Donnerstag, 31. Januar 2013

DER BLINDE (1996 Peter Keglevic)


Eine Teenagerin wird von einem Blinden betäubt und entführt. Parallel zu Inspektor Higgins ermittelt die Schwester der Vermissten, und beide kommen einem Mädchenhändler-Ring auf die Spur...


Dann lieber blind...

Was RTL seinerzeit im Wiederaufleben des Edgar Wallace-Kults selbstständig produzierte, ist nicht gerade auf viel Gegenliebe gestoßen. Teilweise sind die Beiträge erst Jahre später auf Super RTL veröffentlicht worden, da RTL sie im Giftschrank lagerte. Dabei waren die Filme, die selbst Schund-TV-Sender RTL zum schämen brachten, eigentlich eine recht nette, trashige Idee, die mit genug Augen zudrücken sogar funktionierten. Selbiges galt für den Vorgänger des hier besprochenen Filmes, „Die Katze von Kensington“, der im Gegensatz zu „Der Blinde“ noch eine Laufzeit auf Spielfilm-Länge beschert bekam.

Nun sollte man meinen, dass etwas das lediglich mit trashigem Charme funktioniert auf geringere Laufzeit noch mehr, da flotter wirken müsste, als ein 90-Minüter, aber weit gefehlt. Der mit gleicher Besetzung wie sein Vorgänger versehene Streifen ist, auch im direkten Vergleich zu den RTL-Wallace-Beiträgen auf Spielfilmlänge, dilettantisch zu Papier gebracht, und kann nur bedingt durch das Spiel der Darsteller und dem augenzwinkernden Abstand des Zuschauers aufgefangen werden.

Die Stamm-Darsteller spielen routiniert lässig ohne wirklichen Ernst bei der Sache (lediglich Eddi Arent wird mal wieder verheizt), der Rest bewegt sich auf RTL-Soap-Niveau, was aber auch nicht wirklich zu stören weiß, da hier wie da eindimensionale Charaktere verkörpert werden, denen jeglicher Tiefgang und jegliche psychologische Glaubwürdigkeit fehlt.

Das hat wohl auch niemand erwartet, boten doch selbst die Wallace-Klassiker der Rialto-Studios, die hier anbei geehrt werden, indem ein Etablissement den selben Namen beschert bekommt, nur selten mehr als charakterliche Abziehbilder auf Groschenroman-Niveau. Was „Der Blinde“ im Gegensatz zu denen und den anderen RTL-Filmchen frei nach Wallace fehlt, ist die sympathische Kriminalgeschichte, in jedem Klischee badend und gerade deshalb gemocht.

Nicht dass es der Klischees nicht auch hier zu genüge gäbe, aber sie werden seelenlos imitiert, es fehlt der wirkliche Bezug zum Trash. In der Hoffnung ein Blindes Huhn fände auch mal ein Korn (wie passend) kritzelte der Drehbuchautor etwas zusammen das nach Wallace klingen sollte (allein der Mädchenhandel war ein direkter Bezug zu vielen klassischen Wallace-Filmen) und damit auch Wallace-Charme zu sein hatte. Aber weit gefehlt, man schaltet diesen Mumpitz nur deshalb nicht frühzeitig aus, weil er so kurz ist und die Restreihe so gut funktioniert („Karussell des Todes“, der einzige Beitrag auf gleicher Länge wie „Der Blinde“, habe ich allerdings noch nicht gesehen).

Was soll man aber auch von einem Film halten, in welchem Bösewichter aus Nichtigkeiten heraus überführt werden, mit billigsten Ausreden Higgins überhaupt erst auf den Fall losgelassen wird und in welchem ein Verbrecher mal eben aus dem kriminellen Nähkästchen seiner Ehefrau plaudert, nachdem diese tot ist. Beihilfe zu einer Straftat scheint nicht mehr illegal zu sein.

Mit Logik hat in einer solchen Schundproduktion sicherlich keiner gerechnet, aber wenigstens ein Hauch von Mühe sollte schon vorhanden sein, und wenn diese, wie in den anderen RTL-Wallace-Beiträgen, lediglich darin besteht die grottigen Zutaten stimmig zusammen zu puzzeln. In neuer Besetzung und mit einer Arent-würdigen Rolle sollte es zwei Filme später für fünf Beiträge wieder besser werden. Das sahen der Rest der Welt und ganz besonders die Verantwortlichen von RTL jedoch anders, und so wurde nach insgesamt nur 8 Filmen (davon 6 auf Spielfilm-Länge) der sympathische Versuch unter der Gesamtleitung von Horst Wendlandt die allseits beliebte Rialto-Wallace-Reihe wieder aufleben zu lassen, wieder eingestellt. Wären die Filme alle wie „Der Blinde“ ausgefallen, wäre ich dankbar dafür.

Zwei Jahre später und im Jahr 2000 versuchte sich RTL an „John Sinclair“ anstatt an Edgar Wallace. Das Ergebnis sah recht ähnlich aus, mit der Ausnahme das von den Sinclair-Beiträgen keine Folge im Giftschrank landete. Und noch eine Anmerkung nebenbei: was rechtfertigt an „Der Blinde“ eine FSK 16 zu Zeiten wo „The Blair Witch Project“ mit einer FSK 12 davon kam? Aua, aua!

DER SPRINGTEUFEL (1974 Heinz Schirk)


Ein Geschäftsmann nimmt einen Anhalter mit, der sich als entlaufener Psychopath entpuppt...


Psycho Nonsens...

Wem heutzutage der Name Dieter Hallervorden noch ein Begriff ist, der assoziiert ihn in der Regel mit dem Wort Komik, war der gute Mann, der mit der Comedy-Sendung „Nonstop Nonsens“ berühmt wurde und in den 80er Jahren gar eine kurze Zeit als der beliebteste Komiker Deutschlands galt, doch seit seinem Erfolg stets auf den Humorbereich abonniert. Dies allerdings nicht weil der Witz ihm so am Herzen lag, sondern weil er, laut eigener Aussage in einem Audiokommentar, danach nie wieder die Chance bekam sich in anderen Bereichen auszutoben.

Vor seiner Komiker-Karriere konnte er zumindest ab und an auf anderen Pfaden schlendern. So war sein Auftritt als Auftragskiller in dem damaligen Skandal-Film „Das Millionenspiel“ eine gelungene und mit Blick von heute abwechslungsreiche Darstellung. Dieser Auftritt war nicht überragend, aufgrund der eher kleinen Rolle aber zumindest gut genug gespielt um positiv zu wirken.

Hört man, dass Hallervorden vier Jahre später den Psychopathen in einem Thriller als Hauptrolle spielen durfte, wird man aufgrund des 1970 erschienenden Streifens schon recht neugierig, zumal die Geschichte minimalistisch angelegt war, was meist für einen recht intensiven Stoff spricht. Sicherlich war „Der Springteufel“ lediglich eine TV-Produktion, aber Werke wie „Die Delegation“ und „Welt am Draht“ zeigen, dass das damals keineswegs für anspruchslose Unterhaltung stehen musste.

Leider ist „Der Springteufel“ in meinen Augen nicht rückwirkend der wundervolle Ausnahmefilm geworden, den ich mir als Bewunderer der Komik und der Schauspielkunst Hallervordens erhofft hatte. Gerade letzter Punkt, jener der Schauspielqualität, sticht als einer der Negativpunkte des Streifens hervor, überzeugte mich Hallervorden doch für keinen einzigen Augenblick eine ernstzunehmende Gefahr für den Geschäftsmann zu sein, der ihn als Anhalter mitnahm.

Aus seinen vielen anderen Filmen weiß ich, dass es Hallervorden besser kann. Seine Schuld allein ist das maue Ergebnis von „Der Springteufel“ aber ohnehin nicht, ist doch der komplette Streifen realitätsfern inszeniert und zu keinem Augenblick nachvollziehbar, packend oder realistisch genug um in die Geschichte mit einzusteigen. Stets bleibt der Film ein Produkt, eine Geschichte die man passiv betrachtet. Nie darf man mit eintauchen. Zwar mag das unrealistische Einkleiden ein gewolltes Stilmittel von Regisseur Heinz Schirk sein, immerhin macht der Streifen an vielen Stellen deutlich eine Groteske sein zu wollen, aber funktionieren will das nicht, zumal „Der Springteufel“ eine erstaunlich schlichte Geschichte erzählt, deren Auflösung vorausschaubar ist.

Mehr noch, die finale Pointe funktioniert nur für einen kurzen Augenblick, bis zu dem Zeitpunkt, wo man sich bewusst macht, dass der Irrtum spätestens in der Nervenheilanstalt wieder aufgedeckt werden wird. Doch auch ohne dieses Makel ist die Pointe keineswegs pfiffig oder zumindest sympathisch, allein schon deshalb, weil Schirk etwa eine Stunde braucht um auf diese hin zu arbeiten. Das hätte noch bei einem Kurzfilm von 20 Minuten funktionieren können, aber bereits die geringe Laufzeit von 54 Minuten überschreitet die Geduld des Zuschauers, zumal das Psychospiel des Anhalters sich selbst dann noch wie albernes Kasperletheater schaut, wenn der freiwillig humoristische Part längst Vergangenheit ist.

Dieser hat es mit Blick von heute dafür in sich, erleben wir doch einen Einstieg in die Geschichte, der einen glauben lässt, man befände sich in einem eingespielten Film aus Hallervordens Erfolgssendung „Nonstop Nonsens“. Der Komiker spielt, sieht aus und betont genau so wie viele seiner Rollen aus besagter Sendung, ja selbst der Stil des Films ist belustigend gemeint, um dann irgendwann aus dem wirren Geplapper einer Quasselstrippe eine Bedrohung für den Autofahrer werden zu lassen.

