Sonntag, 30. Dezember 2012

THE DARK KNIGHT RISES (2012 Christopher Nolan)


Seit seiner dramatischen Entscheidung vor acht Jahren lebt Bruce Wayne zurückgezogen und hat sich auch als Batman nicht mehr blicken lassen. Als ein gewisser Bane Gotham City terrorisiert und dort schließlich für Anarchie sorgt, kehrt er gegen den Willen von Alfred zurück...


Willkommen in der Matrix...

Als großer Freund von „The Dark Knight“ habe ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut, darauf vorbereitet dass diese mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht so genial ausgefallen ist wie sein Vorgänger. Mir hätte es schon gereicht, wenn „The Dark Knight Rises“ das schlichte Niveau eines „Batman Begins“ bekommen hätte, aber mit einem derart miserablen Ergebnis wie vorliegend habe ich so gar nicht gerechnet, waren doch alle wichtigen Beteiligten von Teil 2 auch in diesem Teil 3 wieder mit dabei, ausschließlich Heath Ledger, der leider nicht mehr unter uns weilt.

Schade, dass das Thema Joker gar nicht mehr angesprochen wird, es hätte mich interessiert was genau aus ihm geworden ist. Aber das ist inhaltlich die einzige Vernachlässigung, die man Nolan vorwerfen kann, denn eins muss man ihm lassen: er macht aus seinem Teil 3 tatsächlich eine Trilogie, so dass Handlungsfäden aus den Vorgängern zusammengefügt werden, neue Perspektiven eröffnet werden und am Ende des hier besprochenen Filmes alle drei Teile zu einem Ganzen werden, so wie das Wort Trilogie schließlich auch gemeint ist und nicht falsch benutzt wie in der Ur-“Trilogie“ von „Scream“ und anderen Werken, die es rein zufällig auf drei Filme brachten.

Dass alle drei Filme zu einem Ganzen werden bezieht sich jedoch lediglich auf den Inhalt. Von seiner Wirkung her stellt sich Nolan mit dieser schlechten Fortsetzung selbst ein Bein, denn die will so gar nicht zu den beiden Vorgängern passen, was schon schade ist, da „The Dark Knight Rises“ neben toller Actionszenen, gutem Design und toller Darsteller auch eine interessante Geschichte erzählt, in der es wie im Vorgänger hoch politisch her geht, die aktuellen Zustände Amerikas beachtet werden und mal wieder vor dem falschen Erlöser in Zeiten von Betrug am Volk gewarnt wird.

Cleverer Weise ist „The Dark Knight Rises“ nicht der Anwalt des bestehenden Systems, wie man in mancher Besprechung lesen durfte, sondern lediglich die Warnung vor einer Alternative, die ebenso fragwürdig ist. Die Alternative zu schlecht ist nun einmal nicht zwingend ihr Gegenteil und kann im übelsten Fall sogar ebenso schlecht sein. Ein solcher Fall ist Bane.

Leider ist Bane auch als würdiger Gegner von Batman schlecht. Was uns hier als Bösewicht vorgesetzt wird ist schon sehr enttäuschend, ist Bane doch lediglich ein kleiner Prolet mit Minderwertigkeitskomplexen, und da seine Gesichtsbekleidung nichts anderes zulässt, kann auch sein Darsteller mimisch nichts aus dieser Figur herausholen. In der deutschen Fassung redet er gar wie der letzte Vollproll, womit man Freunden billigster Schundfilmunterhaltung im Action-Bereich eine Freude gemacht hat, nicht aber dem Cineasten, der nun voller Erschrecken feststellen muss, dass die in den Vorgängern verwendete deutsche Batman-Stimme, die so albern und kindisch das Gesamtbild seiner Auftritte schädigte, in „The Dark Knight Rises“ nun zu Hause ist inmitten von Kindergarten-würdigen Elementen, die der erwachsenen Thematik des Filmes nicht gerecht werden.

Da haben wir also zwei Proleten in den wichtigsten Rollen, die nicht nur durch ihre Stimmen und ihr Tun infantil wirken, sondern auch noch durch die ihnen zugeschriebene Dramatik, die es diesmal nicht wie die Vorgänger schafft als Comic-artige Mystik zu wirken, sondern schlichtweg als überzogenes Getue ohne emotional beim Zuschauer anzukommen. Damit teilt sich „The Dark Knight“ nun das selbe Schicksal wie seinerzeit „Matrix“. Beiden großen Filmen wurde in der Fortsetzung die Seele geraubt, um Gefühle und Intelligenz zu heucheln, anstatt tatsächlich an die Inhalte der Geschichte und ihrer Figuren zu glauben.

Zumindest sind die Spezialeffekte in „The Dark Knight Rises“ besser umgesetzt als in „Matrix 2“. Ansonsten sind beide Werke jedoch wunderbar zu vergleichen, wenn statt Denkansätze Leergeschwätz um die Ohren weht, das gerne tiefsinnig wäre und Schicksale präsentiert werden, die in ihrer Dramatik so dick aufgetragen werden, dass sie nur noch lächerlich wirken (schönes Beispiel hierfür ist Waynes Rückzug in den abgelegensten Winkel seiner Villa).

Im Gegensatz zu „Matrix 2“ ändert „The Dark Knight Rises“ wenigstens nichts an den Nebenfiguren des Vorgängers, die mit ihrer Stärke aber leider gegen Windmühlen ankämpfen. Der stets sympathisch besetzte Michael Caine kommt zu kurz vor um etwas retten zu können und wird, ganz im Gegenteil, gegen Ende in eine Szene eingebaut, die es im Vorgänger erstens so nie gegeben hätte und die zweitens, wenn es sie denn gegeben hätte, nicht so mit den Holzhammer vorbereitet worden wäre, wie hier geschehen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass man lieber den denkfaulen Kinogänger unserer Zeit glücklich machen wollte, als den mündigen Cineasten, der noch mit zum Zielpublikum von Teil 2 gehörte.

Morgan Freeman und Gary Oldman spielen souverän wie immer, und von Oldmans Rolle kann man zumindest behaupten, dass diese in ihrer Dramatik meist wenigstens zu funktionieren weiß. Interessant da nicht zu dominant eingebracht wird die in den meisten Feedbacks getadelte Catwoman, und auch die Vorbereitung auf eine weitere bekannte Figur des Batman-Universums kann sich sehen lassen. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür wie gut die Geschichte in ihrer Theorie ist und in der Praxis hätte funktionieren können.

Neben guter Actionmomente gibt es inhaltlich auch so einige Situationen, die der erbärmlichen Charakterzeichnung der beiden wichtigsten Figuren, der angeblichen Tiefe des Streifens und der Dramaturgie des Werkes in nichts nach stehen, und das sind immer jene Situationen, in denen Wayne seine wahre Größe entdecken muss, was schon im wesentlich besseren „Batman Begins“ etwas nervig eingebracht war. In Szenen wie den Ausbruchsversuchen aus dem Verließ wirkt das nun alles eine Spur zu aufgesetzt und gewollt. Auch das reißerische Szenario auf dem zugefrorenen Gewässer weiß in seiner aufgesetzten und dramatisch schlichten Art sich den Negativpunkten des Streifens anzuschließen.

Also, wer schon immer dachte eine gute Geschichte, eine tolle Optik und rasante Action machen in dieser Kombination automatisch einen guten Film, der wird von „The Dark Knight Rises“ eines besseren belehrt, zumindest dann wenn er sich ein wenig mit Psychologie auskennt und gefühlsmäßig noch nicht politisch korrekt gehirngewaschen wurde. Wer Kino mit Köpfchen sehen will ist im falschen Film. Es braucht also nicht wundern, dass bei eben diesem Defizit der Film im Allgemeinen beim Massenpublikum so positiv wegkommt. „The Dark Knight Rises“ unterscheidet sich in diesem Punkt nicht von den meisten anderen Blockbuster-Kollegen. Er ist in diesem und den anderen im Text erläuterten Defiziten sogar so stark betroffen, dass er nicht einmal als eigenständiger Film hätte punkten können. „The Dark Knight Rises“ ist nicht nur eine schlechte Fortsetzung, er ist ein schlechter Film, auch ohne Blick auf „The Dark Knight“.

HART AUF SENDUNG (Pump Up The Volume 1990 Allan Moyle)


Mark ist ein schüchterner Teenager, der nur dann aus sich heraus kommt, wenn er als Happy Harry in seinem Piratensender fürs Radio moderiert. Als ein Schüler sich das Leben nimmt, zeigen die Erwachsenen auf den unbekannten DJ, der unter den Teenagern mittlerweile zum Sprachrohr der Jugend geworden ist. Die Jagd auf Harry ist eröffnet...


Radio Freies Amerika...

Als Regisseur Allan Moyle 1980 den kleinen Kultfilm „Times Square“ mit Tim Curry drehte, hätte wohl keiner damit gerechnet, dass der nächste Film 10 Jahre auf sich warten lassen würde. Vielleicht hat er auf das richtige Thema gewartet, denn Moyle hatte etwas mitzuteilen, und mit „Hart auf Sendung“ hatte er das richtige Projekt dafür am Start.

In seiner Beobachtung den Jugendlichen gegenüber war „Pump Up The Volume“ (Originaltitel) so treffsicher wie der wesentlich berühmtere „Frühstücksclub von John Hugh. Beide Filme stehen sich in nichts nach, und so darf es schon ein wenig verwundern, dass „Hart auf Sendung“ heutzutage kaum noch wem ein Begriff ist. Wahrscheinlich war er einfach zu rebellisch, zeigte er doch nicht nur das übliche Teenie-Leiden unter den Erwartungen der Eltern, sondern gleichzeitig auch den Weg hinaus aus ihren Problemen.

Auf dem Weg dorthin werden Kritik an Zensur vorgenommen, insbesondere an der Heuchelei von Institutionen die über gesendete Inhalte entscheiden dürfen. Frei reden darf nur der, der nicht zu kritisch wird, und Happy Harry hält sich weder an sexuelle Tabus noch an Gesetze. Aus Langeweile gestartet entfacht er eine Bewegung unter den Gleichaltrigen, deren Bedeutung er sich erst durch eine engagierte, süße Mitschülerin bewusst wird, in die er sich verliebt.

Damals wie heute warteten Teenager in einer Zeit die festzustecken schien auf eine Stimme, die ihnen zeigte wie man aus der Alltagslethargie heraus kommt. Unbewusst wird Harry zu dieser Stimme für seine Generation, und obwohl mit seinem Treiben kriminell handelnd, sorgt er für mehr Gerechtigkeit in seiner Stadt. Frei nach dem Motto: wenn die Regeln nicht gut für das Volk sind, muss man sie auch nicht einhalten. Eine vorbildliche Haltung im heute so politisch korrekt angepasstem Amerika.

Harry macht auf Missstände in seiner Schule aufmerksam, hilft Teenagern bei ihren Seelenproblemen und zeigt mit seiner freien, frechen Art einfach, dass er nicht anders ist als seine Zuhörer. Jugendliche wollen gehört und ernst genommen werden. Und als das letzte Licht in der Gesellschaft können sie in dieser scheinbar auch nichts bewegen, so falsch sie auch läuft. Wo das Medium Radio ansonsten als Opium fürs Volk genutzt wird, benutzt Harry es demokratisch richtig, als ein Medium wo Unterhaltung nur ein Teil des Gesamten ist. Er nutzt es zum aufklären, als Sprachrohr der Ungehörten und um Wissen zu teilen. Harry zeigt dass Medien nicht die Grenzen besitzen, die ihnen Staat und Industrie ewig aufzwingen wollen.

Es mag antiquiert wirken, dass Teenager mit Hilfe des Radios rebellieren. Wahrscheinlich ist dies der einzige Kritikpunkt den „Hart auf Sendung“ sich gefallen lassen muss, dürfte doch schon 1990 das Radio bei den Kids abgemeldet gewesen sein. Aber auf dieser Grundlage bauend, in welcher wir einfach mal akzeptieren dass fast jeder Jugendliche Radio hört, wächst ein enorm wirksamer Film, der eine große Jugendbewegung hätte entfachen können, wenn man ihn mehr beachtet hätte. Er guckt sich auf solch verschiedenen Ebenen so unglaublich gut.

„Hart auf Sendung“ ist flotte Unterhaltung die aufklärt ohne den moralischen Zeigefinger zu heben, die berührt ohne in Kitsch zu baden und die durch reden aufwühlt ohne im Pathos zu suhlen. Begleitet von einer wundervollen, da natürlich wirkenden, Liebesgeschichte bekommen wir eine lustige Story präsentiert, die mit ihrer Laufzeit immer ernster und ernstzunehmender wird, eingetaucht in einem Soundtrack der seinesgleichen sucht. Ständig springt man von einer Musikrichtung zur nächsten und trifft doch immer den Kern der jeweiligen Szene. Lediglich der Abspann wird von einem niveaulosen Song eingeleitet, was dem Film ein wenig schadet, so intensiv wie er endet.

