Sonntag, 27. Mai 2012

DIE WEISHEIT DER KROKODILE (The Wisdom Of Crocodiles 1998 Leong Po-Chih)


Der Mediziner und Vampir Steven lebt von dem Blut seiner Opfer. Eigentlich soll Anna sein nächstes werden, aber er verliebt sich in sie. Sie zu verschonen, lässt Steven immer mehr zum körperlichen Wrack werden. Zieht er dies durch bis zum eigenen Tod, oder siegt am Ende der Überlebenswille?...


Leben oder lieben?...

„Die Weisheit der Krokodile“ ist ein empfehlenswerter, kleiner Film, der sein Subgenre des Vampir-Horrors betreffend alles anders macht als es der klassische Vampirstreifen tut. Doch selbst mit dieser einstigen Ausnahme schwimmt er mittlerweile nur in einer langjährigen Welle jener Werke mit, die den Blutsaugern unbedingt neue Aspekte abgewinnen wollen. Glücklicher Weise funktioniert dies meist. "The Addiction" war ein etwas zu bemühter aber geglückter Kunstfilm, "Vampire´s Kiss" ist ein verkannter Vertreter seines Genres mit einem großartigen Nicolas Cage, „Twilight“ jedoch war eine Gurke, was aber wohl auch daran liegt, dass er durch seine vielen Veränderungen schon eigentlich kein Vampirfilm mehr ist sondern viel eher ein Superheldenfilm.

Leong Po-Chihs Beitrag will es wieder ganz anders angehen, und dass ihm das Vorhaben gelingt liegt daran, dass er den Vampirismus zwar als Krankheit darstellt (somit ähnlich wie in "The Addiction", da war es eine Sucht), den Vampir selbst allerdings sehr menschlich. Unsere Hauptfigur läuft bei Tageslicht umher, reagiert nicht auf Kreuze und Knoblauch, nicht einmal die klassischen Fangzähne werden gezeigt. Dies lässt immerhin eine Interpretation zu, ob diese für den Film erfundene Krankheit nicht doch eine eben solche ist. Das Wort Vampir fällt im kompletten Streifen ohnehin nie.

Einer der Pluspunkte von „Die Weisheit der Krokodile“ ist seine Optik. Hauptdarsteller Jude Law läuft stilsicher durchs Bild, und die ruhige Komposition dieser orientiert sich am stilsicheren Niveau Stevens, der stets Herr seiner Taten ist, zumindest bis zum vom Film gewollten Zwiespalt zwischen Leben und Lieben. Die weiblichen Figuren wurden interessant besetzt, da sie niedlich aber nicht filmtypisch niedlich wirken und damit hervorragend als das funktionieren was sie sein sollen: Außenseiterrollen der Gesellschaft.

Die Erklärung des Vampirismus bzw. der Krankheit ist eine frische Idee aufgrund der Vorstellung das Blut habe die Eigenschaft das Gefühl der Liebe in sich aufnehmen zu können. Komplett neu ist diese Idee nicht zu nennen, behaupten doch beispielsweise so einige Esoteriker Wasser könne die Bedeutungen gedruckter Wörter annehmen. Aus der naiven Welt dieser Subkultur entliehen macht die Theorie des Filmes also durchaus Sinn, zumindest baut er auf etwas auf woran so mancher Mensch glaubt.

Interessant ist an diesem Aspekt jedoch viel mehr die Bedeutung des Blutes, die aus Steven mehr macht als das hungerstillende Monster. Das Verlangen nach Gefühlen und Glück verleiht Steven Tiefe, macht es aus ihm doch eigentlich einen Gefühls-Pflegefall, der die Liebe anderer Menschen benötigt, dies jedoch wiederum auf wesentlich selbstsüchtigere Art als üblich, womit das Opfer wieder zum Monster wird. Umso spannender ist das Spiel der eigentlichen Geschichte von „Die Weisheit der Krokodile“, dreht er doch genau diesen Spieß um, um herauszufinden ob in Steven das Monster siegt oder nicht. In beiden Fällen behält er die Rolle des Opferseins bei. Dass bei der finalen Entscheidung der sonst so offene innere Monolog Stevens ausgeblendet wird, ist ein geglückter psychologischer Kniff des Regisseurs.

So gut der hier besprochene Film auch ist, der Weg zur Perfektion wurde von manchem Manko verhindert, so z.B. vom zwar stilsicheren und ruhig inszenierten, aber doch arg überraschungsarmen Schluss, auf den ich freilich nicht näher eingehen werde. Etwas enttäuschend ist auch das plötzliche Verschwinden des ermittelnden Kommissars aus der Geschichte. Der an sich sehr interessante Nebenstrang wird dadurch zu einer völlig eigenständigen Thematik, die mit dem Hauptpart nicht mehr eins wird. Man fragt sich rückblickend warum die Ermittlungen überhaupt vertieft wurden, anstatt nur zu erwähnen dass diese stattfinden, wenn die gut gespielte Figur des Kommissars für die Geschichte doch nicht so wichtig wird wie möglich gewesen wäre.

Auch den privaten Aspekt zwischen Verdächtiger und Gesetzeshüter hätte man sich somit sparen können, dessen Zwiespalt aus Verdacht und dem Verdächtigen sein Leben zu schulden fruchtbaren Boden für ein interessantes Finale besaß. Dieses findet jedoch von dieser Rolle unberührt statt, und das dortige Einbringen eines Bleistiftes wird zur einzigen eindeutigen Symbolik, die sich Leong Po-Chih erlaubt, um den Vampirismus doch eine Spur direkter anzudeuten.

„Die Weisheit der Krokodile“ ist wunderbar anzuschauen, sehr interessant erzählt, setzt viel auf stilvolle Bilder, verpufft aber etwas zum Finale hin, auch wenn der psychologische Aspekt der Geschichte hier noch einiges an Tiefe dazu gewinnt. So spielt der Streifen dort beispielsweise mit der Wechselwirkung aus Selbstbewusstsein und Irrtum, thematisiert zwanghaftes Suchtverhalten auf die satirische Art und beleuchtet die Psychologie einer Frau aus Sicht der Wirklichkeit anstatt aus der des Klischees. So lobenswert dies alles hintergründig eingebunden ist, so enttäuschend ist das was vordergründig zum Ende hin tatsächlich passiert. Hier wird die Ausnahmethematik dann doch eine Spur zu Genre-typisch.


Freitag, 25. Mai 2012

POPULATION ZERO - DIE WELT OHNE UNS (Aftermath: Population Zero 2008 Christopher Rowley)


Wenn der Mensch urplötzlich vom Erdboden verschwinden würde, würde die Natur sich die Erde zurück holen. Es werden die einzelnen Schritte dieser Rückeroberung gezeigt und erklärt...


Du böser Mensch, Du! Pfui!...

Der Film geht einer interessanten Frage nach und setzt recht phantastisch an, wenn der Mensch nicht durch einen Virus dahin gerafft wird oder sich atomar in die Luft sprengt, sondern indem er einfach von einer Sekunde auf die nächste ausgeblendet wird. Da knallen nun Autos aufeinander, Flugzeuge fallen vom Himmel, Geräte laufen weiter. Der Mensch ist einfach weg, und von nun an wird das Szenario durchgespielt wie die Natur wann darauf reagiert. Das beginnt mit den ersten Minuten nach unserem Verschwinden und endet mit dem Blick in 1000 Jahren ohne uns.

Da bei diesem Blick auf eine Welt ohne uns kleinste Details mitbeachtet werden, weiß „Population Zero“ auch recht gut zu unterhalten, zumal manche Erkenntnisse einen wahrlich zum Staunen bringen können. Angeblich erweisen sich Kakerlaken als weniger durchhaltefreudig wie vom Volksmund immer angenommen, und die Radioaktivität der zerstörten Atomkraftwerke beeinflusst die Natur nur etwa 25 Jahre lang stark. So unglaubwürdig das auch klingen mag, an anderer Stelle beweist der Film immer wieder Glaubwürdigkeit, so dass ich geneigt bin diese Thesen einfach mal als sinnvoll anzunehmen.

Es ist spannend dem Treiben der Natur zu folgen, und „Population Zero“ bleibt für eine US-Doku großteils auch erfrischend sachlich. Wie nicht anders zu erwarten haben sich dennoch kleine Makel eingeschlichen, die in einer europäischen Version wahrscheinlich nicht aufgetaucht wären. So zelebriert man teilweise die Zerstörung berühmter Denkmäler in reißerischem Umfang, mit pompöser Musik untermalt und aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Mit „Wenn Gebäude einstürzen“ parodierten die Autoren von „Die Simpsons“ ein solches reißeriches, voyeuristisches Treiben der Amis, und wer Rowleys Dokumentarfilm gesichtet hat merkt, dass bei der gelben Familie nicht übertrieben wurde.

Vielleicht braucht einen das in einem Dokumentarfilm des Regisseurs Christopher Rowley auch nicht verwundern, versuchte dieser sich doch vor „Population Zero" als Regisseur eines Actionfilm. Das war im Jahre 1982 und der Streifen hieß „Hot Shot“. Nun kehrt er mit einem Dokumentarfilm zurück, und im Hinblick auf seine cineastische Vergangenheit darf man mit dem Ergebnis wohl zufrieden sein.

