Freitag, 30. November 2012

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT (How To Train Your Dragon 2010 Chris Sanders u.a.)


Hicks ist zwar der Sohn des Wikingerhäuptlings, aber als schmaler, tollpatschiger Querdenker so gar nicht dessen Stolz. Hicks will allen zeigen was er kann, und schießt während einer nächtlichen Drachenattacke einen Nachtschatten ab, eine Drachengattung, die bislang noch niemand erlegt hat. Als Hicks seine Beute am nächsten Tag verletzt auffindet, findet er heraus, dass das Tier nicht so böse ist, wie von den Erwachsenen immer propagiert wird. Gegen jede Tradition entsteht zwischen Kind und Drache eine Freundschaft...


Vom Ungeziefer zum Haustier...

Dreamworks war der erste Konkurrent der Pixarstudios im Bereich der computeranimierten Zeichentrickfilme. Während Disney, für die das Studio Pixar arbeitet, ihre Werke im eher klassischem Zeichentrick-Erzählstil umsetzte, fand man bei Dreamworks schnell zum Stil des frechen Trickfilms, mit einer Humorrichtung mit flotten Sprüchen, Parodien diverser Vorlagen und anderweitiger Medien und jugendorientiertem Humor (im Prinzip das Rezept der „Simpsons“). Mit diesem Rezept erzielte man so große Erfolge („Shrek“, „Madagascar“,...), dass viele andere Firmen auf diesen Stil auch mit aufsprangen („Ice Age“, „Himmel und Huhn“,...).

Die Pixar-Studios versuchten sich jedoch stets in anderen Bereichen, experimentierten mit teilweise recht ruhigen Stoffen, und ihr Mut sollte belohnt werden. Werke wie „Findet Nemo“, „Oben“ und „Wall-E“ wurden finanzielle Erfolge, so dass nun auch Dreamworks neue Wege suchte. Die Filme mit Jugendhumor wurden Massenware, bei denen sich kaum noch ein Film vom anderen zu unterscheiden wusste. Während Pixar, wie oben erwähnt, eher ruhigere Themen anschlug, versuchte man sich bei Dreamworks mit dem actionreichen Abenteuer- und Fantasybereich und herausgekommen ist „Drachenzähmen leicht gemacht“, ein Film der lauten Humor fast komplett umgeht und hauptsächlich mit seiner optischen Wucht zu überzeugen weiß.

Das mag unoriginell klingen, aber was man uns hier zeichnerisch bietet, lässt sich wirklich nicht anders ausdrücken. Direkt zu Beginn wird man in eine große Schlacht hineingeschuppst, in welcher Wikingerhorden in ihrem Dorf angreifende Drachen bekämpfen. Ein Off-Kommentar, die Stimme von Hicks, dem Sohn des Wickingerhäuptlings, erzählt uns, dass dies das Ungeziefer dieser Gegend ist. Man sichtet allerhand Action, Feuermeere, einfallsreiche Drachenkreaturen, ein detailfreudiges Wikingerdorf und wilde Kämpfer, wie man sie sich klassischer nicht vorstellen könnte.

Die Haaranimation macht immer mehr Fortschritte, und so fallen die Wikinger sehr durch ihre wuchtigen Bärte auf. Behaarte Arme werden dank realitätsorientierter Haut zum Hingucker, lediglich die Gesichter werden so gehalten, wie es im Animationsfilm Amerikas üblich ist.

Neben einer detailfreudigen Animation und tollen Kamerafahrten fallen in erster Linie die Figurenzeichnungen positiv auf, und da spreche ich nicht nur von den Menschen, sondern auch von den Drachen. Man verlässt sich nicht schlicht auf eine Gattung, mehrere Arten mit verschiedenen Tücken werden uns einfallsreich vorgestellt, und die Wissenslücken des Zuschauers werden im Drehbuch gekonnt platziert gefüllt, ohne dass man zur Nachhilfe die eigentliche Geschichte pausieren müsste.

Diese folgt den schlichten Pfaden typischer Jugendfilm-Erzählungen, nicht ohne Überraschungen oder ohne fesseln zu können (das tut „Drachenzähmen leicht gemacht“ wahrlich), aber doch die gängigen Weichen setzend, dass man ab einem gewissen Punkt im Film weiß, wie die Geschichte ungefähr weiter ablaufen wird. Dieser Punkt kommt nicht all zu früh, und ist er erreicht ist man so in der Geschichte drin und hat die Charaktere so ins Herz geschlossen, dass man eigentlich nicht von einem Schwachpunkt reden könnte. Dem Unterhaltungswert tut dieser Standart keinen Abbruch.

Was ein wenig überrascht, ist dass man sich bis auf optische Wikinger-Elemente so gar nicht an alten Mythen und Überlieferungen orientiert. Dass die Wikinger lediglich als Identifikationsfiguren für Amerikaner dienen, sieht man bereits daran, dass selbst Wikingermädchen emanzipiert gegen Drachen kämpfen dürfen. Mit wahrer Historie wird hier nicht gearbeitet, was aber nicht weiter stört, da man die Drachensituation vertieft, einen Fantasybereich, zu dem es kein wahres Wissen gibt. Hier können sich die Autoren und Animateure nun kräftig austoben, einfach auf ihre Art, und damit eigene kleine Wikingersituationen schaffen.

In der Geschichte werden die typischen Botschaften aus Kinderfilmen verarbeitet: Eltern sollten ein Ohr für die Probleme ihrer Kinder haben, es kommt nicht auf die Stärke an, gebt Querdenkern eine Chance, pass Dich nicht an um anderen zu gefallen, und gib Andersartigen auch eine Chance. Letzteres ist quasi eine Erweiterung der Querdenker-Lehre und wird in „How To Train Your Dragon“ (Originaltitel) ausführlich zelebriert, wenn sich Nachtschatten-Drache und Wikingerjunge näher kommen.

Der Drache bleibt ein Tier, ist nicht gleich intelligent wie ein Mensch, und der Figur des Hicks wird es nicht all zu leicht gemacht, eben weil er das Vertrauen des feuerspeienden Reptils auf realistische Art gewinnen muss, auf eine Art wie man es im realen Leben bei einem wirklich existierenden Tier auch müsste. Der Wandel vom furchteinflößenden, schwarzen Drachen zum sympathiegewinnenden Freund ist von den Animateuer gut eingefangen, erinnert an mancher Stelle mimisch jedoch an Stitch, dem Monster aus „Lilo und Stitch“. Das wundert jedoch wenig, sind doch beide Regisseure des hier besprochenen Filmes auch die vom besagten Disney-Werk.

Ohnezahn, wie Hicks den Nachtschatten nennt, ist ohnehin eine interessante Figur, spiegeln sich in ihr doch vielerlei Tiere wieder. Er hat viel von einer Katze, von einer Echse freilich auch, aber auch von einem Meerestier, wie dem Delphin. Andere Drachen weisen kleine Parallelen zu Schildkröten auf, und eine deutliche Übereinstimung ist auch zur Fledermaus zu erkennen, an deren Flug man sich ein wenig orientiert hat, wenn man Drachenmassen in und aus Höhlen fliegen lässt.

„Drachenzähmen leicht gemacht“, ein Animationsfilm den man sowohl in 2D als auch in 3D sichten kann, ist ein tolles Kinoerlebnis, dessen Wucht gerade auf der großen Leinwand zu wirken weiß, auch wenn man ein eher schmales Breitbild als Bildformat wählte. Der Film ist witzig, spannend, actionreich und fantasiereich. Er ist eine optische Wucht, und er ist von meiner Seite aus eine echte Empfehlung. Bleibt zu hoffen dass Dreamworks nach eher mauen Filmen wie „Madagascar“ seiner neu entdeckten Experimentierfreude treu bleibt. Denn Filme im Stile von „Shrek“ liefert die seit einigen Jahren hinzugekommenen Konkurrenz neben Pixar ohnehin schon zugenüge. Da tut Abwechslung sichtlich gut.


Trailer,   OFDb

ALF - DER FILM (Project: Alf 1996 Dick Lowry)


Alf sitzt in Militärgefangenschaft. Dort hat er es sich allerdings sehr gemütlich gemacht, zockt die Soldaten reihenweise ab und genießt das Leben. Ein fehlgeleiteter Kommandant sähe den Fremdling lieber tot und leitet dies in die Wege. Zwei Wissenschaftler kommen dem bösen Mann zuvor, schnappen sich das undankbare Alien und bringen es in Sicherheit. Doch wo soll das sein?...


Was aus Alf wurde...

Einige Jahre nach dem Aus der Serie gehen die Abenteuer des frechen Außerirdischen nun weiter. Die Fangemeinde weiß es den Verantwortlichen zu danken, hatten diese doch überraschend mutig die Fernsehserie böse enden lassen. Es war zwar ein offenes Ende, aber dennoch ein böses. Zu ungewiss war das Schicksal des charmanten Uncharmanten. Nun kann man aufatmen, er hat das beste aus seiner Situation gemacht.

Leider wirkt Alf in seinem Kinofilm wesentlich gemeiner und egoistischer, als bereits in der Serie. Dort gelang die Gradwanderung zwischen sympathisch und Arschloch, im Film dominiert letzteres leider all zu deutlich. Dies kann man als groben Fehler in der Inszenierung betrachten.

Durch das Fehlen der Tanners geht der wichtigste Humorfaktor der Serie verloren: Alfs Gegenstück Willi Tanner, der stets für die zündende Komik vorhanden war, für den feineren Gag, im Gegensatz zu Alf, der mit dreisten Sprüchen zwar Lacher erntete, jedoch nur für den kurzen Moment auf eher plumpe Art. Den Rest der Tanners vermisst man nicht, standen diese in der Serie doch nur für Spießertum. In der Geschichte des Kinofilms wird dieser Part nicht mehr benötigt. Aber Willi hinterlässt eine Lücke, welche die beiden neuen Freunde des zotteligen Außerirdischen nicht zu füllen wissen, bzw. gar nicht erst versuchen.

Zwar angelte man sich mit Martin Sheen einen Prominenten an Bord, aber auch sein Part ist nicht für die vorhandene Lücke gedacht, bedient jedoch einen anderen Bereich der Komik, den Klamauk, womit er immerhin am Randbereich zu punkten weiß.

Ein zu böser Alf plus einem fehlenden Willi sind letztendlich die Fehler, die „Alf – Der Film“ nicht zu einem familientauglichen Werk wie die Serie werden lassen. Der Kinobeitrag zur Sitcom ist somit lediglich ein Kinderfilm, denen die Abenteuer des langnasigen Alien sicherlich passabel gefallen wird. 


OFDb

FREITAG DER 13. 8 - TODESFALLE MANHATTAN (Friday The 13th 8: Jason Takes Manhattan 1989 Rob Hedden)


Killer Jason nistet sich auf einem Schiff nach New York ein und tötet munter alle Anwesenden, bis auf diejenigen, die in New York angekommen Richtung Innenstadt flüchten...


Salz- statt Süßgewässer...

In Teil 8 schlägt Jason zum 6. Mal zu, und geändert hat sich eigentlich wenig. Drei Änderungen fanden im negativen Sinne statt: Jason sieht nicht mehr so herrlich vergammelt aus wie im Vorgänger, und seine wenn überhaupt vorhandene unheimliche Ausstrahlung ist reduziert worden, da nun die Maske wieder komplett vor das Gesicht passt. Und das hat einfach nicht das selbe Flair wie der aufgeblähte Kopf hinter der zerbröselten Maske als Alternative.

Die andere wichtige Änderung wird bereits im Beititel erwähnt: Jason verlässt seine holde Heimat. Allerdings treibt es ihn nur kurz nach Manhattan, in der Hauptlaufzeit mordet er Teens und Teenbetreuer auf einem Schiff. Ansonsten sichtet man die typisch dünne Story, die meiner Meinung nach lieber wieder am Crystal Lake hätte spielen sollen.

Untalentierte Teens spielen dünne Rollen, und der Blutgehalt wirkt diesmal etwas reduziert. Ganz schlimm ist er in der alten VHS-Fassung, die wohl von allen geschnittenen Videoveröffentlichungen der Reihe die meisten Federn lassen musste.

