Dienstag, 28. August 2012

EDEN LOG (2007 Franck Vestiel)


Ein Mann erwacht in einer unterirdischen Höhle, von Schlamm bedeckt und ohne Erinnerung. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht, denn er wird hier unten von Männern und Monstren gejagt. Er stapft durch ein labyrinthartiges Tunnelsystem, welches der Organisation Eden Log gehört und deren Geschäft ein düsteres Geheimnis birgt...


Gemeinsam entdecken...

Der Regisseur Franck Vestiel, der 1998 einmal als Schauspieler in einem Film mitspielte, legte mit „Eden Log“ sein Langfilm-Regie-Debüt ab, seine bislang einzige Arbeit in diesem Bereich nachdem er Regieerfahrung in einer TV-Serie sammeln durfte. Bei so wenig Berufserfahrung überrascht es um so mehr, dass der gute Mann einen besonderen Film zauberte, einen der deutlich macht, dass einer Vision gefolgt wurde und nicht schlichtweg eine Geschichte heruntergedreht wurde. Dementsprechend interessant ist auch sein Audio-Kommentar ausgefallen.

„Eden Log“ ist künstlerisch wertvoll präsentiert. Seine Bilder sind in schwarz/weiß gehalten und wirken düster und schlammig, dreckig wie der Held. Die Umgebung wirkt auf den Zuschauer orientierungslos, was zu der Aussage passt, dass der Komplex, in welchem sich der Protagonist fortbewegt, labyrinthartig sei. Als Betrachter von „Eden Log“ ist man verwirrt, ebenso wie die Rolle des Hauptdarstellers Clovis Cornillac, die erst sehr spät ihren Namen Tolbiac erfährt.

Letztendlich erzählt der Film seine Geschichte ähnlich wie die eines Computerspiels a la „Resident Evil“. Man stapft durch ein fremdes Szenario, weiß nichts, muss enträtseln wer man ist und was passiert ist und nebenbei vor Feinden fliehen, bzw. gegen sie kämpfen. Computerspiele mit Filmen zu vergleichen hat eigentlich automatisch einen bitteren Nachgeschmack, denkt man doch automatisch an die leeren Handlungshülsen, die Verfilmungen besagter Spiele meist liefern. Der Vergleich ist von mir jedoch positiv gemeint, erntet „Eden Log“ doch auf dem selben Weg Spannung, wie es das Spiel „Resident Evil“ und Co erreicht.

Man ist als Zuschauer mittendrin im Geschehen, ebenso ahnungslos wie der Held und entdeckt mit ihm eine fremde, futuristische Welt, in der irgendetwas anders gelaufen ist als es sollte. Informationen erhält man wenige, erhält man welche wirft dies neue Fragen auf. Glücklicher Weise schließt der Film jedoch nicht mit einem großen Fragezeichen, sondern weiß den Großteil der aufkommenden Fragen auch zu beantworten.

Der Weg zu diesem Ziel ist dialogarm gestaltet, und damit psychologisch realistisch an der Situation orientiert. Tolbiac führt weder Selbstgespräche, noch werden seine Gedanken für den Zuschauer über Off-Kommentare präsentiert. „Eden Log“ erhält einen guten Teil des Spannungspotentials über dieses Schweigen, was zu einer stimmigen Atmosphäre führt.
Von einem tiefgründigen Film darf man bei „Eden Log“nicht wirklich sprechen. Mögen manche Bilder Parallelen zum Christentum bieten und Obrigkeiten wieder einmal das untere Volk verarschen, all dies geschieht nicht sonderlich philosophisch oder all zu gesellschaftskritisch, trotz der wundervollen Optik nicht einmal poetisch. Letzteres ohnehin nicht, denn „Eden Log“ soll eine nüchterne Erfahrung sein, was auch erklärt warum er manches Mal trotz seiner Stärken kurzfristig etwas sperrig daher kommt.

„Eden Log“ bleibt dem Zuschauer manche Antwort schuldig, gerade jene, die mit der Auflösung und Tolbiac einhergehen. Aber das verzeiht man ihm, wurde man doch in eine glaubhafte, fremde Zukunft entführt, und dieses Erlebnis macht einiges wieder wett, zumal einige Rätsel am Ende die Phantasie fördern und eventuelle Fortsetzungen ermöglichen. Zu einer solchen ist es bislang nicht gekommen, leider nicht einmal zu einem weiteren Werk Vestiels überhaupt. Man kann nur hoffen, dass die bisherige unterlassene Fortführung seiner Tätigkeit als Regisseur darin begründet liegt, dass er auf ein besonders interessantes Projekt wartet oder eines hat, welches viel Vorbereitung erfordert.


ICH WEISS, WO SIE VERGRABEN IST (What We Did That Night 1999 Paul Shapiro)


Bei einem Studenten-Jux geht etwas schief und ein Mädchen stirbt. Während der Todesfall vertuscht werden konnte, kommt einer aus der Jugendclique wegen Autodiebstahls in den Knast. Als er Jahre später wieder frei kommt, kontaktiert er die anderen, die nun mitten im Leben stehen, da angeblich die Gefahr bestünde, dass die Leiche in ihrem Grab demnächst entdeckt werden könnte. Ob dies wahr ist, oder der Knacki Rache nehmen möchte ist unklar...


Ich weiß noch immer, woran mich dieser Titel erinnert...

Ist die Panik des in den Knast gegangenen Ex-Jugendlichen echt, oder will er nur Rache? Das wissen wir nicht! Zumindest in der Theorie, denn der Erzählstil macht die Auflösung eigentlich sehr schnell deutlich. Was einst war wird über Rückblicke erzählt. Was im Jetzt passiert wird handwerklich okay, wenn auch etwas spannungsarm erzählt. Der ehemalige Knacki nimmt spielerisch alles sehr gelassen, ohne die Bösartigkeit eines DeNiro aus "Kap der Angst" durchfunkeln zu lassen. Den ganzen Tag verbringt er mit seinen ehemaligen Kumpels, bringt sie von einem ereignisreichen Ort jenem Abends zum nächsten, und die ganze Zeit wirkt nichts bedrohlich.

Wenn nun in einem Rückblick erzählt wird, dass sich zwei Studenten ständig gegenseitig Streiche spielten (wovon einer der Rächer war), so beginnt der Zuschauer sich dies als möglichen Schluss vorzustellen: ein Streich, die Leiche, gab es die überhaupt jemals? Da dies nun eine einiger Optionen ist, achtet man auf die nächsten Rückblicke etwas genauer. Der zukünftige Knacki fühlt den Puls, der zukünftige Knacki legt die Leiche in den Kofferraum, Daten und Angaben der Leiche waren gelogen (Herkunft also unbekannt) und so weiter und so fort. Je mehr im Film nichts weiter passiert außer Vergangenheitsbewältigung in Form von Erinnerungen und einer Reise zu alten Plätzen, und je länger die Story einen Spannungsbogen vermissen läßt, um so überraschungsärmer kommt die Vermutung hoch, dass am Ende doch alles nur ein Streich sein soll.

Noch 20 Minuten bis Filmende, und der Film lässt immer noch nicht erkennen, was er erzählen will, sollte die Streichvermutung nicht stimmen. Nur noch 15 Minuten bis Filmende... Nichts! 10 Minuten vor Schluss beginnt die Einleitung des Finales, kurz darauf die vermutete Auflösung mit einem relativ überraschenden Zusatzbonus, und der Film ist vorbei.

Das war handwerklich okay, die Besetzungwar auch passabe. Aber was soll man im Endeffekt von einem Film halten, der die ganze Geschichte über nur auf diese Schlussidee hinarbeitet? Der 90er Jahre-Thriller "Das zweite Gesicht" arbeitete z.B. auch nur ellenlang auf ein Schluss-Szenario hin, aber da wurden in der Zwischenzeit ein paar nette Szenen eingestreut. So etwas gibt es hier nicht. Es ist sicherlich nicht uninteressant über die Rückblicke zu erfahren was einst geschah, aber man erkennt, dass es eine mögliche Rachegeschichte im Jetzt nicht vorwärts bringt.

Dass der "Rächer" nie gefährlich wirkt und damit auch nie Spannung aufkommt ist nicht die Schuld seines Darstellers. Er spielt von allen Beteiligten eigentlich am besten. Es sind das müde Drehbuch und die zu routinierte Regie, die hier eine nette Story verwässert haben. Der Beginn ist deutlich bei "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" abgekupfert, aber der Rest folgt eher den Spuren eines Dramas. In den letzten 10 Minuten kann man vom Spannungsgehalt her eventuell kurz von Thriller sprechen, aber selbst dann wird der Streifen ganz schnell wieder zum Drama. Dieser Drama-Bereich ist auch eigentlich gut erzählt, aber selbst er muss mit diesem vorhersehbaren Ende leben. Und da der ganze Film auf dieses angeblich überraschende Ende aufbaut, ist das Hauptziel dieses Möchtegern-Thrillers nicht erreicht.

„Ich weiß, wo sie vergraben ist" ist ein halbwegs nettes Drama im Gewand eines Thrillers, das durch Vorhersehbarkeit ins Leere läuft, aber bei wenig Erwartungen dennoch zu unterhalten weiß. Einer seiner Alternativtitel ist übrigens lustiger Weise „Ich weiß noch immer, wo sie begraben ist“.


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DIE GELBE KILLERBANANE AUS DEM ALL GEGEN DIE KIWI (Jahr unbekannt, Timo Rose)


Eine bösartige Banane landet auf der Erde und bekriegt sich mit einer Kiwi...


Spacefrüchte und Schund-Sehnsüchte...

Dieser kaputte 7-Minüter findet sich unter den Specials der DVD zu „Psycho Jack“, und er ist eine Erfüllung für jeden Freund filmischen Mülls. Was Timo Rose hier ohne viel Aufwand gezaubert hat, ist genau das, was einen guten Schundfilm auszeichnet. Zwar ruht sich der werte Herr etwas zu sehr auf der einen Idee aus, aber auf die kurze Laufzeit gesehen kann so etwas wie Langeweile nicht aufkommen, trotz wiederholendem Szenario.

Der Drehort ist eine Küchenzeile, ab und an auch der Herd. Rose lässt die Kamera über besagte Locations gleiten, auf der Suche nach irgendwas, der Zuschauer weiß es noch nicht. Da plötzlich taucht die Banane hinter einem Küchengegenstand auf, hat ein Gesicht aufgemalt bekommen, sie gibt Geräusche von sich – Zeit für die Titeleinblende.

Nun ist auch der Zuschauer eingeweiht, sofern ihm der Titel bisher unbekannt war. Der Name ist Programm, Rose liefert genau das was man unter dem Titel erwartet. Nun geht er los, der Kampf der beiden Obstsorten. Inhaltlich mag das leicht an „Angriff der Killertomaten“ erinnern, inszenatorisch geht es Rose schlichtweg um den Kampf, und der wird nun über die komplette Laufzeit zelebriert.

Intelligente oder pfiffige Ideen darf da suchen wer will. Er wird nicht fündig werden. Stattdessen wird nun mit dem Obst herumgematscht, und damit das ´Ganze etwas mehr fürs Auge bietet, dürfen Mittelchen aus dem Badezimmer-Schränkchen als Spezialeffekt-Zusatz nicht fehlen.

Nun wird gekämpft, gefoltert, gelitten, so lange bis der Film irgendwann aus ist, ohne dabei ein echtes Ende zu liefern. Das ist aber auch gar nicht weiter wild, denn von so etwas wie einer Handlung kann man nun wirklich nicht sprechen.

Manch einer wird diesen Kurzfilm primitiv und kindisch finden. Solch eine Einstellung finde ich schade, denn letztendlich ist „Die gelbe Killerbanane aus dem All gegen die Kiwi“ ein Projekt, das scheinbar aus Langeweile entstanden ist. Es ist eine Ein Mann-Produktion, auf die Schnelle selbstgedreht. Dank You Tube kann man ähnliche Projekte mittlerweile häufig sichten. Ich finde es auf jeden Fall spannend was mancher daheim für bescheuerte Ideen mit der Heimkamera zusammengebastelt hat. Dem kann man ruhig selbst in solch extremer Nonsensform Respekt zollen.

Wie erwähnt, die Story ist etwas monoton, das ist aber nicht weiter schlimm. Der einzige Negativ-Kritikpunkt den ich anzubringen habe, ist die etwas zu nervige Heavy Metal-Musikuntermalung, die zwar zum Szenario passt, häufig aber zu laut eingespielt wurde. Also: wer das Kind in sich noch nicht vollständig beerdigt hat und auch Spaß an Unsinn haben kann, der sollte ruhig einmal einen Blick riskieren. Ich kann gar nicht mehr nachzählen, wie vielen Leuten ich nach erster Sichtung das Filmchen vor die Nase gesetzt habe.

PSYCHO JACK (2000 Timo Rose)


Zwei gestörte Freunde foltern in ihrem Keller Frauen und filmen ihre Taten...


Anspruchsloses einmal anspruchsvoller anspruchslos...

Meiner Meinung nach ist "Psycho Jack" einmal eine andere Art deutscher Amateurfilm. Bethmann könnte man ewige Sexspielereien vorwerfen, Ittenbach und Schnaas (in seinen Frühwerken) bloßes Aneinanderreihen von Blutszenen, "Psycho Jack" setzt, auch wenn es auf dem ersten Blick anders scheint, einfach andere Schwerpunkte.