Etwas ärgerlich fand ich persönlich die Dämonisierung des Menschen. Unterwürfig berichtet der Film immer wieder von einer Heilung, so als sei der Mensch irgendwann einmal vom Mars gekommen und nicht selbst Teil der Natur unserer Erde. Alles was der Mensch tat wird als böse dargestellt, und seine Errungenschaften werden heruntergespielt. Teilweise fällt dies in beiläufigen Formulierungen auf, beispielsweise wenn darauf verwiesen wird wie lange der Mensch in London versucht hatte die Themse zu kontrollieren, jetzt wo sie sich ungezwungen wieder ihren eigenen Weg sucht. Dabei hätte es heißen müssen, dass die Themse lange Zeit kontrolliert wurde. Die Formulierung „versucht“ klingt so, als habe das Vorhaben nie funktioniert.

Während jedes von Spinnen gebaute Netz, jeder Fuchsbau, jegliches Wuchern von Moos als Natur betrachtet wird, gilt der Mensch mit seinen Veränderungen als Fremdkörper in den Augen der Verantwortlichen von „Population Zero“ und unterstützt damit sicherlich den Glauben vieler fanatischer Idealisten. Für einen Dokumentarfilm, der eher sachlich und neutral berichten sollte, ist dieser Blickwinkel jedoch unpassend und nervt dementsprechend immer wieder inmitten eines spannenden Szenarios, das ansonsten gut recherchiert wurde.

Aber so wie die Natur sich die Narben der bitterbösen Menschen heilt, so weiß die Thematik des Dokumentarfilmes doch solche Schwächen wieder auszubügeln. Und da man vor dem Einschalten weiß aus welchem Land „Population Zero“ stammt ist man ohnehin über das positive Ergebnis überrascht. Dass ich mit dieser Sichtweise Doku-Beiträge der USA immer ein wenig wie einen Sozialfall behandle, kann ich nicht abstreiten. Aber ich werden von den USA mit dieser Ansicht auch immer wieder bestätigt, je mehr Werke ich von ihnen sichte die auf Realismus aus sind.


Samstag, 19. Mai 2012

SCHIMANSKI 11 - ASYL (2002 Edward Berger)


Illegale Einwanderer werden tot in einem LKW aufgefunden. Sie sind alle erstickt. Als die Polizei den pensionierten Polizist Schimanski bittet undercover als LKW-Fahrer zu ermitteln, lehnt dieser ab. Doch dann trifft er auf den jugendlichen Attila, den einzigen Überlebenden. Als dieser nach und nach Vertrauen zu dem Rentner aufbaut, überlegt der es sich anders...


Ein Herz für Kinder...

Dass man noch immer fleißig ermitteln kann, selbst wenn man pensioniert ist, das bewies bereits der wesentlich tatterigere „Kommissar Klefisch“. Was sollte also den wesentlich agileren Schimanski davon abhalten wieder tätig zu werden? - Sein Ego. Denn zu dem Job als Maulwurf wird er nur deswegen gebeten, weil es illegale Drecksarbeit ist, bei der er im Extremfall auf sich selbst gestellt ist. Der damalige Polizist aus Leidenschaft sieht das nicht ein.

Der Grund warum er es sich anders überlegt verweist bereits auf ein begleitendes Genre. Die Schimanski-Reihe wird zum Sozial-Drama. Da ich die Vorgänger nicht kenne weiß ich nicht wie es bislang war, aber von nun an wird dies öfter der Fall sein. Sozialromantiker Schimanski wird noch das ein oder andere Mal Menschen helfen, die durch das System gefallen sind und Aufgrund von Armut auf Hilfe angewiesen sind. Diesmal ist es der illegale Immigrant Attila dem Schimmi, nachdem ein Vertrauen aufgebaut ist, zunächst einmal eine Aufenthaltsgenehmigung beschafft.

Nun muss er nicht mehr versteckt bei dem freundlichen Polizisten A.D. leben und kann sogar in der Wirtschaft von Schimanskis Freundin arbeiten. Wer aufgrund dieses Ablaufs jedoch eine blauäugige heile Welt vermutet, der irrt. Völlig kitschfrei ist „Asyl“ nah an der Realität erzählt, so dass es um so mehr wirkt, dass der Darsteller des Attila so authentisch zu spielen weiß.

Parallele Handlungsabläufe sorgen dafür, dass man sich nicht immer sicher sein kann wie es weiter geht, so dass der Part einer unsicheren, auf Schimanskis Entscheidung hin gar unverkabelten, Undercover-Arbeit noch gefährlicher zu werden droht, wenn der ungehaltene Attila in seinem jugendlichen Leichtsinn beschließt Landsleute aufzusuchen, um ebenfalls nicht untätig herumzusitzen.

Je weiter der Kriminalfall voranschreitet, um so mehr verdichtet sich das Drama und um so mehr wird der heimliche Auftrag der Polizei zu einer Privatsache. Dementsprechend schließt der Film auch mit einem Schimanski als reinen Privatmenschen in einer stimmigen gefühlvollen Abschluss-Szene, die ein wenig im Widerspruch stehen wird zu Episode 13 namens „Sünde“, in welcher der Held der Reihe behaupten wird nicht mit Kindern auskommen zu können.

Götz George spielt seine Rolle aus dem Ärmel geschüttelt perfekt. Die Stammgesichter der Reihe sind freilich wieder mit dabei, und keiner von ihnen wird mit unnötigen Gastauftritten abgefertigt. Jedes ehemalige Gesicht ist von Bedeutung, egal wie groß oder klein die Rolle ausgefallen ist. Regisseur Edward Berger hat mit „Schimanski - Asyl“ nach dem Vorgänger „Schimanski - Kinder der Hölle“ seinen zweiten Beitrag zur gelungenen Krimi-Reihe abgeliefert. Leider war es gleichzeitig auch seine letzte.

Der Serie hat es nicht geschadet, sie blieb auch nach „Asyl“ weiterhin qualitativ. Es kann jedoch sein, dass der Kurswechsel ins Sozial-Drama, in welcher Folge der auch immer begonnen haben mag, manch einem ehemaligen Freund der Reihe nicht schmecken mag, nachdem doch gerade nach Absplittung der klassischen Schimanski-Thanner-“Tatort“-Folgen der Kriminalist zunächst etwas actionlastiger ermittelte. Mag sich der Stil der Reihe auch geändert haben, dem Schimanski-Charakter bleibt man treu, und das dürfte wohl die Hauptsache zum Funktionieren dieser Krimiserie sein.


Freitag, 18. Mai 2012

DIE HORDE (La horde 2009 Yannick Dahan u.a.)


Eine Gruppe Polizisten macht das Versteck einer Gang ausfindig, die einen ihrer Kollegen umgebracht hat. Sie sind nicht aus beruflichen Gründen vor Ort, es geht schlichtweg um Rache. Von der Bande überrumpelt ehe sie ihr Vorhaben wahrmachen können, dringt eine Horde Zombies in das Hochhaus ein, in welchem sich die rivalisierenden Gruppen befinden. Nun müssen sie zusammen halten, um vom obersten Stockwerk nach unten zu gelangen. Und ein Blick aus dem Fenster verrät, dass die Untoten im Gebäude nur ein kleiner Teil dessen sind, was in der Welt draußen tatsächlich passiert...


Blut ist nicht immer dicker...

Frankreich mischt nicht zum ersten Mal in einer Zombiewelle mit. Auch nun in der modernen Variante der rennenden Leichname sind sie wieder mit dabei, und einer ihrer Beiträge heißt schlicht „Die Horde“. Und so wie sein Titel, so kommt auch die Geschichte des vorliegenden Filmes daher. Dabei schreckt man nicht davor zurück sich an Vorbildern zu bedienen, zitiert diese ab und an mehr schlecht als recht und zieht ansonsten sein Ding durch.

Viel Hoffnung auf ein gutes Ergebnis machte ich mir nach den ersten 10 Minuten nicht mehr. Erst darf man viel zu langen Soap-Dialogen auf einer Beerdigung beiwohnen, dann stürmt eine Gruppe Proleten das Hochhaus, es kommt zum Massaker mit der gegnerischen Gruppe, und dann kommen sie auch schon angerannt, die lebenden Toten. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde kein Charakter vertieft, Brutalitäten wurden selbstgerecht und arg dominant zelebriert, und für den Anfang eines Zombiefilms war die Geschichte damit ziemlich unpassend eingeleitet.

Aber wer die ersten 10 Minuten tapfer übersteht wird mit einem Film belohnt, der seine Fehler der ersten schwachen Phase zwar auch rückblickend nicht wieder wettmacht, der aber auf interessante wie simple Art zu gefallen weiß. Um zu diesem brauchbaren Ergebnis zu kommen bedient man sich wie erwähnt an allerhand Vorbildern. Die Situation des sich im Haus verbarrikadieren, klassisch angewendet seit „Die Nacht der lebenden Toten“ wird hier umgedreht. Man möchte raus aus dem Haus. Und da es ein Hochhaus voller ansteckender Monstren ist, darf man sich zurecht an „Dance Of The Demons 2“ erinnert fühlen.

