Dienstag, 19. Februar 2013

DER VERBOTENE SCHLÜSSEL (The Skeleton Key 2005 Iain Softley)


Die Krankenschwester Caroline beginnt einen neuen Job bei einem Pärchen in einer einsam gelegenen Villa. Der Mann ist krank, kann sich kaum mitteilen, die Ehefrau hat ungewöhnliche Gewohnheiten. Caroline fühlt sich in dem alten Gemäuer nicht wohl und glaubt dass etwas Rätselhaftes vor sich geht. Um ihr Unbehagen zu besiegen, versucht sie hinter das Geheimnis dieses Ortes zu kommen...


Eine rätselhafte Villa...

Warum der Film „Der verbotene Schlüssel“ heißt wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Klar steht ein Schlüssel kurzfristig im Mittelpunkt, verboten ist daran aber nichts. „Der verbotene Raum“ hätte inhaltlich zumindest halbwegs gepasst. Zumindest macht der gewählte Titel neugierig und versprüht etwas von dem nostalgischen Wallace-Grusel-Flair. Auf den Film selbst passt dieser Vergleich wiederum gar nicht. Denn was uns hier geboten wird ist fern allem naiven Spaß-Gruselns. „Der verbotene Schlüssel“ präsentiert uns ein Gruselerlebnis der intelligenten Sorte.

Unterstützt von einem guten Cast (allen voran John Hurt) bekommt der Zuschauer eine unheimliche Rätselgeschichte präsentiert, die von Beginn an in Kleinigkeiten die teilweise überraschende Auflösung vorbereitet. Da über die Auflösung einiges im Laufe des Films in einem anderen Licht erscheint, macht auch ein zweites Gucken Sinn. So ist es doch ein wunderbar morbider Gedanke, was die betrunkenen Eltern damals beim Verbrennen der Sklaven wirklich taten. Das ist wirklich fies und schockt um so mehr, als dass man es viel zu spät erst begreift.

Ähnlich ergeht es einem mit der Rolle John Hurts. In seinem Verhalten vermutet man so unglaublich viele Möglichkeiten (im guten wie im bösen), um am Ende doch völlig daneben gelegen zu haben.

Dass nun diverse Klischees enthalten sind, die manchen Menschen politisch aufschrecken lassen, lässt sich bei dieser Geschichte kaum vermeiden. Immerhin geht es hier um Hoodoo, eine mit dem Voodoo leicht vergleichbare Religion, und da es um den Glauben dieses Zaubers geht, wirken die Schwarzen dieser Geschichte für den modernen Menschen eventuell zurückgeblieben. Ich persönlich sehe das anders. In jedem Horrorfilm, der sich mit dem Christentum befasst, und das sind ja nun wirklich nicht wenige, trifft selbiges auf die Weißen zu. Deshalb kann ich mit dem Bild des naiven an Spuk glaubenden Schwarzen ganz gut leben.

Der Spannungsbogen wird von Beginn an hoch gehalten. Das Einarbeiten des wichtigsten Elementes der Auflösung (jenes der Hauptfigur betreffend), wird auf professionelle Art schleichend erarbeitet und ermöglicht somit die Intensivität der finalen Pointe.

„Der verbotene Schlüssel“ ist aufgrund seines routinierten Themas sicherlich kein Highlight des Genres, aber ein gelungenes Stück Gruselunterhaltung jenseits billiger Schockeffekte, blutrünstiger Bilder und kreischender Teen-Darsteller ist er sehr wohl. Softlevs Werk ist ein erwachsener Horrorbeitrag, der wie jeder Film mit religiöser Thematik eine gewisse Naivität nicht vermeiden kann.


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LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN (The Holiday 2006 Nancy Meyers)


Eine reiche Karrierefrau und eine bescheidene Londonerin tauschen in den Ferien ihre Wohnungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden beide Gefallen am anderen Lebensstil. Die Menschen, die sie treffen, geben ihnen ein anderes Lebensgefühl...


Stars auf RTL-Niveau...

Männer werfen ja schnell mit dem Begriff „Frauenfilm“ um sich. Alles was Romantik oder familiäre Dramatik zum Schwerpunkt macht, bekommt diesen Stempel aufgedrückt. In meinen Augen sind geschlechtsorientierte Filme jene, die nicht einmal dem aufgeschlossenem anderen Geschlecht die Chance geben, sich auf das Werk einlassen zu können. Das macht geschlechtsorientierte Streifen in meinen Augen zu eher schlechten Filmen. Das kann aber halt nur der verstehen, der z.B. das Genre Action nicht als Männerterritorium versteht.

Werke, die ich als reine Frauenfilme betrachten würde, kreuzen meine Wege nur höchst selten. In Komödienform gab es da mal den „Club der Teufelinnen“ und nun im Bereich des Dramas bzw. der sehr harmlosen Form der Tragikomödie kam mir „Liebe braucht keine Ferien“ zwischen die Finger.

Es war die Besetzung, die mich reizte. Mit Cameron Diaz und Jack Black lächelten mich gleich zwei Namen an, die ich gerne sichte, Kate Winslet weiß ich durch ihre nicht so hollywoodtypische Art zu schätzen und Jude Law gehört zwar nicht zu meinen bevorzugten Schauspielern, lieferte aber auch schon das ein oder andere mal eine nette Leistung ab. Alle diese 4 Berühmtheiten sind eigentlich auch gar nicht typisch für einen Frauenfilm, wenn überhaupt dann Winslet, da sie häufig einen modernen Frauentyp verkörpert, ähnlich wie Diane Keaton. 

Recht still und zaghaft beginnt der Film mit seiner schlichten Geschichte, eine die kaum des Erzählens wert ist, und gerade deshalb wieder so neugierig macht. Immerhin sind es häufig gerade die herausragenden Filme, die lediglich eine kaum erwähnenswerte Geschichte erzählen. Filme wie „Die Royal Tenenbaums“, „Raus ins Leben“ und wie sie alle heißen sind große Unterhaltung mit einer Story, die schlichter kaum sein könnte, oft auch zunächst erst schlicht erscheint.

„Liebe braucht keine Ferien“ erzählt ebenfalls ein Nichts, dies auf über 2 Stunden mit einem Tempo, das man niemandem wirklich zumuten möchte. Da manche Werke häufig lahm beginnen, sich mit der Zeit daraus aber mehr abzeichnet als zunächst vermutet und das Tempo mit der Zeit flotter wird, bin ich auch erst in dem hier besprochenen Film davon ausgegangen es wäre so. Die Fastgeschichte war immerhin auch nicht komplett uninteressant erzählt. Für kurze Momente gibt es immer wieder Nebensächlichkeiten, die wenigstens etwas Schwung in die Bude bringen, beispielsweise Winslets Nachbar in L.A., ein Rentner.

Solche rettenden Elemente sind aber leider zu rar verteilt. Der gewünschte Schwung kam nie auf, stattdessen durfte ich nun das Nichts an Story in lahmen Tempo sichten, garniert mit Figuren, die viel zu seicht herausgearbeitet wurden. Und damit kommen wir nun zu dem Bereich, der den männlichen Zuschauer gnadenlos aus dem Bereich des Zielpublikums ausblendet.

Diaz´ Rolle ist eher eine Diane Keaton-Rolle, allerdings nicht so positiv emanzipiert verkörpert wie bei ihr üblich, sondern eher Richtung rückradlosem Verhalten wie typische Goldie Hawn-Rollen. Diaz ist vollkommen fehlbesetzt, weiß zwar zu verkörpern was da verkörpert werden sollte, hat es aber mit ihrem Talent eigentlich nicht nötig für so ein Produkt herzuhalten. Sie ist zu modern um eine sympathische, moderne Frauenrolle aus Frauensicht zu spielen, um in Wahrheit doch eher seicht statt keck und blass statt stark zu wirken. 

Jack Black darf wieder den nebensächlichen Sympathisanten spielen, wohl seine zweittypischste Rolle neben dem Chaoten. Aber auch seine Rolle ist derart durch den Weichspülgang gejagt worden, dass sie einfach nicht positiv wirkt. Die Dramatik um seine Person ist lahm, die Größe seiner Rolle so schlicht, dass man meint sie wäre nur eingeführt worden, damit die Rolle der Kate Winslet auch jemanden abkriegt, obwohl es schlicht gereicht hätte, ihr trauriges Leben durch den Kontakt mit dem Drehbuchautor-Rentner zu bereichern.

Ohnehin ist Winslets Rolle die schlimmste von allem. Sie ist vergleichbar mit Jason Biggs' Figur in „Loser“, bei beiden Charakteren ist die Naivität einfach viel zu hoch geschraubt, als dass sie noch irgendwie als realistisch durchgehen könnte. In einem Film, der so krampfhaft erwachsen sein will wie dieser hier, kommt es schon recht peinlich rüber, solch dick aufgetragenes Hollywood-Klischee ertragen zu müssen. „Loser“ war immerhin eine Teenie-Komödie, bei der mit einem Auge zudrücken über das Manko hinwegzusehen war. „Liebe braucht keine Ferien“ baut in der Winslet-Story jedes Thema auf dieser Dramatik auf und kann damit nur scheitern.

In der ersten Hälfte ist immerhin Laws Rolle angenehm geschrieben. Er ist der etwas geheimnisvolle Fremde. Der One Night-Stand entwickelt sich auf eine Art, wie sie untypisch im Kino ist und wie sie interessant zu verfolgen ist (und zudem ohne lästige Nacktheiten). Nach einiger Zeit wird aus der etwas mysteriösen Rolle ein Familienvater, an sich nichts schlechtes, außer man befindet sich in der Frauenwelt, an der sich auch die grausige Vater-Sohn-Kaffeewerbung („und eine 5 in Erdkunde“) orientierte. Der arme Mann ist Witwer, die Unschuld in Person, und das Vatersein ist ein Hindernis bei der Partnersuche. Natürlich nur wenn man sich als Mann so saudämlich anstellt, wie es die Augen einer Frau scheinbar gerne sichtet, oh weh! Hört mir auf!

Ja, „Liebe braucht keine Ferien“ ist ein Frauenfilm, aber diese Bezeichnung ist arg ungerecht, schließt sie doch eigentlich nur die unaufgeklärten Frauen ein, jene, die glücklich ihr Klatschheftchen lesen, Stars und Königsfamilien anhimmeln, Liebes-Groschenromane lesen und sich in ihrer Person verkannt fühlen, da sie nie lernten sich in andere hineinzufühlen. Diese Beschreibung passt zwar auf viele, aber zum Glück nicht auf alle! Frauen mit RTL-gewaschenem Hirn können reinschalten, Männer prinzipiell nicht. Seit mir also nicht böse, wenn ich das Wort Frauenfilm verwende, obwohl es nur auf den eher unangenehmen Frauentyp passt.

Eigentlich ist der Film trotz alledem bis zum Schluss guckbar. Ich habe ca. 20 Minuten vor Ende dennoch ausgeschaltet, was ja auch egal ist, immerhin gehöre ich nicht zum Zielpublikum.


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HAMMYS BUMERANG ABENTEUER (Hammy's Boomerang Adventure 2006 Will Finn)


Hammy findet einen Bumerang und hat Ärger mit ihm. Es dauert eine Weile, bis er durchschaut dass er das Opfer eines Streiches wurde...


Der Bumerang vor der Hecke...

Kurzfilme als Bonus bei computeranimierten Filmen scheinen Pflicht geworden zu sein, und in Fällen der Macher von "Ab durch die Hecke" scheinbar auch lästige Pflicht. Denn "Hammys Bumerang Abenteuer" wirkt trotz seiner durchaus gelungenen Witzchen mehr wie eine entfallene Szene, als wie ein Kurzfilm.

Da sieht man also die wichtigsten Figuren des Hauptfilms noch einmal in einem kleinen Zusatzwerk, welches teilweise im Wackselstil von "Blair Witch Project" und "Cloverfield" aus dem Blickwinkel einer Videokamera gefilmt wirkt und sich damit befasst welchen Unsinn die Figuren des großen Bruders mit diesen Camcorder treiben. Das wäre dann auch der einzige rote Faden eines Shortys, der sich in zwei Hälften unterteilen lässt, unterbrochen von einer Szene außerhalb der Videoperspektive.

Der Humor erreicht eine Qualität weit über dem Klingelmäuschen-Niveau, irgendwie aber auch damit vergleichbar. Zuzusehen wie fiktive Gestalten sich gegenseitig Streiche spielen unterhält kurzfristig, hat aber nicht den gleichen Effekt wie reale Streiche mitzuerleben, in denen das Ergebnis nicht konstruiert ist.