Was an diesem 7. Aufguss der selben Story wundert ist, dass er erstaunlich positiv routiniert funktioniert. „Freitag der 13.“ ist grundsätzlich Schund, auch in den besonders guten Teilen. Das faszinierende an dem simplen Rezept ist einfach, dass selbst ein routinierter Teil wie dieser Nummer 8 zu unterhalten weiß. Für den 08-15-Cineasten oder TV-Glotzer hat der banale Film keinen Reiz. Er ist einfach etwas für Fans der Reihe. Und selbst für die ist er nur triviale Unterhaltung für zwischendurch. Wer viele oder alle Vorgänger nicht mochte und sich dennoch Teil 8 antut, ist selber schuld wenn er enttäuscht wird. „Freitag der 13. 8“ bietet das was man nach Sichtung der Vorgänger erwartet. Wegen der am Anfang der Review erwähnten schlechten Änderungen ist dennoch ein leichter Qualitätsabstieg zu verbuchen.

Im Kino war Teil 8 nicht der erwünschte Hit. Jason an einen anderen Ort zu verfrachten allein reicht nun einmal nicht aus, um wieder das Interesse der Masse zu wecken. Mit Teil 9 sollte es noch einmal besonders schlecht werden bevor mit Teil 10 wieder ein guter Teil produziert wurde. Zurück an das klassische Muster wagte man sich allerdings nie wieder. Damit war mit Teil 7 Schluss, trotz des mäßigen Erfolges von Teil 8.

Die in Teil 6 aufkommende Komik wird auch in „Todesfalle Manhattan“ wieder aufgegriffen. Das ist immer Geschmackssache, aber spätestens wenn Jason ein paar Punker verschreckt, in dem er ihnen nur kurz sein Gesicht zeigt, ist ein Lacher garantiert. Dass dieser auf Kosten der Logik des typischen Jason-Charakters geht würde nur dann sauer aufstoßen, wenn man es mit dieser Reihe mit etwas anspruchsvollerem zu tun hätte. Freitag der 13. war für mich allerdings immer nur die Groschenheft-Reihe des Kinos. Da ist eine niedrige Erwartungshaltung von Beginn an gegeben. Wie kann ein Teil 8, der sich im groben so strikt an das bewährte Muster hält, da ernsthaft enttäuschen? Er ist eben nur Spaß für Fans!

FREITAG DER 13. 6 - JASON LEBT (Friday The 13th 6: Jason Lives 1986 Tom McLoughlin)



Tommy Jarvis erweckt den Massenmörder Jason versehentlich in seinem Grab zu neuem Leben. Er versucht die Leute im nahegelegenen Städtchen zu warnen, doch diese zweifeln an Tommys Geisteszustand...


Eine Produzenten-Entschuldigung

Bereits im Titel wird erwähnt, dass Jason lebt. Das war auch wichtig, immerhin waren die Fans erbost, dass Jason in Teil 5 nur zum Einstieg morden durfte und danach ein Nachahmungstäter sein Unwesen trieb. Ähnlich grobe Fehler gab es bei „Halloween 3“ und dem 2. Teil der „Nightmare On Elm Street“-Reihe, die Produzenten des 5. Freitag hätten sich dies also denken können. Aber nun ist Jason zurück, und zur Entschuldigung für die Fans ist er, wie es im Trailer bereits verraten wird, stärker und damit böser als je zuvor.

Im Prinzip hätte Jason gar nicht zurückkehren brauchen. Zur Freude einer Fortsetzung hätte lediglich ein Mörder mit Eishockeymaske gereicht. Der Genrefan schien beim Vorgänger nicht zu bemerken, dass die Inszenierung recht schwach war und damit die üblich dichte Atmosphäre der Teile 2 bis 4 fehlte. Dass die Ursache des Scheiterns Jasons Abwesenheit war ist eigentlich eine Fehldeutung. Im direkten Vergleich ist mir der original Jason dennoch lieber, also habe auch ich mich gefreut dass er wieder da ist.

Die Einstiegsszene macht dann auch jeden Fan glücklich. Jason wurde ernsthaft beerdigt, er wird ausgebuddelt, sieht dabei herrlich widerlich aus, und dank eines Stromschlages wird er in alter „Frankenstein“-Art erweckt. Tommy Jarvis, der Held der Teile 4 und 5, ist verantwortlich, seine Warnungen will niemand hören. Kein Wunder, Jahre lang war es still um Jason, Jarvis selbst war einige Zeit in einer Irrenanstalt, und die Leute im Städtchen glauben ernsthaft das Morden habe geendet, weil das Thema Jason totgeschwiegen wurde. Man ging sogar soweit den Crystal Lake umzubenennen (als ob unser Killer je lesen gelernt hätte). Da mit Jarvis Drohungen auch das Morden wieder losgeht, und er ein ehemaliger Irrer ist, glaubt man er sei für die Tode verantwortlich. Damit beginnt der häufig verwendete gute Plot um einen Jäger der selber gejagt wird.

Nach der atmosphärisch dichten Erweckung und der guten Einleitung bekommt Teil 6 ziemlich zur Mitte hin einen kleinen Einknick. Langeweile lässt sich trotz netter Ideen nicht komplett vermeiden. Zwischendurch gibt es kleine Gags, wie die Situation im Farbkugelspiel, und Jasons Bodycount erreicht in der 5. Fortsetzung eine neue Rekordzahl. Seit der Wiedererweckung hat der Eishockeymaskenkiller, der zum Glück zufällig wieder an eine solche Maske geriet, ungeheure Kräfte, was er u.a. in einer schön gemachten Szene verdeutlichen darf, in der er ein Gesicht durch die Wand eines Campingwagens quetscht, so dass die Gesichtsabdrücke nun das Fahrzeug zieren. Ja, ohne seinen frühen Tod hätte aus Jason vielleicht ein richtiger Held im Erschaffen von Gipsmasken werden können.

Dank der DVD-Veröffentlichung darf mittlerweile auch der deutsche Zuschauer den Killer auf seinem Mordzug durch die Gemeinde bzw. Wälder nun ohne Zensur begleiten. Und von der Härte her dürfte Teil 6 ebenfalls wieder einen Rekord innerhalb der Reihe aufgestellt haben. Aber das ist nun mal das alte Rezept: Jede Fortsetzung muss zunächst einmal härter als ihr Vorgänger sein. Erst Teil 8 war wieder harmloser, weil man dachte ein Ortswechsel wäre eine ähnlich gute Entscheidung.

Womit Teil 6 beim Fan wirklich hätte punkten können, war das Nichtverschonen von Kindern. Da gibt es den Beginn einer wunderbaren Szene, in der Jason mitten im Schlafraum der Jungs eines wieder eröffneten Sommercamps (sie lernen es nie) steht. O.k., sein Hass richtet sich vorzugsweise auf Jugendliche, was in Teil 1 auch begründet wird, aber da wir mit der Freitag-Reihe nicht ansatzweise psychologisch clevere Filme sichten, wäre das Ermorden von Kindern ein ähnlich interessanter Tabu-Bruch gewesen, wie seinerzeit die Kloaufnahme in „Psycho“. So war es aber nicht. Wie in jedem anderen Punkt so ist Teil 6 auch in diesem nicht mutig.

Die Fans waren mit Teil 5 verstimmt, also musste bloß alles richtig gemacht werden. „Freitag der 13. 6“ ist das Ausnahmebeispiel dafür, dass ein auf Nummer sicher gesetzter Film sogar funktionieren kann.

Das Finale auf dem See ist gut umgesetzt. Es ist jedes Mal ein optisches Vergnügen Jason in Wasser ein- und auftauchen zu sehen. Im Finale geht auch richtig die Post ab, bevor Jarvis mit seinem neuen Weibe von dannen ziehen kann und scheinbar glücklich sein Leben lebt, denn er sollte in einer Fortsetzung nie wieder vorkommen. Eigentlich hätte ich es lustig gefunden, wenn man in der Weltall-Folge „Jason X“ einen Nachkommen Jarvis’ als schwarzhumorigen Gag eingebaut hätte.

Teil 6 ist wieder gelungener als sein Vorgänger. An die Teile Steve Miners kommt er allerdings nicht heran. Er ist am besten vergleichbar mit Teil 4, nur dass Teil 6 nicht ganz so extrem im dunkeln spielt und eine Spur lockerer zu gucken ist. Wegen kleinerer Durchhänger zählt Jasons Wiedergeburt nicht zu den Highlights der Reihe. Nett unterhalten wird man dennoch.

FREITAG DER 13. 5 - EIN NEUER ANFANG (Friday The 13th 5: A New Beginning 1985 Danny Steinmann)


Tommy Jarvis ist mittlerweile volljährig und hat die Erlebnisse mit Killer Jason noch immer nicht verkraftet. Er nimmt an einer neumodischen Therapieart in einer offenen Nervenheilanstalt teil. Kaum dort angekommen sterben Insassen und Mitarbeiter im Rekordtempo. Ist Jason aus dem Grab auferstanden?...


Was der Horrorfan nicht verzeihen kann...

Nachdem er drei mal herumwüten durfte, starb Jason in Teil 4 (zunächst) endgültig, wie und warum auch immer. Da Jason bereits nicht der erste Killer der Reihe war, dachten sich die Produzenten, es wäre nicht weiter wild erneut einen neuen Killer zu erfinden. Damit hatten sie sicherlich nicht unrecht, ganz überzeugt waren sie von der Idee aber scheinbar trotzdem nicht. Und in ihrer Unsicherheit begangen sie einen großen Fehler: Dass Jason diesmal nicht der Killer ist erfährt man erst am Schluss (man verzeihe mir den Spoiler).

Der Mörder ist diesmal ein Nachahmungstäter, eine Idee die nicht von Einfallsreichtum gesegnet, aber durchaus brauchbar ist. Hätte man diese Tatsache zuvor verraten, wäre die Enttäuschung am Ende nicht so groß gewesen, man hätte sogar einen Film lang Zeit gehabt sich an diese Idee zu gewöhnen, um dann zu beurteilen, ob die Reihe dennoch funktioniert. Die Macher von Teil 5 dachten jedoch, es wäre toll eine kleine Überraschung am Schluss aus dem Ärmel zu ziehen. Diese wurde statt eines Knalleffektes für den Fan zur Enttäuschung, so dass man aus dieser heraus zu dem falschen Schlusspunkt kam, es würde am falschen Killer liegen, dass Teil 5 eher schwach geraten war. Das ist allerdings völliger Unsinn.

Spätestens mit der Eishockeymaske hatte der Nachahmungstäter alles was den Fan glücklich gemacht hätte. Was ist Jason schon? Ein nicht totzukriegender Killer, der erst durch die Maske in die 1. Liga der Horrorfilmfiguren aufgestiegen ist. Seinen Platz hätte jeder andere mit der gleichen Gesichtsbekleidung locker übernehmen können (deswegen ist die Idee mit dem Nachahmungstäter für die Reihe wohl besser, als wenn ein komplett neuer Mörder das Ruder übernommen hätte). Nein, am Killer lag es nicht, dass Teil 5 so mau ist.

Was dem 5. Teil trotz des groben Einhaltens des üblichen Rezeptes fehlt, ist die dichte Atmosphäre die seine Vorgänger ausmachte. Diese waren (manchmal fast unerträglich) zäh und spannungsarm, sie waren aber auch sehr dicht und bedrohlich erzählt. „Ein neuer Anfang“ schafft es zwar die Geschichte inhaltlich interessant weiterzuführen, lässt die gewohnt tolle Atmosphäre jedoch vermissen. Das liegt mitunter auch an der, erstmals in der Freitag-Reihe auftauchenden, Verwendung humoristischer Szenen. Wo spätere Teile diese nur noch zaghaft einsetzten, erlebt man in Teil 5 aufdringliche Klamaukszenen. Debile Hinterwäldler-Nachbarn ziehen mit ihren affigen Sprüchen und ihrem überzogenen Verhalten und Aussehen das Niveau weit nach unten. Trotz ihrer eher geringen Anzahl von Auftritten macht dies, meiner Meinung nach, viel kaputt.

Die Geschichte selbst ist recht interessant. Maskenbastler Tommy Jarvis tötete als Kind Jason (siehe Teil 4). Sein Leben war damit gerettet, sein Gehirn hat diese Erlebnisse allerdings nie verkraftet. Würde man hier nicht von „Freitag der 13.“ sprechen, einer an sich doch recht niveaulosen Reihe, hätte man vermuten können, dass gerade die Angst vor Jason, durch das Vorhandensein des Nachahmungstäters, ein interessanter Aspekt sein könnte. Psychologisch clevere Möglichkeiten wären gegeben gewesen, um mit dem Gesundheitszustandes Jarvis zu spielen, seine Situation zum Spielball gekonnter Storyumschwünge zu machen.

