Sonntag, 30. September 2012

DIE MONDVERSCHWÖRUNG (2011 Thomas Frickl)


Dennis R.D. Mascarenas, Reporter eines deutschsprachigen Fernsehsenders der USA, möchte Aufgrund eines Streites zwischen einem Amerikaner und einem Deutschen, darüber wem der Mond gehöre, herausfinden was es eigentlich mit der Mond-Faszination der Deutschen auf sich hat und steigt ein in eine esoterische Welt, die mit Grad ihrer Extreme sich an immer größere und wunderlichere Verschwörungstheorien klammert...


Da verstummt selbst Gus Backus...

Ein wenig darf es an Michael Moore erinnern, jenem Filmschaffenden der uns mit "Sicko", "Bowling For Columbine" und einigen anderen sehenswerten Dokumentationen die Schattenseite der USA näher gebracht hat, wenn ein dicklicher Amerikaner einem delikaten Thema nachgeht und mit Geduld und Ruhe all jenen zuhört, die sich mit ihren Kommentaren ganz von selbst als fragwürdig entlarven, eben weil sie endlich einmal über ihr liebstes Thema öffentlich frei reden dürfen und sich von der ruhigen Art Mascarenas bestätigt und unterstützt fühlen.

"Die Mondverschwörung" ist jedoch etwas simpler gestrickt als die Erfolgsfilme des Populisten Moore, ziehen Mascarenas und sein Regisseur Thomas Frickel doch keine Verbindungen, analysieren nicht, schlagen keine Lösungen vor und entlarven auch nicht die Drahtzieher und ihre Methoden. Ebenso wenig kommt es zu einem klaren Strich am Ende, der das Thema zu einem tatsächlichen sachlichen Schluss führt, um einen gewissen Themenkomplex damit ausgefüllt zu haben. Das liegt jedoch nicht an einer schwächeren Herangehensweise, einer geringeren Motivation oder gar an mangelndem Talent. Das Thema selbst gibt diese Möglichkeiten eigentlich schon kaum vor. Man gewährt dem Zuschauer lediglich einen Blick in weltfremde Sichtweisen, um ihm die Skurrilitäten menschlichen Denkens und Glaubens vorzuführen. Für einen Moment darf man hinter den Vorhang jener Wahrnehmung gucken, die nicht dem Durchschnitts-Denken entspricht und damit im Alltagsleben des Zuschauers in der Regel nicht so leicht zu entdecken ist.

Das mag für manch einen vielleicht nach dem Charme individueller Querdenker klingen, entpuppt sich aufgrund seiner geistfreien Basis jedoch recht schnell als fragwürdige Subkultur, die je nach Härtegrad ihres Denkens sogar gefährlich werden kann, sollten aus reinen Worten einmal Taten gedeihen. 

Dass diese Stichproben, die uns Frickel und sein amerikanischer Reporter-Kumpan servieren, nicht nur dem Unterhaltungszweck dienen, sondern in ihrer schlichten Präsentation als interessante Basis darüber dienen wie schnell aus Banalitäten Interessengruppen entstehen können, macht "Die Mondverschwörung" zu einer wertvolleren Dokumentation als es zunächst scheint. Denn mit dem hier Gezeigten gedanklich weiter gestrickt, quasi über den Film hinaus greifend, wird ein Einblick gewährt, wie es über viele Schritte zu solchen Unsinnigkeiten wie Geisterglaube, Scientology, Weltreligionen, Homöopathie und anderem Hokuspokus kommen konnte, wenn nur genug Leute daran glauben die sich ohne handfeste Beweise gegenseitig bestätigen. Es ist als schaue man auf den Anfang all solcher Bewegungen, die wir heute in ihrer zur Extreme hochgewucherten Größe miterleben dürfen.

Man darf schon vor den Kopf gestoßen sein, was es in einer wissenschaftlich ach wie aufgeklärten Zeit noch für Aberglauben gibt, deren Anhänger sich damit begnügen wackeligen Beweisen zu vertrauen und aus Dummheit und Halbwissen recht häufig Informationen miteinander kombinieren und kreuzen, die ohne ihren Hintergrund zu hinterfragen sich als toll miteinander kompatibel entpuppen, sodass auch recht schnell eine erweiterte, neue Variante des zuvor Geglaubten oder ein weiterer "Beweis" hanebüchener Theorien aufgestellt ist.

So braucht es auch nicht wundern, dass sich mancher Spinner von anderen abheben will, da er verwandte Theorien als unseriös empfindet, und sich der Zuschauer zu Recht fragen darf, wo denn nun der Unterschied zwischen ihm und den anderen Verschwörungstheoretikern liegen mag.

Im konkreten Fall von "Die Mondverschwörung" geht es mal im christlichen Sinne und mal im Glauben um Außerirdische um den Kampf zur Errettung der Erde, in welcher je nach Härtegrad Adolf Hitler eine gesonderte Rolle als Befreier einer von Juden geplanten und bereits angegangenen Unterdrückung gilt. Je nach Glaubensrichtung haust der alte Diktator, mal über die Magie der Verjüngung verfügend und mal nicht, auf dem Mond oder im Erdinneren unseres nach 40 Kilometer Erdschicht besitzenden hohlen Planeten.

Interessant ist der schleichende Übergang "harmloser" Mond-Esoteriker, jener die Wasser verzehren, welches nur zu Vollmond abgefüllt wurde, eine unter Pyramiden im passenden Mondeinfluss hergestellte Salbe auftragen oder am abnehmenden und zunehmenden Mond orientiert Gymnastik betreiben, bis hin zu diesen radikalen oben kurz angesprochenen geradezu faschistischen Absplittungen der Esoterik. Wieder wird einem klar, wie es am Beispiel des Christentums durch das harmlose Schwärmen für einen angeblichen Erretter zu einer weltbeeinflussenden Bewegung kommen konnte, die so menschenverachtende Verbrechen hervorbringen konnte wie Religionskriege, Hexenverbrennungen und Unterdrückung Andersdenkender. 

Um so nachdenklicher stimmt es, dass man über das was man in "Die Mondverschwörung" zu hören bekommt so ungehemmt schmunzeln kann, selbst im schockierten Zustand der gegen Ende immer brauner werdenden pseudo-wissenschaftlichen Fascho-Soße, während man vergleichbaren Glauben/vergleichbares Denken, mit dem man im Alltag ob nun dran beteiligt oder nicht ständig konfrontiert wird, als wesentlich normaler empfindet. Somit beweist auch die Thematik eines "Die Mondverschwörung" auf ein Neues, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist.

Es ist schön zu sehen, dass Frickels Dokumentarfilm nicht halb so moralisch entrüstet ausgefallen ist wie meine Review. Fast kommentarlos präsentiert man uns nur das Geschwafel belustigender Spinner, um uns schließlich mit dem Wissen dass es solche Menschen und ein solches Denken gibt allein zu lassen. In "Die Mondverschwörung" geht es um mangelnde Aufklärung, der Gefahr wohin Unwissenheit, Halbwahrheiten und harmlos klingende Spielereien führen können. Es geht also um den Wert und die Wichtigkeit rationalen Denkens. Und da ist es legitim, ja geradezu obligatorisch, dass der Zuschauer sich selbst Gedanken machen und Rückschlüsse ziehe soll. Würden Frickel und Mascarenas das für uns erledigen, würde sich der Hund in den eigenen Schwanz beißen. Der Film besäße keine Daseinsberechtigung mehr. Dann wäre er nur noch Grundlage um sich über Leute lustig zu machen, die sich freiwillig zum Affen machen.


Samstag, 29. September 2012

CURSE OF THE QUEERWOLF (1988 Mark Pirro)



Obwohl Larry verheiratet ist, lässt er sich von seinem Kumpel beschwatzen und die beiden gehen in eine Bar Frauen aufreißen. Larrys Eroberung erweist sich als Tunte. Und ein Biss in den Po lässt den Getäuschten bald auch zur Tunte werden. Denn der Transvestit war ein Queerwolf, und wer diesen Fluch in sich trägt verwandelt sich jeden Vollmond in einen Homosexuellen. Larry sucht Hilfe bei einer Zigeunerin...


Die Rocky Horror Werwolf Show...


Drei Jahre bevor Pirro uns den kultigen “Nudist Colony Of The Dead” servierte, drehte er eine andere Horror-Komödie (ein Genre das ohnehin seine Spezialrichtung zu sein scheint), die jedoch nicht an die Größe des Nachfolgers heranreicht.


Zu Beginn glaubt man gar das Gegenteil. Gute Witze kann da suchen wer will und Pirro macht den Eindruck, er hätte nur auf Sexualprovokationen und Schlüpfrigkeiten wert gelegt. Ganz verkehrt ist dieser Eindruck nicht, der Humor von „Curse Of The Queerwolf“ geht stark unter die Gürtellinie. Aber nach 5 Minuten der Geduld etwa, stimmen auch die Gags.


Zumindest wenn man mit Albernheiten, auch sogenannte Flachköpper, sympathisiert. Das Werk ist ein Amateurprodukt, oder zumindest sehr semi-professionell, und dementsprechend nah an der bürgerlichen Kneipenkomik ist auch jene aus dem Film.


Nudist Colony Of The Dead“ war ein Musical mit Musik, die in ihrer Komik zu überzeugen wusste. „Curse Of The Queerwolf“ ist kein Musical, aber manche Komposition am Rande geht deutlich in die Richtung des fröhlich augenzwinkernden Sounds des Nachfolgers. Kennt man diesen gar, kommt bei den melodischen Tönen des Vorgängers richtig Stimmung auf.