Der wichtigste Aspekt, weshalb der an sich plumpe und auf äußere Schauwerte achtende „Die Horde“ funktioniert, ist jedoch seine Verwandtschaft zu „Zombie 2“. Ebenso wie dort, gibt es hier keinerlei Sympathiefiguren, und dies in einer Konsequenz die es manchem Zuschauer sicherlich schwer machen wird dran zu bleiben, bietet „Die Horde“ doch immer nur kurzfristige Identifikationsfiguren und gegen Ende gar keine mehr. Jene vorhandenen sind einem trotz alledem nicht sympathisch. Zumindest ist der Film mit den Figuren die er uns zuwirft glaubwürdig erzählt. Schwächlinge sind schnell tot. Nur die Harten haben eine Chance zu überleben. Mitleid und Gesetze gibt es nicht mehr. Zombies und ein Haufen blutgeiler Überlebender als Warnbild der Anarchie, so kann man den Film der Regisseure Dahan und Rocher beschreiben, in welchem der Egoismus mehr zählt als die Verbundenheit durch Familie.

Dass sich dieser Horrorbeitrag trotz fehlender Sympathiefiguren nicht all zu theoretisch guckt, hat er seiner flott inszenierten, actionreichen Erzählweise zu verdanken, die einem kaum Luft zum Atmen lässt und mit schnellen Schnitten und wackeligen Bildern, das Manko vieler anderer Werke, zu trumpfen weiß. Es ist nicht alles sinnvoll was man sieht, aber es wird nicht vollkommen in Idiotie gebadet, so dass der schlichte Anteil an Unsinnigkeiten durch das hohe Tempo ignoriert werden kann.

Das bisschen Zeit welches einem zum Denken bleibt lässt einem Raum für im Film nicht gestellte Fragen. Was kommt nach dem Hochhaus? Was kommt nach der Vereinbarung bei solch konsequent unsympathischen Gesellen? Doch auch bei der Beantwortung dieser Fragen bleibt „Die Horde“ schlicht und konsequent, entlässt einen aber auch nur bedingt befriedigt aus dem Film. Dies jedoch auf eine Weise, welche Neugierde für eine mögliche Fortsetzung wecken könnte. Was noch offen ist muss ein anderer Teil erzählen. „Die Horde“ hört da auf wo er enden muss. Gut so!


COLD PREY 3 - THE BEGINNING (Fritt vilt 3 2010 Mikkel Braenne Sandemose)


In den 80er Jahren reisen ein paar Teenager in ein verlassenes Hotel in den Bergen, in dem etwa 12 Jahre zuvor zunächst ein Kind und später dessen Eltern verschollen sind. Es dauert nicht lange, da müssen die Kids um ihr Leben rennen, da sie von zwei Psychopaten verfolgt werden...


Aus einem Wichtel wird ein Hobbit...

2006 überraschten die Norweger mit etwas, das es seit John Carpenters legendärem „Halloween“ nicht mehr gegeben hatte: einem Slasher-Horror mit hohem Spannungsgehalt. Das gute Ergebnis sprach sich in Insiderkreisen herum, und so dauerte es nicht lange bis die obligatorische Fortsetzung folgte. Bereits die war nur noch maues Mittelmaß. Eine hohe Erwartungshaltung an Teil 3 war somit nicht gegeben, und so überrascht es kaum, dass die zweite Fortsetzung ebenfalls nicht halbwegs an das Original heranreicht. Zumindest geht es qualitativ nicht weiter bergab. „Cold Prey 3“ ist in etwa auf dem Niveau seines Vorgängers und damit immerhin guckbar.

Teil 3 spielt diesmal nicht zur verschneiten Jahreszeit. Dank eines guten Kameramannes weiß die Location dennoch zu wirken, auch wenn mit dem Farbfilter etwas zu übertrieben gearbeitet wurde. Trotzdem wissen die Bilder zu gefallen, zumindest bis zu jenen Zeitpunkten in welchen optische Rasanz vermittelt wird. Dann gibt es wie so oft hektische Schnitte in leicht wackeligen Bildern zu sehen, die zwar nicht wie manches Konkurrenzprodukt einen Blick auf das was gerade geschieht komplett vernichten, einen Old School-Filmfreund dennoch fragen lässt warum nicht einfach in ruhigen Bildern gearbeitet wird, selbst wenn vor der Kamera die Post abgeht.

Unweigerlich kommen mir kleine, verwandte Perlen in den Sinn, wie der sehr unbekannte „The Creeper“, der in vergleichbarer Kulisse ein ähnliches Szenario präsentierte und es u.a. durch seine ruhige Art schaffte ein Hoch an Atmosphäre einzufangen. Mit dem Vergleich dieses Filmes kommen wir auch direkt zu einer kleinen Veränderung gegenüber den Vorgängern: orientierten diese sich nah an „Halloween“ und vergleichbaren Produktionen, so wird durch die Zusammenarbeit des Killers mit einem anderen zurückgezogen Lebenden die Chose zu einem Backwood-Horror a la „Wrong Turn“ und „Blutgericht in Texas“. Was das soll weiß keiner, zumal mit dieser Veränderung nichts verbessert wird.

Gerade inhaltlich beweist „Cold Prey 3“ dass er sich nur am üblichen Geschehen seiner Vorbilder orientiert, und somit fehlen jegliche Innovationen. Dass diese nicht zwingend vorhanden sein müssen bewies der geglückte Teil 1. Der bot im Gegenzug jedoch realistisch wirkende Personen, nachvollziehbares Verhalten der Protagonisten und einen hohen Spannungsbogen. Das sucht man in Teil 3 vergebens, in welchem mittlerweile auch der Trumpf der talentierten Hauptdarstellerin aus Teil 1 und 2 fehlt, schließlich spielt der hier besprochene Film, warum auch immer, in den 80er Jahren und somit vor den Geschehnissen der Vorgänger.

Das ist Mode, macht nur leider in den wenigstens Fällen wirklich Sinn. Gerade nachdem in „Cold Prey 2“ aus dem Killer durch die Möglichkeit der Selbstheilung ein mystischer Gegner a la Michael Myers und Jason wurde, hätte eine Fortsetzung in der Gegenwart wesentlich mehr Reiz geboten. Merkwürdiger Weise greift man auf besagte Magie des Killers in Teil 3 nun gar nicht mehr zurück. Vielleicht kam es den Produzenten doch zu albern vor dem Bösewicht übernatürliche Eigenschaften zuzuschreiben. Ich persönlich empfinde das Ignorieren dieser neuen Fakten aus Teil 2 als sehr schade.

„Cold Prey 3“ funktioniert auf ganz schlichte Weise, zumindest für Denkverweigerer, die pausenlos über solche Idiotien hinwegsehen können wie Teenager die auf einen Tierköder hereinfallen, Gegenstände die es in den 80er Jahren nicht geben dürfte und leider auch Widersprüche zu den Vorgängern. So darf es zu Recht verärgern, dass der Rückblick zu Beginn des Streifens völlig andere Tatsachen präsentiert als die kurzen Rückblicke in Teil 1, die gegen Ende immerhin zeigten, dass es die Eltern des Jungen selber waren die ihn im Schnee verbuddelt haben. In der neuen Version wird der Herr Papa als recht böse dargestellt, die Mutter jedoch nimmt ihren vermissten Sohnemann erleichtert in die Arme, als dieser doch noch heimkehrt, um kurz darauf vom Knaben erstochen zu werden. Die Morde sind härter inszeniert als im Original, das wird manch einen freuen. Andererseits sind es genau diese quantitativen Highlights die von den Defiziten in der Qualität ablenken sollen.

Schaut man „Cold Prey 3“ in Bezug auf seine psychologische Richtigkeit, die Teil 1 als schlichter Unterhaltungsfilm immerhin besaß, schaut sich die zweite Fortsetzung noch schlechter als ohnehin schon. Nun hat der Killer also einen Partner, eine Unsinnigkeit hoch zehn, wenn man bedenkt zu was der Waise in der Zukunft werden soll, aber immerhin eine Unsinnigkeit die zu einem gut eingefädelten Schluss führt. Es ist nicht so, dass man den Schlusstwist nicht bereits erahnen könnte, aber in solchen Momenten beweist das Drehbuch immerhin genug Talent, so dass ein solcher Moment zu überzeugen weiß und glaubwürdig erzählt wurde.

Man sieht also: es ist nicht aller Tage Abend. Und einen solchen Meilenstein wie Teil 1 habe ich ohnehin nicht mehr so schnell erwartet, schon beim Sichten von Teil 2 nicht. Aber ein kurzweiliger Slasher für zwischendurch sieht anders aus als die beiden Fortsetzungen von „Cold Prey“. Letztendlich fehlt es Teil 3 am gewissen Etwas, das einen bei manch anderem Durchschnittsprodukt dazu verleitet dran zu bleiben. Man fiebert weder mit den Helden noch mit den Bösewichtern mit. Für ein blutiges Happening passiert zu wenig. Und spannend ist das ganze auch nicht umgesetzt. Lediglich dass der Film über seine komplette Laufzeit nie langweilig wird rettet „Cold Prey 3“ unterhaltungstechnisch vor dem Totalabsturz.


Sonntag, 13. Mai 2012

FUTUREWORLD - DAS LAND VON ÜBERMORGEN (Futureworld 1976 Richard T. Heffron)


Delos wurde mit einem Milliardenbetrag wieder aufgebaut, doch das Vertrauen der Gäste ist noch nicht auf dem Stand wie vom Unternehmen erhofft. Also lädt man Reporter ein, um über den nun noch größeren Freizeitpark zu berichten. Journalist Chuck wittert eine weitaus größere Story, seit jemand sterben musste, der ihm etwas über Delos berichten wollte...