"Hammys Bumerang Abenteuer" ist dann letzten Endes nur eine halbe Sache, lustig, aber nicht lustig genug zum Weiterempfehlen, ohne echte Geschichte und nicht wirklich für sich allein stehend wirkend. Von Filmen wie "Gone Nutty" und "Lifted" ist dieser Streifen dann auch Meilen weit entfernt. Im Gegensatz zu Scratch aus erstgenanntem hat auch keine der Figuren aus "Ab durch die Hecke" das Potential einen auf Klamauk aufbauenden Kurzfilm zu tragen. Dafür fehlt ihnen einfach das Schräge im Charakter. Der große Vorgänger war viel zu sehr Familienfilm und viel zu weit entfernt vom Road Runner-Niveau. Mit anderen Figuren könnte "Hammys Bumerang Abenteuer" eventuell also auch noch mal eine Spur besser funktionieren.

Immerhin ist der Film guckbar und noch nicht ganz so dreist wie die angeblichen Kurzfilme auf der DVD zu "Lucas, der Ameisenschreck", die sich als mal bessere mal schlechtere Einminüter entpuppten und dem wahren Begriff des Kurzfilms nicht gerecht werden. Zu bemängeln gäbe es zum Schluss von meiner Seite aus nur noch den blöden Titel, der ohnehin nur mit der ersten Hälfte zu tun hat. Aber das ist ja nun nicht ganz so gravierend.


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FINAL DESTINATION 4 (The Final Destination 2009 David R. Ellis)



Durch einen Unfall beim Autorennen kommen mehrere Zuschauer ums Leben. Dank einer Vision kann ein Besucher sich und andere retten. Doch sie hätten tot sein sollen, und deswegen holt der Tod sie sich nun zurück...


Horror oder Katastrophenfilm?...

Stellen Sie sich vor Sie wären Produzent des Filmes „Final Destination“. Ursprünglich als „Akte X“-Folge geplant, entpuppte sich dieser überraschend als großer Erfolg beim Publikum, u.a. weil er für den Bereich des Teenie-Horrors recht clever erzählt war. Also will man in der Fortsetzung ebenso clever sein und überlegt sich nun, welche Auswirkungen die Geschehnisse von Teil 1 auf die weitere Zukunft hätten.

Das ist ein schwer umzusetzender Gedanke, aber mit Regisseur David R. Ellis wurde aus der schwierigen Idee ein unterhaltsamer Film, zumindest aus der Perspektive einer christlich orientierten Gesellschaft. Man konzentriert sich lediglich auf den Mensch. Jemand der tot sein sollte, aber noch auf Erden umherwandert und damit Sachen beeinflusst, isst Tiere die für wen anders bestimmt waren, verliebt sich vielleicht in eine Frau oder schwängert diese, kauft Sachen, die er nicht haben dürfte, es gäbe viele Faktoren. Das meiste blendete man aus, und nach christlicher Methode war es in erster Linie das nichtmenschliche Leben, das ignoriert werden sollte.

Das ist zu verzeihen, denn ein Szenario zu entwickeln, dass auch dies bedenkt wäre für ein olles Popkorn-Filmchen viel zu kompliziert. Einem guten Drehbuch und nur einem Fehler des eigenen „Final Destination“-Universums sei Dank erwies sich auch die Fortsetzung als clever und flott und wurde ein großer Erfolg.

In Teil 3 nun noch weiter zu spinnen, welche Auswirkung alle bisherigen Geschehnisse auf die Zukunft haben, wäre definitiv zu kompliziert gewesen. Als Produzent einer gut laufenden Reihe würde man das tun, was getan wurde. „Final Destination“ war ein Rezept, das mit anderen Szenarien und Todesarten immer wieder funktionieren würde. Also erlebt erneut wer eine Vision und rettet Leben. Gerade der Horrorfilm lebt in seinen Fortsetzungen häufig von der Wiederholung der selben Idee, und mit „Final Destination“ hatte man eine, die sich eigentlich endlos wiederholen würde ohne langweilig zu werden. Mehr noch: Eine Geschichte die so viele Rätsel offen hält, dass man auch genug Material hätte, falls sich die ewige Wiederholung doch mal als langweilig herausstellen sollte. Noch war es aber nicht so weit, und man dreht Teil 3.

Auch der war ein riesen Erfolg. Wie üblich für einen Teil 3 musste er harte Kritiken erdulden, immerhin war die Cleverness nun über Bord und der Regisseur von Teil 1 entpuppte sich für Teil 3 nach außen hin nur als mittelmäßige Wahl. Teil 3 war ein Erfolg, und es erwies sich als profitabel die Idee der ersten beiden Teile auf den Kopf zu stellen. Teil 1 berichtete von einem Fehler, der nie hätte passieren dürfen. Teil 2 erzählte davon, wie der Tod verzweifelt versucht diesen Fehler zu korrigieren und zeigt gleichzeitig, dass dies durch die Beeinflussung kleinster Faktoren gar nicht mehr möglich ist.

Teil 3 tauschte dieses Konzept nun aus und erzählt, dass es immer wieder mal passieren kann, dass wer Visionen hat und damit eine zweite Chance bekommt. Die Geschichte wird damit banalisiert und erntete deswegen viele üble Kritiken. An Wongs Inszenierung lag es keineswegs. Denn als geistfreier Film hatte die zweite Fortsetzung einen großen Unterhaltungswert.

Als Produzent ist man aber vorsichtig. Wong noch einmal auf den Regiestuhl zu setzen wäre zu riskant. Eine weitere Fortsetzung musste dennoch her, denn die Geschichte plumper zu erzählen hatte das Publikum nicht gestört. Ein Rezept für die Ewigkeit war geboren, nun fehlte nur noch ein Regisseur. Was läge näher als zu Ellis zu greifen, der die Geschichte von Teil 2 unter schwierigsten inhaltlichen Vorraussetzungen flott zu erzählen wusste und vor kurzem nun auch noch einen großen Erfolg aus reinstem Trash machte. Die Rede ist von „Snakes On A Plane“. Also kehrte der Regisseur von Teil 2 für Teil 4 zurück, und das Projekt schien in sicheren Händen zu sein.

Ellis sollte nun den nächsten Aufguss servieren. Das Rezept aus Produzentensicht war einfach. Teil 3 erzählte alles eine Spur banaler, mit fiesen, neuen Todessequenzen und einer flotten Inszenierung. Dies lässt sich leicht wiederholen, also das ganze noch mal. Und tatsächlich! „Final Destination 4“ legte ein starkes Startwochenende vor und toppte sogar Rob Zombies „Halloween 2“ an den Kinokassen. Ein Rezept für die Ewigkeit!

Auf so banalem Wege wie Teil 4 ist so etwas aber auch nur mit einem Publikum machbar, das mittlerweile soweit von seinem Lieblingsmedium erzogen wurde, dass es alles frisst was ihm zugeworfen wird. Es gibt nämlich Unterschiede zu Teil 3, die einen gehörigen Qualitätsbruch ausmachen.

Überhebliche Filmkritiker sollen ruhig auf Teil 3 schimpfen. Es gäbe Gründe dafür, wäre jedoch dennoch unpassend, wenn man den Unterhaltungswert berücksichtigt. Dieser wurde in Teil 4 nun aber arg zurückgeschraubt. Zwar springt man auf das Rezept auf, krasse, neue Todesarten zu präsentieren, und auch der Stil der flotten Inszenierung wurde berücksichtigt, die Seele eines gelungenen Filmes wurde jedoch komplett ignoriert.

Die Produzenten hatten nicht verstanden, dass die Figuren der vorangegangenen drei Teile trotz ihrer Klischees griffige Charaktere waren, die Persönlichkeit besaßen. Bösewichter konnten romantisch sein, Helden einen Kontrollzwang besitzen, Lehrer ihren Retter fürchten. Der Gute, der Böse, der Lebenspartner, der Loser, all diese Figurentypen waren dabei, aber sie standen nicht nur für eine solche Hülle. Die Figuren aus Teil 4 allerdings schon!

Sie bieten nichts weiter als eines dieser Verhaltenskostüme, selbst die beiden Hauptakteure bleiben einem menschlich fremd. Sie agieren, aber sie sind nichts. Sie sind nichts weiter als der Rollenpart in einer Gesellschaft. Sie sind seelenlos wie das Mitglied eines Ameisenstaates. Sie haben zwar einen eigenen Willen, durch fehlende Charaktervertiefung jedoch kein Motiv. Der eigene Wille wird zum Trieb degradiert. Wie soll man mit solchen emotions- und charakterlosen Robotern mitfiebern?

Der Umgang mit den Figuren ist jedoch nicht der einzige Fehler der dritten Fortsetzung. Die innereigene Logik wird immer weniger beachtet. Die Vorgänger boten (auch mit dem veränderten Grundszenario des Dritten) eine actionhaltige Ausgangsposition mit vielen Toten in der Öffentlichkeit. In den ersten Teilen war es nun so, dass die Überlebenden in ihrer Privatsphäre starben. Der Tod manipulierte, und es durfte keine Zeugen geben. Teil 3 ließ seine Opfer bereits öffentlicher sterben. Zeugen waren nicht mehr wichtig, denn von nun an war das Visionen haben eine häufige Ausnahme und kein einmaliger Ausrutscher mehr. Und es war von nun an ein Fehler, der sich allein mit dem Eliminieren des entkommenen Todesopfers wieder gutmachen ließ.

Teil 4 will nun besonders flott daherkommen. Also dachte man sich: warum soll man ein actiongeladenes Szenario nur in der Eingangssequenz verwenden? Was ist wenn die überlebten Opfer in einem ebensolchen sterben sollen? Dass der Tod damit viele andere ebenso in den Tod reißt, die nicht dran gewesen wären, wird damit leider völlig übersehen. Zwar gibt es nun allerhand Gekreische, Explosionen und sonstiges, dank fehlender Logik und leerer Charaktere bleibt all das gewaltig Geschehende jedoch nur blasse Theorie, die einen nicht mitfiebern lässt und so etwas wie einen Spannungsgehalt nun gar nicht mehr zulässt. Zudem wirkt der Film durch seine Seelenlosigkeit wie ein Episodenfilm, der nur von einem Nachholen des Todes zum nächsten springt.

Elemente die Teil 1 so besonders machten werden auf die Schnelle abgespult oder übersprungen. Das Absichern des Hauses vor Todesquellen, das Begreifen der Hintergründe, das Philosophieren über den Tod, das bekommt alles nur noch geringe Beachtung. Das war schon in den beiden Vorgängern der Fall, deren Unterhaltungswert benötigte solche Faktoren jedoch nicht zwingend. Teil 4, der nun erstmals Gleichgültigkeit aufkommen lässt, hätte damit gerettet werden können, zumal er mehr Zeit hat als ein Teil 1, der den Zuschauer erstmals an die Grundidee der „Final Destination“-Reihe heranführen musste.

Komplett ohne gute Ideen kommt aber auch Teil 4 nicht aus. Es gibt die ein oder andere interessant umgesetzte Todesart (ich sage nur Rolltreppe), und es gibt einen Schluss-Satz, der mit einer Idee spielt, die einem Teil 5 neuen Zunder geben könnte. War es eventuell gewollt, dass man als Überlebender nun da sitzt wo man sitzt? Sollte man überleben? Das lässt viel Raum zur Interpretation.

Ist der Tod, ähnlich wie in „Rendezvous mit Joe Black“ müde geworden? Will er spielen? Und falls es sich nicht um den bisher immer vermuteten Tod handelt, gibt es zwei Kräfte, die gegeneinander spielen? Immerhin wurden auch die Visionen bisher nie erklärt. Gibt es überhaupt eine gute und eine böse Macht? Wollen beide eventuell nur einen Wettbewerb gegeneinander austragen?

Das sind Gedanken, die in der Welt der ersten beiden Teile unsinnig gewesen wären. Mit dem Umschwung seit Teil 3 wäre eine solche Überlegung denkbar, wenn auch nicht komplett neu. Auf etwas andere Art darf man einen solchen Gedanken auch in einer Episode „Raumschiff Enterprise“ erleben. Ohne Reiz ist ein solcher Gedanke zumindest nicht, so lang man die ersten beiden Teile ausblendet.

Aber was würde eine Idee mit solch kreativen Möglichkeiten nutzen, wenn dort wieder so gestümpert würde wie in Teil 4. Eine solch phantastische Idee bräuchte nun die Cleverness der Teile 1 und 2 und kein berechnendes Produzentendenken, das falsche Rückschlüsse aus den Erfolgen der Vorgänger zieht.