Die Darsteller sind mit viel Spielfreude dabei. Etwas Geld schien man auch zu haben, denn an Räumlichkeiten, Gegenständen und Darstellern mangelt es nicht. Im Gegenzug gab man kaum einen Cent für die Spezialeffekte aus. Aber „Curse Of The Queerwolf“ tarnt sich ohnehin nur mit dem Genre Horror, um alles zu veralbern. Da wird der Klamauk mit absichtlich schlechten Spezialeffekten lediglich unterstützt. Ein Manko ist das also nicht.


Seine schönsten Momente hat Pirros Film nicht wenn die lustigen Sprüche erklingen (wobei diese positiv wirken), sondern wenn er Beobachtetes aus professionellen Filmen parodiert. Hier sei nur auf das zu Hörende im Abspann verwiesen (bloß nicht ausschalten!), das deutlich die Schein-Happy Ends Amerikas Großproduktionen verarscht.


Deutlich parodiert wird auch die Verwandlungsszene in „American Werewolf“. Zum besseren Verständnis muss man allerdings erst den Begriff Queer erklären. Mir sagte dieses englische Wort nichts, also musste ich nachschlagen. „Queer“ steht für viele Begriffe, die aber alle ziemlich direkt mit dem Bereich „Transvestit“ und „Homosexualität“ zu tun haben. Wer dies weiß, weiß auch zuvor was ihm bevorsteht. Ich hingegen habe mich lieber überraschen lassen und das Wort erst hinterher nachgeschlagen.


Also, wer gebissen wird verwandelt sich in einen Transvestit. Nun geht Pirro allerdings nicht so einfallslos heran der Hauptfigur seinen Gemütszustand zu ändern, so dass dieser sich plötzlich gedrungen sieht Frauenklamotten anzuziehen. Nein, der Weg zum Transvestit findet mittels einer Metamorphose statt (die natürlich sehr billig umgesetzt wurde). Diese weiß auf dem Niveau des Filmes allgemein zu überzeugen. Fingernägel wachsen plötzlich und färben sich in Nagellack-Farben, Ohrringe erscheinen, usw. Bis der Infizierte am Ende ein kompletter Transvestit ist.


Eine fragwürdige Komik, welche Homosexuelle diskriminiert? Vielleicht bedingt, aber eigentlich hat es Pirro auf eine Parodie von Schwulenfeindlichkeit abgesehen. Wie in seinem Folgewerk, so wird auch hier deutlich Kritik am Christentum geäußert. Aus deren hass-schürender Perspektive wird die Homosexualität als Infektion bezeichnet, die, albern wie der Streifen nun einmal ist, erst mit einem Vibrator im Po ausgetrieben werden muss, eingehämmert wie dem Vampir der Pflock ins Herz. Klingt sexuell sehr provokativ, aber keine Sorge, hier wird alles nur angedeutet. Irgendwelche Pornoszenen muss man hier nicht erdulden.


Nun hätten wir bereits den Werwolf- und den Vampirfilm im Parodiebereich. Die alleine reichen Pirro jedoch nicht, und so darf man noch eine sehr lustige Parodie auf „Der Exorzist“ genießen. So wird statt Weihwasser der Befallene z.B. mit Bier beträufelt, weil dies so ein knallhartes Männergetränk ist. Fahre hinaus, Satansweib, werde wieder ein richtiger Mann! Herrlich!

Der Darsteller des Larry weiß beide Gesichter auch wunderbar zu verkörpern. Als der „normale“ Larry hat er Machoseiten an sich, ist aber eigentlich ein dürrer, rückratloser Hanswurst mit aufgebauschtem Selbstbewusstsein (was seine Versuche alle davon zu überzeugen nicht Gay zu sein um so witziger wirken lässt). Als Transvestit beweist er gleiche Spielfreude und Mut zur Weiblichkeit. Seine Stimme bekommt den passend hellen Ton, seine Bewegungen orientiert er stark am anderen Geschlecht, und er albert weiter fleißig herum.


Politisch korrekt ist das alles nicht. Denn auch wenn der Film deutlich den Homo-Hass veralbert, so macht er sich über Transvestiten doch ebenso lustig wie über deren Feinde. Irgendwie parteilos wirft Pirro einfach mit Albernheiten in jede Richtung, trifft dabei manchen Nerv (jener zum Vorurteil und jener zum Kritiker in Dir). Und das Wort Albernheiten nutze ich hier bewusst. Denn Pirro betreibt zwar Gesellschaftskritik, aber diese soll gar nicht erst Zentrum des Gesehenen werden. Es wird sehr deutlich, dass Pirro und seine Mannen einfach nur lustig sein wollten und sich mit ihren Zoten einfach mal ausgetobt haben.


Den Massengeschmack trifft man mit so etwas nicht, aber das sollte später bei „Nudist Colony Of The Dead“ auch nicht der Fall sein. Ein solcher Film wurde nicht gedreht um Geld zu machen. Und das sieht man ihm auch an. Er ist ehrlich, hat keine Angst irgendwen zu verletzen und setzt seine Idee konsequent um (tolle Szene wenn die Liebhaber der vergangenen Nacht Präsente schicken).


Der Aufhänger der Geschichte weiß einen kompletten Film diesmal allerdings nicht genauso gut zu füllen, wie jener des Nachfolgers. Und so kommt trotz aller Witzigkeit beim Anschauen hin und wieder der Wunsch auf, der Film möge sich doch so langsam mal dem Ende zuwenden. Dies entsteht auch durch das häufige Anwenden von Running Gags, denen ein wenig zu viel gefolgt wird. Wobei es auch in diesem Bereich großartige Witze gibt, wie beispielsweise die ewig brennenden Fackeln der von ihrem christlichen Glauben „beauftragten“ Transvestitenjäger.


Die Schwächen seien einer Amateurproduktion verziehen. Freunde des anderen Geschmacks können also ruhig einmal reinschauen, ebenso wie Menschen, die offen für Neues sind und nicht hinter jeder politischen Unkorrektheit direkt Hass-Propaganda vermuten.


BABY BLOOD (1989 Alain Robak)



Ein Parasit, dem die Geburt bislang verweigert wurde, nistet sich in dem Körper der jungen Yanka ein, damit sie ihn gebärt. Yanka kann mit dem unheimlichen Wesen kommunizieren und um es zu ernähren muss sie Blut organisieren. Das ungeborene Baby hat sie in der Hand. Es besitzt die Macht sie sterben zu lassen, wenn sie sich weigert mitzumachen...


Da kann auch die Supernanny nicht helfen...

Eine gewollt widerliche Krächzstimme stimmt in das folgende 90-minütige Geschehen ein. Die Stimme, die wir als Zuschauer hören, ist die eines bösartigen Wesens, welches seit Entstehung der Erde das Recht verwehrt bekommen hatte geboren zu werden. Nun in den 90ern ist es so weit. Das Parasiten-Wesen nistet sich im Körper einer jungen Frau ein und wartet auf seine Geburt. Die befallene Frau kann mit dem Vieh in ihr kommunizieren und muss sich nun langsam daran gewöhnen Blut zu trinken, denn so ein nimmersatter Parasit will genährt werden, bis es zur Geburt kommt. Ein Weigern wird mit Schmerzen bestraft, die Frau hat keine andere Wahl. Selbstmord lohnt sich auch nicht, der Parasit hat die Macht, und wenn es mal nötig ist, lässt er sogar das stillstehende Herz neu schlagen.

Sonderlich abwechslungsreich ist die Geschichte nicht erzählt. Die Frau wird befallen, benötigt von nun an Opfer und das so lange, bis am Ende das Wesen geboren wird. An einer solch dünnen Story sind schon einige Filme eingegangen. Oftmals versucht man solche Werke mit einem ordentlichen Blutgehalt über Wasser zu halten. Doch das allein kann nicht reichen. Das wussten die „Baby Blood“-Verantwortlichen scheinbar auch. Sie sparen zwar nicht mit Blut (einige Szenen suhlen sich geradezu im Lebenssaft), aber man achtete auch auf andere Elemente.

So erfährt z.B. das dominante Verhalten des Parasiten mit der Zeit eine Wandlung. Monate lang im Bauch der Wirtin weiß diese sich mittlerweile zu wehren. Der Parasit merkt, dass er Kompromisse eingehen muss, immerhin will er geboren werden. Die Frau lässt sich längst nicht mehr alles gefallen wie zu Beginn des Befalls. Der Parasit ist weiterhin der stärkere Part, aber die Frau hat mit der Zeit herausgefunden, wie sie sich etwas Freiraum erkämpft. Kurz vor der Geburt kommt es sogar zu einer symbiotischen Partnerschaft. Der Parasit nimmt nicht mehr nur, er schenkt der Frau auch amouröse Gefühle, wenn er sich in ihr bewegt.

Überzeichnete Charaktere sollen ebenfalls dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird. Mit dieser Zutat hat sich Regisseur Robak meiner Meinung nach allerdings ins eigene Fleisch geschnitten. Denn diese in Gewalt, Lust und Aggressionen überdrehten Figuren wollen meist nicht wirken. Und wie die Begegnung mit ihnen endet ist ohnehin vorhersehbar. Mit jedem zeitlichen Sprung wird die Wirtin hemmungsloser, Opfer besorgen ist Routine geworden. Jeder Mensch, der näheren Kontakt zu ihr hat, erleidet das selbe traurige Ende.