Ein letzter Hauch Westworld...

Es dauerte nur drei Jahre bis man am großen Erfolg von Michael Crichtons „Westworld“ anknüpfen wollte. Warum die Geschichte gerade mal zwei Jahre später spielt, ist unverständlich, da komplett unglaubwürdig. Bereits in „Westworld“ argumentierten die Betreiber des Freizeitparks ein verloren gegangenes Vertrauen käme nie zurück. Nun soll man nicht nur glauben, dass in so kurzer Zeit alles wieder aufgebaut, ausgetauscht und investiert wurde, sondern auch dass schon recht viele Gäste wieder die Heimstätte des damaligen Maschinenmassakers aufsuchen. Da begibt man sich doch auf sehr dünnes Eis.

Nun war es allerdings schon nicht der Trumpf des Originals sonderlich glaubwürdig zu sein. Mit je mehr Distanz man sich die Geschichte von Crichtons zweiter Regiearbeit anguckte, desto mehr Risse erhielt das naive Bild eines mit Robotern betriebenen Freizeitparks. Was nun die Fortsetzung betrifft, so darf man es als ihren Trumpf und sogar als mutig ansehen, dass man inhaltlich in eine völlig andere Richtung geht. Stilistisch schwankt der Science Fiction diesmal zwischen Kriminalfilm und Thriller. Der Komödienpart weht nur noch ganz leicht, und durch das Weglassen einer öffentlichen Westernwelt ist freilich auch das Genre Western diesmal komplett ausgeblendet.

Aber es gibt sie noch, die Ruinen der alten Westernwelt, und so ganz wollte man dann doch nicht loslassen. So geben die seltenen Momente des ehemaligen Besuchermagneten dem Film einen leicht nostalgischen Reiz. Wir alle durften miterleben was hier einst geschah, und so verfehlt die Geisterstadt auch nichts von ihrer unheimlichen Wirkung. Ohnehin ist das Spiel dass der Westernwelt ein ähnliches Schicksal beschert wurde wie so vielen Westernstädten einst, als originell zu bezeichnen.

Leider ist dies kein Adjektiv für den kompletten Film. Nach einer eher unnötigen Eingangssequenz kommt es zu einem schludrigen Schnitt, der den sehr geglückten Vorspann zu stimmiger Musik einleitet. Nur wenige Szenen später befinden wir uns in einem Raum der Firma Delos, die den Journalisten Informationen über die Vergangenheit des Freizeitparks weitergibt. Das Bildmaterial der Videoaufnahmen wird dabei vom Film „Westworld“ übernommen, was sich als erste Peinlichkeit herausstellt, da man nur wenig allgemeine Aufnahmen heraussuchte und zu viele persönliche Momente aus unglaubwürdigen Kameraperspektiven verwendete.

Wieder erkennt man den geringeren Aufwand zum Original, wieder wackelt die Glaubwürdigkeit in Gebieten welche Teil 1 nicht zugelassen hätte. Der Prozess streckt sich über den kompletten Film hinweg, so dass es mit analytischem Blick nicht verwundert, dass die Psychologie des Originals nicht mehr verwendet wurde bzw. nicht durch eine andere raffinierte Umsetzung ausgetauscht wurde.

„Futureworld“ ist eher plump umgesetzt, setzt viel zu sehr auf den reißerischen Moment, und sein Hauptanliegen möglichst viele optische Schauwerte zu bieten ist nicht zu übersehen. Was tut man nicht alles um dem Zuschauer ein aufregendes Highlight nach dem nächsten zu bieten und rutscht dabei immer wieder in den unter Science Fiction-Freunden nicht gerade beliebten Fantasybereich ab, der manchmal so grotesk unsinnig wirkt, dass ich mich schon gewundert habe, dass mir die Fortsetzung vor geschätzten 10 Jahren noch so gut gefallen hat.

Da materialisieren sich aus dem Nichts asiatische Roboterkämpfer, da gibt es eine Maschine zur Traumaufzeichnung (welche zur ödesten und esoterisch angehauchtesten Szene des kompletten Films verkommt und dabei noch gleich die tolle Rolle Yul Brynners aus dem Original und Brynner selbst auf einem Niveau verwurstet, was beide nicht verdient haben), da bekommen Roboter menschliche Gefühle angedichtet und Klone denken aufgrund der übereinstimmenden DNA das selbe wie ihr Original. Diese Phantastereien enttäuschen immer wieder und dienen grundsätzlich nur dem schnellen, oft reißerischen Effekt.

Während man also versucht den Zuschauer mit Optik und quantitativen Highlights zu bombardieren, tritt die Geschichte selbst viel zu lange auf der Stelle, verrät über kurze Einblendungen hinter den Kulissen schon viel zu früh die Geheimnisse, die das Reporterpaar erst noch aufdecken wird, und so richtig Bewegung in deren Untersuchungen kommt erst nach etwa einer Stunde auf. Bis dahin und darüber hinaus verfolgt uns immer wieder das eine Lied aus dem Vorspann, atmosphärisch passend, aber doch zu häufig eingebracht. Bedenkt man wie abwechslungsreich der musikalische Hintergrund im Original war, kann das schon ein wenig enttäuschen, selbst wenn es für seine Zeit in Filmen nicht unüblich war auf nur einem Lied in verschiedenen Variationen herumzureiten.

Unterhaltungstechnisch ist „Futureworld“ trotz seiner tollen Spezialeffekte leider nur Mittelmaß geworden, und dass er trotzdem noch so guckbar bleibt verdankt er zum einen Hauptdarsteller Peter Fonda, der mit seiner Wirkung das Gegenteil der sehr nervigen Charakterzeichnung der von Blythe Dannwer verkörperten Figur darstellt. Zum anderen verdankt die diesmal nicht von Michael Crichton inszenierte oder gar geschriebene Geschichte das Verhindern eines schlechten Ergebnisses jenen Ideen, die dem Film inhaltlich manchen Pioniersstatus beschert.

Lange vor dem publik werdenden Thema Klonen wird hier besagter Bereich bereits verwendet, wenn auch nicht komplett losgelöst von der Roboteridee. Auch Klone müssen laut „Futureworld“ noch programmiert werden. Auch kleine Spielereien, wie das holographische Schachspiel, nehmen bereits Ideen voraus, wie sie später, z.B. mit dem Computerspiel „Battle Chess“, tatsächlich verwendet wurden. Dass im eben besagten Beispiel auch der 3D-Gedanke der Holographien eine Rolle spielt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wäre sie nicht so völlig unsinnig und undurchdacht präsentiert, so könnte auch die eigentliche Geschichte der Fortsetzung als Trumpf herhalten. Delos als heimlicher Welteroberer, Menschen, die gegen ihre Doubels kämpfen müssen, da steckt schon einiges an Potential hinter. Vielleicht hätte man den Strippenzieher hinter der ganzen Sache einfach einen Roboter sein lassen sollen, dann bekäme die Geschichte immerhin den zusätzlichen Reiz, dass Roboter dem Wahn der Weltherrschaft verfallen wären, als eine Art Weiterführung der in Teil 1 angesprochenen Maschinenkrankheit.

Aber solche Möglichkeiten werden verschenkt und wären auf eine gesunde Laufzeit bei dem inhaltlichen Stillstand der ersten Stunde auch kaum zu verwirklichen gewesen. „Futureworld“ ist weder Satire, noch Kunstwerk, noch flüssiges Unterhaltungskino. Er ist das womit wir Filmfreunde uns immer wieder nur all zu gerne herumschlagen: eine schnell nachgezogene Fortsetzung. Aber eine solche ist in der Regel kurzweiliger konzipiert als das hier vorliegende Ergebnis. Genre-Fans sollten aber trotz aller Negativpunkte einmal reinschalten. Komplett ohne Reiz ist auch die Fortsetzung nicht.


OUTPOST 2 - BLACK SUN (2011 Steve Barker)


Lena, eine junge Frau, die Altnazis aufspürt, landet bei einer ihrer Fährten mitten in einem Schlachtfeld der Nato gegen Nazizombies, die mit einer Maschine aus der deutschen Vergangenheit unverwundbar am Leben gehalten werden. Zusammen mit einem befreundeten Wissenschaftler verbündet sie sich mit den Nato-Soldaten, um die Maschine zu finden und sie unschädlich zu machen...


Schwarze Sonne am eisernen Himmel...

2007 erschuf Regisseur Steve Barker etwas seltenes. Mit „Outpost - Zum Kämpfen geboren“ drehte er einen interessanten Streifen über Nazi-Zombies, einem Sub-Genre des Horrorfilms, das eigentlich nur Gurken zutage fördert. „Outpost“ war nicht gerade frei von Logiklücken, aber er erzählte seine Geschichte atmosphärisch und mit dem nötigen Ernst umgesetzt.

Die Fortsetzung „Outpost 2 - Black Sun“, die bei uns ohne die 2 im Titel auf DVD erschien, wurde zur richtigen Zeit veröffentlicht, machten doch gerade Nazis vom Mond die Erde im Kino in „Iron Sky" unsicher, und damit war die Nazi-Thematik zumindest ansatzweise gerade wieder aktuell. Während die Billigfirma Asylum Nazis im Inneren der Erde wüten ließ, besann sich Autor und Regisseur Steve Barker auf seine Geschichte und setzte diese fort.