Von Täuschung könnte man jedoch nur reden, wenn „Der Springteufel“ nach „Nonstop Nonsens“ entstanden wäre, die Comedy-Sendung startete jedoch erst ein Jahr nach der Premiere des hier besprochenen Thrillers. Somit ist der Einstieg kein raffiniertes Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, sondern lediglich ein ungewohntes Stilmittel, bei dem ich mir nicht vorstellen kann, dass es 1974 ohne Kenntnisse der späteren Karriere Hallervordens Wirkung besessen haben könnte.

Aber da mag ich mich nun täuschen, trifft der innere Ton doch zumindest den Zeitgeist des Entstehungsjahres, ein Punkt bei dem zumindest gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt wird. Darf dieser sich nämlich nun eine gehörige Zeit lang die klassische Diskussion zwischen Arm und Reich anhören, mit den ewig gleichen linksgearteten Vorwürfen, so distanziert sich der Film nach einiger Zeit der Täuschung gekonnt von dieser Grundhaltung und straft sie als halbgebildetes Geschwafel, wohl der Höhepunkt des sonst eher enttäuschenden Streifens.

Das fatale an „Der Springteufel“ ist, dass er psychologisch nicht zu funktionieren weiß. Die Vorlage ist ausländischer Herkunft, ein nennenswerter Fakt, da die Pointe im Heimatland der Printmedie funktionieren mag, in Deutschland, ein Land welches seit langer Zeit bereits Personalausweise mit Lichtbild eingeführt hat, aber nicht glaubwürdig ist. Gleiches gilt allerdings schon für die Grundsituation, auf die alles basiert. Wer selbst schon einmal getrampt ist, der weiß dass allein die Wahrscheinlichkeit, dass ein BMW- oder gar ein Mercedes-Fahrer anhält um einen mitzunehmen, schon sehr gering ist. Den Springteufel nimmt ein reicher Geschäftsmann mit, der einen wesentlich weniger durchschnittlichen Wagen fährt, als die von mir genannten Beispiele.

Kürzlich in einer kleinen Gruppe interessierter Cineasten geguckt, stellte sich recht früh die Frage, warum der Autofahrer den unangenehmen Fahrgast nicht längst rausgeworfen hat. Selbst wenn man bedenkt, dass vor dem Aufkommen der Political Correctness die Mentalität der Streitgesellschaft herrschte (was ein wichtiger Fakt dafür wäre, dass radikal ehrliche Worte, die zwischen Fahrer und Gast hin und her wechseln und die man heute viel zu voreilig als verletzend werten würde, nicht so schnell für eine Trennung führen wie es heutzutage der Fall wäre), versteht man nicht, warum es erst so spät zu einem Rauswurf, bzw. den Versuch dessen, kommt. Die Grenze des Erträglichen wird vom Anhalter auf eine ganz andere Art überschritten, die auch damals schon für einen vorzeitigen Rauswurf genügt hätte: das respektlose Verhalten, so wie das achtlose in Gefahr bringen beider Parteien.

Man sieht also, überall wackelt es gewaltig in diesem Film, der einem weder auf groteske noch auf spannende Art und Weise in seinen Bann zu ziehen vermag, nicht einmal in der abscheulichen Szene, in welcher der Psychopath den Geschäftsmann dazu zwingt recht eklige Lebensmittel zu sich zu nehmen. Dank einer Laufzeit von unter einer Stunde schaltet man nicht frühzeitig ab, und die ungewohnte Erzählweise weiß zumindest in der Theorie phasenweise zu interessieren, aber unterhaltungstechnisch und vom Anspruch her bietet „Der Springteufel“ gar nichts. Das ist schon sehr schade, zumal ich mir von diesem Werk von Heinz Schirk („Die Wannseekonferenz“) das Gegenteil erhoffte.


DER MÖRDER (Le meutrier 1962 Claude Autant-Lara)


Die Frau des Buchhändlers Kimmel wird tot aufgefunden. Er hat ein Alibi. Walter Saccard verfolgt den Fall über die Medien und ist fasziniert, spielt er doch selbst mit dem Gedanken seine Frau umzubringen. Also kontaktiert er Kimmel. Als Saccards Frau tot aufgefunden wird, entdeckt die Polizei die Parallelen zwischen beiden Kriminalfällen und hofft nun auch Kimmel endlich überführen zu können. Dieser wird für einen Verbündeten Saccards gehalten, obwohl er nie von dessen Plänen erfuhr. Saccard wiederum ist unschuldig, da seine Frau Selbstmord begangen hat. Die Schlinge beider Männer zieht sich mit dem Entlüften jeder einzelnen Lüge, welche beide der Polizei vorgesetzt haben, weiter zu...


Über das Wachsen von Gedanken...

Die erste Überraschung von „Der Mörder“ erleben wir direkt zu Beginn. Kimmel tötet seine Frau, und wir sind mit dabei. Dass er es war ist kein Geheimnis. Ebenso wenig wie später die Tatsache, dass Saccards Frau nicht von ihrem Ehemann getötet wurde. Die Kriminalpolizei tappst ahnungslos in ihren Ermittlungen hin und her, geht Vermutungen und Indizien nach, so wie es in einem Kriminalfilm häufig der Fall ist. Da die Sachlage für den Zuschauer jedoch klar ist, befinden wir uns gar nicht in einem solchen und erleben das sonst so bekannte Szenario auf einer anderen Ebene und somit aus der Sicht eines anderen Genres, dem des Thrillers.

Denn letztendlich ist der Zuschauer den ganzen Film über Partner und Zeuge Saccards, eines Mannes der keineswegs sympathisch ist, aber auch kein Verbrecher. Gerade der Aspekt dass er mit dem Gedanken spielte seine Frau zu töten wird ihm in den Augen des schnell verurteilenden Zuschauers zum Verhängnis. Dabei ist es der Film selbst, der im letzten Drittel seinen Helden in Schutz nimmt, wenn der Kommissar mit der Geliebten Saccards darüber debattiert wie aus einem flüchtigen Mordgedanken eine Faszination wächst und der mutierte Gedanke und der flüchtige den Mörder von einem Normalbürger unterscheidet.

Regisseur Autant-Lara, der ein Jahr zuvor „Der Graf von Monte Christo“ inszenierte, konzentriert sich bewusst auf das meist zufällig Verwobene des Falls. Saccard zieht Kimmel ungewollt in seinen Fall mit hinein und gefährdet damit gleichzeitig die Geheimhaltung des Mordes den Kimmel wiederum begangen hat. Der Kommissar spielt beide gegeneinander aus, wissendlich dass beide in Kontakt standen, aber unwissendlich das Kimmel in Saccard lediglich einen Kunden sah. Hinter den Indizien, die für den Kommissar völlig unprofessionell viel zu voreilig Beweise sind, steht eine völlig andere Wahrheit. Und die Methoden des Polizisten ketten nun die Schicksale Kimmels und Saccards aneinander.

Beides sind völlig unterschiedliche Charaktere (einer gespielt von Gert Fröbe, der damit ein wenig an seine Rolle aus "Es geschah am hellichten Tag" anknüpfen kann). Das macht dieses verwobene Netz der Zufälle und Fehler so interessant, zumal man nie weiß, anbei bis zum Schluss, was die wirklichen Absichten und Vermutungen des Kommissars waren. Wann hat der Polizist gepokert, wann hat er treffsichere Fallen gestellt? Meist bleibt dies Ansicht des Zuschauers.

Meiner Meinung nach hätte dieses wunderbare Katz- und Mausspiel noch eine Spur besser funktioniert, wenn man zu Beginn nicht gezeigt hätte wie Kimmel Frau Kimmel umbringt. Dann hätte es auch für den Zuschauer im Kriminalfall selbst, Genre Thriller hin oder her, dunkle Momente und Möglichkeiten zur Überraschung gegeben. Eine Alternative in welcher beide Männer unschuldig sind hätte ich zumindest sehr reizvoll gefunden. Vielleicht musste zur damaligen Zeit die Trennung nach Gut und Böse zumindest ein bisschen einsichtig für den Zuschauer sein, eben weil „Der Mörder“ diese für seine Zeit bereits so gekonnt vermischt wie es später in Filmen wie „Kap der Angst“ und somit heute für unsere Sehgewohnheiten normal ist.

Dass Saccard in den Augen der Polizei deswegen als unschuldig am Tod seiner Ehefrau gilt, da er einen anderen Mörder überführte, ist naives wie überholtes Denken und in diesem Punkt nur einer vieler Momente und Gedanken, die „Im Schatten einer Nacht“ (Alternativtitel) in seiner Entstehungszeit zurück lassen. Vieles von dem was man hier sieht ist längst überholt, und gerade die Fehler die Saccard beim Belügen der Polizei macht wirken mit heutigen Augen so tollpatschig, dass man den Film immer wieder mit den Augen seiner Zeit betrachten muss, um ihm gerecht zu werden. Andererseits verweist bereits der Titel der Buchvorlage, "Die Stümper", darauf, dass man sich schon seinerzeit darüber bewusst war, wie fehlerhaft die beiden Verdächtigen vorgehen, der eine gelenkt durch seine Triebe, der andere durch seine undurchdachte Art.

Für die damalige Zeit war "Der Mörder" mit dem oben genannten Verwischen von Gut und Böse und auch mit seinem bösartigen, vielleicht gar selbstgerechten Schluss fortschrittlich erzählt. Und die Dynamik, welche die Geschichte nach einer ausführlichen Einleitung, welche den Zuschauer zwangsweise an Saccard kettet, entfacht (gerade im unfreiwilligen Aneinanderbinden der beiden Verdächtigen) ist derart wirkungsvoll, dass man den modernen Blick gerne abnimmt und den Film noch einmal so naiv wie einst guckt. Nur dann kann man auch erkennen, dass Autant-Laras Werk, welches u.a. auch den Alternativtitel „Der Schatten der Laura S.“ trägt, keineswegs naiv erzählt ist und ganz genau weiß warum er seine Geschichte so erzählt wie er es tut.