Das ist etwas lahm, ein Aufpeppen der Charakterzeichnung klingt da theoretisch konsequent. Als nichtssagende Allerweltsgesichter wäre mir das Leid der Opfer allerdings wesentlich näher gegangen, hätten sie dann doch wenigstens eine realistische Ausstrahlung gehabt. Der Film ist nie ganz ernst erzählt, sein Humor ist aber großteils zurückhaltender Natur, so dass die völlig überzeichneten Randfiguren auch kein Alibi für diesen Bereich wären. Ohnehin verkommt „Baby Blood“ nie zur Horrorkomödie, dafür bekommt das Werk immer noch schnell genug den Bogen.

Die Kommunikation zwischen Parasit und Wirtin und das Erhaschen der Beute sind die beiden erzähltechnischen Trümpfe des Filmes, diese machen ihn so sehenswert. Es gibt interessante Dialoge, bluttriefende Aktionen und die innerliche Verzweiflung der Protagonistin, die mit der Zeit schrittweise abstumpft, ist ebenfalls gut eingefangen. Wenn man bedenkt gegen was diese Pro-Punkte in „Baby Blood“ zu kämpfen haben, ist es erstaunlich dass sie es schaffen, damit einen ganzen Film halbwegs zu tragen.


Was dem ollen Werk nämlich fehlt ist eine ordentliche Portion Spannung. Weder kurze Momente aus der Sicht der Opfer sorgen für den nötigen Nervenkitzel, noch die Situation der Hauptrolle. Anstatt auf die naheliegende Logik zur Spannungsentstehung zurückzugreifen und zu zeigen, dass mit jedem Mord die Situation für die Frau schwieriger wird, wird die besagte Logik einfach über Bord geworfen und ignoriert. Unsere „Heldin“ hinterlässt offiziell nie Spuren (obwohl das kaum möglich ist bei ihrer Herangehensweise), sie wird nie gesehen, die Polizei wird nie auf sie aufmerksam. Das gesamte Gebiet einer möglichen polizeilichen Verfolgung wird sogar komplett totgeschwiegen. Nicht einmal in einem Nebensatz findet dieser naheliegende Subplot eine Erwähnung. Das raubt der Geschichte einiges an Potential.

Völlig zur Unterhaltungsroutine verkommt „Baby Blood“ letztendlich im Finale. Nun ist das Baby endlich geboren. Ein Spannungsbogen um das Aussehen der Kreatur wird aufgebaut, und die nach Monate langer Pein befreite Wirtin kann auch erstmals eigenen Gedanken nachgehen, ihre eigene Situation und Person überprüfen. Bis hier hin ist die Welt für den Filmfan noch in Ordnung.

Dann entscheidet sich der Drehbuchautor aber das Ende in einem Bus spielen zu lassen. Wo in anderen Szenen einzelne Randfiguren mit ihrer unechten und nervigen Art noch zu ertragen waren, erstickt man nun in einer Szene mit einem Haufen lüsterner Menschen, die in ihrem zu konstruiertem Erscheinen einfach nicht mehr zu ignorieren sind. Zwar wird augenzwinkernd damit die Opferrolle der Hauptfigur noch einmal verdeutlicht, Opfer selbst nach der Parasitenbefreiung (und man muss hinzufügen, dass sie bereits vor dem Parasiten im Zirkus diese Rolle vom Leben zugeschrieben bekommen hatte), aber dann hätte man vielleicht einen Gefängnisbus nehmen sollen, um wenigstens einen Hauch Realität, wenn auch auf Klischeenährboden angebaut, entstehen zu lassen. Zwar ist die von mir kritisierte Szene gewollt grotesk überzeichnet, es fruchtet jedoch nicht.


Bis es zum unspektakulären Ende kommt erlebt man als Zuschauer also nun die unangenehmste Szene des Streifens, was das ohnehin schon wackelige Werk nun endgültig gewöhnlich wirken lässt, obwohl es dies ja erzähltechnisch eigentlich gar nicht ist. Horrorfans sollten trotz alledem reinschalten, zumindest wenn sie nicht nur die US-Waren konsumieren wollen. „Baby Blood“ sieht man seine europäische Herkunft an allen Ecken und Enden an. Deutlich wird dies z.B. stark in der völlig unerotischen Erzählweise. Obwohl wir nackte Tatsachen sichten und auch der Opferfang häufig durch den Weg der Verführung stattfindet, ist „Baby Blood“ nie prickelnd oder sexuell provozierend. Der Europäer sieht in diesen Punkten nun mal eine viel natürlichere Sache als der Amerikaner.


Trailer,   OFDb

DIE KÜHE SIND LOS (Home On The Range 2003 William Finn u.a.)


Um den Bauernhof, auf dem sie leben, vor dem finanziellen Ruin zu retten, ziehen drei Kühe los, um das nötige Geld aufzutreiben. Die Belohnung zum Einfangen eines Gauners würde exakt die Summe betragen, welche die Rindviecher zur Begleichung der Schuld benötigen würden...


Das geht auf keine Kuhhaut...

Fast könnte man losschimpfen und behaupten, es sei gut, dass nach „Die Kühe sind los“ die Disney-Studios für handgemalte Zeichentrickfilme geschlossen wurden. Der letzte Disney-Trickfilm seiner Art ist ein trauriger Anblick, eine Gurke seines Genres.

Unweigerlich kommt mir Mel Brooks legendärer „Frühling für Hitler“ in den Sinn, in dem ein Mann ein Theaterstück absichtlich schlecht gestaltete, damit es floppt. Man bekommt das Gefühl, dass „Home Of The Range“ (Originaltitel) gar keine Chance gegeben wurde, so als hätte man den Mist nur produziert um Unnötiges loswerden zu können. Aber dies wird wohl kaum der Grund sein.

Bei näherem Hinsehen fällt nämlich auf, dass der Trickfilm um die drei Kühe komplett berechnend angegangen wurde, was wiederum typisch für die Disneystudios ist, spätestens seit der 90er Jahre. Zwar gehört „Die Kühe sind los“ eher zu dem Randbereich der Disney-Trickfilme mit frecher Komik, einer Gattung Animationsfilm, die kleiner gehalten wurde als die großen Genrebeiträge und die großartige Werke wie „Ein Königreich für ein Lama“ und „Lilo und Stitch“ hervorgebracht hat, das Niveau seiner gleichrangigen Brüder erreicht der hier besprochene Film jedoch nicht. Dafür ist er, wie erwähnt, zu berechnend.

Zwar können die Zeichnungen selbst noch immer überzeugen, dank schablonenhafter, liebloser Charakterzeichnung wird man mit den hübsch animierten Hauptfiguren jedoch nie warm. Eine ähnliche Figurenkonstellation gab es schon in „Chicken Run“, und selbst da war das Rezept nicht neu. Die Geschichte erinnert phasenweise an den eher unbekannten „Rover und Daisy“ und die Geschichte um Verzweifelte, die dringend Geld auftreiben müssen wurde bereits im Kinofilm der „Brady Family“ deshalb eingebracht, weil es mittlerweile eine häufig verwendete Klischee-Story ist, die parodiert gehörte. Einfallsreichtum sieht jedenfalls anders aus.

Berechnend ging man auch in anderen Bereichen vor. So wie es die Hitparade des Entstehungsjahrzehnts und die vielen Disneywerke selbiger Zeit vorgemacht haben, darf man in „Die Kühe sind los“ selbstverliebten Gesang erleben, der sich nicht auf die Schönheit seiner Melodie oder den Inhalt der gesungenen Worte konzentriert, sondern einzig und allein auf das Talent und die Geltungssucht des gerade Singenden. Ein Ausnahmesong wie die humorvolle Variante eines „Old MacDonald Has A Farm“ wirkt hingegen verkrampft und peinlich unwitzig, ist das Einbringen dieses Liedes doch nur der verzweifelte Akt etwas Themenverwandtes aus der Kultur herauszukratzen, um besonders frisch und kreativ zu wirken.

Da „Shrek“ und Co derzeit so erfolgreich waren, springt man ganz berechnend natürlich auch hier auf den fahrenden Zug mit auf, und versucht mit halbgaren coolgewollten Wortspielen rund um Milch und Butter die Aufmerksamkeit des Jugendpublikums zu erbetteln. Aber selbst wenn man die Humorrichtung verstanden hätte, so wäre immer noch die viel zu kindgerechte und viel zu banale Geschichte im Weg gewesen, um jenes Publikum zu erreichen. „Die Kühe sind los“ ist derart krampfhaft auf Erfolg konstruiert, dass es echt nicht mehr wundert, dass er gefloppt ist. Dass die Disney-Studios daraufhin glaubten, es läge am klassischen Verfahren und nicht an der erbärmlichen Umsetzung, passt wiederum zu der berechnenden Art.

Es ist schade, wenn im Wort Filmgeschäft nur noch der letzte Teil Beachtung geschenkt bekommt. Dass alles nur Geschäft ist, zeigt sich letztendlich aber auch in der realsatirischen Haltung des Konzerns, eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit der größten Hamburgerkette der Welt zu haben, im hier besprochenen Film allerdings gleichzeitig Mitleid und Sympathie für Rindviecher beim Zuschauer zu erhoffen. Um den hier von mir angerissenen Kritikpunkt für voll zu nehmen, bin ich allerdings nicht Öko genug.



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TOOTH AND NAIL - DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT (Tooth And Nail 2007 Mark Young)



Die Zukunft: Die meisten Menschen sind verhungert, wer noch lebt sucht verzweifelt Nahrung. Eine kleine Gruppe Menschen organisiert sich dort, wo die Masse der Hungernden aus Essensmangel bereits verschwunden sind. Eines Tages droht jedoch eine neue Gefahr. Eine Bande von umherziehenden Kannibalen ist auf die Gruppe aufmerksam geworden. Nun heißt es kämpfen oder gefressen werden...


Die Kannibalen kommen...


„Tooth And Nail“ ist ein zweischneidiges Schwert. Er präsentiert gute Ideen, baut in seiner Inszenierung jedoch relativ viel Mist. Und damit meine ich nicht einmal die Amateurfilm-Atmosphäre dieses eigentlich professionell produzierten Filmes.


Die Einleitung, in der uns der Grund des Untergangs der Zivilisation erklärt wird, ist bereits ein solcher Punkt. Irgendwie ist er mit seiner gewagten Idee mutig zu nennen, trotz Erwähnung der Details wirkt der Grund andererseits nicht gerade glaubwürdig. Dennoch kann man diesen Bereich eher zu den gelungenen des Films zählen. Schließlich ist „Tooth And Nail“ Trivialunterhaltung auf Groschenroman-Niveau, was soll ich da Shakespeare erwarten?

Youngs Werk wird nicht gerade viel gekostet haben, und da fast alles in einem Gebäude spielt, war es auch nicht schwer mit so wenig Geld eine glaubhaft verlassene Welt darzustellen. Eine glaubhafte Hoffnungslosigkeit kommt leider nie auf, was meiner Meinung nach auch an den Charakteren liegt, die einfach zu sehr an „Aliens“, „Matrix“ und wie die Filme mit den Proll-Gruppierungen auch alle heißen mögen, erinnern. Interessante Figuren darf hier suchen wer will, die gibt es, wenn überhaupt, auf der Seite der Kannibalen. Die kommen charakterlich wiederum zu kurz, als das wirklich ein Einzelner auf sich aufmerksam machen würde, ist aber auch nicht schlimm. Im Gegenteil, die Kannibalen als anonyme Gruppe brutaler Bestien wirkt, und die comichafte Übertreibung ihrer Statur, Waffen und drögen Organisation ist so eigentlich genau richtig eingebracht.


Ein Nachteil von „Tooth And Nail“ ist sicherlich die zu vorhersehbare Wende 30 Minuten vor Schluss. Man muss schon 60 Minuten geschlafen haben, um diese „Überraschung“ nicht zu erahnen. Viel kaputt macht es an der eigentlichen Atmosphäre nicht, positiv wirkt so etwas auf einen Film mit Thrill andererseits auch nicht.


Viel ärgerlicher ist die Figurenzeichnung der Heldin, die wie üblich zur heutigen Zeit, einen nervig politisch korrekten Charakter beschert bekommen hat, vergleichbar mit der Hauptfigur aus dem „Dawn Of The Dead“-Remake. Wer seinen Arsch auf Ego-Nummer retten will, wird von der Heldin überredet anderen doch zu helfen, mit dem Ergebnis, dass die Überredeten zu Opfern werden. Das zeigen aktuelle Filme häufig, bemerken aber gar nicht, dass sie der politischen Korrektheit damit die Luft rausnehmen. Sie kritisieren diese moderne Fragwürdigkeit nicht, die in den 80er Jahren begann unserer Gesellschaft den Kopf zu verdrehen. Solche Filme glauben an das Gute dieses Systems und bemerken ihren Widerspruch nicht. Dies verärgert und amüsiert zu gleich, macht aus „Tooth And Nail“ mit seiner eigentlich reizvollen Grundidee zum Glück aber auch kein komplett unfreiwillig komisches Kasperletheater.

Peinlich wird es erst gegen Ende, wenn die Hauptrolle meint sich als Kämpferin nun ihr Gesicht zur Tarnung und als Zeichen des Kampfgeistes bemalen zu müssen. Im Finale wird aus der ach so korrekten Dame plötzlich eine Kämpferin ohne Gnade und ethischen Richtlinien. Zur Rache und zum Selbstzweck darf nun der Spieß umgedreht werden, jedoch erneut nicht um dem politisch korrekten Weg den Stinkefinger zu zeigen, sondern einfach um unüberlegt Genrevorbildern zu folgen.


Ich denke das Hauptproblem solcher Widersprüche liegt darin, dass mittlerweile eine Generation von Filmemachern entstanden ist, die mit ihrem Lieblingsmedium groß geworden sind. Nun fragt man sich nicht mehr, wie man welche Aussage mit welchen Stilmitteln einsetzt, man fragt sich nur noch, wie kann ich das, was ich selber gut fand, auf ähnliche Art in meinen eigenen Film einbauen. Die Cleveren, wie Tarantino, nutzen ihre private Erfahrung mit dem Kino für eine Weiterentwicklung, die Dummen wie Mark Young, Oliver Hummel und wie sie alle heißen, begreifen nicht einmal, dass ihre Vorbilder wichtige Aussagen tätigen wollten. Man klaut den Effekt, aber nicht den Geist dahinter. Und das lässt „Tooth And Nail“ in seiner Gesamtheit so erbärmlich wirken.


Man kopierte „Zombie“ und viele andere Genrebeiträge, will aber keine Aussage tätigen. Man will auf nichts aufmerksam machen, sondern schlichtweg unterhalten. Gut gemacht kann man diese Haltung sicherlich akzeptieren, denn wie oben erwähnt will der Film nun einmal nur ein Trivialwerk sein. Bedenkt man aber all die vernachlässigten Möglichkeiten die man mit dieser so simplen Idee hatte, und fügt man dann noch die unnötigem Fehler in der Umsetzung hinzu, dann kann man zu Recht über dieses eigentlich passable, wenn auch zu spannungsarme, Routineprodukt maulen.


VERGISS MEIN NICHT (Eternal Sunshine Of The Spotless Mind 2004 Michael Gondry)


Die Beziehung zwischen Joel und Clementine ist beendet. Joel muss frustriert feststellen, dass Clementine sich mit einem neuen operativen Verfahren alle Erinnerungen an ihn hat löschen lassen. Auch Joel lässt sich auf besagte Operation ein, doch während der Prozedur merkt er, dass es schön wäre, wenn seine Liebste doch nicht ganz vergessen wird. Im Schlaf liegend versucht der gute Mann die Clementine in seinem Kopf vor der Löschung zu retten...


Betäubt anstatt geheilt...


„Vergiss mein nicht!“ ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmefilm. Das beginnt damit, dass er ein Science Fiction ist, der in der Gegenwart spielt. Dieses Genre sieht man ihm zunächst gar nicht an. Es dauert, bis es sich herauskristallisiert, und selbst dann setzt der tragikomisch konzipierte Film seinen Hauptschwerpunkt auf Romantik, eine Seltenheit im Science Fiction-Bereich.

Manch einem mag dieses Rezept auf dem Papier nicht schmecken, jedoch schafft es Regisseur Michael Gondry die Romantik niemals kitschig erscheinen zu lassen. Sie ist nur Beiwerk eines  lebensbejahenden Filmes, was wiederum auch eine seltene Eigenschaft eines Werkes dieses Genres ist, erst recht wenn man bedenkt, dass die Grund-Thematik deutlich gesellschaftskritisch geprägt ist.

Es ist besser unglücklich geliebt anstatt nie geliebt zu haben. Dies ist ein berühmter Satz, und er könnte Grundlage gewesen sein, ist eine Kernaussage des Films doch die, dass Erinnerungen, auch jene schmerzhafter Natur, wichtig für uns Menschen sind. Wenn der Schmerz vergeht bleibt vieles Gutes in Erinnerung. Aber auch der Heilungsprozess kann nur mit Hilfe von Erinnerung stattfinden. Diese Theorie des Filmes findet sich zumindest zwischen den Zeilen, wenn man als Zuschauer resümieren darf, dass niemanden nach der Operation geholfen war.

Leer laufen die Geheilten durch ihren Alltag. Irgendetwas bedrückt sie, aber sie wissen nicht was. Das Problem ist aus ihrer Erinnerung gelöscht. Wie will man über etwas hinwegkommen, was einem nur noch unterbewusst quält? Nicht zu vergessen der Aspekt, dass man ohne sich an seine Fehler zu erinnern auch nicht aus ihnen lernen kann. Dieser Bereich blitzt gar auf positive Art auf, wenn man beobachten darf, wie sich die Liebenden instinktiv nacheinander sehnen, und da reden wir nicht nur von den von Jim Carrey und Kate Winslet verkörperten Hauptfiguren.

An der Besetzung gibt es nichts zu meckern. Es fällt etwas auf, dass Kirsten Dunst eher mit gutem Aussehen anstatt mit Schauspieltalent glänzt. Aber ihre Rolle ist relativ klein und auch so angelegt, dass ihre Defizite nicht auffallen. Letztendlich muss sie ohnehin das naive, gedankenlose Ding spielen, welches sie wohl auch privat nach Pressemeldungen zu sein scheint.

Ansonsten sind nur Profis am Werk. In einer kleinen Rolle erleben wir den einstigen Kinderstar Elijah Wood, der mittlerweile seit „Herr der Ringe“ auch der Masse etwas sagt, und er agiert einmal völlig anders. Kate Winslet beweist auf ein neues, dass sie sich nicht nur äußerlich sondern auch durch ihr Talent von anderen erfolgreichen Frauen Hollywoods unterscheidet. Passend zum Gesamteindruck des Films spielt sie glaubhaft realistisch, geradezu natürlich. Jim Carrey hat für Kalauer nur wenig Szenen und beweist mal wieder wie viel in ihm steckt, so dass sich „Vergiss mein nicht!“ sorglos in die Schlange seiner besten ernsteren Werke wie „Truman Show“ und noch mehr „Der Mondmann“ einreihen kann.

Regisseur Michael Gondry, der es in seinem Vorgängerfilm „Human Nature“ noch nicht schaffte sehr phantastische Ideen, Satire, Kritik und auch Groteske kompromisslos unterhaltsam umzusetzen, schafft mit „Vergiss mein nicht!“, einem nicht weniger inhaltlich außergewöhnlichen Film, ein Vorzeigewerk zu kreieren, von dem viele Filmschaffende lernen können. Umso enttäuschender ist, was er später mit „Abgedreht“ abgeliefert hat, spielte doch auch dieser Film mit einer interessanten Idee, wenn auch nicht mit der Klasse und Vielschichtigkeit von „Human Nature“ und dem hier besprochenen Film.

An beiden Werken war Charlie Kaufman als Drehbuchautor und Ideengeber beteiligt, jenem Mann, der die Cineasten schon 1999 mit seinen ungewöhnlichen und fast filmuntypischen Ideen in „Being John Malkovich“ überraschte. Dieser eigentlich recht gute Film hatte jedoch noch Ecken und Kanten, an denen geschliffen werden mussten, vielleicht weil die Figuren dort so grotesk erschienen wie die Erlebnisse selbst. Mag sein dass ich „Vergiss mein nicht!“ auch deshalb als einen Schritt nach vorne verstehe. Denn trotz der irrsinnigen Idee, auf welcher Gondrys Film aufbaut, sind seine Figuren doch alle griffig, und ideal als Identifikationsfiguren geeignet.

Es sind Außenseiter und Normalos zugleich. Und ihre Probleme, Wünsche, ihre Gesprächsthemen und ihren Alltag kann man alles nachvollziehen. Parallelen zum Publikum sind genügend vorhanden. Und gerade dieser Aspekt beweist die sensible und feinfühlige Ader des Streifens. Sie zeigt sich ebenso im Verzicht jeglichen Klischees. Es zeigt sich in der wohligen Dosierung von Spannung, Dramatik und Humor, ohne je in eine Extreme zu rutschen. Gerade der reißerische Bereich findet keinerlei Niesche. Aber die Menschlichkeit, welche die Seele des Zuschauers wiederspiegelt, bleibt eine Rezeptur die nicht von irgendwem kopiert werden kann. Alltägliches, vielleicht auch Selbstverständliches, natürlich zu greifen beherrscht man als Geschichtenerzähler entweder oder eben (noch) nicht.

Nur an wenigen Stellen zeigen sich Schwächen. Am deutlichsten in einer Szene, die in einer Kindheitserinnerung von Joel spielt. Hier hätte der Film in falschen Händen schnell in eine alberne Komödie abrutschen können. Gondry verliert sich glücklicherweise lediglich für einen kurzen Augenblick in diese Richtung, fasst aber schnell genug wieder Fuß. Es scheint an Regie, Jim Carrey und vielleicht auch dessen deutsche Synchronstimme zu liegen, dass diese Szene etwas albern wirkt. Denn rein vom Dialog ist der Text nah am Denken und Sprechen eines Vierjährigen orientiert.

Nicht nur hier erkennt man das Verständnis der menschlichen Psyche. Auch jene Kindheitserinnerung, welche Joel glaubt überwunden zu haben, weist psychologische Raffinesse auf. So erwachsen und weiterentwickelt man sich auch fühlt, die Dämonen der Vergangenheit wissen einen noch immer zu beeinflussen, so gezeigt in einer Szene, in welcher Joel beschließt sich nicht mehr von seinem ehemaligen Peiniger erniedrigen zu lassen, um sogleich in das alte Muster zurückzufallen.

Für einen Science Fiction fast schon untypisch ist auch die eher unauffällige Verwendung von Spezialeffekten. Ohnehin scheinen sie relativ selten verwendet zu werden. Simple Kniffe wie das plötzliche Ausblenden von Passanten wissen als Verdeutlichung des Löschvorgangs ebenso emotional zu funktionieren, wie der noch simplere Kniff Clementine auf dem Eis ins dunkle Schwarz zu ziehen. Erstaunlich dass dieser besonders banale Effekt mit am besten zu schockieren weiß.

Bei all den positiven Worten über ein Werk, das sich in vielerlei Hinsicht, gerade auf sein Entstehungsland betrachtet, mit dem etwas abgenutzten Begriff Ausnahmefilm kleiden darf, bleibt doch am erstaunlichsten die Glaubwürdigkeit dieser Erzählung zurück. Gondry und Kaufman passieren keine Schnitzer. Die skurrile Grundidee ist glaubwürdig umgesetzt und lässt auch im Bereich der Logik nichts zu wünschen übrig. Der Grund warum Joel sich seines Zustandes und aktueller Geschehnisse bewusst ist, wird ebenso aufgearbeitet, wie der Aspekt warum Joel und Charlotte aufgrund einer Abmachung im realen Leben aufeinander treffen, obwohl die Verabredung lediglich in Joels Kopf getroffen wurde. In solchen Punkten orientiert sich der Film jedoch an ein aufmerksames Publikum, denn die Begründungen dahinter werden einem anhand simpel scheinender Nebensächlichkeiten präsentiert, so dass einem der Sinn mancher Geschehnisse nicht auf dem silbernen Tablett serviert wird.

„Vergiss mein nicht!“ ist eine Geschichte, die es all jenen noch einmal zeigt, die jammern es hätte schon alles gegeben und man könnte nur noch kopieren und variieren. Kaufmans Idee ist das wofür Kino gemacht wurde, auch wenn man sich vor Sichtung kaum vorstellen kann, wie eine solche Geschichte mit dem Medium Film überhaupt einzufangen ist. Gondrys Werk ist sensibel, witzig, spannend und dramatisch. Er ist tiefsinnig, poetisch, philosophisch und lebensnah. Er ist lebensbejahend und überrascht damit Stellung zu beziehen. Wer vom gängigen Popkornkino-Rezept noch nicht abgestumpft ist, wird sich freuen einen Film zu erleben, der nicht nur auf der Unterhaltungsebene prima, da relativ manipulationsfrei funktioniert, sondern einen emotional sanft an die Hand nimmt und bereichert.



DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL (1967 Harald Reinl)



Ein Mann und eine Frau bekommen eine Einladung in das Schloss des Grafen Regula. Dieser sollte aber eigentlich tot sein. Nicht nur die Neugierde, auch persönliche Gründe veranlassen die beiden dazu, dennoch der Einladung zu folgen...



Was Hammer kann, kann Deutschland schon lang – oder etwa doch nicht?


Harald Reinl mag ja im Bereich des Gruselkrimis sowohl innerhalb der Wallace-Reihe („Der Frosch mit der Maske“, „Die Bande des Schreckens“) als auch außerhalb dieser („Der Würger von Schloss Blackmoor“, „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“) ein kleines Talent sein. Sein ungewöhnlicher Erzählstil verursachte immerhin eine Welle an unzähligen Kopien, und seine Werke wissen auch heute noch, jenseits unfreiwilliger Komik (wenn auch nicht komplett ohne) zu unterhalten. Aber was hat den Mann bloß geritten sich an einen Horrorfilm zu wagen?

„Die Schlangengrube und das Pendel“, angelehnt an den Kinoerfolg „Das Pendel des Todes“ (aufgrund seines plumpen Anliegens kann man diesen Vergleich wohl eher ziehen, anstatt sich an die, dem Vergleichfilm zugrunde liegende, literarischen Vorlage Poes zu klammern), ist eine filmische Unverschämtheit in den Augen des ernsthaft Horrorfilm konsumieren wollenden Genrefans. Wie so oft in solchen Fällen ist er zudem ein Glücksgriff für den Trashfan.

Was Reinl uns hier vorsetzt, in einer Geschichte die fast nichts mit der Poe-Vorlage zu tun hat, ist so unglaublich plump, dass es einem schwer fällt die richtigen Worte zu finden. Die Kulissen sind schlicht, sie und ihr Inventar (innen) und die Landschaften (außen) versprühen das Niveau eines Geisterbahn-Besuchs. Gemalte Hintergründe können ihre Herkunft nicht verschleiern. Man bekommt sogar den Eindruck als wolle man dies auch gar nicht. Die Deko erinnert an einen Besuch im Gothic-Shop. An Charme fehlt es nicht, versucht man doch krampfhaft klassische Elemente einzubringen. Totenschädel, Folterinventar, der finstere Wald, die Kostüme, das Schloss, das ominöse Amulett, ja sogar die Geschichte selbst mit ihrem wiedererweckten Grafen, ominöse Fremde die so schnell verschwinden wie sie erschienen sind, zwölf tote Jungfrauen, lange Kutschfahrten, ein unheimlicher Diener, ängstliche Bauern, unheimliche Gestalten im Wald, Falltüren, alles soll klassisches Gruselfeeling entstehen lassen, nichts davon zündet ernsthaft.  

Die eben aufgeworfene Frage, die gemalten Kulissen betreffend, kann man eigentlich auf den kompletten Film beziehen. Wollte man diese Billigkeit überhaupt verschleiern? Oder ist dieser Trash pure Absicht? Immerhin macht der Soundtrack von Peter Thomas, dem Mann der damals einen Großteil deutscher Produktionen musikalisch untermalen durfte, ebenfalls den Eindruck, dass alles mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Der Stil Thomas’ Musik ist sich meist ähnlich, da aber Ausnahmen die Regel bestätigen, kann man eigentlich den Gedanken ausschließen, Thomas könne nur in eine Musikrichtung befriedigende Arbeit leisten und läge mit seiner Komposition für einen Horrorfilm nun völlig falsch. Seine auf lustig getrimmten Gruselklänge, die ebenfalls Geisterbahnfreuden versprühen, scheinen beabsichtigt zu sein. Klar, es war der Sound seiner Zeit, vielleicht werde ich hier von unfreiwilliger Komik geblendet und sehe sie als gewollt an. Sieht man aber all das Unvermögen, welches der Film dem Konsumenten vor die Füße wirft, fühlt man sich einfach bestätigt. Dieser Film KANN doch nur Augenzwinkerei sein. Vielleicht ist es aber auch nur die Angst eines Review-schreibenden Cineasten, irgendein Hirn könne dies alles ernst meinen, was man hier vorgesetzt bekommt.

Nun, alles kann sicherlich nicht gewollt sein. Lex Barker spielt untalentiert wie immer, die endlose Kutschfahrt von etwa einer halben Stunde Laufzeit erlebt keine Höhepunkte, auf solche Fehler setzt gewiss niemand, der bewusst Trivialität auf die Leinwand zaubern will. Auch die sehr erbärmlichen Dialoge sind wohl kaum beabsichtigt, sie wären aber im Bereich des möglichen Gewollten. Sicherer hingegen scheint die Naivität der Geschichte beabsichtigt zu sein. Anspruchslose Unterhaltung zeigt sich nun einmal durch die schlichtere Umsetzung besserer Vorgaben.

Reinls Rezept geht dennoch nicht auf. Was er übersieht ist, dass andere Trivialwerke Größen kopieren. Er erzählt jedoch die schlichte Version schlichter Vorbilder. Würde er sich an Poe orientieren, könnte sein Rezept aufgehen. Aber wer sich am Stil der Wallacefilme orientiert und die bereits trivialen Hammerstudio-Produktionen auf billigere Art umsetzen will, der hat nicht verstanden was gewolltes Schundkino braucht. Und das macht den Film auch in seiner gewollten Plumpheit zunächst so unbefriedigend.

Aber das macht den Bereich der unfreiwilligen Komik so faszinierend. Sie lässt nicht nur schlechte Filme, die gerne großes Kino wären, lustiger erscheinen, sie schafft selbiges bei „Die Schlangengrube und das Pendel“. Jahre nach seiner Entstehung, zu einer Zeit in der mit der Gruppe der Tashfans eine völlig neue Art Filmfan ehemalige Kinokost konsumiert, da wird sogar schlecht erzählte freiwillige Schlechtigkeit zu einem spaßigen Produkt. Als Horrorfilm eine Niete, als gewollte Trivialunterhaltung wegen seiner Regelmissachtung ebenfalls ungenießbar (man beachte, dass der Film keine Komödie sein wollte, sondern lediglich eine augenzwinkernd erzählte Horrorversion), als Volltrash ist er heutzutage aber ein kleiner Geheimtip. „Die Schlangengrube und das Pendel“ kann sich mit „Invasion der Bienenmädchen“ und „Die Rache des Würgers“ zu den treffenden Beiträgen der Arte-Trashreihe zählen. Eine echte Genregröße wie „Suspiria“ und Romeros Zombiefilme, die sich unerklärlicher Weise ebenfalls in diese Reihe eingeschlichen haben, ist Reinls Werk nicht, auch wenn vielleicht der ein oder andere naive Genrefan darauf gehofft hat.


Weitere Reviews zum Film: 


Trailer,   OFDb

GINJI DER SCHLÄCHTER (Hitokiri Ginji 2003 Takeshi Miyasaka)


Nach 50 Jahren Haft kommt Soldat Ginji aus dem Gefängnis frei. Einige Jahre nach Kriegsende tötete er aus Rache gegen seinen einstigen Verbündeten Kuroda mehrere Dutzend Menschen. Nun wieder frei wird Ginji von allen Seiten beobachtet: von Kuroda, der mittlerweile ein mächtiger Politiker ist, von dessen Gegnern und von einer Reporterin. Ein junger Südkoreaner freundet sich mit dem wortkargen alten Mann an, nichts ahnend von dessen Vergangenheit, Fähigkeiten und Gegnern...


Helden kennen keine Rente...

Irgendwo sympathischer Schurke, irgendwo hitzköpfiger Held, so ganz klar lässt sich nicht definieren wo der Charakter Ginji hineinzustecken ist. In jungen Jahren handelte er aus richtigen Prinzipien falsch, 50 Jahre später ist er altersweise und handelt überlegter. Soziale Intelligenz kann man dem kampferfahrenen Mann nicht bescheinigen, verhält er sich doch selbst noch dann ruppig, wenn er zu jemandem gut sein möchte.

Japan braucht keine strahlenden Helden für gute Geschichten, und so ist der Charakter der Hauptfigur ebenso schwer einer Kategorie zuzuordnen wie der Film selbst, der neben Kampfsport und Drama auch Komik durchschimmern lässt, und in einigen Momenten gar kleine Fantasy-Elemente einbringt.

Die Geschichte weist Elemente von „Leon - Der Profi“ ebenso auf, wie von der alten Verfilmung „Karate Kid“. Asia-Experten mögen mir verzeihen. Das japanische Kino ist mir nicht so geläufig, so dass es sicherlich Parallelen zu passenderen Filmen gibt. Und doch sind meine Vergleiche legitim, wenn auch nicht den Kern von „Ginji der Schlächter“ treffend, sondern eher manch inhaltliche Randerscheinungen.

„Ginji der Schlächter“ lebt hauptsächlich von seiner Tragik und rar verstreuten Komik, die ihm, so gut die Kämpfe auch choreographiert und umgesetzt sind, seine schönsten Momente bescheren. Nicht jeder tragische Aspekt ist logisch, gerade gegen Ende, aber mit Abstand betrachtet ist die nett zu guckende Geschichte ohnehin oft unsinnig, was wett gemacht wird über den Charakter Ginjis und seiner rätselhaften Vergangenheit.

Seine lustigste Stelle hat der Streifen meiner Meinung nach, wenn Ginji von einem ihm noch unbekannten jungen Mann etwas zu Essen geschenkt bekommt, und sich im Laufe des ersten Drittels herausstellt, dass besagter junger Mann Südkoreaner ist. „Ach deswegen hat das Essen so komisch geschmeckt!“

Da sich Gut und Böse stets vermischen, kristallisiert sich auch erst mit der Zeit heraus, wer nun der wahre Gegner Ginjis wird. Die Erzählung pendelt hierfür zwischen Gegenwart und Vergangenheit und vereint in einigen Fantasyszenen beide Zeitebenen miteinander. Jung und alt arbeitete man nicht mit Maske heraus, sondern man besetzte schlichtweg einen alten und einen jungen Schauspieler für die jeweilige Zeit, in welcher der Film spielt. Es wurde optisch glaubhaft gecastet, und beide spielen überzeugend, wobei man den alten Ginji schauspielerisch hervorheben muss, ist er doch die talentierteste Person des ganzen Streifens.

 

„Ginji der Schlächter“ ist eine Billigproduktion. Das zeigt sich manches mal in schlichterer Videooptik, aber auch anhand manch mauer Location und einigen schlecht gecasteten Randfiguren. Der übliche Japan-Klamauk, der meist von einer Einzelperson eingebracht wird, erscheint diesmal nur am Rande, verkörpert durch einen erfolglosen Versicherungsvertreter, den man, unlustig wie er auf mich wirkte, ruhig aus der Story hätte streichen können. Die Geschichte hätte ohne große Probleme auch ohne ihn stattfinden können, wird er doch einzig und allein des Klamauk wegen eingebracht.

Der Soundtrack ist simple Routine, die FSK 16 recht blauäugig, wenn man manche Blutfontäne bedenkt, die beim Absäbeln von Armen entsteht. Solche Szenen nötig hat „Ginji der Schlächter“ eigentlich nicht, und da gerade anfangs mit solchen Momenten gearbeitet wird, entsteht zunächst ein falsches Bild. Erst mit Entlassung aus dem Gefängnis zeigt der Streifen sein wahres Ich. Und für ein Produkt seines recht kostengünstigen Niveaus ist das Action-Drama überraschend kurzweilig ausgefallen, lässt ab und an sogar Tiefe erkennen, die sich jedoch im Gesamtbild nicht ganz entfalten kann. Ist aber eh egal, „Ginji der Schlächter“ weiß als simpler Film zu gefallen, und für einen solchen besitzt er dank seines Entstehungslandes ohnehin mehr Transparenz als ein vergleichbares Produkt aus den USA, Kanada oder England.



COLD PREY 2 RESURRECTION - KÄLTER ALS DER TOD (Fritt vilt 2 2008 Mats Stenberg)


Jannicke landet als einzige Überlebende im örtlichen Hospital, in das sich mit etwas Verzögerung auch ihre toten Freunde und die Leiche des Mörders einfinden. Als die Ärzte herausfinden, dass der Killer doch noch Lebenszeichen von sich gibt, wird er reanimiert. Und so dauert es nicht lang, bis er mordend durchs Krankenhaus geistert und Jannicke erneut um ihr Leben bangen muss...


Kälter als Teil 1...

Es ist schön zu sehen, dass man die Darstellerin der Jannicke aus Teil 1 dazu bewegen konnte erneut die Hauptrolle zu übernehmen. Wenn ein Film jedoch aufgrund seines hohen Spannungsbogens, lebensnaher Charaktere und glaubwürdigem Verhalten dieser trumpft, schielt man eher Richtung Drehbuchautor und Regie, um zu überprüfen ob eine Fortsetzung dem Vorgänger gerecht werden kann. Darf man nun zumindest beruhigt feststellen, dass der Drehbuchautor ebenfalls der selbe ist wie in Teil 1, macht lediglich der Regisseurwechsel misstrauisch. Zumindest schraubt man seine Erwartungen jedoch nicht völlig zurück.

Und was soll man sagen, in der Theorie ist die Geschichte der Fortsetzung gar nicht so verkehrt angegangen. „
Cold Prey“ war ein kleiner Überraschungserfolg und einer der wenigen Horrorfilme seit John Carpenters „Halloween“ die mit einem teenagermordenden Psychopaten hohe Spannungsmomente erzeugen konnten. So denke ich mir ist es durchaus legitim sich auch an „Halloween 2“ zu orientieren, wenn es gerade mal einen Tag später im Krankenhaus weitergeht, in welchem sich die Heldin des ersten Teils aufhält.

Der Beginn zeigt auch gleich, dass man den grundlegenden Fehler von Teil 1 nicht wiederholen wollte. Der war nämlich erst dann glaubwürdig, wenn man einmal die Unlogik in der Hotel-Location geschluckt hat. Und so achtete man darauf, dass das Hospital der Fortsetzung zu recht rar besetzt war, dass der Killer aus glaubwürdigen Gründen ebenfalls im Krankenhaus landet und aus ärztlicher Sicht auch zu recht wieder zum Leben erweckt wird. Man achtete darauf dass Jannickes Erzählung nicht zu schnell Glaubwürdigkeit erntet, überrascht damit dass der Rest der Figuren dank Beweise von der Wahrheit dennoch schnell überzeugt sind und sorgte aus guten Gründen dafür, dass die Heldin am Spielort von Teil 2 gebunden ist.

In Anlehnung an das Vorbild „Halloween“ entschied man sich außerdem dafür den Weg des realen Slashers zu verlassen und aus dem Geisteskranken ein Monster a la Michael Myers zu machen. Hierfür wird sein Hintergrund ein wenig beleuchtet, und seine übernatürliche Fähigkeit lässt im Nachhinein auch die einzig theoretische Unlogik der Grundgeschichte sinnvoll erscheinen, dass besagter Mörder doch noch nicht tot war. Da ich die Killer-Horrorfilme persönlich lieber sichte, in denen dem Mörder etwas Übernatürliches umweht, war ich gar nicht böse um diese sicherlich die Geister trennende Entscheidung.

Doch was sich alles recht positiv liest und sich auch im ersten Dialog bestätigt, der mit einer wunderbaren Pointe mit dem Zuschauer spielt, erwies sich bei Sichtung als nüchternes Stück Fortsetzung, das die selben Fehler begeht wie so manch anderes Film-Sequel. Auf dem Cover wird „Cold Prey 2“ in Bezug auf seinen Teil 1 mit Camerons „Aliens“ in Bezug auf dessen Teil 1 verglichen. Und das ist nicht einmal verkehrt. Zwar wird auf dem Cover damit geblendet, dass man die Qualität dieser Fortsetzung als Vergleich nehmen würde, viel eher geht es jedoch um inhaltliche Elemente, die Parallelen aufweisen.

Aus einer spannenden Geschichte wird eine actionlastigere mit mehr eingeweihten Personen als bisher und zu einem späten Zeitpunkt gar mit einer
Horde Polizisten, die dem Killer das Lebenslicht ausblasen wollen. Das passt zum Szenario in „Aliens“, wenn ein Trupp Soldaten gegen die Außerirdischen kämpft und das mit gleichem Ergebnis. Und so wird das Final Girl von Teil 1 zum Final Girl in Teil 2. Und damit wären die Übereinstimmungen im groben auch schon beendet.

Aliens“ war trotz oder vielleicht sogar wegen seiner pompösen Art schlechter als das Original. Aber er war nichts desto Trotz eine gelungene Fortsetzung. Das kann man von „Cold Prey 2“ leider nicht behaupten. Denn in einem Horrorfilm um einen irren, wenn auch übernatürlichen, Killer, kann man nicht mal eben den Nervenkitzel-Bereich durch Actionmomente ersetzen. Und so sehr sich Regisseur Stenberg auch bemüht, er schafft es nicht beides zu vereinen. Was strampelt er sich einen ab Spannung zu erzeugen, aber das will einfach nicht hinhauen.

Die Figuren sind einem viel zu egal, sind sie doch nicht nur oberflächlich sondern auch unglaubwürdig, da lächerlich handelnd. Das zeigt sich am deutlichsten in der Rolle der Krankenschwester, die keinerlei Feingefühl im Umgang mit Patienten entwickelt hat und Jannicke Psychoschocks versetzt, die selbst ein Laie zumindest intuitiv verhindert hätte.

Die natürliche Lustigkeit des Erstlings wird ausgetauscht durch bewusst gesetzte Humorszenen, die zwar das ein oder andere Mal für Lacher sorgen und an einem Punkt der Story eine Zuschauerüberraschung einleiten, aber dennoch mit dem Restfilm nicht eins werden wollen.

Schade auch, dass man sich auf der einen Seite so viel Mühe gab das Szenario des zweiten Teils glaubwürdiger inszenieren zu wollen als das im Vorgänger, man nach Grundlagenabarbeitung dafür im Detail um so unsinniger arbeitete. Die Art wie die Polizisten wann welcher Aufgabe nachgehen ist schon besonders albern zu nennen. Verglichen mit der eben erwähnten Krankenschwester-Situation kann man scheinbar dem Autor unterstellen sich zwar in die Gefühlswelt von Teenagern hineinversetzen zu können (siehe Teil 1), aber keinerlei Ahnung von irgendwelchen Berufen zu haben, die man selbst nicht ausfüllt. Teenager war jeder einmal selbst, aber um andere Berufsgruppen zu verstehen, muss man schon ein wenig in fremder Materie tauchen, und das scheint der Schreiber der beiden Filme wohl nicht für nötig gehalten zu haben.

Mit dieser Rezeptur ist Spannung kaum möglich. Und dass diese selbst im Finalkampf nicht auftaucht, der unsinniger Weise wieder im Hotel statt im Krankenhaus stattfindet, ist auch kaum der Erwähnung nötig, ist im Vorfeld doch schon klar wie der Film sein Ende finden wird, dadurch dass eine weitere Figur neben Jannecke die üblichen Klischeewandlungen und -erfahrungen durchmachen musste, wie sie im Medium Film häufig zu sichten ist.

Trotzdem, nun mit dem Hintergrund auf den nicht ganz menschlichen Killer und den noch ungeklärten Bereichen seiner Person betreffend, kann es trotz des mageren Ergebnisses von meiner Seite aus trotzdem weiter gehen. Allerdings sollte man sich zum Aussehen des Killers dann seine Gedanken machen. Denn war sein Look in Teil 1 eine passende, da logische Alternative zu den Maskenträgern der Konkurrenzprodukte, so war seine Kleidung in Teil 2 nur noch dadurch glaubhaft, dass er sie nun einmal anhatte, als er ins Krankenhaus kam. Sollte Teil 3 also nicht im tiefsten Schnee spielen, wäre eine Änderung angebracht. Andererseits: warum sollte Teil 3 nicht im tiefsten Schnee spielen? Zumindest Teil 1 bekam allein durch dieses Element einen atmosphärischen Pluspunkt. In Teil 2 wurde durch mangelndes Talent selbst der verschenkt.



Montag, 24. September 2012

MAN FROM EARTH (The Man From Earth 2007 Richard Schenkman)


Professor Oldman zieht um, und wird kurz vor Abfahrt von seinen Kollegen aus der Universität überrascht, um seinen Abschied zu feiern. Oldman vertraut seinen Kollegen an diesem Abend ein Geheimnis an: er ist unsterblich und bewohnt diesen Planeten bereits seit der Steinzeit. Glaubt der Mann tatsächlich daran oder spielt er ein Spiel mit seinen Freunden? Die Kollegen versuchen im Gespräch alles, um Oldman der Lüge zu überführen...


Steinzeit Senior...

Es stehen Aussage gegen Aussage. Und so wahnwitzig die Behauptung der Hauptfigur Oldman auch ist, wie lässt sie sich als Schwindel outen? Darin liegt der Kniff dieses Kammerspiels, denn wie will man etwas beweisen, das man letztendlich nicht beweisen kann, egal in welche Richtung.

Regisseur Schenkman lässt eine Gruppe Gebildeter auf die Behauptung des Unsterblichseins los, die alle mit Fachwissen trumpfen können um den ehemaligen Kollegen zu überführen. Aber wie das mit Wissen so ist: das kann sich jeder aneignen. Da es keine Zeugen oder Gegenstände als Beweise für die Behauptung Oldmans gibt, bleiben nur die Worte. Ein Wissen über das man gelesen haben könnte, ein Wissen das man von einem Gesprächspartner oder aus dem Fernsehen ernten kann. Einzig Nichtwissen, eine fehlerhafte Aussage, könnte Oldman entlarven. Aber die kommt ihm nicht über die Lippen.

Der Zuschauer wird ebenso wie die Kollegen des angeblich Unsterblichen in die Situation hineingeschuppst. Und es stellen sich verschiedene Fragen. Auf was will der Film hinaus? Ist Oldman unsterblich? Und wenn nein, was soll diese Behauptung und das konsequente Festhalten an dieser dann? Und falls ja, wie ist das möglich?

Der dialogreiche Film geht in der Theorie das Leben eines Unsterblichen durch, mit all seinen Freuden und Leiden. So muss es sein, denn nur auf diesem Weg wäre das Entlarven eines Lügners möglich. Doch Oldmans Erzählungen treffen genau das Wissen der Kollegen, und ein hinzugezogener Psychologe wird auch immer ratloser.