Mit Christian Slater ebenso hervorragend besetzt wie in den meisten wichtigsten Rollen, ist Allan Moyle ein Dokument seiner Zeit geglückt mit einem Niveau, an das er nie wieder anknüpfen konnte. Ganz im Gegenteil! Mit Werken wie „XChange“ servierte er später selbst primitives Opium fürs Volk. Das ist schon sehr schade. „Hart auf Sendung“ wirkt wie der letzte Versuch Menschen wieder mündig zu machen, bevor die Unfreiheit endgültig einen großen Schatten über Amerika warf und mit einer neuen Moral, die mittlerweile auch in Deutschland Fuß gefasst hat, die Demokratie und mit ihr das Volk lähmte.

Wer sich mehr mit dem Thema befassen möchte sollte unbedingt „Donnie Darko“ sichten. Wer wissen will wie er aus seinem eigenen Gefängnis ausbrechen kann und warum dies so wichtig ist, sollte hingegen lieber zu „Hart auf Sendung“ greifen, der zum Zeitpunkt dieses Artikels lediglich als teure, da seltene DVD aufzutreiben ist. Am besten ist es natürlich, wenn man gleich beide Filme guckt.


THE TEXAS CHAINSAWMASSACRE 2 (1986 Tobe Hooper)


Der ehemalige Gesetzeshüter Lefty sucht nach der Psychopathen-Familie, die seinerzeit seinen Bruder getötet hat. Den Mythos der Kettensägen-Familie glaubt nach all den Jahren ohnehin niemand mehr, deswegen wird Leftys Besessenheit von Kollegen auch belächelt. Eine neue Spur tut sich auf, als Radiomoderatorin Vantia während ihrer Sendung ein Telefonat mitschneidet, bei dem die Anrufer mittels einer Kettensäge getötet werden. Da auch die Kannibalen-Familie einen Mitschnitt vermutet schwebt die Moderatorin in Lebensgefahr. Lefty kontaktiert Vantia...


Das menschlichste Chili der Welt...

Wenn ein kultiger Kunstfilm, der zudem noch sehr umstritten ist, eine Fortsetzung erfährt, darf man zurecht misstrauisch sein. Da der künstlerisch wertvolle Gehalt des Erstlings keine Erweiterung oder Vertiefung benötigte und im psychologischen Sinne zwischen den Zeilen auch alles gesagt war, war ein Film im selben Stile gar nicht mehr nötig. Den einzigen Grund zur Weiterführung gab es in der dünnen Geschichte. Jede Story, egal wie sie endet, lässt sich weitererzählen. Und da bereits der Titel „The Texas Chainsaw Massacre“ nicht frei von Realsatire ist, erscheint es zunächst konsequent von Hooper den Erzählstil zu wechseln und aus Teil 2 einen albernen kunterbunten Horror auf Comicart zu machen.

So sehr es den Gedanken einer würdigen Fortsetzung entehrt, so sehr steckt auch ein gewisser Reiz in dieser Idee. Natürlich nur wenn man auch mit dem nötigen Anspruch an das Projekt herangegangen wäre, Albernheiten und Niveau gaben sich schon öfters die Hand (z.B. in Filmen mit Stan Laurel, Dieter Hallervorden und im verwandten Bereich z.B. in „Shaun Of The Dead“ und „Return Of The Living Dead“). Es wäre also möglich gewesen. Aber Hooper ist leider kein guter Geschichtenerzähler, legt die Schwerpunkte stets an falschen Stellen und versiebte dieses Projekt somit fast total.

Nachdem bekannt wurde, dass der Kultfilm fortgesetzt werden sollte, bot sich sofort Dennis Hopper an, der kein Unbekannter im Filmgeschäft war. Diesen nahm man mit offenen Armen auf, eine würdige Rolle bekam er leider nicht. In der ersten Hälfte wird er mehr schlecht als recht in die Geschichte eingefügt und in der zweiten Hälfte darf er nur sinnlos herumsägen, was viel zu oft, viel zu lange und viel zu unnötig gezeigt wird. Lustig wäre es gewesen, wenn man den Charakter langsam in den Wahnsinn hätte hinabgleiten lassen. Dieser Gedanke war von Hooper, denk ich mal, durchaus gewollt, wird aber zu ruppig und undeutlich umgesetzt.

Interessant, der Rest braucht sich nicht den Vorwurf des Undeutlichseins anhören müssen. Im Gegenteil, der Rest glänzt durch völlige Übertreibung, wie sie im Comicsinne auch sein muss. Die Ekeleffekte erfüllen das, was der Gorehound durch den reißerischen Titel bereits bei Teil 1 erhoffte (und in den Remakes später auch im sinnlosen Überfluss serviert bekam). Die Figuren wirken einer Geisterbahn entsprungen, auch das Oberhaupt der Familie, das den komischen Part in Teil 1 erwischte, wird in seiner Albernheit noch einmal um einige zusätzliche Übertreibungen intensiver dargestellt als im Vorgänger. Dass das Herangehen mittels Übertreibungen nicht grundsätzlich was schlechtes sein muss zeigt sich z.B. in den lustigen Ideen rund um den Chili-Wettbewerb.

Den Familienmitgliedern im normalen Alltag des Großstadtlebens zu begegnen ist ohnehin der erste provokative und nicht uninteressante Schock, den man beim ersten Sichten erfahren muss. Sofort kommen einem Fragen in den Sinn, die in der sehr dünnen Story sogar großteils beantwortet werden. Ob man mit den einzelnen Antworten nun zufrieden ist oder nicht liegt bei jedem selbst. Theoretisch kann ich mit der Erklärung leben, warum die Familie wo und warum nun dort lebt und ihrem Treiben nachgeht, wo sie es nun einmal jetzt tut.

Auch wenn Leatherface ein paar sehr originelle Szenen zugeschrieben bekam (die Kettensäge als Phallussymbol (nicht nur komisch gemeint, sogar recht nervenkitzelnd eingesetzt) oder auch die Szene, in der er der Heldin helfen will, in dem er sie mit einer seiner frischen Masken tarnt), liegt gerade in seiner Fortsetzungs-Metamorphose eine der großen Enttäuschungen von Teil 2. Aus Leatherface ist ein Hampelmann geworden. Alles psychologisch zutreffende aus Teil 1, was nur am Rande aufblitzte, wird über Bord geworfen, um aus ihm einen Freak zu machen, dem letzten Endes die Würde fehlt, um als Freak a la Freddy Krueger gefallen zu können. Wie provokativ, interessant und gelungen man Leatherfaces Charakter hätte ändern können, wird z.B. in „Texas Chainsaw Massacre 4 – Die Rückkehr“ deutlich, der aus dem Kettensägenschwinger eine Tunte machte, sehr zum Ärgernis ignoranter Fans.

„Texas Chainsaw Massacre 2“ ist kein Totalreinfall, er hat für eine bessere Bewertung aber einfach zu viele Leerläufe. Gerade in der zweiten Filmhälfte gibt es zu viel, was man in Teil 1 wesentlich besser und cleverer gesichtet hat. Zudem wirkt die Location nicht, in der die Kannibalenfamilie nun haust. Dies ist ein entscheidender Fehler, wenn man bedenkt wie viele Filmminuten dort verbracht werden.

Kleine Überraschungen, wie der Fund von Franklyns Leiche, gibt es in der 2. Hälfte kaum noch. Dennis Hopper als Kettensägenschwinger, was in der 1. Hälfte beim Einkauf dieses Werkzeuges noch recht lustig umgesetzt wurde, erfährt in der 2. Hälfte endlosen Leerlauf. Ewig wird gesägt und gesägt. Wer will das sehen? Ja, Holz kann man sägen! Danke für diese Info. Aus dieser Sinnlosigkeit, gerade wegen der Gefahr die wegen seines Handels der Hauptrolle widerfahren könnte, hätte man einige gute Ideen ernten können. Dann hätte man aber so pfiffig arbeiten müssen wie in Teil 1. Und dessen Intelligenz scheint mir nach Sichtung diverser anderer Hooper-Filme eher zufällige Intuition gewesen zu sein, statt gewollte psychologische Raffinesse.

Teil 2 ist blutiger, alberner und rasanter. Trotz seiner actionreicheren Geschichte tritt Hooper aber ständig unnötig auf die Bremse, so dass das fertige Werk dann doch sehr langweilig ist. Gegen Ende wünscht man sich den Schluss geradezu herbei. Kettensägenmassaker auf „Muppets“-Niveau hätte etwas radikales, provokatives und innovatives werden können. Die Umsetzung der gewagten Herangehensweise lässt allerdings so stark zu wünschen übrig, das von Innovation, Mut oder gar Kunst nicht mehr gesprochen werden kann. Damit könnte ich noch leben. Aber da das ganze auch unterhaltungstechnisch nicht funktionieren will, bin ich doch sehr enttäuscht.


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JOE JEDERMANN (Joe Somebody 2001 John Pasquin)


Der stinknormale Joe bekommt vor den Augen seiner Tochter von einem Arbeitskollegen eins auf die Nase. Joe ist frustriert und bleibt daheim. Als er dem Muskelprotz einen Wiederholungskampf androht wird er innerhalb der Firma zu einem berühmten und beliebten Gesicht...


Fool Time...

"Joe Jedermann" gehört zu diesen Durchschnittskomödien, die man nicht gesehen haben muss und in die man eher wegen bekannter Gesichter als wegen einer besonders auffordernden Story reinschaut. Im Falle von „Joe Jedermann“ waren das James Belushi und Tim Allen deretwegen ich eingeschaltet hatte. Und obwohl diese Komödie sehr im Soap badet und Witze recht übersichtlich verteilt sind muss ich sagen, dass ich für diese Art Film recht gut unterhalten wurde.

Allens Rolle ist simpel. Das ist schon mal gut, weil er nicht gerade talentiert genug für die Hauptrolle eines großen Kinoevents ist. Er spielt aber wie so oft sympathisch genug um mitzufiebern.

James Belushi bekam diesmal vom Drehbuch den "schrägen Nebenfiguren"-Bonus zugesteckt und darf einen heruntergekommenen Ex-Kinostar spielen, der nun eine Kampfsporthalle leitet. Rein optisch musste die Maske da wahrscheinlich nicht viel bewerkstelligen. Er ist dicker geworden als zu seinen Bestzeiten, hat selbst bereits einen guten Glatzenansatz und so brauchte Belushi letztendlich nur noch die Mimik relativ hoffnungslos und dennoch auf Pseudo-Selbstbewusst ausrichten. Und fertig ist die lustigste Rolle dieses Streifens.

Die Tochter von Joe ist akzeptabel genug besetzt um nicht zu nerven. Damit hat die Besetzung die selbe Wirkung wie die Rolle die sie spielt. Als einzigen sonst noch Hervorzuhebenden gibt es den Feind Joes. Auch der Darsteller dieser Rolle hat keinen harten Job zu erledigen, er bekam aber eine Figur zugeschrieben, die in der Umsetzung sicherlich Spaß macht und auf die man auch, aufgrund der wirklich sinnlosen Provokationen, wirklich Wut bekommt.

Die Ex-Frau, der neue Schwarm, der Chef, Kollegen, all das sind Rollen die das typische 08-15-Programm durchziehen müssen. Einzelne dieser Personen fallen nur wegen ihrer Wichtigkeit für die Geschichte auf, weniger wegen ihres Talents.

Dass das ganze 90 Minuten zu unterhalten weiß liegt daran, dass die Routine-Geschichte fröhlich vor sich hinplätschert, der "Held" eine griffige Figur ist, deren Entwicklung man auch mit Neugierde verfolgt und mitunter auch wegen des Soap-Gehalts. Das gehört bei diesen Massenproduktionen mit dazu, um Spaß mit ihnen zu haben. Und bei "Joe Jedermann" geht die Rechnung für mich persönlich auf, weil der Großteil der Gefühlsduselei nicht zu dick aufgetragen ist und für ein US-amerikanisches Werk noch halbwegs realistisch ausfällt.

Dass das ganze gegen Ende leicht auf das übliche Niveau abrutscht lässt sich nicht verhindern. Diese Routinefilme nennt man nun mal so, weil man Innovationen meist mit der Lupe suchen muss. O.k., bei "Joe Jedermann" hat man nicht mit jeder kleinen Wendung in der Geschichte gerechnet, aber es ist nicht so gravierend, dass er sich deshalb gleich von der Masse abheben würde.

Wer die mitwirkenden Stars mag und die Rollen sympathisch findet wird 90 Minuten gut unterhalten. Da Sympathie von Zuschauer zu Zuschauer immer unterschiedlich ausfällt, kann man deswegen gerade bei einem solchen Film keine direkte Empfehlung aussprechen. Aber egal wie gut oder schlecht man "Joe Jedermann" am Ende auch finden wird, eins wird er sicherlich nicht wirklich: im Gedächtnis bleiben.