Sonntag, 27. Januar 2013

DIE PUPPE (1919 Ernst Lubitsch)


Um eine wahre Hochzeit zu umgehen, ehelicht der Neffe eines Barons eine neuartige, lebensechte Anfertigung eines Puppenmachers ohne zu ahnen, dass dieser ihm versehentlich seine Tochter mitgegeben hat, die Model für die Puppe stand...


Mit Puppen kann man nur spielen...

Auch am Drehbuch beteiligt, inszenierte Regisseur Ernst Lubitsch ein Jahr nach dem etwas bekannteren „Die Augen der Mumie Ma“ (anbei einer von acht gedrehten Langfilmen Lubitschs 1918) eine Komödie mit dem schlichten Titel „Die Puppe“, eine Namensgebung aus der Sicht der ahnungslosen Hauptfigur Lancelot, ist der Zuschauer im Gegensatz zu ihm doch von Anfang an eingeweiht, dass er es bei der Verlobten nicht mit einem künstlichen Objekt, sondern einem menschlichen Wesen zu tun hat.

Bis es zum eigentlichen Ziel-Thema kommt, wird in der Einleitung wahrlich nicht mit Ereignissen gespart. „Die Puppe“ hat immer etwas zu erzählen, und witzig wird es noch lange Zeit vor dem eigentlichen Star. Da darf auf geradezu klassische übertriebene Art der Neffe sich jammernd der Ehe verweigern, da wird auf typische Slapstick-Art seiner Zeit a la Charlie Chaplin der arme Kerl von einer Horde Frauen durch die Stadt gejagt, mit einer grotesk wirkenden laufenden Menschenschlange, die immer wieder die selbe Straße kreuzt, so dass ein Kameraschwenk oder gar ein Schnitt nie nötig werden.

Und da wird das Mönchsleben recht bösartig auf die Schippe genommen, in dem dicke Gläubige jammern dass es kaum mehr was zu Essen gibt, ordentlich gespeist wird, während dem Gast eine klägliche Scheibe Brot gereicht wird. Zu guter Letzt ist es gar die Idee der Mönche, aus einer Gier heraus, den Flüchtling zu überzeugen er möge eine Puppe heiraten. Ein unchristlicher Gedanke einer Bande Egomanen, kein Wunder dass die katholische Filmkritik seinerzeit keine positiven Worte für Lubitschs Werk übrig hatte.

Wenn es Lancelot nach etwa 20 Minuten dann endlich zum Puppenmacher verschlägt, steht überraschender Weise zunächst sein junger Lehrling im Mittelpunkt, der auf Lausbuben-Art dem Meister den letzten Nerv raubt und so spielt, wie man es noch heute aus dem volkstümlichen Theater kennt. Ob Hansi Kraus als Lausbub, die Bubenrollen im Millowitsch-Theater, schon zu Zeiten von „Die Puppe“ war das Spiel des Jungen sicherlich längst klassische Komik.

Tochter Ossi, die zum Puppenersatz wird nachdem das verkaufte Produkt kaputt gemacht wurde, wird als verzogenes Gör präsentiert, immer den Schalk im Nacken und deswegen auch sofort bereit dem Lehrling den Rücken zu decken, indem sie sich als die Puppe ausgibt. Doch auch wenn ihr Part schon zu Beginn recht frech angelegt ist, so richtig in Fahrt kommt sie erst über die Rolle der Puppe, die sie nutzt um gegen Institutionen zu rebellieren, gegen die sie sonst keine Chance hätte. Hier darf sie nun Schabernack treiben, der sie als menschlicher Täter sofort ins Gefängnis gebracht hätte.

Sie spielt mit den Mönchen, die durch ihre Abstinenz das weibliche Wesen, und sei es auch nur künstlich, lüstern anstieren. Sie spielt auf der Hochzeit mit dem Adel und freilich erst recht mit dem Neffen des Barons, ihrem zukünftigen Gemahl, der von ihr immer wieder barsch zur Ordnung gerufen wird. „Die Puppe“ könnte diesbezüglich auch die Zuständigen von „Das Spielzeug“ mit Pierre Richard beeinflusst haben. Nur brauchte dieser in den 70er Jahren nicht mehr vorgeben eine Puppe zu sein um der Dekadenz höher gestellter Personen mit Provokation entgegen zu treten. Er musste sklavenartig lediglich ein menschliches Spielzeug sein.

Dieser Schritt wäre 1919 sicherlich der Provokation zu viel gewesen. Nicht dass Lubitsch („Sein oder Nichtsein“) seine Geschichte diesbezüglich zurückhaltend erzählen würde, was die von mir angerissenen Beispiele ja bereits deutlich machen, aber „Die Puppe“ soll nie ernsthaft Gesellschaftskritik sein. Die hier besprochene Komödie soll leichte, freche Unterhaltung sein, nicht mehr und nicht weniger.

Seinerzeit wurde Lubitsch selbst mit diesem simplen Anliegen von der Kritik vorgeworfen zu oft ins Possenhafte abzurutschen. Das kann man wahrlich nicht abstreiten. Andererseits ist es genau diese unverkrampfte Art des Klamauks, die Werke der frühen Filmtage immer wieder so sehenswert macht. Blödelt man heutzutage so hemmungslos in einem Werk fürs Massenpublikum, dann ist das ganze Werk auf einem solchen Stil gestützt („Der Schuh des Manitu“, „Police Academy“, ...), damals wendete man diese heute so verpöhnte Humorrichtung noch in ganz normalen Komödien an, und das noch lange Zeit nach dem Stummfilm („Die unsichtbare Frau“ 1940, „Eine Leiche zum Dessert“ 1976).

Nennenswert ist zudem noch die Musikuntermalung in der von mir gesehenen Fassung, in welcher Martin Smolka in unserem noch so frischen Jahrzehnt einen Hintergrundsound kreierte, der gewagt und gewöhnungsbedürftig ist, meiner Meinung nach aber auch treffsicher. Über so arg moderne Musik in einem solch klassischen Werk kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber sie passt sich einfach wunderbar der heute so grotesk wirkenden Überzeichnung von Schauspiel und Komik an. Mut macht sich im Bereich der laufenden Bilder halt immer wieder bezahlt.

Freunde des Stummfilms sollten sich „Die Puppe“ ruhig einmal zu Gemüte führen. Lubitsch selbst betonte mal, dass dieses Werk zu einem seiner liebsten in seinem Gesamtwerk gehöre. Ich würde das Ergebnis des hier besprochenen Streifens nun nicht gerade über den grünen Klee loben, aber ein charmanter, kurzweiliger Film ist dem guten Mann sehr wohl geglückt. Und dank der an sich zeitlosen Grundidee ist die Geschichte ohnehin selbst heute noch ein kleiner Selbstläufer.

Samstag, 26. Januar 2013

DIE UNSICHTBARE FRAU (The Invisible Woman 1940 A. Edward Sutherland)


Ein Wissenschaftler sucht per Inserat eine Versuchsperson, um diese unsichtbar zu machen. Jeder hält den Mann für einen Spinner, auch sein Geldgeber, dessen letzte Chance eben diese Erfindung gewesen wäre, um sich finanziell retten zu können. Auf das Inserat meldet sich eine Frau, die nach erfolgreichem Experiment, ihre Unsichtbarkeit erst einmal ausnutzt, es ihrem ehemaligem Chef mal richtig heimzuzahlen. Durch das Inserat ist aber auch eine Bande Gauner auf den schrägen Forscher aufmerksam geworden. Die unsichtbare Frau muss nun handeln...


Unnahbar da unsichtbar...

Im Gegensatz zu dem, was man unwissend meinen könnte, handelt es sich bei diesem Werk nicht um einen Gruselfilm der Unsichtbaren-Reihe, sondern um eine Komödie und dazu noch um eine sehr alberne. Das muss, entgegengesetzt dem Ruf dieser Komik, nichts schlimmes sein, bis in die 60er Jahre hinein war man bei regulären Komödien in Sachen Klamauk ja ohnehin eine Spur mutiger. Die Art Albernheiten, wie wir sie in "Die unsichtbare Frau" erleben, kennt man in heutigen Komödien gar nicht mehr, wenn sie nicht wie "Die nackte Kanone" oder "Police Academy" komplett drauf ausgelegt sind. Somit mag dem ein oder anderen das Gezeigte etwas arg befremdlich erscheinen.

Das Reinschalten lohnt aber gewiss. Hier wird zwar keine Kunst geschaffen, und auch im Komödien-Genre ist nichts Unvergessliches abgedreht worden, aber unterhalten kann dieser alte Schinken aus den 40ern sehr wohl. Trotz seines Alters wirkt er durch sein hohes Tempo und sein nie veraltetes Thema sogar recht modern. Eine direkte Parodie auf den kurz zuvor erschienenen „Der Unsichtbare“ findet nicht statt. 

Unsere Titelfigur treibt im Grunde zunächst das selbe wie Kevin Bacons Rolle in "Hollow Man": Streiche spielen. Da wird sich am alten Chef gerächt und auch sonst die positiven Seiten des Nichtsichtbarseins ausgekostet. Hatte man es in Verhoevens Werk mit einem Wissenschaftler zu tun, dessen Treiben, auch aufgrund der Ernsthaftigkeit des Filmes, dadurch besonders albern und fehl am Platz wirkte, haben wir hier ein leichtes Mädel, das sich ohnehin in einer sehr klamaukigen Welt befindet, so dass das Gezeigte hier zwar auch albern wirkt, damit im Gegensatz zu "Hollow Man" aber das richtige Ergebnis erzielt.

Letztendlich wandelt der Film neben seiner Gruselfilm-Thematik auf den Spuren des damals sehr beliebten Kriminalfilmes. Denn wie schon bei "Tobor The Great" so sind auch hier wieder Bösewichter an der sehr nützlichen Erfindung interessiert. In diesem Handlungsstrang liegt mitunter der schönste Teil der Komik. Bis auf die verzweifelte, arbeitslose Frau die unsichtbar wird und der besagten Gaunerbande glaubt ohnehin keiner dem Wissenschaftler, er könne Menschen unsichtbar machen. Der gute Mann ist so verzweifelt, dass er sogar ein Inserat in eine Zeitung setzt, in der er seine Erfindung bereits erwähnt. Selbst sein Geldgeber hat die Hoffnung aufgegeben aus dem Treiben des bescheuert wirkenden Forschers noch etwas Bares zu ernten. 

