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Freitag, 31. Mai 2013

DER STUDENT VON PRAG (1913 Hanns Heinz Ewers u.a.)


Der arme Student Balduin lässt sich auf einen dubiosen Vertrag mit einem Fremden ein, der diesem gestattet sich im Austausch für sehr viel Geld aus dem schlichten Raum den der Student bewohnt sich mitnehmen zu können was auch immer er wolle. Der Fremde entscheidet sich für Balduins Spiegelbild. Nach anfänglicher Verwunderung ist es dem jungen Mann ziemlich egal ob er nun ein Spiegelbild besitzt oder nicht. Mit dem neuen Reichtum kauft er sich in die bessere Gesellschaft ein und verguckt sich in die Komtesse Margit. Alles könnte gut laufen, wenn sein Spiegelbild ihn nicht ständig verfolgen würde und gegen seinen Willen agieren würde...


Balduin X 2 = ?...

Nun ist es 100 Jahre her, dass „Der Student von Prag“ uraufgeführt wurde, für welchen Hanns Heinz Ewers seinen eigenen Roman zum Drehbuch umschrieb und sich einmalig in seinem Leben der Regiearbeit widmete, zusammen mit Stellan Rye, für den besagter Film ebenfalls ein Regie-Debut war. Mehr als fünf weitere Filme sollte er nicht fertiggestellt bekommen, starb er doch aufgrund des Krieges bereits 1914. Ewers hingegen arbeitete (mit großen Pausen versehen) bis in die 70er Jahre hinein als Drehbuchautor für das Medium Film.

Was damals gruselte geht heute eher als Fantasyfilm anstatt als Horrorfilm durch, was mit Blick auf die heute noch funktionierenden „Orlacs Hände“ und „Nosferatu“ nichts zwingend mit dem hohen Alter des Streifens zu tun haben muss. Diese beiden Werke wirken noch heute, „Der Student von Prag“ hingegen ist ein nostalgisches Werk, dem man nicht mehr ansieht, dass er mal viele Leute gegruselt hat.

Und wie er das hat. Aufgrund seiner Tricktechnik und der eigens für den Film komponierten Musik von Josef Weiss wurde die Romanverfilmung ein internationaler Erfolg und zählt heute zu jenen Filmen, die es erstmals schafften den Schritt von der Bühne ins eigenständige Medium zu betreten. Ganz richtig finde ich diesen Ruf nicht, erschuf doch bereits Georges Méliès 1902 mit „Die Reise zum Mond“ einen Special Effect-Movie, der mit der Bühne nur noch wenig am Hut hatte. Mag sein dass der Ruf von „Der Student von Prag“ darauf beruht, dass Méliès Werk lediglich ein Kurzfilm war, und „Der Student von Prag“ mehr als lediglich die Spezialeffekte benötigte um zu diesem Ruf zu gelangen.

Die Spezialeffekte können sich allerdings noch immer sehen lassen. Zwar weiß man heute als Zuschauer wie sie funktionieren, und Naturaufnahmen verraten sich im Schnitt durch leichte Veränderungen, die dem Wind zuzuschreiben sind (was bedeutet dass nicht nur im Studio gedreht wurde), aber die Wirkung bleibt bestehen, was neben besagter Effekte allerdings auch dem differenzierten Spiel Conrad Veidts zu verdanken ist, der das Spiegelbild wesentlich düsterer verkörpert als das schreckhafte Original.

Bis in die heutige Zeit hinein beeinflusst der Film noch immer die Geschichten, die erzählt werden. Die Tricktechnik wurde noch viele Jahre verwendet, Geschichten um eigenständige Spiegelbilder werden noch heute im Bereich des Horrorfilms erzählt (z.B. in „The Broken“ und “Poltergeist 3“), und vergleichbare Ideen werden mittlerweile selbst für den Jugendsektor verfilmt, so z.B. in den 80er Jahren mit der TV-Serie „Timm Thaler“, in welcher ein Junge sein Lachen an einen bösen Baron verkauft.

Da gruseln sich die Kinder ebenso wenig wie der erwachsene Zuschauer heutzutage beim „Student von Prag“. Und aufgrund seiner Laufzeit und der etwas monotonen Geschehnisse ist er damit keinesfalls gut gealtert, weswegen er tatsächlich nur Filmnostalgikern ans Herz gelegt sei, ist das Endergebnis doch etwas schleppend zu ertragen, so faszinierend es sich auf der anderen Seite heutzutage auch noch immer phasenweise guckt.

Mag sein dass es der zweiten, gleichnamigen Verfilmung von 1926 von Regisseur Henrik Galeen anders ergangen ist. Für diese verwendete man das Drehbuch der ersten Verfilmung von Ewers, bearbeitet von Henrik Galeen persönlich, und Conrad Veidt schlüpfte noch einmal in die Rolle des Balduin. 1935 wurde die Geschichte ein letztes mal verfilmt, unautorisiert und erstmals als Tonfilm umgesetzt, diesmal basierend auf dem von Galeen bearbeiteten Drehbuchs Ewers von der 2. Verfilmung und wieder den selben Titel wie seine Vorgänger tragend. Danach wurde es in den Kinos ruhig um den „Student von Prag“.

Mag man sich bei manchem Klassiker ärgern, dass nur noch so wenig Leute zu einem Stummfilm greifen und damit auch heute noch wirksame aufwühlende Filmmomente verpassen, so ist „Der Student von Prag“ mittlerweile nur noch ein theoretisches Stück Filmvergnügen, sicherlich ein großes Erlebnis für Interessierte des Mediums, aber eben keiner jener Filme, die man jemandem empfehlen würde, der sich lediglich unterhalten lassen möchte. Einen „Nosferatu“ könnte man einem solchen Konsumenten auch heute noch vorlegen. „Metropolis“ und „Die Puppe“ ebenso, um auch mal auf andere Genres zu verweisen. Aber der hier besprochene Film ist dafür nicht geeignet. Muss er auch nicht, aber etwas schade ist das schon.


Weitere Reviews zum Film: 

Donnerstag, 30. Mai 2013

50 ERSTE DATES (50 First Dates 2004 Peter Segal)


Endlich trifft Tierarzt Henry Roth die Liebe seines Lebens, aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Lucy leidet seit einem Unfall daran kein Kurzzeitgedächtnis mehr zu besitzen und die kann sich schon einen Tag später nicht mehr an Henry erinnern. Der nimmt die Herausforderung an und versucht Lucys Herz jeden Tag aufs neue zu erobern, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Zunächst sieht Lucys Vater das gar nicht gerne...


50 blöde Fehler...

Manchmal möchte man sich Adam Sandler einfach greifen um ihm mal ein paar Ohrfeigen zu verpassen, so ärgerlich sind manche Negativpunkte an Filmen mit seiner Beteiligung, die eigentlich gelungene Werke sein könnten. Ganz vorne an bei dieser Art Ärgernis steht „50 erste Dates“, der eine wunderbare romantische Komödie sein könnte, angereichert mit Elementen aus so wunderbaren Filmen wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Vergiss mein nicht“, und der auf völlig unerklärliche Weise einen Humor beherbergt, der im Film eigentlich nichts zu suchen hat.

Neben der Vermenschlichung von Tieren, über die man noch gnädig hinwegsehen kann, da der Held Tierarzt ist und der Film ohnehin eine blauäugige Hollywood-Geschichte erzählen möchte, tauchen Figuren im fertigen Film auf, die weder für die Geschichte wichtig sind, noch die Atmosphäre des Streifens zu unterstützen wissen. Ein alter Opa in einem Restaurant sitzt herum um ständig abfällige Bemerkungen der unkreativen Art zu machen. Eine russische Gehilfin des Tierarztes steht nur für untersten Humor und der beste Freund des Helden bietet neben manch halbwegs nettem Gag immer wieder Fremdschämen, fast im Stil des eben erwähnten Opas.

Richtig unangenehm wird es, wenn Gast-Star Dan Aykroyd hin und wieder auftaucht, einst ein Meilenstein im US-Komikerangebot und Meister der Improvisation. Der ist sich mittlerweile für nichts mehr zu schade und darf nach einem gelungenen ersten Auftritt ein weiteres Mal vorbeischneien, um ähnlich schlechte Sprüche von sich zu geben wie die anderen drei Figuren des Filmes. Nimmt man nun noch ein kotzendes Walross dazu und den krampfhaften Versuch schräge Figuren wie einen Transsexuellen für einige Sekunden mit in die Story zu integrieren, lediglich um sie als Freakshow wirken zu lassen, dann könnte man dem Film voreilig den Zettel an den Zeh hängen und urteilen, der Patient sei am verfehlten Rezept verstorben.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Was sich in den ersten 5 Minuten fast komplett unangenehm guckt erfährt dann eine positive Wende, wenn Drew Barrymore mit ihrer Rolle Lucy ins Spiel kommt, und die Geschichte sowohl jede Menge Pfiff als auch ein süßes Gesicht beschert bekommt. Im ernst, welcher Mann fühlt sich nicht von dieser wunderschönen Frau angezogen, und selten sah die gute Drew süßer aus als im hier besprochenen Film, der diesbezüglich nur noch von „Mitten ins Herz“ getoppt wird. Zudem ist sie eine gute Schauspelerin, und im gemeinsamen Spiel mit ihr kommen auch wieder Sandlers positive Seiten ans Licht, der, wenn er denn mal will, ebenfalls gar nicht so schlecht spielen kann. Zu schade dass er sein Potential nur selten offenbart.

Inmitten der eben erwähnten Negativpunkte der besonders aufdringlichen Art, schafft es Regisseur Segal tatsächlich, dass der romantische Teil der Geschichte aufblüht, so immens weiß das Paar vor der Kamera zu wirken und so stark ist die Geschichte, welche die beiden erleben. Klar, Realität wird hierbei ausgeblendet, aber „50 erste Dates“ soll eine RomCom sein, ein Film zum Träumen, und würden die anfänglich aufgezählten Alptraumsequenzen einen nicht immer wieder hochschrecken lassen, könnte der Film auch genau dies leisten.