Wir haben hier ein experimentierfreudiges Team, welches sich für meinen Geschmack zwar zu arg an der modernen Gangstermentalität orientiert, was dann doch arg pubertär wirkt, das es auf der anderen Seite jedoch schafft mit digitalen Effekten zu arbeiten, die heute jede Videokamera zu bieten hat, diese aber einfallsreich einzusetzen weiß. Rose und sein Filmpartner spielen hier regelrecht mit der Kamera. Untermalt mit simpler, aber atmosphärischer Musik wird eine optische Idee an die nächste gereiht. Hin und wieder blitzt Humor auf, der trotz seiner derben Herkunft unaufdringlich erscheint. Wenn Jack in seinem Wahn z.B. erzählt, Gott hätte ihm den Weg ins Himmelreich gezeigt und daraufhin in das Innere einer Kloschüssel gezoomt wird, dann ist das sicherlich kein Geniestreich, aber immer noch eine lustige Idee. Und Ideen hatten Rose und Co zu genüge.

Laut der Zeitung "Gory News" soll alles Gesprochene des Films improvisiert sein, es habe lediglich ein Storybook gegeben. Wenn man dies beachtet sind die Dialoge und Monologe auch nicht so schlecht wie sie zunächst scheinen. Sowohl Texte als auch die schauspielerischen Leistungen werden mit zunehmender Laufzeit immer besser. Scheinbar haben sich die Darsteller erst ein wenig ins Szenario hinein spielen müssen. Es ist nur ein Amateurfilm, und dafür ist die Schauspielerei gut genug. Wer einmal "The Dark Area" oder "Exhibitionisten Attacke" gesichtet hat, der weiß was unterirdische Amateurschauspielerei heißen kann. Davon sind die Darsteller aus “Psycho Jack" weit genug entfernt.

Alles wirkt wie selbst gedreht, soll scheinbar aber auch gar nicht möglichst professionell wirken. Und genau das ist es was mich an dem Film reizt und ihn so anders macht. Mit simplen Mitteln wird etwas anderes geschaffen! Aus billigsten Methoden entwickelt sich im Zusammenhang ein eigener Erzählstil, ähnlich einer Collage. Dieser ungewöhnliche Weg hätte eine konsequentere Wirkung, wenn die eigentlich fast schon unnötigen Goreszenen fehlen würden. Aber das wagt wohl kaum wer Horrororientiertes in der deutschen Amateurfilm-Szene.

Man braucht mit Sicherheit etwas Zeit um sich auf diesen Film einzulassen, und Längen besitzt er (gerade zu Anfang) leider auch, aber es ist kein schlechter Film. Die Bezeichnung gelungen  würde ihm widerum ein Niveau auferlegen, das er nicht besitzt. Dafür ist “Psycho Jack" dann doch noch zu sehr Übungsfeld. Schade dass das hier agierende Team nicht ähnlich einfallreich mit ihrem Projekt “Rout City" umgegangen ist. Dort siegt leider nur noch das infantile Gehabe, das man im hier besprochenen Film noch großzügig übersehen kann.


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Sonntag, 26. August 2012

TELETUBBIES (1997 Vic Finch u.a.)


Die Teletubbies leben in ihrer immergrünen Welt, entdecken diese, essen Pudding und schmusen...


A - O...

Fast überall liest und hört man wie abgrundtief schlecht die „Teletubbies“ seien, und auch ich wage es da gar nicht zu widersprechen. Diese Sendung gehört zu den größten Fernsehverbrechen an das junge Publikum. Dennoch entfernt sich meine Kritik von dem was man üblicher Weise so liest und hört. Das was dieser Sendung meist vorgeworfen wird ist eigentlich gerade das Gute an ihr. Die Abgründe liegen ganz woanders.

Häufig wird kritisiert, die Sendung verdumme die Kinder. Aber ebenso wie „Der kleine Maulwurf“ Pauli achtete man darauf möglichst kindgerecht zu arbeiten. Jeder Teletubbie ist auf einem unterschiedlichen Sprachschatzstand, nicht unähnlich dem Sprachschatzstand des Zielpublikums im Alter von unter 3. Die Älteren können zwar schon besser reden als der älteste Teletubbie Tinky Winky, aber sie mögen diese Babysprache und verstehen sie. Nur weil hier kinderorientiert gesprochen wird, verdummen noch lange keine Kinder dadurch.

Zudem wird gerne das ständige Wiederholen kritisiert, aber selbst dies ist alterstypisch. Wir haben es bei den „Teletubbies“ schließlich nicht mit einem Zielpublikum im Alter der "Sesamstraße" zu tun, sondern mit einem noch jüngeren. Man könnte höchstens über die Frage diskutieren, ob besagte Altersgruppe von 0 bis 3 überhaupt eine eigene Fernsehsendung benötigt. Lernt das Kind nicht auch ohne diese Sendung früh genug das TV viel zu sehr zu lieben? Eine Frage, die ich in dieser Review nicht beantworten will.

Wichtiger ist es nun einmal sich mit dem fertigen Produkt auseinander zu setzen. Und ob man Fernsehen für die Jüngsten nun gut heißt oder nicht, das ewige Wiederholen in dieser sogenannten Kindersendung ist ein Pluspunkt, da es sehr nah am Spiel- und Lernverhalten eines Kindes im dem Alter orientiert ist. Wer das anzweifelt muss nur einmal Kleinkinder beobachten. Direkt nach dem Zeigen wieder das selbe sehen oder immer wieder das selbe spielen wollen, ist natürlicher Vorgang in dieser Lebensphase. Und bis zu einem gewissen Grad macht man als Eltern den Kindern auch gerne die Freude der Wiederholung. Die Lauflänge der Sendung „ Teletubbies“ ist bei der Fülle des Inhalts gar nicht in der Lage eine fragwürdige Übertreibung der Wiederholungen zu präsentieren.

Nein, die ewigen Kritiken zu der Sendung kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Menschen denen diese Dinge nicht gefallen, das eigentliche Problem an der Sendung aber nicht erkennen, die halte ich für fragwürdig, da sie scheinbar nach einem Weltbild leben, das ich nicht teilen möchte. Die Welt der Teletubbies ist ein reines Kunstgehege. Eine auf kunterbunt getrimmte Welt täuscht kindliche Freundlichkeit vor. Viele Spielmöglichkeiten gibt es hier nicht. Die Welt ist aalglatte Natur, nichts hat Ecken und Kanten an denen man sich weh tun kann. Spielmöglichkeiten wie wir sie als Kinder beispielsweise auf Baustellen oder in Wäldern hatten gibt es nicht. Die Welt ist grün und bunt und voller geheuchelter Fröhlichkeit, ein Fest für Helikoptereltern.

Das könnte man freilich auch zu Recht den „Glücksbärchis“ und anderen verkitschten Kommerzprodukten vorwerfen. Der allergrößte Kritikpunkt an „Teletubbies“ ist aber, und das findet nirgendwo Erwähnung wenn über die Sendung geschimpft wird, das soziale Umfeld der vier Tubbies. Tinky Winky, Dipsi, Lala und Po stehen für sich alleine in einer Welt voller Maschinen. Der Pudding kommt aus einem Apparat, so etwas wie Eltern gibt es nicht. Die einzige Bezugsperson, bzw. das was dem Begriff am nächsten kommt, ist ein Telefon.

Aus dem Gegenstand kommt eine Stimme, welche die Teletubbies darüber aufklärt was gerade Sache ist, ob es nun schlafen geht oder was als nächstes passiert. Diese Stimme spricht die vier Helden allerdings nie persönlich an. Sie spricht allgemein in den Raum. Es ist kein Gespräch mit dem Ding möglich, es gibt keine direkte Anrede und irgendeine Form von Körperkontakt sowieso nicht. Das Ding ist eben nur ein Ding. Die Stimme, wenn auch auf lieb getrimmt, gibt meist nichts anderes als Befehle, auch wenn diese hin und wieder nett formuliert sind. Manchmal gibt die Stimme auch nur einen Reim vor, dann aber ohne irgendeinen Zusammenhang, weder als fröhliche Geschichte formuliert noch in Bezug auf aktuelle Situation gebracht.

Der einzige weitere Außenkontakt der den Tubbies neben der Stimme bleibt (und den Staubsauger ignorier ich nun einfach mal) ist das Fernsehen. In welche Welt wollen die Briten die Kinder bitte mit „Teletubbies“ hineinerziehen? Eine synthetische Welt ohne Kontakte zu Erwachsenen, in einer isolierten, perfekt unfallfreien Spielumgebung, ohne echte und lernfördernde Spielaufforderung,  und die einzige Wärme die man hier erhält kommt von der nervigen Babysonne. Kann da so etwas wie ein gesunder Charakter entstehen? Würde unter solchen Bedingungen überhaupt ein Charakter entstehen?

Ich würde gerne einmal wissen was für hasserfüllte Egomanen bei einer derartigen Erziehung herauskommen würden. Grenzdebile Allesgucker, trotz Aufwachsen mit anderen Kindern nicht geschult in sozialem Umgang miteinander, das wird eine Welt in der ich nicht leben möchte. Man könnte jetzt sagen: was für eine kaputte Welt wäre das, wenn die Realität der Teletubbies in der unseren Realität angewandt werden würde. Viel passender ist aber die Frage: was ist das für eine Welt, in der Sendungen wie die "Teletubbies" überhaupt erst entstehen?


Episodenführer,   OFDb

DAS SUMMEN DER INSEKTEN (2009 Peter Liechti)


Ein Mann geht in den Wald, baut sich eine Hütte aus Plastikfolien und begeht dort Selbstmord durch Verhungern. In einem Tagebuch dokumentiert er seine letzten 65 Tage...


Musik ist Nahrung...

Selbstmord durch Verhungern, das hat es in den 80er Jahren in Japan tatsächlich gegeben. Und so setzte sich der Schriftsteller Shimada Masahiko mit dem Thema auseinander und schrieb ein Buch, in welchem er den lebensmüden Hungerer ein Tagebuch schreiben lässt, welches seinen körperlichen und geistigen Verfall dokumentiert. Darauf wiederum beruht der Experimentalfilm von Regisseur Peter Liechti, der versucht den nüchternen Worten eines Sterbenden einen passenden Ton- und Bildhintergrund zu bescheren.

Der Magie der Worte aus dem Tagebuch kann man sich nicht entziehen, deswegen ist es übertrieben gesagt eigentlich schon egal welche Bilder man da sichten mag. Mit dem Inhalt der Worte haben sie manchmal gar nichts zu tun, teilweise nicht einmal symbolisch. Ganz direkten Bezug nehmen lediglich die Aufnahmen einer aufgespannten Plastikfolie im Wald, welche den Eindruck hinterlässt man sitze drin und beobachte ihre Abnutzung. Die Bilder wissen zu wirken, die düsteren, freiwillig schlecht gefilmten mehr als das bunte Treiben im Wald. Dass sich auch Bilder von Bahnfahrern, einem Karussell oder die eines Messerwerfers passend in den Film einfügen, verdanken sie nur selten den teilweise poetischen Worten, sondern viel mehr der verstörenden Geräuschkulisse, in die Liechti seinen Film taucht. Ein Knacksen, Mikrofonfehler, ein dumpfer Ton, hin und wieder klassische Musik im gewöhnungsbedürftigen Gesang und mittendrin der Off-Kommentar des Sterbenden.

Nach dem einleitenden Off-Kommentar einer Frau, welche die Hintergründe zum Einstieg in die „Geschichte“ erklärt, ist dies die einzige sprechende Stimme, die wir in den nächsten 85 Minuten hören werden. Das Sterben des Mannes wird 65 Tage dauern. In dieser Zeit nehmen wir an seinen Gedanken teil, die gegen Ende zwar nicht mehr glaubwürdig wirken bezüglich seiner Kraft noch einen Stift halten zu können, aber vielleicht bleibt es Interpretation des Zuschauers. In der Spätphase, in welcher der Selbstmörder ohnehin fast nur noch halluziniert, redet er sich eventuell auch nur noch ein ein Tagebuch zu schreiben.

Ansonsten klingt das Beschriebene erschreckend real. Man sollte meinen dieses morbide Filmexperiment müsse verstörend wirken, ähnlich seiner Vertonung. Ein solcher Effekt wird jedoch erst in der Schlussphase erzielt. Zuvor überrascht „Das Summen der Insekten“ mit einer lebensbejahenden Wirkung. Das klingt konfus, erklärt sich aber dadurch, dass sich der klassische Selbstmörder vom Leben abwendet, wohingegen der Verhungernde alles dokumentiert, und damit, vielleicht erstmals in seinem Leben, bewusst lebt und beobachtet. Er nimmt alles wahr, konzentriert sich auf das Drumherum, geht in der Natur auf, wird vielleicht sogar selbst Teil der Natur, nur hin und wieder unterbrochen durch kulturelle Verfremdung, wie das Lesen seiner Bücher, die er mit an seinen Sterbeort genommen hat, oder sein zweistündiges Radiohören, welches er sich pro Tag gönnt.

Warum der unbekannte Mann seine Tat begeht verrät er erst ansatzweise um den 20. Tag herum. Er fühlte sich nie als Teil der Gesellschaft, hat nichts sonderliches in seinem Leben geleistet und will nun durch seine Niederschrift der Welt, die ihm nichts bedeutet, etwas hinterlassen. Der Unbekannte bekennt sich als ungläubig, ist als kultivierter Mensch und Dank seiner Allgemeinbildung jedoch informiert um Vergleiche zu ziehen, sei es in den Phantasien einer möglichen zweiten Welt, oder im direkten Vergleich der 40 Tage hungernden Menschen wie Moses und Jesus. Dass sie stark genug seien nach 40 Tagen aufzustehen und zu ihrem Volk zu gehen, erklingt eher spottend als neidisch. Und doch ist der Selbstmörder gläubiger als er denkt zu sein. Er ist kein Christ, aber aus seinen Worten wird deutlich, dass er nach seinem Tod eine andere Welt erwartet.