Teil 4 ist nur der Beweis dafür, dass man eine beliebte Idee kopieren wollte, ohne die Seele dahinter zu kapieren. Hierbei entlarvt sich der Film übrigens schon recht früh. Boten die Teile 1 – 3 noch ein Eingangsszenario, in dem ein Massensterben denkbar war, bietet Teil 4 unglaubwürdige Geschehnisse, komplett unwahrscheinliche Verkettungen von Vorfällen, kurzum, das Massensterben, mit dem alles beginnen wird, ist zu konstruiert.

Dies trifft auch auf fast alle weiteren Todesarten zu, was nicht ganz so tragisch ist, da der Tod immerhin neue Tode einleiten muss. Zudem gehörte dies zum Konzept der Vorgänger, da dürfte man Teil 4 nur bedingt einen Vorwurf machen (z.B. den, dass der Tod nun mehr Naturgesetze außer Kraft setzt als zuvor).

Auch die bereits angesprochene Seelenleere der Figuren entstand dadurch, dass man zu konstruiert heranging. Sehr deutlich wird dies in der Figur des Bösewichts. Ein Mensch, der für das Böse steht, ist bereits eine Klischeefigur, da es nie Menschen gibt die nur gut oder böse sind. Gibt man einem solchen Bösen aber nun Charakter, ist er ein Klischee, das funktionieren kann. Filme wie „Final Destination 4“ setzen nun noch eins drauf, und geben der Klischeefigur ein Klischee. Nun ist der Böse nur noch böse, kaum noch Mensch. Dadurch wirkt die Figur zu konstruiert und ist nur noch eine wirkungslose Witzfigur. Zwar sind solche Klischees von Klischees immer auch witzig gemeint (der Böse aus Teil 4, der Böse aus „Freddy vs. Jason“), wenn der Rest jedoch auf einen anderen Effekt abzielt, bleibt die gewollt komische Figur innerhalb des filmeigenen Kosmos fremd, weiß zwar ab und an zu belustigen, aber nicht eins zu werden mit dem Rest und mag dieser ebenfalls noch so konstruiert sein.

In einem Punkt hat der Versuch des hier vorgelegten Produzentendenkens jedoch recht behalten: „Final Destination“ ist ein Rezept für die Ewigkeit. Solange es frische und bösartige Todesarten gibt, so lange kann die Reihe auch unterhalten. Teil 4 beweist, dass es darauf nicht allein ankommt. Teil 4 beweist aber ebenso, dass das Rezept selbst mit starken Defiziten guckbar bleibt. Aber was nutzt das schon, wenn der Unterhaltungswert nicht gefördert wird?


Nachtrag:
Zwei Jahre später auf Video gesehen, mit weit heruntergeschraubten Erwartungen, war "Final Destination 4" zwar noch immer der unsinnigste Teil der Reihe, aber er machte Spaß, zumal mich das Eindimensionale der Figuren nicht mehr gestört hat. Nach der Zweitsichtung tendiere ich aufgrund der Partylaune, die dieser unsinnige Film versprüht, eher in eine positive Richtung. Schon erstaunlich wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist, je nachdem wann, wo und wie man sich einen Film anschaut.

GEGEN DIE ZEIT (Nick Of Time 1995 John Badham)


Die Tochter von Gene Watson wurde entführt. Auf diese Weise versuchen die Täter Gene dazu zu bringen eine bestimmte Politikerin zu erschießen. Tut er dies nicht muss sein Kind sterben. Gene sucht verzweifelt einen Ausweg, doch die Zeit rennt...


Kinderlos und doch nicht glücklich...

Von einem guten Cast begleitet, darf der Zuschauer mit „Gegen die Zeit“ einen Thriller sichten, mit dem sich jeder identifizieren kann. Die Idee von Verbrechern zum Politkiller erpresst zu werden ist frisch. Das Erzählen in Echtzeit weiß zu packen, da es den Druck Depps Figur auf den Zuschauer projiziert.

Noch vor Johnny Depp ist vom Leistungsgrad jedoch Christopher Walken zu nennen. Seine Rolle ist die klassische Walken-Rolle, ein Risiko wurde nicht eingegangen, es ist aber auch jene Rolle, in der man ihn immer wieder gerne sieht. Wenn man die kleinen Aktionen beachtet, die seine Figur so am Rande treibt, kann man auch davon ausgehen, dass es einiges an Freiraum zum improvisieren für ihn gab.

Depp spielt gut wie gewohnt und schafft es der an sich blassen Figur ein Gesicht zu geben. Etwas mehr Charakter wäre dennoch wünschenswert gewesen, ist aber auch nicht zwingend nötig, da der Film keine Atempause hat. Immer gibt es etwas zu erzählen, Langeweile kommt nie auf.

Man sollte meinen, dass dieses Rezept vor Spannung nur so kochen würde, tut es aber leider nicht. Man fiebert zwar mit, aber nicht in der Extreme wie es zu wünschen gewesen wäre. Nervenkitzelmomente wie im Finale von „Die Firma“ kommen leider nie auf. Das ist sehr schade, und somit wird zu viel von der guten Idee verschenkt. Was dafür auf der anderen Seite funktioniert ist die Dramatik der Geschichte. Da man der Rolle Depps als Zuschauer sehr nahe ist, erwischt man sich hin und wieder bei dem Gedanken: Oh weh, was würde ich in dieser Situation jetzt tun? Ich finde es erschreckend wie ideenlos in solchen Momenten mein Kopf war.

Wie tief die Beziehungen der Verbrecher gehen, ist zwar in gewisser Hinsicht ein interessanter Aspekt, wirft auf der anderen Seite aber auch die Frage auf, wofür die ganze Aktion dann gut ist. Wer so viele Leute und Situationen unter Kontrolle hat, wird auch einfachere Wege finden eine Politikerin zu töten. Außerdem wäre realistisch gesehen spätestens nach dem zweiten Besuch beim Schuhputzer dieser tot gewesen, da er ein zu hohes Risiko ist. Ein zweiter Besuch macht für einen Beobachter wenig Sinn, der Informationsaustausch der beiden dürfte kaum noch anzuzweifeln sein. Bei so viel Gauner-Personal wäre es für die Gangster zumindest ein leichtes gewesen diesen Mann zu beschatten, wenn man ihn schon nicht umlegt. Passiert ist keins von beidem, dieser Fehler machte es dem Drehbuchautor zum Endkampf hin leichter seiner Geschichte ein Happy End zu bescheren.

„Gegen die Zeit“ ist ein merkwürdiger Film. Obwohl er nicht spannend ist, funktioniert er als nette Routine dank flotter Geschichte und guter Darsteller. Aber eben weil er nicht spannend ist, funktioniert er auch nicht auf allen Ebenen. Die gelungene Dramatik hin oder her, aber um ein Film zu sein, der aus der Masse herausragt, hätte er einfach Nervenkitzel versprühen müssen.


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Sonntag, 17. Februar 2013

TITANANIC (2013 Moritz Stieber)


Nach einem Schiffsunglück treiben Überlebende auf dem Wasser...


Voll Banane...

Schon lange warte ich auf einen neuen Film des Österreichers Moritz Stieber, der mir mit „Nesn Nose“, „Checkmate“ und anderen Werken wundervolle humoristische Momente auf den Bildschirm gezaubert hat und mit „Cargo“ sogar auch mit ernsten Tönen zu gefallen wusste. Zur Zeit muss man sich als Freund seiner Werke mit recht kurzen Beiträgen zufrieden geben, aber ein Blick auf „Titananic“ zeigt, dass sich auch dieser lohnen kann.

Nun wird nicht jeder vor Begeisterung aufschreien, wenn er von einer Obstversion des bekannten „Titanic“-Dramas hört, und dank „Angriff der Killertomaten“ und „Die gelbe Killerbanane aus dem All gegen die Kiwi“ ist das Spiel mit Lebensmitteln im Zentrum eines Filmes auch keine komplett neue Idee mehr. Aber wen kümmert‘s? Letztendlich ist „Titananic“ mit gerade mal einer Laufzeit von 1,35 Minuten auch viel zu kurz um sich über vergeudete Lebenszeit zu beschweren.

Stieber konzentriert sich in dieser Parodie auf den eigentlichen Kern der Geschichte (Kern, Obst, Ihr versteht... kicher): das Schiff geht unter, Überlebende nehmen kurz vor dem Tod Abschied. Dass das ganze recht nett funktioniert liegt nur bedingt an dem Gag das ganze als Obstversion zu präsentieren und sicherlich auch nicht an der gewollt schlichten Stop Motion. Hauptursache für einen guten Lacher ist letztendlich die Musik, die auf treffsichere Art geradezu unverkrampft albern das berühmte Celine Dion-Lied aus der wohl bekanntesten Verfilmung des Katastrophendampfers „Titanic“ von James Cameron verarscht, und dass auf so charmante Art, dass ich mir das Video gleich zwei mal angeschaut habe.

„Titananiac“ ist ein schlichter, kurzer Film, der nicht viel Aufmerksamkeit erregen will, sondern lediglich einer Idee nachgeht, die Stieber wohl nicht losgelassen hat. Wer weiß wo das ganze seinen Anfang nahm. Wer das DVD-Interview des Regisseurs Tom Six zu „The Human Centipede“ kennt, weiß wie harmlos manche Idee gestartet ist, und wer weiß ob mit „Titananiac“ bereits die endgültige Version der hier vorliegenden Idee bewerkstelligt wurde, oder ob uns diese Idee beizeiten in einem ausführlicheren Werk erneut präsentiert wird. Sollte es mal dazu kommen, sollte man jedoch auf die Sprechblasen verzichten, die in der jetzigen Version noch so positiv wirken. Einer längeren Filmversion täte dann schon eher eine Synchronisation gut.

„Titananiac“ ist ein kleiner Pausenfüller für die Wartezeit auf den nächsten längeren Banatterie-Film. Der letzte lag mit „The Wildlife-Explorer“ vor und liegt nun auch einige Jährchen zurück. Tja, je älter man wird um so mehr kommt einem beim Hobby Filmedreh das Leben dazwischen. Bis es zum nächsten richtigen Projekt kommt freue ich mich aber auf jeden Fall auf mehr solcher kurzen Früchtchen im großen Obstsalat cineastischen Schaffens.

ANGRIFF DER KILLERBRATWURST (2007 Christoph Heiber)


Kurz vor dem Heiratsantrag geht der Freund einer jungen Frau verloren. Grund genug einen Detektiv einzuschalten. Aus dem scheinbar routinierten Fall, wird ein Kampf um die Weltherrschaft. Denn ein irrer Professor, der nach kurzer Zeit auch die Auftraggeberin gefangen hält, hat Killerbratwürste gezüchtet, die er auf die Menschheit loslässt...


Und seid ihr nicht willig so brauch ich die Wurst...

Heiber und Konsorten versuchen gar nicht erst professionell zu wirken. Dieser Film ist eine Amateurproduktion, der schnelle Dreh in der Freizeit für zwischendurch, und es wurde nur des Spaßes wegen gedreht.

Diesen versteht die Crew zumindest und mehr noch: die Beteiligten wissen diesen Spaß auch beim Zuschauer entstehen zu lassen. Untalentiert, dafür aber auch unverkrampft und spielfreudig blödeln sie alle herum, und jede noch so dämliche Idee wird eingebaut.

Da gibt es auch mal schlechte Ideen (die Sprache der Würstchen), meist sind es aber sogar sehr gute Einfälle (der Schnürsenkel des Großvaters, das Lächeln des Profs, wenn er seine Weltherrschaftspläne erläutern darf, ...). Bei letzterem könnte man die Liste endlos fortsetzen. An Witzen mangelt es nicht.

Deswegen stört es auch keineswegs, dass hier alles so dilettantisch umgesetzt wurde. Eine eingetretene Tür wurde von einem großen Brett „gedoubelt“, während man die echte Tür geöffnet daneben sichten darf (sie wurde nicht einmal aus den Angeln gehoben). Der Kameramann oder wer anderes von der Crew spiegelt sich in einem fahrenden Auto, aus dem ein oder anderen Satz hört man ein leichtes Lachen heraus, die Betonungen stimmen nicht immer, der Whisky ist blubbernder Zitronentee (oder ähnliches), usw.