Dass die Zombies des Erstlings eher Phantomwesen waren, die materialisiert wurden, ist im Sequel nicht mehr von Belang. Hier sind die Nazis definitiv Zombies, und sie sind öfter im Bild als je zuvor. Was sehen sie schnuckelig aus in ihren Uniformen, und über die Gesichtsmaske kann man auch nicht meckern. Dementsprechend positiv ist auch das DVD-Cover ausgefallen, dass sicherlich so manchen Käufer locken wird.

Viele davon werden weder Teil 1 kennen, noch das Wissen besitzen, dass „Outpost - Black Sun“ überhaupt eine Fortsetzung ist. Das ist ein schlechter Start, um mit Teil 2 seinen Spaß zu haben. Nicht etwa weil die Story zu kompliziert wäre um die Fortsetzung zu verstehen. Bereits die Geschichte von Teil 1 war schlicht. Aber Teil 2 guckt sich mit Unkenntnis eines Teil 1 sicherlich recht schwachsinnig, so selbstverständlich wie immer wieder von einer Maschine gefaselt wird, einem Storyelement welches in Teil 1 erst auf mysteriösem Wege entdeckt wurde. Unwissende des Vorgängers könnten „Outpost 2“ dementsprechend als besonders unsinnig oder phantastisch empfinden.

Ein solch schlechter Einstieg wäre aber nur dann als tragisch zu bezeichnen, wenn die Fortsetzung ein gelungener Film wäre. Mit dem Projekt in den Händen des Autors und Regisseurs von Teil 1 schien zumindest die Vorraussetzung dafür vorhanden gewesen zu sein. Teil 2 lässt nach Sichten jedoch vermuten, dass das Erstling in seinem positiven Ergebnis wohl eher ein Glückstreffer war, der manch geglückte Eigenschaft bestimmt aus seiner Kostengünstigkeit erntete. „Outpost - Black Sun“ ist nun sicherlich auch keine überteuerte Produktion gewesen, aber mehr Geld als im Vorgänger stand Barker definitiv zur Verfügung.

Diesmal übertrieb man es ein wenig mit den Actionszenen und vernachlässigte dementsprechend den Thriller-Gehalt, der selbst auf Mittelmaß im Vorgänger für stimmige Atmosphäre sorgte. Damit hätte „Outpost 2“ aber zumindest das für Teil 1 werden können, was „Aliens“ für „Alien“ wurde: die Actionvariante des gleichen Stoffes. Aber von „Aliens“ würde heute keiner mehr reden, wenn man dort jegliche Actionszenen in unangenehme Wackeloptik gepackt hätte, ein Fehler der Barker im hier besprochenen Film unterlaufen ist. Was nutzen die wundervoll zurecht gemachten Zombie-Soldaten, wenn man sie weder bei ihren Untaten beobachten darf, noch dabei zusehen darf wie sie ihr Fett weg kriegen?

Leider wird die Nazi-Thematik diesmal auch wesentlich reißerischer präsentiert. Immer wieder rücken Nazisymbole viel zu aufdringlich ins Bild, der olle Altnazi aus der ersten Szene wird viel zu monströs dargestellt, und die Gräueltaten, wenn die Zombies gnadenlos auf ihre Opfer einstechen, werden ebenfalls viel zu übertrieben und zu oft dargestellt. Peinlich wird es dann, wenn ein weiblicher Obernazi-Zombie hexenhaft kichernd durch die Bunkergänge schleicht, und dabei einen ähnlichen Eindruck hinterlässt wie Augra aus „Der dunkle Kristall“.

Die Nazis sind Monster, zweifelsohne, in der „Outpost“-Reihe gar auf zwei Ebenen, aber trotzdem tut es einem Film nicht gut, selbst wenn er anspruchslose Unterhaltungskost sein möchte, wenn auf der Gegenseite jegliches Verhalten legitimiert wird. Da darf eine Nazijägerin den aufgespürten Opa foltern. Da darf im Finale eine Gräueltat der Heldin begangen werden, die scheußlicher nicht sein könnte und auch nicht aus dem Affekt kommt. So etwas hinterlässt einen bitteren Beigeschmack und beschert dem Film eine Selbstgerechtigkeit, die ihn nur noch mehr nach unten zieht.

Sicherlich wird „Outpost 2 - Black Sun“ nie langweilig. Aber seine Geschichte ist gewöhnlich (allein schon deshalb, weil man schon alle Geheimnisse aus Teil 1 kennt und keine neuen hinzu kommen), die Figuren sind austauschbar und die Optik wie bereits erwähnt des öfteren nervig. Zumindest weiß die Idee zu gefallen, dass das Kraftfeld sich ausweitet. In wie weit das sinnig in Bezug zu Teil 1 ist, sei einmal dahin gestellt, muss aber auch nicht interessieren, so unsinnig wie bereits dessen Geschichte war.

Als etwas ernüchternd darf man auch den Schluss bezeichnen, den man bereits erahnen kann, erst recht wenn man durch Teil 1 Barkers Haltung gegenüber Happy Ends kennt. Leider wird nun am Schluss mit Lena eine Filmheldin geboren, die eher in die „Resident Evil“-Reihe passt, als in die „Outpost“-Reihe, zumindest mit Blick auf Teil 1. Damit bekommt der Gedanke an eine mögliche weitere Fortsetzung bereits einen bitteren Nachgeschmack, wo zweite Sequels doch gerne auch mal besser sind als die ersten. Da ich aber auch ein ewig Gestriger bin, werde ich mir bei einer eventuellen weiteren Fortsetzung sicherlich auch diese angucken. Wir Cineasten können auch ohne Kraftfeldmaschine ewig dumm bleiben. Das haben wir den Nazis voraus.


Freitag, 11. Mai 2012

WESTWORLD (1973 Michael Crichton)


Im modernen Freizeitpark Delos erleben Peter und John den Wilden Westen hautnah. Lebensechte Roboter ermöglichen den authentisch wirkenden Spaß, bei dem man sich in allen Lebenslagen so austoben darf, wie es besagte Zeit ermöglichte. Doch sowohl hier, wie auch in zwei weiteren Delos-Angebotswelten, bemerken die Betreiber eine Art Roboterkrankheit. Es kommt immer häufiger zu Programmverweigerungen. Gerade noch im Glauben für die Sicherheit der Gäste sorgen zu können, bricht in Delos das Chaos aus. Die Roboter drehen durch und töten die Gäste. Peter flieht als letzter Überlebender vor einem Revolverhelden, der ein besonders gefährlicher Roboter ist...


Kranke Maschinen...

20 Jahre bevor Steven Spielberg mit „Jurassic Park“ einen Welthit ablieferte, wurde schon einmal ein Buch über einen futuristischen Freizeitpark von Michael Crichton verfilmt. Dieser übernahm die Regiearbeit damals noch selbst, und anstatt um geklonte Dinos ging es damals um Roboter. Von Cyborgs sprach damals noch kaum wer, falls überhaupt, und so sind die Apparate aus „Westworld“ auch definitiv als Roboter zu verstehen. Sie befolgen Programmen, laufen auf Batterie, kurz: sie sind Maschinen ohne Persönlichkeit.

Crichton entführt uns in eine gesellschaftlich nicht fremde Zukunft, in welcher man ungeschont für einen guten Preis die Spaßgesellschaft ausleben darf, inklusive der Dinge die man im wirklichen Leben nicht darf, nicht sollte oder nicht kann. Der Freizeitpark mit Robotern macht es möglich zu töten, Banken auszurauben, Sheriff zu werden, mit Prostituierten zu schlafen, usw.

Das kann man alles an den Maschinen ausleben, und im Gegensatz zu Cyborg-Geschichten wie „Blade Runner“ und „Ghost In The Shell“ geht es nicht um die eventuell vorhandene Würde der Roboter, die mehr sind bzw. sein wollen als dies und deshalb rebellieren. Das wäre maximal ein (nicht von der Hand zu weisender) Denkansatz in „Westworld“, bestätigt wird diese Vermutung jedoch nie. Diese Thematik zu vertiefen würde für besagten Film auch zu weit gehen, konzentriert er sich doch auf die wesentlichen Aspekte seiner Geschichte.

Zu tiefgründig oder gar gesellschaftskritisch, wie es für einen Science Fiction-Film der 70er Jahre geradezu typisch wäre, wird „Westworld“ nie. Sicherlich sind gewisse Aspekte vorhanden, wie das blinde Vertrauen in die Technologie und besagter hemmungsloser Umgang einer Spaßgesellschaft. In den Mittelpunkt der Geschichte, so wie es in „Rollerball“ oder „Flucht ins 23. Jahrhundert“ der Fall war, rückt die Gesellschaftskritik jedoch nie. Crichton konzentriert sich in seiner zweiten Regie-Arbeit nach „Pursuit“ zunächst auf den Alltag in Delos und später auf den Zweikampf Mann gegen Maschine.