Die ohnehin schon gute Geschichte erfährt immer wieder einige interessante Wendungen, die weder humoristische noch dramatische Seiten umgehen. Ohnehin ist es dem Film hoch anzurechnen, dass seine dramatischen Szenen so intensiv zu funktionieren wissen, wohingegen die humoristischen häufig, auch in ihren guten Momenten, sicherlich Geschmackssache bleiben. So würde manch einer sicherlich auch den Bruder Lucys zu den Negativpunkten zu Beginn der Review mit aufzählen, wohingegen ich ihn auf geglückte Art als absichtlich stillos empfinde. Und dank einer deutschen Lispelstimme ist auch die Vertonung in Sachen Humorwirkung auf seiner Seite.

Die Komik, die mit der Geschichte automatisch einhergeht, ist zudem Selbstläufer, kann also nur funktionieren und dürfte phasenweise auch beim völlig enttäuschten Publikum ankommen. Auf dem Regiestuhl sitzt ohnehin kein völlig untalentierter Mann. Peter Segal durfte schon mit seinem ersten Langfilm „Die nackte Kanone 33 1/3“ beweisen was er drauf hat, trat er mit dieser Fortsetzung doch in große Fußstapfen großer Erwartungshaltung und lieferte er doch eine recht gute Arbeit mit einem längst verschlissenen Leslie Nielsen ab. Während sein erstes Projekt mit Sandler, „Die Wutprobe“, eher negativer Natur war, weiß „50 erste Dates“ zumindest recht gut zu unterhalten, selbst mit den angesprochenen dominanten Negativseiten. Eine richtig gute Arbeit sollten beide zusammen als Team aber erst mit „Spiel ohne Regeln“ abliefern. Mit diesem endete die Zusammenarbeit mit Sandler auch leider schon. Das ist schon schade, hätte ich mir persönlich doch eher gewünscht Sandler hätte sich mal von seinem Hausregisseur Dennis Dugan getrennt. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Und genau dies lässt „50 erste Dates“ den Freund romantischer Filme immer wieder spüren. Klar kommt dieser Aspekt auch in der Hauptgeschichte herüber, aber selbstverständlich spiele ich wieder auf den Bereich an, über den ich schon seit Beginn der Review nörgle, und wer den Film gesichtet hat wird sicherlich wissen, dass ich damit nicht einmal übertreibe. Zu gerne würde ich eine Art Director‘s Cut sichten, in welcher etwa 5 Minuten Laufzeit fehlen, besagte Figuren und Szenen nicht mehr auftauchen, um am Ende einen Film zu haben, den man am liebsten freundschaftlich drücken möchte, so gut ist das Gefühl dass er einem hinterlässt, selbst mit seiner gewagten Schlussidee, welche die Phantasie des Zuschauers einige Zeit zu beschäftigen weiß.

Sicherlich könnte man sich auch eine Neuverfilmung wünschen, aber dann wäre ja die Besetzung eine andere, und von dieser lebt „50 erste Dates“ dann doch zu sehr, als dass man die wichtigsten Personen da mal eben ausgetauscht bekäme. Leider bleibt dem interessierten Cineasten also nichts weiter übrig als weiterhin in den sauren Apfel zu beißen, um diese zuckersüße, sehenswerte Liebesgeschichte konsumieren zu können. So unangenehm der Beigeschmack auch ist, ich stelle mich alle paar Jahre immer wieder dieser Herausforderung, weil ich weiß wie sehr es sich für die eigentliche Geschichte lohnt.


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Sonntag, 26. Mai 2013

MARIA, IHM SCHMECKT'S NICHT! (2009 Neele Vollmar)


Jan macht seiner großen Liebe Sara einen Heiratsantrag, ohne zu ahnen, dass alles mit einer turbulenten italienischen Hochzeit samt Großfamilie ausarten wird, was er seinem Schwiegervater Antonio zu verdanken hat, der mit der Wahl seiner Tochter nicht wirklich einverstanden ist...


Neele, es guckt sich! ...

Über Deutsche und Italiener gibt es unzählige Klischees, und diese häufen sich im Film „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ extrem, bedient man sich doch pausenlos an ihnen, ja sind sie in gewisser Weise doch gar der Kern des Ganzen. Und doch fühlt es sich nicht wirklich wie Klischee an. Woran mag das liegen? Daran dass sie nur Ausgangslage sind, um gegen Ende ein Plädoyer für mehr Toleranz und Individualität zu sein? Oder daran, dass es eine gleichnamige Buchvorlage gab, was einem solchen Film meist gut tut, als lediglich auf einem Drehbuch zu basieren?

Ich weiß es nicht. Vielleicht gehe ich auch nur so gnädig mit dem Klischeemeer um, weil mir der Film gefallen hat und ich diesbezüglich nicht sachlich reagiere, was ja auch durchaus legitim wäre, wenn ein Film es schafft einen derart einzulullen. Wie auch immer, Auslöser diese Komödie von Neele Vollmar zu sichten, für welche „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ der vierte und bislang letzte Langfilm war bei dem sie Regie führte, war für mich die große Rolle von Christian Ulmen im Zentrum, einen Mann den ich immer wieder gerne sehe, mehr sogar noch gerne höre, denn die Art wie er redet bereicherte bisher jedes Projekt das ich von ihm sichten durfte. Die etwas leere „Dr. Psycho“-Serie lebte einzig durch ihn, „Jerry Cotton“ bereicherte er ganz individuell, auch wenn er dort nicht einziger Pluspunkt war, und dass ihm auch etwas ernstere Rollen liegen weiß jeder der den Kino-Hit „Herr Lehmann“ gesehen hat.

„Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ ist interessanter Weise keine romantische Komödie geworden, steht die Verlobte Jans doch gar nicht so sehr im Mittelpunkt wie ihr Vater Antonio, was spätestens dann deutlich wird, wenn erstmals seine Vergangenheit beleuchtet wird. Das tut man in einer derartigen Geschichte keinesfalls als Lückenfüller. Sie wird wichtig für das Gesamte des Films. Das hätte nicht zwingend sein müssen, soll die Buchvorlage doch wohl eine Ansammlung an Kurzgeschichten sein, die man für den Film zu einem Ganzen zusammenführte, da hätte eine solche Szene auch inmitten des Filmes verloren wirken können.

Aber wer auch immer am Drehbuch herumgezimmert hat, er hat seine Arbeit gut getan, so dass sich „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ auch wirklich als komplette Geschichte mit rotem Faden guckt. Da kann man ruhig ein Lob aussprechen. Kritisch ist man zunächst dennoch, denn der Film ist als Rückblick erzählt, und ein Rückblick im Rückblick ist eigentlich eine recht stillose Angelegenheit, ähnlich der eben erwähnten Anhäufung der Klischees. Aber es wirkt. Nicht dass diese Komödie um zwei unterschiedliche Kulturen nun ein großes Erlebnis wäre, der Film plätschert eher angenehm vor sich hin, aber er scheitert zumindest nicht bei solch unterhaltungsgefährdendem Konzept.

Neben Ulmen und der großen Bereicherung Lino Banfi als Schwiegervater mit an Bord zu haben, tut es dem Film sichtlich gut eine Co-Produktion von Deutschland und Italien zu sein, damit schaut sich der Film nicht zu einseitig, auch wenn die Identifikationsfigur ein Deutscher ist. Außerdem finde ich es an einem Film wie diesem immer wieder gut, dass Menschen anderer Kulturen untereinander in ihrer Muttersprache sprechen. Dementsprechend sind viele Momente des Streifens untertitelt, was sich auf der von mir gesichteten DVD auch ordentlich mitlesen lässt. Da „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ im Kino lief, wird es aber wohl der Untertitel der Kinoversion sein und keine eigene DVD-Ausfertigung. Auf jeden Fall schaut sich Zweisprachigkeit in einer solchen Geschichte etwas realitätsnäher, was einem Film, der bereits im Titel in Klischees suhlt, sichtlich gut tut.

Was inhaltlich sehr geglückt ist, und da gehe ich mal davon aus dass wir dies der Buchvorlage zu verdanken haben, ist der Wechsel der Perspektive von Jans Sicht auf Antonios, dessen Vergangenheit mit jedem weiteren Rückblick näher beleuchtet wird, so dass wir ihn mit seinen Schwächen und Fehlern nicht nur besser kennen lernen, sondern auch verstehen. Parallelen zwischen den beiden Hauptfiguren, die zunächst nicht zu existieren scheinen, verdeutlichen sich immer mehr, auch wenn die Grundlage völlig verschiedenen Zeiten und Situationen entspringt. Der Übergang gelebte Ärgernisse zu beseitigen und Verständnis für das Tun Saras zu entwickeln, kommen gegen Ende leider aber doch etwas zu abrupt, das ist der einzige Wermutstropfen in diesem Themenbereich.

Schön hingegen ist der Kniff den Film mit einer Hochzeit enden zu lassen, jedoch völlig anders als gedacht. Da wird wohl jeder Zuschauer überrascht sein, auch wenn man hinterher denkt, dass man es hätte voraus ahnen können. Hinterher ist man halt immer schlauer. So oder so, mit „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ wird man 90 Minuten auf schlichte Art, aber mit einem Hauch Tiefe versehen, nett unterhalten, selbst dann wenn das urige Thema um Kultur-Klinsch einem schon zu den Ohren heraus kommt. Trotz versöhnlicher Botschaft ist das Werk zumindest nicht aufdringlich korrekt ausgefallen. Es ist umgekehrt jedoch auch kein böswilliges Werk. Es ist einfach ein ehrlicher Film, der gerne mal übertreibt, aber doch immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt.

Mittwoch, 22. Mai 2013

THE HOUSE OF THE DEVIL (2009 Ti West)


Um die erste Miete ihrer neuen Wohnung bezahlen zu können, nimmt Studentin Samantha einen etwas merkwürdigen Babysitter-Job außerhalb der Stadt an. Ein Fehler...


Warnung vor dem Oma-Sitting...

Als Ti West 2005 seinen ersten Langfilm „The Roost - Angriff der Fledermäuse“ heraus brachte, da maulten die paar wenigen Menschen, die ihn zu Gesicht bekamen und würdigten ihn nicht, diesen überdurchschnittlichen Film, der aus wenig ganz viel herausholte, genau jenes Markenzeichen, das heute an den Arbeiten Wests so begrüßt wird. Stößt sein Job bei „Cabin Fever 2“ noch auf geteilte Meinung, was man auch auf die wackeligen Produktionsbedingungen schieben könnte, so wird ein Werk wie „The Innkeepers“ heute mit Kusshand aufgenommen und gefeiert, was bis zu einem gewissen Grad sicherlich berechtigt ist, aber eben nicht komplett.