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GALAXY QUEST - PLANLOS DURCHS WELTALL (Galaxy Quest 1999 Dean Parisot)


In den 80ern war die Science Fiction-Serie „Galaxy Quest“ ein großer Hit. Heute leben seine Hauptdarsteller davon auf Fan-Conventions aufzutreten. Einzig Nesmith, der ehemalige „Captain“ findet Gefallen an diesem Leben. Nach einem seelischen Tief, wird er von Aliens kontaktiert, welche die alten Serienaufzeichnungen für historische Dokumentaraufnahmen halten und bitten ihn um Hilfe, da ein Tyrann ihre Gattung bedroht. Nesmith glaubt er würde für ein Schauspiel engagiert und findet sich im Weltall wieder im Krieg gegen ein mächtiges Wesen. Es dauert nicht lange, und der Rest der Crew folgt ihm...


Weltraum-Amigos...

Trotz seiner zu versöhnlichen Einstellung mit dem Extremfan ist „Galaxy Quest“ eine wirklich hervorragende Parodie auf Serien wie „Star Trek“ und deren Fankult geworden. Vielleicht hätte man eine Spur gnadenloser mit der Thematik umgehen können, auf familiengerechter Basis ist das Ergebnis aber erstaunlich gelungen und behält auch den nötigen Respekt seiner „Opfer“ gegenüber im Auge (was nicht nur Serien sondern auch deren Darsteller betrifft).

Schauspielerisch gibt es einiges zu entdecken. Tim Allen überraschte mit einer Leistung, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Grundsätzlich gucke ich seine Filme gerne, aber mehr wegen seiner sympathischen Ausstrahlung, weniger wegen seines Talentes. Sigourney Weaver wirkt mit blonden Haaren etwas blass, die Chance ihre Rolle aus „Alien“ zu parodieren, was ja nur bedingt mit dem inhaltlichen Stoff „Galaxy Quest“s zu tun gehabt hätte, wird fast komplett vertan. Ihre Leistung ist beachtlich, auch wenn sie im Wirrwarr der ganzen Humorextreme mit ihrer schlichten Rolle kaum auffällt.

Das größten Lob gebührt dem Schauspieler, der den Anführer der braven Aliens spielen darf. Eine so herrlich schräge, kaputte Rolle darf man nur selten spielen, und er hat sichtbaren Spaß dabei. Auch das wichtigste weibliche Alien ist gut gecastet und spielt sichtlich erheitert. Das dürfte ohnehin der große Pluspunkt an dieser Science Fiction-Komödie sein: allen Beteiligten sieht man ihren Spaß an dem Projekt an.

Warum auch nicht: Die Geschichte ist pfiffig, bietet allerhand gute Gags und erkennt die Unmenge an Möglichkeiten, um wirklich viele davon einzubringen. Von dem Countdown einer Bedrohung und der Rettung in letzter Sekunde, über die Unnötigkeiten mancher Serienrollen, bis hin zu Kirks ewig nacktem Oberkörper, wird wirklich alles durch den Kakao gezogen. Trotz allem Blödsinns kommt es, ihm Rahmen dessen was in einer eher albernen Komödie möglich ist, auch zu ernsten Momenten.

So bricht es einem beim Zuschauen fast das Herz, wenn der angebliche Captain seinem Alienfreund erklären muss, was ein Schauspiel ist. Auch die verhassten Worte des intellektuell angehauchten Schauspielers, der seine Rolle abgrundtief zu hassen scheint, lassen den Zuschauer traurig lächeln, wenn er diese zu einem sterbenden Fan spricht. Solche Momente rühren, und das in Mitten von Irrsinn.

Dass die komplette Idee eigentlich von „Drei Amigos!“ geklaut ist stört recht wenig. Dieses Stück Film schafft es endlich wieder verschiedene Zuschauergenerationen gut zu unterhalten, ohne dass eine Seite davon Abstriche machen muss. Das hat schon lange kein Popkornfilm mehr zuvor geschafft. Nicht ganz das Kaliber eines „Zurück in die Zukunft“, aber doch recht nah dran, können alle Beteiligten an diesem Werk zu recht stolz auf das Endprodukt sein.

Ein diesmal wichtiger Faktor sind die Spezialeffekte, an denen es wirklich nichts zu meckern gibt. Computeranimation und handgemachte Elemente (wie manch skurrile Maske) schaffen ebenso wie Buch und Spiel ständig den Spagat zwischen wirksamer Komik und deutlicher Parodie-Anlehnung an ein Vorbild.

Also: Wer dieses Filmchen noch nicht gesichtet hat sollte dies schleunigst nachholen. Dank des guten Drehbuches muss man Serien wie „Star Trek“ nicht einmal mögen um mitlachen zu können. Teilweise könnte eine solche Negativhaltung den Lachgehalt eventuell sogar erhöhen. Ich weiß es nicht, immerhin bin ich selbst Fan einer solchen Serie, nämlich der, der 60er-Jahre „Raumschiff Enterprise“. Ich mag zwar auch die Serie „Lexx“, aber wegen ihres hohen Anspruches wäre es falsch diese im selben Atemzug mitzunennen.


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MÖRDERSPINNEN (Kingdom Of The Spiders 1977 John "Bud" Cardos)


In einer amerikanischen Kleinstadt kommt es immer häufiger zu Todesfällen. Zunächst erwicht es nur Tiere, schließlich sterben auch Menschen. Tierarzt Hansen findet heraus, dass eine große Ansammlung Taranteln der Auslöser sind. Er stößt auf einen großen Spinnenhügel...


Vom Cowboy zum Arachniden-Killer...

Frösche“, „Grizzly“, die 70er waren prall gefüllt mit Tier-Horrorstreifen, „Mörderspinnen“ ist somit eigentlich ein ganz typisches Produkt seiner Zeit, folgt brav jenem Erzählmuster welches man schon einige Male sichten durfte und trumpft auf dem ersten Blick nur mit der Besetzung des durch „Raumschiff Enterprise“ bekannt gewordenen William Shatner.

„Mörderspinnen“ schafft es allerdings eine interessante Atmosphäre aufzubauen. Noch bevor es auch nur halbwegs spannend wird, bekommt man beispielsweise die mysteriösen Spinnenhügel vor die Nase gesetzt. Sie wirken bedrohlich und fremd. Es hinterlässt ein ungutes Gefühl zu wissen, dass einige Nebencharaktere ganz in der Nähe eines solchen Haufens wohnen.

Die trockene Atmosphäre dümpelt angenehm vor sich hin. Obwohl einem relativ uninteressante Personen vorgestellt werden, will der Film einfach nicht schlecht werden. Was gezeigt wird ist interessant genug um nicht auszuschalten, mit kleineren Aktionen wird die Neugierde aufrecht erhalten. Auch die kleine Dosis unfreiwilliger Komik trägt dazu bei, dass man sich unterhalten fühlt. Gerade Shatners Rolle strotzt nur so vor Männlichkeits-Klischees. Er spielt nicht nur einen Cowboy-Proll, dem jede Frau den Laufpass geben würde, seine Figur wird auch noch als die große Frauenschwarm-Rolle angelegt.

Einer der witzigsten Dialoge kommt ziemlich zu Beginn auf, wenn wer neues Weibliches in die Stadt kommt und nach Hansen (William Shatner) fragt, zurückgefragt wird ob sie die neue Lebensgefährtin von Hansen sei, sie dies verneint, um sich dann anhören zu müssen, das würde noch kommen. Bisher hat er noch jede bekommen, der kesse Cowboy dem keine Situation über den Kopf wächst, es ist zum kaputtlachen.

Aber auch wenn ich mich da jetzt sehr reinhänge, die unfreiwillige Komik schaut nur einige Male um die Ecke und lässt den gewollt guten Elementen genug Freiraum sich positiv entfalten zu können. Belächelt man „Mörderspinnen“ zu lange, findet man sich plötzlich in einem überraschend bedrohlichen Film wieder. Die Situation scheint zwar immer wieder leicht zu meistern zu sein, etwa wenn man einen der ollen Spinnenhügel mal eben so abfackelt, dieses naive Denken der Protagonisten, das sich auf den Zuschauer überträgt, ist aber lediglich eine kleine psychologische Falle, um die Hoffnungslosigkeit der Situation im folgenden Schritt zu verdeutlichen.

Irgendwann Richtung Finale hocken sie da alle, die ganzen noch lebenden Personen, die man in der ersten Stunde kennen lernen durfte, eingesperrt in einem Haus, umzingelt von den tödlichen Achtbeinern, das Haus verriegelnd, damit auch ja keines der uneingeladenen Biester eintreten kann und mitten unter ihnen kranke Personen, gebrechlich durch eine überlebte Spinnenattacke. Vieles davon ist nicht neu im Tierhorror, und das Verbarrikadieren wird spätestens seit „Die Nacht der lebenden Toten“ häufig verwendet. Was nicht innovativ ist, wird dafür brauchbar eingebracht, und das ist ja das, was letztendlich in einem ollen B-Horrorfilm zählt.

Den meisten Filmfreunden wird wohl der für die 70er Jahre bei Massenwaren ungewöhnliche Schluss gefallen. Tierhorror-Freunde bekommen leuchtende Augen bei den simpel aber wirksam eingesetzten Spinnenviechern. Wirklich Angst bekommt aber wirklich nur der Teil der Zuschauer, der unter Arachnophobie leidet. „Mörderspinnen“ mag ja spannende Momente haben, zu mehr als angenehmer Routine schafft er es allerdings doch nicht.


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DIE FEUERSCHLANGE (Fire Serpent 2007 John Terlesky)


Energiewesen von der Sonne landen hin und wieder auf der Erde und richten Schaden an. Ein Feuerwehrmann begegnete in jungen Jahren einem solchen Wesen. Nun Jahre später wütet eins von ihnen erneut herum, und tötet den Freund eines anderen Feuerwehrmannes, der nun von seinem älteren Kollegen aufgesucht wird, da dieser helfen will. Natürlich glaubt weder der junge Spund noch sonst wer Beteiligtes an die Theorie lebenden Feuers, die der scheinbar verwirrte Mann von sich gibt. Stattdessen hält man ihn für einen Brandstifter. Dieser Irrtum ist jedoch nicht von Dauer...


Shatner brennt durch...

Da habe ich ja wieder einen kleinen Meilenstein des schlechten Kinos gesichtet. Wer keinen Spaß an Filmen wie „Robot Monster“, „Boa vs. Python“ oder „Ants On A Plane“ hat braucht eigentlich nicht mehr weiter lesen. Der bekommt ohnehin nur bestätigt, was er zuvor vermutete. Wer sich von Horrorfilmen aber auch gerne einmal wegen ihrer Schlechtheit unterhalten lässt, könnte seine Freude mit „Die Feuerschlange“ haben. Könnte... es ist sehr unterschiedlich was Trashfreunde reizt und was nicht, mancher Fan filmischen Mülls wird das von William Shatner produzierte Werk vielleicht nur langweilig finden. Ich kann da nur von mir ausgehen, und ich hatte definitiv meinen Spaß.

Das beginnt natürlich bei der sinnfreien Handlung, die unter einem anderen Gesichtspunkt sogar etwas getaugt hätte. Da gibt es also Leben auf der Sonne, es sind Feuerwesen, und diese suchen ab und an unsere Erde heim. Klingt doch soweit erst einmal ganz nett, wenn auch schräg. Shatner hat genügend solcher Erlebnisse während seiner Enterprisezeit gehabt. Um nur einmal eines von vielen Beispielen zu nennen, erinnere ich nur einmal daran, dass die Crew um Kirk einst ein Steinwesen jagte, das später verletzt wurde und durch Beton von Chefarzt Pille operativ behandelt wurde. Mit ein wenig Charme und Einfallsreichtum kann man aus einer bekloppten Idee also durchaus interessanten Schund erzählen, Schund der unfreiwillige Komik lediglich leicht streift.

Regisseur John Terlesky ist ein solches Ziel allerdings nicht geglückt. Dabei sieht es in der ersten halben Stunde zunächst noch danach aus. Bereits da erleben wir zwar steril spielende Darsteller, klischeehafte Dramatik und überholte Spezialeffekte, dafür aber auch eben eine schräge Idee, die gar nicht so uninteressant ist. Ideengeber soll Shatner gewesen sein, mich würde jedoch interessieren, bis wohin seine Idee ging bevor sie dann von anderen weiterentwickelt wurde. Hat er den kompletten Mist verzapft? Ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall wird nach einiger Zeit aus der typischen inhaltlichen Vorgehensweise eines 08-15-Horrors, ein immer bescheuerterer werdendes Szenario, indem sich typische Bösewichter als religiöse, terroristische Fanatiker outen, das Feuerwesen Verhaltensweisen an den Tag legt, das nach mehr Erklärungen für den Zuschauer schreit (ohne diese wirkt zumindest vieles widersprüchlich und somit unlogisch), die Sympathiefiguren keine interessanten Veränderungen erfahren und das Feuerwesen fast zur Nebensache verkommt.