Da muss man schon diverse Logiklücken in Kauf nehmen, wozu eigentlich bereits die Grundidee des Filmes gehört. Aber im Gegensatz zu manch anderen Werken, in welchen solche Lücken zu großen Defiziten werden, sind sie in „Westworld“ schlichtweg egal, sind sie doch unwichtig für einen Film, der sonst so vieles richtig macht. Die Menschen sind echte individuelle Persönlichkeiten. Der Genremix aus Western, Science Fiction, Horror und Komödie ist provozierend. Die Reichhaltigkeiten besagter Gebiete führen dabei nicht zur Überfrachtung, sondern dienen einzig dazu sich immer an jenem Genre bedienen zu können welches für die Geschichte gerade benötigt wird. Sie und ihre Figuren sind das wichtigste Element des Filmes, und alles andere, und damit auch die gerade angesprochene Logik, haben sich dem unterzuordnen.

Die Psychologie der Figuren stimmt, die der Geschichte ebenso, welche in der ersten Stunde immer wieder gekonnt zwischen fröhlicher Western-Spielwiese und Hintergründe liefernde Science Fiction hin und her springt und ziemlich zur gleichen Zeit auf beiden Ebenen dunkle Wolken am Himmel andeutet. Wenn das Chaos über Delos herein bricht, haben wir den Moment erreicht in welchem beide Ebenen zusammenwachsen, um im selben Moment die Spielwiese gnadenlos zu zerstören, um nun einen knallharten Thriller zu präsentieren, der spannender kaum umgesetzt werden könnte.

Nun berichtet der Film von der Flucht eines einzelnen Mannes vor einer ihm überlegenen Maschine. In gewisser Weise wird damit ein wichtiges Szenario aus „Terminator“ schon ein Jahrzehnt zuvor aufgegriffen. So wie zur Vorbereitung des fast halbstündigen Finales die Freizeitpark-Illusion und der realistische Hintergrund immer mehr zusammenwuchsen, so reitet nun der letzte Überlebende des Parks in seiner Cowboytracht durch die erschreckend tote Realität von Delos, irgendwann die Westernwelt verlassend um schließlich auf dem ehemaligen Schlachtfeld der Mittelalterwelt zu landen.

Die trostlosen Welten, von Toten übersät, die einst hemmungslose Freuden hervorbrachten, besitzen nichts mehr von der einstigen Illusion. So wie das Genre Thriller den fröhlichen Teil des Westerns und der Komödie abgelöst hat, so spricht nun auch die Kulisse eine ernstere Sprache. Steigt Peter schließlich unter in die Mitarbeiter-Welt von Delos, ist er endgültig in der Realität angekommen. Hier erfährt er noch die ein oder andere Info, führt den ein oder anderen Kampf gegen die unmenschliche Maschine, bevor in einer der Freizeitwelten der endgültige Finalkampf stattfindet.

Man liest die Symbolik geradezu heraus: was Spaß machte wird zur Bedrohung, was menschlich schien wird unmenschlich, was verbrecherisch war wird zum Spiel, wissenschaftliche Selbstüberschätzung wird zur kindlichen Wehrlosigkeit, Illusion wird zu Realität. Die Psychologie des Films ist faszinierend, sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich, und da die Logik immer nur an jenen Szenen bröckelt, welche für die sich aufs Elementarste konzentrierende Geschichte irrelevant sind, lässt sich dieses „Manko“ leicht verzeihen.

Durch das Thema Freizeitpark ist es dem Film möglich sich über einen großen Teil der Laufzeit an Klischees zu bedienen, inklusive der Charakter-Stereotypen, ohne dass man dies dem fertigen Werk unangenehm betroffen ankreiden könnte. Alles soll schließlich so sein, wie sich der Kunde die Realität der angebotenen Zeiten vorstellt und nicht wie sie wirklich war. Allein hier ist der Satiregehalt bereits unübersehbar, und wie der weitere Verlauf der Geschichte zeigt ist sie immer präsent.

Das Gelungene an „Westworld“ ist, dass jeglicher Bereich in solche Elemente eingebunden wird. Figuren, Freizeitwelt, der Wissenschaftsbereich, die Kulisse, die Kostüme bis hin zur Musik, sie stehen immer für das wofür auch die Geschichte steht. Die Musik wechselt zwischen Westernklischee-fröhlich und Wissenschaftswelt-ernst, wird mit der Zeit in letztgenanntem Bereich immer bedrohlicher, so dass sich ein immer größer werdender Abstand zur fröhlichen Westernmusik auftut, bis es schließlich zur Mann gegen Maschine-Situation kommt, in welcher nur noch spannungsfördernde Musik eingebracht wird und die fröhliche Westernmusik parallel zur Spaßgesellschaft ihr Ende nimmt. In der unterirdischen Wissenschaftswelt angekommen wechseln sich nun Stille und Thrillermusik je nach Bedarf ab.

Im simpelsten Kern erzählt „Westworld“ die ewig wiederholende Geschichte des kleinen Mannes der über sich hinauswachsen muss. Crichtons Film geht diese alte Thematik aber sogar im Kern gesehen psychologisch richtig an. Denn er setzt seinem kleinen Mann das Gegenteil gegenüber: ein sich unzerstörbar fühlendes Produkt, welches erleben muss dass es Schwächen besitzt (der gestörte Sehreiz bei Feuer gehört mit zu den am besten gespielten und gleichzeitig packendsten Momenten des Streifens). Mag der Roboter auch zu Gefühlen nicht möglich sein, das was er intuitiv durch seine wahre Unmenschlichkeit verkörpert, ist wiederum das Produkt einer sich selbstüberschätzenden Wissenschaft, die Pate steht für das fehlende Gewissen, welches der Roboter aufgrund seines Roboterseins nicht besitzen kann.


Mittwoch, 9. Mai 2012

DIE WANNSEEKONFERENZ (1984 Heinz Schirk)


1942 findet ein Treffen führender Nazis statt, um die Endlösung mit allen betroffenen Ministerien und Organisationen zu organisieren...


Ganz rational...

Bislang kannte ich nur die britisch-amerikanische Version der „Wannseekonferenz“ aus dem Jahr 2001, der wie die hier besprochene Erstverfilmung auf original Dokumenten beruht und von einer erschreckend nüchternen Diskussion eines kaum fassbaren Verbrechens erzählt. Das rationale Diskutieren über ein solch irrationales Thema war der Grund der Faszination meinerseits für diesen Film. Da störten mich in erster Linie auch nicht manche Klischees, die sich bei der Nazi-Thematik in britischen wie auch US-Produktionen wohl nie vermeiden lassen. Sie störten mich nicht, aber der Gedanke dass ein deutsches Original existierte, welches zudem noch aus einer viel interessanteren Filmdekade stammt, weckte Hoffnung in mir, dass man das Thema einst sicherlich realitätsorientierter umsetzte.

So war es auch, keine Frage und mit Sicherheit auch keine Überraschung, aber was das Sichten der 1984er Version von „Die Wannseekonferenz“ hervorbrachte warf einen noch viel dunkleren Schatten auf das Remake, ist die Thematik doch nur bedingt übereinstimmend. Während in der 2001-Version die Gäste geladen werden um der Endlösung zuzustimmen, ist sie im Original bereits im Bewusstsein aller Beteiligten der Konferenz. Auf welchem Weg die Tötung stattfinden soll, ein zentrales Thema der Neuverfilmung, wird hier nur am Rande erwähnt und dies erst gegen Ende.

Die Pluspunkte des Remakes wurden zu Pluspunkten eines Spielfilms anstatt die einer authentischen Wiedergabe. Ihre Pluspunkte, die leider nur noch unterhaltungstechnischer Natur sind, sind im Original von Regisseur Heinz Schirk nicht enthalten. Dessen Version wirkt noch theoretischer als die der berühmteren Auslandsversion, denn nun sitzen hier allerhand ranghohe Nazis, die lediglich das Wie der ganzen Sache klären. Hier geht es nicht mehr um überrumpelte Mitglieder der Sache, die einer radikalen Idee zustimmen müssen, selbst wenn sie dies trotz ihrer Ideologie nicht wollten. Ein Gewissen findet hier keinen Platz. Das macht den Film um so kühler und schockierender - für Freunde heutiger Kinokultur allerdings auch langweiliger.

Sollen diese nach reißerischem Material gierenden Cineastengeier doch klagen. In „Die Wannseekonferenz“ geht es um so viel mehr. Der Film zeigt auf wie die Realität einer bestimmten Zeit und/oder Gruppe zu einer völlig verzerrten Wahrnehmung einer anderen Zeit wird. Hier diskutieren Nazis rational über ein Thema an das man heute nicht mehr glaubt. Kühl werden wirtschaftliche, kriegsorganisatorische und andere Bereiche über das Lebensrecht von Menschen gestellt. Es gibt Übermenschen und Untermenschen, und das steht 1942 in einem Raum voller Nazis (logischer Weise) gar nicht zur Diskussion.

Und da sitzen sie nun alle um den Tisch herum, sind sich lediglich nicht einig beim Thema Mischlinge und sticheln die Minderheit, welche im Rasselehre-Wahn aus ihrer Sicht sachlich dagegen argumentiert, das deutsche Blut sei stärker als das des Juden, und deswegen könne man Misch-Ehen gutheißen. Ein Kompromiss nach längerem Schlagabtausch soll schließlich die Sterilisierung sein. Dass am Tisch nicht nur halbgebildete Karrieristen sitzen, sondern auch kluge Köpfe, verstört um so mehr. Zwar wird in „Die Wannseekonferenz“ grob gesehen nichts erzählt was man nicht schon wüsste, aber Theorie ist nun einmal etwas anderes als das (zugegebener Maßen passive vor dem Fernseher sitzende) Dabeisein einer solchen Runde.