Heiber weiß jedoch, dass das mangelnde Talent nicht nur vom guten Humor in den Schatten gestellt wird, er weiß dieses Untalent auch positiv auszunutzen. So wird manche schlechte Betonung zur Witzigkeit und das keineswegs im Sinne der unfreiwilligen Komik. So lässt z.B. das fast abgelesene Sprechen der Frauenrolle ihre Kommentare wesentlich trockener und bissiger herüberkommen. Überagiertes Spiel wird gerade in der Rolle des irren Wissenschaftlers zu einem positiven Element. Relativ unechte Geräusche geben dem Gesehenen Comic-Charakter, und manch anderes Untalent unterstützt schlichtweg das Feeling freiwilligen Trashs.

Der Darsteller des Detektivs weiß sprachlich nicht immer zu überzeugen, aber das ist nicht weiter wild. Mancher Witz wird schlecht eingebaut, z.B. die gute Idee, dass der Darsteller Off-Kommentare in Wirklichkeit laut ausgesprochen hat. Und auch der Witz mit der Pause zur Musik von einer weltbekannten Gameshow hätte ruhig ein Drittel seiner Laufzeit einnehmen können.

Das sind die winzigen Kritikpunkte die ich anzubringen habe. Die positiven Elemente überragen diese jedoch deutlich. Allein im Schlussdialog hagelt es Witze im Sekundentakt. Einer der besten Gags aus „Die Ritter der Kokosnuss“ wird auf sympathische Art geklaut, mancher Witz bekommt gleich noch eine Erweiterungen hinterhergesetzt („Wo warst Du so lange?“), und allein dass in einem Schriftzug der Wissenschaftler als selbstverständlich vorrausgesetzt wird, noch bevor je die Rede von einem solchen war, zeigt auf wie viel Ebenen die Gehirne hinter diesen Albernheiten arbeiten.

Von dieser Truppe würde ich mir sofort wieder einen Film ansehen. Bei dieser Art Komik ist die Geschichte selbst nicht wichtig. Deswegen hat es in Heibers Erstling auch nicht gestört, dass die titelgebende Bratwurst so selten vorkam. Mal davon abgesehen, dass es in Wirklichkeit mehrere Bratwürste sind. Ach, was sind wir heute kleinlich!


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TRAILER PARK OF TERROR (2008 Steven Goldmann)



Die Teenagerin Norma wächst unglücklich unter Hillbillys auf. Nach einem Deal mit dem Teufel legt sie die Bewohner ihrer Siedlung eiskalt um und tötet sich selbst bei einem großen Brand. Viele Jahre später empfängt sie eine Gruppe pflegeschwerer Jugendlicher, die mit einem christlichen Aufseher unterwegs sind. Sie hatten einen Autounfall und Norma bietet ihnen eine Schlafgelegenheit für eine Nacht an. Keiner von ihnen ahnt von Normas tödlicher Vergangenheit und ihren wahren Plänen...


Waffe gegen Seele...

Das aufgetakelte Püppchen Norma mag in dieser Hillbilly-Welt als Alternative hineinpassen. Aber eben diese Welt wirkt übertrieben, bevölkert von Voll-Freaks, die in seltenen Fällen, wie Tobe Hooper zeigte, in eine stimmige Horror-Atmosphäre hineinpassen, bei den meisten ihrer Auftritte im besagten Genre jedoch nicht. Meist nerven sie, und mit europäischen Augen sind sie ohnehin fremd. Wir befinden uns in der Einleitung der Geschichte, also erträgt man ihre Auftritte und hofft auf ein baldiges Ende. Das kommt jedoch frühestens nach 15 Minuten. Die Wartezeit wird aber immerhin ein klein wenig verzuckert, wenn ein stimmiger Farbfilter Norma ab und an in Großaufnahme bei ihrem Racheakt zeigt.

Irgendwann ist die mehr schlechte als rechte Vorgeschichte vorbei und wir lernen den Christen und seine Bande böser Teenager kennen. Zwar kann man bei ihnen von so etwas wie Charakterzeichnung sprechen, letztendlich baden sie aber immer noch zu sehr im Klischee, um eine dünne Geschichte tragen zu können. Manchen Jungen gegen die Erwartung zu besetzen reich nun einmal nicht aus. Das Final Girl ist ebenso schnell ausgemacht wie der Oberarsch, ist von Seiten der Geschichtenerzähler aber auch so gewollt, zumal das Vorstellen der Personen eine eher kurze Laufzeit einnimmt.

Nun stolpert man in den Park, wird von Norma merkwürdig aber gastfreundlich empfangen. Und bevor man seinen Schlafbereich vorgestellt bekommt, darf Norma noch einmal einen Rückblick vom Leben in dieser Siedlung erzählen. Und da holt sie nun weit aus, erzählt Hintergründe die entweder nicht interessieren oder durch die Vorgeschichte sowieso schon klar waren. Wieder streckt sich der Film, und erst nach etwa 45 Minuten geht es mit dem los, weshalb man ursprünglich mal eingeschaltet hat: der Horrorpart, das fröhliche Morden, und mag es auch noch so plump sein.

Aber von hier an nutzen auch rollende Köpfe und manch außergewöhnlich fiese Todesarten nichts mehr. Auch das Gradebiegen eines verrückten Gesichtes will nach all der Nerverei nicht mehr stimmig wirken. Der Zug ist abgefahren. Die erste Hälfte war zu nervig und öde (welch fieser Mix) und die zweite Hälfte zu quantitativ um das Ruder noch rumreißen zu können.

Regisseur Steven Goldmann, für den „Trailer Park Of Terror“ der erste Ausflug ins Horrorgenre bedeutete, liefert eine lahme, wenn auch etwas blutige, Ente ab. Wer wenig Ansprüche hat mag noch Routine drin erkennen, ich fand jedoch das ganze Treiben zu ernüchternd und eine Spur zu Rob Zombie-artig um Gefallen dran zu finden. Dieser Film ist langweilig und nervenzerrend zugleich und von meiner Seite aus nicht zu empfehlen. Wer härtere Nerven besitzt kann ja gerne reinschalten, mehr als Durchschnitt wird aber auch diese treue Tomate des Horrorbereichs nicht erleben können. Also warum Geduld für etwas aufbringen, dass sich ohnehin keine Mühe gibt zu unterhalten? Ein Film fürs Geld, nicht der Geschichte wegen!


POLTERGEIST 3 (1987 Gary Sherman)


Carol-Anne lebt bei ihrer Tante und ihrem Onkel in der Großstadt und geht auf eine Schule für außergewöhnliche Kinder. Ihr Lehrer glaubt sie könne Massenhypnosen verursachen. Während Carol-Anne glaubt Schweigen könnten die Geister von damals fern halten, bringt der Lehrer sie dazu unter Hypnose zu erzählen was einst geschah. Dies lockt den bösen Reverend Kane erneut auf dem Plan, der von dem jungen, unschuldigen Mädchen ins Licht geführt werden möchte...


Hier poltern die Spiegel...

Wer „Poltergeist 2“ kennt wird auch von dieser zweiten Fortsetzung nicht zu viel erwartet haben und kann eigentlich nicht enttäuscht werden. Wenn überhaupt müsste es umgekehrt sein, war Teil 2 doch eine ganz müde Nummer, die lediglich einen Spezialeffekt nach dem nächsten verwurstete, ohne auch nur einen Anflug von Spannung bereit zu halten.

Kennt man andere Horrorwerke unter der Regie Gary Shermans kann man dennoch enttäuscht sein, drehte dieser doch so großartige Grusler wie „Tot und begraben“ und „Tunnel der lebenden Leichen“. Ich habe „Poltergeist 3“ vor vielen Jahren gesehen, bevor ich seine weiteren Arbeiten kannte und wusste, dass dieser Film nur Routine ist. Was wäre ich damals enttäuscht gewesen zu wissen, dass das nächste Sequel von ihm stammt, ich voller Erwartung ins Kino gerannt wäre, um dann das nüchterne Ergebnis sichten zu müssen.

Nun war es so aber nicht, und so kam es stattdessen zu einer anderen Situation. Da mir die Qualität der oben erwähnten weiteren Genrebeiträge Shermans gefiel, wagte ich mich erneut an „Poltergeist 3“ heran um zu schauen, ob er nicht ein wenig mehr bietet, als mir in Erinnerung blieb. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass mir Filme aus meiner Jugend völlig anders gefallen als damals. Ein wenig besser als früher war „Poltergeist 3“ dann auch wirklich, trotzdem bietet er nicht mehr als angenehme Routine.

Letztendlich wird auch hier wieder viel zu viel Budenzauber betrieben wie schon im Vorgänger. Im Gegensatz zu diesem arbeitete man aber immerhin wieder mit gruseligen Momenten. Diese reichen jedoch nie an die großen Gruselszenen von Teil 1 heran und sind immer nur von kurzer Dauer, eben weil man hier fast nur auf Spezialeffekte achtete.

Dennoch ist ab und an Shermans Handschrift wiederzuerkennen, beispielsweise in einer der ersten Szenen, in welcher das traurige Mädel Carol-Anne auf dem Bett sitzt, ein Fensterputzer kommt am Fenster vorbei und versucht sie fröhlich zu machen, und als dieser mit seinem Gefährt nach unten gleitet wird die Sicht auf eine amerikanische Großstadt frei. „Poltergeist 3“ spielt nicht mehr in der Kleinstadt, und spätestens jetzt wird es dem letzten klar.

Ein Großteil des Gruselns möchte man diesmal über das Spiel mit Spiegeln erzeugen. Das klappt auch hin und wieder ganz gut, überrascht aber nicht immer, da man jederzeit mit einer erneuten Spiegeltäuschung rechnet. „Poltergeist 3“ leistet hier aber immerhin wesentlich bessere Arbeit als „Mirrors“ mit Kiefer Sutherland, der im Gegensatz zum hier besprochenen Film fast nie unheimlich wirkte.

Schon Teil 2 war widersprüchlich zum ersten, und das Spiegeltheater von Teil 3 will so gar nicht zu den bisherigen Gesetzen der Vorgänger passen. Stilistisch versucht Sherman die beiden sehr unterschiedlichen Vorgänger zu einen, greift dafür aber auf ein Thema zurück, dass weder zu Teil 1 noch zu Teil 2 passt. Kleine Randerscheinungen sind jeweils aus den beiden ersten Teilen übernommen, ansonsten folgt Teil 3 einer eigenen Logik. Mag sein, dass Spuk sich immer an eine unbekannte Logik halten muss, und diese von Spukbeginn zu Spukbeginn wechseln darf/muss. Das wäre zumindest ein Erklärungsansatz für die wirren Welten aus „Poltergeist 2“ und „Poltergeist 3“.

Horrorfilme funktionieren oft auch ohne echten Zusammenhang zu ihren Vorgängern wunderbar, und auf schlichter Ebene trifft dies auch auf die zweite Fortsetzung von „Poltergeist“ zu. Wie erwähnt wird es ab und an gruselig (die böse Carol-Anne weiß zu wirken) und das Spiel mit den Spiegeln wird ausgeweitet in einen Bereich, der mehr Raum verdient hätte und erst in „The Broken“ zu vollem Einsatz kam: Spiegelmenschen treten in unsere Welt als böse Doppelgänger. Da hätte man wesentlich mehr draus machen können. Letztendlich schien man aber ohnehin nicht wirklich zu wissen, was man drehen will.

Es musste für den Markt zwingend eine Fortsetzung her, obwohl eine weitere von „Poltergeist“ das Publikum damals sicherlich nur gering interessiert hat. Ein Grund dafür war sicherlich das eben erwähnte hüpfende Prinzip, das nie einer Linie treu blieb. Vielleicht war das auch der Grund, dass man sich bei Bildern der anderen Seite an Szenen erinnert fühlt, wie sie Freddy Kruegers Alptraum-Welten zeigten. Im Gegensatz zu einer Fortsetzung dieser Reihe wollte das „Nightmare On Elm Street“-Publikum immer weitere Teile ihres Lieblings sehen. Warum also nicht dort klauen?

Hier zeigt sich wieder Shermans Stärke fremde Welten glaubhaft umzusetzen. Sicherlich war er es nicht, der die Settings erschaffen hat, aber er weiß wie er sie bedrohlich und wundersam einfängt. Diesmal wird viel mit Kälte gearbeitet, so dass das Jenseits meist schneebedeckt wirkt, jedoch auf unangenehm und gekünstelt frostige Art. Sherman schafft es, dass weiße Bilder in ihrer Ausstrahlung düster wirken. Und dies kombiniert mit der kompletten Spiegel(un)logik der Geschichte sorgt für einen wirren, aber interessanten und wirkungsvollen Trip durch die Handlung.

