Samstag, 28. Juli 2012

DAS WAISENHAUS (El orfanato 2007 Juan Antonio Bayona)


Als Kind lebte sie in einem Waisenhaus, wurde dann aber adoptiert. Als Erwachsene kommt sie an diesen verlassenen Ort zurück, um dort erneut ein Heim für Kinder zu eröffnen. Laura wohnt hier mit ihrem Mann Carlos und ihrem todkranken Sohn Simón, der neuerdings mit eingebildeten Freunden spricht. Als Simón spurlos verschwindet, beginnt Laura an eine übernatürliche Existenz in diesem Haus zu glauben...


Mein neuer Freund aus der Höhle...

Es verwundert nicht, dass ein auf klassischen Grusel getrimmter Horrorbeitrag aus Spanien kommt. Ob nun ein Jahr vorher „The Baby‘s Room“ samt Anhängerschaft oder noch ein Jahr davor „Mercy Falls - Geisterwache“, in dem Land entstanden so einige Werke dieser Art zu dieser Zeit, und meist kann man sie auch als geglückt betrachten. „Das Waisenhaus“ ist jedoch trotz der Preise die er erhielt eine eher wackelige Angelegenheit geworden, vielleicht weil er einfach im Vergleich mit den Konkurrenzfilmen komplett ohne modernen Touch auskommen will, wohingegen die eben erwähnten Grusler im geringen Maße der Moderne entgegen traten.

Denn wenn ein Film, und mag er noch so gut fotografiert sein, nichts Neues zu erzählen weiß, dann muss er logischer Weise neue Wege finden, auf eine altbackene Geschichte neugierig zu machen. Wählt man aber einen alten Stil und eine alternativ schon zigfach gesehene Geschichte, kann die Rechnung nicht aufgehen. Allerdings meckere ich hier auf hohem Niveau. Denn die Psychologie des Filmes ist stimmig, und die Auflösung weiß zu überraschen und mixt damit zwei Alternativen zu einem Ganzen.

Aber ob da wer nun parapsychologische Untersuchungen durchführt, was in „Poltergeist“ bereits stimmig vertieft wurde, jemand mit unsichtbaren Freunden spricht, Geister Kontakt zu Hausbewohnern aufnehmen oder Spuren der Kindheit ein Geheimnis wahren (und in diesem speziellen Falle ein Geheimnis, welches ebenfalls schon oft Lösung ähnlicher Filme war), „Das Waisenhaus“ erzählt nichts was nicht schon einmal auf der großen Leinwand zu sehen oder im Videoregal zu ergattern war, und das lässt ihn schlussendlich etwas gewöhnlich wirken.

Das ist schon schade, denn er ist mit viel Liebe und Mühe umgesetzt worden. Wie eben erwähnt ist der komplette Film hübsch fotografiert, die Darsteller wissen alle zu überzeugen, die Musik untermalt den Film stimmig. Aber wenn sich zwischendurch Desinteresse breit macht und das Spannungspotential zu gering ist, dann kann man noch so viel Respekt vor der Arbeit der Filmschaffenden haben, das Ergebnis bleibt mager. Und da Gruselfilme mit einem hohen Anteil Drama immer seltener werden, ist es um so trauriger, dass ein Film nicht richtig zünden will, der zu dieser raren Gattung gehört.

„Das Waisenhaus“ kann man gucken. Er ist teilweise recht stimmig inszeniert und das Drehbuch ist clever. Aber er schaut sich einfach zu zäh um rundum zu gefallen. So ist das Ergebnis etwas gewöhnlich ausgefallen, was kaum zu glauben ist, wenn man die Mühe bedenkt, die man dem Streifen deutlich ansieht. mittelmäßig


Freitag, 27. Juli 2012

STIEFBRÜDER (Step Brothers 2008 Adam McKay)


Robert und Nancy könnten ein glückliches Paar sein, doch beide haben aus ihren ersten Ehen etwas mitgebracht: verzogene 40jährige Jungen, die aufgrund ihrer Unselbstständigkeit noch bei ihren Eltern wohnen. Zunächst können sich Brennan und Dale nicht riechen, aber sie erkennen ihre Gemeinsamkeiten, spätestens als Robert darauf besteht sie mögen sich einen Job suchen...


Kindsköpfe...