Am Beispiel „Wannseekonferenz“ sollte man nicht nur sein Mitgefühl auffrischen und sich nicht nur über Geschichte re-informieren, es ist auch ein Lehrstück dessen  über welch kranke Dinge man sachlich klingend reden kann, und dass wir die Augen auch im Jetzt offen halten müssen. Denn Verbrechen, gerade politische, finden immer wieder vor unseren Augen statt. Und nur weil diese sachlich diskutiert und menschlich vorgetragen werden, müssen sie noch lange nicht legitim oder gar sinnvoll sein. Schirks Film ist diesbezüglich konsequent, zeigt er uns die Nazis doch als Menschen und nicht wie das Remake als Monster. Er lässt sie lachen, flirten, sticheln, tierlieb sein, Schwächen besitzen, Gefühle besitzen, usw.
Das gibt dem Film Authentizität, die wiederum durch die Art der Diskussion unterstrichen wird. Einzelne Ämter tauschen sich zum Thema Endlösung aus. Was muss bedacht werden, wer ist für was zuständig, wie muss organisiert werden, haut der wirtschaftliche Aspekt hin, ...? Ginge es hier um ein alltägliches Thema könnte man zu Recht von Langeweile sprechen. Aber „Die Wannseekonferenz“ braucht keinen zusätzlichen Auslöser um der Geschichte genügend Zunder zu geben. Das unmenschliche Verbrechen, dem diese komplette Diskussion zu Grunde liegt, gibt dem nüchternen Debatieren eine Dynamik mit solch erschreckendem Ergebnis, von dem man sich aus dem Blickwinkel der verwöhnt luxuriösen und kriegsfreien Alltagswelt unserer Tage erst einmal erholen muss.

Dass es ab und an Nörgler gibt, welche „Die Wannseekonferenz“ als etwas langweilig empfinden, bestätigt nur, dass in deutschen Medien und Schulen mit dem Thema Nationalsozialismus schlichtweg übertrieben wird. Kann es sinnvoll sein, dass überzogene Aufklärung zu Gleichgültigkeit führt, die sich, auf den hier besprochenen Film bezogen, darin zeigt, dass das nüchterne Reden über die Organisation der Endlösung so langweilig wird wie das Wirtschafts-Debatieren in einer Konferenz irgendeines x-beliebigen Betriebes? Dieser nach hinten gehende aufklärerische Wahnsinn stimmt schon nachdenklich und gibt wahren Aufklärungsmöglichkeiten, wie diesem Film, wenig Chancen der Durchsetzung.


Sonntag, 6. Mai 2012

W. - EIN MISSVERSTANDENES LEBEN (W. 2008 Oliver Stone)


Für den politisch erfolgreichen Papa war George Bush. Jr. mit seinem orientierungslosem Lebensstil immer wieder eine Enttäuschung. Doch er hat es dennoch bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika geschafft...


Wie die Mutter, so der Sohn...

Es stimmt schon etwas nachdenklich wie gut man in Deutschland über amerikanische Präsidenten und die Wahlen diesbezüglich informiert ist und wird. Andere ausländische Politiker sind uns in der Regel nie so bekannt wie die Obersten der USA. Manch einer kennt sich mit ihnen besser aus als mit deutschen Politikern. Wenn in meiner Generation (Jahrgang 1975) ein amerikanischer Präsident von Bedeutung war, dann war es definitiv George Bush, Jr.

Seine Taten waren uns Warnungen in welch fragwürdige Richtungen Demokratie pervertieren kann, gerade in Hinblick der deutschen Nazi-Vergangenheit. Die Sympathie oder Distanz zu diesem Mann war ein wichtiger Entscheidungsfaktor der Wahlen im eigenen Land. Und obwohl man in Deutschland Parteien und nicht Bundeskanzler wählt, wurden die bekannten Rededuelle aus den USA mit einem Mal auch wichtig in Deutschland, eben weil man, so verschieden unsere Kulturen auch waren, von nun an immer wieder beide Länder verglich, u.a. aus Sorge auch Deutschland könne irgendwann auf dem sozial ungerechten Level der Vereinigten Staaten ankommen.

Die Einführung der Kosten beim Hausarzt, der Beginn von Hartz 4 und die Kürzung der Gehälter auf etwa die Hälfte des eigentlichen Wertes durch die Euroeinführung hatten die Menschen diesbezüglich sensibilisiert, die Angst war somit nicht unberechtigt. Und so schaffte es Michael Moore mit Buch und Film auch in Deutschland erfolgreich seine Medien an den Mann zu bringen. Neben der Welt der Nachrichten war er es der einem George Bush, Jr. näher brachte als jeden anderen amerikanischen Präsidenten zuvor. Wir lernten seine Vergangenheit kennen, die Widersprüche in seinem politischen Vorgehen und seine Leichtfüßigkeit, die in starkem Kontrast zu seiner eigentlich harten Politik stand.

Michael Moore brachte uns mit all den Hintergründen die er lieferte entweder dazu Bush zu hassen, oder Moore selbst. Ein Verständnis für die Taten des Sohnes George Bushs kam dabei niemals auf. Zu theoretisch war die Vergangenheit angerissen, zu bewusst erlebten wir die Veränderungen des selbstgepriesenen freien Landes auf dem anderen Kontinent.

Oliver Stone schafft es diese Lücke aufzuholen. Seine Biographie über George Bush, Jr., die nicht völlig satirefrei erzählt ist, schafft es den Privatmann hinter dem Amt zum Leben zu erwecken. Wir beginnen den Mann und seine Art der Politik zu verstehen. Das verändert nicht die mögliche Antipathie zu dieser Person, doch darf man nun im Falle dieser einen Mann nicht mögen anstatt eines unmenschlichen Präsidenten. Letzten Endes macht Stone aus Bush das was Hirschbiegel aus Hitler mit „Der Untergang" machte: er zeigt uns den Mensch hinter dem Monster, welches uns die Medien immer wieder präsentiert haben.

Stone erzielt diese Wirkung aus recht simplen Methoden. Er orientiert sich am Gefühlsleben George Bush Juniors und zieht diesen roten Faden durch bis hin zu seiner Position im theoretisch höchstem Amt Amerikas. Er legitimiert dieses Vorgehen durch den Grundcharakter Bushs und unterstreicht es mit der Ähnlichkeit des Charakters dessen Mutters. Stone lässt Vater Bush nicht zu einer kleinen Nebenrolle verkommen und verstärkt durch dessen völlig andere Charaktereigenschaften noch einmal die der Hauptfigur des Films.

Eine Wertung ergibt sich dabei erst in zweiter Reihe, geht es eigentlich doch schlichtweg dabei um den Unterschied, dass der eine Prinzipien folgt und wohlüberlegt handelt und der andere nie wahre Werte entwickelt hat und aus dem Bauch heraus handelt. Dass letztere Eigenschaften nicht gerade positiv für ein politisches Amt sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Zumindest entsprechen sie nicht dem Bild eines Politikers in den Köpfen der meisten Menschen. Hier kann nun die Wertung Fuß fassen, etwas dass in einer Biographie eigentlich nichts zu suchen hat.

Allein deswegen ist die Ironisierung so wichtig, in welche Oliver Stone seinen Film packt. Das gibt der ganzen Problematik ein wenig Rückendeckung. So kann man trotz der fehlenden Neutralität Gefallen an „W.“ finden. Trotzdem ist qualitativ ein Unterschied zu erkennen zu dem faktenreichen „Nixon“, ein weiterer Film Stones über einen Präsidenten der USA.

War dieser ein komplexer Film, dem man nur hochkonzentriert folgen konnte, so ist „W.“ trotz nicht chronologischer Erzählung ein leichtfüßiger Unterhaltungsfilm geworden, dem man zwar seinen Hang zur faktenreichen Recherche nicht abstreiten kann, aber aufgrund des Familiendramas im Mittelpunkt nicht so anspruchsvoll daher kommt wie „Nixon“, ja nicht einmal wie „JFK“, der eher Kriminal-Drama anstatt Biographie war und der ebenfalls trotz faktenreicher Erzählung keine Neutralität aufwies. Als Film über eine Morduntersuchung musste er dies auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass man Bush Junior bereits durch Moore viel zu gut kannte. Wo viele Fakten bereits bekannt sind, da rückt die triviale Familiendramatik der Bushs und der hineininterpretierte Teil Stones in den Vordergrund des Bewusstseins des Zuschauers. Dadurch kann ein ungerechtes Bild entstehen. Andererseits lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass man „W.“ nicht gerade konzentriert folgen muss, und dass er in seiner Erzählung ebenso leichtfüßig daher kommt wie der Präsident von dem er berichtet.

Es ist psychologisch betrachtet somit eigentlich richtig den Film so zu erzählen, wie er erzählt wurde. Leichtfüßig, Hintergründe über das Gefühlsleben des Präsidenten erklärend - was der Film richtig macht, lässt ihn ungerecht betrachtend plumper daher kommen. Dabei besitzt das Werk nur einen wahren Tiefpunkt, und das ist eine (logischer Weise) erfundene Alptraumsequenz Bushs, die nun gar nichts mehr mit Fakten zu tun hat.