Die Tortur die er durchmacht bleibt theoretisch. Er berichtet über jeden Schmerz, aber den kann man als Zuschauer schwer nachvollziehen. Die Wirkung auf den Zuschauer ensteht stattdessen durch seine Erzählungen, die eben nicht nur nüchtern den Verfall seines Körpers erschreckend exakt dokumentieren, sondern eben auch philosophischen Gehalt besitzen. Ob es nun das Aufgehen in der Freude an den Tod ist, oder die düsteren Momente der Angst. Was wenn der Schmerz mit dem Tod gar nicht aufhört? Unsinn, tadelt er sich direkt selbst und erklärt sich einen solch wissenschaftlich unsinnigen Gedanken mit seiner ersten Verwirrtheit.

Würde der Film nicht versuchen so realitätsnah wie möglich zu wirken, vielleicht wäre es gar reizvoll gewesen ein wenig auf Gruselebene mit dem Gedanken zu spielen, der Mann würde seinen eigenen Tod nicht mitbekommen. Verstorbene, die nicht wissen dass sie tot sind, diese klassische Idee würde passen zu einem Mann, der allein im Wald sitzt und spätestens in der Nacht im wachen Zustand nur noch seine Gedanken hat, die er wahrnimmt, inmitten vollkommener Dunkelheit. Konnte er diese beängstigende, da die Realität gänzlich auffressende, Situation zuvor mit dem Radio betäuben, ist nach dem Verbrauch der Batterien keine Ablenkung mehr vorhanden. Du weißt an Deinen Gedanken, dass du existierst, aber ohne einen Hinweis, inmitten des Tiefschwarzen Nichts um einen herum, woher willst du wissen, dass du nicht bereits in die andere Welt herüber gegangen bist?

Es ist schon wichtig, dass dieser Bereich erörtert wird. Und man kann sich glücklich schätzen, dass Liechti realitätsorientiert erzählt und nicht in den von mir geäußerten Fantasybereich abrutscht. Denn gerade der Bezug auf das möglich Echte dieses aus der Phantasie geernteten Dokuments geben dem Film seine intensive Wirkung, zu der man freilich einen Zugang haben muss, um im Meer botanischer Bilder nicht die pure Langeweile zu spüren. Ich finde es schade, dass nicht jeder in diese Welt eines Sterbenden eintauchen kann, verpassen diese Menschen doch ein intensives Filmerlebnis, welches einem selbst neue Perspektiven öffnet in anderen Ansätzen über das Leben, dessen Sinn und den Tod nachzudenken.

Die Aufzeichnungen des Verstorbenen wirken nie unsinnig oder gar reißerisch, nicht einmal wenn sie mit den Erwartungen des Zuschauers spielen. Der Selbstmörder rechnete mit 30 Tagen, musste in Wirklichkeit 65 Tage ausharren. Der Stuhlgang, die Möglichkeit zur Onanie, das Hungergefühl u.ä. erreichen andere Stadien als gedacht. Und so manche Überraschung lässt den Selbstmörder über Menschen sinnieren, bzw. sich diesen näher fühlen, als in den restlichen 40 Jahren seines Lebens. Da wäre neben Moses und Jesus die Meldung jugendlicher Selbstmörder im Radio. Noch interessanter ist jedoch sein Verstehen Essgestörter Menschen, wenn er ab einer gewissen Phase gar kein Hungergefühl mehr besitzt.

Zweifel über seine Tat kommen dem Unbekannten selten. Aber er macht sich die Momente bewusst, in denen er umkehren bzw. dies nicht mehr kann. Er spielt mit Zahlen. 20 Tage, die Hälfte meines Sterbens/meines Lebens ist um. Ich habe 97 Prozent meines Sterbens erreicht. Das ist spekulativ, aber das ist ein Großteil seiner Gedanken ohnehin. Zumindest ist der Mann belesen genug um seinen Verfall sinnig zu beobachten. Das Warum seiner Tat wird kaum ergründet. Vielleicht gibt es da nichts weiter zu ergründen, als das was um den 20. Tag herum darüber bereits geäußert wurde. Verstehen würde man es als Durchschnittsmensch ohnehin nicht. Diese Tat ist völlig irrational, und ganz richtig vermutet der Selbstmörder, dass es wohl kaum wen geben dürfte, der diese Tat nachahmt. Warum freiwillig so qualvoll sterben?

Die Ironie, wie die eines lebensbejahenden Filmes durch einen Mann der sein Dahinsterben beobachtet, taucht ebenso in kleinen Momenten von „Das Summen der Insekten“ auf. Spöttisch schreibt der Selbstmörder auf, wie er aufgrund zu starker Schmerzen Magentabletten zu sich nimmt. Da nimmt einer der sterben will ein Medikament. Sarkasmus? Galgenhumor? Oder einfach die Wahrheit?

Peter Lichties Film ist ein Experiment, nicht nur handwerklich. Er beschäftigt sich mit einem Thema, zu dem man nichts sagen kann, eines worüber man fast nur Vermutungen äußern kann. Aber dies macht er sehr intensiv und auch mit einem gewissen Mut ins Lächerliche abrutschen zu können, beispielsweise wenn der Selbstmörder davon berichtet sein Hungergefühl würde nachlassen, wenn er klassische Musik im Radio hört. Zunächst per Zufall entdeckt, wendet er es geradezu systematisch an, wenn der Hunger zu groß wird. Der weitere Schritt, dass moderne Schlager seine Magenschmerzen verstärken, ist da noch gewagter zu nennen, passt aber zu der feingeistigen Person, die wir im Laufe ihres Sterbens kennen lernen dürfen.

Vielleicht weiß wegen der unterschwelligen Psychologie das Gewagte so real zu erscheinen. So oder so, es ist die Realitätsnähe und das Intensive, eben da Bild und Ton nie von den Worten und ihrem Inhalt ablenken, was „Das Summen der Insekten“ zu einem solch großartigen Filmerlebnis macht, irgendwo anzusiedeln zwischen Drama und Fake-Doku.


WOLF CREEK (2005 Greg McLean)


Drei junge Erwachsene reisen mit dem Wagen durch Australien, bleiben mit ihrem Gefährt liegen und werden von einem freundlichen Einheimischen mitgenommen, der daheim das Auto gratis reparieren möchte. Der Mann ist jedoch ein Psychopath und will etwas ganz anderes...


Der Wolf und die drei kleinen Touries...

Als 1974 eine Gruppe von Teenagern auf der Leinwand Opfer einer Hinterwäldler-Familie wurde, da war ein neues Sub-Genre des Horrorfilms geschaffen. Es war härter als so ziemlich jedes andere, hatte sein Hoch in den 70er und 80er Jahren, existierte in Deutschland danach lange Zeit nur in Videopremieren und bekam im Kino erst wieder 2003 eine Chance mit der Veröffentlichung von „Wrong Turn“ und Michael Bay's „Texas Chainsaw Massacre“. Vom Backwood-Streifen ist die Rede, der mit gerade erwähnten Neuveröffentlichungen zum Mainstream ummodelliert wurde. Aus schmutzigen Werken wie „Backwoods“ und Co wurden glattpolierte Teenie-Filme.

Der Backwood-Film muss in den abgelegensten Winkeln der Welt spielen, dort wo Menschen noch wohnen mögen, es aber unmöglich ist ihr Treiben, eventuell sogar ihre Anwesenheit gesetzlich, zu bemerken. Was dies betrifft darf man sich schon fragen, warum gerade der Kontinent Australien sich so selten zu dieser Filmgattung äußert. Ein Regisseur aus dieser Region hat den Zusammenhang der geringen Population seines Landes in Bezug auf Personen und Backwood-Veröffentlichungen bemerkt und uns „Wolf Creek“ gezaubert. Greg McLean lieferte damit sein Langfilm-Debüt ab und erzählt wie Urgroßvater „Blutgericht in Texas“ eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.

Klar wurden diese so weit abgeändert, bis der Vergleich fast unverschämt zu nennen ist. „Wolf Creek“ verrät dies bereits zwischen den Zeilen, wenn jene Person, die das Finale lebendig verlassen darf, so ziemlich nichts von all dem wissen dürfte, was im Laufe der Geschichte passiert ist. Denn McLean will nicht einfach nur stumpf ein Stück vom Geldkuchen ab haben, er will den Zuschauer auch überraschen. Und so präsentiert die Geschichte sich ab einem gewissen Zeitpunkt in drei gesonderte Kapitel unterteilt. Jeder der drei verschleppten Touristen bekommt seine eigene Geschichte und erlebt den Trouble mit dem Psychopathen großteils getrennt von einander.

McLean genießt es mit dem Zuschauer zu spielen, will uns in Kapitel 1 der Touristentrennung die bis dahin aufgebaute Identifikationsfigur auch weiterhin als Heldin verkaufen, um sie uns nach sehr langer Zeit der Täuschung doch noch als erhoffte Überlebende zu nehmen. Das reißt einen ähnlich heraus wie bei „Psycho“, in welchem Hitchcock selbiges tat, was heute aber auch nicht mehr ganz so zu schocken weiß, wie in den 60er Jahren.

Etwas merkwürdig ist hingegen die Idee zu nennen den Backwood-Streifen mit einer Alien-Thematik zu mischen. Schon der sehr unbeliebte „Texas Chainsawmassacre 4 - Die Rückkehr“ versuchte dies und wirkte damit eher lächerlich als mystisch. McLean hat jedoch ein Gespür für seine Geschichte und mischt besagte Themen nur zum Aufbau der Atmosphäre und zur Verwirrung des uninformierten Konsumenten, anstatt diesen Bereich konsequent weiter auszubauen.

Waren die Täter in Tobe Hoopers großem Film Kannibalen, die Bösewichter in vielen Nachzüglern schlichtweg „nur“ Triebtäter, so darf Mick Taylor, der Psychopath des McLean-Films, Jäger sein. Statt Tiere Menschen zu jagen, das besaß bereits in den 30er Jahren Reiz, als in „Graf Zaroff“ die titelgebende Figur Gestrandete auf seiner Insel jagte. Auch in „Wolf Creek“ weiß dieser Aspekt der Geschichte zu wirken, hätte aber noch intensiver fruchten können, wenn es der eigentliche Grund des Psychopathen gewesen wäre um Touristen anzusprechen und mitzunehmen. Dass er seine Opfer jagt hat jedoch nur mit der schlichten Tatsache zu tun, dass sie ihm entkommen. Dennoch weiß der Jagdgedanke zu gefallen, allein wegen der unfairen Chancenverteilung durch Heimvorteil und Zielfernrohr.

Zwar macht McLean vieles richtig, aber seine packendste Phase besitzt der Film zu Anfang, wenn er aus der oberflächlichen „Teenies machen Party“-Phase heraustritt, um die Touristen in die Einöde zu schicken. Hier besitzt „Wolf Creek“ die dichteste Atmosphäre und schafft es am besten dem Zuschauer Angst zu machen. Zunächst durch das Spiel der Unwissenheit der Protagonisten, die noch leichtfertig durch die Gegend stapfen, ihre privaten Problemchen zelebrieren und noch an die Fahrtüchtigkeit ihres Töffs glauben, später einfach dadurch, dass sich die Angst der Helden durch simpelste Identifikation mit der Situation automatisch auf den Zuschauer überträgt. Hilfreich für diese intensive Wirkung sind die Dunkelheit und die Farbgebung, die „Wolf Creek“ optisch zu etwas Besonderem machen.

Beginnt die eigentliche Geschichte, ist die Wirkung auch fast wieder vorbei. Spätestens wenn man bei Taylor daheim am Lagerfeuer sitzt und erstmals klar wird, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat, verschwindet die Angst. Taylor erinnert viel zu sehr an den Vater der „Blutgerich in Texas“-Sippe, der für den Humorpart verantwortlich war. Er ist weder zu gestört a la Leatherface, um ihn als unberechenbar darzustellen, noch strahlt er eine gewisse Faszination aus, die ihn zu einer mystischen Figur der Furcht macht. Wahrscheinlich war das schon immer mein persönliches Problem am Backwood-Slasher. Außer Hoopers Kannibalen konnte mich noch selten ein Täter dieser Filme überzeugen. Dass die Streifen dennoch zumindest grob funktionieren können, beweist neben „Wrong Turn“ u.a. dennoch auch der hier besprochene Film.

Sicherlich ist „Wolf Creek“ nie mehr so spannend wie in besagter zweiter Phase. Aber durch das Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers bleibt der Film trotz schwächelnder Täterwirkung weiterhin interessant. Es ist jedoch schön zu wissen, dass Greg McLean in seinem Folgefilm „Rogue - Im falschen Revier“ scheinbar dazu gelernt hat, so dass das Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers dort wesentlich besser zu wirken weiß, weil er es dort in Nebensächlichkeiten einstreut, anstatt in reißerische Gebiete, so wie es in „Wolf Creek“ der Fall ist. Keine Frage, der Film macht Spaß, aber McLeans Kroko-Horror „Rogue“ ist tatsächlich etwas Besonderes geworden, wohingegen „Wolf Creek“ schlichtweg ein netter Genre-Beitrag ist - nicht mehr und nicht weniger.


Trailer,   OFDb

WAS MACHT DER TOTE AUF DER WÄSCHELEINE? (Student Bodies 1981 Mickey Rose u.a.)