Allein, dass Jarvis selbst verdächtig wäre, hätte ein interessantes Storyelement werden können (was man verspätet wohl scheinbar bemerkte, so dass immerhin diese Idee in Teil 6 gelungen aufgegriffen wurde). Aber wie erwähnt erwartet man in einem „Freitag der 13.“-Film aufgrund des nicht vorhandenen Niveaus seiner Vorgänger solche cleveren Vertiefungen nicht. Und so wandert auch Teil 5, trotz seiner guten Storyidee, auf eher banalen Pfaden.

Erstmals wurde der Crystal Lake verlassen. Das ging auch in Ordnung, immerhin ist die Idee den Mörder in einer modernen psychiatrischen Klinik wüten zu lassen als gut zu bezeichnen. Der Erfolg von Teil 4 veranlasste die Produzenten zudem dazu erneut einen kleinen Jungen in die Geschichte zu integrieren. Zum Glück wurde die Rolle des Jarvis damit nicht an den Rand gedrängt und somit mehr als ein dünner Übergangsfaden von Film zu Film gesponnen.

Das wahre Feeling will aber trotzdem partout nicht aufkommen. Die Schauspieler sind blass wie in jedem Teil, sollen aber Rollen spielen, die etwas mehr Talent als üblich abverlangen. Somit fehlt den Figuren die nötige Wirkung. Die Nachbarn nerven, und auch der neue Jarvis-Darsteller spielt viel zu blass. Orientiert man sich an seinem Spiel, wundert es wie aus dem Jammerlappen ein so starker Charakter in Teil 6 wurde. Zumindest die gewohnte Musik lässt den Fan nicht im Stich und kann das ein oder andere an der Atmosphäre retten. Manche Szenen wissen zu überzeugen, meist die kurz vor und während der Morde. Das Finale ist zwar recht nett umgesetzt, ist aber insgesamt zu banal und zu schnell vorbei. Neben besserer Darsteller fehlte es einfach an guter Regie. Die Bücher waren seit je her schwach, daran konnte Teil 5 nicht scheitern.

Akzeptiert man mal den Killerwechsel, so ist aus Teil 5 dennoch nur ein belangloser Beitrag zur Reihe geworden. Er ist nicht so schlecht wie Teil 9, eher vergleichbar mit Teil 1, der trotz seines Mittelmaßes aber eine dichtere Atmosphäre vorweisen konnte. Teil 5 ist wie ein Fußball, dem man zu viel Luft rausgelassen hat. Letztendlich hält sich der Film ausgerechnet mit den Elementen über Wasser, die längst ausgelutscht sein müssten (und von vielen Filmkritikern bereits seit Teil 2 auch bemängelt wurden): harte Morde, eiskalter Killer, bedrohliche Musik, unartige (wenn auch geisteskranke) Teens. Routiniertes Mittelmaß ist mit Teil 5 gegeben, mehr aber auch nicht.


REINE CHEFSACHE (In Good Company 2004 Paul Weitz)


Dan Foreman ist 51 Jahre alt, hat als Leiter des Anzeigenteils einer Sportzeitschrift seinen Traumjob und erlebt auch privat seinen familiären Wunsch. Bis er eines Tages beruflich durch wen wesentlich jüngeres ausgetauscht wird, unter dessen Fuchtel der gekränkte Dan nun arbeiten muss. Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug, verlieben sich der Frischlingchef und Dans Tochter auch noch ineinander...


Eine Warnung in rosarot...

Der mit Dennis Quaid und Topher Grace sehr gut besetzte Film ist ein zweischneidiges Schwert. Seine ernste Thematik wird auf Hollywood-Art mit Happy End erzählt, die Aussagen über den modernen Faschismus und seine Alternativen werden dennoch sehr deutlich herausgearbeitet. Zumindest geht „Reine Chefsache“ den Aufklärungsweg mit Unterhaltungswert richtig. Die Träumer sind es, die aufgeweckt werden müssen, und diese sind in einer gefühlvollen Hollywood-Tragikomödie mitunter das Zielpublikum.

So berichtet das Werk von dem bösen Kapitalismus, der Höchstgewinne erzielen will auf Kosten diverser Existenzen, die der Firma dabei halfen groß zu werden. Jugend wird vor Erfahrung gestellt. Verkauft wird des Verkaufens und des Geldes wegen und nicht weil man vom Produkt überzeugt wäre. „Reine Chefsache“ zeigt, dass der Fascho von heute keine Uniform trägt und Minderheiten hetzt, sondern Anzug und Krawatte trägt und jeden bei Seite räumt, dessen Geld er möchte. Wen interessiert da Hautfarbe, Religion oder sexuelle Vorlieben? Geld ist Geld.

„Reine Chefache“ klärt auf, in dem er einen nicht hoffnungslosen Fall zeigt. Die Rolle von Topher Grace (der Tobey Maguire zum verwechseln ähnlich sieht) wurde über Jahre gehirngewaschen, ein Elternteil, das ihn an die Hand nahm und über die wichtigen Werte des Lebens aufklärte, existierte nicht. Und so wandelt sich der schnelle Aufsteiger über die Begegnung mit seinem „Untergebenen“, der Rolle Quaids, zu einem anständigen Menschen. Nebenbei verliebt er sich in die Tochter Quaids, gespielt von Scarlett Johansson, die erneut beweist wie gut sie spielen kann.

Mir ging der Film sehr nahe. Ich fand ihn, trotz gewisser blauäugiger Momente, sehr intensiv erzählt, fand auch, dass er beim Publikum den richtigen Nerv trifft. Langeweile kommt nie auf. In einer etwas zu aufgesetzten Szene taucht Malcolm MacDowell auf, der ebenfalls wieder zu überzeugen weiß. Sein Schurkengesicht ist einfach ideal zur Hollywood-Klischeezeichnung des bösen obersten Chef eines gesichtslosen Konzerns.

Dass es jeden beim Ausselektieren treffen kann wird am Schluss noch einmal sehr deutlich gezeigt, wenn der Chef der beiden Hauptfiguren gefeuert wird. Eben noch sein großes Idol, die Rolle des McDowell, angehimmelt, im nächsten Moment auf der Straße, weil eben dieser für ein paar Kröten mehr den Laden an wen anders verkauft hat. So werden auf modernem Wege Menschen aus ihrem Leben gerissen, und dank der Grundhaltung, dass nur wer Junges für einen Job taugt, braucht der Arbeitslose, wenn er über 30 ist, eigentlich schon gar keine Arbeit mehr suchen gehen. Zumindest nicht in dem Bereich, den er Jahre lernte und dem er Jahre diente.

Leider zeigt „Reine Chefsache“ nicht die Auswirkungen. Wir haben alle vor Augen wie Menschen unter der Fuchtel der Nazis enteignet und misshandelt wurde. Ein Mensch der Job, Ersparnisse und Haus verliert und wenn überhaupt nur noch unmotivierteste Arbeit verrichten darf, ist fast auf gleicher Stufe zu nennen. Seine Peiniger bleiben anonymer als die der Naziopfer , sie sind aber dennoch vorhanden. Schade dass der Film genau in diesem Bereich ausblendet.

Im Gegenteil, genau hier erzählt „Reine Chefsache“ nun von dem Wunschdenken, was man leider all zu oft in US-Filmen hört: Jeder kann es schaffen, und wenn Du an Dich glaubst und ehrlich bist wirst Du belohnt. Das Happy End ist purem Glück zu verdanken, wird aber leider nicht als solches deutlich dargestellt, was die ansonsten so vorbildliche Aufklärung verwässert. Zumindest zeigt die Rolle von Grace im Finale, dass man sich nicht von der offiziellen Angstmacherei anstecken lassen sollte, man solle sich auf Teufel komm raus einen Job suchen. Die übliche Propaganda von heute hätte das Gegenteil behauptet: Nimm den Job der Dir am Ende des Filmes angeboten wird, heutzutage ist es doch so wichtig einen Beruf zu haben. Erstaunlich wie viele auf diesen Mist täglich hereinfallen.

Von der Inszenierung her gibt es von meiner Seite aus nur einen gravierenden Kritikpunkt: Wer über das hier angesprochene Thema aufklären will, wenn auch über die Form eines Unterhaltungsmediums, der wäre ehrlicher gefahren, wenn auf das ewige Product Placement verzichtet worden wäre. Markenzeichen von Autos, Getränken, Kreditkarten, was auch immer, werden häufig eingeblendet und mit Absicht gut im Bild positioniert. Hollywood ist halt auch nur Geldmacherei, auch hier zählt: Geld ist Geld. Ein Film, der seine Botschaft ernst meint, hätte aber gerade in diesem Punkt darauf verzichten müssen. Und wer den Zusammenhang nicht erkennt, hat ohnehin nichts begriffen, nicht einmal durch diesen Film.

„Reine Chefache“ ist ein gelungenes Werk und eignet sich auch zum öfters gucken. Er ist lustig und traurig, er stimmt nachdenklich und schafft es, dass man auch seine eigene Grundhaltung noch einmal überprüft. Letztendlich ist er allerdings doch zu sehr Märchen. Damit darf er sich zu Filmen wie „Dave“ oder „Dangerous Minds“ einreihen, ist von Letztgenanntem vom Niveau her aber meilenweit entfernt. Dafür ist „Reine Chefsache“ handwerklich einfach zu gut und inhaltlich zu anspruchsvoll. 


Trailer,   OFDb

TRACK OF THE MOON BEAST (1976 Richard Ashe)


Ein Geologe wird während seiner Arbeit von einem Stück Mondstein getroffen und verwandelt sich nun des öfteren in ein Echsenmonster, welches Menschen tötet. Die Polizei ermittelt gemeinsam mit einem Indianer, der durch Legenden seines Volkes einiges über die Kreatur weiß...


Es muss nicht immer Werwolf sein...

Lust sich mal wieder etwas zu langweilen? Darf es diesmal auch auf englisch sein? Prima, dann habe ich für solche Wünsche den perfekten Streifen. „Track Of The Moon Beast“ ist langweilig, in Deutschland nie erschienen (warum wohl?) und zudem unglaublich anstrengend zu gucken. Und dies nicht nur wegen dem fehlenden Unterhaltungswert, sondern auch weil der Englischslang, der uns hier vorgesetzt wird, für einen Deutschen wirklich schwer zu verstehen ist. Und wie man bereits herausliest, wird die Mühe den Worten zu folgen nicht einmal belohnt.

Es gibt in diesem Streifen nicht einen einzigen Darsteller, der die Motivation hatte gut zu spielen. Alle agieren lustlos und manch einer verkrampft. Warum sollten sie es auch besser machen? Wer, wie es sich für einen Schauspieler gehört, zuvor das Drehbuch gelesen hat, weiß, dass der dafür zuständige Autor es nicht schaffte, die 08-15-Geschichte, die in ähnlicher Form schon oft brauchbar erzählt wurde, mit irgend etwas aufzuwerten. Im Gegenteil, so ziemlich alles zieht die Routine der groben Geschichte ins unterirdische herunter.

Unlogiken häufen sich ohne dabei das Zwerchfell zu kitzeln, und ewiges Gelaber hält dauerhaft von Aktionen fürs Auge ab, und das selbst im Finale, wo spätestens in anderen mageren Genrebeiträgen die Post abgeht. Warum sollte sich bei einem solchen Rezept noch irgendwer Mühe geben? Das Monsterkostüm ist ein Witz, das in seiner Art schon 20 Jahre zuvor im Kino zu sichten war (Typ im Gummikostüm), belustigt nicht einmal wirklich, da es ewig im Dunkeln auftaucht und man bei Angriffen ominöse Filmschnitte ertragen muss. Kaputtes Filmmaterial? Aus Kostengründen so geschnitten? Eine geschnittene Fassung? Alles möglich!

Natürlich kommt das Vieh auch viel zu selten vor, und von den Metamorphose-Spezialeffekten sollte man besser gar nicht erst sprechen. Der Trick der Überblende, bei still liegenden Personen, wurde schon Jahrzehnte zuvor wesentlich gekonnter, da flüssiger, umgesetzt. Und ich rede hier von wirklich vielen Jahrzehnten zuvor. Weitere Spezialeffekte wurden gemalt und ins Filmmaterial hineingeritzt.

Am allerübelsten ist allerdings das Talent des Regisseurs zu nennen. Wie man bereits herauslesen konnte, war er nicht in der Lage seine „Schauspieler“ dazu zu motivieren, ihre Rollen glaubhaft zu verkörpern, bzw. sie überhaupt dazu zu bringen sich mit ihren Figuren zu identifizieren. Nein, er schien ihnen ohnehin recht wenig Hinweise zu geben, wie der fertige Film später aussehen sollte (vielleicht weil er es selber nicht wusste?).