So lustig diese zu recht entgegengebrachte Ignoranz auch ist, so sehr ist sie gleichzeitig der Schutz zu viele Komponenten in ein so schlichtes Werk einbringen zu müssen. Filme wie "Jagd auf einen Unsichtbaren" und auch der klassische "Der Unsichtbare" selbst zeigen sehr deutlich was zu diesem Thema alles eingebracht werden kann, letztgenannter insbesondere in dem Punkt, wenn es darum geht dass besonders viele Menschen von der Existenz des Unsichtbaren wissen. 
 
Um böse Regierungen und eingeweihte Menschenmassen musste sich der Autor von "Die unsichtbare Frau" nicht kümmern und konnte sich so auf die zentralen Punkte der Geschichte konzentrieren, ohne dabei gleich Unlogiken in der groben Geschichte aufkommen zu lassen (dass diese im Kleinen bei einem so schlichten Werk enthalten sind dürfte klar sein). Filme wie "Die Wutprobe" achten auf so etwas leider nicht mehr, und die Vertreter des Komödiengenres mit diesem Manko werden immer häufiger.

Die Tricks selbst sind gelungen. Schon in den 40er Jahren besaß man bereits das Wissen filmtrickexperimenteller Jahrzehnte zu dieser Thematik. Zu meckern gibt es da nichts. Wenn man mich fragt war bereits im Original "Der Unsichtbare" die Tricktechnik nah am Perfektionismus. Eine Computertechnik wie in "Hollow Man" war in der Unsichtbaren-Thematik gar nicht nötig. Auf die Spitze grandioser Ideen trieb es ohnehin Carpenter mit seinem "Jagd auf einen Unsichtbaren", aber "Die unsichtbare Frau" nimmt ihre Komik ohnehin aus einem anderen Bereich. Die leidenden Seiten des Unsichtbarseins werden hier, im Gegensatz zu Carpenters Werk, nur gestreift.

Sutherlands Werk ist unterhaltsamer Nonsens zum Kopfausschalten mit netter Tricktechnik und ohne all zu viel Anspruch. Freunde von Albernheiten vergangener Jahrzehnte werden ihre helle Freude haben. Ein Teil der klassischen Unsichtbaren-Reihe ist dies hier nicht und ein Gruselfilm schon mal gar nicht. Ähnlich wie in „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ wird auch kaum mit den Gruselelementen der Originalfilme parodistisch gespielt.


Trailer,   OFDb

DEXTER RILEY - TOTAL VERKABELT UND NICHTS BEGRIFFEN (The Computer Wore Tennis Shoes 1995 Peyton Reed)


Dexter Riley ist ein fauler Student. Eines Nachts versucht er mit Hilfe des Internets bei einer schriftlichen Arbeit zu betrügen. Ein Blitz trifft die Leitung und das komplette Internet-Wissen wandert in seinen Kopf. Aus dem unterdurchschnittlichen Schüler wird ein leistungsstarker, sehr zur Freude des Direktors. Um endlich bei einem Wissenswettbewerb, der unter verschiedenen Universitäten stattfindet, zu siegen, erpresst er Dexter daran teilzunehmen. Andernfalls würden seine Freunde von der Uni fliegen. Dexter willigt ein, und wird über die Show zu einem populären Medienstar. Schnell verliert er den Boden unter den Füßen und wird ein arroganter Klugscheißer der all seine Freunde verliert...


 Auch biedere Spießer wollen fernsehen...

„Dexter Riley“ krankt an dem, was so ziemlich alle US-TV-Teenie-Komödien, insbesondere die von Disney, falsch machen: Er ist viel zu brav. Die Angst ewig Moralapostel zufrieden stellen zu müssen muss in Amerika wohl noch immer enorm hoch sein. Bei Disney stimmt das ganze natürlich nicht wirklich, denn das besagte Studios selbst gehört ja mitunter zu den besagten Moralaposteln. Letztendlich sind deren Werke Filme für Kinder aus höchst religiösen oder verspießten Familien, die nichts freches gucken dürfen. Und frech sein gehört nun einmal zu einer Komödie, in der es um junge Menschen geht, dazu.

„Dexter Riley“ ist kein kompletter Müll geworden. Er ist gerade eben noch guckbar und somit die typisch anspruchslose Nachmittags-TV-Unterhaltung. Dass er auf plumpster Ebene noch funktioniert liegt aber weder an einem gnädigen Drehbuch, welches dem Zuschauer ohnehin jeden Lacher verweigert, und auch nicht an der dort enthaltenden Story und ihrer Entwicklung. Es liegt an einigen wenigen Darstellern, die das Ruder noch wenigstens ein bisschen in die richtige Richtung herumzureißen wissen. Neben dem etwas berühmteren Dean Jones wäre da Rileys junger Konkurrent zu nennen, der derart comichaft spielen darf, dass er immerhin etwas belustigt, auch wenn sein Spiel anstrengt.

Völlig feige wird die total blödsinnige aber klamauktaugliche Geschichte erzählt. Ebenso feige spielt die titelgebende Hauptrolle, die fragwürdig wirken soll, dafür aber eben viel zu brav ist, sowohl im Spiel als auch in der schriftlichen Vorlage, nach der er sich richten musste.

Einen kleinen kultigen Angestaubt-Bonus erhält diese „Komödie“ noch wegen ihrem, schon zu damaligen Zeiten peinlichen Vorstellungen über das Internet. Da will ich nichts verraten, das muss man schon selber sehen, ebenso wie den höchst bescheuerte Grund, warum die Hauptrolle zum Finale wieder dumm wird.

Das Wort Komödie steht oben in Anführungsstrichen. „Dexter Riley“ gehört zu jener Form Film, die nur weil sie eine Geschichte erzählt, und sonst nirgendwo richtig reinpasst, als Komödie betitelt wird, ähnlich wie „Voll auf der Kippe“, ein Mike Krüger-Film mit nur einem enthaltenden Witz. Die an sich auf B-Film-Basis nette Grundstory über einen unterdurchschnittlichen Teen, der über Nacht zum Superhirn wird, wird nur als Grundlage genommen, um die biedere, gut bürgerliche Moral über das Fernsehen an junge Menschen zu bringen. Und so schlimm bereits Kinowerke aus Amiland die Moralfahne schwingen, so dass auch der letzte die Botschaft versteht, die TV-Werke machen es immer noch eine Spur extremer.

Anspruchslose Teens können eventuell ihre Langeweile mit diesem nichtigen und mageren Werk stillen, aber sicher bin ich mir da nicht. Eigentlich ist „Dexter Riley“ dafür viel zu zäh.

THE CAVE (2005 Bruce Hunt)


Tauchexperten untersuchen einen neu entdeckten, unterirdischen Höhlenkomplex. Aber sie müssen feststellen, dass sie dort unten nicht alleine sind... 


Höhlenmenschen mit Tauchanzügen...
 
Ich muss zugeben, dass ich mit einer solch kurzweiligen Unterhaltung nicht gerechnet habe. Gerade nach der eher ereignislosen Einführung in die Geschehnisse, 30 Jahre bevor die Hauptstory spielt, habe ich nicht sonderlich mehr als Routine erwartet. Aber „The Cave“ hat mich während seiner Laufzeit eines besseren belehrt.

An sich erzählt „The Cave“ auf dem ersten Blick eine ziemlich gewöhnliche Horrorgeschichte und verwendet hierfür relativ banale Charaktere. Die Figuren haben zwar einen recht außergewöhnlichen Beruf, ihre Charakterzeichnung selbst und sogar die Besetzung, sind jedoch schlicht zu nennen. Man kann im groben erraten wer in welcher Reihenfolge stirbt, und auch kleine Unstimmigkeiten in der Gruppe sind eher plump eingebracht.  

Immerhin finden all diese routinierten Punkte in toller Umgebung statt. Und Regisseur Bruce Hunt weiß, wie er eine spannende Atmosphäre entstehen lassen und aufrecht erhalten kann, selbst dann wenn nichts passiert. Ihm ist jetzt kein spannungsgeladener Streifen a la „The Descent“ gelungen, ein Film der einem im Vergleich wohl mit als erstes in den Sinn kommt, aber er lässt den Zuschauer an der unangenehmen Situation teilnehmen. 

Man fühlt sich als Betrachter schlichtweg nicht wohl (positiv gemeint). Und ab und an, dreht Hunt an der Spannungsschraube, so dass einem fröhlichen Filmhappening nichts mehr im Weg steht. Unterstützend kommt ein Drehbuch hinzu, dass den erfahrenen Cineasten mit der Schlichtheit seiner Story lediglich blendet und den Betrachter mehr als einmal an der Nase herumführt. Am Ende ist alles anders als vermutet. Man braucht sicherlich nicht von einem Geniestreich sprechen, aber die Auflösung ist recht clever und lässt das Geschehene in einem anderen Licht erscheinen. 

Im direkten Vergleich zu „The Descent“ ist „The Cave“ das schwächere Werk. In einer Sache punktet der hier besprochene Film allerdings mehr: in der Wahl seiner Gegner. Der Gegner in „The Descent“ verhielt sich eher unlogisch, und auch die Erklärung seiner Herkunft klang nicht sehr glaubwürdig. Auch „The Cave“ ist von seiner Glaubwürdigkeit ähnlich weit entfernt, hat aber ein viel zu phantastisches Thema, als das man es ihm krumm nehmen würde. Letztendlich will „The Cave“ nur ein kurzweiliger Horrorfilm sein, während „The Descent“ sein Szenario möglichst realistisch herüberbringen möchte.