Auf sich aufmerksam gemacht hat West dann erst 4 Jahre nach „The Roost“ mit „The House Of The Devil“. Die Cineasten schlugen Purzelbäume vor lobender Worte, und wie es der Zufall wollte habe ich diesen von all den aufgezählten Filmen erst als letzten gesehen, schon aufgrund der Kritiken und bisher eher positiven Ergebnisse angetrieben mit einer hohen Erwartungshaltung. Und nun bin ich doch ein wenig enttäuscht. Ich kann schon nachvollziehen was alle so toll an dem Film finden, geht es mir bis zu einem gewissen Zeitpunkt mit Wests angeblichem Highlight doch genau so, aber im Endergebnis war es bislang seine nüchternste Arbeit für mich, die noch mehr als „The Innkeepers“ einfach nicht die rechte Kurve kriegt.

Das gelungene gleich vorweg: Wests Film ist Old School, und er ist es so penetrant, dass es echt eine Wucht ist. Ich fühlte mich bei so einem Popel-Filmchen wie „Malevolence“ schon positiv bestärkt, dass der alte Stil vergangener Tage in modernen Horrorproduktionen auch heute noch wirken würde, aber da sprechen wir von einem Film, der dies nur in einigen Phasen durchblitzen lässt und damit sein löchriges Drehbuch nicht überspielen konnte. „The House Of The Devil“ ist hingegen so stark am Stil des 70er Jahre-Kinos orientiert, dass er auch glatt als ein Film dieser Zeit durchgehen könnte.

Die Zeit zu der er spielt ist eigentlich egal, soll 80er Jahre sein, ist aber nur deshalb eine Erwähnung wert, weil Neuerungen wie Internet und Handyempfang dementsprechend keine Rolle spielen. Auf die Figuren wird viel wert gelegt, eine beunruhigende Atmosphäre liegt ziemlich schnell in der Luft und bricht nicht ab, und es wird auf klassische Zutaten und Übertreibungen des Gruselfilms zurückgegriffen, die Klischee sein müssten, sich aufgrund der respektvollen Herangehensweise aber überhaupt nicht so anfühlen.

West trumpft mit dem was er am besten beherrscht: dem Spannungsaufbau, während Banalitäten im Vordergrund stehen, und das stimmige Vorbereiten auf künftige Ereignisse. Störte es bei „The Innkeepers“ aufgrund der Charakterzeichnung und ironischen Erzählweise nur bedingt, dass das Finale nicht erfüllen konnte, was die Erwartungshaltung hat sehnsüchtig hoffen lassen, so wird der Umbruch in „The House of The Devil“ zu einer richtigen Enttäuschung, ist der Film doch viel ernster angegangen und auch um einiges knisternder erzählt.

Aber schon die Aufbau-Phase ist einen Deu zu lang. Geschahen die ersten interessanten Ereignisse in „The Innkeepers“ gerade rechtzeitig, erwicht man sich als Zuschauer bei „The House Of The Devil“ dabei sich mitten im wohligen Gruselgefühl zu fragen, wann es denn endlich los geht. Nichts gegen hinhalten und erst einmal für die nötige Stimmung sorgen, aber nach einer Stunde wäre es schon an der Zeit gewesen endlich mehr als die stöbernde und ängstliche Hauptakteurin zu zeigen. Der Umbruch auf tatsächliche Geschehnisse kommt somit viel zu spät, soll er doch eigentlich geschehen, wenn der Zuschauer noch mitten drin ist im Mitfiebern um eine ahnungslose Studentin, die weniger weiß als wir selbst.

Kommt es dann doch mal zu den Ereignissen, zu denen eine solche Geschichte zwangsweise einfach irgendwann führen muss, dann stellt sich Ernüchterung ein, fehlt dem Film von da an doch jegliche Suspense, die ihm vorher so viel Stil verliehen hat. Ersetzt wird diese durch nichts ähnlich positives, so dass man Abstand zu der Identifikationsfigur nimmt, mit dieser nicht mehr mitfiebern kann und nur noch neutral zuschaut. Was man sieht ist überraschungsarm, zumal ein Text zu Beginn des Films uns schon auf die richtige Fährte geführt hat. Und am Ende fühlt man sich einfach unbefriedigt unterhalten und irgendwie auch betrogen, fühlt sich der Streifen doch unkomplett an, auch wenn er seine Geschichte eigentlich zu einem Ende führt.

Das intensive Beschäftigen mit eher kurz auftauchenden Figuren führt ins Nichts, weil sie in ihren finalen Taten charakterlos und Aufgrund ihres Glaubens zu distanziert handeln. Der uns über die komplette Laufzeit präsentierte Charakter der Samantha hingegen tut nun etwas, dass man ihm nie zugetraut hätte, auch bezogen auf die Extremsituation in welcher sich die Studentin grad befindet. Somit krankt „The House Of The Devil“ nicht nur an einem überraschungsfreien Finale, er pfeift auch auf alles was ihm vorher wichtig war, und genau das ist es, was ihn ärgerlicher zu gucken macht, als „The Innkeepers“, der ebenfalls zum Ende hin mehr Qualität hätte besitzen können.

Trotz alledem entschädigt die lange Vorbereitungs-Phase des hier besprochenen Streifens für vieles, eben weil es heutzutage nicht mehr üblich ist einen Film so zu erzählen wie geschehen. „The House Of The Devil“ ist in dieser Phase ein Liebhaberstück von einem Film-Fan für Film-Fans. West schien fiel dran zu liegen ein Werk wie dieses realisieren zu dürfen. Schön dass er dafür Geldgeber fand. Andererseits, wenn er es nicht schafft eine solche Geschichte auch bis zum Schluss auf gleichem Niveau zu Ende zu erzählen, dann kann man auch gleich auf die alten Filme zurückgreifen, die tatsächlich in den 70er Jahren entstanden sind. Die gucken sich dank restauriertem Bild auf DVD dann genauso toll und wissen bis zum Schluss zu gefallen, zumindest die gelungenen Kandidaten.

Gute Schauspieler unterstützen zumindest die lange positive Phase des Streifens, der ohne sie nie so intensiv hätte wirken können, auch bei einem solch talentierten Regisseur wie Ti West. Aber es wird deutlich dass noch sehr viel Übungsfläche besteht, bevor West uns tatsächlich einen Meilenstein vorsetzt, der zur entgültigen Empfehlung wird. Deswegen bin ich auch so überrascht so viele positive Worte zu „The House of The Devil“ zu vernehmen, von sehr geschätzten Review-Kollegen, so als sei der hier besprochene Film eine solche Empfehlung geworden. Doch davon ist er trotz seiner Stärken noch weit entfernt. Dass aber auch ein Werk wie Wests Satanisten-Horror neugierig auf zukünftige Filme des Regisseurs macht, ist nicht von der Hand zu weisen.


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Sonntag, 19. Mai 2013

HUSK - ERNTEZEIT! (Husk 2011 Brett Simmons)


Eine Gruppe Jugendlicher wird in einem großen Maisfeld von Vogelscheuchen attackiert...


Scheuche des Zorns...

Sie kommen selten vor, aber sie sind regelmäßige Besucher in Horrorfilmen und von mir immer gerne neugierig gesichtet, die Vogelscheuchen, die meist mit passablem Ergebnis verarbeitet werden, ohne dass je eine wirklich große Empfehlung dabei gewesen wäre. Den Tiefpunkt legte die peinliche „Scarecrow“-Trilogie fest, aber Werke wie „Paratrooper“, „Die Nacht der Vogelscheuche“, „Messengers 2“ und „Night Of The Scarecrow“ können sich sehen lassen ohne gleich zum Geheim-Tipp zu werden. Und in diese Aufzählung reiht sich „Husk - Erntezeit!“ wunderbar mit ein, der auf Spielfilmlänge das erzählt, was Regisseur Simmons 2005 bereits als Kurzfilm verarbeitete, der im original ebenfalls „Husk“ hieß.

So viel musste man auf dem Weg zum Langfilm bei einer Nettospielzeit von 76 Minuten gar nicht aufblähen, aber trotzdem sieht man dem Film seine gestreckte Geschichte an, die scheinbar (ich kenne den Kurzfilm nicht) damit in die Länge gezogen wurde, dass sich die Teenager nicht einig sind und stets einen Grund brauchen ins Feld zu rennen bzw. beim Farmhaus zu bleiben. Ich vermute dies deshalb, weil das Verhalten der Truppe schon an Schwachsinn grenzt, so wenig wie sich über Erlebtes und weitere Informationen ausgetauscht wird und so schlecht wie sie sich als beste Freunde zu kennen scheinen.

Zumindest passt dieses Bild nicht zu einem Film, der ansonsten keine groben Schnitzer macht, die für einen Teen-Horror geradezu typisch währen. Einer der Teenager nervt in der Ausnahme, dies aber nur kurzzeitig, was charakterlich dann aber auch gewollt und kein übler Nebeneffekt ist. Stereotype werden so gut es geht umgangen, so dass z.B. der intellektuelle Jung vom Schachclub und der taffe Sportler in der Gruppe gleichberechtigt sind, sprich keiner den anderen dominiert.

Schön ist auch zu sehen, dass man als Zuschauer mitgrübeln darf welche der Personen das Ende des Films erleben darf. Spätestens wenn nach relativ kurzer Laufzeit das vermutete Final Girl drauf geht, ist man echt am rätseln welche der Figuren bevorzugt wird, zeigt sich doch keinerlei charakterliches Anzeichen dafür, dass da wer schon frühzeitig als Held der Geschichte ausgemacht wird. Zudem wird der Film nicht mit unnötigen Gewalttaten oder reiner Einöde langgestreckt, Simmons ist bemüht um Suspense, um eine dichte Atmosphäre, und auch wenn der Spannungsbogen nie wirkliches Gruselflair erreicht, so ist es doch trotzdem der spannende Grundton des Streifens, der ihn erfreulich von der Masse unterscheidet.

Zu einem guten Film wird ewiges Gerenne durch ein Maisfeld deswegen jedoch noch lange nicht, sonst wäre ja auch so ziemlich jeder Teil der endlosen „Kinder des Zorns“-Reihe eine Empfehlung, und die bot fast nur mittelmäßige Beiträge. Auch das Nähzimmer bzw. das leerstehende Farmhaus wirkt nicht wirklich unheimlich genug um einen ganzen Film zu tragen. Dafür wissen die Vogelscheuchen zu wirken, wenn sie mal deutlicher zu sehen sind, und die besessenen Opfer an der Nähmaschine üben auch ihren eigenen Reiz aus.