Auf einer High School geht ein Killer um. Mit höchst unspektakulären Werkzeugen begeht der unbekannte Täter seine Morde. Verdächtig ist so ziemlich jeder, denn die Schule besteht eigentlich nur aus durchgeknallten Personen: einem debilen Hausmeister, einem wahnsinnigen Werklehrer, einem fragwürdigen Direktor und noch vielen anderen, denen man die Taten zutrauen würde...


Was brauchen die Deutschen immer so viel Fun in Titeln...

Die Einleitung des Films ist auch gleich ihr Höhepunkt. Man wird mit einer Parodie auf "Jessy - Die Treppe in den Tod" in den Film eingeführt. Und da sind manch nette Ideen vorhanden: das Schnaufen eines Psychopathen begründet sich durch die Anstrengung eine zu hohe Treppe hinaufzugehen, der warnende Anrufer ist ein Notgeiler der durch den Hörer sabbern kann, und das Telefon läutet auch gerne mal aufdringlicher, wenn sich das verstörte Opfer weigert abzuheben.

Da sind einige gelungene Ideen vorhanden, inklusive humoristischer Schriftzüge, beispielsweise wenn mit Opfer Nummer 1 das fröhliche Leichenzählen beginnt, was bis zum Ende des Streifens auch mit jedem Todesfall konsequent durchgezogen wird. Auf kleine Details, die der unaufmerksame Zuschauer übersehen könnte, wird penetrant hingewiesen, z.B. wenn ein Pfeil darauf aufmerksam macht, dass eine Türe nicht verschlossen ist.

Für Ideen dieser Art könnte man „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“ lieben. Recht kultig wird er gar durch die sehr skurrilen Running Gags, wie dem Zwang des Werklehrers von seinen Schülern nie etwas anderes anfertigen zu lassen als Pferdekopfbuchstützen. Oder aber der Idee, dass der Mörder des öfteren eine Auswahl an diversen Mordwerkzeugen hat und sich immer für das unspektakulärste Objekt im Raum entscheidet. Mit einer der banalsten aber auch witzigsten Momente ist jene Szene, in welcher ein Snackverteiler während einer Sportveranstaltung das Essen im Stadion auf seine ganz eigene Art verteilt.

Wäre der ganze Film wie die von mir aufgezählten humoristisch gelungenen Beispiele, das Werk könnte richtig punkten. Aber leider gerieten auch viel zu viele Tiefflieger mit ins Drehbuch hinein, die teilweise eine solch unterirdische Quote erlangen, dass man sich als Zuschauer schon fast beleidigt fühlt. Da wäre beispielsweise die Rolle des Hausmeisters zu nennen, welche die Peinlichkeiten eines Doofy aus "Scary Movie" vorweg nimmt und dabei wesentlich unlustiger wirkt als dieser. Immerhin die deutsche, zotige Übersetzungsstimme beschert dem Hausmeister durch derbste Übertreibung noch halbwegs Lustigkeit, aber was nutzt das inmitten billigem Fäkalhumors?

Zudem besitzt „Student Bodies“ (Originaltitel) auch leider seine Längen. Die erste Luft ist nach den ersten 10 Minuten raus, von da an geht es schleppender vorwärts als bisher, und am Ende ist der Zuschauer derart übermüdet, dass er schon fast nicht mehr wissen will, wer denn nun der Mörder ist.

Das ist schon schade bei einem Film mit so viel Potential, den man zudem als kleinen Vorreiter des eben erwähnten "Scary Movie" bezeichnen kann. Besser als "Shriek" ist er, besser als „Wacko - Da wackelt die Bude“ sowieso, der ziemlich zur selben Zeit wie „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“ herauskam. Im kleinen Kreise Gleichgesinnter geguckt schaut er sich sicherlich unterhaltsamer als allein. Aber selbst dann sollte man Mickey Roses Komödie noch mit Alkohol dopen.

Also: dank abgedrehtem Humor sorgt der Film für einige nette Lacher. Wer sich dies nicht lange, zähe 90 Minuten antun will, den Film aber zufälliger Weise in der Sammlung hat, der sollte sich zumindest die ersten Minuten, den Höhepunkt des Films, angucken. Aber so oder so: wer Klamauk nicht leiden kann, sollte es erst gar nicht versuchen „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“ zu sichten. Der sollte sich dann vielleicht eher eine Pferdekopfbuchstütze basteln.


Samstag, 25. August 2012

THE SNOW CREATURE (1954 W. Lee Wilder)


Im Himalaja entdeckt man einen Schneemenschen, den man recht schnell eingefangen bekommt. In Kalifornien kann die Bestie jedoch entkommen, und sie ist nicht gerade gut gelaunt...


Behaarte Menschen sind Yetis...

Es gibt Filme, da hat man so eine Vermutung warum sie damals nie den Weg nach Deutschland fanden. Wen hätte dieses langweilige Stück Zelluloid schon interessieren sollen? „Snow Creature“ handelt in der ersten halben Stunde davon wie eine Gruppe Menschen durch die Berge stampft. Und sie stampfen und stampfen. Hin und wieder erscheint die titelgebende Schneekreatur um lahmen Schrecken zu verbreiten, dem sich selbst herzkranke Zuschauer bedenkenlos stellen könnten. Aber hauptsächlich stampft man.

Im Laufe der Handlung wird die Kreatur eingefangen, sie wird in die Stadt gebracht und bricht dort aus. Von nun an geht das Stampfen wieder los, wenn auch diesmal nicht im Schnee. Das Biest geht umher, die Menschen gehen umher, dann rasten sie zur Abwechslung mal, beraten sich, und dann stampfen sie wieder.

Der Schneemensch selbst ist in diesem ganzen Herumgestampfe kaum zu sehen. In seinen Szenen spielt der Film stets im Dunkeln, ein Fakt der nie genutzt wird um eine gewisse Atmosphäre einzufangen oder eventuell mit Licht und Schatten zu spielen. Die Dunkelheit ist lediglich Vorwand dafür die Kreatur nicht so gut erkennen lassen zu müssen, damit man sich für das Kostüm keine große Mühe geben musste. Zu erkennen gibt es da ohnehin nur recht wenig, mehr als einen großen Mann mit starkem Bartwuchs und einer Mütze, der einen öden Filzanzug trägt, gibt es nicht zu erkennen. Klingt nicht gerade erschreckend? Ach was!

Das dunkle Filzfell erleichterte Regisseur W. Lee Wilder, der auch den unterhaltsameren „Killers From Space“ inszenierte, das Versteckspiel in düsteren Bildern. Stimmung kommt dadurch so gar nicht auf. Langeweile und die Hoffnungslosigkeit dass sich daran nichts ändert, kommt stattdessen nun endgültig beim Zuschauer auf. Häufig amüsiert es in Filmen, wenn das Monster vor sich hingrunzt oder anderweitige Laute von sich gibt. Unsere Schneekreatur jedoch bleibt lautlos wie Jason. In diesem Falle hätte ein unheimlicher Laut vielleicht noch ein Wunder bewirken können, aber still wie der Yeti ist, erlebt man ihn nicht anders als einen menschlichen Kriminellen, der vorzugsweise über Frauen herfällt und hin und wieder auch Männer umschupst. Mit diesem Verhalten schaut sich „The Snow Creature“ harmloser als jeder Kinder-Krimi.

Ja, der Film ist langweilig und schlecht, aber immerhin gibt es noch ein paar amüsante Hinweise zum Inhalt zu verkünden. So wird beispielsweise eine Rarität wie der Schneemensch nach dem Einfangen dem nächstbesten Sheriff in Obhut gegeben, so als sei die Kreatur in der westlichen Welt finanziell nicht wertvoll. Sieht man jedoch im Gegenzug, wie stinknormal der Gesetzeshüter auf die bislang für Hirngespinste gehaltene Kreatur reagiert, braucht einen das wiederum doch nicht zu wundern, könnte man doch meinen so ein Yeti gehöre zum Alltag.

Die zweite Hälfte des Streifens spielt in Kalifornien. Da ist es schon etwas wärmer als im Himalaja. Aber macht dies der Kreatur etwas aus? Nein, die Möglichkeit hier im Drehbuch etwas pfiffiger zu arbeiten wird gar nicht erst bedacht. Der an sich interessante Wechsel dieser beiden unterschiedlichen Regionen war scheinbar nie der gedankliche Auslöser zum Spiel mit Stärken und Schwächen von Jägern und Gejagtem.

Alles in allem ist mit „The Snow Creature“ nichts Gutes und nicht Spaßiges gedreht worden. Selbst Szenen wie jene, in welcher eine puschelige Yeti-Hand geradezu sanft aus einem Sack heraus nach einem Menschen greift, wissen nicht genügend zu amüsieren um wenigstens von unfreiwillig komischem Nonsens zu sprechen. Schade dass wir eigentlich nur Menschen beim Umherstampfen beobachten dürfen, denn gelungene Filme mit bösen Yetis gibt es leider viel zu selten. Da schien mir ein solches Werk aus den 50er Jahren geradezu ein Hoffnungsschimmer zu sein. Aber falsch gedacht!


WITHIN THE WOODS (2005 Brad Sykes)


Ein Produzent möchte sich das legendäre Camp Blood zu Nutze machen, indem er dort mit jungen Menschen eine Reality-Show für das Internet aufzieht. Die Leute sollen 24 Stunden im Wald verbringen und werden dabei gefilmt. Der Produzent engagiert zusätzlich einen Clown, der die Mitwirkenden erschrecken soll, um die Ereignisse aufzupeppen. Das ist jedoch gar nicht nötig, denn ein echter Killerclown ist schon längst wieder im Camp Blood tätig...


Wo kommen nur all die Killerclowns her?...

Brad Sykes ist ein Amateurfilmer Amerikas, dessen erste Gehversuche „Camp Blood“ und der ein Jahr darauf folgende „Camp Blood 2“ waren. Das Rezept war simpel: ein Killerclown stapft durch einen Wald und tötet Menschen. Das gute: das Sub-Genre Slasher muss nicht zwingend logisch sein. Das noch bessere: ein Amateurfilm erst recht nicht!

So geht es mir zumindest in meinem Urteil, und so kann ich das häufige Jammern im Internet nicht teilen, wenn es heißt die Filme um den Killerclown seien grottenschlecht und verschwendete Lebenszeit. Vielleicht muss man selber Hobby-Filmer gewesen sein um es zu erkennen. Aber Sykes drehte schlicht unterhaltsame Filme, die weder im Wettbewerb mit richtigen Produktionen mithalten sollten, noch das Genre neu erfinden. Das Gegenteil war der Fall. Sykes kopierte wo er nur konnte und hielt sich dabei so streng an die Regeln, dass das ganze als selbstgedrehter, naiver Streifen tatsächlich funktioniert. In Teil 2 klaute er die Idee von „Scream 2“ und ließ eine Filmcrew vom Clown niedermetzeln, die gerade einen Film über ihn drehen wollte.

Nach „Camp Blood 2“ sind 5 Jahre vergangen, ehe sich Sykes erneut an sein erstes Kind heranwagte. In der Zwischenzeit hatte er mindestens zwei Filme pro Jahr gedreht (u.a. den arg mies geratenen „Goth“), organisierte sich eine bessere Kamera und so wirkt „Within The Woods“, wie die vorliegende zweite Fortsetzung nun heißt, schon eine Spur professioneller. Ein Amateurfilm ist es noch immer. Dennoch wirkt „Camp Blood 3“ (Alternativtitel) nicht mehr ganz wie ein Heimvideo unter Kumpels, was ihm aber keinesfalls seiner Sympathie beraubt.

Im Gegenteil: es ist sowohl interessant zu beobachten wie sehr sich Sykes weiterentwickelt hat und gleichzeitig ein wohliges Gefühl zu sehen, dass der gute Mann weiterhin kein Profi seines Fachs ist, was ich nicht im schadenfreudigen Sinne meine. Auch Teil 3 könnte kaum naiver und strenger am Genre orientiert sein. Man sollte meinen, dass beim Fehlen sämtlicher Innovationen der Sehwert verloren ginge, aber wie auch immer Sykes es macht: auch Teil 3 weiß simpel zu unterhalten, mitunter eben weil es ein Amateurfilm ist. Und es ist einer, der keine Schlachtplatte ausbreiten will. Der Gore ist zahm, simpel getrickst und genau deswegen vollkommen okay zu nennen. Er ist unspektakulär und unrealistisch allein schon wegen der Farbe des Blutes (die hätte nun wirklich eine andere sein können), aber Zentrum des Films wird die Gewalt nie.

Stattdessen lässt Sykes ein Klischee und einen Stereotypen nach dem nächsten durch das Drehbuch stampfen (falls es denn wirklich eines gab), und um den Vorgängern eins drauf zu setzen klaute er erneut von einem großen Kinofilm seiner Zeit, diesmal dem wenig beliebten „Halloween 8 - Resurrection“. Die „Big Brother“-Thematik muss mal wieder herhalten, die im Horror-Genre manchmal schlecht angewandt wurde („Wrong Turn 2“), manches mal aber auch erstaunlich gut („Unsichtbare Augen“).

Der neue Aspekt beschert Sykes neue Möglichkeiten naiv zu wirken. Wo man sich eng an Vorbilder hält, baut man auch viele genretypische Fehler ein. Diesmal darf z.B. jegliche Kamera an jenen Orten fehlen in denen der Clown seinem mörderischen Hobby nachgeht. Campen die Helden jedoch, tun sie dies rein zufällig im perfekten Winkel der beobachtenden Kamera. Freilich ist auch der Eingang ideal zu filmen, so dass das pflichtgemäße Reality-TV-Fummeln auch nicht fehlt.