Zudem wird man mit Rückblicken für vollkommen dumm erklärt, wenn diese Szenen zeigen, die man zu Filmbeginn schon einmal sichten durfte. Die Geschichte wird mit einem weiteren Rückblick in die Länge gezogen, der kurz (und schlecht) das anreißt, was als Filmgeschichte wesentlich interessanter gewesen wäre: Das Untersuchen der Eigenschaft und Herkunft der Feuerkreatur.

Natürlich wäre das Endergebnis auch mit dieser Geschichte noch recht trashig gewesen, so eine Art „Phase IV“ oder „Andromeda“ mit idiotischem Untersuchungsobjekt, aber es hätte seinen ganz eigenen Reiz haben können. Ebenso wie die brave Erzählstruktur der ersten halben Stunde. Für ein kleines Routineprodukt aus der Masse hätte man sich auch ruhig daran weiter orientieren können. Dann wäre „Die Feuerschlange“ zwar vorhersehbar gewesen, aber immerhin noch schlicht unterhaltend.

Die Storywendungen, die einem hier jedoch vorgesetzt werden, sind nur noch blöde und plump zu nennen und heben nur die bisherigen, oben genannten, Schwachpunkte der ersten halben Stunde in den Vordergrund, nicht ihre kleine Stärke. Wenigstens funktioniert der ganze Bockmist auf unfreiwillig komischer Basis, das ist ja immerhin auch unterhaltsam. Wer die Spezialeffekte zu Beginn des Films schon furchtbar fand, wird mit immer weiterem Voranschreiten der Laufzeit immer üblere Tricks sichten. Warum? Weil das was man zeigen will immer anspruchsvoller wird, die Effekte aber auf gleichem Niveau bleiben. Damit wirken selbe Effekte noch erbärmlicher (und witziger) als zuvor.

Zudem weiß die filmeigene (Un)Logik bestens zu unterhalten, stereotype Filmfiguren versüßen einem jedes Filmklischee, der Proll darf diesmal eine Frau sein, und im entfernten erinnern die Leute, die kurzfristig vom Feuerwesen in Besitz genommen werden etwas an den wurmmutierten Kerl aus „Squirm“.

Der Stil des Streifens erinnert stark an typische Pilotfilme. Möglich wäre die Umsetzung einer Serie durchaus, sehr viel dämlicher als die Idee zur Serie „Krieg der Welten“ ist das hier gezeigte ja auch nicht. Und diese hat auf niedrigem Niveau auch Spaß bereitet. Vielleicht sollten sich Schundproduzenten beim Thema Horror nicht immer an Filmformate festkrallen, ein schundiger Serienbeitrag jenseits von „Buffy“ und Co wäre längst mal wieder fällig.


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DER KOLOSS VON NEW YORK (The Colossus Of New York 1958 Eugène Lourié)


Ein naturwissenschaftliches Genie wird von einem Auto erfasst und getötet. Einer seiner Kollegen bangt um den wertvollen Geist und erhält das Gehirn am Leben. Er baut einen roboterartigen Körper und setzt es hinein. Die Operation gelingt tatsächlich, aber das Genie fühlt sich nicht wohl in seiner Metallhaut. Zudem sieht er es nicht ein Versuchskaninchen und Vorzeigeobjekt seines Forscherkollegen zu werden. Mit seinen leuchtenden Augen findet der Roboter einen Weg seine Gegenüber zu hypnotisieren und somit unter Kontrolle zu bringen. Der Wissenschaftler verliert ohne menschlichen Körper immer mehr den Bezug zu ethischer Denkweise und ist bald nicht mehr er selbst. Lediglich der Kontakt zu seinem eigenen Sohn holt ihn des öfteren auf den Boden der Tatsachen zurück...


Hilfe, mein Vater ist ein Roboter...

Die 50er waren das erste Jahrzehnt herrlicher Science-fiction-Trash-Fließbandproduktionen. Schrott im Kino wurde zu einem öffentlichen Interesse. Nachdem Jahre lang der Comicmarkt in diesem Bereich boomte, wurden solch abstruse Geschichten nun auch für das Kino auf abendfüllender Länge umgesetzt. Seine Comicverwandtschaft kann gerade „Der Koloss von New York“ nicht verschweigen.

So wie die passenden Comics des 20. Jahrhunderts, so ist auch „The Colossus Of New York“ (Originaltitel) trotz der recht bösartig klingenden Thematik familiengerecht ausgefallen. Ganz im Gegensatz zu seinem Filmkollegen „RoboCop“ kontaktiert er seinen Sohn, lässt sich von diesem sogar Papa nennen. Anfänglich von ihm Mr. Giant genannt, wird er gefragt ob er ein guter oder ein böser Gigant ist. Der Koloss antwortet, er versuche gut zu sein, was nicht immer leicht wäre. Daraufhin dreht er den Spieß um, und fragt, ob der Bub (der leicht an Heintje erinnert) ein lieber oder ein böser Knabe wäre. Dieses Beispiel verdeutlicht recht gut auf welch braven Pfaden der Film schlendert.

Etwas zu geschwätzig, aber doch nie nervig oder langweilig, plätschert das fertige Werk vor sich hin. Echte Höhepunkte gibt es ebenso wenig wie echte Tiefpunkte. Die Geschichte selbst ist ab einem gewissen Punkt vorhersehbar. Inhaltlich orientiert man sich gewollt stark an „Frankenstein“, selbst der Koloss selbst, mit seiner hohen Stirn, erinnert nicht zufällig an diesen berühmten Zombie.

Naivität wird dank der Entstehungszeit groß geschrieben. Die Tricks sind trotz der Beteiligung eines großen Filmstudios lediglich akzeptabel zu nennen. Das Design des Koloss ist schlicht aber wirkungsvoll (obwohl er ruhig noch etwas größer hätte sein können), die Laserszenen gab es in „Kampf der Welten“ bereits besser getrickst zu bestaunen. Wie so häufig in Schundfilmen dieser Zeit, so wird auch hier manches Filmmaterial gleich doppelt verwendet.

Der Schluss, den ich hier nicht verraten werde, ist etwas sehr plump ausgefallen. Bei all dem suiziden, deprimierten Denken des Kolosses und der Abscheu gegen sich selbst, fragt man sich, warum das Superhirn den finalen Schritt nicht selbst vollzogen hat, und das zudem noch wesentlich früher. Vielleicht habe ich in der von mir gesehenen englischen Fassung auch mal wieder nicht alles kapiert, wer weiß.

Untypisch für seine Zeit ist die Musikuntermalung, sie wird schlicht am Klavier gespielt. In „Die Firma“ ging man diesen Weg Jahrzehnte später auch, dort war die Musik aber auch wesentlich besser und passender den Szenen angepasst. Gerade zu Beginn stimmt das Geklimper in „Der Koloss von New York“ nicht immer mit dem was man sieht überein. Im weiteren Verlauf gibt es aber Szenen, in denen deutlich der Vorteil schlichter Klaviermusik erkennbar ist. Das Ergebnis auf diesem Weg zu musizieren ist wesentlich weniger reißerisch als die typische Musik vergleichbarer Werke aus dieser Filmschaffenszeit.

„The Colossus Of New York“ ist ein kleiner Film für Freunde des Genres zu Zeiten der 50er Jahre geworden, andere gucken ihn höchstens zur Belustigung. Diese Reaktion ist sicherlich berechtigt, jedoch bietet dieser Durchschnittsfilm mehr als bloße unfreiwillige Komik.


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AQUARIUS - THEATER DES TODES (Deliria 1987 Michele Soavi)


Ein Massenmörder kann aus der Psychatrie entkommen und findet Unterschlupf in einem alten Theater. Dort finden die Vorbereitungen zu einem neuen Bühnenstück statt...


Im Namen des Dario...

Michele Soavi war ein Schüler Dario Argentos und so hat er einiges von ihm gelernt und abgeguckt. Argento schien das Ergebnis von „Aquarius“ beeindruckt zu haben, denn zwei Jahre später sollte unter dessen Produktion Soavis nächster Film „The Church“ entstehen.

Schaut man sich „Aquarius“ an, so entdeckt man unter der Handschrift Soavis so einige Argento-Elemente. Die Farben stechen hervor, die Story ist mit der häufig verwendeten Thematik des Meisters verwandt und flotter Rocksound läuft im Hintergrund (gerade in Argentos Produktionen aus den 80ern typisch, insbesondere fällt einem beim Gucken von „Aquarius“ unwillkürlich „Phenomena“ ein, der 2 Jahre zuvor entstand).

Was Soavi mit diesem Film abliefert ist mehr als ein oller Slasher, das ließe zumindest die Inhaltsangabe vermuten. Er liefert mit „Stage Fright“, so der Alternativtitel, ein Stück Terrorkino ab. Das dürfte dem Horrorfan damals besonders gefallen haben. Die Welle des Terrorfilms, die ihren Ursprung in den 70er Jahren hatte, begann in den 80ern abzuflauen. Stattdessen bekam man in der Masse fast nur noch humorvoll erzählte Horrorfilme vorgesetzt, gerade aus Amerika war kaum etwas anderes zu erwarten. Und ausgerechnet Italien, das untalentierteste Land im Bereich des phantastischen Films wie ich immer dreist behaupte, warf genau zu dieser Zeit dem verhungernden Fan die richtigen Häppchen zu.

„Aquarius“ ist nicht nur Terrorkino, weil die Morde so hart und gnadenlos stattfinden, natürlich ist das auch ein wichtiger Aspekt. Es sind aber noch andere Elemente vorhanden. Beispielsweise hat die Eulenmaske, so lächerlich sie mir zu Beginn vorkam, eine ungeheuer düstere Wirkung. Ihr Blick ist gnadenlos, die Ausrichtung des Gesichtes leicht nach unten gibt dem ganzen etwas dominantes. Wenn dieses Vieh, von der Kamera richtig eingefangen, plötzlich vor den Opfern steht, oder im Hintergrund auftaucht, dann wird auch dem Zuschauer anders.

Wo in flotten Momenten Rockmusik zur Untermalung eingespielt wird, da klimpern in den richtig bösen Szenen unmelodische Terrorklänge auf den Zuschauer herab. Das hat eine ungeheure Wirkung. Zudem kommt die Kamera fast nie zur Ruhe: Ewig kreist sie, fährt zur Seite, nach vorne oder nach oben. Sie ist meistens in Bewegung. Unterstützt wird sie in ihrer Geschwindigkeit durch flotte Schnitte, allerdings fast nie durch flotte Schnittabfolge. Ruht die Kamera, so präsentiert uns Soavi andere Spezialitäten. Dem Auge soll nie langweilig werden.

Ob da nun schäbigste Erotik gezeigt wird (allerdings ohne nackte Tatsachen), etwas besonders farbenfrohes in den Mittelpunkt gerückt wird, oder Bilder auf andere Art interessant eingefangen sind (z.B. der nasse Boden im Regen), irgendetwas gibt es immer zu sehen.

Besonders einfallsreich ist hier Richtung Finale die eher starre Kamera beim Beobachten des Killers auf der Bühne nach getaner Arbeit. Das ist das reinste Augenfest: Der Killer in seiner Maske wirkt böse wie zuvor, gleichzeitig durch seine Ruhe auch sehr verstörend, vielleicht etwas vergleichbar mit der Sequenz aus „Blutgericht in Texas“, in der Leatherface sich kurz hinsetzt um zu verarbeiten, dass ständig Eindringlinge in seinem Lebensraum auftauchen. Nun sitzt der Vogelmann in aller Ruhe bei den Leichen, die der Zuschauer nun noch einmal in aller Ruhe betrachten kann. Federn fliegen umher, die Musik des eigentlich geplanten Bühnenstückes läuft im Hintergrund. Die Wirkung dieser sehr langen Szene ist sehr intensiv.

Eine solche Inszenierung benötigt keine gewitzte Geschichte, um zu überzeugen. Der Film könnte also nach Lesen dieser Zeilen ein kleiner Meilenstein sein. Dem ist nur leider nicht ganz so. Wie gesagt, eine gewitzte Geschichte braucht man nicht, aber die dünne Geschichte müsste etwas nachvollziehbarer erzählt sein, um in der Oberliga mitzuspielen.