Ich kann „The Cave“ auf jeden Fall als kleinen Film für zwischendurch empfehlen. Ein banaler Cast, der gewöhnliche Personen verkörpert, spielt vor atmosphärischer Kulisse in einer kurzweiligen Story, hinter der mehr steckt als es zunächst den Anschein macht. Mit Hunts Film hätten wir ein prima Beispiel für ein Werk, das sowohl Genreneulingen als auch Alteingesessenen ihres Lieblingsgenres gefallen dürfte.


Trailer,   OFDb

BENJAMIN BLÜMCHEN (1988 Gerhard Hahn)


Benjamin Blümchen, wohnhaft im Neustädter Zoo, ist der einzige sprechende Elefant auf der Welt. In seiner Stadt ist er eine gern gesehene Berühmtheit. Zusammen mit seinem Freund Otto, einem kleinen Jungen, erlebt er aufgrund seines sozialen Engagements allerhand Abenteuer und muss dabei oft lernen, dass es nicht nur nette Menschen auf der Welt gibt...


Der Zwerg am großen grauen Berg...

Ich bin mit den Hörspielen „Benjamin Blümchen“ aufgewachsen. Die Geschichten waren schön zu hören und dabei herrlich anspruchslos, halt Trivialunterhaltung für die Kleinen. Da störte es dank lustiger Charaktere nicht mehr, dass die Welt so unglaublich heil war, selbst zu Zeiten als man älter wurde und alternativ auch mal etwas düsteres oder realistischeres hören/gucken wollte. Ein Vorteil der Hörspielreihe war der Erzähler, der mit einer sanften Stimme sehr freundschaftlich die Brücke schlug zwischen Hörabenteuer und Zuhörer.

Und genau da haben wir den ersten Punkt, woran die TV-Umsetzung der Hörspiel-Reihe scheitert. Nicht nur dass der Erzähler entfernt wurde, was ja noch verständlich gewesen wäre, er wird zudem noch von einem unglaublich unsympathischen Raben ersetzt, der, als wäre er nicht so schon ätzend genug, auch noch eine penetrante Stimme beschert bekommen hat. Klar, passt zum Charakter, aber was hat dieses egozentrische Vieh überhaupt in der Serie zu suchen? Es ist meistens nicht einmal wirklich in die Geschichten integriert. 

Er ist weder Freund noch ein Erkennungsmerkmal aus dem Umfeld der Kinder. Pädagogen haben sich bereits vor den Hörspielen gesträubt, dabei aber übersehen dass Kinder ebenso wie Erwachsene Trivialunterhaltung brauchen. Mit dem Fehlen des Erzählers und dem Aufkommen des asozialen Nerv-Flattermanns wurde aus kurzweiliger Dutzendware unnötige, die man seinen Kindern nun wirklich nicht mehr ernsthaft antun muss.

Mit Aufkommen der Serie wurden die Covers der Hörspielkassetten etwas kindgerechter, da nun die fröhlichen Figuren aus der Serie abgebildet wurden. Was auf den Covers wirkt ist in der Serie, die auf Video übrigens pro Folge dreist als Filme betitelt wird, leider sehr mau. Die Animation ist purer Durchschnitt, oftmals lieblos, und die Figur Benjamin Blümchens bekam trotz kompletter Vermenschlichung diese klotzigen Pfoten beschert, mit denen er viel zu unflexibel ist, mal davon abgesehen, dass es auch tierisch doof aussieht.

Die Geschichten sind im Grunde ähnlich geblieben und von den Kassetten nur leicht abgewandelt. Das kann den Kleinsten schon Spaß machen. Schade nur, dass man als Freund alter Benjamin-Tage mit der Serie nichts anfangen kann. Auch den Kids von heute sollte man lieber die Hörspiele schenken. Den Kindern wird’s gefallen und die Erwachsenen werden in ihrer Wohnung nicht von einem schimpfenden, krächzenden Vogelvieh mit seiner sehr lauten Stimme genervt.


Episodenführer,   OFDb

DIE RACHE DES WÜRGERS (Bride Of The Monster 1955 Edward D. Wood Jr.)


Da im Sumpf immer mehr Menschen verschwinden, stößt die Polizei auf einen in der Nähe lebenden Wissenschaftler, der im Geheimen an der Entwicklung einer Rasse von Supermenschen arbeitet... 


Eine sympathische Katastrophe...

Trashfreunde kommen nicht drum herum, sich früher oder später Filme des legendären Ed Wood anzuschauen, dem Mann, von dem man sagt er sei der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Ob es da nicht doch noch schlimmere Übeltäter gab, ist schwer zu beurteilen, aber so oder so, gehört Ed Wood auf jeden Fall zur näheren Auswahl dieser Auszeichnung.

Bei Sichtung von „Die Rache des Würgers“ mag man schon erahnen warum: Es findet mindestens ein Fehler in Bezug auf Tag- und Nachtszenen statt, die Kulisse ist billig, die Krake entweder bewegungslos oder (je nach Szene) aus Naturdokus entnommen, die Alligatorszene stammt auch aus Fremdmaterial, so dass ein gewollter Angriff der Tiere nicht als solcher aussieht, die Dialoge sind unterste Schublade, und wackelnde Kulissen wurden ignoriert.  

Einer der Hauptdarsteller kann nicht deutlich reden und bekommt deshalb eine Rolle ohne Text, der andere ist morphiumsüchtig, aber dafür eine zu diesem Zeitpunkt ehemalige Berühmtheit. Es ist Bela Lugosi, ein Freund von Ed Wood, dem Regisseur, Drehbuchautor und was weiß ich noch alles von „Die Rache des Würgers“.

Die konzentrierte Schlechtheit ist es, die den Film so sehenswert macht. Denn „Bride Of The Monster“ (Originaltitel) besitzt genügend Charme, so dass er als Trash richtig Spaß macht. Denn eins kann man Ed Wood nicht abstreiten, die Liebe zu diesem Filmgenre, auch wenn er nicht in der Lage war es mit seinem Können würdig zu beschenken, auf jene Art, auf die er es eigentlich wollte. Zum ohnehin schon trashigen Anteil gesellt sich noch jene Komik hinzu, die mit dem Zahn der Zeit einhergeht. 

So hat sich zumindest der Respekt andersartiger Mitmenschen zum besseren gewandelt. Es wäre traurig, wenn man heute bei jedem dicken Glatzkopf gleich laut „Monster!“ schreien würde, um dann wegzulaufen. Natürlich haben die Leute das damals nicht gemacht, aber immerhin kommen solche Szenen in Ed Woods Werken vor, so dass man sich fragen muss, ob ein gewisser Anteil der damaligen Bevölkerung sich ernsthaft mit solch fragwürdigen Szenen identifizieren konnte. Letztendlich soll es uns egal sein, nicht dass der Film es nötig gehabt hätte, aber solche Fragwürdigkeiten drehen noch einmal zusätzlich an der Spaßschraube. 

Trotzdem, der echte Kenner solcher Filme weiß, dass Werke wie dieses keine Seltenheit waren. Wer nur einmal „The Giant Gila Monster“, „The Slime People“, „Beast From Haunted Cave“ oder ähnliche, in unseren Breitengraden, unbekannte Horrorfilme gesichtet hat, weiß, dass „Die Rache des Würgers“ sich nur in eine lange Schlange talentlosen Mülls mit einreiht. Und im Gegensatz zu den hier aufgezählten Vergleichsfilmen weiß Ed Woods Werk wenigstens zu unterhalten. Kann man ihn da noch als den schlechtesten Regisseur aller Zeiten bezeichnen? Ich denke ja! Denn eines muss man unbedingt beachten: „Bride Of The Monster“ ist eines von Ed Woods besseren Werken. 

Der Mann hatte seinen Namen noch nicht ruiniert, und hatte somit wenigstens etwas Geld zur Verfügung. Die Kulissen sind billig, aber für Ed Wood-Verhältnisse noch als recht ordentlich zu bezeichnen, die Krake bewegungslos, aber immerhin eine Krake. Wood macht Fehler bei Tag und Nacht, aber immerhin noch selten. Und im hier besprochenen Film setzt Ed Wood noch innerhalb einzelner Szenen genügend Schnitte, um das Auge nicht zu langweilen. Doch in den Folgewerken sollte sich all dies noch ändern. Kaum zu glauben, aber wo andere Regisseure von Film zu Film mehr Professionalität erlangten, wurde Ed Wood immer untalentierter. Und der Geldmangel folgender Werke war sicherlich nur ein winzig kleiner Grund dafür.

„Die Rache des Würgers“ ist jedem Trashfreund ans Herz zu legen. Er ist kurzweilig, weiß ganz besonders durch seine naiven Dialoge und Handlungsabfolgen zu belustigen und ist anbei doppelt so witzig, wenn man zuvor Tim Burtons Film über „den schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ gesichtet hat. Mit dem dort erlangten Hintergrundwissen gibt es gleich noch viel mehr zu lachen, als ohnehin schon.


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PREY (2007 Darrell Roodt)


Ein Urlaub in Afrika soll die Kinder Jessica und David mit ihrer neuen Stiefmutter Amy zusammenschweißen. Also schickt Papa Tom seine drei Liebsten auf eine Safari, während er Geschäftliches zu erledigen hat. Da die Safari zu langweilig ist weicht man vom Weg ab und fährt frei durch die Wildnis. Da David jedoch vor der Fahrt nicht auf Klo war, wird ein Stop eingelegt. Zum geplanten Stuhlgang kommt es jedoch nicht mehr. Der Reiseleiter wird von Löwen gefressen und die drei Überlebenden sitzen im Auto fest. Als seine neue Ehefrau und die Kinder nicht zurückkehren, macht Tom sich mit einem erfahrenen Großwildjäger auf die Suche nach den Verschollenen...


Gut gebrüllt, Löwe...

