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Sonntag, 28. April 2013

THE CABIN IN THE WOODS (2011 Drew Goddard)


Eine Gruppe Teenager möchte ein Wochenende in einer Hütte im Wald verbringen, wird jedoch ohne es zu bemerken von einer Gruppe Wissenschaftler manipuliert, die für ein höheres Ziel arbeiten...


Der Wandel von Respekt...

In Zeiten eines überfluteten Horrorfilm-Marktes preisen einige Firmen ihre Werke als besonders innovativ an, um von dem Kuchen ein bisschen mehr als den üblichen Happen abzubekommen. Das veranlasst einige Nachplapperer dazu selbige Meinung unreflektiert kund zu tun, und dank des Internets verbreitet sich diese Marketinglüge wie ein Lauffeuer, so dass zu hohe Erwartungen entstehen, die ein kleiner Film oftmals nicht halten kann.

So ist es auch bei „The Cabin In The Woods“, der, um es gleich vorweg zu nehmen, durchaus ein gelungenes Filmchen ist, aber eben nicht jene Runderneuerung des Horror-Genres, als das er gerne mal angepriesen wird. Man greift auf eine einfallsreiche Idee zurück, wie es sie in fast jedem Film gibt, und kombiniert diese, damit sie besonders einfallsreich klingt, mit einem Klischee-Szenario, welches der Fan nur all zu gut kennt. Das täuscht jedoch nur Andersartigkeit vor und offenbart im Verlauf seiner Geschichte seine wahre Natur schlichter, hauptsächlich geistfreier Unterhaltung.

Ebenso wenig verstehe ich, warum es im Netz so oft heißt man dürfe nicht zu viel von der Story verraten, wenn das ursprüngliche Muster der grundlegenden Geschichte der Gruppe Teenager im Wald um eine Überraschung erweitert wird. Das klingt nach einer ungeheuerlichen Wende inmitten der Geschichte, weckt aber ebenfalls völlig unnötige Erwartungen, schließlich wird der Zuschauer von Anfang an in das Geschehen der Hintergründe eingeweiht, wenn auch nicht komplett. Das Bild mit Rahmen entsteht erst Schritt für Schritt. Und was das große Ziel der Wissenschaftler ist, erfahren wir erst recht spät.

Leider gehört diese Auflösung zu den Schwachpunkten des an sich recht kurzweiligen Streifens. Da hätte es einfallsreichere Möglichkeiten gegeben, die naheliegender ausgefallen wären. Zwar beinhaltet die angegangene Auflösung ein ironisches Spiel mit der Wissenschaft, die üblicherweise auf Kriegsfuß mit Esoterik und Religion steht, aber wie so vieles im fertigen Film wird darauf nicht tiefgründig genug eingegangen, um es zu einer wirklich gelungenen Idee erblühen zu lassen.

Selbiges spricht für manche sich geradezu anbietenden Randideen. Warum wird nicht damit gespielt, dass ein Teil jener Horrorfilme die wir im Kino und zu Hause konsumieren in Wirklichkeit inszenierte Produkte der Wissenschaftler waren, und Regierungen und Konzerne mit ihrer Macht mittels Making Ofs und anderer getürkter Promotion dafür sorgen, dass wir nichts davon mitbekommen, dass da grad wer wirklich verstarb. Wow, was ein Spezialeffekt! Wie bekommen die das nur so echt hin? Nein! Darauf wird nicht eingegangen, schade, aber für die eigentliche Geschichte auch gar nicht wichtig.

Schön ist hingegen, dass der Film sich wunderbar flott guckt, bis auf seine Innovation inhaltlich zwar recht vorhersehbar arbeitet, dies aber professionell genug um angenehm routiniert über die erste Stunde zu kommen. Der Wandel des letzten Drittels gibt der ganzen Chose nun noch einmal Aufwind, denn nun bekommen wir Hintergründe und Kreaturen um die Ohren geschmissen, die es in sich haben. Nun werden auch letzte Klischees ironisch angehaucht abgegrast, und der Film wird eine Spur interessanter als zuvor.

Dies jedoch nicht nur aufgrund seiner eigentlichen Geschichte, sondern auch weil nun versteckt der Kritikpunkt einer Gesellschaft im Wandel angesprochen wird, ein Thema das auch wunderbar in „Was tun wenn‘s brennt“ verarbeitet wurde. Dort wurde die aufgeworfene Frage zum Kernpunkt der Geschichte, hier ist sie Randerscheinung, damit aber nicht minder wirksam. Was ist das für eine Welt in welcher die Aufsässigen ethisch korrekt und respektvoll handeln, und jene, die es eigentlich sollten und über Macht verfügen es nicht tun? Genau jene Frage führt zur finalen Tat, die man als konsequent ansehen darf, und die „The Cabin In The Woods“ damit auch so beendet wie er es verdient hat.

Also: Erwartungen zurückschrauben und einfach das tun was man bei anderen Produkten dieses Genres ebenfalls tut: 90 Minuten geistig abschalten und zu Unterhaltungszwecken einen Popkorn-Film konsumieren. Genau dafür ist Drew Goddards Debutfilm wunderbar geeignet, im besten Fall in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter, denn das Finale geht in Sachen Tempo schon stark Richtung Partyfilm. Wer aber nun glaubt das Genre würde neu erfunden werden oder wäre besonders geistreich wiederbelebt, der wird enttäuscht werden. Der sollte sich andererseits aber auch von Werbung in Zukunft nicht wieder zu sehr beeinflussen lassen.


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1 Kommentar:

  1. Mit deiner Kritik sprichst du exakt die Punkte an, die ich auch in meiner vor ein paar Wochen verarbeitet hatte. Auch ich hatte mir gewünscht, dass die Inszenierung eher von Hollywood ausgeht und nicht noch ein übernatürliches Element reingebracht wird. Da hätte man viel mehr aus dem Film machen können. So bleibt letztendlich nur ein netter Film, der jedoch hinter den Erwartungen zurück steht.

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