Für diese Behauptung gibt es ein wirklich tolles Beispiel im Finale des Filmes. Wenn der Mondstein-Echsenmann irgendwann dahinstirbt, passiert dies in einem rotflackernden Licht (für seine Zeit auch mehr als plump getrickst), welches selbstverständlich erst später in den Film eingefügt wurde. Den Schauspielern wurde dies wahrscheinlich nicht mitgeteilt, denn alle starren in die Richtung des sterbenden Ungeheuers, keiner kniept die Augen zu, guckt angestrengt oder hält sich gar die Hand vor die Augen. Herrlich! Die besagte Szene ist wie erwähnt am Ende des Filmes zu begutachten, da überrascht ein so fataler Fehler freilich nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt ist man bereits abgehärtet und weiß, dass man nichts zu erwarten hat.

Dümmliche Klischees über die Indianerkultur dürfen übrigens auch nicht fehlen. Und natürlich schießt der hier auftretende Ureinwohner Amerikas noch mit Pfeil und Bogen. Immerhin darf er der ewig schwafelnde Held sein, denn die Kreatur kannten die Indianerstämme laut der Geschichte schon lange. Alleine schafft er es aber doch nicht. Also stößt die Polizei dazu, denn der Bürger von einst sollte, wie schon 20 Jahre zuvor, nach dem Kinobesuch beruhigt schlafen können, ruhigen Gewissens, dass die Polizei immer für Dich da ist und Dir hilft, wie aussichtslos die Lage auch scheinen mag. Na dann, gute Nacht! 


Trailer,   OFDb

DOLL GRAVEYARD (2005 Charles Band)


Einst gab es ein Mädchen, das spielte mit ungewöhnlichen Puppen. Der Vater sah dies gar nicht gerne und zwang das Mädchen die Puppen zu vergraben. Am besagten Grab geschieht ein Unglück, das Mädchen stirbt und landet mit in der für das Spielzeug bestimmten Grube. Fast ein Jahrhundert später stößt ein Teenager auf eine der Puppen, nimmt sie mit nach Hause, und sie erwacht dort zum Leben. Die zwei anderen Puppen erwachen ebenfalls, dringen in das Haus ein, und zu dritt vereint machen sie Jagd auf die Schwester des Teenagers und ihre Freundinnen...


Unglück vor der Puppertät...

In seinem ca. zehnmilliardensten Puppenhorror übernahm Produzent Charles Band mal wieder selbst die Regie. Der Schriftzug auf diversen Covers und Plakaten ließ, trotz anders aussehender Puppen, eine Fortsetzung von "Dolls" vermuten, dem wohl besten Puppenhorror Bands. Allerdings ließ das Durchlesen der Handlung wieder daran zweifeln, und wenn man "Doll Graveyard" sichtet, ist der Schriftzug des Titels im Film dann auch ein völlig anderer. Diese kleine Produktion steht für sich allein, mit Puppen die den Dämonen aus "Totem" leicht ähneln, in einer Geschichte, die der "Puppet Master"-Reihe am nächsten kommt.

Von einem Film der Firma Full Moon erwartet man nicht viel. Er sollte möglichst nur die Art Trash-Unterhaltung bieten, die dem weniger anspruchsvollen Genrefan auch außerhalb unfreiwilligem Humors Freude bereitet, im besten Falle aber gleich beides bieten sollte. Und die geringen Erwartungen wurden wie so oft bei Mr. Band mal wieder erfüllt. Einem echten Filmfreund kann man von "Doll Graveyard" natürlich nur abraten, aber Freunde kleinen guckbaren Horrorschrotts kann man durchaus nahe legen mal einen Blick zu riskieren, auch wenn es im Schundfilmbereich dieser Art auch besseres zu gucken gibt.

Die Einleitung, die 1918 spielt, ist direkt auch der beste Part des Films. Man wundert sich zwar mit was für Puppen das Mädchen da spielt, aber wenn man sein Klischeedenken ablegt und an die Wirklichkeit denkt, wird einem bewusst mit was für Sachen Freunde oder man selbst als Kind damals gespielt hat, die heute nicht mehr ins Bild des Erwachsenendenkens passen. Also ist das auch völlig o.k. von Band solch abstruse Gestalten auf den Filmfreund loszulassen.

Der Vater der Tochter, der auch im späteren Verlauf des Films den Vater des Hauptdarstellers im Jetzt spielen darf, ist von allen Darstellern der talentierteste. Er muss allerdings auch nur eine stark überzeichnete Figur verkörpern, das ist ohnehin leichter zu spielen als die realeren Charaktere.

Wenn die erste Szene vorbei ist, in der das Töchterchen durch einen Sturz stirbt, von dem sie im Normalfall höchstens Nasenbluten bekäme, wird der Vorspann eingeleitet. Und der hat es in sich. Zu atmosphärischer Musik (einer Band die fast den kompletten Film mit solch netten Liedern untermalt) darf man die Schriftzüge durch eine Nachtwanderung über einen Friedhof beobachten. Dabei wird die Schrift des öfteren auch mal von Sträuchern u.ä. im Vordergrund überdeckt. Für eine Firma wie Full Moon, die alles schnell, schnell, schnell dreht und dazu noch so preisgünstig wie möglich, ist das schon erstaunlich. So stört es auch nicht weiter, dass der Vorspann eine etwas längere Laufzeit benötigt.

Der Hauptteil des Films ist nun der Part, der besonders viel unfreiwilligen Humor bietet. Wenn die Puppen zum Leben erwachen, warum auch immer, werden sie auf zwei Arten getrickst: zum einen gibt es Marionettenszenen, die bessere Variante von beidem, und dreist wie Band ist darf man ansonsten die Puppen nie komplett im Bild sehen, damit sie wer per Hand bewegen kann. Es ist immer das gleiche billige Prinzip. Allerdings ist das Zielpublikum in Amerika auch ein jüngeres, schließlich gibt es nicht umsonst zu all den Puppenfilmen Bands auch immer Produkte aus der Spielzeugbranche dazu.

Aber auch wenn der Film für die Jugend gedacht ist, so könnte man sich bei der Puppenanimation ruhig trotzdem mehr Mühe geben. Andererseitsdarf man sich auf der anderen Seite aber auch ruhig mal schützend vor Charles Band stellen. Er ist nämlich einer der wenigen Fließband-Horrorfilm-Produzenten, die noch nicht auf Computereffekte umgesattelt haben a la Nu Image. Da gucke ich mir lieber schlecht getrickste handgemachte Viecher an, als die miserablen animierten Computerwesen, die viel weniger Wirkung besitzen. Es wäre nur schön Band würde seine Werke wieder mehr im Stil seiner 80er Jahre-Filme drehen, dann kämen sogar richtig nette Werke bei rum wie "Demonic Toys" und "Dolls".

Der Lächerlichkeiten gibt es wie erwähnt genug. Bestes Beispiel: wenn die Puppen erwacht sind, laufen die geschockten Teens durchs Haus, immer wieder auf eine der vier Puppen treffend. Warum sie das Haus nicht einfach verlassen, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Außerdem sind die Puppen nicht einen Hauch bedrohlich. Sie bewegen sich langsam und dürften leicht zu vernichten sein. Aber unsere Teens warten lieber geduldig bis die Puppen in der richtigen Position stehen, wo es bereits schwieriger wird sich gegen sie zu wehren (freilich nur im Vergleich zu vorher, einfach ist das ganze immer noch).

Die Art wie sie sich gegen die Kreaturen wehren, wenn sie es denn dann mal tun, ist einfach nur erbärmlich zu nennen, auch für überzogen dargestellte Tussen (jetzt hätte ich fast Püppchen geschrieben, aber das wäre dann zu verwirrend geworden). Auch die Dialoge sind mal wieder unter aller Sau, wobei es da aber auch schlimmere Filme wie z.B. "The Dark Area" gibt.

Charles Band klaut mal wieder fleißig bei sich selbst. So erinnert die schießende Puppe (die dabei entweder nie jemanden trifft oder einfach keine tödliche Munition hat) unweigerlich an den sechsarmigen Cowboy aus "Toulons Rache". Der 1. Weltkrieg-Soldat attackiert die Menschen mit seiner Spitze auf dem Helm, was ungefähr wirkt wie der Bohrerkopf aus der "Puppet Master"-Reihe.

Dass man blutige Effekte hier mit der Lupe suchen kann und es so gut wie keine Toten gibt, brauche ich kaum noch zu erwähnen. Letzteres wäre eh kaum möglich, wo doch maximal 10 Personen in diesem Streifen mitspielen.

Das Ergebnis ist immerhin freiwilliger Schund geworden, der recht flott inszeniert wurde. Das liegt unter anderem an der sehr kurzen Laufzeit von etwas über 70 Minuten. Zieht man den langsamen Vor- und Abspann ab, bleibt nur noch etwa eine Stunde über. Der Abspann ist übrigens derart lahm, dass der Text wenn er unten steht 28 Sekunden braucht um den oberen Bildrand zu erreichen. Ob ich nichts besseres zu tun habe als mich mit solchen Unnötigkeiten zu beschäftigen? Hmmmm... gute Frage! 


Trailer,   OFDb

BIS NICHTS MEHR BLEIBT (2010 Nikolaus Stein von Kamienski)


Frank möchte vor Gericht erreichen, dass seiner Frau als Mitglied der Scientology das Sorgerecht ihres gemeinsamen Kindes entzogen wird. Das Problem ist, dass Frank selbst früher Mitglied dieser Sekte war und seine Frau erst durch ihn in die Scientology hineingeraten ist. Frank und seine Anwältin klären die Richterin über die Geschehnisse innerhalb der Sekte auf...


Die Nadel schwebt...

Rein vom Unterhaltungswert her besitzt „Bis nichts mehr bleibt“ einen guten Spannungsbogen. Diesen besitzt er, obwohl die TV-Herkunft sich nicht verbergen lässt. Das Problem ist einfach, dass die Schauspieler selbst leicht besser wirken als in der „Lindenstraße“. Selbst der von mir sehr geschätzte Schauspieler Kai Wiesinger wirkte enorm blass. Dass es auf TV-Niveau auch besser geht bewies „Delphinsommer“, ein Sektenfilm mit einer erfundenen Sekte, die sich an echten Glaubensgemeinschaften orientiert. Auch „Tatort“-Regisseur von Kamienski bewies mit „Die Konferenz“ dass er es besser kann.

Nun will „Bis nichts mehr bleibt“ auch nur in zweiter oder sogar dritter Reihe unterhalten. Hauptsächlich soll der Film, der während seiner Produktion als Kriminalfilm getarnt wurde, aufklären. Nun stellt sich die Frage ob er dies tut. Es ist allgemein bekannt, dass die Scientology eine gefährliche, menschenverachtende Vereinigung ist, die ihre Mitglieder ausbeutet und sie in den finanziellen Ruin schickt. Letzteres wird in von Kamiensiks Film nicht aufgegriffen, ansonsten spiegelt der Streifen dieses allgemeine Vorwissen erfolgreich wieder. Er entführt den Zuschauer in eine fremde Welt, in welcher Belanglosigkeiten zu Wichtigkeiten werden und umgekehrt. Was die Scientology ihren Mitgliedern verspricht bleibt eher ungenannt. Warum sie einen so enormen Sog der Abhängigkeit entfacht, weiß der Film dem Zuschauer auch nicht zu vermitteln. Letztendlich zeigt er interessant die Wirkung, die eine Mitgliedschaft in der Scientology erzeugt. Die Ursachen liegen aber meist brach, werden allenfalls angedeutet, manches Genannte kann von Laien dieses Themas nicht verstanden werden, da einiges nicht erklärt wird.

Dies betrifft auch das Vokabular. Nicht jeder Begriff, der innerhalb der Sekte zum allgemeinen Wortschatz gehört, wird dem Zuschauer erklärt. Bedenkt man dass das Leben in einer völlig eigenen Welt Teil der Fesselung dieser Sekte ist, könnte man dies für einen psychologischen Trick des Regisseurs halten, um zu verdeutlichen wie fremd die Welt innerhalb dieser Organisation ist. Es könnte einen kleinen Lichtschein auf die veränderte Wahrnehmung werfen, bzw. auf die Ursache dieser. Aber diese Chance verpasst der Film, der es wichtiger findet vom Kampf um die Tochter zu berichten, als über die Ursachen der Abhängigkeit dieser Sekte.