Deutsche Universitäten haben vor einiger Zeit herausgefunden, dass der Durchschnitts-Deutsche mit etwa 30 Jahren seine erwachsene Reife erhält. Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass es in Zeiten des Wohlstands scheinbar länger dauert erwachsen zu werden als üblicher Weise. Noch lange nach dem 18. Geburtstag spielen Leute Videospiele, wollen sie keine Kinder haben, gucken sie „Krieg der Sterne“ und haben sie womöglich ihre eigene kleine Video- und CD-Sammlung zu Hause. Das sind viele Attribute, die auch mit dem Erreichen der Reife häufig nicht abgelegt werden. Wir sind Kinder der Popkultur, wissen diese von klassischer Kultur kaum noch zu unterscheiden und haben gelernt, dass Erwachsen sein nicht bedeutet irgendwelchen konservativen Vorschriften zu folgen, sondern mitten im Leben zu stehen, irrelevant welche Hobbys oder welchen Lebensstil man dabei frönt.

Eine solche Gesellschaft bringt jedoch auch Problemfälle hervor, Menschen, die bis ins Erwachsenenalter noch bei ihren Eltern leben, die aufgrund ihrer Unreife nichts für die Arbeitswelt taugen und die, häufig Dank mangelnder Bildung im Elternhaus, nie Ironie verstehen und selbstständiges Denken und Handeln gelernt haben. „Zum Ausziehen verführt“ schien eine Komödie zu sein, die sich mit dieser Thematik beschäftigt, blendete jedoch nur mit seinem Aufhänger, um eine klassische RomCom zu präsentieren. „Stiefbrüder“ geht schon eher in die richtige Richtung, verschenkt seine Idee jedoch für phantastischen Klamauk.

Dabei geht es nicht so unterirdisch zu, wie z.B. in Sandlers Komödie „Billy Madison“ oder dem Pauly Shore-Klamauk „Bud und Doyle“. Er begeht aber den selben Fehler, wie diese beiden kaum zu ertragenden Produkte: er heißt ein geringes Entwicklungstadium für "Erwachsene" gut, in dem man nicht alleinständig lebensfähig ist, kein Wertegefühl entwickelt hat und welches den Stand einer psychischen Erkrankung erreicht hat.

„Stiefbrüder“ meint es gut mit seiner Botschaft man solle sich sein kindliches Gemüt beibehalten, aber er präsentiert es an zwei solch infantilen Beispielen, dass man das Thema nicht mehr ernst nehmen kann und den Film nur noch als reinen Unterhaltungsfilm konsumieren kann. Und so ist er letztendlich auch gedacht.

Man kann nicht abstreiten, dass die beiden Hauptdarsteller Will Ferrell und John C. Reilly ihre Sache gut machen. Sämtliche Eigenschaften von Kindern haben sie wunderbar abgeguckt und in ihr Nerv-Repertoire eingebaut. Unterstützt von einem Drehbuch, welches immer wieder neue Winkel ausleuchtet um uns mit infantilen Dämlichkeiten vor den Kopf zu stoßen, blödeln die beiden los als ob es kein Morgen gäbe. „Stiefbrüder“ ist Klamauk pur, und das will er auch sein. Eine Sympathie für die Figuren entsteht dabei jedoch nicht, ist vom Drehbuch jedoch so gewollt.

Da mögen Ferrell und Reilly noch so einfallsreich improvisieren können, wenn das Grund-Thema nicht einen Hauch ernst angegangen wird, kann der Film nicht vollends funktionieren. Wenigstens der Hauch von Drama hätte wehen müssen, um den ernsthaften Zustand aufzuzeigen in dem sich die beiden „Helden“ befinden. Ein „Shopping-Center King“ schaffte selbiges beispielsweise mit einer Hauptfigur, die unter einer anderen geistigen Störung litt, und dieser Film war alles andere als eine Tragikomödie. Aber es wehte besagter Hauch von Ernsthaftigkeit im Film, ein Hauch der es z.B. auch in die Klamaukfilme der 80er Jahre von Dieter Hallervorden geschafft hat.

„Stiefbrüder“ will von solchen Alternativen jedoch nichts wissen und reitet sich selbst damit in die Belanglosigkeit einer phantastischen Weltsicht, in der selbst die infantilsten Vollidioten respektiert werden müssten, bzw. noch viel schlimmer: es irgendwann schaffen den Respekt ihrer Zweifler zu gewinnen. Das ist typische unreflektierte Amerika-Naivität, so unreif wie seine Protagonisten, und gerade hier hätte die Grenze stattfinden müssen. Der Film hätte sich von seinen Hauptfiguren distanzieren müssen, um das hemmungslose Geblödel auf angenehmer Grundlage abliefern zu können.