Warum nie wieder wer versucht ob er so langsam doch mal wieder Netz auf dem Handy hat, und warum der Hintergrund der Geschichte über ungeklärte Visionen abgearbeitet werden muss, anstatt dies bei einer so kurzen Laufzeit sinniger zu erklären, bleiben die Geheimnisse Brett Simmons, der auch das Drehbuch zu seinem Langfilm-Debut schrieb. Da gibt es also noch genügend Übungsfelder auf dem Weg zu einem besseren Ergebnis. Wer aber nicht zu viel erwartet und im Horror-Genre daheim ist, der wird diesen kleinen, unblutigen Vertreter seiner Zunft sicherlich okay finden.


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JACK UND JILL (Jack And Jill 2011 Dennis Dugan)


Jack empfindet seine Zwillingsschwester Jill als äußerst unangenehm. Bei ihrem jährlichen Besuch zum Erntedankfest verkündet sie, dass sie diesmal länger bleibt. Dies wird zur Bewährungsprobe Jacks, die er jedoch durchsteht, da sich Al Pacino für Jill interessiert, den der Werbefachmann gerne für einen Spot gewinnen würde...


Der doppelte Sandler...

Stars üben sich gerne mal in Doppelrollen, das ist schön und gut und weiß auch meist zu gefallen. Männliche Stars üben sich aber auch gerne mal im Wechsel des Geschlechts, und solche Filme gehen meist nach hinten los. Peter Alexander wirkte bei diesen Versuchen ebenso peinlich wie Robin Williams und Ilja Richter, und diesmal wagt es ausgerechnet Adam Sandler, jener Komiker, dessen Filme man ohnehin schon kritisch beäugt, so unterschiedlich wie sie ausfallen.

Der Mann hat in guten Filmen gespielt, z.B. in „Eine Hochzeit zum Verlieben“, „50 erste Dates“ und „Spiel ohne Regeln“. Gerne sind seine Filme auch Wackelkandidaten, die sich eher anstrengend als belustigend gucken, so wie „Chuck und Larry“, „Die Wutprobe“ und „Leg Dich nicht mit Zohan an“. Leider gehört der gar nicht mal so untalentierte Mann aber auch zu jener Gattung Filmschaffender, die eine hohe Quote an ungenießbaren Stoffen abliefern, so z.B. „Kindsköpfe“, „Mr. Deeds“ und „Billy Madison“. Da darf man schon kritisch werden, wenn jemand mit so unterschiedlich qualitativen Arbeiten eine Frau mimt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Sandler-Filme, auch die gelungenen, fast immer an den selben Störfaktoren kranken: der Schmalz und die Moral. Genau Letztgenanntes wird zum Hauptproblem, wird doch diese Moral aus der von Sandler zelebrierten und immer wieder glorifizierten Political Correctness geerntet und ist damit fragwürdiger Natur, was auch in „Jack und Jill“ der Fall ist, und allein im Finale ein überdeutlicher Vertreter dessen ist, was an diesem Weg falsch, bzw. verlogen ist.

Jill ist ein Trampel, hat es aufgrund ihrer Art im Leben immer sehr schwer gehabt, während ihr Bruder Jack bei allen Menschen gut ankam. Allerdings wird Jill in einer Extreme dargestellt, die sie nicht mehr zum reinen Opfer macht. Vieles an ihrer Lage ist selbstverschuldet, bemüht sie sich doch nicht um Bildung und Empathie, kümmert sich nicht einen Hauch um Stil und Körperpflege, kurzum: das kann man nicht alles gut heißen, wenn kein Wille zur Besserung vorhanden ist.

Den von der Arbeitswelt gestressten und zu Recht von Jill genervten Jack stellt man als reizbaren Egoisten dar, der er sicherlich auch ist, nur dass seine negativen Seiten als schlecht angesehen werden und kuriert werden müssen, wohingegen Jill nach politisch korrektem Sandler-Konzept bleiben darf wie sie ist, denn Nettigkeit ersetzt ja jedes Makel. Ihre Form von Egoismus darf erhalten bleiben, Jack muss sich wandeln, und so sind am Ende des Films alle glücklich, alle außer jene Zuschauer, die ein Sozialempfinden und ein Verständnis für Psychologie haben. Die dürfen sich zurecht verarscht vorkommen und grübeln welch zweifelhafte Richtung im amerikanischen Kino propagiert wird.

Und mittendrin erleben wir Al Pacino in einem Film, der weit unter seiner Würde ist. Aber Al ist es auch der dem Werk die nötige Note beschert um wenigstens nicht genervt frühzeitig auszuschalten. Zwar ist seine Zuneigung zu Jill nicht gerade glaubwürdig herausgearbeitet, aber die Art und Weise mit welcher er sich als selbstverliebter Star selbst verarscht hat schon seine guten Momente. Zu denen zählen im übrigen auch der finale Werbespot, der Al absichtlich von einer völlig würdelosen Seite zeigt und nach Ende der Reklame in einem guten Schluss-Gag mündet.

Auch Sandler ist nicht völlig fehl am Platz. Seine Rolle als Jack kennen wir zu genüge aus „Klick“ und Co, aber seine Jill hat einige wenige überraschend geglückte Momente. Davon hätte es mehr gegeben, wenn der Film nicht so penetrant Jill-fixiert wäre und das Drehbuch mehr gelungene Gags um sie herumwehen lassen würde. Aber wirksame Witze kann man in „Jack und Jill“ ohnehin an einer Hand abzählen. Zu den gelungenen zählt definitiv die Suche nach einem geeigneten Kleid, wenn Jack seine Schwester imitieren muss.

Sandler-Fans, die alles fressen und nicht verstehen was an seiner ewig gepredigten Moral falsch sein soll, werden sicherlich bestens unterhalten. Und ein wirklicher Rohrkrepierer ist der Film auch nicht geworden. Aber um zu gefallen ist „Jack und Jill“ einfach zu anstrengend ausgefallen. Mit Blick auf den Hausregisseur Sandlers, Dennis Dugan, braucht das jedoch nicht mehr verwundern. Außer „Happy Gilmore“ hat er noch keinen einzigen kompromisslos unterhaltsamen Film abgeliefert, zumindest keinen den ich kenne.


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Samstag, 18. Mai 2013

INVASION DER BIENENMÄDCHEN (Invasion Of The Bee Girls 1973 Denis Sanders)


Immer mehr gesunde Männer verlieren ihr Leben während des Beischlafs durch Herzversagen. Da kann doch etwas nicht stimmen, denkt sich Agent Agar und forscht nach...


Heiße Bienen und schlaffe Bullen...

In den 70er Jahren konnte die in den 50er Jahren so beliebte Thematik der Insektenmenschen a la „Die Fliege“ und „Die Wespenfrau“ schon nicht mehr so klassisch umgesetzt werden wie seinerzeit. Auf skurrile Kostüme verzichtete man komplett, und eine reine Monster-Show sollte „Invasion der Bienenmädchen“ auch nicht werden. Allerdings ging es hierbei nicht um Fremdschämen alter Werke und dem Wunsch etwas niveauvolleres abzuliefern. Das Thema sollte noch immer Thema jenseits des Mainstreams bleiben und noch mehr in den cineastischen Underground-Bereich hineinrutschen als ohnehin schon. Denn der Film sollte sexy sein, weshalb es nicht schwer ist zu erraten, warum die Mädels gerade zu Bienen werden mussten.

Wie das so ist, wenn Sex und Horror aufeinanderstoßen, wird das Ergebnis höchst trashig. Trashig genug um die Aufmerksamkeit des Fernsehsenders Arte auf sich zu ziehen für die legendäre Trash-Reihe, die für mich unverständlicher Weise noch keinen Weg auf DVD gefunden hat. Gerade wegen Filme wie „Invasion der Bienenmädchen“ oder auch wegen „Auch Marsmenschen haben Hunger“ wäre der Weg von Arte ins DVD-Geschäft wünschenswert, sind beides doch Werke die ansonsten keine deutsche Veröffentlichung erfahren haben. Deswegen darf man beide auch im Originalton mit deutschen Untertiteln genießen. Das gibt solchen Werken noch mal ein ganz besonderes Flaire.

Außerhalb von nackter Haut, von der es in Amerika immer wenig zu sehen gibt, im Underground-Bereich der späten 60er und frühen 70er Jahre aber um so mehr, verzichtet Regisseur Denis Sanders, für den „Invasion der Bienenmädchen“ die letzte Tätigkeit nach 15 Jahren Regieerfahrung war und der uns u.a. den Film „Der Mörder mit der Gartenschere“ beschert hat (nettes Wortspiel, kicher), auf jeglichen Sehwert. Mehr als schwarze Augen werden den Bienenmädchen als äußere Verwandlung nie beschert. Meist verzichtet man aber selbst auf diese und lässt sie mit Sonnenbrillen bekleidet umher laufen. Aber solch simple Elemente geben dem fertigen Film bereits ihren besonderen Touch.

Glücklicher Weise wird über die Laufzeit gesehen nicht zu viel rumgefummelt. Dies wird nur in einer einzigen Szene etwas übertrieben, von der man sich erhofft sie ende mit der (Teil-)Verwandlung der Sexualpartnerin, was jedoch nie geschieht und die Szene um so ärgerlicher werden lässt. Da sie zudem im Mittelteil stattfindet, jene Phase in welcher der Film ein wenig auf der Stelle tritt, könnte sie ungünstiger nicht gesetzt sein.

Das macht diese kleine Perle des schlechten Films jedoch nicht wirklich kaputt, sondern lediglich etwas schwierig zu verdauen. Ansonsten darf man der Musik der 70er Jahre lauschen, die Optik dieser Zeit einatmen und bekommt dabei das Gefühl diese fast noch einmal mitleben zu dürfen. Keine Angst vor AIDS, bereit den letzten Stuss zu erzählen, und alle reden sie nur übers Bumsen, selbst die Konservativen. Ja so haben sich die Hippies die Welt schön geredet und vielleicht sogar ganz naiv gehofft, dass es so werden würde.