Man sollte von „Camp Blood 3“ keine Überraschungen erwarten, aber das müsste den Kennern der ersten beiden Teile, die es überraschend nach Deutschland geschafft haben, ohnehin klar sein. „Within The Woods“ hat es bislang nicht in unsere Breitengrade geschafft, und da die Vorgänger alles andere als beliebt sind, wird das sicherlich auch so bleiben.

Ob man sich nun an den hier besprochenen Film oder an seine beiden Vorgänger heranwagen möchte, eines sollte dem Zuschauer zuvor bewusst sein: die „Camp Blood“-Reihe ist keinesfalls dem Horror-Fan zu empfehlen. Sie ist lediglich etwas für jene Art Cineasten, denen es Freude bereitet zu sehen was Laien auf die Beine gestellt haben. Mit dem Horrorbereich sollte man sich schon auskennen, und idealer Weise sollte man am besten auch selbst eine Videokamera besitzen und damit mehr gefilmt haben als das Familientreffen an Omas Namenstag. Erst dann kann man sich auch mit "Within the Woods" und seinen beiden Vorgängern identifizieren, etwas dass man mit den ausgelutschten Charakteren und der bereits bekannten Geschichte ansonsten kaum kann.

Ist einem dies bewusst, darf man neben der eigentlichen Erzählung noch manche Zusatzbeobachtung machen. Da gibt es z.B. einen schauspielerisch völlig überforderten, aber tapfer agierenden Muskelmann, der bei meiner nächtlichen Sichtung beim Aufschreien wahrscheinlich meine Nachbarn hat hochschrecken lassen, da er mitten ins Mikro brüllte. Da darf man beobachten wie Sykes selbst in stillen Momenten nicht die Führung einer Kamera beherrscht. Das zeigt sich besonders deutlich nach der Eingangssequenz, wenn die Kamera ihr Augenmerk auf ein Lagerfeuer richtet, damit in den Flammen der Vorspann beginnen darf. Scheinbar stand das Aufnahmegerät zuvor auf einem Stativ, denn nun, noch bevor das Bild Richtung Flammen wandern darf, gibt es einen kurzen Schwenk in die falsche Richtung, der geradezu typisch dafür ist, wenn man eine Kamera in die Hand nimmt, die zuvor wo stand. Selbst Windgeräusche im Mikro dürfen nicht fehlen. All diese Fehler fördern ungemein den Spaß am Selbstgedrehten, ohne dass der Film dadurch komplett lächerlich wirkt.

Klar spielt unfreiwillige Komik eine gewisse Rolle, „Within The Woods“ ist aber keine peinliche Lachnummer a la „Dark Area“ geworden, die man nur wegen ihrer Dämlichkeit gucken kann. Sykes Film ist ein Mix aus charmanter Verbeugung vor den Vorbildern und einem dreisten Plündern ihrer Ideen. Mag der Regisseur auch noch so jedes Klischee und mit einher jeden Unsinn streifen, zumindest beherrscht er den roten Faden einer solchen Geschichte. Diese wird nie langweilig, obwohl man das Gesehene bereits von vielen anderen Slashern kennt. Sykes weiß es Szenen zu inszenieren, und mögen diese noch so amateurhaft sein. Zumindest hat er ein Gefühl dafür, welcher Darsteller in welche Rolle passt, und wie er ein gewisses Feeling aufzufangen hat.

Also: wer ein Auge zudrücken kann, Spaß an Amateurfilmen außerhalb des zelebrierenden Gores hat und vielleicht sogar selbst hin und wieder mit Freunden ein Filmchen dreht, könnte Spaß an „Camp Blood 3“ haben. Man sollte aber bestenfalls zuvor die anderen Teile gesehen haben. Wohl kaum um zu begreifen was in der zweiten Fortsetzung so alles passiert, aber es ist interessant zu sichten in wie weit sich Sykes von Film zu Film verbessert hat ohne dabei professionell zu werden.


Trailer,   OFDb

WITHIN THE WOODS (1978 Sam Raimi)


Eine kleine Holzhütte im Wald, hier verbringen 4 Freunde ein Wochenende. Doch es soll alles andere als Party oder gar Erholung werden. Denn ein Indianerfluch lässt einen der Freunde zum Zombie mutieren...


Tanz der Teufel 1.0

Für sich betrachtet ist "Within The Woods" ein zwischen Durchschnitt und Unterdurchschnitt pendelnder Amateurfilm. Er ist ein typisches Kurzfilm-Produkt dieses "Genres" und krankt an selbigen Dingen, wie viele andere unprofessionelle, selbst finanzierte Filme. In erster Linie wäre hierbei zu erwähnen, dass selbst Profi-Regisseur Sam Raimi es als junger Spund nicht lassen konnte seine Mini-Story nur als Vorwand zu nehmen, um einen blutigen Effekt nach dem nächsten zu zeigen. Das Timing um Spannungsaufbau zu erzeugen fehlt ihm noch vollkommen (gut zu erkennen an jener Szene, in welcher der todgeglaubte Dämon nach der Hauptdarstellerin greift). Ohnehin ist seine Regie, auch für einen Amateurfilm, lausig zu nennen. Das überrascht schon, wo er doch in so vielen verschiedenen Genres später beweisen konnte wie viel Talent er besitzt.

Beachtet man, dass aus der Grundlage dieses Filmes später "Tanz der Teufel" wurde und einige Elemente sich (erst) in "Tanz der Teufel 2" wiederfinden, bekommt der Film einen ganz eigenen Reiz. Es ist interessant zu sehen was sich inhaltlich von den Folgefilmen unterscheidet (z.B. die indianischen Elemente statt des Tonbandgerätes) und was, teilweise überraschender Weise, bereits im Kurzfilm-Original enthalten ist (z.B. die berühmte lange Kamerafahrt).

Interessant ist auch, dass Campbell in „Within The Woods“ der erste Tote ist, um dann als Dämon wiederzukehren. In "Tanz der Teufel" ist er der Held, in "Tanz der Teufel 2" erleben wir ihn als Mix aus diesem und seiner vom Dämonen besessenen Rolle aus dem hier besprochenen Werk. Auch die "Dolch in den Bauch"-Szene inklusive der "sperrig vor der Tür liegen"-Szene aus Teil 2 sind bereits in diesem Teil 0 enthalten.

Leider sieht man diesen guten Ideen in diesem mauen Werk noch nicht ihr Potential an. Hätte es die großen Kult-Horrorfilme im Anschluss nicht gegeben, würde "Within The Woods" nur ein heiteres Gähnen ernten, dem man zwar die Mühe zugestehen muss, welche die Hobby-Filmer an den Tag legten, aber das ist ohnehin der Bonus, der fast jedem Amateurfilm zusteht.


OFDb

HOUSE (1986 Steve Miner)


Nachdem seine Tante stirbt, zieht Schriftsteller Roger Cobb in das Haus der Verstorbenen. Dass es hier spuken würde, hat seine Tante immer behauptet, und nun muss Cobb feststellen wie recht sie hatte. Ein ungünstiger Zeitpunkt: Rogers Roman über den Vietnamkrieg muss endlich fertiggeschrieben werden, und ein nerviger Nachbar macht sich Sorgen um den Geisteszustand des Autors...


Tanz der Teufel Junior...

"House" ist ein kleiner Klassiker im Bereich der Horror-Komödien. Und auch wenn er sich überwiegend auf den Komödienteil konzentriert, so wird der Horrorpart doch trotzdem mehr als nur gestreift. Vom Typ her ist "House" für mich eine jugendfreundlichere Variante von "Tanz der Teufel 2". Rein thematisch gehen beide Filme in verschiedene Richtungen, aber beide spielen auf die selbe Art und Weise mit dem Zuschauer.

Aufgebaut auf einer  relativ dünnen Geschichte werfen sie beide dem Zuschauer jede Menge Zutaten zum Lachen, Gruseln und Erschrecken zu, so dass man meist nicht vorhersehen kann, was wohl als nächstes passiert. Man muss jederzeit mit allem rechnen, weil man weder Regeln noch Beweggründe kennt. Dass "Tanz der Teufel 2" dabei schlussendlich besser abschneidet, liegt an seiner klareren Linie. Aber auch "House" weiß zu punkten.

Neben seiner sympathischen und eher ruhigen Erzählweise hat Steve Miners Horror-Komödie als Trumpf zwei wirksame Charaktere vorzuweisen. Da wäre zum einen die Hauptfigur Roger Cobb, die in der deutschen Fassung auch eine passende Synchronstimme beschert bekommen hat. Roger ist intelligent, aufgrund privater Probleme zur Zeit etwas neben der Spur, aber vom Herzen her ein guter Mensch. Zum anderen gibt es den herrlich nervigen Nachbarn, der es auf seine schlampige Art nicht einmal schafft seine Bücher zu lesen ohne diese komplett zu zerstören - was laut seiner Ansicht freilich an der Schluderigkeit wie Bücher heutzutage gebunden werden liegt. Diese unterschiedlichen Typen werden allein in ihren gemeinsamen Dialogen konsequent durch ihre Wortwahl stilistisch getrennt, ihr Verhalten entfernt sie noch mehr voneinander.

Weiterer Trumpf des Films ist die düstere Cello-lastige Musik. Sie weiß den Zuschauer zu fangen, so dass dieser sich schnell in der Atmosphäre des Streifens wiederfindet. Hat man sich gerade an den dunklen Sound gewöhnt, wird auch gerne einmal plötzlich ein kleines, flotteres Lied eingespielt. Somit wechselt der Soundtrack ebenso wie die Handlung zwischen Horror und Komödie und weiß mit beidem gelegentlich zu überraschen.

Auch die vielen Kreaturen des Filmes sind fantastisch und mit viel Liebe umgesetzt. Sie wirken heutzutage freilich ein wenig überholt, aber sie sind zumindest noch handgemacht, was sie charmant genug erscheinen lässt um über kleine optische Defizite hinwegzusehen. Wer qualitativ als echter Hingucker herausragt, ist der Endgegner, der Jason schon etwas von sein Aussehen aus „Freitag der 13. 7 - Jason im Blutrausch“ vorwegnimmt und auch gleich den lustigsten Spruch des Films präsentieren darf: "Da komme ich extra aus dem Grab zurück und dann geht mir die Munition aus!"

Was die Geschichte betrifft, so kann ich nicht nur lobende Worte äußern, leider, dabei wurde vieles recht gut umgesetzt. Die wechselnden Erzählstränge zwischen Vietnamkrieg und Gruselhaus laufen interessant parallel nebeneinander her und werden später gut miteinander verbunden. Auch der Aufbau der Charaktere weiß zu gefallen, und ebenso lobend kann man darauf verweisen wie gelungen die ersten Gruselmomente im Haus inszeniert wurden. Im Gegenzug dazu ist das Finale erfrischend flott umgesetzt und mit dem Herabsteigen in die Welt hinter dem Spiegel sogar sehr mystisch eingeleitet. Gerade diese Szene regte meine Phantasie in der Jugend extremst an, und Momente wie jener, als der geflügelte Dämon aus dem Nichts zu kommen schien, verfehlten ihre Wirkung nicht, ganz im Gegenteil.

Andere Elemente werden hingegen leider recht stümperhaft eingeführt. Sehr deutlich zeigt sich z.B. ein Defizit im witzig gemeinten, aber zu ruppigen Übergang, in welchem der Schriftsteller kurzfristig zum Babysitter wird. So witzig einzelne Momente dieses überraschenden Zwischenplots auch ausgefallen sind, er wirkt zu zwanghaft eingebracht, bringt den Erzählrhythmus arg durcheinander, und zum Charaktzer Cobbs will es so gar nicht passen sich derart plump überrumpeln zu lassen. Spätestens wenn Cobb den kleinen Jungen nachts im Gruselhaus badet, macht überhaupt nichts mehr Sinn. Spätestens hier ist man an dem Punkt angekommen zu resignieren, da man in Sachen Nachvollziehbarkeit und Storyzusammenhang nicht mehr viel zu erwarten und zu erhoffen hat.

Am Schluss bleibt einem ein atmosphärisch dichter Film in Erinnerung, der neben einigen ruppigen Elementen im Erzählstrang auch irgendwie etwas lückenhaft und wackelig wirkt. Da man aber die Mühe hinter all dem sieht, die Darsteller mit Spaß an der Freude dabei waren und der Zuschauer immer wieder mit Überraschungen bei Laune gehalten wird, gehört der Film trotz aller negativen Elemente meiner Meinung nach zu Recht zu den kleinen Klassikern seines Genres.

Manche Szenenwechsel sind zu ruppig angegangen, was sich manchmal auch recht unpassend an der ebenso plötzlich abgebrochenen Musikuntermalung zeigt. Im Gegenzug ist der inhaltliche Situationswechsel, von der Babysitter-Situation einmal abgesehen, stets gelungen und weiß den Zuschauer immer wieder auf andere Art zu überraschen. Humor und Grusel geben sich die Hand und vereinen sich trotz Herstellungszeit-bedingter Gemütlichkeit zu einem flotten Cocktail, der nicht nur Horrorfans gefallen wird.


BEAST FROM HAUNTED CAVE (1959 Monte Hellman)



Eine Diebesbande verschanzt sich auf ihrer Flucht nach dem Coup in einer Skihütte. Nach und nach fallen sie einem spinnenartigen Monster zum Opfer, das in einer Höhle in der Nähe haust...


Autsch!...