Rein von der Charakterzeichnung ist die Rolle des Frank, der mit diesem Namen bewusst als Jederman gekennzeichnet wird, dafür auch die falsche Person. Die Scientology suchte sich in den 80er Jahren meist leicht vermögende Menschen, z.B. selbstständige Kaufleute. Dies waren häufig Menschen, die ihren Intellekt untersättigt sahen und größere Herausforderungen suchten. Es waren auch Menschen die in ihrem Tun effektiver sein wollten. Dieser Aspekt taucht im Film auf, steht nur die Frage im Raum worin Frank effektiver sein möchte. Er ist Taxifahrer, studiert und ist ein guter Vater. Welches Tun wollte er intensivieren?

Mag sein dass hier die Laufzeit von gerade mal 90 Minuten dem Film einen Streich spielt. Aber um zu begreifen was an der Sekte so gefährlich ist, hätte man solche Punkte näher angehen sollen. Die Gründe warum Frank sein Studium abbricht werden nicht vertieft. Die Ausbeuterei, wenn man innerhalb der Sekte erst einmal einen Job annimmt, kommt nicht deutlich herüber. Nicht einmal die Extreme der Wiederholungen innerhalb des gehirnwaschenden Auditing wird richtig aufgegriffen. Hierbei handelt es sich um jenen Prozess, der deshalb so gefährlich ist, weil das Ergebnis, die geistige Abstumpfung von Erinnerungen, die einst Gefühle hervorriefen, als positiv betrachtet wird. Fühlst Du nicht mehr, bist Du gereinigt, und das Leben kann durch Dein Unterbewusstsein nicht mehr geschadet werden.

„Bis nichts mehr bleibt“ zeigt dem Laien schon interessante Einblicke, ich will den Film nicht schlechter machen als er ist. Gerade im Bereich der Kindererziehung zeigt er deutlich die Missstände innerhalb der Organisation auf. Die Art wie die Sektenmitglieder im Gespräch äußerlich wirken wird gut eingefangen. Leider wird ihre strenge Art auch im Klischee der strengen Frisuren verdeutlicht, ein etwas billiger psychologischer Trick, der im Widerspruch zur Frisur von Frank steht.

Warum man überhaupt so gefühlskalt und sachlich wird, berichtet der Film jedoch auch nicht. Scientology redet seinen Mitgliedern nämlich ein bessere Menschen zu werden. Fortgeschrittene Wesen, die über dem normalen Menschsein stehen. Deswegen kann man im x-ten Schritt der Gehirnwäsche sogar soweit gehen, Verträge über mehrere Millionen Jahre abzuschließen. Denn der Mensch ist ein Geistwesen, das seinen Körper nach dem Tod wechselt. Die Realität verschwindet schrittweise. Erst lernst Du ein tolles Vokabular, dann schulst Du Deine Wahrnehmung, was meist mit verkaufstechnischen Psychotricks beginnt, bis Du Schritt für Schritt irgendwann soweit bist, an etwas völlig Lächerliches zu glauben, das man im ersten Schritt so nie geschluckt hätte.

„Bis nichts mehr bleibt“ ist ein Titel den man nicht finanziell betrachten muss. Frank verliert Frau, Kind, Selbstachtung, Studium und manch anderes. Aber gerade der finanzielle Ruin, in den Scientology viele seiner Mitglieder treibt, ist kein Bestandteil des Films. Die Ausbeute der innerorganisatorischen Arbeit wird nur kurz angesprochen. Das verlieren körperlicher Kräfte, ein Faktor der es schwer macht Schulden nachzukommen, taucht nur kurz auf, in dem man einem Körperbereinigungsvorgang in einer Sauna beiwohnen darf, ohne dass erklärt wird für was der angeblich gut sein soll, wie er in etwa aufgebaut ist und warum er körperlich schädlich ist.

Interessant fand ich den Einblick in die Umerziehungsanstalt, den man ruhig auch hätte vertiefen können. Mag sein dass diesbezüglich aber auch die weiteren Informationen gefehlt haben, um daran authentisch weiterzuarbeiten. Die Seaorg, die Scientology-Elite, zu vertiefen, hätte wahrscheinlich komplett den Rahmen gesprengt, wäre an sich auch ein Aspekt gewesen, der mich sehr interessiert hätte.

Was aber in jedem Fall hätte aufgegriffen werden müssen, wäre die Theorie der Scientology gewesen, darüber was für ein Wesen der Mensch ist und in welchen Schritten er sein geistiges Ziel erreichen kann. Das ist der Punkt auf dem alles aufbaut, und das ist der Punkt, warum gerade Menschen mit Drang zum Intellektuellen häufig Opfer der Sekte werden.

Dass finanziell und sachlich in der Scientology ewig gedrängelt wird, weil die Welt bald nicht mehr zu retten ist, findet auch bloß eine halbe Nennung in einem halben Satz. Stattdessen provoziert der Film recht billig mit seiner „Unser Ziel ist es, dass ganz Deutschland clean wird“-Rede, welche die Scientology bewusst dem Nationalsozialismus gegenübergestellt wird. So etwas wirkt billig, da reißerisch, mag wahr sein, aber diesem Vergleich müsste sich selbst die katholische Kirche stellen.

Um es kurz zu machen: „Bis nichts mehr bleibt“ ist ein interessanter, sehr authentischer Film, der leider nur an der Oberfläche kratzt und sich eher um den Soapgehalt, sprich den Kampf um das Sorgerecht, kümmert. Gezeigt wird viel Wirkung und kaum Ursache, umgesetzt mit Schauspielern, die ihre Arbeit nicht gut erledigen. Wer sich mit dem Thema Sekte überzeugender befassen möchte, der sollte zu dem TV-Film „Delphinsommer“ greifen, der psychologisch sehr clever angegangen wurde. Wer sich speziell für Scientology interessiert, dem sei das Buch „Scientology - Ich suchte das Licht und fand die Dunkelheit“ von Jutta Elsässer empfohlen. Dieses Buch ist der Erfahrungsbericht einer ehemaligen Scientologin, in welchem eben jene Dinge vertieft werden, die ich im Film vermisst habe.

„Bis nichts mehr bleibt“ hätte ich eine 3 Stunden-Verfilmung gewünscht. Dann hätte man in den ersten 90 Minuten vertiefen können was mir fehlte und in der zweiten das erzählen können, was der Film ja nun auch erzählt hat. Für einen Film, der aufklären will, ist das Ergebnis jedoch recht mager ausgefallen. 


OFDb

WALDILE - DER SCHLIMME KILLER-HUND (Puppy 2008 Sony Green u.a.)


Ein Tierhändler findet in der Nähe des Strandes einen herrenlosen Hund und verschenkt diesen an eine befreundete Studentin. Was beide nicht wissen: der Hund wurde vor Jahrhunderten von Wikingern brennend aufs Meer ausgesetzt, was ein Ritual war um böse Dämonen zu bekämpfen. Der Hund verbrannte jedoch nie und konnte sich jüngst aus seinem Gefängnis auf dem Wasser befreien. Während die Mädels der Studentenverbindung den kleinen Kläffer alle niedlich finden, finden eine Polizistin, ein Priester und ein Rabbi heraus, dass der Köter Menschen anfällt und bestialisch zerstückelt...


Zu hinterhältig für die Wikinger...

Ich liebe Trash, und es geht mittlerweile vielen so. Durch diesen Fankreis wurden Projekte möglich wie „Überfall der Mörderrucksäcke“ und „Angriff der Killerbratwurst“. Schon in den 70er Jahren sorgte „Angriff der Killertomaten“ für geteilte Meinungen, damals war die Gruppe trashliebender Cineasten noch nicht sehr groß. Manch einer verstand das Werk nicht und betitelte es als schlechtester Horrorfilm aller Zeiten. Wo man sich einst höchstens über schlechte Filme lustig gemacht hat, wurden nun welche gedreht, die bewusst schlecht sein wollten.

Auf diese Motivation aufbauend klingt die Idee zunächst einmal ganz gut, ein harmloses Kuscheltier als Killermaschine auf die Menschheit loszulassen. Die Idee wurde nebenbei schon toll von Monty Python umgesetzt, wenn in „Die Ritter der Kokosnuss“ ein harmloses Kaninchen mehrere kampferfahrene Menschen attackiert und tötet. Und erst vor kurzem entdeckte ich den Amateur-Kurzfilm „Die Bestie“, der ebenfalls auf diese Idee aufspringt. Dort wie hier geht es um einen Hund.

Und wenn dieser nun noch eine Hintergrundgeschichte beschert bekommt, so dünn und lückenhaft sie auch sein mag, dann sollte man auf dem ersten Blick doch meinen, dass ein Film mit dem Titel „Waldile – Der schlimme Killer-Hund“ eine Trash-Garantie für einen unterhaltsamen Abend ist. Ist es aber nicht, denn die Wikingerherkunft des Kläffers bleibt das einzig hintergründige des Filmes.

Nun muss freiwilliger Trash auf dem ersten Blick nicht intelligent sein, aber wer weiß wie freiwilliger Schrott funktioniert muss die Vorlagen begriffen haben. Und in solchen Bereichen zeigt sich an Werken wie „Angriff der Killertomaten“ dann doch die Intelligenz. Und sie zeigt sich auch außerhalb der Parodie, wenn das Gagtiming debiler Flachköpper zu stimmen mag, und man als Zuschauer selbst im letzten Drittel noch mit Idiotien überrascht wird, die es in der ersten Stunde nicht gab (ich sage als Beispiel nur sprechender Hund).

Wie Trash funktioniert hat der deutsche Herausgeber von „Waldile“ jedoch nicht begriffen. Und so wird uns eine Synchronisation vorgesetzt, die stolz damit wirbt mit den Sprechern von „Die Mudder sei Gesicht“ besetzt zu sein. Ich kenne dieses Mudder-Teil nicht, aber der Film beginnt schon zu nerven, wenn zwei sich irre lustig findende Sprecher ständig ins Bildmaterial plappern. Dann nutzt es auch nichts Dialekt aufzusetzen, oder den amerikanischen Film im weiteren Verlauf in Stuttgart spielen zu lassen mit Leuten mit deutschen Namen, usw. Wenn zu jeder stillen Szene geplappert werden muss nervt es einfach. Und wenn das Geplapper nicht zünden will, dann nervt es noch mehr.

Aber der DVD-Besitzer greift nun zu einem Mittel, dass den Schmerz schlechter Synchronisation schnell vergessen werden lässt: man nehme den Originalton mit deutschen Untertiteln. Der überrascht zunächst damit, dass in den Eingangsszenen eben kein Off-Kommentar zu hören ist. Fällt jedoch nach ca. 5 Minuten der erste Satz stellt sich Ernüchterung ein. Auch die Original-Tonspur ist englisch nachsynchronisiert, und das erbärmlich, was sich allerdings dadurch entschuldigt, dass das Teil ein Amateurfilm ist.

Richtig ärgerlich und gar nicht trashig lustig ist jedoch der Untertitel, der einen nun auf verschiedener Ebene zu nerven weiß. Zum einen benutzt er ständig Comicsprache (grunz, mampf, etc.), dann benutzt er grammatische Formulierungen aus dem Chat-Alltag, inkl. der bescheuerten Doppelpunkt/Klammer-Smileys. Mag sein dass manch einer darüber lachen kann, aber selbst der wird genervt durch das Anbringen des Untertitels. Oft ragt er viel zu weit ins Bild, an anderer Stelle ist der Text manchmal bis zu 20 Sekunden zu früh im Bild, noch bevor er gesprochen wird. Und weil die Texter so richtige lustige Gestalten sind, wird der Sinn des Originals ab und an verändert, damit er noch lustiger ist, und da darf z.B. noch einmal auf „Die Mudder sei Gesicht“ verwiesen werden.

Manche der hier als schlecht erwähnten Punkte sind in anderer Umsetzung sicherlich witzig, aber da hier nur debiler Humor um die Ohren fliegt, will dieser bemühte Trash nicht funktionieren. Selbst wenn man sich nur am Originalton orientiert kommt man über Sexwitze (ganz beliebt sind Jokes über Homos), Pfurzkomik und anderen Flachköppern nicht hinaus. Und das ist Kindergarten-Kacke, die schon die gute Idee von „Don't Ask, Don't Tell“ kaputt machte, und nun auch den Killerköter-Streifen.

Schade, denn an einigen wenigen Stellen blitzen nette Momente auf. Seien es die extrem auf lüstern getrimmten Nackedei-Szenen, die Pseudo-Erotik von vielen Slasher-Streifen zu parodieren wissen (oder, da in Amerika gedreht, auch unbewusst so dämliche und unnötige Evakostüm-Szenen aus anderen Amateur-Werken wie „Slasher“). Und am gelungensten sind die Szenen, in denen Puppy (anbei auch der Originaltitel) sein wahres Gesicht zeigt und Menschen tötet.

