auf etwa 80 Minuten nicht ewig leben. Zu den guten Ideen gehört im übrigen auch die Art des Zombiebefalls, verdanken wir unser unfreiwillig ewiges Leben diesmal doch ausnahmsweise mal parasitären Würmern, die, sobald sie im Gehirn angelangt sind, uns das Lebenslicht rauben, so dass wir im Tode ferngesteuert sind.

Einige wenige tiefsinnige Worte werden zu direkt angesprochen und nicht weiter vertieft, als dass sie als wirklich qualitativer Pluspunkt gelten könnten, und eine überraschende inhaltliche Wende zur 50. Minute hin entpuppt sich als völlig falsch angegangen. Hier hätte der Film sich nun von seiner Monotonie befreien können, um auf sehr einfallsreiche Art eine Zombie-besetzte Stadt aus einem völlig anderen Blickwinkel zu beleuchten. Stattdessen wird das restliche Szenario nun noch uninteressanter gestaltet, da der Film von nun an nur noch mit kleinen nicht zu Ende gedachten Ideen langgestreckt wird und nicht mehr wirklich etwas erzählt. Man, was war ich froh als endlich der Abspann lief.

Man muss „City Of Rott“ schon seine Individualität zugute halten, wenn man über ihn urteilen will. Immerhin war er nicht nur der erste abendfüllende Zombie-Zeichentrickfilm, sondern letztendlich auch Ideenlieferant für den zur Zeit gefeierten Kino-Hit „Cockneys vs. Zombies“. Einem alten Mann mit Gehhilfe dabei zuzusehen wie er mit gleichem Tempo wie die Zombies flüchtet hält einen jedoch nicht auf die gesamte Laufzeit gesehen bei der Stange. Ganz davon abgesehen, dass die Zombies nicht gerade bedrohlich wirken, wenn ein seniler Alter mit Alzheimer erfolgreich Zombiemassen mit besagter Gehhilfe bekämpft und sich gleichzeitig noch der Würmer entledigen kann und das immer und immer wieder.

Das ist zwar nicht das was „City Of Rott“ wirklich schadet, schließlich ist er humororientiert und will nicht zusätzlich gruseln, aber da es Sudol scheinbar wichtig war neben der Komik auch viel Action zu bieten, hätte es dem fertigen Film trotzdem gut getan, wenn die Bedrohung für den Zuschauer spürbarer gewesen wäre. So bleibt lediglich ein emotionsloses Beobachten ewiger körperlicher und recht blutiger Auseinandersetzungen mit Untoten.

Zumindest weiß die Komik manchen Moment aufzulockern. Aber da die Optik schon keine Reize bietet und die Geschichte zu dünn ausgefallen ist, kann der kleine Hauch interessanter humoristischer Ideen einem auch keinen wirklichen Unterhaltungswert mehr bescheren. „City Of Rott“ ist gut gemeint und auch einen gewissen Respekt wert, wenn man bedenkt dass wir es hier tatsächlich mit einer Ein-Mann-Show zu tun zu haben, aber leider bleibt das Ergebnis auch mit Wohlwollen noch immer lediglich unter Durchschnitt.


Weitere Reviews zum Film: