25.08.2012

WITHIN THE WOODS (2005)

Ein Produzent möchte sich das legendäre Camp Blood zu Nutze machen, indem er dort mit jungen Menschen eine Reality-Show für das Internet aufzieht. Die Leute sollen 24 Stunden im Wald verbringen und werden dabei gefilmt. Der Produzent engagiert zusätzlich einen Clown, der die Mitwirkenden erschrecken soll, um die Ereignisse aufzupeppen. Das ist jedoch gar nicht nötig, denn ein echter Killerclown ist schon längst wieder im Camp Blood tätig...

Wo kommen nur all die Killerclowns her?...
 
Brad Sykes ist ein Amateurfilmer Amerikas, dessen erste Gehversuche „Camp Blood“ und der ein Jahr darauf folgende „Camp Blood 2“ waren. Das Rezept war simpel: ein Killerclown stapft durch einen Wald und tötet Menschen. Das gute: das Sub-Genre Slasher muss nicht zwingend logisch sein. Das noch bessere: ein Amateurfilm erst recht nicht!

So geht es mir zumindest in meinem Urteil, und so kann ich das häufige Jammern im Internet nicht teilen, wenn es heißt die Filme um den Killerclown seien grottenschlecht und verschwendete Lebenszeit. Vielleicht muss man selber Hobby-Filmer gewesen sein um es zu erkennen. Aber Sykes drehte schlicht unterhaltsame Filme, die weder im Wettbewerb mit richtigen Produktionen mithalten sollten, noch das Genre neu erfinden. Das Gegenteil war der Fall. Sykes kopierte wo er nur konnte und hielt sich dabei so streng an die Regeln, dass das ganze als selbstgedrehter, naiver Streifen tatsächlich funktioniert. In Teil 2 klaute er die Idee von „Scream 2“ und ließ eine Filmcrew vom Clown niedermetzeln, die gerade einen Film über ihn drehen wollte.

Nach „Camp Blood 2“ sind 5 Jahre vergangen, ehe sich Sykes erneut an sein erstes Kind heranwagte. In der Zwischenzeit hatte er mindestens zwei Filme pro Jahr gedreht (u.a. den arg mies geratenen „Goth“), organisierte sich eine bessere Kamera und so wirkt „Within The Woods“, wie die vorliegende zweite Fortsetzung nun heißt, schon eine Spur professioneller. Ein Amateurfilm ist es noch immer. Dennoch wirkt „Camp Blood 3“ (Alternativtitel) nicht mehr ganz wie ein Heimvideo unter Kumpels, was ihm aber keinesfalls seiner Sympathie beraubt.

Im Gegenteil: es ist sowohl interessant zu beobachten wie sehr sich Sykes weiterentwickelt hat und gleichzeitig ein wohliges Gefühl zu sehen, dass der gute Mann weiterhin kein Profi seines Fachs ist, was ich nicht im schadenfreudigen Sinne meine. Auch Teil 3 könnte kaum naiver und strenger am Genre orientiert sein. Man sollte meinen, dass beim Fehlen sämtlicher Innovationen der Sehwert verloren ginge, aber wie auch immer Sykes es macht: auch Teil 3 weiß simpel zu unterhalten, mitunter eben weil es ein Amateurfilm ist. Und es ist einer, der keine Schlachtplatte ausbreiten will. Der Gore ist zahm, simpel getrickst und genau deswegen vollkommen okay zu nennen. Er ist unspektakulär und unrealistisch allein schon wegen der Farbe des Blutes (die hätte nun wirklich eine andere sein können), aber Zentrum des Films wird die Gewalt nie.

Stattdessen lässt Sykes ein Klischee und einen Stereotypen nach dem nächsten durch das Drehbuch stampfen (falls es denn wirklich eines gab), und um den Vorgängern eins drauf zu setzen klaute er erneut von einem großen Kinofilm seiner Zeit, diesmal dem wenig beliebten „Halloween 8 - Resurrection“. Die „Big Brother“-Thematik muss mal wieder herhalten, die im Horror-Genre manchmal schlecht angewandt wurde („Wrong Turn 2“), manches mal aber auch erstaunlich gut („Unsichtbare Augen“).