Darrell Roodt, Regisseur dieses Tierhorrors, dreht nun schon seit den 80er Jahren fleißig Filme, und schon viele der Titel verraten, dass er oft im Trashbereich tätig ist. Titel wie „Dracula 3000“, die Geschichte eines Captain Van Helsing im All, oder „Sumuru – Planet der Frauen“ sprechen eine deutliche Sprache. Der Bereich Tierhorror ist nicht zwangsweise im Trashbereich daheim, deswegen weiß man vor dem Sichten nicht, was man bei einem Löwen-Schocker unter solcher Regie erwarten soll.

Letztendlich guckt sich „Prey“ recht routiniert. Afrika bietet schöne Landschaftsaufnahmen. Mit besonderen Fotografien dieser muss man hier jedoch nicht rechnen, was soweit nicht weiter wild ist, weil die Gegend bereits Wirkung genug besitzt.

Die Tierdressuren gehen in Ordnung. Auch wenn Löwen nicht die selbe unheimliche Wirkung verbreiten wie Alligatoren (wohl der Fluch jeden uns mimisch verwandten Säugetiers), so weiß doch zumindest der Gedanke von einem solchen Profi der Jagd bedroht zu werden zu ängstigen. Hierfür muss jedoch die Umsetzung gut sein, und da haben wir bereits den Haken an der Sache.  

Zwar macht „Prey“ einen recht durchschnittlichen Eindruck, und letzten Endes kann man ihn auch ruhig als Routine bezeichnen, aber die Charakterzeichnung der Figuren macht vieles kaputt. Die Figur der Amy ist ein Hohlbrot sondergleichen. Das soll es ja geben, ginge also in Ordnung, wenn der Drehbuchautor sie zumindest als solches verstanden hätte.

Ihre Dummheit ist bereits bemerkbar, wenn sie keine Antwort auf die Frage Davids hat, was vom getöteten Reiseleiter denn noch beerdigt werden soll. Anstatt auf die Knochen zu verweisen, sagt sie, sie wisse es selber nicht. Verschönte Wahrheit, wie in Ami-Land üblich, zum Schutze der Kinderseele? Nein, sie weiß es wirklich nicht.

Als Amy die Möglichkeit hat sich und die beiden Bälger zu retten, begeht sie einen dummen Fehler nach dem anderen, während die 14jährige Jessica an ihrer Seite wesentlich klüger ist, und die Dame vor der Katastrophe auf ihre Fehler aufmerksam macht. Wie der Satz zuvor bereits verdeutlichte kommt es zur Katastrophe, und man bleibt erneut in alter „Cujo“-Art im Auto hängen, umzingelt von den noch immer hungrigen Löwen.

Zumindest wird die Angriffslust auf Menschen und der weitere Jagdtrieb nach Sättigung durch die Dürrezeit begründet. Sonst gäbe es auch hier Grund genug zu meckern. Aber das was nach dem endgültigen Autocrash passiert setzt allem nun die Krone auf. Die bockige Jessica nähert sich ihrer verhassten Stiefmutter. Beide finden einen Weg zueinander, trotz allem was zuvor passiert ist. Mit einem Mal darf Amy brauchbare Ideen an den Tag legen und wird sogar ein toller Mutterersatz, nachdem sie zuvor gehirnamputiert das Leben der sie nun Mögenden unnötig in Gefahr gebracht hat.
 
Kleinlich? Ich werde noch kleinlicher: Dass die Amerikaner bieder und verkrampft sind ist jedem bewusst. Aber man muss sich mal folgendes vorstellen: Der Halt, der überhaupt erst zu der Löwenbedrohung führt, wurde verursacht dadurch, dass der kleine David in der Einöde ein großes Geschäft machen musste. Noch bevor der junge Mann seinen Darm entleeren kann, kommt es zur ersten Löwenattacke. Wieder im Auto denkt man der Junge hat vor Angst in die Hose gemacht, und es wäre typische Ami-Verlegenheit nicht auf ein Stinkerchen im Auto aufmerksam zu machen. 

Kurze Zeit später, wenn Amy David fragt ob er noch immer müsse, sagt dieser verängstigt nein. Das heißt erstens dass die Angst den vom Körper nicht benötigten Unrat nicht in die Hose trieb und zweitens, dass der Stiefsohn seinen Darm derart unter Kontrolle hat, dass er einfach nicht mehr muss. Und nun kommen wir zum K(n)ackpunkt: Er muss nie mehr, weder groß noch klein. Weitaus länger als 24 Stunden sitzen die Drei fest und keiner von ihnen muss auf Klo. Jede kleinste Bewegung nach draußen lockt die Löwen. Und da die Etepetete-Nörgler-Teeniegöre nicht über den Gestank im Auto meckert, während sie ansonsten alles andere zum Anlass nimmt ihrem Unmut freien Lauf zu lassen, kann man wohl davon ausgehen, dass auch niemand durch die Notsituation seine Garderobe ruiniert hat.

Ein Film, der jedem Mut ausweicht, seine Geschichte, die schon viele male erzählt wurde, haargenau so wiedergibt, wie bisher so oft gesichtet, ein Werk dass sich so extrem der Routine hingibt und nicht einmal damit überzeugt theoretisch liebgewonnene Charaktere in den Tod zu schicken (es darf wieder nur jeder sterben, der den sensiblen Zuschauer nicht all zu sehr schockt), der muss zumindest mit sympathischen Figuren trumpfen und sich in Sachen Logik immerhin ein wenig zusammenreißen. Was manch einer als Kleinkrämerei titulieren mag, ist für mich genau der Grund, warum ein solch routinierter Film nicht den Bogen bekommt, um wenigstens dem Stammpublikum zu gefallen.

Das bekannte Szenario bleibt somit zu theoretisch. Ein Mitfiebern findet nicht statt, man weiß jederzeit was als nächstes passiert, und dank realitätsferner Körperfunktionen und anderen menschlich fremden Elementen wird auch eine Identifikation nicht möglich.

Die routinierte Umsetzung, die brauchbaren Tierattacken und Effekte sowie die wunderbare Landschaft bewaren den Streifen vor dem Untergang. Trotz alledem ist „Prey“ nur dem ganz hartgesottenen Genrefan zu empfehlen. Der Rest muss sich zum Thema „böse Löwen“ noch immer an „Der Geist und die Dunkelheit“ halten. Der bleibt weiterhin konkurrenzlos. „Prey“ ist für sein spätes Erscheinungsdatum eigentlich schon dreist routiniert zu nennen. Viele Filmschaffende geben sich einfach keine Mühe mehr.


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DEAD SNOW (Dod Sno 2009 Tommy Wirkola)


In den Bergen Norwegens macht eine Gruppe Medizin-Studenten mitten im Winter Urlaub in einer kleinen Hütte am Wald. Sie entdecken eine kleine Schatzkiste, die SS-Soldaten aus ihrem Tod erweckt. Die Nazizombies wollen ihr Gold zurück...


Schnee hat keinen Puls...

Vergammelte Zombies in SS-Uniform, die durch die Schneelandschaft Norwegens geistern, das klingt nach einer Optik, die hilfreich für eine dichte Atmosphäre wäre. Das in „Schreckensmacht der Zombies“, „Oase der Zombies“ und „Die Nacht der Zombies“ so ernst angegangene Thema mit wiedererweckten Nazis wurde diesmal humorvoll angereichert, auch dieser Gedanke weiß zu gefallen. Dass nun noch die Zuschauerreaktionen meist positiver Natur sind, weckt die Erwartungshaltung ungemein. Ein solcher Film musste auf dem Beamer geguckt werden, gemeinsam mit einem gleichgesinnten Cineast mit Hang zum Trash.

Auch das Bild im DVD-Menu weiß zu gefallen, sieht man dort doch die besagten Soldaten im Schnee stehen, ein optisches Highlight wie erhofft. Genau diese Sequenz weiß auch im eigentlichen Film zu gefallen, sie ist aber nur eine von wenig positiven Momenten.

Warum das Ergebnis von „Dead Snow“ so nüchtern ausgefallen ist, verstehe ich nicht. Eine Holzhütte an einem Wald wie bei „Tanz der Teufel“ (der eine Erwähnung bekommt) gemixt mit dem eisigen Weiß von Schnee, allein das sollte reichen um zu gefallen. Die Studenten trudeln ein, machen zunächst den Eindruck unterschiedlichster Charaktere, doch diese Fehleinschätzung wird schnell erkannt, wenn man trockenen Dialogen und Situationen in der Hütte folgt, bei denen man ständig auf den angekündigten Witz wartet. Der schielt jedoch nur ab und an um die Ecke, und so bleibt das erste Drittel in Ermangelung an Geschehnissen recht uninteressant.

Ein Mann kommt daher, warnt das Jungvolk vor den Gefahren dieser Gegend, gibt der Bande Nachhilfeunterricht in Geschichte, was zugegebenermaßen auch sehr angenehm auf den weiteren Verlauf des Films einstimmt. Am Ende legt die Geschichte jedoch nicht nahe, warum man dieses Gebiet meiden sollte. Das hat wahrscheinlich auch der Erzähler eingesehen, der sich wieder von dannen macht, um alleine in jener Gegend zu campen, vor der er die jüngere Generation gerade noch gewarnt hat. Horrorgesetz sei dank war dies sein letzter Fehler.

Die Atmosphäre der Location zu vergeigen ist eine Sache. Den Fund eines geheimen Schatzes so larifari umzusetzen wie in „Dead Snow“ geschehen, ist schon mangelndes Talent hoch zehn. Da fehlt jede Mystik, jedes Gefühl von Abenteuer, das Kistchen befindet sich im Keller, und nicht einmal den muss man durchforsten. Ein Griff durch die Luke und einer von den Helden hat das Kästchen in der Hand.

Nun können die Zombies endlich auf der Bildfläche erscheinen. Das machen sie auch direkt nach einer Sexszene, die auf einem Klo nach erfolgreichem Stuhlgang stattfindet. Da kann man nur der Wissenschaft danken, dass sie bisher nicht dazu fähig war, Fernsehen mit Geruch zu erfinden. Die Zombies sehen immerhin sehr nett aus, auch wenn ihre Darsteller lediglich Gummimasken tragen müssen. Negativ fällt das erst bei Oberst Herzog auf, der eine Wunde am Mund hat, die zu steif und gummiartig wirkt.

Wie im modernen Untoten-Film üblich, dürfen die Zombies flink laufen, wie seinerzeit beim bisher unerreichten „Return Of The Living Dead“. Anfangs verbarrikadiert man sich in der Hütte in alter „Nacht der lebenden Toten“-Art, doch das ist nur von kurzer Dauer. 

Aus nachvollziehbaren Gründen trennt sich die Gruppe. Wer Held und wer schnelles Opfer wird kommt unerwartet. Das wäre ein deutlicher Pluspunkt für das immer gleich ablaufende Subgenre Zombiefilm. Aber leider setzt die Regie nun auf den Humor, der bisher zu kurz kam. Und so kämpfen die Überlebenden nun mit den Untoten. Letztere stellen sich dämlicher an als erwartet. Da wird gesplattert und in „Braindead“-Art gewitzelt, Spannung oder Grusel-Feeling kommt da nie auf. Als Party-Film mag dies bei einem bierseligen Publikum funktionieren, aber nur ein bisschen Goregelächter in sonst routinierter bis langweiliger Umsetzung reicht mir nicht.
 
Der Humor wird völlig falsch dosiert. Zwar wissen einige brutale Gimmicks in der zweiten Hälfte zu gefallen, dennoch ist es erbärmlich, wenn der wahre Witz nur in Gewalttaten Gestalt annimmt. In der ersten Hälfte, da hätte es Gags regnen können. Da hätte man mit subtilerer Komik, vielleicht sogar mit groteskem Humor arbeiten können. Was man in der zweiten Hälfte erlebt ist schwarzer Klamauk in übertriebenen Situationen. Bei „Versus“ hat mir das gefallen, der wusste aber auch was er erzählen wollte. Den Eindruck hatte ich bei „Dead Snow“ nie.

Immerhin weiß der Schluss-Gag zu gefallen, und man kann den Streifen halb amüsiert bis zum Schluss schauen. Aber dass in einem europäischen Film die Charaktere so eindimensional herausgearbeitet wurde und es die Regie nicht schaffte die vielen positiven Elemente zu nutzen, das macht den Film ebenso kaputt wie die falsche Anwendung von Humor. Selbst als geistlose Unterhaltung hätte es ruhig eine Spur pfiffiger zugehen können. Gerade „Return Of The Living Dead“ bewies dass eine Horror-Komödie auch intelligent erzählt sein kann. Er bewies ebenso, dass Albernheiten wunderbar neben echter Gruselatmosphäre bestehen können. „Dead Snow“ versucht gar nicht erst Horror zu sein. Eigentlich ist er lediglich eine Komödie, die auf das gerade angesagte Zombie-Thema aufspringt und es dabei belässt, dass Nazizombies die Aufhänger sind. Weiterer Ideen verweigerte man sich trotzig.

Was bleibt ist zum Thema untote Nazis weiterhin das Sichten des schundigen aber nett anzusehenden „Schreckensmacht der Zombies“ und den überraschend sympathischen "Outpost - Zum Kämpfen geboren". Ich warte allerdings noch immer auf eine wirklich gute Umsetzung dieses oft missglückt angegangenen Themas.
 

CHEATS - DIE HIGHSCHOOL TRICKSER (Cheats 2002 Andrew Gurland)


Vier Schüler mogeln sich und viele ihrer Mitschüler durch die Highschool..


Mogeln ist cool...

„Cheats“ ist flott erzählt. Diesen Eindruck erreicht er meist durch die flotte Musikuntermalung. Der Schnitt geht nicht so schnell vonstatten wie man meinen sollte, schließt sich somit nicht dem restlichen Muster an, und das wirkt erfrischend angenehm. Damit wäre das Ergebnis von flott zu hektisch umgeschwenkt, schön dass dieser Fehler nicht begangen wurde.

Auch die Charaktere werden nicht schnell abgehakt. Man lässt sich viel Zeit, damit man die Figuren kennen lernt. Das ist theoretisch gesehen auch lobenswert zu nennen, jedoch fehlt den Hauptfiguren jede Spur von Tiefe. Jede Person ist nur dafür da ein Personenklischee zu erfüllen. Nicht ohne auch hin und wieder ein solches bewusst zu brechen, aber es ist einfach zu wenig.

Ganz besonders die Hauptfigur betreffend wurde hier Mist gebaut. Irgendwo zwischen Freak und Held pendelnd gewinnt der eher mau gecastete Akteur eigentlich nie die Sympathie des Zuschauers. Mal macht er sich auf die uncoole Art zum Affen, mal erreicht er sein Ziel mit Stil. Seine Beweggründe sind nicht nachvollziehbar, er findet lernen einfach scheiße. Zwar findet unerwarteter und glücklicher Weise kein Wandel statt, quasi eine moralinsaure Einkehr, irgendwie schien dieser Punkt aber zu fehlen, um der Figur ein wenig Seele zu bescheren. Manchmal ist ein ungeliebtes Element doch von Nöten, um das Ergebnis höher zu halten.

Die Geschichte ist nicht neu, gleicht dem im selben Jahr erschienenen „Slackers – Ran an die Braut“ in seiner Hauptidee enorm, ist aber kurzweilig zu schauen, auch wenn weder besonders lustige Randfiguren noch sympathische Hauptfiguren vorhanden sind. Dieses Manko raubt dem Streifen lediglich die Klasse, so dass er sich schlichtweg zu routiniert guckt. Dementsprechend ist „Cheats“ auch nur dem Stammpublikum des Genres zu empfehlen. Schade, denn es tat gut einmal wieder einen Teeniefilm ohne Sexwitzchen, Furzkomik und derben Klamauk zu sichten.


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TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN (Death Line 1973 Gary Sherman)


In einer U-Bahnstation gehen immer häufiger Menschen verloren. Ein Studentenpärchen meldet eine Leiche, die bei Ankunft der Polizei bereits verschwunden ist. Die jungen Leute stellen parallel zu Inspektor Calhoun Untersuchungen an...


Der Großvater von Creep...

Die Kids von heute würden um „Tunnel der lebenden Leichen“ einen großen Bogen machen, bietet er doch so gar nichts was das Jungpublikum mag: hübsch zurecht gemachte, aalglatte Stars, rasantes Tempo, seelenlose Monster. Dieses Filmchen stammt aus einer Zeit, in der selbst storytechnischer Vollschrott mit viel Mühe, einer ruhigen Hand und dem Versuch logisch zu bleiben, realisiert wurde.
 
„Tunnel der lebenden Leichen“ erfreut dabei nicht nur im unterhaltungstechnischen Sinne. Dank seiner Auseinandersetzung mit dem „Monster“, ein degenerierter Mensch, erreicht er sogar einen gewissen Anspruch. Immerhin ist der Versuch die Beweggründe und das Gefühlsleben des „Ungeheuers“ aufzuzeigen durchaus gelungen und mit viel Feingefühl realisiert, womit eine ähnliche Dramaturgie möglich ist wie in den 30er Jahren in Filmen wie „Frankenstein“, „Frankensteins Braut“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. 

Man befasste sich in diesem individuellen Werk mit beiden Seiten, hat also zum einen die tragische Geschichte des „Monsters“, die erst nach einiger Laufzeit beginnt, und man hat auf der Gegenseite die Betroffenen, die auf die Existenz dieser „Kreatur“ stoßen. Um das ganze noch interessanter bzw. vielschichtiger zu gestalten, wird der letztgenannte Part ebenfalls wieder gesplittert. 
 
Auf der einen Seite haben wir ein junges Pärchen, das etwas ominöses erlebt hat und anhand der im Film erzählten Umstände auf eigene Faust mit dem Degenerierten zurecht kommen muss, und wir haben auf der anderen Seite die Polizei. Diese wird nicht durch klassische Klischees verkörpert, sondern erfreut mit einer erfrischend gespielten Darstellung von Donald Pleasance als der Hauptschnüffler. Jede Szene mit ihm ist eine Wucht. Er agiert mit so viel Spielfreude und wirkt zum Anfassen echt. 

Der Inspektoren-Charakter lässt sich in keine Ecke einsortieren und ist vielleicht etwas vergleichbar mit der Kommissaren-Rolle in „Der Schrecken der Medusa“, nur beschwingter gespielt. Mich würde es nicht wundern, wenn Pleasance hiermit seine Lieblingsrolle gespielt hätte. Und die Art der Darstellung lässt zudem vermuten, dass viel Freiraum für Improvisation vorhanden war. Ein kurzer Gastauftritt Christopher Lees zur Verstärkung wäre nicht nötig gewesen und bleibt blass und uninteressant in Erinnerung.

Die Geschichte selbst folgt eher brav dem typischen Erzählmuster, die praktische Umsetzung lässt das ganze Projekt allerdings sehr eigenständig wirken. Die besagten positiven Punkte allein können schon einiges reißen, interessant wird das Werk von Gary Sherman aber auch durch seinen künstlerisch interessanten Touch. Der komplette Film ist sehr langsam erzählt. Die Kamera hält oft sehr lange drauf. Häufig wird mit ganz langsamen Kamerafahrten gearbeitet. Dies macht Sherman jedoch nie zum strecken der Laufzeit, sondern um eine bewusst gewollte psychische Reaktion beim Zuschauer herauszukitzeln.
 
Das Spiel mit Licht und Dunkelheit bei einer Kamerafahrt durch einen teilweise beleuchteten Tunnel, dem kein filmisches Zusatzlicht beschert wurde, übt eine hypnotische Wirkung aus, bis die Kamera nach links abgleitet, um dort wiederum etwas Spezielles zu zeigen.