Ich bin kein Gegner von Klamaukfilmen, mag die geistlose „Police Academy“-Reihe ebenso wie die auf Nostalgie setzende „Eis am Stiel“-Reihe. Ich respektiere die Arbeiten von Dieter Hallervorden, Stan Laurel und Pierre Richard. Aber keines dieser aufgezählten Werke beging den Fehler die gezeigten Albernheiten als Richtigkeiten darzustellen. Und auch wenn „Stiefbrüder“ lediglich ein geistloser Unterhaltungsfilm sein will, so suggeriert er dennoch so etwas wie eine Botschaft, und die kann bei dieser Herangehensweise nur fehlerhaft sein, ob sie nun gewollt vorhanden ist oder sich durch das angewandte Thema lediglich nicht verhindern ließ.

Regisseur Adam McKay hat 2 Jahre zuvor bewiesen, dass er es besser kann. Da schickte er mit „Ricky Bobby“ einen Außenseiter ins Rennen, ebenfalls von Ferrell in Begleitung von Reilly gespielt, der sich zwar nicht kindisch verhielt, aber auf andere Art egozentrisch und sozial fehlorientiert war. Dort wurde der Charakter mit Respekt behandelt. Dort suchte man die Konfrontation mit der Außenwelt, um den Charakter zu verstärken, anstatt ihn bestätigen zu wollen. In „Stiefbrüder“ verfolgt man leider gegenteiliges Ziel.

Ich habe die hier besprochene Komödie bis zum Schluss durchgehalten, aber selbst als reiner Klamaukfilm gesehen ist er mir zu anstrengend anzuschauen. Das infantile Getue geht trotz aller Sympathie des Spiels der Hauptdarsteller irgendwann auf die Nerven. Und wenn sich in einer Wende die zuvor präsentierten Gestalten plötzlich darin beweisen, dass sie erwachsen sein können, geht es nur noch bergab. Ab da wird „Stiefbrüder“ selbst für eine Klamaukkomödie zu unglaubwürdig und entlarvt seine Figuren letztendlich darin, in ihrer Art doch immer nur absichtlich anderen weh getan zu haben. Ein Glück dass dieses Manko erst so spät in Erscheinung tritt. Bis dahin hat der Film zumindest mit manch lustiger Szene amüsiert. mittelmäßig


HELL (2011 Tim Fehlbaum)



Wir schreiben das Jahr 2016. Bereits seit 4 Jahren hat es nicht geregnet. Die Sonne scheint stärker denn je und hat auf Erden fast alle Wasservorräte vernichtet. Ernten gibt es nicht mehr. In dieser trostlosen Welt halten Marie und ihre kleine Schwester Leonie zusammen. In Begleitung mit dem Autobesitzer Phillip stoßen sie an einer verlassenen Tankstelle auf Tom. Da man vereint stärker ist, nehmen sie ihn mit. Aber ist ihm zu trauen?...


Die Sonne und du...

Während der Sommer draußen endlich Höchsttemperaturen erreicht, sitze ich in meiner durch den Altbau bescherten angenehm klimatisierten Wohnung und schaue einen Film über eine böse Zukunft, in welcher übermäßige Hitze ein Dauerzustand geworden ist. Welch fiese Vorstellung, denke ich mir, ist der Weg nach draußen zum Kiosk doch schon kaum auszuhalten.

Als Aufhänger für einen Endzeit-Film ist diese Sonnenapokalypse zumindest einmal etwas anderes. Da zudem aus Deutschland stammend, sollte man mit einem Film rechnen der jenseits des Mainstreams liegt. Doch was kann man sich da irren. Dass jenseits des Mainstreams nicht immer etwas Positives bedeuten muss, bewies der Film „Wolfzeit“, und zumindest entpuppt sich „Hell“ als eine Art Zwischenproduktion, ein Werk für das Massenpublikum a la „Carriers“ ist er zumindest nicht geworden. Und doch ist es gerade dieser lückenhaftere, verwandte Film, der sich im Vergleich zu „Hell“ als der bessere entpuppt.

„Hell“ lässt sich durchaus angenehm gucken, aber schaffte es „Carriers“ das Misstrauen aller Menschen untereinander hervorragend auszubauen und das Dilemma seiner Endzeit-Idee in vielerlei Hinsicht auszuleuchten, so schafft es Regisseur Tim Fehlbaum, für den „Hell“ sein zweiter Langfilm war, nicht der so interessant klingenden Grundidee einer dominanten Sonne mehr Aspekte abzugewinnen als eine trostlose Einöde, Haut und Augen in Gefahr und das Wasser als höchstes Gut. Was auch immer der Film nach seiner dies zeigenden Einleitung berichtet, hätte thematisch in jeden weiteren Endzeitfilm gepasst, der mit einem anderen Katastrophenszenario arbeitet. Das sind vergeigte Chancen.