Hier dürfen die Darsteller nun mit einem Stoffhund kämpfen, wobei absichtlich nicht versucht wird das Tier wie echt aussehen zu lassen. Das ist lustig. Die Taten des Hundes sind extrem blutig, was durch sein unschuldiges Aussehen schon sehr lustig ist. Die erste Leiche liegt mit ihren Innereien nach außen gekehrt. Und daneben steht ein winziger Vierbeiner, der mit seinem Blick kein Wässerchen trüben kann. Blutfontänen spritzen hoch, einmal darf der Kläffer in Anlehnung an „Alien“ aus dem Bauch seines Opfers brechen (übrigens alles FSK 16).

Da stört es nicht, dass die Spezialeffekte so amateurhaft sind wie der Rest des Films. Im Gegenteil, das muss einfach so sein. Das gewollt Schlechte und Unbedarfte macht die Komik eines solchen Streifens ja überhaupt erst aus. Aber Trash muss mehr zu bieten wissen als quantitative Gags, es muss auch eine gewisse Qualität im debilen Bereich vorhanden sein. Kleine Momente von Cleverness, denn Humor ist ein schwieriger Bereich, da muss die Pointe an der richtigen Stelle sitzen. Auf Klassenfahrt im 6. Schuljahr mag man über das Humorniveau von „Waldile“ lachen können, aber wer das noch mit 16 kann, kennt den Unterschied zwischen Pimmelwitzen und Pimmelwitzen nicht. Oder derjenige hat einfach schon ein paar Bier intus. Wobei ich persönlich denke, dass man diesen Amateurfilm auch mit Alkohol nicht lustiger getrunken bekommt.

Was war ich happy diese DVD im Geschäft entdeckt zu haben, noch nie von dem Film zuvor gehört, und was war ich daheim enttäuscht, als „Puppy“ sein wahres Gesicht zeigte und lediglich präsentierte, dass er von Humor keine Ahnung hat. Da der Film im Original nicht „Waldile“ heißt, wäre der Titel „Waldi – Der schlimme Killer-Hund“ übrigens noch besser gewesen. Auf anderem Niveau als von mir erwartet erfüllt der Streifen immerhin die auf dem Cover angegebenen Behauptungen. „Waldile“ ist freiwillig schlecht und will nur alberner Trash sein. Die Firma, die vor einigen Jahren „Skeleton Man“ herausbrachte, behauptete selbiges über diesen. Dort war es jedoch nur der Versuch einen schlechten Film unter falschen Behauptungen an den Mann zu bringen. „Waldile“ ist zumindest kein Täuschungsversuch.


OFDb

ALARM IM WELTALL (Forbidden Planet 1956 Fred M. Wilcox)


Eine Weltraum-Crew macht einen Kontrollflug zu einem Planeten, der vor einigen Jahren von einer Gruppe Menschen besiedelt wurde. Sie treffen lediglich auf einen Wissenschaftler und seine Tochter, den einzig überlebenden Siedlern. Der Forscher zeigt der Mannschaft deutlich, dass Besuch nicht erwünscht ist. Er möchte bei seiner Arbeit nicht gestört werden, die sich mit den Ureinwohnern des Planeten und ihrem Untergang befasst...


Die nackte Rakete...

Während Europa und Asien Spukhorror geprägt sind, zog es den Amerikaner seit je her eher zum Bereich des Monsterfilms. Gerade in den 50er Jahren war das US-Kino auf einem ersten Hoch dieses Subgenres des Horrorfilms. Um so erstaunlicher, dass die Verantwortlichen von „Alarm im Weltall“ es wagten, sich an ein Science Fiction-Projekt zu wagen, in welchem zwar ein Monster enthalten ist, jedoch ein unsichtbares. Dieses unsichtbare Monster wird zwar zum Mittelpunkt der Geschehnisse, kommt jedoch arg selten vor. Das Abenteuer Forschung steht im Mittelpunkt, nicht ganz so enorm wie im großartigen „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“, aber doch sehr zentriert.

Für Abwechslung sorgt ein charmanter Roboter, der in „The Invisible Boy“ eine Art Fortsetzung beschert bekam. Neben einer kleinen, aber nicht zu dominanten, Liebesgeschichte, gibt es das Treiben der Weltraum-Crew zu sichten, das ähnlich der späteren „Raumschiff Enterprise“-Mannschaft um Captain Kirk für leichte Belustigung sorgt, ebenso wie der eben erwähnte Roboter.

Aus heutiger Sicht sorgt Leslie Nielsen als taffer, gutaussehender Weltraumheld in einer gar nicht witzig gemeinten Rolle für leichte Belustigung. Dies und die oben genannten Zutaten sorgen jedoch nie dafür, dass „Alarm im Weltall“ zum unfreiwillig komischen Trash verkommt.

Dafür ist die Geschichte viel zu geheimnisvoll, clever und gewagt. Es beflügelt die Phantasie die philosophisch geprägten Hintergründe einer untergegangenen Zivilisation zu lauschen. Und somit ist „Alarm im Weltall“ für ein Produkt seiner Zeit anspruchsvolle Unterhaltung, wie sie auch in späteren Jahren in diesem Genre aus diesem Land nur gelegentlich zu sichten war.


Trailer,   OFDb

Mittwoch, 28. November 2012

PESTIZIDE - STADT DER ZOMBIES (Les Raisins de la Mort 1977 Jean Rollin)


Claudia wird im Zug von einem grausig aussehenden Mann attackiert. Als sie nach draußen flüchtet, muss sie feststellen, dass sich eine Seuche über die Gegend breit gemacht hat. Aufgrund eines nicht zugelassenen Pestizids erkrankt jeder zur mordlüsternen Bestie, der vom Wein und seinen Trauben gekostet hat...


Das hässliche Entlein...

"Foltermühle der gefangenen Frauen", der eigentliche deutsche Name dieses Films, ist ein ungeheuer dämlicher und peinlicher Titel. Auch der Alternativtitel "Zombies geschändete Frauen" klingt nicht vielversprechender. Hätte ich nicht im Internet gelesen, dass hinter diesem schundigen Titeln eine kleine Horrorperle lauert, hätte er wohl nie eine Chance von mir bekommen. Dieses Werk ist weder ein Frauenfolterfilm noch ein Zombie-Horror. Und so trifft es der harmloseste aller Titel, "Pestizide - Stadt der Zombies" am ehesten. Auch hier wird zwar mit Zombies in die Irre geleitet, dafür erfahren wir aber bereits von den Pestiziden, die (und so jetzt die echte Story) einen Wein vergifteten, woraufhin viele Dörfler vor sich hinfaulen und zu Mördern mutieren.

"Pestizide" ist vom Stil her dann auch wie die guten alten Europa-Zombiefilme gedreht und etwas zombieartig sind die Ökomutanten schon. Der Vergleich ist also nicht ganz falsch und lockt zumindest das richtige Publikum. Wer an "Ein Zombie hing am Glockenseil", "Woodoo – Schreckensinsel der Zombies" oder "Invasion der Zombies" (der italienische, nicht der mexikanische Catcherfilm) nichts finden konnte, wird auch hier nicht glücklich, der Fan harter Horrorfilmkost aber sehr wohl.

Es gibt allerhand Ekel-Effekte, es gibt die typisch billige Europafilm-Atmosphäre dieser Zeit, und es gibt eine typisch dünne Geschichte. Dass die Befallenen hier im Vergleich zu Zombies niemanden fressen und lediglich aus Raserei töten, ist eigentlich ziemlich schnuppe. Es wird hart getötet und dank des Verschimmelns der Täter sieht das ganze auch recht monströs aus. So bekommt der Film nicht die Wirkung eines "Maniac City", in welchem die mutierten Amokläufer wie ganz normale Menschen aussehen.

Im Gegensatz zu Schundwerken (ich bleib zum Vergleich mal im Zombiebereich) wie "Zombies unter Kannibalen" und "Hölle der lebenden Toten" weiß "Pestizide" seine simple Geschichte schön zu verpacken. Die blutigen Effekte geschehen nicht alle Nase lang, werden also nicht zum wichtigsten Bestandteil des Filmes. Damit hebt sich "Pestizide" schon einmal von Werken wie "Zombie 3" ab.

Wie so oft im europäischen Horrorfilm dieser Zeit haben wir auch bei unseren angeblich geschändeten Frauen eine wunderbare Kulisse. Wir sehen Frankreichs malerische Landschaft, Weingüter und Dörfer, die schon mehr Ruine als Wohnort sind. Das schafft eine stimmige Atmosphäre. Ebenfalls positiv wirkt die straffe Einhaltung der geringen Dialoge. Hier wird nicht geschwätzt wie im modernen Horror, im Gegenteil, hier wird sehr wenig geredet. Es herrscht viel Schweigen, es wird viel gejagt, verfolgt und versteckt.

In den Szenen, in denen dann mal geredet wird, sind die Dialoge leider meist billig. Das ist aber, ebenso wie die mangelnde Schauspielkunst, typisch für Filme dieser Art zu dieser Zeit. Wenn man aber darauf vorbereitet ist, und mit diesen Mängeln bereits beim Sichten rechnet, kann man trotzdem jenseits echten Trashs gut unterhalten werden.

Die Hauptrolle spielt ihre Daueropferrolle für ein Werk dieser Art recht gut. Der komplette restliche Cast ist jedoch die maue bis dilettantische Darstellung typischer europäischer Nichtschauspieler, die dennoch schauspielern. Da der Film ein typisches europäisches 70er Jahre-Werk ist werden ständig unnötig weibliche Reize gezeigt. Aber darüber schmunzelt man kurz und im nächsten Moment ist es dann auch verziehen und vergessen.

Die Musik schwankt zwischen halbnervigem Geklimper und halb wirksamer Unterstützung. Am effektivsten ist "Pestizide" eigentlich immer dann, wenn die Musik pausiert. Die dünne Geschichte, die sie untermalt, stört nicht weiter, denn der Film ist einfach toll erzählt. Wir begleiten eine Frau, die in einem Zug von einem Mutanten attackiert wird. Daraufhin verlässt sie das Gefährt und stolpert durch die Walachei. Hier trifft sie ständig auf Leute, mit denen sie nur kurz zu tun hat. Ob es ein Haus ist, in dem sie Schutz vermutet, ob es eine Blinde ist, die für kurze Zeit ihre Verbündete wird, sie ist Identifikationsfigur und ihre Wegbegleiter sind Gäste innerhalb der Geschichte.

Ich mag Filme, die sich nur auf eine Figur konzentrieren, und diese fast episodenhaft durch einen Film jagen. Das gefiel mir auch an der ersten Stunde von "Dagon" sehr gut, und das ist meines Erachtens der Haupttrumpf an der ersten Hälfte von "Tanz der Teufel 2". Trotz dieser Erzählartkommt es kaum zu Wiederholungen, ein Manko das man bei dieser Herangehensweise vermuten könnte. Manche Leute entpuppen sich als Mutanten, andere sind der Hauptdarstellerin gegenüber misstrauisch, andere wiederum wollen unsere Heldin beschützen. Trotz seiner trockenen Art bleibt "Pestizide" also immer flott und hat immer etwas zu erzählen.

Wenn die Heldin durch die Natur stapft, der Weg sehr weit ist und dadurch eine kurze Zeit lang einmal nichts passiert, ist das höchst atmosphärisch eingefangen. Wer über solche Szenen mault und argumentiert, sie würden einen Film lediglich strecken, verkennt die Möglichkeiten des Kinos und sollte lieber computeranimierten Action-Horror von heute gucken. Für einen europäischen Fast-Zombiefilm wird sehr viel Wert auf hübsche Kulissen, tolle Kameraeinstellungen und spannende Atmosphäre gelegt.

Wie erwähnt wird das Szenario dabei trotzdem öfters blutig (und wie typisch bei dieser Art Film auch sinnlos blutig). Die handgemachten Effekte sind hübsch anzusehen, vorrausgesetzt man hat einen starken Magen. Im Vergleich zu Fulcis Werken ist "Pestizide" in diesem Punkt wiederum harmlos. Die Mutanten sind billig zurecht gemacht, verfehlen aber nicht ihre Wirkung. Da gibt es mal schlechter, mal besser gemachte Mutationen, aber Grund zu maulen ist eigentlich nicht gegeben.