Es ist schön zu bebachten wie unverkrampft und gleichzeitig unaufdringlich „Invasion Of The Bee Girls“ (Originaltitel) daher kommt, zumal sich Regisseur Sanders nie von dem abbringen lässt, was er gerade erzählen will. Und das ist nie konstant das gleiche. Mal kippt der Film Richtung Krimi, dann hat er wieder mehr von Science Fiction und Horror, während er in anderen Momenten fast zum reinen Erotikfilm mutiert. Die Hintergründe der „Invasion“ interessieren dabei so gut wie gar nicht. Und gäbe es nicht hin und wieder ein Summen zu hören und Szenen zu sehen, in welchen wir die Welt aus den Augen der Mutanten sehen, man könnte meinen der Titel „Invasion der Bienenmädchen“ wäre ein Spoiler, arbeitet doch alles im Film auf das Lüften eines Geheimnisses hin, das im Titel bereits verraten wird.

Eine solche Herangehensweise beweist, dass es den Verantwortlichen des Streifens keineswegs um die vordergründige Geschichte geht. Ein aufgedecktes Rätsel das für den Zuschauer keines ist, und das diese Tatsache nicht einmal dazu nutzt den Helden in eine Falle tappen zu lassen, da muss man nicht Sherlock sein, um zu erraten dass ein solches Werk rein der Provokation und des reißerischen Effekts wegen gedreht wurde. Endlich durften Titten im Kino gezeigt werden. Und wenn‘s noch eine dusselige Science-Fiction-Geschichte drum herum gibt, dann ist man als Zuschauer des geringen Anspruchs gerne dabei, zumal „Graveyard Tramps“ (Alternativtitel) sich nie als reiner Nudistenfilm wie „Nude On The Moon“ oder „The Beast That Killed Women“ guckt, sondern die Genres des phantastischen Filmbereichs nicht nur als Ausrede nutzt.

Doch so wenig Sanders es auch gewollt hat, ein wenig mehr hineininterpretieren als die reine Lust am Gewagten kann man in diesen Streifen schon, spielt doch auch er mit der Angst der Männer ihre Rolle in einer Welt der Emanzipation zu verlieren. Das begann bereits auf biederem Weg in den 50er Jahren mit Werken wie „The Astounding She Monster“, aber nun, in jener Phase als auch das weibliche Geschlecht frei seine Sexualität auslebte und sich Geschlechtspartner autonom selbst aussuchte und nicht mehr nur den ehelichen Pflichten nachkam, da stieg die unterschwellige Angst um so mehr, die heute noch manche Verschwörungstheoretiker vermuten lassen, dass die Welt der Zukunft keine Männer mehr benötigen wird und wir in einer Art Übergangszeit leben.

Der Mann dient nur noch der Fortpflanzung wegen. Die Zügel haben von nun an die Frauen in der Hand (hatten sie eigentlich immer und jederzeit, aber jetzt auch offiziell). Und dem Sex folgt der Tod - freilich nur für die Männer. Sicherlich ist vieles Auslegungssache. Ein Freund von mir frotzelte nach dem Sichten, dass die Botschaft auch heißen könnte Frauen haben in der Wissenschaft nichts zu suchen, scheitert die Invasion doch an ihnen selbst. Doch im Gegensatz zu dieser lustig gemeinten Provokation ist die Position des Mannes und seiner Ängste in „Invasion der Bienenmädchen“ überaus deutlich zu erkennen.

Der Schluss beschert uns nach einem relativ ereignislosen und recht schnellen Abschluss der Hauptgeschichte eine Sequenz, die jeder für sich selbst interpretieren muss. Der Film an sich lässt schon viele Fragen offen, aber die letzte Szene wirft auch noch die ein oder andere auf. Ist der Spiegel im Schlafzimmer nur ein augenzwinkerndes Gimmick oder der Hinweis auf ein überlebendes Bienenmädchen? Das muss jeder für sich selbst beantworten, und wenn er dies auch wirklich tut, was sicherlich die wenigsten machen, dann wird er auch im richtigen Film gesessen haben. Denn dann gehört man zum Zielpublikum, das sich für diesen Schwachsinn tatsächlich interessieren und vielleicht sogar begeistern konnte, während der Rest der Welt die Nase rümpfte. Dass ich als Trash-Fan zu den Erstgenannten zähle, dürfte aber wohl jedem Stammleser klar sein.


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DIE WESPENFRAU (The Wasp Woman 1959 Roger Corman)


Der Wissenschaftler Dr. Zinthrop forscht für einen Kosmetikkonzern nach einem Mittel aus Extrakten der Wespe zur Verjüngung von Menschen. Als Versuchstier bietet sich die Konzernleitung Janice Starlin höchst persönlich an, die einst zu Werbezwecken das Aushängeschild ihrer Firma war, bevor sie dafür zu alt wurde. Allerdings hält die Frau sich nicht an die Anweisungen des Forschers und erhöht die Dosis der Verjüngungskur eigenmächtig. Als böser Nebeneffekt verwandelt sie sich von nun an hin und wieder in eine Wespenfrau, die nach und nach ihre Angestellten dezimiert...


Schönheit liegt im Facettenauge des Betrachters...

Es war gerade mal ein Jahr her, dass der professionell produzierte Monsterfilm „Die Fliege“ mit Vincent Price im Gepäck erfolgreich in den Kinos lief, da erschien im Jahr dessen Fortsetzung „Die Rückkehr der Fliege“ Roger Cormans Antwort „Die Wespenfrau“. Corman war schon zu dieser Zeit fleißig im B-Film-Bereich tätig, drehte seit gerade mal 4 Jahren und konnte trotzdem schon auf über 20 Regiearbeiten zurück blicken, darunter Werke wie „Attack Of The Giant Leeches“, „Teenage Caveman“ und „It Conquered The World“.

„The Wasp Woman“ (Originaltitel) war mit dem erfolgreichen „Die Fliege“ freilich gar nicht fair vergleichbar, wurde Cormans Film doch mit einem minimalen Budget fertiggestellt, was man ihm auch jede Sekunde ansieht. Außerdem waren die Ziele plumperer Natur. Immerhin wusste das Vorbild über den Dramenbereich zu trumpfen, während die Geschichte der Wespenfrau wie ein Elefant durch den Porzellanladen poltert, so sehr war man um den reißerischen Effekt bemüht.

Wo andere Werke des berüchtigten Billigfilmers noch sympathische, wenn auch kostengünstige, Kostüme zu bieten hatten, da haut „Die Wespenfrau“ in die Vollen und präsentiert uns ein plump zusammengestelltes Konzept aus unansehnlichen Einzelteilen, die am Ende so etwas wie eine Insektenfrau darstellen sollen und dabei am ehesten noch das optische Ergebnis einer Fliege erreichen. Mit ein paar ollen Handschuhen bekleidet und einer idiotisch wirkenden Facettenaugen-Maske tappst die Hauptdarstellerin in einem peinlichen Kostüm umher, was schon seinerzeit nur für Lacher gesorgt haben kann.

Die Musik, die in solchen Momenten ertönt, lässt jedoch vermuten dass Corman sich dessen bewusst war, ist sie doch recht belustigend komponiert und erinnert dabei an den späteren Soundtrack zu „Colossus“. Zumindest passt die damals so typische imposante Musik zur reißerischen Art des Corman-Films viel mehr als zu sentimentaleren Werken wie „Die Fliege“. Während das Titellied eher ein unangenehmerer Vertreter seiner Gattung ist, weiß der restliche Hintergrundsound des hier besprochenen Streifens wesentlich besser zu gefallen.

Im Gegensatz zu der Neuverfilmung „Forbidden Beauty“ von 1995 weiß das Original „Die Wespenfrau“ trotz aller Defizite zu begeistern, ist er doch genau jene Art früh erschienender Monsterfilm, der auch heute noch zu unterhalten weiß. Langeweiler gab es schon damals genug, und obwohl die Wespenfrau erst spät in Erscheinung tritt und andere quantitative Sehwerte bis dahin kaum geboten werden, ist „Die Wespenfrau“ stets interessant erzählt und lässt sich trotz plumper Motivation Zeit für die Geschichte.

Dabei geht es nie um das Langstrecken der Laufzeit, zumindest fällt dies nicht als solches auf, weswegen man „Die Wespenfrau“ tatsächlich als eines der besseren Frühwerke Cormans bezeichnen kann, eben weil einfach die Chemie zu stimmen weiß. Das Thema um die Eitelkeit einer Frau ist ein zeitloses, leichte Verwandtschaft zu Klassikern wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ sind vorhanden, und mit den Augen von heute erfreut ein nostalgischer Blick auf die Arbeitswelt von einst, die noch menschlich orientiert war. Freilich ist das Drehbuch diesbezüglich etwas arg naiv, immerhin überschreiten Mitarbeiter ihre Kompetenzen sehr extrem, und das hier gezeigte Arbeitsklima passt eher zu einem Kleinbetrieb als zu einem ehemals marktführenden Großunternehmen, aber heute ist diese Art des Miteinander auch mit kleinen Abstrichen kaum mehr vorstellbar.

Wirklich abheben von der Konkurrenz tut sich der Film jedoch in seiner Herangehensweise mit der berühmten Mad Scientist-Thematik. Letztendlich ist der Bösewicht des Streifens diesmal nicht der Forscher mit seinem an Wahnsinn nahendem Eifer, sondern die Frau mit ihrer an Wahnsinn nahendem Eitelkeit. Das macht sie in den Momenten, in welchen sie ein Insekt ist, auch zu einem wirksameren Monster als ihr Kostüm zulassen will, denn die reine Opferrolle hätte nicht überzeugt. Lustig dass der Wissenschaftler trotzdem nach alten Genre-Regeln sterben muss, auch wenn das im hier angewandten Erzählkonzept überhaupt keinen Sinn ergibt - Corman halt!

Die in Deutschland erschienende DVD enthält lediglich den Originalton mit (gut leserlichen) deutschen Untertiteln. Erstaunlicher Weise ist der Film jedoch laut OFDb.de gar nicht die erste deutsche Veröffentlichung, was bei all den damaligen Perlen die es nicht hier her geschafft haben („The Black Scorpion“, „Invasion Of The Saucermen“, ...) gar nicht verwundert hätte. Ende der 70er jahre soll der Film bereits auf WDR gelaufen sein, und da würde es mich schon wundern, wenn es keine Deutschvertonung gegeben hätte. Wo ist diese also abgeblieben?