Ebenso interessant ist die fast nicht enden wollende Kamerafahrt im Wohnraum der „Kreatur“, die uns zeigt wie übel es sein muss sein Leben lang dort zu hausen. Allein diese Räumlichkeit lässt den Zuschauer tief in die Seele des „Monsters“ blicken. Und als wäre dies nicht schon effektiv genug endet die lange Orts-Erkundung mit dem Schwenk auf das „Monster“, das um das Leben seiner schwangeren Frau bangt. 

Ohne professionell psychologisch bewandert zu sein, erarbeitet Sherman für seine Laienstellung in diesem Bereich ein durchaus glaubhaftes Bild der „Kreatur“. Sie spricht nur einen Satz, den einen, den sie seit je her in ihrem Lebensraum hörte. Sie handelt wie sie es von ihren Vorgängern gelernt hat, gut erkennbar im Verabschieden und Aufbewahren der toten Angehörigen. Die kurz angerissene Hintergrundgeschichte gibt ein glaubhaftes Licht in die Situation des „Monsters“ und die seiner Ahnen, lässt aber auch genug Platz für die eigene Phantasie. 

Doch auch die liebevolle Umsetzung kann nicht darüber hinweg täuschen, dass hier lediglich eine durchschnittliche Trash-Geschichte erzählt wird. Bei aller Liebe zu dieser Schaffensart und trotz all seiner künstlerisch erfreulichen Anstrengung, schafft der Film es nicht das selbe Niveau eines „Suspiria“ zu erhaschen oder das eines „Tanz der Teufel“. Dafür fehlt ihm als letzter Schritt die packende Atmosphäre. „Tunnel der lebenden Leichen“ ist sehr interessant, aber auch kaum spannend, schockend oder unheimlich. 

Wie die Geschichte aussehen würde, damit sie den zu Beginn der Review erwähnten Teens von heute gefallen könnte, zeigt der sehr themenähnliche „ Creep “, der zwar flott zu gucken ist, aber gerade im Bereich der Logik und der Hintergrundgeschichte der Kreatur völlig unakzeptabel ist. „Tunnel der lebenden Leichen“ ist trotz seiner langsamen Umsetzung ebenso flott zu gucken (langweilig wurde es nie), bleibt für einen Horrorfilm sehr logisch, ist künstlerisch interessant umgesetzt, überrascht mit Eigenständigkeit dank frischer Ideen und ist ein typischer Vertreter der damals neu aufkommenden Horrorwelle mit realeren Monstern statt der Klassiker wie Vampire, Werwölfe, irre Wissenschaftler etc, die zuvor die Kinoleinwand bevölkerten. Für Cineasten ist dieser britische Film ein kleiner Geheimtipp.

DER KOLOSS VON KONGA (Sing Sing Wong 1977 Hoh Mung-Wa)


Johnny Fang nimmt an einer Expedition im Himalaya teil, die sich mit der Suche nach einem Riesenaffen beschäftigt. Als die Suche beendet wird, bleibt Fang vor Ort. Es dauert nicht lang, und er entdeckt den gesuchten Koloss. Dieser ist befreundet mit einer blonden Dschungelschönheit, in die er sich prompt verliebt... 


Ein Affentheater in der zweiten Reihe... 

Da denkt man, man schaut sich einen kleinen „King Kong“-Klon im trashigen asiatischen Stil an, da findet man sich stattdessen in einem Film wieder, der zwar Trash in Reinform ist, aber auf eine völlig andere und unangenehme Art. 

Zu Beginn ist die Welt noch in Ordnung. Dem Zuschauer wird recht schnell geboten was er sehen will. Über einen Rückblick werden erste Bilder des übergroßen Affen gezeigt, man darf sehen, wie er alles niedertrampelt und Menschen durch sein Wüten zur Flucht animiert. Und man darf das ganze so herrlich schlecht umgesetzt sehen, dass sich Freunde filmischen Mülls heimisch fühlen. Aufnahmen vor Leinwänden drängen sich ebenso offensichtlich auf, wie Miniaturbauten. Die Kamera wurde für solche Spezialeffekte nie richtig eingesetzt, so dass man im fertigen Film alles als das sieht, was es auch wirklich war. 

Man machte sich auch in anderen Bereichen erst gar keine große Mühe. Da werden Menschen gezeigt, die vor der Bestie flüchten, und der Primate trampelt auf den Modellbauten herum, die eine menschenleere Gegend zeigen. In der nächsten Nahaufnahme ist der selbe Ort wieder bevölkert von ängstlichen Flüchtenden. Herrlich! Deswegen habe ich eingeschaltet. Einen solchen Unsinn wollte ich sehen. 

Dann geht es zunächst einmal positiv trashig weiter. Es wird eine Expedition gestartet, man wird von etlichen Tieren angegriffen, wobei die Attacke einer Horde von Elefanten den Höhepunkt bietet. Da werden die Rüsseltiere mal eben mit stinknormalen Gewehren erledigt, als hätten sie Haut dünn wie Papier (oder waren sie geladen mit den Copkillern aus „Leathel Weapon 3“?). 

Als endlich Ruhe aufkommt wird es noch lustiger. Es findet ein Männergespräch statt, mit Texten die an Männlichkeit nicht zu überbieten sind. Und wieder dürfen wir einen Rückblick sichten, diesmal einen höchst dramatischen mit einer Fremdgängerfrau, ihrem Liebhaber der sich idiotischer nicht rausreden könnte, einem Proll mit gebrochenem Herzen, welcher der untreuen Nuss die gerade frisch mitgebrachten Blumen vor die Oberweite wirft, alles eingefangen mit einem aufdringlichen Weichzeichner. Und wenn diese höchst unfreiwillig komische Erzählung vorbei ist, bekommt der „arme“ Teufel von einem seiner Begleiter noch einen Klischee-Prollspruch vor den Latz geknallt, wie er klassischer und blöder nicht sein kann.

Ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt hört der positive Teil von „Der Koloss von Konga“ auf (der Titel bezieht sich übrigens auf die Namensgebung der Einheimischen für den Riesenaffen, die laut Rückblick-Offkommentar, trotz ihres reißerischen Klangs, ehrfürchtig (!!!) gemeint ist). Was von nun an passiert, ist zwar ebenso talentfrei, schundig und blöde wie das was es zuvor zu sichten gab, nervt aber nun nur noch. 

Im Vorspann durfte man bereits einen weniger asiatisch klingenden weiblichen Namen lesen, und dieser wird für den Zuschauer nun zu Fleisch, präsentiert als blonder, weiblicher Tarzan. Sie kann mit Tieren kommunizieren, ist mit dem Riesenaffen befreundet, der nun zunächst nur noch selten, dafür aber treublöd als Affenkumpel, auftauchen darf. Sie beherrscht zunächst kein Wort der zivilisierten Sprache, im Minutentakt wird ihr Vokabular aber dann doch urplötzlich immer umfangreicher. Natürlich verliebt sie sich in den Helden und er sich in sie. Man erfährt etwas über ihre Vergangenheit und erlebt in einem erneuten Rückblick einen völlig schlecht getricksten Flugzeugabsturz. 
 
In den meisten Sequenzen, seit Erscheinen der Frau, wird man mit übelster Kitschmusik gefoltert. Etwas Action kommt plötzlich durch die Begegnung mit einer Schlange auf. Mit jedem Tier kann Blondie kommunizieren, nur die Schlange darf wieder als klassischer Bösewicht herhalten und wirkt dabei natürlich in keinster Weise bedrohlich, immerhin durften wir zuvor Raubkatzen, den Riesenaffen und eine Horde Elefanten erleben, die alle wesentlich furchterregender waren. Keine psychologisch clevere Reihenfolge!

Nun wird Mrs. Tarzan von der Schlange in den Oberschenkel gebissen, unser Held saugt ihr das Gift heraus, sie wird bettlegrig und wird erst einmal in ihr Höhlen-Zuhause gebracht, obwohl ihr da theoretisch nicht viel mehr geholfen werden kann, als vor Ort des Unfalles. Aber falsch gedacht! Ich bin halt nur ein armer, irrer Zivilist, der nichts von den Geheimnissen des Dschungels versteht. Denn kaum liegt das Weib schwächelnd zu Hause, da taucht auch schon der olle „Koloss von Konga“ auf und hat ihr auch gleich die nötige Dschungelmedizin als guter Freund gepflückt.

Endlich geheilt springt die Blonde von ihrem Bettchen auf, als wäre sie nie krank gewesen, um sich in der nächsten Kameraeinstellung sichtlich geschwächt zu unserem Helden vorzuarbeiten. Dort kommt es dann zum ersten Kuss zwischen den beiden. Endlich hat der Kerl eine Liebe, die ihn nicht betrügen wird. Andererseits ist der einzige Kandidat, der dafür in Frage käme, unser Konga, und das dürfte eine zu schmerzliche Beischlaferfahrung sein, um diesen Versuch auch wirklich zu wagen.

Auch wenn vieles hiervon witzig klingt, es ist alles lediglich enorm kitschig umgesetzt (sogar die Medikamentenvergabe des Affen), mit Weichspülermusik untermalt und Meilen weit vom Affenterror entfernt, den man sich eigentlich gewünscht hat. Nach seinen ersten geschätzten, lustigen 20 Minuten ist „Der Koloss von Konga“ nur noch eine unerträgliche Tortur, die einfach keinen Spaß mehr machen will. 

King Kong“ trifft auf „Tarzan“ trifft auf David Hamilton, trifft auf Asiakitsch! Da kann ich drauf verzichten. Diesen Film habe ich nicht bis zum Schluss ausgehalten, und ich werde ihm wohl auch keine zweite Chance geben. Was sollte sich beim zweiten Gucken auch schon groß ändern? Klar, ich habe mit einem schundigen Affenhorror gerechnet, aber selbst wenn ich nun realistischer herangehen würde, eingestellt auf eine trashig kitische Tarzan-Lovestory mit Riesenaffe im Gepäck, würde mir diese Art Schund trotzdem nicht gefallen.



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