Was bleibt ist also kurzweilige und atmosphärische Unterhaltung für Freunde harter Horrorfilme aus der guten alten Zeit. Von den peinlichen deutschen Titeln, die dieses verkannte Werk erhalten hat, sollte man sich nicht beeinflussen lassen. Frauen werden hier nur so als Opfer behandelt, wie es in fast jedem Horrorfilm der Fall ist. Und ich denke niemand würde von einem "Wrong Turn - Geschändete Frauen" oder einen "The Hills Have Eyes - Geschändete Frauen" reden, auch wenn es in gewisser Hinsicht ansatzweise passen würde. Gegen Ende von "Pestizide" ist es ohnehin nicht mehr nur das weibliche Geschlecht, das zu leiden hat.

Wären die Dialoge nicht typisch mau bis dumm, weniger Nacktheit im Film und die Darsteller besser, würde sich Rollins Mutantenwerk kompromissloser gucken. Trotz seiner Mankos und einem unverständlichen Schluss ist er jedoch trotzdem ein wahrer Tipp seines Genres und jedem Horrorfan ans Herz gelegt. 


Trailer,   OFDb

HEUSCHRECKEN - DIE ACHTE PLAGE (Locusts: The 8th Plague 2005 Ian Gilmour)


Wissenschaftler machen aus Heuschrecken Fleisch- statt Pflanzenfresser, mit dem Ziel, dass die Viecher dadurch nützlich werden und Schädlinge fressen. Nachdem er aus dem Labor entkommen ist, entwickelt der Schwarm allerdings einen sehr großen Appetit. Von nun an stehen Kühe und Menschen auf dem Speiseplan der nimmersatten Insekten. Ein Landwirt mit Ökotouch, auf dessen Umweltschutz-Warnungen noch nie jemand hörte, versucht mit Hilfe der Tochter des Forschers der Lage Herr zu werden...


Die achte Plage: C-Filme...

Da ist sie mal wieder, eine der vielen Billig-Tierfilm-Horror-Produktionen der unermüdlichen Firma bzw. des Fernsehsenders Ufo, die dem Filmfreund wohl noch nie ein gutes Werk beschert hat. Finanziell scheint sich das Fertigstellen solcher Produktionen scheinbar zu lohnen, denn die Flut ihrer Filme nimmt kein Ende. Und diesmal haben sie sich sogar selbst übertroffen: Wo andere Ufo-Produktionen noch durch unfreiwillige Komik zu retten sind, schafft es "Heuschrecken" lediglich anzuöden. Alles hat man viel zu oft viel besser bereits gesehen. Das ist zwar eine Tatsache die so ziemlich jeden Tierhorror beschreibt, aber hier kann man mit der Lupe nach Innovationen suchen.

Manch eine Billigproduktion spielt mit Charakteren, oder sucht sich Tiere, die es zuvor im Tierhorrorbereich nicht gab. Sie schnappen sich ungewohnte Drehorte, was auch immer. "Heuschrecken" bietet nichts von alle dem. Hinzu kommt, das selbst für das Niveau von Ufo und Nu Image ein neuer Tiefpunkt in der Computeranimation zu verzeichnen ist. Die Filme dieser Firmen glänzten noch nie durch tolle Tricks, ganz im Gegenteil, und so ist ein solcher Rekord schon erstaunlich zu nennen.

Trauriger weise sind die Tiere von der Kreatur her selbst eigentlich nett zurecht gemacht. Lediglich das Einbringen in den Film mit urigsten Computertricks sorgen für die Schande. So aalglatt sah man noch nie Insekten durch einen Horrorfilm schwirren, noch nie wirkte Computeranimation im Filmbereich derart geklont und wiederholend. Und die Animation mit Heuschrecken als besonders winzige Punkte im Film unterbieten sogar das Niveau der Animation im ersten Bienenhorror "Die tödlichen Bienen".

Leider reichte es den Verantwortlichen des Films nicht nur die Tiere am Computer zu erstellen. Zudem müssen wir uns übelste Hubschrauberanimationen gefallen lassen, wie sie billiger nicht aussehen könnten, und was in diesem Film als Flammenwerfer durchgeht ist auch ein Witz für sich.

Dass auch die dröge Musik und die routinierten bis billigen Schauspieler nichts reißen können muss eigentlich kaum noch erwähnt werden. Freunde von Billigfilmen und Tierhorrorfans werden nichts sichten was ihnen gefällt. Und für andere ist das Ding ohnehin nicht gedreht. Trash-Fans werden eher weinen statt lachen, und ich denke mal nach diesen Sätzen erspart sich jedes weitere Wort.


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JACKASS - THE MOVIE (2002 Jeff Tremaine)


Jeff Tremaine, Johnny Knoxville und Co experimentieren auf eigene Gefahr. So benutzen sie Sylvesterraketen als Rollschuh-Antrieb, verschlucken Spielzeug, hangeln über Krokodile und vieles mehr. Hin und wieder spielen sie ihren Mitmenschen Streiche...


Was aus Aufmerksamkeitsdefiziten entstehen kann...

Nun habe ich mir dieses peinliche, fragwürdige Werk auch einmal angetan und muss ehrlich eingestehen, dass mir doch der ein oder andere Schmunzler beschert wurde. Ich komme aber nicht umhin zu sagen, dass ich das meiste im groben bereits in meiner mehrjährigen Arbeit im Kindergarten gesehen habe: mutwillige Zerstörung, in die Hose machen, Verletzungen, Streiche spielen, miteinander kämpfen, erbrechen, ...

Nur weil der Rahmen dieser Aktionen extremer ist (und das ist er nur aus Erwachsenensicht, wenn man vergessen hat wie gewagt die Kindheit mit all ihren Experimenten war), muss man nicht gleich den großen Wind drum machen. Also! Leute die durch diesen Film den großen Kick erfahren, sollten unbedingt Erzieher oder Kinderpfleger werden!!!

Kurz gesagt sehen wir in diesem Film wie einige Idioten sich wie Kinder verhalten. Und ja, das kann mal witzig sein, Kinder sind mit ihrer Art schließlich belustigend und dies sicher nicht durch anspruchsvolle Komik. So muss sich jeder ehrlich fragen, an welchen Stellen von Jackass er lachen musste. Man lacht nun einmal aus dem Affekt heraus, selbst wenn man zu verspiest ist hinterher dazu zu stehen an welchen Stellen das nun war.

Gelacht habe ich selbst u.a. über folgende Ideen und Aktionen: die alten Männer in ihrem Elektrorollstuhl, dem Typen der in einem Sanitärgeschäft ins Vorführklo scheißt, den Sprung in den Ventilator, die Attacke auf den Vater auf dem Klo und die Tröte auf dem Golfplatz, also quasi meistens, wenn Streiche gespielt wurden.

Nur noch peinlich oder unwitzig wurde es bei folgenden Beiträgen: tanzen im Tanga (gähn, kann nur ein Spießer drüber lachen), Urin mit Schnee essen, tätowieren lassen während einer wilden Autofahrt, Sylvesterrakete im Po, Alligator in Mamas Wohnung, Spielzeugauto im Po, dicker Typ setzt sich auf Bank (da hätte vielleicht noch mein Uropa drüber gelacht, so neu war der Gag) und noch einiges mehr, an das ich mich grad nicht erinnern kann.

Ideen, die sogar recht interessant waren, gab es in der Ausnahme auch zu sehen. Da war zum einen das Experiment mit den Sylvesterraketen an den Rollschuhen und der Seiltanz über dem Alligatorengehege. Uninteressant, da langweilig, sind solche Aktionen wie die Autocrashs, das auf sich schießen lassen, das ständige anderen heimlich den Kopf Anrasieren (schon beim ersten mal nicht lustig), Kämpfe mit (Kick-)Boxern usw.

Sollte die deutsche Synchronisation passend zum mir unbekannten Originalton sein, kommt man nicht umhin zu sagen wie strunzdoof die Typen hier sind. Alles ist mit „krass“ oder ähnlich hohem Vokabular betitelt, Dummheit siegt! Und dann muss mir noch wer erklären was der Fettsack in der Truppe zu suchen hatte. Der durfte ein paar mal zeigen wie ekelig fett sein ist (na toll!), einen einzigen Stunt erlebt er durch Assistenz mit (er wird bei einer Form des Extremtauziehens umgeworfen), und ansonsten machen immer die anderen die harten Jobs. Im Pandakostüm umher laufen während die anderen das selbe treiben, sich dabei im Gegensatz zu ihm allerdings absichtlich weh tun, ist auch nicht gerade die Krönung seiner Auftritte. Dass auch er dennoch ebenso dumm ist wie der Rest, zeigt sich in seiner ständigen Partylaune bei ultrapeinlichen Aktionen.

Selbst wenn man die Position vertritt, dass ein derartiger Film tolle Unterhaltung bietet, würde mich ein Punkt dennoch an diesem Werk speziell nerven: die Schnitte! Wenn man zeigen will, wie real solch gewagte Aktionen sind, dann sollte man auch weniger Kamerapositionen einbauen und des öfteren auch länger draufhalten. So könnte man z.B. nach einem Sturz warten bis der Selbstgeopferte aufsteht, oder man könnte nach erfolgtem Streich die Reaktion/Mimik des Betroffenen filmen.

Besonders missglückt fand ich die Aufnahmen während einer Rollschuhparty in einem fahrenden Kleinlaster. Anstatt draufzuhalten und in Echtzeit die Stürze aus einer Perspektive zu zeigen, werden einem nur die Highlights präsentiert (wahrscheinlich weil die Verantwortlichen glaubten das ist hipp und dass der Teen von heute durchs ständige Zapping ohnehin verlernt hat einer längeren Kameraeinstellung Interesse zu schenken). Immer wieder wird zur optischen Abwechslung Fettie gezeigt, der stolz den Laster fährt. Davon hätte eine kurze Aufnahme gereicht, um sich dann dem wesentlichen zu widtmen.

Im Fazit bleibt also nur das selbe zu sagen wie zu Beginn der Review: peinlicher, fragwürdiger Film (wenigstens zum Glück erst ab 18 Jahren freigegeben), der immer dann schocken will, wenn das passiert, was im Kindergarten Alltag ist. Wer diesen Film liebt, sollte sich Arbeit in einer Kindertagesstätte suchen und nicht zu ungeduldig sein. Ansonsten muss man diesem Schund aber auch den ein oder anderen Lacher und das öfter unfassbare Hingucken (je nach Extreme der Situation) eingestehen. Im Fazit kann ich aber von mir behaupten, dass ich diesen Pseudokick auf keinen Fall benötige.


Trailer,   OFDb

FBI JAGT PHANTOM (The Human Duplicators 1965 Hugo Grimaldi)


Angesehene Wissenschaftler begehen Diebstähle in wissenschaftlichen Instituten. Ein Agent der NSA wird auf diesen merkwürdigen Fall angesetzt. Eine Spur führt ihn in das Haus eines Professors, der von einem Besucher aus dem All gegen einen Roboterklon ausgetauscht wurde. Und er ist nicht der einzige Android. Mit Hilfe einer attraktiven Kollegin nimmt der Agent den Kampf gegen die heimliche Alieninvasion auf...


Rostige Doppelgänger...

Wenn ein Film von Außerirdischen erzählt, die mittels Roboterduplikate Menschen austauschen, rechnet man mit allem, mit allem außer einem Gruselkrimi. Aber genau so guckt sich "FBI jagt Phantom". Ich persönlich habe mich gefreut, so erinnert dieses Werk doch erstaunlich an die deutschen Wallace-Filme und wegen des phantastischen Themas noch mehr an die späten „Dr. Mabuse“-Fortsetzungen aus der gleichen Zeit.

Charme und Nostalgie haben Vorfahrt. Die im Laufe des Films immer mehr zunehmende Unlogik übersieht man mit einem belustigten Augenzudrücken. Und gerade mit dieser übertreibt es "FBI jagt Phantom" dann gleich noch mehr als andere Gruselkrimis. Die herrlich naive (bzw. naivste) Erzählweise ist einfach nur wunderbar kurzweilig. Der Film schwankt irgendwo zwischen gelungen und Vollschrott, punktet eigentlich nur auf Trashbasis, will aber eigentlich auch gar nichts anderes sein. Dafür ist einfach alles viel zu simpel, plump und wie bereits erwähnt zu naiv.

Nostalgiepunkte bekommt der Film z.B. dadurch, dass das Werk von Agenten der NSA handelt, NSA dem deutschen Publikum damals aber noch nichts gesagt hat und sich so das bekanntere FBI in den deutschen Titel einschlich. Außerdem muss der Chef der NSA den Begriff Android noch in einem Duden nachschlagen. Man, was haben sich die Zeiten geändert.