Eigentlich ist es jedoch egal, bin ich doch einfach froh, dass solche Trashperlen überhaupt ihren Weg auf den heimischen DVD-Markt finden, und da ist mir ein deutscher Untertitel immer noch lieber als die Wegwerf-Synchronisationen eines „Blood Cult“ oder „Day X - Outbreak Of The Zombies“. Cormans Antwort auf „Die Fliege“ ist jedenfalls ein nettes, kleines, nostalgisches Monsterfilmchen, das zwar kein nennenswertes Kostüm präsentiert, aber dafür eine kurzweilige Geschichte. Dass diese keinerlei Überraschungen bietet dürfte klar sein und ist dem Trash-Fan in der Regel sowieso egal.


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Donnerstag, 16. Mai 2013

THE COLLECTION - THE COLLECTOR 2 (The Collection 2012 Marcus Dunstan)


Arkin kann dem Collector entkommen und führt einen Trupp Söldner in das geheime Versteck des Sammlers. Denn die werden von einem reichen Papa dafür bezahlt sein Töchterchen aus den Klauen des irren Sadisten zu befreien. Arkin ist damit  unfreiwilliger Weise schon wieder gefangen am Ort vergangener Qualen...


Saw 8 - Körperwelten...

Das spannende Etwas namens „The Collector“, das Marcus Dunstan 2009 als sein Regie-Debut ablieferte, wurde ursprünglich als Prequel für die „Saw“-Reihe konzipiert, für welche Dunstan als Drehbuch-Autor gelegentlich tätig war. Den Grund kenne ich nicht, aber von der Idee wurde abgelassen, um einen unabhängigen Film zu gestalten, der, laut einer mir noch unsicheren Quelle, der Beginn einer geplanten Trilogie werden sollte. Schaut man sich den Slasher von Dunstan an, erinnert jedoch nur die Gewaltbereitschaft des Streifens an das Torture Porn-Genre, wie „Saw“, „Hostel“ und Co lieblos von vielerlei Menschen genannt wird.

Nicht dass man sich die Geschichte nicht auch durchaus als die Vorgeschichte Jigsaws vorstellen könnte, aber eine spannende Umsetzung mixte den klassischen Slasher mit dem modernen, bluttriefenden Folterfilm der 00er Jahre, was aufgrund des gebotenen Nervenkitzels von jeglicher „Saw"-Verwandtschaft ablenkte und einen trotz diverser Logiklücken gut unterhalten zurück ließ.

Schaut man sich die hier besprochene Fortsetzung an, ist nicht mehr viel übrig geblieben von den Slasher-Motiven, die „The Collector“ so großartig machten. Nun sind wir mittendrin im „Saw“-Universum, im Paradies für Freunde voyeuristischer Bluttaten in sinnloser Geschichte. Oh, was sollte sich Dunstan schämen, wenn es um die Logik der Fortsetzung geht. Wie erwähnt hatte Teil 1 auch hier einige Schwächen, aber der Schwerpunkt, das Katz- und Mausspiel zwischen Arkin und dem Collector, war clever und nachvollziehbar erzählt, ganz im Gegenteil zu dem Stuss, den man uns hier als dünne Geschichte vorlegt.

Dabei ärgert Teil 2 nicht nur mit klassischen Logiklücken wie der Frage, warum der Sammler im verlassenen Hotel so lange unentdeckt so laute Folterspielchen begehen konnte, und warum er am Ort seiner Muße so viele Fallen aufgestellt hat, sondern auch mit so aufdringlichen und offensichtlichen Lücken wie der Frage, warum Arkin den Weg zum Sammler den Söldnern offenbart und nicht der Polizei, sowie manch ähnlichem Irrsinn.

Mit viel Wohlwollen kann man auch darüber hinwegsehen, aber dann bleiben noch immer jene Fehler, die im Widerspruch zu Teil 1 stehen, eine besonders ärgerliche Gattung, erst recht da wir es hier inhaltlich mit einer direkten Fortsetzung des Originals zu tun haben. Arkins Tochter wird gar nicht mehr erwähnt, die Frau lebt noch und scheint auch keinerlei Probleme mehr mit Kredithaien zu haben. Arkin läuft nach sehr kurzer Genesung nur noch mit gebrochenem Arm herum und wird noch mehr zum Übermenschen als in Teil 1, wenn es darum geht was er alles aushält und auf sich nimmt und in welchem Zustand er es noch immer schafft dem Sammler die Stirn zu bieten. Da nähern wir uns schon Arnis Fähigkeiten in „Phantomkommando“.

Zudem ergibt die Geschichte zu keinem Augenblick so etwas wie einen Sinn, und in die Hintergründe des Sammlers wird man auch (noch) nicht eingeweiht, weder was die Gewaltbereitschaft des Irren betrifft, noch seinen Antrieb und Auslöser. Immerhin hat das Erzählte nun auch etwas mehr mit dem Begriff Sammlung zu tun, da hatte der Mangel an Zusammenhang mit Titel und Aufhänger dem Original als Einzelstück eine etwas große Lücke hinterlassen, die sich nun als Teil einer Reihe zu schließen beginnt.

Ein weiterer Pluspunkt ist das Ende, das einen im Falle einer tatsächlichen Trilogie nun rätseln lässt, was der abschließende Teil wohl nun erzählen wird, überrascht das Finale doch mit einigen interessanten Wendungen, auch wenn viel davon dem Rest des bisher Erzählten widerspricht. Aber das ist zu Beginn von Teil 2 ja nicht viel anders, wenn man bedenkt wie leicht Arkin dem Sammler entkommen konnte, im Vergleich zum ersten Opfer aus Teil 1, auf welches Arkin später im Haus stößt. War der noch auf bestialischste Weise an die Kiste gekettet, so befreit sich Arkin zu Beginn von Teil 2 gerade mal aus Handschellen, eingesperrt in einer ähnlichen Kiste.

Was sich nun harmloser liest trifft jedoch keinesfalls für den Gesamtfilm zu. Die Uncut-Fassung ist mindestens genauso hart wie der Vorgänger, und geht wie schon „Saw“ immer dann über das Erträgliche hinaus, wenn nachvollziehbare Dinge mit den Opfern geschehen. Mag die Standard-Vorgehensweise des Sammlers auch extrem sein und jegliche Vorstellung sprengen, das absichtliche Brechen eines Armes und das anschließende Einrenken tut dem Zuschauer wesentlich mehr weh, als jegliche abgedrehte Folter, die den Collector zu einem der krankesten Gestalten am Horrorfilm-Himmel werden lässt, und das muss bei der Konkurrenz schon was bedeuten.

Während Liebhaber spannender Unterhaltung auch jenseits des voyeuristischen Folterkinos in „The Collector“ willkommen geheißen wurden, ist die Fortsetzung nun nur noch etwas für „Saw“-Jünger, und selbst die sind in Sachen Logikbruch weniger gewohnt, als „The Collection“ uns zuzumuten weiß. Trotz all dieser Abzüge und lediglich quantitativen Sehwerte, ist die Fortsetzung jedoch kurzweilige, geistfreie Unterhaltung, die bei einer Nettolaufzeit von unter 80 Minuten flott inszeniert ist und niedrige cineastische Bedürfnisse durchaus geglückt zu stillen weiß.

Da vereint sich der Blutgehalt des Folterfilms mit manch einfallsreich perversen Ideen (z.B. der bizarre Massenmord auf einer Party, der Rasenmäher-“Braindead“-Qualitäten aufweist), während die Heldin des Streifens immer sexy durchs Bild läuft, gerne auch nach vorne gebeugt, damit man etwas Blick auf ihre Oberweite erhaschen kann, ohne dass sie sich aus irgend einem Grund nackt machen muss. Und der Actiongehalt ist auch nicht ohne, was nicht schwierig ist, wenn man sich inhaltlich fortsetzungstypisch an den Erfolgen von „Aliens - Die Rückkehr“ und „Cold Prey 2“ orientiert, auch wenn ich die Vorgehensweise Thrill in der Fortsetzung durch Action zu ersetzen noch nie nachvollziehen konnte.

Im Falle von „The Collection“ ist es noch eine Spur trauriger, zeigt doch auch dieses simple Stück Film, das sich trotz der Defizite keineswegs unangenehm gucken ließ, dass Dunstan durchaus Talent besitzt, wenn es um die Gesamtleitung eines Filmes geht und um die erzählerische Kraft. Da ist es schon schade, dass er sein Talent dem eher plumpen Bereich des Horrorfilms schenkt, anstatt auf den Stärken des ersten Teils aufzubauen, die ihn zu einer neuen Hoffnung für den modernen Horrorfilm hätten werden lassen können, so toll wie er auf den Nerven des Zuschauers gespielt hat.

„The Collection“ macht deutlich, dass sein selbst gewählter Weg ein anderer ist, und da wird er sicher noch den ein oder anderen brauchbaren Film abliefern, aber zu einer Legende wie John Carpenter und Wes Craven wird man damit wohl kaum werden, eine Möglichkeit die sich bei anderer Orientierung durchaus hätte ergeben können, rein spekulativ betrachtet.


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Montag, 13. Mai 2013

TROLL HUNTER (Trolljegeren 2010 André Ovredal)


Studenten begleiten mit ihrer Doku-Ausrüstung einen Wilderer, der von sich behauptet ein Troll-Jäger zu sein. Recht schnell müssen sie einsehen, dass der Mann keineswegs lügt...


Strom im Kreis...

Trolle, werden viele denken, die jagen einem doch heutzutage keine Angst mehr ein. Und wer so denkt soll recht behalten, deshalb ist es auch gut, dass Regie-Debutant André Ovredal seinen Found Footage-Streifen zu Beginn zwar wie eine norwegische „Blair Witch Project“-Variante ohne Hexen einleitet, so richtig mit Spannungsaufbau und vielen dunklen Momenten im Wald, nach der ersten Trollbegegnung aber von diesem Weg abweicht, um eine Art Fantasy-Abenteuergeschichte zu erzählen. Der Horror funkelt nur noch in zweiter oder dritter Reihe durch, und der Ablauf der Geschichte geht dementsprechend anders vonstatten als in Konkurrenzprodukten.