Nicht nur weil man für dumm verkauft werden soll, werden einige Kollegen mit der Zeit recht wütend. Da Oldmans Theorie auch im Widerspruch zu
religiösem Glauben steht, kochen bald die Gefühle, fragt sich eine Christin doch zu recht, warum ihr Glaube mit Füßen getreten wird, für ein sinnloses Spiel der Provokation.
Ist Oldman unsterblich oder nicht? Mit der Antwort lässt der Film den Zuschauer nicht allein, so wie sich der vergleichbare „K-Pax“ zum Finale hin(auf geglücktem Wege) aus der Affäre zog. „Man From Earth“ gibt uns eine Antwort, und ob die jedem schmecken wird sei einmal dahingestellt, wird zum Ende hin doch um mindestens zwei Schritte übertrieben. Das hätte der Film nicht nötig gehabt und beraubt ihm etwas seiner Magie.

Dass diese Magie einzig über fesselnde Dialoge entsteht, zeigt auf ein neues, dass ein guter Film nicht von Spezialeffekten, abenteuerlicher Handlung oder Stars lebt, sondern von einem guten Drehbuch. Und dieses bietet uns eine interessante Debatte, im Gegensatz zu TV-Talks, seien es tägliche oder politische, ausgeführt von klugen Menschen, nicht von Schwätzern.

Was mir an den Erzählungen Oldmans persönlich nicht geschmeckt hat, war das ständige Auftauchen historischer Prominenz. Er behauptet Columbus gekannt zu haben, ebenso wie bekannte Künstler und Personen aus der Bibel. Dass ein Mensch der zwingend jede Menschheitsdekade miterlebt hat auch ständig mit Berühmtheiten in Kontakt kam, ist gar nicht nötig, sicherlich nicht einmal wahrscheinlich, zumindest in der berichteten Vielzahl. Immerhin war Oldman laut seines Berichtes eher der beobachtende Wanderer und nur selten jemand, der etwas bewegte.
  

Positiv ist hingegen in seiner Version das Bewusstsein eines Unsterblichen herausgearbeitet. Immerhin wurde Oldman gemeinsam mit dem Rest der Menschheit schlauer. Und besonders frühes Wissen hat er sich selbst aus Büchern angeeignet. Woher soll z.B. ein Steinzeitmensch wissen zu welcher Dekade er gehörte und wo er wohnte? Hier wird sein Nichtwissen, bzw. sein eingeschränktes Wissen nicht zur Entlarvung einer Lüge, sondern zu einem intelligenten psychologischen Kniff, der die Kollegen erneut in ihre Schranken weist.

Das gute an „Man From Earth“ ist, dass es egal ist, ob sich am Ende nun herausstellt ob Oldman nun unsterblich ist oder nicht. Der Film lebt von der Debatte, der Frage was wäre wenn. Und neben geschichtlichen und religiösen Aspekten stellt der Film auch berechtigt die Frage nach den psychologischen und physiologischen Möglichkeiten einer solch irrsinnigen Idee.

„Man From Earth“ ist ein ruhiger Film, bis auf kleine Ärgernisse gelungen, und eines jener Werke, deren Genre man nur durch Spoilern verraten kann. Da er sich viel mit der Idee der Unsterblichkeit befasst, gebe ich ihm das Genre Science Fiction, ob Oldmans Erzählung nun Lüge ist oder nicht.



Trailer,   OFDb

THE HOUSE NEXT DOOR (2006 Jeff Woolnough)


Col wohnt mit ihrem Ehemann in einer reichen Vorortsiedlung und lebt dort glücklich und zufrieden. Bis nebenan ein neues Haus gebaut wird. Alle paar Monate richtet sich dort ein neues glückliches Paar ein und zieht unglücklich wieder aus. In Col wächst der Verdacht, dass das Haus das Glück aus seinen Besitzern aussaugt...


Mein Haus, der Glücks-Vampir...

Böse Häuser lauern dem Filmfreund im Horror-Genre immer wieder auf. Schon Jahre vor dem original “Amityville Horror” wurde mit “Bis das Blut gefriert” meiner Meinung nach der Höhepunkt dieses Subgenres abgeliefert. Höchst gruselig in künstlerisch wertvoller Optik warf der Streifen einen dunklen Schatten auf alles was nach ihm kam. Aber das war nicht immer so schlecht wie besagter “Amityville Horror”. Beispielsweise wusste “
House” auf “Tanz der Teufel 2“-Art gekonnt zugleich zu gruseln und zu amüsieren.

“The House Next Door” ist eine typische TV-Produktion, eher dem Hausmütterchen als dem Horror-Freund zu empfehlen und klassisch für seine Art bieder und zurückhaltend. Der Film wagt jedoch einen Stilbruch. Das böse Haus ist nicht alt. Eben frisch gebaut, und damit nicht beeinflusst durch ehemalige Tragödien, die sich in den Gemäuern hätten abspielen können, lauert das Böse im Gebäude. Auch das Grundstück auf dem es erbaut wurde war schlichtweg ein Stück Wald und nicht verflucht. Das Klischee des alten Indianerfriedhofs bekommt stattdessen eine humorvoll gemeinte Erwähnung, wenn Col und ihr Ehemann darüber nachgrübeln, wie es zu einem solchen Mysterium wie dem
Haus kommen kann.

Col ist eigentlich ein Realist. Ihr Ehemann ebenso, er ist gar ein Mensch, der sich nicht von Unsinnigkeiten den Geist verwirren lässt. Ein Flirt seiner Frau mit dem Architekten in den Augen der Nachbarn sieht er als das was es ist: eine Nettigkeit ohne sexuellen Anreiz. Beide bringt so leicht nichts aus dem Gleichgewicht. Col ist die erste, die an das Böse im Haus glaubt, orientiert sich dabei aber nicht an der Meinung des verwirrten Architekten, sondern ist erst bei deutlichen Beweisen überzeugt, wenn sie einer angeblichen Fernsehsendung im verfluchten Haus beiwohnen darf, in welcher die Besitzerin gerade ihrem längst toten Sohn beim Sterben im Irak zusehen darf.

Bis Cols Ehemann überzeugt ist dauert länger, aber nicht lang. Sein Glaube an das Böse im Haus stützt sich auf sein tiefes Vertrauen zu seiner Ehefrau. So hätte man, wenn man schon das Thema des angezweifelten Geisteszustandes Cols so gut wie außer Acht gelassen, zumindest mit einer bösen Pointe schließen können: die Theorie vom bösen Haus ist Unsinn. Aber eins sei gleich vorweg geschickt: ja, mit dem Haus stimmt was nicht, und nein, unsere Helden ticken richtig.
  

Zumindest oberflächlich betrachtet. Denn ein kleiner Sub-Zweig der eigentlichen Handlung, der leider nur eine kurze Bemerkung am Schluss erfährt, gibt der Geschichte eine Raffinesse, von welcher der an sich schlichte Film ruhig mehr hätte zehren können. “The House Next Door” erzählt davon, dass das Gebäude seine Bewohner manipuliert, den Menschen das Glück in ihrem Leben raubt und in etwas Böses verwandelt. Auch bei Besuchern zeigt das Abzapfen von Glück Wirkung, wenn auch nicht in der Extreme der Bewohnerschicksale. So wird beispielsweise aus der glücklichen Nachbarschaft eine zerstrittene.

Die eben vorangekündigte zu kurz kommende Raffinesse am Ende spielt nun mit dem Gedanken, dass das Heldenpaar eventuell noch stärker von dem Haus manipuliert wurde, als es in der Selbstwahrnehmung festgestellt hat. Was, wenn die finale Tat vom Haus beeinflusst wurde und nicht von Col und ihrem Mann selbst? Was, wenn man zu diesem Zeitpunkt viel mehr unter dem Einfluss des Hauses stand, als unter dem eigenen? Dies ist ein Story-Twist, der einen eigenen Film wert gewesen wäre. Und welche Bedeutung bekommt er für “The House Next Door”? Er wird zu einer kurzen Vermutung im Gewissensaustausch zwischen dem Heldenpärchen. Schade!

“The House Next Door” ist aber nun einmal nur ein biederes TV-Filmchen, und auch Regisseur John Woolnoughs Arbeiten sind meist TV-orientiert. Neben seiner Teilnahme an allerhand Fernsehserien wie “EUReKA”, “Terminator - Sarah Connor Chronicles”, “Battlestar Galactica” und “Kung Fu - Im Zeichen des Drachen” fiel er eher negativ durch seine Fortsetzungen von “Universal Soldier” auf, einige von wenigen Beiträgen außerhalb einer TV-Serie. “The House Next Door” war nicht sein erster Film zum Thema “böses Haus”. Bereis 1998 drehte er “Haus der verlorenen Seelen”. Wer aufgrund des Titels glaubt sein erster Film “Das Geheimnis von Holden House” (1988) sei ebenfalls gleichen Themas, irrt, ist sein Einstieg ins Filmgeschäft doch ein Drama und kein Horrorfilm.

Was nun sein “The House Next Door” betrifft, der ist zwar routiniert, simpel und folgt bis auf die im Text herausgearbeiteten Andersartigkeiten brav dem üblichen Muster, ist aber auf simpler Ebene durchaus zu konsumieren. Es wird nie richtig gruselig, blutig oder schockierend, und doch besitzt dieses biedere Stück Film einen gewissen Unterhaltungswert, der zwar weder aus einer Sympathie der Figuren oder dem Talent von Regie und Darstellern fruchtet, vielleicht aber eben aus seiner Treue zum bereits Bekannten, ohne dabei irgendwelche inhaltlichen Fehler zu begehen. Wer auch Dutzendware hin und wieder eine Chance gibt, könnte Gefallen an diesem Streifen finden.