Die Story von „Deliria“ (Originaltitel) steht nicht auf ganz so wackeligen Füßen wie viele andere Genrevertreter, zum größeren Film gibt es dennoch Kleinigkeiten zu beklagen: Wie um Gottes Willen kommt man auf die Idee in eine psychiatrische Klinik zu fahren um seinen Knöchel nachgucken zu lassen? Wie konnte es Soavi zulassen, dass einige Figuren so extrem nerven? Die beiden besten Beispiele, die mir dazu einfallen ist zum einen die kreischende Blonde in der Umkleide, kurz vor dem bestialischen Bohrermord (sie kreischt in die Kamera, immer wieder unterbrochen von Einstellungen auf die anderen Beteiligten. Sind diese im Bild verstummt das Schreien. Kaum zeigt die Kamera wieder Blondie, kreischt diese auch erneut los und erinnert dabei entfernt etwas an den Knirps aus „Kevin - Allein zu Haus“ vor dem Spiegel).

Das zweite Beispiel einer nervigen Rolle ist der Hausmeister, der uns ganz zum Schluss des Filmes mit seinen immergleichen Sätzen in der Endloswiederholungsschleife nerven muss. So sehr das auch psychologisch zu einem alten, einsamen Mann mit Mitteilungsbedürfnis passen mag, es nervt.

Auch das Handeln einiger Figuren ist selbst für einen kleinen Horrorfilm etwas arg blöde. Neben dem eben erwähnten Klinikbesuch wäre da an erster Stelle die Szene zu nennen, in welcher der Regisseur trotz Beil in der Hand wehrlos getötet wird (er glaubte den Killer totlabern zu müssen) und das komplette Verhalten der Heldin im Finale. Die läuft da fleißig durch die Gegend, um einen Schlüssel zu suchen, fast könnte man meinen sie hätte vergessen dass der Killer in der Nähe ist. Dieser wusste nicht, dass noch wer lebt. Verstecken hätte also ebenso Leben retten können, wie der Kampf, dem wir als Zuschauer beiwohnen, wenn der Eulenmann unweigerlich auf die noch lebende Frau aufmerksam wird.

Ohnehin schwächelt das letzte Drittel etwas zu extrem. Trotz der sehr intensiven Bühnenszene, die ich oben angerissen habe, geht die bedrohliche Atmosphäre hier ein wenig flöten. Die Sequenz, in der die Hauptdarstellerin unter dem Boden versucht an einen Schlüssel zu geraten gehört ebenso zu den gelungenen, ja sogar richtig spannenden, Szenen. Aber das Jagen und Töten der letzten Überlebenden vor diesen beiden positiven Filmmomenten wirkt bereits blasser als die eher stillere Bedrohung der ersten Stunde.

Und auch nach dem eigentlichen Finale wird es mit einer längeren Schluss-Szene noch einmal unnötig schlecht. Hier muss man die völlige Inkompetenz der Polizei hinnehmen. Die komplette Szene, die auch in ihrer Inszenierung nicht zu überzeugen weiß, hätte man sich sparen können. Ohne sie wäre der Film viel positiverer in Erinnerung geblieben. Die Szene, die den Kinobesucher nach draußen entlässt, ist für die Nachwirkung doch eigentlich so ungeheuer wichtig. Und Soavi vergeigt dies.

Mit diesen Punkten wird im letzten Drittel der Atmosphäre einiges an Wirkung geraubt. Durch das Potential, welches bereits zuvor vorhanden war, machen diese Mankos die finalen 30 Minuten allerdings nicht komplett kaputt. Allein das zeigt wie gut der Film in der vorherigen Phase umgesetzt wurde.

Soavi ist nicht Argento. Und zu der Entstehungszeit von „Aquarius“ war Soavi auch noch kein sehr erfahrener Regisseur. Das mag die guten Seiten des Filmes besonders bewundernswert machen und die schlechten Seiten entschuldigen. Deswegen kann man gerade Kleinigkeiten in der 1. Stunde (zu früher Musikeinsatz, zu schneller Schnitt, u.ä.) freundlich ignorieren. Die letzte halbe Stunde hingegen ist etwas zu mau geraten. Sie ist letztendlich der Hauptauslöser, warum ich dem an sich sehr dicht erzählten und spannenden Film keine höhere Anerkennung geben kann.

Interessant zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass in nur einer Situation kurz die Art Horror eingesetzt wird, die zeitgleich in Amerika so beliebt war: Die humorvolle. Die wartenden Polizisten vor dem Theatergebäude werden des öfteren eingeblendet, und man darf ihren trivialen Gesprächen und Situationen folgen, während die „Künstler“ im Gebäude um ihr Leben kämpfen. Das ist übrigens gelungen lustig, und ich kann entwarnend hinzufügen, dass diese kurzen Ausflüge in die Komik die Terrorwirkung nicht zerstören. Und wie erwähnt gibt es ansonsten auch keine weiteren witzig gemeinten Szenen zu sehen. 


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Samstag, 29. Dezember 2012

BRENNENDER TOD (Night Of The Big Heat 1967 Terence Fisher)


Auf einer Insel steigen die Temperaturen auf über 40 Grad Celsius an, während das Festland für die Jahreszeit den richtigen Wert unter 0 Grad hat. In letzter Zeit nehmen viele Bewohner ein merkwürdiges, fremdartiges Geräusch wahr. Ein Wissenschaftler behauptet zu wissen was mit der Insel los ist: sie soll ein Test-Invasionsort für Außerirdische sein...


Im Schweiße ihres Angesichts...

Aliens, welche die Erde ihre Atmosphäre anpassen, Wissenschaftler kommen dem Geheimnis auf der Spur, auf dem Boden kriechende Kreaturen, ein zunächst kleiner Testort auf der Erde, das sind alles Parallelen zum Science Fiction-Klassiker „Die Teufelswolke von Monteville“, der von 1958 ebenfalls aus Britannien stammt. Dieser war auch wesentlich flotter zu gucken, auch wenn er keine Stars aufweisen konnte.

Christopher Lee hat hier eine von zwei Hauptrollen. Und dafür dass er im Vorspann als Gaststar genannt wird, hat auch Peter Cushing eine recht große Rolle erwicht. Beide spielen gekonnt, sind Profis ihres Fachs, und auch die meisten Schauspieler um sie herum sind brauchbar gecastet. Doch das allein reicht nicht. „Brennender Tod“ ist schlichtweg viel zu lahm.

Es passiert zu wenig, ewig will man ein spannendes Rätsel aufrecht erhalten, und das ominöse Surren, das jeder hört, ist ein derart penetrantes Geräusch, das immer mehr nervt, je häufiger man es hören muss. Und das ist nicht gerade selten.

Auf der Insel wird es immer heißer, den Bewohnern macht dieser Temperaturanstieg sehr zu schaffen (auch wenn fast jede Nebenfigur nie verschwitzte Kleidungsstücke trägt), psychologisch passend versucht man das durch die Hitze dröge Denken auf den Zuschauer zu übertragen, in dem man auch die Filmatmosphäre schleppend umsetzt. An sich eine gute Idee, doch wegen Ermangelung an Geschehnissen geht die Rechnung leider nach hinten los.

„Brennender Tod“ lief in der Arte Trash-Reihe, und hier gehört er meiner Meinung nach auch hin. Die Außerirdischen, wenn man sie gegen Ende ab und an zu sichten bekommt, sehen lustig aus. Lees Rolle ist völlig überzogen, soll mysteriös wirken und ist schlichtweg nur unhöflich. Ewig versucht man Erotik ohne Nacktheit einzubauen, was allein schon deshalb nicht prickelt, da diese nur von einer Person ausgeht, deren Charakter nicht nur komplett dumm und dreist ist, sondern vom Drehbuch auch nur bedingt so gewollt.

Die Teufelswolke von Monteville“ hatte die unfreiwillig komischeren Monster, er erzählte seine Geschichte trotz einiger Dialogszenen jedoch wesentlich kurzweiliger und ab und an auch pfiffiger als „Brennender Tod“, der nur brav dem gängigen Muster ohne Höhepunkte folgt. Guckbar ist dieser Mix aus Horror und Science Fiction trotzdem. Von Langeweile würde ich hier nicht sprechen, der Film steht eher einen Schritt davor, er ist anstrengend. Hartgesottene Genrefans könnten auch hier glücklich werden.


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THE BRAIN EATERS (1958 Bruno VeSota)


Fremde Wesen kommen mit einem raketenähnlichen Gefährt in unsere Welt, klinken sich in menschliche Hirne ein und steuern diese nun als willenlose Körper. Eine kleine Gruppe, beauftragt von der Regierung, untersucht das zunächst vermutete Raumschiff, und kommt hinter die Invasionspläne der Eindringlinge. Das Team versucht die Invasoren zu stoppen, was schwieriger ist als vermutet. Schon viel zu viele Menschen sind in ihrer Gewalt...


Brunos Puppenspieler...

„The Brain Eaters“ ist eine putzige, kleine Erstverfilmung von "Puppet Masters", die vom Hauptthema einmal abgesehen sehr von der Verfilmung mit Donald Sutherland abweicht. Da ich Heinleins Buch nicht kenne, kann ich nicht beurteilen wer nun buchgetreuer gearbeitet hat. Auf jeden Fall ist "The Brain Eaters" nett zu gucken, u.a. auch dank seiner kurzen Laufzeit. Die Darsteller spielen für ein B-Werk dieser Zeit akzeptabel, die Musik überrascht mit dauerhafter Zurückhaltung, und dank der Internet-Seite Monstrula.de wusste ich, dass der Mann mit Rauschebart im vernebelten Raumschiff Leonard Nimoy war. Von selbst hätte ich ihn nie erkannt. 

Das Raumschiff selbst ist eine herrlich alberne Rakete. Die Wesen kommen nicht aus dem All, wie zunächst vermutet, sondern aus dem Erdinneren. Wenn dem so ist, besitzen die Invasoren ein interessantes Material für ihr Fahrzeug. Es scheint jede Form von Dreck abzuweisen, aber selbst gegen Strom scheint die Raketenaußenhülle nicht gewappnet zu sein.

Die Parasiten sehen etwas kuscheliger aus als im finanzstärkeren Remake, werden noch putziger durch ihre zwei Zangen mit denen sie sich in den Menschen einloggen und haben eine realistischere Größe als in der Neuverfilmung. Derart kleine Viecher haben es wirklich leichter sich am Nacken zu verstecken als die doch recht große andere 90er Jahre-Variante.

Das Ergebnis bietet nette Nostalgie, Kurzweile, und einen gewissen Grad Trash. Trotz letztgenanntem Punkt ist „The Brain Eaters“ alles andere als ein Schrottwerk. Manch einer mag den Film zu dialoglastig empfinden. Dass bei einer derartigen Thematik viel geredet wird und im Vergleich wenig Kreaturen zu sichten sind, dürfte jedoch im voraus mit Kentnnis der Geschichte klar sein, da darf man im Nachhinein nicht maulen. Science Fiction-Nostalgikern kann ich Bruno VeSotas Werk auf jedem Fall ans Herz legen. 


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MORD IN DER HIGHSCHOOL (Plain Clothes 1988 Martha Coolidge)


Ein kinderhassender Polizist geht nach seiner Suspendierung als Schüler getarnt zur Highschool, um die Unschuld seines Bruders zu beweisen. Dieser sitzt im Gefängnis, da er einen seiner Lehrer ermordet haben soll. Der Polizist kommt einer kompletten Mordreihe auf der Spur und seiner Lehrerin näher als er sollte...


Vorsicht! Dein Mitschüler könnte ein Cop sein...

„Mord in der Highschool“ ist auf dem ersten Blick ein 08-15-Film. Die Story ist nicht uninteressant, wirkt aber etwas arg konstruiert und zählt auch nicht wirklich zu den großen Geistesblitzen dieser Welt. Die Hauptrolle ist zwar sympathisch besetzt, Arliss Howard gehört allerdings nicht zu den unentdeckten Größen seiner Branche. Der restliche Cast schwankt zwischen mau und sympathisch besetzt, nur einige wenige echte Talente ragen heraus, wie beispielsweise der Darsteller des Werk- und Vertrauenslehrers. Musik und Kamera sind recht schlicht, und über die Regie gibt es auch nichts bedeutendes zu sagen. Was macht „Plain Clothes“ (Originaltitel) dann eigentlich so sehenswert?

Wie es sich für einen geglückten Film gehört, gibt es da gleich mehrere Faktoren. Der wichtigste dürfte wohl sein, dass der Mordfall nach interessanter Täterverwirrung eine gute Auflösung bietet und diese mit einem interessantem Tatmotiv serviert. Hierfür wird aus der zuvor sympathisch, seicht vor sich hinplätschernden Komödie zum Finale hin ein Film, der den Vergleich mit dem Genre Thriller nicht zu meiden braucht. Die Geschichte bekommt spannende Szenen, die kleine Dosis Humor des Restfilms bleibt aber auch in dieser Phase vorhanden.

Nicht zu verachten ist diesmal die Lovestory. Sie steht nicht im Mittelpunkt und wirkt diesmal auch nicht so krampfhaft eingebracht wie in vielen anderen Filmen. Die Liebesnebengeschichte von „Mord in der Highschool“ plätschert seicht vor sich hin, steckt an und gibt den betroffenen Figuren Sympathie.