Ein wenig zeigt Ovredal uns damit den Stinkefinger, hatte wohl jeder trotz (?) der Troll-Thematik bei dieser Art Film mit einem Beitrag des Horror-Genres gerechnet. Zumindest kann man diesen Eindruck bekommen, ist doch gerade der erste Troll das am wenigsten unheimliche Viech des Streifens, weswegen man zunächst nicht weiß, ob man es hier mit einem arg naiven Filmemacher zu tun hat, dessen Werk zum unfreiwillig komischen Trash wird oder eben nicht. Kurz darauf ist man schlauer.

Die für einen Found Footage-Film ungewöhnliche Laufzeit von über 100 Minuten wird keinesfalls langweilig, wenn der Nervenkitzel eines „Paranormal Activity“ oder wenigstens der Actiongehalt eines „Cloverfield“ fehlt. Denn nachdem das Doku-Team, bestehend aus drei Studenten, in die Existenz von Trollen eingeweiht ist, stellen sich für sie vielerlei Fragen, die sie je nach Filmphase in der Theorie oder in der Praxis beantwortet bekommen sollen. Ovredal möchte seine völlig unrealistische Geschichte nun möglichst glaubwürdig präsentieren, eröffnet uns eine Geheimhaltungs-Verschwörung der norwegischen Regierung, und simsalabim, der ganze Humbug weiß zu funktionieren, wenn der gute Trolljäger auf alles eine Antwort hat und gesehen mit seinen erfahrenen Augen vieles anders ist, als es für den Laien nach außen scheint.

Das ist schon ein Kunststück für sich, orientiert sich der Film schließlich nicht nur an Trolle die mehrere Meter hoch sind, sondern auch noch an Regeln aus den Märchen, in welchen sich das Viechzeug bei Licht in Stein verwandelt oder gar explodiert. Auch hierauf hat „Troll Hunter“ immer eine Pseudo-wissenschaftliche Antwort parat, die für den kurzen Augenblick in Kombination mit anderen gelüfteten Geheimnissen halbwegs glaubwürdig klingen. Hut ab!

Eine für Norwegenverhältnisse recht gute Computeranimation versucht ihr bestes diese Glaubwürdigkeit auch optisch zu unterstützen, aber so gut die Viecher auch animiert sind, zu oft sehen sie dann doch zu niedlich aus um uns wirklich täuschen zu können. In einem Massenauftritt in einer Höhle hat man gar den Eindruck, Jim Henson würde nun ein paar Monster-Muppets Einlass gewähren, so putzig sieht das ganze aus. Den einzig wirksamen Horror-Troll hebt sich Ovredal jedoch sowieso für das Finale auf, also ist das ganze auch irgendwie Absicht.

An sich sind die Trolle aber professionell animiert. Einzig wirklich negativ, da von den Bewegungen her unrealistisch, wirkt die Animation des Trolljägers, wenn er von dem von ihm aufgelauerten Vieh in seinem Schutzanzug durch die Luft geschleudert wird. Wo schnelle Bewegungen der Trolle stets an echten Bewegungen orientiert sind, wirkt der durch die Luft fliegende Körper, als ob er physikalischen Gesetzen ein wenig trotzen würde.

An solchen Kleinigkeiten braucht man sich jedoch nicht aufhängen, zumal „Trollhunter“ (Alternativtitel) kein reiner Special Effect-Movie geworden ist, sondern durchaus eine Geschichte erzählen will. Diese mag für den nimmersatten Action-Freak etwas geschwätzig ausgefallen sein, aber gerade das ständige Reden über die Gesetzmäßigkeiten der Trolle, über die Versuche der Regierung sie unter Kontrolle zu halten und die Gesellschaft zu täuschen, gehören meiner Meinung nach zu den Stärken des Filmes, dessen Geschichte man trotz großer Bemühungen Ovredals nie vollständig ernst nehmen kann.

Dessen ist sich der Regie-Neuling jedoch bewusst, beschert seinem Werk deshalb aber keineswegs einen ironischen Touch, sondern will uns viel mehr darin entführen sich einfach mal wieder der kindlichen Phantasie hinzugeben, jedoch auf erwachsene Art, die für alles irgendwelche Antworten benötigt. Auf alles gibt es diese aber nun doch nicht, aber das betrifft die Troll-Thematik nur gestreift und trifft auf Bereiche zu, die meiner Meinung nach auch ruhig Geheimnisse sein dürfen. So wird z.B. nie geklärt warum Trolle besonders stark auf Christen reagieren und ob das eine Bestätigung des Christenglaubens ist oder anderer Natur ist. Auch die Frage ob Moslems ähnlich gefährdet sind als Christen wird keineswegs zwischen den Zeilen in aller Stille beantwortet.

Viel wichtiger ist jedoch die Frage, die recht schnell im Raum steht und die Geschichte bis zu einem gewissen Teil beeinflusst: weshalb weiht der Trolljäger das Doku-Team in etwas ein, das seit Ewigkeiten geheimgehalten wird? Seine kurze Antwort zu Beginn, er wolle etwas gegen die klägliche Bezahlung und fragwürdige Behandlung seiner Berufsgattung unternehmen, wirkt nicht nur lückenhaft, sondern auch eher wie eine Ausrede, zumal sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass er der einzige Trolljäger Norwegens ist. Schweben die Doku-Filmer auch außerhalb der Trollattacken in Gefahr? Ist der erst auf dem dritten Blick sozial wirkende Trolljäger überhaupt so nett und selbstlos wie es scheint? Oder liefert er die Crew irgendwann seinem Arbeitgeber aus, der wie verrückt hinter den Aufnahmen her ist und keinesfalls gut heißt, was der Trolljäger da zulässt?

Zwar ist schnell klar, dass auch dieser Film seine Geschichte auf typischen Found Footage-Spuren schließt, aber diese Fragen im Hinterkopf lassen einen dennoch neugierig dran bleiben, wenn das an sich vorhersehbare Finale naht. Je näher dies rückt, desto unwahrscheinlicher wird ein bösartiger Hintergedanke des Jägers jedoch, offenbaren sich im Laufe der Spielzeit doch immer mehr die Schattenseiten seines Berufes, auch wenn der Interviewer irgendwann idealisiert von einer Art Superhelden spricht. Sich selbst betrachtet der gute Mann eher als Müllentsorger. Ein kleiner Restzweifel über seine Beweggründe bleibt dennoch, was das Finale ein wenig schmackhafter macht.

Das ist auch ganz gut so, denn a) weiß ein übergroßer Troll zwar zu begeistern, einen Abenteuerfilm aber nicht einzig durch seine übermäßige Präsenz aufzufangen, und b) führt die Art der kompletten Erzählung nicht zwangsweise zu einer finalen Situation hin. Dafür wurde eigentlich zu viel geredet und könnte man eigentlich noch viel länger dem Jäger auf seiner Tour begleiten um immer wieder erstaunliche Tatsachen hinter dem Vorhang der Verschwörung aufzudecken. Irgendwann muss jedoch mal Schluss sein, aber eben nicht wegen einem abgerundeten roten Faden, sondern einfach damit der Film einmal endet.

Spätestens dies dürfte manchem Freund des Genres nicht schmecken. Erst wird einem kein Grusel beschert, ja nicht einmal ein fortlaufender Spannungsbogen, und dann plätschert die Geschichte auch noch nur vor sich hin, ohne einem wahrhaftigen Ende entgegen zu fließen!

Aber so wird nur jener Teil Zuschauer denken, für den „Trolljegeren“ (Originaltitel) gar nicht gedacht ist. Denn Ovredals Werk zieht seine Pluspunkte gar nicht aus dem Vordergründigen, sondern aus dem Spaß der Erfahrung, der Forschung und des Abenteuers, aus dem fantastischen Bereich ebenso wie aus dem natürlichen! Der bizarre Mix macht das Sehvergnügen aus. Und um hier möglichst glaubwürdig und authentisch zu sein, werden oben angerissene Kritikpunkte gar zu den Stärken des Streifens. Das ist einfach so. Mag „Troll Hunter“ auch der letzte Pfiff zum wirklich guten Werk fehlen, ich kann neugierigen und aufgeschlossenen Filmfreunden mit Hang sich auch mal einer naiven Geschichte hinzugeben durchaus eine Empfehlung aussprechen. Aber Vorsicht! Mir hat auch „The Happening“ gefallen.


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Sonntag, 12. Mai 2013

DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN (La notte che Evelyn usci dalla tomba 1971 Emilio Miraglia)


Lord Cunningham lockt Frauen in sein Schloss, um diese zu misshandeln und schließlich zu töten. So verarbeitet er den Tod seiner geliebten Frau. Um wieder zurück zur Normalität zu kehren, beschließt er erneut zu heiraten. Eine Braut ist schnell gefunden, doch Erscheinungen seiner toten Frau sorgen für Unruhe auf dem Schloss. Spukt es oder spielt hier wer ein linkes Spiel?...


Aus der Grotte der grottig langweiligen Filme...

Erotik und Horror ist immer so eine Kombination, die es schwer hat. Italien schmiss einen in den 70er und 80er Jahren zu mit schnell heruntergedrehten Werken dieser Rezeptur, doch 1971, zur Zeit als „Die Grotte der vergessenen Leichen“ auf die große Leinwand kam, da war eine solche Umsetzung noch relativ neu. Die Zeit der gewalttätigen Genre-Beiträge stand noch bevor, und da klingt ein Film wie der hier besprochene doch recht revolutionär und individuell.

Mag sein, dass er das damals war. Aber mir kann er nur ein heiteres Gähnen entlocken, nervt er zunächst doch mit peinlichen Foltereinlagen und nackter Haut, bevor er im Mittelteil immer mehr in die Belanglosigkeit abrutscht, bis schließlich zum Finale hin endlich mal wirklich erzählenswerte Dinge geschehen. Zu sehr wiederholen sich Storyfragmente und zu wenig passiert in der Zwischenzeit, um „Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam“ (Alternativtitel) auch nur Ansatzweise interessant finden zu können.

Miraglia geht seine Geschichte schon recht ernstnehmend an. Die voyeuristische Seite spielt er nie ganz aus, gerade was blutige Momente betrifft, die rückblickend sehr harmlos ausfallen. Reißerische Momente umgeht er zwar nicht, aber die Figuren und die Entwicklung der Geschichte sind ihm sehr wichtig. Da aber die Psychologie in italienischen Billigfilmchen immer aus dem letzten Loch pfeifen und Filme in der Regel damit unglaubwürdig und lächerlich werden, bedarf es eben der Quantitäten, um Schund zu unterhaltsamen Schund werden zu lassen. Wem Talent fehlt, der kann nun mal nicht Shakespeare verfilmen. Und wer ähnliches versucht und mit Titten anreichert, der kann nur scheitern, zumindest dann wenn das Ergebnis so öde ausfällt wie im hier vorliegenden Fall.