In einer der besten Jenseitsszenen wird noch ein wenig von John Carpenters „Christine“ geklaut. Was soll's, dafür klaute man für „Halloween 4“ später die Idee des kleinen Mädchens im Mittelpunkt, lebend bei Stiefeltern mit der großen Stiefschwester als Babysitter. So klaut jeder mal von jedem in der Welt der Fortsetzungen.

Die Darsteller schlagen sich wacker im Meer der Spezialeffekte, und bis auf manche arg 80er Jahre-lastige Frisur, wirkt auch keiner von ihnen lächerlich oder auf andere Art kontraproduktiv. Positiv hervorzuheben ist mancher Spezialeffekt, beispielsweise der Riss in der großen Spiegelwand ziemlich zu Beginn. Hierbei muss man beachten, dass noch nicht mit Computereffekten gearbeitet wurde, und das Entstehen des Risses durch unsichtbare Hand noch echte Handarbeit erforderte. Hut ab!

„Poltergeist 3“ kann man sich als kleinen Horrorfilm für zwischendurch ruhig einmal geben. Darauf gewartet hat sicherlich schon damals niemand, und mit heutigen Augen wirkt er ein wenig antiquiert. Aber er ist nie langweilig, manchmal gruselig und bietet tolle Bilder. Auf der Gegenseite ist er aber auch etwas zu wirr erzählt und scheint nicht immer einer innereigenen Logik zu folgen. Allein das Spiel mit den Spiegeldoppelgängern zeigt deutlich, dass man eher mit Ideen jonglierte, anstatt sie zu Ende zu führen oder wenigstens sinnig einzubringen. Dem Unterhaltungswert schadet das jedoch nur gering.


Trailer,   OFDb

LEADSVILLE NIGHTS (The Evictors 1979 Charles B. Pierce)


Ein Ehepaar kauft sich in den 40ern ein Haus. Von einigen Leuten aus dem Dorf erfährt die Frau, dass es im besagten Haus schon öfters zu ominösen Unfällen und Morden gekommen sei. Dies ist für die neue Besitzerin höchst interessant, fühlt sie sich doch seit dem Einzug beobachtet. Erst als ein Fremder ins traute Heim eindringt, nimmt ihr Ehemann die Sache ernst. Er alarmiert die Polizei und bringt seiner Frau das Schießen bei, da er häufig nachts arbeiten muss und seine Gattin somit nicht beschützen kann. Eines Nachts ist sie wieder allein zu Haus...


Ungebetene Gäste sind die Hölle...

Dieser kleine Thriller, mit Gruselfilm-Elementen, ist wirklich nicht der Rede wert. Das Endprodukt ist ebenso banal wie die eigentliche Geschichte, die in einem 20sekündigen Text zu Beginn als wahre Begebenheit angekündigt wird. Im finalen Off-Kommentar wird uns zudem erzählt was nach Ende der Geschichte dort angeblich wirklich geschah.

Bereits der Vorspann wirkt etwas dahingeschludert, erscheint die Schrift doch immer erst bei angehaltenem Bild. Zumindest hat diese Herangehensweise zum Ende des Vorspanns seinen Effekt, den kann man ihm nicht abstreiten. Das gezeigte Geschehen zwischen den Schriftzügen ist belangloses Rumgeballer, ein Rückblick der viel zu langen und unnötigen Art, der gleich ganze 5 Minuten des Filmes kostet. Das gleiche Material darf man auch gegen Ende wieder sichten, dort sollen aufgedeckte Tatsachen das Geschehen der ersten Szene anders wirken lassen. Das tun sie aber nicht, und die aufgedeckten finalen Ergebnisse reißen einen wegen Überraschungsarmut auch nicht gerade vom Hocker.

Die Regie ist untere Routine, das Drehbuch weiß nichts mit sich anzufangen und die Schauspieler spielen auch nur mit halber Backe. Traurig, immerhin verlief sich Jessica Harper in den Hauptcast. Ihr vorhandenes Talent zeigt sich sehr deutlich in dem verkannten Musical „Das Phantom im Paradies“, aber auch in ihrer wohl bekanntesten Rolle in „Suspiria“ zeigte sie, dass sie mehr als das kleine Horrorfilmpüppchen war. 

Aber was ist in „Leadsville Nights“ mit ihr los? Sie wirkt wie die 08-15-Besetzung eines solchen Streifens. Sie fällt durch nichts auf. Nur wer sie kennt kann immerhin bemerken wie lieblos sie von der Maske zurecht gemacht wurde und wie schockierend alt sie 1979 bereits aussah. Trotz alledem darf sie wenigstens noch niedlich und hilflos wirken, das war es aber auch schon.

In der deutschen Fassung kommt als ärgerlicher Faktor noch die Synchronstimme der zweiten Hauptrolle hinzu. Der Ehemann der Rolle Harpers nervt mit einer grummelig düsteren, gerade zu lüsternen Stimme. Zu Beginn des Filmes dachte ich mir noch, dass er sich vielleicht mit dieser Stimme zu früh als der Bösewicht outet. Die Beziehungspartner haben in solchen Werken immerhin häufig Dreck am Stecken. Aber schnell wird klar, dass er ernsthaft Sympathiecharakter sein soll. Eine merkwürdige Synchronisationsbesetzung. Der Deutschton reißt ohnehin nicht vom Hocker, ist aber noch o.k. zu nennen. Dafür sind die Texte manchmal sehr gewöhnungsbedürftig. Sie klingen in normalen Situationen teilweise völlig skurril, obwohl sie theoretisch authentisch wirken müssten. Sie sind filmfremd, im Prinzip etwas dass ich im Normalfall als sehr positiv empfinde. Aber ich wurde nicht ganz warm mit diesen Texten.

Die Regie kurbelte ziemlich simpel das fertige Filmchen herunter. Viel Zeit hatte man scheinbar nicht, echte Mühe ist nicht erkennbar. In einem Szenenwechsel sieht man kurz, wie die weggeblendete Frau gerade noch etwas sagen wollte. Herrlich, es wird immer mehr gedreht als verwendet wird, aber einen so herrlichen Patzer sieht man nicht so oft. Was soll’s, von seiner Machart her hat der Film ohnehin nur TV-Film-Flair, da sollte man in solchen Punkten dann doch nicht so streng sein. Sollte es ein Kinofilm gewesen sein müssten sich die Macher allerdings doch noch schämen.

Der Mann, der das Ehepaar belästigt, sieht nicht einen Hauch bedrohlich aus. Er wirkt wie ein Bauer mit Hut, bewegt sich wie jeder stinknormale Mensch und wird auch inszenatorisch nie nervenkitzelnd eingesetzt. Manche Möglichkeiten Thrill zu erzeugen werden deutlich durch unpassende Schnitte ruiniert, bei anderen Szenen hätte eine bessere Kameraarbeit eine effektvollere Wirkung erreichen können.

Die Mordszenen sind entweder in der deutschen Fassung lästig gekürzt oder bereits im fertigen Film ruppig zurechtgeschnitten. Bei der komplett kruden Machart würde es mich nicht wundern, wenn es letzteres wäre. Die Morde werden spektakulär unspektakulär gezeigt, was heißen soll, dass da zwar reißerisch ein großer Möchtegern-Wirbel entsteht, der Übergang von Angriff über eine nicht gesehene Tötung zum fertigen Ergebnis, der Leiche, allerdings harmlos und stümperhaft wirkt.

Immerhin kann die Musik in den spannend gewollten Szenen etwas punkten und gerade in der ersten Hälfte die Erwartung etwas steigern, bevor man endgültig enttäuscht wird. Auch die Kulisse weiß zu überzeugen. Die 40er werden zwar schlicht aber brauchbar wiedererweckt.

Die in die ohnehin recht langatmige Story eingebauten Rückblicke wissen leider nicht zu überzeugen. Sie strecken „Leadvilles Night“ lediglich in die Länge um Dinge zu erzählen, die in kurzen Worten auch anders hätten abgeklärt werden können. Die Auflösung ist relativ banal, zunächst überraschungsarm und erst in der allerletzten Szene einen Deu pfiffiger.

Die paar wenigen geglückten Punkte können das fertige Filmchen jedoch auch nicht mehr retten. Eine ähnliche Thematik auf härter hätte der wesentlich unterhaltsamere „Mondo Brutale“ zu bieten. Wer auf Horror nach wahrer Begebenheit hoffte sollte lieber zu „Amityville Horror - Eine wahre Geschichte“ greifen. „Leadsville Nights“ ist jedoch nur ein Stück Billigthriller, den man sicherlich schnell wieder verdrängt hat.



Trailer,   OFDb

KOMMISSAR KLEFISCH 3 - EIN UNBEKANNTER ZEUGE (1992 Kaspar Heidelbach)


Ein Unternehmer wird von jemand Unbekanntes erpresst. Seine Frau sucht den pensionierten Kommissar Klefisch auf, um herauszufinden wer den ehrenhaften Geschäftsmann um sein Geld bringen will. Der ominöse Besitzwechsel einer Münzsammlung, und der Verrat einer Kriegsfreundschaft lassen Onkel, wie Klefisch auch genannt wird, hellhörig werden. War der Geschäftsmann am Ende doch nicht so ehrbar wie vermutet?...


Lass den Alten ran...

Als ich vor etwas über einem Jahr meine erste Episode „Kommissar Klefisch“ guckte, tat ich dies in gemeinsamer Trash-Runde, dem Film im vorhinein kaum eine Chance gebend. Doch was sich sehr lustig als Trash bestätigte, war zeitgleich zumindest eine etwas billig heruntergekurbelte TV-Routine, die im Kleinen durchaus ihren Reiz hatte. Das änderte nun einige Zeit darauf nichts daran, dass eben jene Runde trashgieriger Leutchen sich an den dritten Teil der Reihe heranmachten (Teil 2 konnte nicht geguckt werden), um wieder etwas zu lachen zu haben, nicht um Kriminalfilm-Gelüste zu befriedigen.

Ich kann auch nicht behaupten, dass wir durch die etwas positive Überraschung des Erstlings mit mehr Respekt herangegangen wären. Dafür ist die Hauptrolle Millowitschs schlichtweg zu unsympathisch und eine Karikatur ihrer selbst. Der Charakter Klefisch strahlt vor unfreiwilliger Komik, wenn ein überheblicher und unhöflicher Tattergreis jedem die Leviten ließt und selbst in freundlich gemeinten Szenen noch immer unfreundlich wirkt. Klefisch hat weder Charme noch Respekt. Er ist ein penetranter, humorloser Schnüffler, der sich aufführt wie der Sheriff einer Kleinstadt im Wilden Westen.

Eine gewisse Neugierde, ob der Krimigehalt auch dieses Mal trotz übler Inszenierung Pluspunkte sammeln könnte, war dennoch vorhanden. Doch das erste was der Film bot war Trash. Die erste Einstellung zeigte Klefisch wie der Trashfan ihn braucht, im nächsten Moment wurde einem wieder bewusst wie unglaublich schlecht jeder spielt (selbst erfahrenste Schauspieler sprechen, als würden sie ihren Text von einem Teleprompter ablesen), und im Laufe der Zeit kristallisierte sich eine Krimihandlung heraus, der es an jedem Reiz fehlte.

Die Ermittlungen waren lahm, die Fährten uninteressant und der Hintergrund nie ganz nachvollziehbar. Endlose Dialoge mit einem Hauch Weiterkommen in der Geschichte, ständige Nahaufnahmen auf die Gesichter der Beteiligten (was zur optischen Ermüdung führte) und schlichtweg ein uninteressanter Kriminalfall ließen Teil 3 die wenigen Qualitäten vermissen, die Teil 1 noch bot. Dort war das Drehbuch um einiges besser und Charaktere sinnvoller in die Geschichte integriert. Ein Blick auf die Schauspieler verrät jedoch bereits das Zielpublikum. Junge Gesichter sieht man kaum. Der Film ist eine Herberge alter Menschen, die ab und an Gastbesuche vom Jungvolk bekommen.

Doch man sollte meinen, dass auch alte Menschen, eine Altergruppe die sich häufig für Krimis interessiert und dementsprechend schon viel Material konsumiert haben müsste, nicht alles fressen was man ihnen vorwirft. Mich würde es wundern, wenn der Streifen bei den greiseren Zuschauern auf Begeisterung stoßen würde.