Ich bin ständig auf der Suche nach lustigen Monsterfilm-Klassikern. Und auch wenn man anderes vermuten sollte, die Geschichte um ein paar Gauner, die einem Höhlenmonster zum Opfer fallen, bietet so gut wie nichts was dem Schundfilm-Fan gefallen könnte. Schade, der Titel klingt nett, das Covermotiv fällt charmant aus (könnte man sich als Poster in die Wohnung hängen), und der Name Roger Corman besitzt im von mir gesuchten Bereich seinen Ruf. Leider ist „Beast From Haunted Cave“ schlichtweg schlecht, womit er sowohl als nostalgischer Spaß ausscheidet, als auch als sehenswerter Vollschrott.

Zugegeben, in gewisser Hinsicht ist dieser Film von Regisseur Monte Hellman (was ein Name) Vollschrott, aber leider nicht jene Variante mit Unterhaltungswert. Dafür wird im Film einfach viel zu viel leergeschwätzt, und dabei bekommen die gelangweilten Darsteller kaum ihre Lippen auseinander, nuscheln sich einen zurrecht, so dass der ohnehin schon geplagte deutsche Zuschauer sich auf das englische Geschwafel noch mehr konzentrieren muss um irgendwas zu verstehen als ohnehin schon. Richtig vermutet: auf deutsch gibt es dieses zu Recht vergessene Werk nicht zu sichten. In unsere Breitengrade hat er es nie geschafft, viel hätte er damals hier sicherlich ohnehin nicht eingespielt.

Es wird also wie erwähnt viel geredet, meist uninteressantes Zeug, zudem wird noch häufig Ski gefahren, und wenn es nicht die Bretter im Schnee sind, ist es der Skilift, der fahren darf. Klingt nicht sonderlich aufregend? Ist es auch nicht. Wenn der erste Mensch endlich die Höhle betritt, wird das Monster wie üblich zunächst nur angedeutet. Nach diesem ersten „Auftritt“ kommt es jedoch kaum noch vor. Wahrscheinlich wollte Hellman nicht diese wundervoll einschläfernden Dialog- und Skifahrszenen unterbrechen.

Erst zum Ende hin kommt endlich die Schundatmosphäre auf, die schon viel früher erwünscht war. Zu diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer jedoch selbst in fröhlicher Runde schon derart unmotiviert, dass die Spätentschädigung auch nichts mehr zu retten weiß. Aber immerhin: endlich bekommen wir das Monster zu Gesicht, und das ist wirklich außergewöhnlich hässlich ausgefallen. Es fällt mir schwer das Vieh zu beschreiben, aber neben der Kreatur von "Creature From The Haunted Sea" gehört das "Beast From Haunted Cave" zu den schrulligsten und schlecht zusammengeschustertsten Monstern der Filmgeschichte. Und das muss schon was heißen in diesem Sub-Genre.

Es ist groß wie ein Mensch, hat lange, starre Spinnenärmchen (nicht so gelenkig wie das Poster vermuten lässt), es hat kein Gesicht, zumindest wird es, falls vorhanden, von filzigen Haaren verdeckt (auch hier schwindelt das Poster), überhaupt ist es ein sehr haariges Wesen. Insgesamt ist dieser Look so schrullig skurril, dass diese Beschreibung das wahre Aussehen nur streift. Das Monster selbst wirkt sehr wackelig. Ich denke es wurde außerhalb der Kamerasicht mit Stöcken bewegt, ähnlich dem Spiel vergangener Tage mit den Muppet-Puppen. Da waren demnach also nicht nur im Puppendesign Amateure am Werk, sondern auch im Puppenspiel.

Das liest sich sehr lustig, ist es aber wie erwähnt kaum, dafür kommt das Monster dann doch viel zu spät und viel zu kurz zum Einsatz. Wenn es zum Schluss mit einer Signalpistole erschossen wird und das Vieh in Flammen aufgeht, wartet nicht einmal mehr der Regisseur bis die Kreatur ausgebrannt ist. Sehr schnell erscheint der Schriftzug "The End", und die Frage, ob das Ungetüm noch einmal aufsteht, erledigt sich von selbst.

Nicht lustig, nicht spannend, nicht nostalgisch (nicht einmal die Musik, die im Gegensatz zur üblichen Herangehensweise dieser Art Film überraschend zurückhaltend erklingt)! Trotz aller Billigkeit wird Hellmans Werk nicht einmal ein unfreiwillig komischer Partykracher.


ALIEN VS. HUNTER (AVH: Alien vs. Hunter 2007 Scott Harper)



Nachdem zwei Aliens auf die Erde gekracht sind, versucht ein Reporter zusammen mit einer kleinen Gruppe Menschen seinen Arsch zu retten...


Die drögeste Alieninvasion seit langem...

The Asylum ist dem erfahrenen Schundfilm-Fan längst ein Begriff, verbirgt sich hinter diesem Namen doch eine Firma, die eine finanziell lukrative Lücke auf dem Markt der bewegten Bilder entdeckt hat: für wenig Geld dreht man ein billiges Plagiat eines größeren Kinofilmes. Das funktionierte schon bei den minderwertigen Disney-Klonen auf dem VHS- und DVD-Markt, und auch Sat 1 hat dieses Konzept längst für sich entdeckt. The Asylum macht im Vergleich zu diesen Beispielen mit ihren Kopien jedoch scheinbar den Reibach schlechthin, denn immerhin erreicht ein Großteil dieser US-amerikanischen Filme auch das olle Deutschland.

Eine Ausnahme bildete da die Asylum-Version von „War Of The Worlds“, die es erst spät nach Deutschland geschafft hat, obwohl sie eines der besseren Werke besagter Filmschmiede ist. Außerdem im Programm: „Transmorphers“ statt „Transformers“, „I Am Omega“ anstatt „I Am Legend“ und den hier besprochen „Alien vs. Hunter“ anstatt „Alien vs. Predator“. Okay, in diesen Fällen kann man auch beim Original nicht gerade von einem gelungenen Film reden, aber wer schon einmal eine Asylum-Prouktion gesichtet hat, der weiß dass Werke wie „Alien vs. Predator“ noch große Filmkunst sind im Vergleich zu dem Geschisse was bei besagter Firma üblicher Weise abgedreht wird. Da reden wir von so unglaublich dreisten Werken, dass man mir Worte wie Geschisse oder meine arg  plumpausformulierte Inhaltsangabe einfach verzeihen muss. Schließlich wird man als Filmkonsument von Werken dieser Produktionsfirma verarscht.
Ob man nun weiß was Asylum da so dreht oder nicht, man will Filme für den Schnellverzehr gucken, im besten Fall unfreiwillig komischen Blödsinn gemixt mit freiwillig komischen. Man will jedoch nicht verarscht werden wie bei „Alien vs. Hunter“, der anstatt amüsantem Schund einfach nur eine Magerversion eines C-Movies abgibt, ein Werk gequälter Langeweile, ein Produkt ohne Unterhaltungswert. Das ist schon schade, denn den Part des Giger-“Alien“ aus „Alien vs. Predator“ übernimmt ein außerirdischer Arachnid, etwas das ich im B-Film-Sektor eigentlich recht gerne sichte (z.B. in „Arachnid“ oder „Webs“). Den „Predator“-Part übernimmt dann ein optischer Predator für Arme, der zudem ein wenig an „Zeiram“ erinnert. Er ist Jäger, er macht sich zur Tarnung fast unsichtbar, hier kopierte man schon ein wenig offensichtlicher.

Dennoch ist die Übereinstimmung in einem Film wie „Alien vs. Hunter“ nicht mehr so intensiv wie bei „I Am Omega“ und „War Of The Worlds“. Damit wird der Streifen letztendlich doch zu einem eigenständigen Werk, welches man nicht wirklich mit dem „Original“ vergleicht, und damit geht auch einiges an Schundwirkung verloren. Genug anderweitige schundfördernde Elemente gäbe es dennoch zu genüge, hier greift Regisseur Scott Harper aber nun auf zu wenige zurück.

Zwar wird die menschliche Spezies in diesem Z-Movie nur bevölkert von Vollidioten, die unsinnig vor sich hinbrabbeln, sich ständig streiten und fragwürdige Ideologien vertreten, aber das wird niemals unfreiwillig humorfördernd eingefangen. Hierfür fehlt letztendlich das richtige Tempo, und das kann man suchen gehen in diesem Science Fiction-Horror, der versucht spannend erzählt zu sein, an dem aber niemand beteiligt war, der auch nur einen Hauch Talent besitzt.

Okay, vielleicht sollte man mit dieser Aussage etwas vorsichtiger umgehen, kleidet die Hauptrolle doch William Katt, ein Mann der immerhin in der Hauptrolle von „House“ zu überzeugen wusste. In „House 4“ war es damit aber auch schon wieder vorbei, also vergessen wir besser diese kleine Einschränkung der von mir aufgegriffenen Behauptung und kehren lieber wieder zur Uraussage zurück: hier besaß niemand einen Hauch Talent.

Auf fröhliche Ed Wood-Art werden hier Nachtszenen bei Tag gedreht. Selbst billigste Drehorte werden unnötig gestreckt (so wird ein und der selbe Tunnel immer und immer wieder als angeblich neuer Tunnel beschritten) und das lustigste an dieser Chose: einer dieser Tunnel endet (logischer Weise) irgendwann draußen, und wo kommt unser Trupp Helden heraus? Sie kommen aus einem Brückenbogen heraus, dessen anderes Ende man nicht vor der Kamera versteckt hat, so dass man sofort erkennt, dass sich hinter dem Bogen kein Tunnelsystem befinden kann, stattdessen aber hinten wie vorne saftige Wiesen. Eine Tür könnte sich an der Brückenmauer befunden haben, quasi im toten Winkel der Kameraperspektive? Gute Idee, aber nein, ein winziger Spaziergang der Protagonisten zeigt kurze Zeit später, dass auch diese letzte Möglichkeit nicht für Restlogik sorgen kann.

Da aber ohnehin nichts logisch ist in diesem Film, wundert ein solcher Nepp überhaupt nicht. Zumindest war die Brückensituation ein passendes Beispiel wie untalentiert und uninteressiert man dieses Werk angegangen ist. Schade, dass man nicht mehr auf Action und Monster gesetzt hat, dann hätte solch feiner Unsinn wie „Mega Piranha“ draus werden können. Aber wie erwähnt will Scott Harper nur all zu gern und all zu verkrampft einen Spannungsbogen erzeugen. Und dafür lässt er seine Helden ewig durch die Gegend stapfen und unwichtigste Inhalte in endlose Dialoge fassen.

Somit war dieser Ausflug in die Welt eines Asylum-Films einfach nur langweilig und damit keine Empfehlung wert. Dem Schundfilm-Freund sei, wenn schon unbedingt Asylum-Film, eher zu „Mega Piranha“ oder „Mega Shark vs. Giant Octopus“ geraten. Ich wünschte ich könnte im hier speziellen Falle auf das Original verweisen, aber ebenso wie bei „Transformers“ und „I Am Legend" ist „Alien vs. Predator“ nicht wirklich des Sichtens wert, auch wenn allein die finanziellen Möglichkeiten dafür sorgten, dass sich diese mageren Kinoerlebnisse besser gucken lassen als so etwas wie „Alien vs. Hunter“.


Donnerstag, 23. August 2012

THIS BOY'S LIFE (1993 Michael Caton-Jones)


Tobias Wolff ist nicht gerade ein Vorzeigeschüler. Als er nach dem x-ten Umzug in eine andere Stadt suspendiert wird, beschließt seine Mutter, dass es so nicht weiter gehen kann. Da sie ohne Zukunftsperspektive ist, schlägt sie vor Tobias solle für einige Wochen zu ihrem neuen Freund Dwight ziehen. Wenn es mit den beiden funktioniert, kommt sie nach um zu heiraten. Dwight hat sich in den Kopf gesetzt Tobias um jeden Preis zu erziehen, und so erträgt der Teenager, der unbedingt ein besserer Mensch werden will, die fragwürdigen Erziehungsmethoden Dwights. Es kommt zur Hochzeit und das tyrannische Treiben des Stiefvaters schaukelt sich immer weiter hoch...


Die Jugend eines Literaturprofessors...

Als im Jahre 1997 Leonardo DiCaprio große Erfolge mit seiner Darstellung der Hauptrolle in „Titanic“ feierte, da erkannten viele noch nicht sein großes Talent. Durch seine vorherige Rolle in „Romeo und Julia“ wurde er von uninformierten Zuschauern zunächst als eine Art Romantik-Softi gesehen, also eine Form des Schauspielerdaseins, welches keine sonderliche Begabung erfordert. Übersehen hatten solche Kritiker jedoch die Leistungen, die der junge Mann zuvor vollbracht hatte, allein in den drei Jugend-Dramen „Jim Carroll - In den Straßen von New York“ (1995), in welchem er überzeugend jemand Drogensüchtigen verkörperte, „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ (1993), in welchem er einen geistig behinderten Jugendlichen in einer Nebenrolle verkörperte, ohne in ein Klischee abzurutschen und „This Boy‘s Life“ (1993), in welchem er sich früh neben Robert DeNiro bewies, einem Mann, dem er nun in der Gegenwart angekommen ebenbürtig geworden ist.

Robert DeNiro zählt seit Jahrzehnten zu den talentiertesten und anerkanntesten Schauspielern der Vereinigten Staaten von Amerika. DiCaprio war noch jung und hatte noch einiges zu lernen. Aber dass er sehr begabt war und einmal eine echte Konkurrenz DeNiros werden könnte, bewies er bereits im hier besprochenen Film. Allerdings muss man hinzufügen, dass DiCaprio nicht so jung war, wie es in diesem Drama den Eindruck macht. Zur Zeit des Drehs war er bereits 19 Jahre alt. Es ist erstaunlich wie jung manche Menschen wirken können, erst recht wenn sie ein rundes Babyface besitzen wie Leonardo. Worüber andere spotteten, war sein Trumpf.