Der Skandal Lehrer-Schüler wird nicht ins Reißerische oder gar ins gesellschaftskritisch Analytische gestoßen, sondern bleibt ein menschlicher Bereich, der durch die natürlich wirkende Besetzung der Lehrerin immer schön unverkrampft bleibt. Beide lassen es nicht zum Skandal kommen, das würde zu ihren Charakteren auch gar nicht passen, und gemeinsam mit den bis dahin unglücklichen Personen freut sich der Zuschauer, wenn beide am Schluss erfahren, dass sie doch miteinander dürfen.

Die Lehrerin bietet übrigens keine Ausnahme. Was den Film in seinen eher schlichten Phasen vor dem Durchschnitt rettet, ist die Charakterzeichnung der Figuren allgemein. Fade wirkt höchstens der im Knast sitzende Bruder, was nicht weiter gravierend ist, da er ohnehin kaum vorkommt. Bei der Hauptfigur geht es aber schon los: Kinderhasser, sieht selber wie ein Kind aus, mochte Kinder schon als Kind nicht! Das ist doch eine lustige und interessante Zusammensetzung. Der Restcharakter ist ein pflichtbewusster, aber nicht ganz ernst genommener, Polizist (diese Idee fruchtete auch in „Scream“), der nach einer gewissen Überwindung seinen Part im Mittelpunkt des Schulgeschehens zu genießen weiß (ohne dadurch gleich eine problematische Charakterveränderung zu erfahren, wie oft so üblich im Ami-Klischeemeer).

Sein nicht ernstzunehmender Gegenspieler ist ein Prügelproll, der in der Position des fragwürdigen amerikanischen Schüleraufsichtsmodells steht (auch zu sichten in „Karate Kid 4“). Dieser Part bekommt allerdings weniger durch einen reichhaltigen Charakter seine Wirkung, als viel mehr durch das Gegenteil, die Versimplung, weil die Charakter-Welt neben diesen beiden Kontrahenten meist schon ans comichafte grenzt, und jedwede Übertreibung der Prügelproll-Figur ihn nicht von den anderen abgegrenzt hätte. Zu den eher comichaften Charakteren zählen der Werklehrer, die Frau, die im Schulbüro arbeitet, ja sogar der Freund und Kollege der Hauptrolle, der einen Heidenspaß daran findet in der Schule den Papa zu spielen.

Natürlich darf auch ein persönlicher Gegner aus den eigenen Reihen nicht fehlen, also gibt es da noch einen leicht comichaft bösen Polizeikollegen, der zufällig irgendwie immer in den ungünstigsten Momenten droht dazwischenzufunken. Einige Randverdächtige, insbesondere der ominöse Kerl mit dem Asthma-Spray, sind komplett überzeichnete Figuren, was ich jedoch positiv meine.

Die restlichen Komponenten sind wie erwähnt eher Durchschnitt, was bei der Aufzählung der positiven Aspekte aber nicht weiter wild sein dürfte. Der Film funktioniert natürlich am besten bei den Twens, die selbst ein unauffälliges Leben zur Schulzeit führten und nun etwas spätpubertierend den Held bei seinen (nicht zum Auftrag gehörenden) Highschool-Erlebnissen (und natürlich der knisternden Situation mit der Lehrerin) begleiten, und durch ihn den Erfolg genießen, den man selbst nicht hatte (für Kinder eignet sich hierfür übrigens wunderbar „Bodo“).

Ansonsten gibt es seichte Komik zu genießen, man darf bei der Mördersuche mitraten und schließlich ein Thriller-nahes Ende miterleben. Für einen kleinen, unbekannten Film, der in Vergessenheit geraten ist und bereits zur Entstehungszeit kaum beachtet wurde, ist dies doch recht viel. 


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THE NIGHT CALLER (1965 John Gilling)


Eine ominöse Kugel, die vom Himmel kam, wird von Wissenschaftlern, beauftragt durch die Regierung, untersucht. Die Erkenntnisse sind gering, und eines Abends will eine junge Angestellte eine monströse Gestalt in dem Zimmer gesichtet haben, in dem die Kugel aufbewart und erforscht wird. Beweise gibt es dafür nicht, im Zimmer befindet sich nichts ungewöhnliches. Kurz darauf ist die Kugel, die sich als Reisetor für Außerirdische entpuppt, verschwunden. Ein Alien ist durch sie in unsere Welt gekommen, hat sie sich geschnappt und ist mit einem Auto geflüchtet. Von dem Wesen und der Kugel fehlt einige Zeit jede Spur. Als die Anzahl vermisster Frauen ungewöhnlich hoch wird, vermuten die wenigen Eingeweihten einen Zusammenhang zu dem Fremdling...


Bereit zum beamen, Scottie...

"The Night Caller", ein in Deutschland unbekannter Science Fiction-Horror, schien zunächst sehr reizvoll zu werden. Sein Poster machte mich bereits neugierig. Dass man davon nicht auf einen guten Film schließen oder hoffen sollte, dürfte jedem Filmfan klar sein. Ohne etwas vom Inhalt des Films zu wissen sah ich ihn mir an, und die komplette erste Hälfte lang war auch alles in Ordnung.

Das Werk war so nostalgisch, wie es zu dieser Entstehungszeit in seinem Genre fast immer der Fall war (wohl auch der Pluspunkt der miesesten Werke seiner Zeit), der Vorspann war mit einer recht flotten, wenn auch leicht monotonen Musik untermalt. Und die Geschichte hielt sich nicht lange mit Unnötigkeiten auf. Ziemlich schnell entdecken die Menschen eine Kugel, die aus dem All kommt. Das Ding wird ebenso schnell erforscht, und noch während man am rätseln ist, was das ganze soll, bekommt man bereits eine monströse Hand zu sehen.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Film maximal 30 Minuten dran, und wer Filme dieses Genres aus dieser Zeit kennt, weiß wie ungewöhnlich dort ein derart schleuniger Gang der Ereignisse ist. Die Schauspieler geben alle keine Spitzenleistungen ab, sind aber o.k. zu nennen. Der Filmfreund wird sogar ein bekanntes Gesicht erkennen: John Saxon spielt in jungen Jahren mit, jener Mann, der später den Vater Nancys, Freddys erster Hauptgegnerin, in "Nightmare - Mörderische Träume" spielen darf. Diese Rolle wiederholte sich im 3. Nightmare-Film und vielleicht mag der ein oder andere Horror-Narr Saxon noch aus "Asphalt-Kannibalen" kennen. 

Die weibliche Hauptrolle ist zwar mit einer Blondine gecastet, aber selten sah ich so lebensechte Aufnahmen einer Frau im Schundfilmbereich wie hier. Es wird nicht in jeder Einstellung versucht sie als attraktiv hinzustellen, in einigen Szenen geht man sogar so weit, sie mit einem ziemlich widerlichen Gesichtsausdruck zu filmen (ohne dass dieser überzogen wirkt).

Es geht aber noch weiter in Sachen ungewohnter Echtheit in diesem Filmchen: die Forscher unterhalten sich sehr realitätsnah und forschen auch viel anstatt sinnlos zu schwätzen. Und zur Hälfte des Filmes findet eine Befragung mit einem Ehepaar mittleren Alters statt, die wie aus dem Leben gegriffen scheint. Diese Authentizität wird außerdem unterstützt durch Szenen, in denen man sich einfach mal Zeit für Unnötigkeiten ließ, beispielsweise eine für die Story ziemlich unwichtige Telefonszene ziemlich zu Beginn, die man auch schneller hätte abwickeln können.

Das mag auf den ungeduldigen, actionlechzenden Zuschauer langweilig wirken, für den wahren Cineasten hingegen wurde "The Night Caller" damit zunächst ein Leckerbissen und schien nur ein weiterer Fall solcher Werke zu sein, die wegen seiner Konsequenz und Distanz zum Massenpublikum unverständlicherweise ignoriert wurden.

Ganz so war es dann aber doch nicht. Denn auch die schönsten Unnötigkeiten, und seien sie auch noch so lebensnah eingefangen, müssen im letzten Drittel einen Schritt zurückgehen, um dem Werk das nötige Tempo zu schenken. Das wird in diesem kleinen Film jedoch vernachlässigt. Außerdem wird aus einer mystischen Geschichte, aus der man sehr viel hätte machen können und die auf seine eigene Art die Idee von "Stargate" vorwegnahm, keine interessant weitergeführte Story mehr, sondern eine öde Sache, die mehr Kriminalfilm als Science Fiction ist.

Die Leute, die nach dem im Laufe der Geschichte entflohenen Alien suchen, wirken von ihrer Anzahl her und von ihren Räumlichkeiten nicht gerade wie Regierungsmitarbeiter. Da man aufgrund der Geschehnisse nicht einmal weiß wie viele Außerirdische sich mittlerweile auf der Erde befinden und somit der ganze Planet in Gefahr sein könnte, scheint das die Regierung nicht sehr zu beeindrucken. Auch die Bevölkerung bleibt nach Einschalten der öffentlichen Medien ruhig und geht seinem Alltag nach.

Diese groben Fehler werden auch auf der anderen Seite der Geschehnisse gemacht: noch immer haben wir es nur mit einem Alien zu tun, das seiner Mission wie ein Verbrecher aus klassischen Krimis nachgeht. So mietet es z.B. Büroräume an, um Menschenfrauen zu locken. Auch das klassisch düstere Outfit, mit welchem das fremde Wesen unerkannt unter den Erdenbürgern wandelt, wird dem Stil von Kriminalfilm-Gangstern gerecht.

Wirklich vom Hocker reißt da nichts. Es ist auch etwas schade, dass der Außerirdische sich so gut mit der Menschheit auskennt, was zwar von der Geschichte erklärt wird, das Wesen selbst den kompletten Film aber zu menschlich wirken lässt. Mehr noch, wenn wir den Fremdling gegen Ende erstmals komplett zu Gesicht bekommen, sieht er sogar aus wie ein Mensch, nur ein wenig entstellt. Die Monsterhand zu Beginn, die ein ganz anderes Wesen vermuten ließ, war auch nur entstellt.

Für einen Film, der so ominös, mystisch und monströs begann, ist das einfach zu schlicht. Man ist ja bereits beim Ausbruch des Außerirdischen in der Mitte des Films verwundert, dass er mal eben schnell mit dem Auto flieht. Sofort fühlte ich mich an Carpenters Meisterwerk "Halloween" erinnert, in welchem der jahrelange Insasse einer Nervenheilanstalt urplötzlich Auto fahren konnte. In "The Night Caller" macht dies im Nachhinein zumindest mehr Sinn als in "Halloween". Es ist aber dennoch ein gutes Beispiel dafür, wie menschlich sich unser Alien benimmt.

Und so fehlt schließlich jede Magie, die der Film zuvor hatte. Klar bleiben ihm so immer noch die Vorteile der ungewohnt echten Darstellung menschlicher Verhaltensweisen (wenn auch nicht in jeder Szene) und natürlich der Nostalgiebonus. Aber diese beiden Elemente können auch nicht mehr retten, was mit der zweiten Hälfte ruiniert wurde. Nicht nur dass die erste Hälfte dafür nicht entschädigen kann, ihre mystische Story trägt Schuld daran, dass die eher mäßige letzte Hälfte vollkommen seine Wirkung verliert. Mit dem Lüften des Geheimnisses hinter alle dem und der Sichtung des Außerirdischen verpatzt "The Night Caller" die letzte Möglichkeit das Ruder zum passablen Film hin noch einmal rumzureißen. So bleibt man nach Sichtung enttäuscht zurück und weiß nun aus welchen Gründen heute kein Mensch mehr vom "Blood Beast From Outer Space" (Alternativtitel) spricht. 


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THE PUZZLE (2008 Davide Melini)


Nach einem unerfreulichen Telefonat mit ihrem Sohn, der wieder einmal Geld schnorren wollte, setzt sich eine Frau an den Tisch und geht ihrem Hobbie, dem Puzzeln, nach. Einige Zeit später vernimmt sie ein Geräusch aus ihrem Haus. Das Puzzle ist beendet und erweist sich als Medium ihres baldigen Schicksals...


Das 4 Minuten-Puzzle...

Davide Melini, Regisseur dieses Kurzfilmes, ist sichtlich bemüht Atmosphäre aufkommen zu lassen. Wehende Vorhänge, ein unheimliches Geräusch, mit der Kerze durchs dunkle Haus wandern und als Stilmittel kreisende Kamerafahrten und andere dynamische Bewegungen mit dem Aufnahmegerät. Die Musik ist packend, reißt einen sofort mit. Ertönt sie, sind dies die besten Szenen des Films. Doch auch bei Stille ist Melini atmosphärisch nah am Ziel dessen was er will, eine stille Sequenz weist gar Spannung auf.