Tat es der Film wenigstens bei uns Trash-Fans? Leider kaum! Klar, wir haben Klefisch, der ist eine Lachgarantie und damit Trumpf. Aber selbst der Freund filmischen Mülls braucht etwas mehr Dynamik in der Story, irgendetwas das ihn wach hält. Und das war gestern beim Schauen gar nicht so einfach. Irgendwie haben wir es trotzdem bis zum Schluss geschafft, wissen nun wer der Täter ist, was eigentlich niemanden mehr interessiert hat, aber unsere Tapferkeit wurde belohnt durch eben diese Täteraufdeckung. Die Wahl des Missetäters ist dabei gar nicht mal schlecht zu nennen. Aber die Methode, mit welcher Klefisch den Täter überführt ist peinlichste Drehbucharbeit und auf einem Niveau, von dem sich Hobby-Kollegin Miss Marpel angewidert abwenden würde.

HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX (Harry Potter And The Order Of Phoenix 2007 David Yates)


Die Öffentlichkeit will nichts von Potters Worten hören, Voldemort sei zurück. Als die Schule eine neue Leitung erhält und neue Regeln die Rechte der Schüler stark einschränken, organisiert sich Harry mit Mitschülern heimlich zu einer Untergrundorganisation, um für den Kampf gegen den mächtigen Lord zu trainieren...


Der geheime Bund...

Der 5. Harry Potter weiß im Gesamtbild zu überzeugen, ist allerdings nicht mehr so gut wie sein Vorgänger, der meines Erachtens der bisher beste Teil der Reihe war. Zumindest bleibt uns der erwachsenere Stil erhalten, ein wichtiges Element. Die Kreaturen sind streckenweise recht gruselig umgesetzt, solang kein Blut fließt finde ich sie allerdings nicht grausig genug um über eine höhere FSK-Freigabe mitzudiskutieren.

Inhaltlich passiert wieder wenig und viel zugleich. Wie in jedem Potter bekommt man allerhand Erlebnisse um die Ohren geschmissen. Reduziert auf die wichtigen Fortschritte in der Gesamtgeschichte erzählt Episode 5 allerdings eigentlich nur den Übergang von der Ignoranz der Leute, dass der der nicht genannt werden darf zurück ist, zum allgemeinen Wissen über die Wahrheit dieser Aussage. Aber ebenso wie in der hochgelobten "Herr der Ringe"-Trilogie war bisher jeder Harry Potter Teil gesamtinhaltlich nicht sehr beladen. Und so lange ein solches Werk dennoch unterhält, ist das auch nicht so schlimm, doch bei aller Liebe zu dieser Reihe: toll ist so etwas auf der anderen Seite auch nicht.

Positiv fällt auf, dass das olle Sportspiel diesmal gar nicht erst erwähnt wird. Ich fand es ohnehin immer unnötig eingebracht. Die Spezialeffekte sind wieder erste Sahne, es wird allerdings zu viel der Effekte wegen inszeniert. Wie lässt sich sonst eine völlig unnötige Flugszene über Wasser erklären, die den ohnehin schon unter Zeitdruck geratenen Film lästige Minuten klaut? Eine weitere Flugszene wirkt enorm unnötig. Dort will man unbedingt neu eingebrachten Kreaturen weiteren Raum schenken, und so fliegen unsere Helden mit diesen Tieren durch die Gegend, wo es doch sonst immer der Besen getan hat. Das ist halt leider Hollywood-Kino, auch wenn die Vorlage europäischer Natur ist.

Der eben erwähnte Zeitdruck auf tauglicher Spielfilmlänge zeigt sich in verschiedenen Gebieten, mal mehr mal weniger deutlich. Das von vielen kritisierte Hetzen durch verschiedene Situationen ist zwar auffällig aber nicht wirklich störend. In den meisten Fällen vertieft man die wichtigen Punkte (zumindest für Leute, welche die Bücher nicht kennen) und lässt manches nur am Rande auftauchen. Ob beispielsweise die Szene mit dem Riesenbruder im Wald sein musste, beantwortet sich wahrscheinlich erst mit den Fortsetzungen. Sollte dies der einzige Auftritt bleiben, hätte man auch hier wertvolle Minuten einsparen können für andere Bereiche.

Solche Bereiche wären z.B. die Neueinführung der Rolle des blonden Mädchens gewesen. Sollte sie für die weiteren Folgen wichtig werden, hätte man ihren Charakter ruhig noch vertiefen können. Im Gegenzug wird der Charakter der Lehrerin vom Ministerium wirklich intensiv herausgearbeitet und wird auch schauspielerisch überzeugend und mit Freude am Spiel verkörpert.

Mit den traurigsten Part der Vernachlässigung erhält mal wieder Potters Widersacher gleichen Alters. Ohnehin in jedem Teil zu kurz kommend und zu lächerlich wirkend, bekommt er hier eine schöne Position zugeschrieben, die unverständlicher Weise nur kurz angedeutet wird: die Rolle eines Schulüberwachers. Durch Filme wie "Mord in der Highschool" und "Karate Kid 4" bereits bekannt, ist dies ein fragwürdiges Mittel einiger US-Schulen, in der ausgewählte Schüler für Ruhe und Ordnung bei Ihresgleichen sorgen müssen/dürfen. Schade dass das hier nicht weiter vertieft wurde. Immerhin ist das ein sehr politisches Thema, und für eine Fantasy-Reihe, die fast als Kinderfilm begann, ist dieser Teil 5 ohnehin sehr politisch geraten. 

Wir erleben Kritik an fragwürdigen Schulreformen (in Amerika besonders katastrophal während der 90er Jahre passiert und bis heute noch unverändert, in Deutschland seit der Pisa-Studie aktuell und spätestens mit der Diskussion über Englischunterricht in Kindergärten fragwürdig), und der viel wichtigere politische Teil ist der Verweis auf den Monopolstatus der Medien. So vielschichtig sie auch erscheinen, nur wenige haben das Sagen über Fernsehen und Zeitungen. Und so erleben wir in diesem Film die Macht der Manipulation über eine Printmedie, die aufgrund ihres Monopolstatus Propaganda über Harry Potter verbreiten kann.

Das so etwas eingebracht wird ist toll, gerade in ignoranten Zeiten wie diesen, wird aber scheinbar eh nur von denen entdeckt, die bereits den modernen Faschismus begriffen haben. Das ganze ist schließlich so in eine fantasiereiche Märchengeschichte eingebracht, dass es nicht die Leute erreichen wird, die bisher träumten. Für die ist „Harry Potter 5“ nur ein Gebiet um sich durch Zaubergeschichten weiter zum träumen animieren zu lassen. Aber das politische Gebiet das hier angesprochen wird ist in einer Großproduktion wie Harry Potter ohnehin eher als fraglich anzusehen. Auch die großen Kinofirmen gehören zu den fragwürdigen Elementen in der Medienlandschaft und werden immer mächtiger. Dass es gerade eine große Produktionsfirma wie die des 5. Harry Potter wagt diesen Bereich politischer Kritik zu gehen, ist schon arg heuchlerisch und kann auch im Aufklärungsbereich kontraproduktiv wirken.

Insgesamt ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ aber ein sehr geglückter Film, in dem immer noch jede Rolle hervorragend besetzt ist, in dem die Effekte sehr geglückt sind, manche aber auch wegen ihrer Unnötigkeit nerven. Es ist ein Film in dem ein politischer Sub-Plot eingebracht wurde, in dem es schön abenteuerlich mit erwachseneren Problemen zur Sache geht, in dem die Lovestory Potters zum Glück an der kurzen Leine gehalten wird und in dem wir mehr Hintergründe zum Potter-feindlichen Verhalten des dunklen Lehrers erhalten.

Da ist für Freunde der Filme des jungen Zauberers viel herauszuholen und wird den meisten auch sicherlich viel Spaß machen. Wer die ersten vier Teile nicht kennt, wird hoffnungslos daneben sitzen und so gut wie nichts verstehen. Aber das sehe ich als Vorteil dieser Filmreihe. Warum soll man Fortsetzungen so erzählen, dass Neueinsteiger das Werk ebenfalls verstehen können? Die sind es schließlich selbst schuld, wenn sie die Vorgänger nicht zuvor gesichtet haben.

Ein so großer Wurf wie sein Vorgänger ist der Orden der Phönix nicht geworden, dafür ist er besser als der etwas wackelige 3. Teil und erwachsener als die gelungenen ersten beiden Teile. Wer weiterhin bunte Kinderfantasien sichten will, muss sich leider mit den ersten beiden Episoden zufrieden geben. Ich persönlich freue mich bereits auf den sechsten Teil.


Trailer,   OFDb

DIE BESTIE (2004 Michael Valentin)


Ein Jogger fühlt sich verfolgt. Etwas scheint ihn zu bedrohen. Als er des Rätsels Lösung erfährt ist es zu spät...


Joggen ist Sport, und Sport ist Mord...

Wackelnde Büsche, ein nervöser Jogger, was scheint ihn zu bedrohen? Eine Frage, die sich auch der Zuschauer dieses 4-Minüters stellt. Ein Käfer, zu Zwecken der Atmosphäre eingefangen, hätte der Verfolger sein können. Das vermutete ich, immerhin war das humorvolle Anliegen Valentins Filmchens klar. Aber es sollte nicht das olle Insekt sein.

Für die Auflösung hatte man dann auch wen interessantes parat. Völlig harmlos wirkend, wahrscheinlich bei irgendwem aus der näheren Familie entliehen. Überraschend ist die Auflösung nicht, dafür jedoch die Tat der Bestie nach Aufdeckung.

Sicherlich erleben wir im Finale nicht die Königsübung aller Spezialeffekte, aber nachdem der Rest in wenigen Minuten ohne große Mühe umzusetzen war, überrascht es ungemein was Valentin uns da serviert: Splatter auf die Billigart, aber immerhin Splatter.

Das Spiel mit dem Zuschauer und ebenso das Ziel der Verwirrung mit dem Unerwarteten hat Valentin gut im Griff. Er nimmt sein Stück Trash nicht zu ernst, aber ernst genug um es richtig umzusetzen. Verschiedene Kameraperspektiven, kein endloses Geruckel bei den Aufnahmen des Joggers, und das Wackeln des Gebüschs sieht so lächerlich unecht aus, dass auch dieses Ergebnis eigentlich nur gewollt sein kann.

Valentin erzählt sein Nichts an Story kurzweilig, interessant und witzig! Herausgekommen ist ein Kurzfilm für Trashfreunde, die hier sicherlich kein Überwerk ihres Lieblingsgenres präsentiert bekommen, aber immerhin ein unterhaltsames. Allein beobachten zu dürfen, was Menschen in ihrer Freizeit aus Jux so auf die Videokamera bannen, ist für Cineasten mit Hang zum filmischen Müll immer wieder ein Reiz für sich. „Die Bestie“ ist schnell geguckt und schnell wieder vergessen. Aber nicht ohne zwischendurch geschmunzelt zu haben!

Donnerstag, 14. Februar 2013

FRIGHT NIGHT 2 - MEIN NACHBAR, DER VAMPIR (Fright Night 2 1988 Tommy Lee Wallace)


Charlie Brewster war in Therapie und ist nun geheilt. Es gibt keine Vampire. Sein alter Kumpan Peter Vincent sieht dies jedoch völlig anders. Doch auch Charlie muss der Wahrheit ins Auge sehen. Nicht nur dass in seiner Nachbarschaft gerade eine komplette Vampirfamilie eingezogen ist, als Verwandte des von ihm und Peter getöteten Jerry Dandridge haben sie sich einen besonderen Racheplan für die beiden ausgedacht...


Der furchtlose Vampirkiller kehrt zurück...

Fright Night“ gehört in meinen Augen zu den besten Filmen die es im Bereich des Vampirhorrors überhaupt gibt. Deswegen war ich alles andere als böse darüber, dass eine Fortsetzung hinterhergeschoben wurde. Diese erfreut mit den wichtigsten Gesichtern aus Teil 1 und damit direkt auf den Geschehnissen des Vorgängers aufzubauen.

Zunächst wirkt die Story wie eine schlichte Kopie, im Laufe der Zeit wird zunehmend deutlicher um was es eigentlich geht, und dass Teil 2 sehr wohl einen eigenen Weg beschreitet: Der Schwestervampir des in Teil 1 getöteten Blutsaugers will Rache. Und dafür soll Brewster selbst ein Wesen der Nacht werden.

Diese Idee war schon in seiner Entstehungszeit nicht neu. Immer wieder wurden Teens zu irgendwelchen Monstren, was manchmal verhindert werden musste („Einmal beißen, bitte“) und sich manchmal als angenehmer als vermutet herausstellte („Teen Wolf“, „Liebe mit Biss“). In den 80er Jahren wurde es typisch, das Horrorgenre humoristisch zu untermalen. Und da gerade auch eine Teenie-Film-Welle durch die Lichtspielhäuser geisterte, war eine Flut dieser Filme unausweichlich.