Man kann nicht gerade behaupten, dass der Film nicht etwas zu dick auftragen würde. „This Boy‘s Life“ basiert zwar auf der Autobiographie des späteren Literaturprofessors Tobias Wolff, aber ob solche Szenen wie die Autofahrt nach Concret zum Besserungsurlaub tatsächlich so stattgefunden haben wird, wie dargestellt, darf ebenso bezweifelt werden, wie manch andere Übertreibung. Dennoch sollte man in vielen anderen Bereichen nicht zu früh Übertreibung und Klischee schreien, immerhin spielt der Streifen im Amerika der 50er Jahre und dazu noch in einem winzigen Hinterwäldlerkaff. Da kann ich mir schon vorstellen, dass das meiste in etwa so stattgefunden haben könnte wie hier erzählt. Es dürfte lediglich manche Reihenfolge der Ereignisse für den dramaturgischen Effekt geändert worden sein.

Dramen aus Amerika wollen in erster Linie Unterhaltungskino sein, und das ist bei „This Boy‘s Life“ nicht anders. Trotz diverser Ausrutscher schafft er es jedoch, dass man ihn trotz dieses Schwerpunktes ernst nehmen kann. Das Anliegen Unterhaltung ist ohnehin nicht gefährdet mit den zwei heutigen Top-Stars in der Besetzung. Gerade in der Rolle des Dwight weiß auch wieder einmal die deutsche Stammsynchronstimme DeNiros zu überzeugen. Dem tyrannischen Stiefvater in den Mund gelegt, wirkt sie wahre Wunder den Kerl zu hassen, während DeNiro selbst alle Register seines Könnens zieht, um den Bösewicht psychologisch stimmig und glaubhaft als das darzustellen, was er ist: ein infantiler, dummer Mann ohne Begabung mit aufgepumpten Selbstbewusstsein.

Wolffs Geschichte spielt über mehrere Jahre. Und da ändern sich mehr als nur die Frisuren, sonst würde ich auch wohl kaum das Spiel DiCaprios so loben, welches eines seiner Höhepunkte in jener Szene erlebt, wenn der Teenager vom Lachen ins verzweifelte Heulen abrutscht. Dass er mit einem anderen Ausgang der Concret-Geschichte irgendwann zum Psychopathen hätte werden können, lässt der damalige Jungschauspieler kurz vor Schluss aufblitzen, wenn der befreite Wolff beim Jubeln aufgrund der Abreise kurz die düstere, verletzte Seite seiner Seele aufblitzen lässt, die Dwight in ihm entfacht hat.

Regisseur Michael Caton-Jones ist mit Hilfe aller Beteiligter ein kurzweiliger, intensiver und sensibler Film gelungen, der die 50er Jahre glaubwürdig auferstehen lässt und sich mit der eigentlichen Geschichte viel Zeit lässt. DeNiro selbst hat seinen ersten Auftritt erst nach etwa 30 Minuten. Dass Caton-Jones keine Eintagsfliege gelungen ist, bewies er zuvor mit „Doc Hollywood“ und danach mit dem „Der Schakal“-Remake. Mit „Basic Instinct 2“ soll er sich dann doch noch in die Brennnesseln gesetzt haben, was ich jedoch nicht beurteilen kann, da ich diese Fortsetzung nicht kenne.

„This Boy‘s Life“ ist einen und mehrere Blicke wert. Ich selbst habe ihn schon sehr oft geguckt und bin immer wieder aufs neue überrascht wie gut er funktioniert. Mag er auch manches Mal für klitzekleine Momente ins Reißerische abrutschen, in anderen Bereichen, die geradezu geeignet hierfür wären, beispielsweise in der eher kurz angerissenen Schwulenthematik, umgeht er einen solchen Stil um so mehr, was sichtlich gut tut.


MEGA PIRANHA (2010 Eric Forsberg)


Soldat Fitch muss das Gen-Experiment der Wissenschaftlerin Monroe bekämpfen. Diese entwickelte eine besonders gefräßige Piranha-Gattung, die mit jeder Nahrungsaufnahme unaufhaltsam wächst...


Ein Film auf Speed...

Der B-Film war einst eine hilfreiche Alternative zum gängigen Kinogeschehen: er konzentrierte sich auf den Unterhaltungswunsch des Zuschauers, war jedoch kostengünstiger produziert, damit aber auch im Zwang sich etwas einfallen zu lassen, um darüber möglichst hinwegtäuschen zu können. Davon wiederum profitierte die Großproduktion, die sich im B-Sektor entdeckte Verfahren ebenfalls zunutze machen konnte. Von dieser nützlichen Symbiose ist in heutigen Zeiten, in denen Firmen wie The Asylum Z-Movies wie „Mega Piranha“ auf den Markt schmeißen, nichts mehr zu sehen. Und doch sind ihre Werke die logische Weiterführung des klassischen B-Movies.

War der B-Movie stets die billigere Version einer üblichen Produktion für die Lichtspielhäuser, ist dies der Z-Movie heute noch immer. Denn gerade der Blockbuster, das Produkt für die Masse, ist in den letzten Jahren zu einem immer schundiger werdenden Produkt geworden. Negativstbeispiele wie „Transformers“, in welchem der Zuschauer kaum noch wahrzunehmen scheint wie plump der Gehalt des Streifens ist, stehen Pate für eine Welle Großproduktionen, die nur noch auf den Knalleffekt setzen und eine erzählenswerte Geschichte ausgrenzen. Dass man nicht auf solche Extrembeispiele verweisen muss, beweisen ebenso die großen Erfolge der Reihen „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“, die es schafften ein überdimensionales Budget in die Spezialeffekte und Filmstar-Gagen zu stecken, anstatt in talentierte Drehbuchautoren, die sich auf die Geschichte dieser Filme konzentriert hätten, als einzig auf den reißerischen Effekt. Dramaturgie und Inhalt ade!

Filme wie „Mega Piranha“ sind nur die logische extreme Billigalternative einer solchen Kinogeneration. Wo schon in der professionellen Blockbuster-Produktion nicht mehr auf Logik, Inhalt und Anspruch geachtet wird, da muss der B- bzw- Z-Movie-Sektor, im Monsterbereich mittlerweile Mogbuster genannt, noch einen drauf setzen. Und dachte der geringe Anteil an Fans von Asylum-Produktionen der Tiefpunkt sei mit „Mega Shark vs. Giant Octopus“ neu gesetzt und so schnell nicht erneut zu unterbieten, wurde er auch gleich kurze Zeit später mit „Mega Piranha“ eines besseren belehrt.

Es ist schwer jemanden „Mega Piranha“ zu beschreiben, der ihn nicht gesehen hat. Gekleidet in künstlichstem Farbfilter erzählt er eine theoretisch klassische Tiermutations-Geschichte auf ein Budget reduziert, wie man es wohl kaum noch weiter entschlacken kann. Billigste (wenn auch diesmal nicht gänzlich uncharmante) Computer-Monsteranimation, untalentierte Darsteller, ein Haufen eingekauftes Archivmaterial (viele Bilder, wie die der Forschungsstation durfte man schon in anderen Asylum-Werken sichten, z.B. im eben erwähnten „Mega Shark vs. Giant Octopus“) und ein an Dreistigkeit nicht zu überbietendes Meer an Computereffekten: schlecht animierte Hubschrauber, denen helle Lichter ins Bild eingemalt wurden, wenn sie schießen, optisch unglaubwürdige Explosionen (übrigens explodieren da die Fische (!!!), nicht irgendwelche Autos oder was man sonst so aus dem Filmbereich kennt) und vieles mehr.

Überboten wird diese Peinlichkeit der Effekte jedoch noch durch die Unsinnigkeit in der Story und dem Drumherum dieser. Zu diesem Bereich darf sich diesmal auch die Hauptfigur selbst zählen, die man als eine Art Extremversion jener Rolle Schwarzeneggers aus „Phantomkommando“ bezeichnen könnte, und selbst diese war bereits ein völlig überzeichneter Elite-Soldaten-Charakter. Fitch, so der Name des Helden im hier besprochenen Film, stellt diesen locker in den Schatten, ist eine nicht zu tötende Ein-Mann-Maschine, die mit den Füßen reihenweise Piranhas wegkickt (eine der lustigsten Szenen), Feinde allein durch Ohrfeigen aufzuhalten weiß und das Wort Aufgeben nicht in seinem Wortschatz besitzt. Ein Typ wie er würde wahrscheinlich sogar bestreiten, dass es dieses Wort überhaupt gibt. Kurzum, diese Figur ist die Übertreibung einer Übertreibung und damit derart unsinnig, dass man sie locker zu den Unlogiken des Streifens dazuzählen darf.

Damit reiht er sich jedoch nur in eine lange Schlange an Unsinnigkeiten und Filmfehlern ein. So will man uns z.B. in manchen Szenen weiß machen, die Bäume des Venezuelanischen Dschungels sähen so aus wie ein amerikanischer Laubwald im schneefreien Winter. Die Farbe benutzter Hubschrauber darf sich immer dann ändern, wenn man in einen einsteigt und wenn er plötzlich computeranimiert in der Luft zu sehen ist (ob man ein Wrack auf dem Flugzeugfriedhof eingekauft hat, oder selbst dieses Geld gespart hat und nur auf besagtem Friedhof selbst schnell gedreht hat?). Da werden die Killerfische durch einen natürlichen Damm eingesperrt, obwohl sie sich selbst durch Stahlschiffe fressen können. Und wie in diesem Zustand des Eingesperrtseins das erste Boot überhaupt in die Nähe der gefräßigen Monstren gelangen konnte, muss mir auch noch wer erklären.

Dies sind winzige Beispiele in einem Meer an Blödsinn, einem Meer welches pausenlos allein durch unsinnige Dialoge weiter aufgefüllt wird. Ein Meer an konzentriertem Irrsinn, bei dessen Gehalt man kaum noch wahrnimmt, wie wissenschaftlich unsinnig allein die Grundidee dieses Streifens ist: Piranhas wachsen immer weiter und hören tatsächlich nie wirklich damit auf.

Aber genau dieser unsinnige Fakt ist ein gutes Beispiel dafür, warum diese Beleidigung der Gattung Film so unterhaltsam zu gucken ist: eine uralte Idee wird konsequent umgesetzt. Dass dies nicht längst vorher der Fall war, liegt daran, dass diese Konsequenz nur dadurch möglich ist, wirklich jeden kleinsten Ansatz Realität und Logik zu ignorieren. So plump waren selbst Billigstfilme der frühen 00er Jahre nicht ausgelegt. Damals dachte ich noch mit Werken wie „Python“ wäre das unterste Niveau eines B-Filmes erreicht. Firmen wie Nu Image und The Asylum trieben das bisher bekannte unterste Niveau jedoch schließlich derart auf die Spitze, dass erst gar kein Raum mehr für einen Hauch Realismus und Logik vorhanden ist. Durch diese Extreme weiß man auch nie was gerade freiwillig und was unfreiwillig komisch geraten ist. Die wirklich interessante Frage ist jedoch: gibt es da draußen irgendwelche Menschen, die den Unterschied zum regulären Kino kaum noch wahrnehmen und die Lücken in der Logik nicht bemerken? Ich hoffe doch mal dass nicht, denn sonst stünde es um die Menschheit schlimmer als ich bisher dachte.

Zielpublikum ist ohnehin der Schundfilm-Fan, das zeigt bereits die Idee mit den stetig weiter wachsenden Mutationen. Allerdings lässt die in „Mega Piranha“ konsequentere Umsetzung in Sachen Tempo die Vermutung aufkommen, dass es das von mir weggewünschte Alternativpublikum doch zu geben scheint: der geistlose Idiot, der im Glauben lebt mit dem hier besprochenen Werk einen „normalen Film“ zu schauen. Wie ist es sonst zu erklären, dass sich Eric Forsbergs Horrorbeitrag noch mehr der heutzutage immer häufiger auftretenden Konzentrationsschwäche junger Menschen anbiedert, als je ein Film zuvor? „Mega Piranha“ bietet nun wirklich keine Geschichte, bei der es einem schwer fällt inhaltlich mitzukommen. Und doch wird alles unternommen den Streifen so rasant wie möglich umzusetzen, und zwar so extrem, dass z.B. in einer Szene eine Person, die mitten im Raum steht, diesen nur verlassen darf, in dem ihr Gang zur Tür filmisch beschleunigt wird. Das Verlassen des Raumes ist nicht unterhaltungsfördernd. Es hat nichts mit dem Hauptgeschehen zu tun. Beschleunigen! Sonst lässt die Konzentration nach!

Da kann man schon Kopfschmerzen kriegen. Zum einen durch die Frage: wohin wollen solche Produktionen den ahnungslosen Gehirnamputierten hinerziehen (wie sehen bei solch konsequenter Weiterführung diese Art Filme in 50 Jahren aus? Tatsächlich so wie „Idiocracy“ sie prophezeit?)? Zum anderen durch die ungewohnte Optik, etwas woran man sich auch bei der Kinoproduktion „Crank“ gewöhnen musste. Dort machte der Stil jedoch Sinn. In Werken wie „Mega Piranha“ ist er einzig dafür da zu beschleunigen und dafür zu sorgen, dass der Kopf des Zuschauers ausgeschaltet bleibt. Fühlen, aufnehmen, bloß nicht denken!