Was gegen diese ordentlichen Bemühungen arbeitet ist die Geschichte und ihre Laufzeit von gerade mal 4 Minuten. Das Telefonat wird kurz gehalten, soll nur eine kurze Information liefern. Melini vergeudet also keine Zeit, das ist gut. Die dünne Geschichte arbeitet jedoch auf einen Höhepunkt zu, und der ist mystischer Art. Der Höhepunkt ist geheimnisvoll und rätselhaft, und er bleibt es bis zum Schluss. Das ist alles schön und gut, wäre auch sicher eine tolle Schlusspointe gewesen, wenn die Laufzeit etwas länger gewesen wäre.

Man baut nicht genug Bezug zur Frau und zur allgemeinen Situation in diesen 4 Minuten auf. Dementsprechend besitzt auch das mystische Ende keine positive Wirkung. Sie wirkt lückenhaft und banal, wie der komplette Streifen. Um zu wirken hätte sie eine Partnerschaft mit dem Restfilm aufbauen müssen, und eine solche ist in den paar Minuten nicht möglich. Das Puzzle ist ein Puzzle, die Mutter eine Mutter, der Sohn ein Schnorrer mit scheinbar großen Problemen.

Das Puzzle hätte länger beachtet werden müssen, damit man seine mystische Aura erfährt. Der Familienhintergrund hätte bekannt sein müssen, um seine Gefahr entweder zu erahnen oder von seinem wahren Geist überrumpelt zu werden. Die Mutter hätte man intensiver miterleben müssen, um von der Schicksalsankündigung des baldigen Todes überrumpelt zu werden.

Die Zutaten waren alle nicht schlecht. Lediglich die kleine Rolle des männlichen Parts war nicht sonderlich gut verkörpert. Ansonsten stimmt theoretisch viel. Die gute Musik, der interessante Kamerastil, Farbgebung und das Talent der Hauptdarstellerin. Dennoch ist in meinen Augen immer das Drehbuch der wichtigste Faktor eines Filmes. Eine starke Geschichte oder zumindest die starke Umsetzung einer banalen Geschichte kann über viele Mängel hinwegtrösten. Melini scheint seinen Film jedoch eher als Übung für stilistische Spielereien zu sehen. Das ist auch o.k., aber eben nicht mehr. Allerdings machen die positiven Aspekte neugierig auf längere Projekte von Melini. 


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BATES MOTEL (1987 Richard Rothstein)


Der kleine Alex sitzt in der selben Nervenheilanstalt wie der gestörte Mörder Norman Bates. Beide werden Freunde, und als Norman stirbt erbt der mittlerweile erwachsen gewordene Alex sein Motel mit der Bitte es wieder aufzubauen. Alex kommt frei, fühlt sich in der großen Welt zwar nicht wohl, aber unternimmt alles um Normans Wunsch zu erfüllen. Ganz leicht wird ihm dieses Unternehmen nicht gemacht. Und nicht jedes Hindernis scheint von dieser Welt zu sein...


Wo Bates drauf steht, ist noch lange nicht viel Bates drin...

Zum Zeitpunkt von „Bates Motel“ existierten bereits zwei echte Fortsetzungen zu Hitchcocks „Psycho“. Die erste bot mit seinem Ergebnis wohl die größte Überraschung, hätte man doch nie gedacht, dass nach so langer Zeit ein solch würdiges Sequel auftauchen würde. Nachdem beide Weitererzählungen sich finanziell lohnten, grübelten Fernsehredakteure darüber nach, wie sie die Geldkuh „Psycho“ für ihre Zwecke melken könnten.

Das Ergebnis dieser Überlegungen war der Pilotfilm „Bates Motel“, der die Fortsetzungen des Kinofilms ignorierte und ebenfalls an Teil 1 anschließt. Mit dem routinierten Niveau von „Psycho 3“ schien es nicht nötig zu sein sich so ins Zeug zu legen wie bei „Psycho“ und „Psycho 2“. Das hätte man im TV ohnehin nur ungern gemacht, also tat man das, was später auch Freddy und im selben Jahr Jason widerfahren sollte: Man brachte Horrorkino in TV-Serie, mit der Absicht den berühmten Namen zu nutzen, um ausgelutschte Routine-Spukgeschichten zu erzählen.

Ebenso wie in „Freddy's Nightmares“ orientiert sich der Pilotfilm zunächst am Original. Im letzten Drittel darf man allerdings bereits in das Konzept hineinschnuppern, das uns serviert worden wäre, wenn „Bates Motel“ in Serie gegangen wäre: Eine Suizide bekommt Besuch aus dem Jenseits, damit diese ihre geplante Tat überdenkt. Die Serie sollte also Gruselgeschichten erzählen, die den Gästen widerfahren und somit nichts weiter mit Hitchcocks Meisterwerk zu tun haben – nichts außer der Location.

Nach Ende dieser Geschichte erlebt „Bates Motel“ noch kurz ein plumpes Ende der zuvor erzählten Geschichte, damit sich Alex dann persönlich beim Publikum verabschieden darf. Was als lustiges Stilmittel gedacht ist, passt jedoch gar nicht zum Rest des Gesehenen, denn es würde einschließen, dass Alex bewusst war Geister als Gäste aufzunehmen. Dies war jedoch nicht der Fall.

All zu streng braucht man mit dieser kleinen Popelsituation allerdings ohnehin nicht zu sein, denn wir befinden uns am Ende des Films, wo man bereits nichts mehr erwartet, viel zu enttäuschend war das bis dahin Gesehene.

Ich habe sicherlich nicht viel erwartet bei einem TV-Produkt, und man ist vorgewarnt, weil das Ding nie fortgesetzt wurde. Aber etwas mehr Mühe wäre wünschenswert gewesen. So fragt man sich doch z.B. was der Hauptrollen-Cast bitte sehr soll. Klar, Bud Cort soll ein Weichei spielen, aber was dieser Mann da personifiziert kann niemals Identifikationsfigur werden. Dafür spielt er viel zu lächerlich und viel zu übertrieben seicht. O.k., der Softie war in den 80er Jahren angesagt, aber Alex ist softer als Softeis.

Alex bekommt zwar eine Partnerin zur Seite gestellt, aber auch diese weiß nicht mit dem Publikum zu sympathisieren. Noch bevor die erste Stunde Laufzeit vorbei ist, beschließt sie das x-te Mal abzuhauen. Immer wieder kehrt sie zurück, sie habe es sich anders überlegt. Das nenne ich mal einfallsreiche Drehbuch-Autoren. Wo wurden die rekrutiert? In der Sonderschule?

An der Sympathie Alex’ Partnerin ändert das Hüh und Hot nicht viel, ist sie doch von ihrem ersten Auftritt an komplett arrogant und egoistisch. Sie soll für die damals so selbstbewusst moderne Frau stehen, benimmt sich aber nur wie der letzte Vollprolet ohne den Ansatz von Feingefühl und ohne ein Zeichen für Hoffnung auf Besserung zu setzen. Lediglich der schwarze Architekt lässt so etwas wie Sympathie aufkommen. Zu dumm, dass er nur so selten vorkommt.

Die eigentliche Geschichte über die Vorkommnisse beim Renovieren des Motels ist theoretisch gesehen ganz nett. Allerdings riecht man viel zu schnell woher der Hase läuft. An Spuk glaubt da niemand mehr, und am Ende ist alles wie in einer Episode „Scooby Doo“, nur dass es im Kinderprogramm nicht stört, wenn die Auflösung lächerlich daher kommt. Unter welchen Umständen das Gesicht hinter den Taten überführt und gezwungen wird zukünftig anders zu handeln, ist eine Beleidigung an den erwachsenen Zuschauer, falls dieser angestrebt war. Vielleicht wollten die TV-Verantwortlichen auch nur ein Produkt für die Jugend anvisieren, aber warum setzt man dann einen Film aus Großmutters Zeiten fort?

„Bates Motel“ ist auf unterstem Unterhaltungsniveau guckbar, mir fällt jedoch nicht ein Grund ein, jemanden dieses Werk zu empfehlen. Weder Vielgucker noch Trashfans bekommen etwas geboten. Die „Spukgeschichte“ um Bates’ Vorfahren wird nur kurz angerissen und in „Psycho 4“ gegen Ende interessanter umgesetzt. Die Story bietet fast nur Soap ohne Horrorstoff und ohne sympathische Figuren. Komplett blöde ist das Ergebnis nicht geworden, aber es wird zu wenig vertieft, zu viel renoviert und zu plötzlich alles beendet.

Die Geschichte um einen möglichen Spukhintergrund von Mama Bates hätte ich wesentlich interessanter gefunden, als die Idee Motelgäste Gruselgeschichten erleben zu lassen. Geisterhaften Batesgrusel in Serie zu setzen würde natürlich talentiertere Drehbuchautoren voraussetzen, und solche sind im Fernsehen nun mal rar verteilt, zumindest damals.

Wie erwähnt: Der Streifen ist guckbar. Man will schließlich miterleben wie alles endet. Wie zu erwarten kam alles so wie zuvor vermutet. Wenigstens weiß man nun wie „Psycho“ als Fernsehserie ausgesehen hätte, und dies wäre dann auch der einzige Grund reinzuschalten. Dass eine banale Gruselserie ausgerechnet auf „Psycho“ aufbaut, ist ihr vorhersehbarer Untergang gewesen. Bereits als eigenständige Serie hätte dieser Horrorbereich für gelangweilte Hausmütterchen sicherlich niemals eine zweite Staffel erreicht. Der Stempel „Psycho“ sorgt jedoch auch dafür, dass Zuschauer strenger mit dem Endergebnis umgehen, als nötig. „Bates Motel“ ist nicht schlecht, er ist nur unglaublich gewöhnlich.


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Freitag, 28. Dezember 2012

DAS UNVOLLENDETE BILDNIS (Poirot: Five Little Pigs 2003 Paul Unwin)


Lucy, eine junge Frau, kontaktiert Meisterdetektiv Hercule Poirot, um ihn einen alten Fall neu aufrollen zu lassen. Vor 14 Jahren wurde Lucys Mutter am Strick hingerichtet, weil sie ihren Ehemann vergiftet haben soll. In einem Abschiedsbrief an Lucy beteuerte sie ihre Unschuld. Poirot macht sich auf mit jenen 5 Leuten zu reden, die sich während der Tatzeit auf dem ländlichen Anwesen aufgehalten haben, in dessen Nähe der Mord geschah...


Die Wahrheit ruht nicht...

Poirot macht seine Klientin von Anfang an darauf aufmerksam, dass am Ende ihre Mutter der Täter sein könnte. Auch ein Selbstmord wird nicht ausgeschlossen. Und somit wird das heitere Mörderraten bereichert, so dass 7 Varianten zur Auswahl stehen, Interessenvereinigungen nicht eingeschlossen. Der Zuschauer ist herzlichst eingeladen mitzuermitteln.

Auf Poirot-typische Art beginnen nun die Hintergründe, das Puzzle wird nach und nach eins, bleibt jedoch so unvollständig wie das Gemälde im Titel, bis es zur finalen Aufklärung kommt, die (ebenfalls Poirot-typisch) weit ausholt. Am Ende weiß man, dass man auch darauf hätte kommen können. Da wird nicht mit miesen Tricks gearbeitet, die den Zuschauer außen vor gelassen hätten. Regisseur Unwin bietet uns zwar kurz vor der Auflösung eine kleine homoerotische Überraschung, aber diese ist für die Aufklärung so unwichtig wie unnötig, ist sogar die einzige inhaltliche Schwäche dieses wundervollen Kriminalfalles.

David Suchet ist ein überzeugender Poirot, auch wenn sein Bart etwas zu künstlich wirkt. Er kann auf jeden Fall Peter Ustinov das Wasser reichen, der den Meisterdetektiv ebenfalls sehr überzeugend verkörpert hat. Suchet-Poirot-Krimis gibt es dank der TV-Herkunft so einige, dies war mein erster. Mit dementsprechend wenig Erwartung bin ich herangegangen, um derart angenehm überrascht zu werden.

Wenn die x-te Version der selben vergangenen Tage aufgewühlt wird, wird die Geschichte noch immer nicht langweilig. Im Gegenteil, unterschiedliche Wahrnehmungen, mögliche Lügen und andere Kontakte und Aufenthaltsorte bieten immer genauere Perspektiven zur Lüftung des Geheimnisses. Mein persönlicher Verdacht entpuppte sich als falsch, hämisch ausgelacht von Unwin, der es sich nicht verkneifen konnte, innerhalb der klärenden Worte Poirots eine Täuschung anzugehen, die in meine Verdachtsrichtung lenkte, um dann doch das Lenkrad herumzureißen und eine andere Wahrheit zu präsentieren. Und wie oben erwähnt: man hätte darauf kommen können. Wer ein guter Beobachter und ein guter Zuhörer ist, dem steht die Auflösung vor der Nase.