Regisseur Miraglia hat in seinem Leben nicht viele Filme fertiggestellt, und dem hier besprochenen folgten nur noch zwei weitere, bevor er in Regie-Rente ging. Würde das unmotivierte Drehbuch ihm nicht so im Weg stehen, hätte er sicherlich recht anständige Arbeit leisten können, ist „La notte che Evelyn uscì dalla tomba“ (Original) doch recht ordentlich inszeniert, und hilfreich standen ihm auch die für Italienverhältnisse recht brauchbaren Darsteller zur Seite.

Doch erst zum Ende hin zeigen sich auch inhaltlich einige Pluspunkte. Die Maske einer aus dem Totenreich erwachenden Frau wirkt auf schundige Art sehr stimmig. Die Auflösung was wirklich gespielt wurde und wer hier wen ausgetrickst hat wäre auch in Ordnung, zumindest wenn das zuvor Geschehene einen irgendwie interessiert hätte. Und das Tempo in welchem ein Ereignis nun dem nächsten folgt, ist auch endlich auf einer Wellenlänge mit dem Zuschauer.

Aber das kommt alles viel zu spät, um den Langeweiler mit dem Alternativtitel „Stumme Schreie“ auch wirklich noch vor der Belanglosigkeit retten zu können. Und ob Miraglia oder sein Drehbuch-Autor tatsächlich wussten was sie eigentlich erzählen wollen, bleibt auch fraglich. Dafür reicht schon ein Blick auf die Figur des Lord Cunningham, der sicherlich kein Sympathieträger sein soll. Aber dass man ihm mal eben verzeihen soll, dass er bis vor kurzem noch ein Peiniger und Mörder war, ist schon etwas naiv von den Verantwortlichen der Geschichte gedacht. Man weiß zwar dass der Faschismus einst aus Italien kam und fragwürdige Ansichten in Werken aus dieser Region immer wieder aufblitzen, zumindest in der Schaffenszeit um die 70er Jahre herum, aber wie sich Cunningham vom Asozialen zum Opfer und schließlich zum Helden wandelt, ist schon alles etwas zu viel des Fragwürdigen.

In einem gut funktionierenden Trash-Streifen würde mich das auch gar nicht weiter stören, wäre es doch nur ein weiterer Baustein gut funktionierender unfreiwilliger Komik, aber durch die positiven Absichten des Regisseurs ist „Die Grotte der lebenden Leichen“ (Alternativtitel) nicht einmal dies geworden. Für schnellen, billigen Schund wollte der Mann zu viel. Und für einen funktionierenden gehaltvolleren Film ist der Streifen wiederum zu langweilig ausgefallen. Würde Miraglias Film nicht ständig auf der Stelle treten, hätte gerade der Wunsch nach Anspruch im Mix mit den Schundzutaten einen wundervolles Ergebnis werden können.


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RANGO (2011 Gore Verbinski)


Ein Chamäleon in Menschenbesitz geht bei einem Umzug in der Wüste verloren. Nun muss der wunderliche und stets einsam gewesene Selbstdarsteller sich dort zurecht finden. In einer kleinen Stadt in der Wüste wird er durch seine fantastischen Geschichten zum Sheriff gekürt und hilft den Bürgern die Wasserknappheit zu beheben... nun ja... zumindest versucht er dies...


Für ein Glas voll Wasser...

Der Zeichentrickmarkt mit Computeranimationen ist überfüllt, das Volk lechzt nach immer mehr, und wie das zu Hochzeiten so ist, wird die Qualität der Produkte immer bescheidener, was das Massenpublikum nicht weiter stört. Meist werden Filme auf den Spuren von „Shrek“ gedreht, ein Rezept von denen sich die beiden Großmeister Pixar und Dreamworks immer mehr distanzieren. Und nun kommt ausgerechnet der Kindersender Nickelodeon daher, um im ohnehin schon überfüllten Kino-Zeichentricksektor auch einen Stück vom Kuchen abhaben zu wollen.

Neulinge bringen oft frischen Wind in ein alteingesessenes Genre, und da auch „Rango“ auf „Shrek“-Pfaden wandelt und mit dem hier besprochenen Film nicht nur der Kindersender, sondern auch gleich Produzent und Regisseur Gore Verbinski ihren Einstieg in diesen Filmsektor abliefern, darf man schon neugierig werden, ob sie etwas anders machen als die vielen Vorgänger. Sich den Bereich des Westerns auszusuchen klingt da schon nach der richtigen Idee. Etwas kritisch durfte man jedoch dennoch werden als nachzulesen war, dass Genre-Legende Clint Eastwood nicht zum Synchronsprecher Rangos werden wollte.

Stattdessen holte man sich Johnny Depp an Bord, der mit Verbinski bereits „Fluch der Karibik“ drehte, mit Western zwar fast nichts am Hut hatte, dafür aber abonniert war auf skurrile Außenseiterrollen, und genau so eine ist Titelheld Rango. Also passt das schon.

Unterschiede zu Konkurrenzprodukten sind dann auch tatsächlich zu sichten, nicht in einem Umfang der wünschenswert gewesen wäre um das Zeichentrick-Kino zu revolutionieren, aber immerhin genug um ein positives Ergebnis im geklonten Einheitsmeer abzuliefern. Neben dem verstärkten Blick auf ein erwachsenes Publikum und einem Zurückschrauben der Gag-Quote fällt in erster Linie der dreckige Stil der Charaktere auf. Hier ist nicht nur die Location staubig und (wie es der Name der Stadt schon aussagt) dreckig, die Figuren sind es auch. Hässlich und vom Leben gezeichnet, jedes mit einem individuellen Touch versehen, das gibt der ganzen Sache eine frische Optik die dem Film einfach gut tut.

Ein wenig mag das an so lobenswerte Werke wie „Mary & Max“ erinnern, dessen Niveau „Rango“ freilich niemals erreicht. Wie sollte er auch, serviert er doch im Gegenzug eine 08/15-Geschichte, die zwar einige winzige Haken schlägt, aber eigentlich trotzdem nur den üblichen Spuren folgt, wie die Geschichte eines Zeichentrickfilms nach US-Ansicht angeblich zu sein hat. Schade, aber ein wenig entschuldigt dadurch, dass „Rango“ ohnehin hauptsächlich vom Zitieren, Nachahmen und im Klischee sudeln lebt, was ich durchaus positiv meine.

Wer ein Genre wie den Western parodieren will, dem bleibt gar nichts anderes übrig als dies zu tun. Und da der Humor zudem recht treffsicher eingesetzt wird, funktioniert diese schlichte Rezeptur, die es den Verantwortlichen des Filmes einen recht einfachen Weg beschert hat ihr Produkt zu vollenden. Die Königsübung des Genres ist eine solche Herangehensweise nun einmal nicht, also braucht es auch nicht wundern wenn das Ergebnis so positiv daher kommt.

Der letzte Schritt Klasse, der mit „Rango“ durchaus möglich gewesen wäre, fehlt dem Film aber dann doch. Ich persönlich finde Verbinski hätte es dabei belassen sollen Produzent der ganzen Chose zu werden, denn als Regisseur hat er meiner Meinung nach bislang nur „Fluch der Karibik“ zur vollen Zufriedenheit abgeliefert. „Mäusejagd“ und „Mexican" waren nur ganz nett, „The Time Machine“ und „Ring“ routiniert und austauschbar und die Fortsetzung des beliebten Piratenfilmes zu unoriginell. Das sind nicht gerade die besten Referenzen um einen überdurchschnittlichen Film abzuliefern, der mehr bietet als die dünnen Erwartungen, die das Massenpublikum an einen solchen Film stellt, so wie es schon immer dankenswerter Weise den bisherigen halbgaren Fraß Verbinskis annahm.

Was „Rango“ zur vollen Entfaltung im Weg steht sind seine ersten zehn Minuten, die mit ihren Gags und Actionsituationen auf das junge Publikum schielen, das ansonsten eigentlich ausgegrenzt wird. Mit Ausnahme des Dialogs mit dem Gürteltier wird der Film erst ab dem Betreten der Wüste interessant und zeigt mit einer weiteren Actionsequenz, wie man eine solche passend zum Inhalt und für ein erwachsenes Publikum interessant und lustig einsetzen kann ohne gleich den Kindergarten zu bedienen, wie jene Szene, in welcher der zukünftige Rango auf der Straße von einem Auto zum nächsten geschupst wird.

Ansonsten kann man über „Rango“ eigentlich nicht meckern, und wer sich mit dem Genre des Westerns auskennt, wird sicherlich gleich doppelt Spaß haben. Ich bin in diesem Bereich nicht so bewandert und erkannte nur Parallelen zu „12 Uhr mittags“, „Ein Fremder ohne Namen“ und dem Titel nach zu „Django“. Aber da gibt es sicher noch viel mehr, und außerhalb des parodierten Genres gibt es auch noch Verweise auf Filme wie „Apocalypse Now“.

Stimmige Figuren in einer (für gewöhnliche Wege beschreitende) kurzweiligen Geschichte sorgen für genügend Sehfreude, und da das ganze zudem noch musikalisch zitierfreudig geglückt von Hans Zimmer untermalt wurde, gibt es nach dem unglücklichen Einstieg ins Geschehen nichts mehr zu bemängeln. Nach zehn Minuten bereitet „Rango“ nur noch Freude. Selbst seine ernsteren Momente sind geglückt. Und der graphisch wie musikalisch ansprechende Vorspann, der wie so oft heutzutage erst vor dem Abspann erscheint, entlässt einen zufriedenstellend aus einem Film, dem der letzte Schliff zur wahren Größe im eher anspruchslosen Blockbuster-Kino gefehlt hat.

Besser als so olle Werke wie „Planet 51“, "Himmel und Huhn", „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und „Madagascar“ ist „Rango“ um Weiten. Und selbst so nette Filme wie „Bee Movie“ und „Ab durch die Hecke“ lässt er locker hinter sich. Nur in der ersten Liga wie „Antz“, „Drachenzähmen leicht gemacht“, „Findet Nemo“ und „Shrek“ kann er dann doch nicht mitspielen.


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