Das klingt irgendwie bedenklich, andererseits dürfte es nur eine handvoll Menschen geben, die tatsächlich mittlerweile derart degeneriert genug sind Werke wie „Mega Piranha“ zu ernst zu nehmen. Also bleibt bei einer Beurteilung für ein Werk wie das hier besprochene nur der Blick auf den Schundfilm-Fan, wahrscheinlich die einzige Art Publikum, die nicht bereits nach vier Minuten ausschaltet. Und für die ist besagte Herangehensweise ebenso Speed für den Sehwert, wie für die Minderbemittelten. Dadurch dass wirklich alles inhaltlich eingespart wird was aufhalten könnte, entsteht ein flotter Stil, der geistloser ist als so ziemlich alles was zuvor veröffentlicht wurde, weswegen der geistige Dünnschiss derart flott auf einen nieder regnet, dass wirklich nur der erfahrene Freund filmischen Blödsinns einschalten sollte, um nicht komplett vom Unsinn erschlagen zu werden.

Dass diese Art Blödsinn zu unterhalten weiß, liegt jedoch nicht einzig am hohen Tempo. "Mega Piranha" ist nicht völlig ohne Charme erzählt. Das beginnt mit der Mimik der schlecht animierten Piranhas, führt sich weiter fort in dem über die Laufzeit wirksamen Entfremdungseffekt des übertriebenen Farbfilters, trifft die kindischste Seele trivialster Unterhaltung in der völlig sinnfreien Übertreibung Piranhas zu walfischgroßen Monstren mutieren zu lassen und bekommt einen dauerhaften Gehalt in der Hauptfigur, die ich persönlich nur allzu gern in einem anderen Film wieder sichten möchte.

Dieser Übersoldat, der so konsequent monoton gespielt wird, ist das A und O des Streifens. Und glaubte man jedes Klischee durch ihn verkörpert zu sehen, verrät der finale Kuss dass man schon wieder daneben lag in einem Werk, welches eine Beziehung zwischen den beiden Küssenden überraschender Weise nicht einmal angedeutet hat. Aber ein Film wie „Mega Piranha“ ist nun einmal dazu verpflichtet wirklich jedes Filmklischee aufzugreifen, also kommt es noch zu besagtem Kuss, der selbst das Fremdschämen der finalen Romanze in „Phantomkommando“ in den Schatten stellt.

Anleitung zum Sichten des hier besprochenen Streifens: Anschnallen, Hirn aus und alles vergessen was ihr je gesehen habt. Die Erinnerung an andere Filme ist nicht notwendig, denn „Mega Piranha“ setzt völlig neue Maßstäbe in Sachen Idiotie und Rasanz, bremst sich erst in der letzten halben Stunde ein wenig aus, wenn die Geschichte nach einem viel besseren, negativen Schluss (die Piranha-Monster springen ins Meer) leider doch noch weitererzählt wird und es zur großen Militär-Schlacht kommt, die zum pflichtgemäßen Happy End führt. Schade, der zuvor zu sichtende Ein-Mann-Kampf mit Wissenschaftlern im Gepäck war unterhaltsamer. Ein negatives Ende hätte dem Schundprodukt jedoch wahrscheinlich einen Hauch unpassender Klasse verliehen. Also ist es vielleicht auch besser so, dass „Mega Piranha“ etwas gestreckt wirkt, dafür aber auch weitere Klischees konsequent abgrast. The Asylum weiß es scheinbar am besten. Was wage ich es da Verbesserungen vorzuschlagen? Ich gehe jetzt in die Ecke und schäme mich.


Mittwoch, 22. August 2012

THE WALKING DEAD - STAFFEL 1 (The Walking Dead 2010 Frank Darabont u.a.)


Der Polizist Grimes erwacht im Krankenhaus aus dem Koma und muss feststellen, dass die Gesellschaft wie er sie kannte nicht mehr existiert. Die Menschheit ist fast gänzlich ausgestorben, und menschenfressende Zombies wandeln über den Erdboden. In Atlanta schließt er sich einer kleinen Gruppe Überlebender an...


Mal wieder Zombies...

Wenn man nicht gerade auf Vampirromantik steht, hat die Serienwelt dem Horrorfreund nicht gerade interessantes zu bieten. Da wird man freilich neugierig, wenn ein TV-Sender plötzlich mit einer Serie über Zombies lockt, jene Menschenfresser, deren Beliebtheit im Kino und auf DVD seit fast einem Jahrzehnt einfach nicht abreißen will. So stört es auch kaum, dass der Pilotfilm der eigentlichen Thematik nichts neues hinzuzufügen hat, sondern angenehm ruhig erzählt Elemente aus Vorbilder plündert. Ein bemitleidenswerter, halber Zombie a la „Return Of The Living Dead“ hier, das Erwachen in einer veränderten Welt a la „28 Days Later“ da (der die Idee wiederum vom zombiefreien „Day Of The Triffids“ stibitzte), eine optisch aufklärende Kamerafahrt nach oben, sowie eine Flucht im Lastwagen wie man es aus dem Remake „Dawn Of The Dead“ kennt, usw.

Da das ganze recht gut erzählt ist, für ein TV-Produkt überraschend hart (selbst wenn man andere 18er-Produkte wie „Dexter“ kennt) und da einem ein wundervolles Zombies-Make Up anlächelt, ist das alles auch zunächst so weit okay. Immerhin befinden wir uns erst im Pilotfilm, der einen Einstieg finden muss. Und in Zeiten actiongeladener Kinoereignisse tut es sichtlich gut zu beobachten, dass die Verantwortlichen von „The Walking Dead“ das Entdecken einer veränderten Welt langsam angegangen sind. Obwohl man das Szenario bis zum Erbrechen kennt, will man mit Polizist Grimes die neue Realität kennen lernen. Man setzt auf stimmige Atmosphäre durch viel Stille, morbide Bilder der Großstadt-Straßen, teilweise gar auf gruselige Momente, wie jener, wenn Grimes durch einen dunklen Raum schreitet, den er einzig durch immer wieder erlöschende Streichhölzer beleuchtet.

Bekannte lässt man hinter sich, die veränderte Welt ist glaubwürdig und recht fehlerarm in Szene gesetzt, und selbst die neuen körperlichen Herausforderungen, an die Grimes sich erst gewöhnen muss, werden sinnvoll eingebracht, beispielsweise wenn ihm schummrig wird, nachdem er einen Zombie mit einem Baseballschläger „tötet“. „The Walking Dead“ erscheint in dieser langen Phase konsequent. Doch schon eine der letzten Szenen im Pilotfilm geben winzige Alarmzeichen, wenn herübergeschaltet wird zur Gruppe Überlebender oben in den Wäldern, und ein Soap-Szenario vorbereitet wird, das nicht zwingend hätte sein müssen. Im Gegenzug ist der eigentliche Schluss des Piloten gut gewählt, schließt er doch selbst dann gekonnt, wenn die erste Folge nie fortgesetzt worden wäre.

So wurde man mit Bekanntem nett, wenn auch nicht außergewöhnlich, gefüttert und geht neugierig an die nächste(n) Folge(n) heran. Um es vorwegzunehmen: „The Walking Dead“ wird nicht langweilig. Wir schafften es in vereinter Runde immerhin die kompletten 6 Folgen hintereinander durchzugucken, und doch ist die gesamte erste Staffel viel zu gewöhnlich umgesetzt. Der Trumpf der Stille des Piloten ist ab Folge 2 konsequenter Weise nicht mehr vorhanden. Hier müssen nun Personen und Situationen vertieft werden, und da wird schnell klar, dass weiterhin das bereits Bekannte über dem kompletten Projekt weht.

So ziemlich alle Charaktere bleiben zu schablonenhaft, sympathisch wird einem niemand (was in einer Welt letzter Überlebender auch nicht zwingend sein müsste), und nicht jede Anwesenheit von jedem Typ Mensch ist glaubwürdig in einer solch gnadenlosen Welt. Das Picknick-artige Treiben oben im Wald ohne Sicherheitsvorkehrungen erweist sich als ebenso unsinnig, passt aber zum psychologischen Gesamtbild der Serie sich im Horrorbereich zwar auf jeglichen noch so kleinen Sinn zu stützen (nur wenig erscheint widersprüchlich), im dramatischen Bereich dafür um so mehr Unsinn zu bauen, allein schon deshalb, weil man versucht uns weiß zu machen, eine zivilisierte Gesellschaft mit ihren Wohlstandsproblemen könne auch in einer solch extremen Ausnahme noch aufrecht erhalten werden.

Selbsternannte Regelsetzer entmündigen Mitmenschen, wofür sie von den Autoren freilich den Freischein erhalten, weil sie einst Polizisten waren. Das ganze wird jedoch nicht als Provokation gesät, sondern wird an keiner Stelle kritisiert. Gewalttaten untereinander werden nach dem klassischen Schwarzweiß-Schema Gut und Böse aufgeteilt. Da interessiert es nicht, wenn es wer Gutes mit Brutalitäten sichtlich übertreibt und der gute Zweck durch zu viel Fragwürdigkeit ausgeblendet wird. Billigste Soap-Momente wie die vom Ehemann verprügelte Frau stehen neben solch guten Momenten einem fragwürdigen Menschen beizubringen, dass man seinen Bruder im Stich gelassen hat.

Was vorrangig an diesem ganzen Soap-Aspekt ärgert, ist die Tatsache, dass sich die Autoren nicht darüber bewusst waren, dass in einer solchen Welt die Menschen sich untereinander nicht mehr so verhalten, wie sie es im geregelten Alltag taten. Aber genau so werden die Menschen präsentiert. Sie geraten sich wegen Alltäglichkeiten in die Wolle, die eigentlich vom Wohlstand genährt wären. Sie sitzen auf eine Art in fröhlicher Runde beisammen, die im Hinblick auf all das was hinter ihnen liegt, nicht schlicht befreiend wirkt, sondern aufgesetzt. Und über all dem schwebt eine Art natürliche Gesetzmäßigkeit an gesellschaftlichen Regeln, die in ihrer Fragwürdigkeit weder ausdiskutiert wird, noch, was der erste Schritt bereits verhindert und für eine solche Story sehr fruchtsam gewesen wäre, dass man verschiedene Modelle des Rechtsempfindens ausprobiert oder zumindest gegeneinander auswägt.

Musste der Pilot noch das Überleben eines Einzelnen zeigen, verkommt die erste Staffel „The Walking Dead“ je weiter sie voranschreitet immer mehr zum geistlos geschwätzigen Soap-Drama, dessen Figuren einem durch ihre Leere zu egal sind, um sich auch nur mit eines ihrer Problemchen tatsächlich auseinandersetzen zu wollen. Einzige Ausnahme bildet die Suche nach einem Mann, der sich seine Hand absägen musste, um sich aus Handschellen zu befreien. Doch selbst die offen endende Suche nach dieser Person schließt in einem besonders peinlichen, da in einer Untergangswelt unglaubwürdigen Szenario, wenn die Idee um ein verstecktes Altenheim an sich auch nicht ohne Reiz ist.

Ich kenne die Comicvorlage nicht, auf welcher „The Walking Dead“ basiert, weiß also nicht wie es da um den Soap-Gehalt steht. Aber sicherlich wird auch die Printmedie nicht gerade inhaltlich große Neuerungen präsentieren, was sich allein dadurch zeigt, dass die Comicreihe gerade einmal ein Jahr nach „28 Days Later“ startete und den Beginn seiner Geschichte arg nah am besagten Vorbild orientiert.

Das große Ärgernis an „The Walking Dead“ ist einfach, dass er nichts zu erzählen hat, was man nicht bereits kannte, und seine Geschichte lediglich lang streckt, bevor man sich gegen Ende arg sprunghaft dann doch noch entschieden hat einen wissenschaftlichen Aspekt mit einzubauen. Erste Hintergründe müssen immerhin beleuchtet werden, was auch durchaus richtig ist. Und dennoch: da hat eine Serie so unendlich viel mehr Erzählzeit als ein Spielfilm, und man nutzt es nicht um mit dieser neuen Möglichkeit bisher kaum genutztes Terrain zu vertiefen oder ungenutztes zu beschreiten. Immer wieder beweisen Zombiefilme, dass es neu zu entdeckende Bereiche innerhalb der immer gleich erzählten Geschichte gibt. „The Walking Dead“ springt nur brav auf den Zombie-Hype auf und erzählt nichts Neues. Ein Blick auf den Trailer zur bisher noch nicht fertig gedrehten 2. Staffel lässt bereits erahnen, dass sich daran auch zukünftig nichts ändern wird.

Schade ist das nüchterne Ergebnis schon, denn die Spezialeffekte und das Make Up sind erste Sahne. Es geht blutig zur Sache ohne aufgesetzt zu wirken und man beachtete selbst den im Zombie-Genre nicht zwingend nötigen Bereich der Suspense. Letztendlich möchte man aber gerade im Format einer Mini-TV-Serie etwas mehr geboten bekommen, als ein optisch perfekt inszeniertes Szenario. Inhaltlich bleibt „The Walking Dead“ seelenlos und dramaturgisch blutleer.


Nachtrag:
Mittlerweile habe ich die Serie weiter verfolgt und meine Kritikpunkte zu Staffel 1 werden innerhalb der zweiten Staffel abgebaut. Scheinbar hat man die Fehler von Staffel 1 erkannt. So benötigt Staffel 2 zwar einige Zeit um zu beweisen, dass sie einen Kurswechsel in Richtung gesellschaftliche Glaubwürdigkeit einschlägt, aber sie tut es und wird somit in Staffel 2 und 3 zu einer richtig guten Serie.