Der neue Aspekt beschert Sykes neue Möglichkeiten naiv zu wirken. Wo man sich eng an Vorbilder hält, baut man auch viele genretypische Fehler ein. Diesmal darf z.B. jegliche Kamera an jenen Orten fehlen in denen der Clown seinem mörderischen Hobby nachgeht. Campen die Helden jedoch, tun sie dies rein zufällig im perfekten Winkel der beobachtenden Kamera. Freilich ist auch der Eingang ideal zu filmen, so dass das pflichtgemäße Reality-TV-Fummeln auch nicht fehlt.

Man sollte von „Camp Blood 3“ keine Überraschungen erwarten, aber das müsste den Kennern der ersten beiden Teile, die es überraschend nach Deutschland geschafft haben, ohnehin klar sein. „Within The Woods“ hat es bislang nicht in unsere Breitengrade geschafft, und da die Vorgänger alles andere als beliebt sind, wird das sicherlich auch so bleiben.

Ob man sich nun an den hier besprochenen Film oder an seine beiden Vorgänger heranwagen möchte, eines sollte dem Zuschauer zuvor bewusst sein: die „Camp Blood“-Reihe ist keinesfalls dem Horror-Fan zu empfehlen. Sie ist lediglich etwas für jene Art Cineasten, denen es Freude bereitet zu sehen was Laien auf die Beine gestellt haben. Mit dem Horrorbereich sollte man sich schon auskennen, und idealer Weise sollte man am besten auch selbst eine Videokamera besitzen und damit mehr gefilmt haben als das Familientreffen an Omas Namenstag. Erst dann kann man sich auch mit "Within the Woods" und seinen beiden Vorgängern identifizieren, etwas dass man mit den ausgelutschten Charakteren und der bereits bekannten Geschichte ansonsten kaum kann.

Ist einem dies bewusst, darf man neben der eigentlichen Erzählung noch manche Zusatzbeobachtung machen. Da gibt es z.B. einen schauspielerisch völlig überforderten, aber tapfer agierenden Muskelmann, der bei meiner nächtlichen Sichtung beim Aufschreien wahrscheinlich meine Nachbarn hat hochschrecken lassen, da er mitten ins Mikro brüllte. Da darf man beobachten wie Sykes selbst in stillen Momenten nicht die Führung einer Kamera beherrscht. Das zeigt sich besonders deutlich nach der Eingangssequenz, wenn die Kamera ihr Augenmerk auf ein Lagerfeuer richtet, damit in den Flammen der Vorspann beginnen darf. Scheinbar stand das Aufnahmegerät zuvor auf einem Stativ, denn nun, noch bevor das Bild Richtung Flammen wandern darf, gibt es einen kurzen Schwenk in die falsche Richtung, der geradezu typisch dafür ist, wenn man eine Kamera in die Hand nimmt, die zuvor wo stand. Selbst Windgeräusche im Mikro dürfen nicht fehlen. All diese Fehler fördern ungemein den Spaß am Selbstgedrehten, ohne dass der Film dadurch komplett lächerlich wirkt.

Klar spielt unfreiwillige Komik eine gewisse Rolle, „Within The Woods“ ist aber keine peinliche Lachnummer a la „Dark Area“ geworden, die man nur wegen ihrer Dämlichkeit gucken kann. Sykes Film ist ein Mix aus charmanter Verbeugung vor den Vorbildern und einem dreisten Plündern ihrer Ideen. Mag der Regisseur auch noch so jedes Klischee und mit einher jeden Unsinn streifen, zumindest beherrscht er den roten Faden einer solchen Geschichte. Diese wird nie langweilig, obwohl man das Gesehene bereits von vielen anderen Slashern kennt. Sykes weiß es Szenen zu inszenieren, und mögen diese noch so amateurhaft sein. Zumindest hat er ein Gefühl dafür, welcher Darsteller in welche Rolle passt, und wie er ein gewisses Feeling aufzufangen hat.

Also: wer ein Auge zudrücken kann, Spaß an Amateurfilmen außerhalb des zelebrierenden Gores hat und vielleicht sogar selbst hin und wieder mit Freunden ein Filmchen dreht, könnte Spaß an „Camp Blood 3“ haben. Man sollte aber bestenfalls zuvor die anderen Teile gesehen haben. Wohl kaum um zu begreifen was in der zweiten Fortsetzung so alles passiert, aber es ist interessant zu sichten in wie weit sich Sykes von Film zu Film verbessert hat ohne dabei professionell zu werden.  OFDb

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