Der Science Fiction-Gehalt ist sehr gering gehalten. Der Agentengeschichte wird wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Allein dass die Aliens wie Menschen aussehen und die Roboterdoppelgänger der Menschen natürlich auch, lässt trotz der Alien-Thematik ständig das Gefühl eines Gruselkrimis beim Betrachten aufkommen.

Deutlich durch James Bond beeinflusst, haben der Hauptdarsteller und seine Agentengehilfin ein lockeres Mundwerk im Umgang mit dem Chef, und der weibliche Part darf sich für die damalige Zeit typisch sexy geben. Ob ein realer weiblicher Agent, wenn er einer gefährlichen Spur nachgeht, wirklich unpraktische Stöckelschuhe anziehen würde, nur um attraktiv zu sein, bleibt anzuzweifeln. Aber das ist nur ein Sandkorn in einen Strand voller Unsinnigkeiten.

Mit schuld an den Unlogiken sind die teilweise überraschenden Storywendungen, gerade zum Ende hin. Da werden Böse zu Guten, da entdeckt ein Android seine Herkunft, Roboter rebellieren und so weiter und so fort. Manchmal sind aber auch Ansätze gar nicht mal so uncleverer Erzählmomente gegeben. Das wirkt inmitten von Voll-Trash noch einmal besonders skurril.

Lustig ist auch das für seine Zeit typische positive Ende, das mal wieder wie in vielen anderen Filmen auch die Frage aufkommen lässt, warum die Menschen nie in Betracht ziehen, dass die Bedrohung noch nicht komplett gebannt ist, da sie vom All ausging und da schnell neue Bösewichter landen könnten, vielleicht mit noch viel böseren Plänen. Nööö, die Gefahr auf der Erde ist besiegt und Weitblick hat man mal wieder nicht. Auch die Maschinen, die mit Hilfe der Alienkenntnisse entstanden sind, werden kaputt gemacht, obwohl sie für Erdenwissenschaftler sicherlich höchst interessant gewesen wäre und das Wissen der Menschheit weit nach vorne gebracht hätte.

Der Science Fiction-Gehalt ist ungefähr so wie man es aus dieser Zeit kennt: blinkende Lichter, ein schrottiges Ufo, aber wie erwähnt gibt es relativ wenig zu sehen. Auch in den Duplikaten selbst: die Androiden haben relativ wenig Elektronik im Kopf. Das darf man sichten, wenn sie hin und wieder kaputt gehen, was anbei bei jedem Hinfallen auf dem Boden passiert. Ob damit wirklich eine Invasion möglich wäre bleibt anzuzweifeln.

Dem Tempo des Filmes kommt es zu gute, dass der Agent recht schnell Androiden vermutet, dass die Geschichte aus der Sicht der Außerirdischen mit dem Auftrag beginnt, und Unnötigkeiten nie viel Raum einnehmen. Einzig extremst unnötig und dadurch enorm humorfördernd ist eine Rahmenstory, in der es um eine blinde Erdenfrau geht, in die sich der von den Aliens auf die Erde geschickte Android verliebt. Anders herausgearbeitet hätte der Film damit genau den Anspruch bekommen, der ihm an jeder Ecke fehlt. Inmitten geistigem Irrsinns verursacht diese wahnsinnig schlecht eingebrachte Nebenhandlung genau das Gegenteil.

Ungefähr im Fahrwasser von "Dracula jagt Frankenstein" schwimmt "FBI jagt Phantom", der im deutschen Titel nur bedingt stimmt, und der dafür im Originaltitel "The Human Duplicators" den kompletten Film auf den Punkt bringt. Dass die Titelgeber einen Bock gebaut haben ist in unserem Land aber nun leider Jahrzehnte lange Tradition.

THE HAPPINESS OF THE KATAKURIS (Katakuri-ke no kôfuku 2001 Takashi Miike)


Nachdem er seine Arbeit verloren hat, eröffnet Masao Katakuri eine Pension in der Einöde, von der es heißt, dass hier bald ein Wohnort entstehen soll. Mit der kompletten Großfamilie geht man gut motiviert ans Werk, das Glück bleibt jedoch aus. Erst nach langer Zeit gibt es den ersten Kunden, und der begeht gleich Selbstmord. Da der Ruf ruiniert wäre, wenn sich diese Bluttat herumspricht, begraben die Katakuris den Mann im angrenzenden Wald und schweigen. Doch auch die nächsten Gäste verlassen das Gebäude nicht lebend, und die nächsten, usw. Bald gehört es zur Tradition der Katakuris Gräber im Wald für ihre Gäste zu schaufeln...


Hotel Dead Hampshire...

Regisseur Takashi Miike genießt einen Ruf als Kult-Regisseur. Ich kenne seine anderen Filme bisher nicht, müsste ich mich diese Aussage betreffend jedoch an „The Happiness Of The Katakuris“ orientieren, hätte er meiner Meinung nach diesen Ruf zu unrecht. Miike bedient sich skurriler Zusatzelemente, wie gerade die Eingangssequenz beweist, um seiner Geschichte zusätzlichen Touch zu bescheren. Leider wirkt dieser meist aufgedrückt und will mit dem Rest der Inszenierung nicht eins werden.

Sein Grusical orientiert sich am südkoreanischen Streifen „The Quiet Family“, ein nettes Filmchen voll interessanter Ideen, wenn in seiner Umsetzung manches Mal auch etwas zäh. Miike macht aus der morbiden Story mit eher leisen Tönen eine Musical-Party, und ich muss schon sagen dass diese Idee zu reizen vermag. Die Umsetzung ist grotesk, also verzeiht man die schlechte Tanz-Choreographie, manchmal auch manch mangelndes Schauspiel. „The Happiness Of The Katakuris“ ist oft absichtlich schlecht gemacht, was jedoch nur ein Bereich des angesteuerten Trashs ist.

An mancher Stelle, meist in Musikszenen, bekommt der Streifen tatsächlich Kultpotential und erinnert in seinen besten Momenten an den schrillen Stil der „Rocky Horror Picture Show“. Dessen Musik war sicherlich anspruchsvoller zu nennen, aber auch Miikes Werk bedient sich musikalisch nicht nur einer Stilrichtung, so dass für Abwechslung gesorgt ist.

Doch wenn ein Film die Tendenz besitzt zu nerven, und genau das tut die Neuverfilmung von „The Quiet Family“ recht häufig, dann wirkt es nicht gerade förderlich, wenn in der zweiten Hälfte des Filmes sich des öfteren sehr langsame Lieder tummeln. Japan-Schlager in einem kitschigen Farbenmeer wie aus schlechten Hitparaden im TV, ja, das ist gewollt bunt und schlecht, erreicht aber nicht das Niveau der Schluss-Szene und Traumsequenz aus „Der kleine Horrorladen“, in welchen ein ähnliches Ziel anvisiert wurde. Der Vergleich zeigt auch deutlich, wie viel mehr mit einer besseren Besetzung möglich gewesen wäre.

Doch da mag teilweise auch die deutsche Synchronisation Schuld sein, die zwar technisch gesehen typischer Standart ist, leider aber einige Stimmen präsentiert, die zur jeweiligen Figur nur bedingt bis gar nicht passen. Der Opa und der Familienvater sind gut besetzt. Der Rest eher mau bis o.k.

Miike verwendet des öfteren Knetgummianimationen, und wann er diese einsetzt ist nicht zufällig, sichtet man besagte Momente doch meist dann, wenn eine reale Umsetzung recht teuer gewesen wäre. Schlimm ist das nicht, in der Theorie ist diese Ausflucht sogar einfallsreich zu nennen. Doch trotz gut umgesetzter Animation (besonders die Gesichter und die Ähnlichkeiten zu ihren reellen Originalen sind geglückt) wissen diese Szenen jedoch nie zu wirken, besitzt der Regisseur doch kein Händchen dafür, diese in seine gewollt konfuse Inszenierung zu integrieren. Das verwundert schon ein wenig, müsste es im Meer skurriler Ideen doch um so leichter sein so etwas einzubauen, als in einem Film, der eher den üblichen Regeln folgt.

Miike will zu viel, und so nervt und nervt und nervt er. Ob es nun am Original aus Südkorea liegen mag oder an einigen guten eigenen Gimmicks, für Momente schafft es der Film trotzdem immer wieder Interesse zu wecken. Hat man erst einmal die ersten 5 – 10 Minuten überstanden, die man als Tiefpunkt des Werkes bezeichnen kann, wird es eigentlich recht witzig. Trotz skurriler Ideen und einiger (mal netter, mal weniger netter) Unnötigkeiten verliert Miike nie das versteckte Zentrum des Films aus dem Auge: die Fröhlichkeit der Familie Katakuris.

Diese Familie war im Original noch etwas verzweifelter, hielt aber auch dort immer am Optimismus und am familiären Zusammenhalt fest. Mag sein dass es an fröhlichen Liedern und dem Tanzen liegt, dass sie im Remake eine Spur fröhlicher wirken. Ihre unprofessionelle und unbedarfte Art zu tanzen unterstützt diese Wirkung sogar.

Einzig pessimistischer Charakter der Familie ist der Sohn, der aber ohnehin als das schwarze Schaf zählt. Doch auch ein solches wird im Schoß der Familie akzeptiert, einen Schoß wundervoller Charaktere. Den Vogel abgeschossen hat man mit der Figur der Tochter. Diese hat ein Kind, der Erzeuger hat sie noch während der Schwangerschaft verlassen, und nun wartet sie gespannt auf ihren Traumprinzen, und das kann eigentlich jedersein, so sehr wünscht sie es sich und so sehr belügt sie sich selbst.

Zur völligen Entfaltung kommt dieser Charakter durch einen Subplot, in welchem sie einen offensichtlichen Betrüger kennen lernt dem sie verfällt. Der liefert mit seinem ersten Auftritt auch gleich eine kultige One Man-Show ab, in welcher er als der große Frauenschwarm dargestellt wird, was nicht nur durch Tanz und Musik schräg wirkt, sondern auch schon dadurch, dass er alles andere als ein optischer Traumprinz wäre.

So bekommt jede Figur ihre eigene kleine Macke, die sie zu dem macht, was sie ist. Nicht jeder bekommt so einen großen Subplot beschert wie die Tochter. Beim Sohnemann begnügte man sich beispielsweise damit, dass ihm vergangene Taten ewig nachgetragen werden, ganz besonders der Diebstahl von Portmonees. Letztendlich geht es aber ohnehin nur um die Familie im ganzen und um deren Optimismus im ewigen Unglück.

So sehr sich Miike um kultige Ideen bemüht, so sehr ähnelt das Ergebnis, wenn auch nicht im Inszenierungsstil, „Crank 2“, der an gleichen Problemen krankte. Auf „The Happiness Of The Katakuris” betrachtet, erscheint ein Blick auf das Original “The Quiet Family” fast spöttisch. Ohne Musik auskommend bot dieser wesentlich bessere Choreographie. Und obwohl er normaler umgesetzt war, punktete er mit eher stillen besonderen Ideen und Witzen. Wo Miike mit dem Holzhammer draufhaut und im Ergebnis eher schwach bleibt, da punktet der sensible und pfiffige südkoreanische Vorgänger mit genau dem, was Japans Kult-Regisseur möchte: Individualität durch besondere Ideen.

Ich war häufig in Versuchung frühzeitig auszuschalten. Dafür war der magere Film aber wiederum zu interessant. Außerdem wartete ich ungeduldig auf die in der Programmzeitschrift versprochenen Zombies, die sich leider nur als kurze Traumsequenz entpuppten (sich aber in Musik und Tanz als Höhepunkt des Films betrachten dürfen).

Wer also diesbezüglich ebenfalls falsch informiert wurde und nur deshalb einschalten wollte, der sollte lieber zu „Nudist Colony Of The Dead“ greifen, einem Grusical mit tanzenden Nudistenzombies, einem Film der dem ausgeleierten und zu Kommerz verkommenen Begriff Kult näher kommt, als der hier besprochene Streifen. Wen die Geschichte lockt, der sollte (erst) das Original gucken, das weckt die Neugierde noch etwas mehr auf eine schrille Musical-Umsetzung.

Schon „The Quiet Family“ zeigte wie viel Potential in der Geschichte steckt. Bei all den in der Theorie interessanten Gimmicks und Skurrilitäten wäre es wünschenswert gewesen, jemand anders hätte sich an das Projekt eines japanischen Remakes herangewagt. Denn die Idee einer aufgeblähten Musical-Version finde ich nach wie vor gut. Schade dass das, was mit dieser Idee möglich gewesen wäre, immer nur kurz um die Ecke linst.


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