Über das Ergebnis kann man dennoch nicht jammern. „W.“ ist hochkarätig besetzt, faktennah und baut immer wieder eine Brücke zur Politik des Herrn Papa, was allein wegen der Anwesenheit gleicher Mitarbeiter bei beiden Präsidenten auch absolut sinnvoll ist. Stone lässt sich viel Zeit für die Vergangenheit Juniors. Dennoch wäre so manche fehlende Vertiefung sinnvoll gewesen, die er Richard Nixon gegönnt hätte. Die verschiedenen Berufe werden nur angeschnitten, über die Freundschaft des Vaters und des Sohnes zu den Bin Ladens wird überhaupt nichts berichtet, vieles wird schlichtweg nur erwähnt anstatt es auch wirklich zu thematisieren.

Scheinbar wollte Stone nicht schon wieder eine Biographie mit der Laufzeit von 3 Stunden abliefern. Der lockerflockigen Inszenierung hätte das sicherlich auch nicht gut getan. Und solch wichtige Elemente wie Bushs Religionsleben und seine politische Passivität, die ihn zum Spielball anderer Menschen machte, werden um so deutlicher eingebaut, so dass man unterm Strich trotz mancher Lücke und fehlender Distanz durchaus von einem interessanten Film sprechen kann. Wie oben bereits erwähnt hat Stone uns den Menschen Bush zumindest näher gebracht als es Moore je konnte und wollte. Dabei hätte Moore davor gar keine Angst haben müssen. Den Menschen den man nicht mag zu verstehen hilft dabei ihn nicht völlig aus dem Affekt heraus unsympathisch zu finden.

Hat man durch beide Filme beide Präsidenten kennen gelernt, zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Richard Nixon und George Bush, Jr., die immerhin beides unbeliebte ehemalige Präsidenten der USA waren. Der eine handelte aus Überzeugung heraus (so wie Papa Bush). Man lernte ihn zu verstehen und konnte Taten, zu denen man kritisch steht, zumindest aufgrund seiner Sichtweise respektieren. Bush Junior war lediglich ein unreifer Egomane, der nie wirklich wusste was er tat. Ihn verstehen zu lernen ist nicht gleich zu setzen damit, dass man einen gewissen Respekt zu seiner Sichtweise bekäme. Der Blick hinter die Kulissen hilft lediglich dabei ihn weiterhin nicht zu mögen, wenn man dies bereits vorher tat.


Samstag, 5. Mai 2012

NIXON (1995 Oliver Stone)


In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, beschreitet Nixon mit allerlei Hindernissen eine Politkarriere bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Er sollte der erste Präsident werden, der von diesem Amt zurück treten muss...


Ein Buhmann mit Format...

Oliver Stone widmete sich im Laufe seiner Karriere als Regisseur in zwei Filmen den zwei unbeliebtesten Präsidenten der USA. Während sein Werk über George Bush, Jr. mit dem kurzen Titel „W.“ eher leichtfüßig daher kommt und den Bereich der Satire streift, ist sein Werk über Richard Nixon, welches den Nachnamen der zu behandelnden Person trägt, sehr dramatisch, schwermütig und teilweise recht düster angelegt. Das trifft inszenatorisch beides den Kern der Psychologie seiner Hauptfiguren und führt in beiden Fällen zu einem interessanten Ergebnis. Zeigte uns Stone mit „W.“ später einen Film der Verständnis für Bushs Taten wecken kann ohne den Präsidenten dabei in Schutz zu nehmen, so wird in „Nixon“ Stones Zwiespalt zwischen Anklage und Anerkennung deutlich.

Für Stone schien Nixon nicht schlichtweg der böse Mann zu sein zu den ihm die Medien zu seiner Zeit und hinterher gemacht haben. Das darf schon ein wenig verwundern, kann man es doch als Provokation ansehen, dass gerade einmal vier Jahre nach „Das Schweigen der Lämmer“ ausgerechnet Anthony Hopkins für die Rolle des Richard Nixon besetzt wurde, ein Mann der mit seiner Darbietung als Hannibal Lector immer wieder in Verbindung gebracht wird und einen Filmbösewicht kreierte der unheimlich und in gewisser Weise sympathisch zugleich war. Es würde den Ruf Stones nicht entsprechen, aber mit Hopkins in der Hauptrolle hatte ich eher mit Schwarzmalerei gerechnet als mit einer objektiven Berichterstattung.

Von objektiv kann man sicherlich nur bedingt sprechen, ist doch vieles im Werk spekulativ, allein schon weil es sich viel mit den inneren Dämonen Nixons beschäftigt, und wie der mit diesen umgegangen ist lässt sich kaum nachweisen. Oliver Stone macht jedoch kein Geheimnis daraus, beginnt den Film mit einer Texteinblendung die darauf verweist, dass der Film eine Interpretation dessen ist was passiert ist. Fakten und Vermutungen vereinen sich, lassen sich jedoch, so denke ich zumindest, recht gut auseinander halten, trennen sich beide Bereiche versimpelt ausgedrückt doch meist mit der Aufteilung Privatmensch und Politiker.

Stone neigt oft dazu ein wenig zu dick aufzutragen. Symboliken wie ein besonders blutiges Steak während einer Diskussion über Vietnam, oder Ab- und Überblendungen während ein wütendes Gesicht im Bild zu sehen ist, das verletzt gerne mal den Ruf einer anspruchsvollen Biographie und zeigt, dass man in Amerika im Unterhaltungskino zu Hause ist, selbst wenn man es nicht sein möchte.

Inhaltlich zeigt der Film aber um so mehr, dass es Stone ernst ist möglichst faktengetreu zu berichten und nicht in Einseitigkeit zu verfallen. Nixon werden seine großen Taten wie das Verhindern eines Bürgerkrieges, die Öffnung nach China hin, das Beenden des Vietnamkrieges und seine Versöhnungsarbeiten mit der Sowjetunion anerkannt, und dies nie ohne die Zwiespältigkeit zu vergessen die Nixons Aktionen umwehten besagte Ziele zu erreichen. Ebenso wenig wird jedoch auch nicht vergessen in welch schwieriger Lage sich der Präsident oft befand in einer Zeit eines selbstgerechten gesellschaftlichen Wandels, der mitunter wegen der damals so schwierigen Zeit aufkam.

In gewisser Weise kann man dies gerecht nennen, war Nixon selbst doch ebenso selbstgerecht, und dass er nicht verstanden wurde, hat er laut Stone stets als Bestätigung seiner Selbstgerechtigkeit gesehen, ein Prozess der sich hochgeschaukelt hat bis zu dem Zeitpunkt an dem ein Mann mit ehrbaren Motiven immer ungesetzlicher gehandelt hat. Dass es Nixon selbst so nie gesehen hat, offenbarte er allerspätestens Jahre nach seiner Karriere in dem berühmten Interview mit Frost, welches im hier besprochenen Film nicht thematisiert wird, aber von Regisseur Ron Howard in „Frost/Nixon“ zum eigenen Thema wurde.

„Nixon“ ist recht komplex erzählt, und damit wesentlich schwierigere Kost als „W.“. Das beginnt mit seiner Laufzeit von 180 Minuten und zeigt sich des weiteren in seinem wilden Zeiten-Cocktail. Ebenso wie sein Werk über Bush Junior ist Stones Werk über Richard Nixon nicht chronologisch erzählt. Vergangenheit, die Endphase der Regierung und das Mittendrin dieser und der politische Aufstieg werden immer wieder durcheinander gewirbelt. Und da wir es zudem mit einer großen Menge an wichtigen Figuren zu tun haben, wird es für Nichtkenner der Materie schon ein wenig schwierig folgen zu können.

Dem Unterhaltungswert macht das keinen Abbruch. „Nixon“ ist spannend erzählt und konzentriert sich meiner Meinung nach auf den ultimativen Leckerbissen seiner Geschichte: der Zerrissenheit von Nixons Charakter, dem größten Drama welches diese Thematik zulässt. Was wäre der Film für ein zu theoretisches Werk geworden, wenn man sich der äußeren Dramatik wie dem Watergate-Skandal und der Unbeliebtheit bei der amerikanischen Hippie-Jugend zugewandt hätte, ohne dabei die missverstandene Seite Nixons zu thematisieren, die ihn in etwas verwandelt hat, was er zu jungen Zeiten sicherlich nie werden wollte?

Trotz zu dickem Auftragen und zu extremen Baden in düsteren Bildern wird „Nixon“ nicht zu einer Politversion von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Das hätte durchaus passieren können. Immer wenn das Werk droht in diese zu primitive Richtung hinzusteuern, schafft es Stone das Steuer herumzureißen und wieder auf faktischem Kurs zu fahren. Aber das ist eben das Risiko wenn man einen Film über jemanden erzählt, der im öffentlichen Leben stand, dies aber über einen Blickwinkel erzählt der nur spekulativ aufgegriffen werden kann. Stones Werk ist mit diesem Vorhaben um so mutiger zu nennen, das macht es aber nicht immun gegen berechtigte Kritik zu viel in die Materie hinein zu dichten. Meiner Meinung nach ist Stone jedoch ein recht interessanter Film geglückt, den man sich ruhig einmal zu Gemüte führen kann.