„Fright Night 2“ ist, ebenso wie sein Vorgänger, humorvoll erzählt, im Gegensatz zu den eben genannten Vergleichsfilmen steht der Horror allerdings im Vordergrund. Doch um zu erörtern warum die Fortsetzung des so gelungenen „Die rabenschwarze Nacht“ nicht richtig funktioniert ist der Komikfaktor ein gelungener Einstieg:

Der Vorgänger verwendete stillen Humor, der nur ganz selten laut wurde, beispielsweise wenn der furchtlose Vampirkiller sich als Angsthase entpuppte. Teil 2 bietet Holzhammer-Komik mit sich verletzenden Vampirwesen und dem Spiel mit ihrer ungewöhnlichen Lebensart. Der Humor der Fortsetzung ist auffälliger, nicht zu übersehen, er ist aber auch geringer dosiert als im Original.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Vampire selbst. Der Blutsauger des Originals war ein mystisches Wesen, düster und für das weibliche Geschlecht erotisch. Die Vampire der Fortsetzung sind Freaks, jeder mit seinem ganz besonderem Charakter-Special versehen, leider keiner mit ernsthaft besonderem Reiz. Der eine frisst Insekten, ein anderer mordet auf Rollschuhen, einer ist ein sexgeiler Tölpel, lediglich der Obervampir, die Schwester des Verstorbenen 1000jährigen Dandridge aus Teil 1, wird versucht auf mystische und erotische Art darzustellen.

Ihr Schauspiel auf der Party und in der Fright Night-Sendung haben einen Hauch dieser Mystik ihres Bruders, aber nicht die Person selbst. Und wo ihr Vorgänger auf geheimnisvolle Art erotisch anziehend war, ist es seine Schwester auf die ganz gewöhnliche, gerade zu plumpe Art.

Die ungewöhnlichen Vampircharaktere deuten zumindest darauf hin, dass man das Original nicht einfach wiederholen wollte. Das ist an sich lobenswert, aber dem Ersatz fehlt es schlichtweg an Klasse und Wirkung.

Wegen seines ständigen, nicht zu aufdringlichen, Spiels mit der Erotik, war auch der Soundtrack Brad Fiedels enorm wichtig für die intensive Wirkung des Originals. So erfreut es zunächst, dass auch in der Fortsetzung seine Musik wieder eingebracht wurde. So toll sie ist, so schade ist es zu merken, dass die Bilduntermalung nie der großartigen Musik gerecht wird. Und die Gesangsversion des „Fright Night“-Themas im Abspann ist fast wie ein Tritt ins Gesicht.

Die Darsteller auf der Menschenseite sind im groben die selben wie jene aus Teil 1 geblieben. Lediglich die Frau an Brewsters Seite wurde ausgetauscht. Sie spielt o.k., aber kaum nennenswert, ebenso wie ihre Vorgängerin. Diese hatte immerhin ein paar nette Passagen vom Drehbuch geschenkt bekommen. Die Neue hat nur noch ganz selten besondere Momente, z.B. wenn es um die Diskussion minderer Literatur geht. In den Szenen in denen sie wichtig wird (z.B. wenn sie Peter Vincent aus der Irrenanstalt befreien soll) schimmern ihre schauspielerischen Defizite durch. Das ist schade, da sie ansonsten als starke, intellektuelle Freundin neben Brewster wirkt.

Roddy McDowall, erneut als der furchtlose Vampirkiller besetzt, bringt wie immer seine besondere Mimik mit ein. Er wirkt in seiner Darbietung allerdings blasser. Sein Spiel wirkt wie routinierte Pflicht. Ein Glück dass er ein Profi war und auch mit halber Backe noch immer gut zu wirken wusste.

William Ragsdale wirkt gewöhnlich. Das ist sein Trumpf in dieser Rolle, erklärt aber auch warum er es nie zum großen Bekanntheitsgrad geschafft hat. Teil 2 fordert von ihm mehr Schauspielkunst als er besitzt. Sehr deutlich wird dies bei seiner Darstellung der Hin- und Hergerissenheit zwischen Freundin und Vampirchefin während der fast finalen Metamorphose zum Nachtwesen. In solchen Momenten wird es „Fright Night 2“ zum Vorteil eine Horror-Komödie zu sein, so wirkt diese Überforderung wenigstens nicht peinlich.

Regisseur Tommy Lee Wallace hat Routine abgeliefert. Selbst wenn man „Mein Nachbar, der Vampir“ (Alternativtitel) völlig für sich sieht (was beim direkten Storyaufbau zu Teil 1 kaum möglich ist) ist er nur ein kleiner Routinefilm geworden. Nie kommt echte Spannung oder (noch viel wichtiger) Atmosphäre auf. Nie konzentrierte Wallace sich bei seiner Erzählung auf etwas bestimmtes. Alles sollte eingebracht werden, keiner durfte in seiner Rolle zu kurz kommen, und so erreichte er am Ende das genaue Gegenteil.

„Fright Night 2“ hat durchaus seine Vorzüge: Er präsentiert gelungene Kreaturen, ist nett getrickst, einige Gags wissen zu belustigen, langweilig wird es auch nie, und es ist besonders lobend zu erwähnen, dass die Geschichte in aller Seelenruhe angekurbelt wird, nicht gleich den großen Knalleffekt präsentiert und dass das was erzählt werden soll, einem nicht direkt auf die Nase gedrückt wird. Aber all dies verhilft dem Streifen nicht zu einem besseren Ergebnis.

Nun ist Wallace auch nicht gerade für eine großartige Schaffenskunst bekannt. Als Schüler John Carpenters ist die Liste seiner Leistungen sehr enttäuschend. Von den Filmen, die ich von ihm sah, konnte mich bisher nur „Es“ überzeugen. „Halloween 3“ war lediglich kurzweiliger Trash und „Urlaubsausflug auf die Insel des Grauens“ war eine filmische Beleidigung an die Zuschauer. Wenn man bedenkt welche Möglichkeiten der Mann hatte (Schüler von Carpenter, eine „Halloween“-Fortsetzung, eine Stephen King-Verfilmung, Fortsetzungen zu Hits wie „Fright Night“ und „Vampire“) ist es unübersehbar, dass er im Regiestuhl höchstens etwas fürs Fernsehen taugt.

„Mein Nachbar, der Vampir“ ist kurzweilig aber belanglos. Er ist bemüht aber blutleer. Und er verspielt jede Menge Potential, insbesonders bei der Musik und den Figuren.


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CATACOMBS - UNTER DER ERDE LAUERT DER TOD (Catacombs 2007 Tomm Coker u.a.)


Die Amerikanerin Victoria reist auf Wunsch ihrer dort studierenden Schwester nach Paris. Kaum dort angekommen, wird sie von ihr zu einer ungewöhnlichen Party geschleppt: eine unterirdische Techno-Fete in den Katakomben von Paris, einem unübersichtlichen Labyrinth, in dem sich Victoria nicht nur wie zu erwarten verläuft, sondern auch auf einen legendären Killer stößt, von dem die Kids der Stadt sich erzählen...


Die Horror-Party...

Dunkle Bilder wegen düsterer Kulissen, wackelige Optik und hektische Schnitte wegen viel rennen und Panik haben, all das sind Elemente von „Catacombs“ mit denen sich viele schwer tun, die ich hingegen sogar recht passend und atmosphärisch fand, zumindest soweit wie die restlichen Komponenten des Streifens es zulassen. Von einer packenden Atmosphäre könnte ich aber nur dann sprechen, wenn sie dicht und spannungsgeladen ist, aber das sind Adjektive, die dank diverser Fehler nicht ins Repertoire der Filmschaffenden Coker und Elliot passen, zumindest wenn sie zusammen arbeiten.

Der größte Fehler von „Catacombs“ ist seine überraschende Auflösung. Aber damit meine ich keinesfalls die Auflösung an sich, die ist eigentlich ganz o.k. Sie mag für viele überraschend kommen, ist aber zu erahnen, wenn man zu Beginn den Erzählungen lauscht, was die Ortsansässigen Franzosen gerne mit Neulingen in der Stadt anstellen. Das Problem an der Schluss-Überraschung ist einfach, dass der komplette Film sich ihr fügen muss, und dementsprechend konstruiert wird der Rest zuvor aufgebaut für den einen Zweck: der Schluss-Pointe.

So wird auf der Party die Legende des Killers erzählt, Hauptfigur Victoria geht auf dümmstem Wege verloren, wird trotz Polizeiräumung allein zurückgelassen und ist dann doch nicht allein. Der Killer? Nein, das glaubt sie, aber es ist ein weiterer, von der Polizei nicht gesichteter, Partygast, ein Franzose der allerlei Englisch versteht, es aber nicht sprechen kann. Er ist nicht der Mörder, keine unübliche Überraschung, aber irgendwann muss der Killer schließlich mal zuschlagen. Tut er aber lange Zeit nicht! Tut er es doch mal, bleibt er gegen alle Slasher-Gewohnheiten den Augen des Zuschauers fern. Für die überraschende Auflösung am Schluss muss das auch so sein, lässt aber auf der einen Seite diesen Finaltrumpf erahnen und auf der anderen Seite muss mit einem nicht sichtbaren Killer vieles schlecht umgesetzt werden.

Das soll heißen, damit der Verfolger für den Zuschauer unsichtbar bleibt, muss sich Victoria noch dämlicher benehmen, als ohnehin schon. Und sie darf nicht zu viel verfolgt werden, also wird die Füllzeit bis zum Zusammenstoß mit dem Mörder mit Belanglosigkeiten langgestreckt. Diese sorgen jedoch nie für Spannungspotential oder für interessante Ablenkung. Alles was der Drehbuchautor uns hier auffährt (Ratten, unterirdische Müllkippe samt schmerzlichem Regenschirm, die Begegnung und diverse Auseinandersetzungen mit dem Raver, der Sturz in einen unterirdischen Tümpel) bleibt wirkungslos und präsentiert sich uns als das, was es nun einmal ist: belangloses Füllmaterial zum Spielfilmlänge-Strecken.

Dank der Abenteuer, welche die junge Victoria da erlebt, sieht sie extrem derangiert und misshandelt aus, noch bevor der Killer Hand anlegen musste. Das hat schon eine gewisse unfreiwillige Komik, lässt es sich doch kaum vorstellen, wie die Dame durch den Alltag kommt. Wie macht sie sich ein Brot ohne sich mit dem Messer zu schneiden, in die Butter zu greifen und ohne sich die Birne an der Spüle anzustoßen?

Die kleinen Anflüge dieser Art Komik und einige Ärgernisse ohne angenehme Nebenwirkung füllen den kompletten Film. Auch hier lässt sich wieder die Schluss-Pointe mit aufzählen, die aufgrund dessen was alles zuvor geschah recht unglaubwürdig wirkt. Aber sie ist nicht gänzlich ohne Faszination, soll also noch verziehen sein. Was aber unglaublich nervt ist die Hauptfigur an sich, die ewig Streits vom Zaun bricht, egoistisch handelt, fremdenfeindlich ist, ewig rumzickt, mit Beleidigungen um sich wirft, eine Dummheit nach der nächsten begeht und keinerlei Blick über den Tellerrand wagt.

Völlig verständnislos wehrt sie eine Attacke ihres Begleiters ab, den sie kurz zuvor blutend und schwer verletzt in einer Grube allein hat liegen lassen, nachdem sie ihm Stadtplan und Taschenlampe entwendet hat. Nun treffen sie wieder aufeinander, er zu recht verärgert, sie völlig außer sich, dass er nicht laut „Hurra“ ruft, wenn er sie sieht.

Das ist mehr als bloß eine biedere Person. Die mangelnde Lust auf Party und diverse Ängste kann man ihr sicherlich verzeihen. Es ist nicht die biedere Art, die nervt, es ist die egoistische Seite ihrer Person, die das Begleiten Victorias durch die Geschichte des Films so unerträglich macht.

Bieder muss sie sicherlich sein. Das gehört zu einem Horrorfilm, und ganz besonders zu einem Slasher, sicherlich dazu. Und doch ist hier mein Hauptkritikpunkt zu entdecken, der mir „Catacombs“ von Beginn an unangenehm auffallen ließ. Filme wie „Halloween“ und „Freitag der 13.“ waren seit je her auf Spießertum aufgebaut: habe nicht zu früh Sex, trinke nicht, etc. Das war auch vollkommen o.k. Immerhin wurde hier die Prüderie der Amis gezeigt, und junge Mitglieder dieses biederen Landes wurden für ihre Vergehen gegen die Tradition und die Werte in filmischer Übertriebenheit bestraft. Je nach Werk war dies pro oder anti-Spießertümlich gemeint.