Verdächtig sind alle, wie typisch bei Agatha Christie. Im Gegensatz zu älteren Verfilmungen ihrer Romane sind die zu befragenden Personen in „Das unvollendete Bildnis“ jedoch nicht übertrieben schurkisch. Sie scheinen alle Dreck am Stecken zu haben, wirken jedoch real. Im Gegensatz zu den vier Miss Marple-Filmen mit Margaret Rutherford blitzt hier auch kein Humor auf, nicht einmal in der Rolle des Poirot selbst, der von Ustinov immer leicht witzig verkörpert wurde. Mag sein dass dies in anderen Teilen mit Suchet anders ist.

Unwin schafft es den Zuschauer an die Hand zu nehmen. Trotz der vielen Informationen, die er einen zuschmeißt verliert man nie den Überblick. Unwin weiß, dass der Zuschauer mitraten möchte, und er gibt ihm was er verlangt. Dabei werden inhaltlich keine Fehler gemacht. Die Geschichte bleibt pingeligst logisch, arbeitet sogar mit Vergessen und verschwommenen Erinnerungen, immerhin ist der Mordfall nun schon 14 Jahre her.

Krimi-Freunden sei „Das unvollendete Bildnis“ wärmstens ans Herz gelegt. Sein Spannungspotential baut er einzig auf dem Kniff des Mitratens auf. Am Ende hat man sich meist aber eh geirrt, sonst wäre ja jeder ein Meisterdetektiv.


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STILLE NACHT, HORROR NACHT 2 (Silent Night, Deadly Night 2 1987 Lee Harry)


Ricky, dessen Bruder vor Jahren als Weihnachtsmann Amok lief, steckt in einem Zwangsgespräch mit einem Psychiater, weil er Menschen ermordet hat. Er erzählt dem Mann seine und Billys Geschichte...


Und wieder mordet der Weihnachtsmann...

Drei Jahre nach dem mittelmäßigen Original schob Regie-Neuling Lee Harry diese Fortsetzung hinterher, und nach dem Sichten versteht man bereits, warum der gute Mann danach nur noch einen weiteren Film drehte. „Stille Nacht, Horror Nacht 2“ ist grottenschlecht. Nicht nur das, er ist auch noch dreist dazu.

Wie sonst soll man es nennen, als Filmfreund über 35 Minuten lang mit Szenen abgespeist zu werden, die man bereits aus dem Vorgänger kennt? Sie werden lediglich kurz unterbrochen von der dünnen Rahmenhandlung des Verhörs, das kaum seltendämlicher sein könnte wie gezeigt. Der Psychiater ist ein Wrack, das sich von einem Halbstarken Proleten mit Nichtigkeiten und pubertären Spielchen Angst einjagen lässt (obwohl er zuvor den harten Doc spielt), und Ricky kann sich an Sachen erinnern, die er nie miterlebt hat oder als Baby mitbekommen hat. Zwar verweist er darauf einiges von seinem großen Bruder berichtet bekommen zu haben, aber selbst der kann einiges von den uns präsentierten Rückblicken nicht gewusst haben.

Der Grund warum Billy durchdrehte wurde auf Hobbiepsychologen-Art zwar bereits in Teil 1 eher unsinnig erklärt, warum nun Ricky durchdreht, zumal er immerhin als älteres Kind ein stabiles Nest kennen gelernt hat, bleibt völlig unklar, wird aber auch gar nicht erst versucht zu erklären. Dass Ricky seine Taten erst gegen Ende als Weihnachtsmann begeht und zuvor vereinzelt als bürgerlich gekleideter Psycho durchdreht, wäre nicht weiter wild, im Gegenteil, das Santa-Kostüm gegen Ende hätte gar nicht sein müssen. Aus Produzentensicht wahrscheinlich schon, denn der mordende Geschenkebringer soll seinerzeit für reichlich Skandal gesorgt haben, so dass der Protest beste Werbung war. Warum darauf in der Fortsetzung verzichten?

Dass die Geschichte plump ist, damit rechnet man freilich schon zuvor. Man will ohnehin nur einen Psycho umherwandern sehen, der anderen das Lebenslicht raubt. Harry erzählt seinen Film allerdings derart unlogisch und schlecht, dass man sich echt fragt, wer dem Projekt bis zum Ende grünes Licht gab. Da bedankt sich eine junge Dame für den ersten Mord, da zieht ein untalentierter Hauptdarsteller bescheuerte „Ich bin nicht richtig im Kopf“- und „Man, bin ich wütend“-Grimassen. Da ergibt kaum ein Dialog Sinn und kaum eine Situation ist im wirklichen Leben denkbar.

Zwar sollte man aus gewisser Sicht damit nicht so streng umgehen, da der Film an einigen Stellen zeigt, dass er sich selbst nicht so ernst nimmt (Ricky schaut „Stille Nacht, Horror Nacht“ im Kino während einer sich über die dortigen Unlogiken beschwert, die Nonne wohnt Hausnummer 666, ...), aber selbst humoristisch betrachtet ist der Dilettantismus, den Harry an den Tag legt, nicht zu endschuldigen. Was sollen solche an den Haaren herbeigezogenen Charakterzeichnungen wie jene vom Ex von Rickys Freundin? Warum will jeder Abgewiesene Notgeile sich Sex durch Zwang holen? Was soll das ganze Treiben im Film überhaupt? Haben Drehbuchautor und Regie gemeinsam abgelaufene LSD-Pillchen geschluckt? Oder haben sie diese nur den Produzenten verabreicht, damit diese Geld locker machen?

Fragen, auf die man keine Antwort haben will. Verarschen kann man sich allein, da braucht man kein „Stille Nacht, Horror Nacht 2“ mehr, der lediglich in einer einzigen Szene zumindest per Spezialeffekt zu gefallen weiß, wenn eines der Opfer auf besonders fiese Art unter Strom gesetzt wird. Schade dass die Fortsetzung nur nervt. Damit bleibt auch fröhlicher Trash aus. 


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CRANK 2 - HIGH VOLTAGE (2009 Mark Neveldine u.a.)


Chev ist erstaunlicherweise nicht tot. Als er einige Zeit nach seinem Sturz erwacht, muss er feststellen dass er zwar von ärztlichen Versorgungsgeräten umgeben ist, diese lebenserhaltenden Maßnahmen jedoch nicht seinem Wohl sondern vielmehr seinem Erhalt dienen. Denn ein mächtiger Mann nutzt den Halbtoten als Organlager. Chev wurde das Herz herausoperiert, und dies will der mittlerweile wieder springlebendige Mann zurück haben. Mit Hilfe eines mechanischen Herzersatzes macht er sich auf den Weg seinen stärksten Muskel zurückzuerobern. Zu dumm, dass der mechanische Ersatz dank leergewordener Batterien immer wieder Stromstöße benötigt, um nicht auszufallen...


Kopierter Kult...

Crank“ war provozierend, einfallsreich, rasant und einfach anders. Es war ein eigenständiges Werk von Leuten, die im Bereich des Actiongenres einfach mal etwas anderes wagen wollten. Der Erfolg gab ihnen recht, und wo Erfolg ist, da muss auch eine Fortsetzung her.

Was aber passiert wenn man Kult und Klasse versucht nachzuahmen? Bereits „Shock Treatment“, die Fortsetzung der erfolgreichen „Rocky Horror Picture Show“ lieferte in den 80er Jahren die Antwort. Wenn man etwas Außergewöhnliches kopieren will, dann geht man meist die äußeren Symptome an, die Kult aussehen lassen, als wäre dies ihr Herzstück gewesen. Ein solcher Versuch endet meist mit dem, wovon Horrorfilme mit Klonthematik berichten: Das Duplikat wird eine seelenlose Hülle.

„Crank 2“ hat einen gewissen Unterhaltungswert, den ich ihm nicht abstreiten möchte. Aber er ist zum einem auf recht niedrigem Niveau angesiedelt und zum anderen nicht stark genug, um einen kompletten Film zu füllen. Der Versuch mit immer neuen, schrägen Ideen das Tempo zu halten sorgt irgendwann für Ermüdung, zumal nichts einer klaren Linie folgt und jederzeit alles möglich ist, was in diesem Falle zu Desinteresse führt.

Teil 1 steckte ebenso voller schräger Ideen. Es gab jedoch einen wichtigen Unterschied: All diese skurrilen Situationen bauten auf einer Grundidee auf, die konsequent weitergeführt wurde. Klar herrschte in dieser comicartigen Welt Unlogik, innerhalb der Grundidee blieb man auf weltfremder Art jedoch konsequent und setzte einem erweiterten Gedanken immer den nächsten Schritt nach.

Sicherlich ist der Aufhänger der Fortsetzung auch nicht ohne, er ist im Comicsinne sogar eine richtig gute Idee um Chev ins nächste Abenteuer zu jagen. Aber dieser Grundstein hat diesmal nicht das Potential des endlosen Rattenschwanzes von Teil 1, so dass sich die Erfinder der Geschichte genötigt sahen zusätzliche schräge Ideen einzubauen, die mit dem Grundszenario nichts zu tun hatten.

Und da liegt der Hund nun begraben. Genau an dieser Stelle wird aus lässigem Kult der verkrampfte Versuch ebenso schräg zu sein, wie der Vorgänger, vielleicht sogar der Wunsch Teil 1 in diesem Punkt zu toppen. Doch Fehlanzeige! Zwar kann man vielen der Ideen ihre Sympathie nicht absprechen, aber sie sind nicht kompatibel in die Geschichte integriert. Die Geschichte unterstellt sich den schrägen Ideen, sie sind nicht mehr dazugehörender Teil des Erzählten.

Ein Filmemacher des Popkornkinos muss sich jedoch an der Geschichte orientieren. Das ist eine Regel, die im modernen Kino häufig gebrochen wird, aber nur noch ein anspruchsloses Publikum in die Lichtspielhäuser lockt. Das Ergebnis ist der Knalleffekt, nicht mehr der Wunsch den Konsumenten etwas zu erzählen.

Komplett verkehrt wurde „Crank 2“ jedoch nicht angegangen. Der visuelle Stil des Erstlings wird beibehalten und arbeitet auch mit neuen Ideen. Leider darf Google schon wieder penetrant werben, das fanden viele in Teil 1 bereits cool, ich finde so etwas jedoch immer kontraproduktiv.

Man war bemüht viele Figuren des ersten Teiles wieder auftauchen zu lassen. Das zeigt die Liebe zu Teil 1, wird jedoch nicht immer auf die angenehme Art umgesetzt. Das skurrilste Wiedersehen gibt es gegen Ende, und da „Crank 2“ ein starkstromartiger Comicstrip ist, ist die dortige Übertreibung mit der Rückkehr eines alten Bekannten durchaus sympathisch zu nennen. Hier wird die Fortsetzung noch bekloppter als ohnehin schon und dem Darsteller sieht man die Spielfreude seines kurzen Gastauftrittes auch deutlich an.

Negativ fällt eine gefakete Rückkehr auf, die durch einen Zwillingsbruder erklärt wird. In einem solchen Moment macht „Crank 2“ den Eindruck man säße vor einer Endlos-Soap, in der nach Jahren wer Verstorbengeglaubtes auf mysteriöse Art zurückgekehrt ist. Nicht zu Unrecht wurde solche Drehbuch-Faulheit von „Loaded Weapon 1“ seinerzeit kritisiert und parodiert. Über ein Jahrzehnt später hat man es noch immer nicht begriffen. Und trotz deutlicher Augenzwinkerei in besagter „Rückkehr“ stößt die Einfallslosigkeit dieses Punktes sauer auf.

Zielpublikum dürfte letztendlich das unreife Publikum sein, welches Teil 1 fälschlicher Weise als cool betrachtet. Das erwachsene Publikum, das in Teil 1 noch willkommen geheißen wurde, wird in der Fortsetzung ausgegrenzt. Aus Produzentensicht ist das sicherlich nachvollziehbar, immerhin ist es das schnell zufriedenzustellende Publikum, welches das meiste Geld im Kino bei Fortsetzungen lässt. Warum sollte man auf das eher kritische Publikum setzen, dem es schwer recht zu machen ist? Das würde Mühe und Talent fordern.

In „Crank 2“ wurde einiges richtig angegangen, aber vieles verkehrt gemacht. Leider ist die Überdosis schräger Ideen ermüdend statt aufpuschend, weshalb das Werk auch als Hirnlos-Popkornprodukt in meinen Augen leider nicht funktioniert. Der unsinnige „Stirb langsam 4.0“ ist da schon unterhaltsamer. Der wie immer gut besetzte Jason Statham kann einiges rausreißen, aber auch er kann nicht gegen krampfhaften Kult und unsinnigen Wiederholungen, wie der öffentlichen Sexszene, ankommen. Der gute Mann ist ein Schauspieler und kein Zauberer.


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