Mittlerweile zeigt sich jedoch eine Verschiebung in diesem Bereich. Immer häufiger lassen Filmemacher ihre biederen Ansichten auf das zügellose Europa stoßen und stellen uns damit als höchst fragwürdig hin (aus Ami-Sicht). „Hostel“ dämonisierte die Rumänen (ein Volk bei dem Amis nur all zu gerne kostengünstig Filme drehen, so auch hier bei „Catacombs“ geschehen), im hier besprochenen Film sind es die Franzosen.

Schon bei der Einreise muss Victoria unangenehme Fragen und Taschenkontrollen über sich ergehen lassen (spätestens bei der Frage wo sie denn wohnen wolle, wird arg deutlich, dass die Amis hier von sich auf andere schließen), die Jungfranzosen sind alles Partyzombies, die sich einen Dreck um das Wohlergehen anderer kümmern, und mehr noch: Sie sind die Ausgeburt des moralisch Bösen. Bier reicht nicht, das Teufelsgetränk Absinth muss konsumiert werden, zügelloses Nacktbaden mit Gefummel unter fremden Augen gehört zur Tagesordnung, kurzum: der moralische Verfall hat sich in Europa reingefressen, ein Hoch auf das reine Amerika!

Hier zeigt sich politische Korrektheit wieder von ihrer faschistischen Seite, immerhin blenden Amis meist den Fakt aus, dass man in Europa die Freiheit besitzt all dies zu tun, es in Amerika jedoch wesentlich schwieriger ist, im ach so freien Land, wie es sich selbst gerne hoch preist. Damit die Propaganda geschluckt wird, muss Europa auch stets als unfrei gezeigt werden, so geschehen auch in „Catacombs“ wenn man die Flughafenkontrolle mit falsch höflichem und asozialem Personal sichten darf, oder aber auch die Polizeiräumung, die Brutalitäten zwar nur andeutet, aber dies schon sehr direkt.

Das ist eine Ausländerfeindlichkeit, die sich in „Catacombs“ von Beginn an zeigt, gepaart mit Sensationsgier, wenn die Geschichte der Katakomben von Paris auf die unheimliche und reißerische Art erzählt wird und im Deutschen zudem noch mit einer knallharten Stimme, eine solche, die auch immer die Filme in der Privatfernseh-Vorschau und in Kinotrailern ankündigen darf: cool, hart, peinlich.

Peinlich auch, dass man sich den internationalen Superstar Pink an Bord holt, der werten Dame jedoch eine freizügige Rolle gibt, die diese nicht ausfüllen kann. Die Schwester der Hauptrolle soll als Schlampe dargestellt werden, badet mit den anderen nackt im unterirdischen Katakombentümpel, ist aber die einzige, deren Oberweite man nicht sichten darf. Klar, diese gehören der Sängerin und in ihrem Beruf ist das verständlicher Weise (noch) Tabu. Aber warum besetze ich den Promi, der sich nicht entblößen darf, dann ausgerechnet auf diese Rolle?

Das mag Kleinkrämerei sein, immerhin gibt es zumindest Brüste in einem Ami-Streifen zu sehen, andererseits ist ja genau dies der Punkt, der Kids seit je her in Horrorfilme gelockt hat: Hier darf man das zeigen.

Auch in einem unterhaltsamen Horrorstreifen hätte ich all dies zu kritisieren gehabt, es hätte jedoch bei guter Restumsetzung lediglich Punkteabzug gegeben. Aber da „Catacombs“ auch als Horrorfilm an sich nicht zu gefallen weiß, bedeutet dies den Totalabsturz. Schade um die überzeugende Hauptdarstellerin, die meist stimmige Musikuntermalung und die schön anzuschauenden Nachbauten der Originalkatakomben.


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HERBIE FULLY LOADED (2005 Angela Robinson)


Maggie ist unter Rennfahrern groß geworden. Deswegen gefällt es ihr auch gar nicht, als sie beim Autokauf versehentlich den VW-Käfer Herbie erwicht. Der Frust ist schnell über Bord als Maggie Herbies Eigenleben und seine Geschwindigkeit entdeckt. Nun will sie Rennen fahren, aber ihr Vater, ein erfolgloser Rennfahrer, möchte das nicht…


Ein weiblicher Fahrer…

Zum sechsten Mal ist Herbie nun im Einsatz, und gäbe es im Vorspann nicht einige Szenen aus den Vorgängern und eine kurze Brücke zum aktuellen Teil, hätte man auch von einem freien Remake sprechen können. Nachdem Teil 5 nur noch ein kleiner TV-Film war, hat wohl auch niemand mehr mit einer echten Kinofortsetzung gerechnet. Selbst Dean Jones, Hauptdarsteller aus Teil 1 und 3, nicht, gab dieser doch im 5. Teil mit Bruce Campbell in der Hauptrolle bereits seinen Gastauftritt (der auch nicht seine emotionale Wirkung verfehlte), statt in diesem 6., der seiner würdiger gewesen wäre.

Nun ja, es beginnt alles, wie bereits erwähnt, mit Szenen aus den alten Filmen (die Kakteenumfahrszene ist als meistgezeigtester Rückblick auch wieder mit dabei) in einem Vorspann, der uns zu all dieser aufs Auge drückenden Nostalgie einfach nicht das dazu passende Lied präsentieren will. Das Herbie-Thema taucht nur einmal kurz, ziemlich zu Beginn des Streifens, auf, um danach nie mehr gehört zu werden. Schade, dabei gehört es doch zu den Top-Ohrwürmern der von der Masse vergessenen Soundtracks.

Die Geschichte konzentriert sich, wie bei den meisten Vorgängern, wieder auf das Rennen fahren. Am Steuer sitzt nun nach Bruce Campbell Lindsay Lohan, die mit ihrem Auftreten der Fortsetzung auch den nötigen Schwung bietet. Ohnehin ist Teil 6 recht flott inszeniert und mit bekannten Gesichtern in Nebenrollen verfeinert. Das ist in Anbetracht auf das zu routinierte Drehbuch auch dringend nötig. Dafür überrascht dieses mit einigen lockeren Witzen am Rande (wie das angebliche Treffen Herbies mit Kid aus „Knight Rider“). Aber das dürfte für einen Kinofilm ja wohl auch das mindeste sein inmitten von fleißigem Klau aus eigenen Reihen.

Im groben wird Teil 1 abgewandelt neu aufbereitet mit Elementen aus Teil 4 (Herbie verliebt sich in ein anderes Auto, diesmal ohne peinliche Autokinder). Während man sich im Original für alles viel Zeit ließ, arbeitet Teil 6, für seine Zeit typisch, inhaltlich alles flott ab. Das gibt dem fertigen Werk auf der einen Seite zwar ein flottes Gewand, auf der anderen Seite werden zwei wichtige Bereiche dadurch falsch eingesetzt.

Da wäre zum einen die obligatorische „Ich habe Herbie enttäuscht“-Szene, die so früh einsetzt, dass eine Freundschaft zwischen der Besitzerin und dem Auto noch gar nicht möglich war, was dem ganzen ohnehin schon dick aufgetragenen Gefühlsschmus noch zusätzlich fehl am Platz wirken lässt. Wenn man schon eine Geschichte kopieren will, dann sollte man auch Ursache und Wirkung beachten, gerade im psychologischen Bereich.

Der zweite Punkt ist wichtiger: Das finale Rennen war in Teil 1 eine lange Prozedur durch die Landschaft, was dem bösartigen Gegner genug Möglichkeiten bot sich unfair zu verhalten und zu blamieren. Im aktuellen Teil erleben wir das klassische Rennen mit ewigem im Kreis fahren, bei dem dann irgendwann unsere Heldin gewinnt weil sie einfach schneller war. Die miesen Tricks des, mit Matt Dillon so hervorragend besetzten, Gegners kann man an einer Hand abzählen. Dillon spielt unglaublich gut und überzogen comichaft. Dass er das drauf hat bewies er ja bereits bei „Verrückt nach Mary".

Michael Keaton als Lindsays Vater spielt auch ordentlich, hat aber einen uninteressanten Part erwischt. Dieser mutiert zu allem Überfluss, Disneyfilm sei Pflicht, zum Familien-Gefühls-Papa, woher auch immer diese Läuterung zum Finale hin kommen soll. O.k., dann fährt Töchterchen trotz allem vorrangegangenen Papa-Protestes halt doch, und die an sich doch niedlichtraurige Begründung zuvor, warum Daddy sein Töchterchen nicht fahren lassen wollte, löst sich einfach so in Luft auf.

Nun gut, einen Film wie „Herbie Fully Loaded“ sollte man sicherlich auch nicht zu streng sehen, soll er doch nur flotte Popkorn-Unterhaltung bieten und schnell wieder vergessen sein. Dennoch muss sich auch ein solches Werk berechtigte Kritik gefallen lassen. 

Dass in Zeiten modernem Trickkinos auch Herbie selbst mutiert ist, und zwar zu einer Art freundlicher „Christine“, ließ sich wohl nicht vermeiden, ist bis auf eine völlig blödsinnige Komplettmutierszene im Hintergrund auch halbwegs o.k., obwohl es Herbie zu sehr vermenschlicht. Gerade Teil 2 erklärte dem damals noch aufgeschlossenerem Menschen, wie es sich mit der Seele von Gegenständen verhält, ohne diese gleich auf das Menschliche zu beziehen. Es ist schon interessant dass in einer Zeit, in der sich Leute gerne politisch korrekt nennen, gerade das Hineinfühlen in Andersartige kaum möglich scheint. 

Die mimischen Tricks Herbies sind simpel wie brauchbar und niedlich noch dazu. Schade dass man auf der Schrottplatzszene, in der er und seine zukünftige Fahrerin sich das erste Mal begegnen, nicht das niedliche Hupen aus Teil 1 ertönen ließ, dies hätte die sympathische Wirkung des kleinen, traurigen Käfers in dieser Phase des Films noch unterstreichen können.

Mein letzter Kritikpunkt ist wieder inhaltlicher Herkunft. Wenn man den Film schon auf eine Fortsetzung auslegt, statt auf eine Neuverfilmung, dann sollte man daraus auch die inhaltlichen Konsequenzen ziehen. So gut wie Sport-Freaks sich Daten und Personen merken können (dem Cineasten im Filmbereich recht ähnlich) müsste sich doch bitte irgendwer an Herbie erinnern können. Er war ja nun auch damals schon nicht gerade das typische Rennauto und sorgte für allerhand Schlagzeilen.

In Zeiten vom Internet stellt sich diese Frage bereits bei der Rolle Matt Dillons. Hätte er sich erkundigt würde dies auch erklären, warum er viel zu schnell vom Eigenleben Herbies überzeugt ist, während andere erst x Situationen mit dem Käfer durchleben müssen um das zu begreifen. Dies tat er nicht, und bei ihm könnte man noch, passend zu einem Comicbösewicht, argumentieren, dass er einfach zu blöde ist um auf eine solche Idee zu kommen. Warum aber jeglicher Beteiligter des Rennsports, welche Aufgabe auch immer er hat, nicht einmal von dem kleinen Käfer aus den 60er und 70er Jahren gehört hat, bleibt ein ewiges Rätsel von „Herbie Fully Loaded“.

Was manch einer als Kleinkrämerei auslegen mag, sind für mich, auch in einem Popkornfilm, kritikberechtigte Punkte. Immerhin hemmen derartige Unlogiken und die Ignoranz das Sehvergnügen des sonst so flotten Filmes. Teil 6 hätte ein gelungener Streifen werden können. Den Cast und die Tricks dazu hätte er schließlich gehabt. Was fehlte war schlicht weg der irgendwann in den 80er Jahren verschollen gegangene Mut des Disneykonzerns und die Intelligenz und den Respekt früherer Filmschaffender. Letzteres ist gerade in Fortsetzungen eine benötigte Eigenschaft, auch im Kino für das Massenpublikum.

Trotz aller Kritikpunkte möchte ich am Ende aber noch einmal betonen dass wir es hier mit einem flotten, unterhaltsamen Filmchen zu tun haben, das gekonnt routiniert sein Ding durchzieht und sich wunderbar zum einfach mal Abschalten eignet.


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