„Hell“ kommt anfangs recht trostlos daher, bleibt im Gesamtergebnis aber viel zu optimistisch was Erfolge und Teilerfolge der Protagonisten innerhalb der Handlung betrifft. Echte Schicksalsschläge lässt er ihnen kaum widerfahren. Fehlbaum geht recht schonend mit sensiblen Zuschauern um und liefert lediglich ein Grundlagenprogramm dessen ab was eigentlich möglich wäre. Zwar streift  dieser Science Fiction auch immer wieder bestialische Gebiete, beispielsweise wenn er in einer späten Phase deutliche Parallelen zu „Blutgericht in Texas“ aufweist, aber selbst dann werden den Helden zu wenig Steine in den Weg gelegt, als dass es wirklich spannend werden würde.

Dass gegen Ende Schutzmaßnahmen vor der Sonne kaum noch verwendet werden müssen, ist eine das Finale einfacher gestaltende Eigenschaft unnötiger Natur. Es wäre kein Problem gewesen diesen Aspekt weiterhin zu beachten und dennoch selbiges Ende zu erzählen. Gerade diese Haltung zum Finale hin verdeutlicht um so mehr das Desinteresse der Filmschaffenden ihrer eigentlichen Grundidee auch wirklich mehr abgewinnen zu wollen als den reißerischen Aufhänger zum Locken eines Publikums. Dieses Reißerische ist aber zumindest das einzige das an die Regiearbeiten Roland Emmerichs erinnert, jener Prominente, der den hier besprochenen Film produziert hat.

„Hell“ nimmt seine Figuren ernst genug, badet nie in euphorischen Gefühlsausbrüchen und bleibt in seiner simplen Geschichte möglichst sachlich - alles Eigenschaften die es unter einer Emmerich-Regie nie geben würde. Klischees blitzen an den Charakteren immer wieder auf, aber letztendlich lernt man nicht genug über sie kennen, als dass sie tatsächlich zu Stereotypen werden könnten. Die fehlende Vertiefung sorgt jedoch nicht, wie man meinen könnte, zu einem Desinteresse an den Protagonisten. Es verdeutlicht viel mehr, dass das Individuum in dieser Zeit nichts mehr wert ist. Das Ziel ist überleben.

Zumindest ist „Hell“ in diesem Bereich konsequent erzählt, auch wenn diese Idee in Endzeit-Filmen keine neue ist. Aber „Hell“ ist ohnehin nur der kurzweilige Zwischenverzehr für Cineasten geworden. Echte Science Fiction-Kenner werden hier nichts finden, was es nicht schon einmal ähnlich gab. Aber wer seine Ansprüche zurückschrauben kann und auch mit einer halben Spannungskurve zufrieden zu stellen ist, der kann sich Fehlbaums Werk durchaus einmal anschauen. unterhaltsam


Donnerstag, 26. Juli 2012

TEUFELS WERK UND GOTTES BEITRAG (2010 Helge Cramer)


Eine junge Frau behauptet vom Teufel besessen zu sein und bekommt mehrere Exorzismen. Regisseur Helge Cramer darf sie zu diesem Thema befragen und zieht Parallelen aus dem Fall Anneliese Michel aus den 70er Jahren, den der gute Mann damals auch schon dokumentierte. Anhand der beiden Beispiele wirft Cramer einen Blick auf den Umgang mit Exorzismen beim Christentum in Deutschland und dem Vatikan...


Teufel im Leib...

Bei der Überschrift handelt es sich keinesfalls um einen Verdreher. Wir haben es hier nicht mit der Literaturverfilmung zu „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ und einem tolpatschigen Review-Autor zu tun, sondern mit einem Dokumentarfilm über Teufelsaustreibungen im Heute, und wenn man den Film gesehen hat muss man doch sagen, dass der Titel sehr gut gewählt wurde, da er wie die Faust aufs Auge passt.

Mit einem Papst im Amt, der vor seiner Papstzeit so einiges mit dem Thema Exorzismus zu tun hatte, ist das nicht tot zu kriegende Thema Teufelsaustreibung modern wie eh und je, zumal moderne Korrekturen des Vorgängers von Benedict XVI nach dessen Amtseintritt schnell wieder auf mittelalterlichem Wege korrigiert wurden und Benedict damit für einen Weg des Rückschritts steht.

Cramer ist nicht ohne. Er darf über den aktuellen Fall einer Frau berichten, an der Exorzismen vollzogen werden, so lange er daran nichts kritisiert. Also bezieht sich der gute Mann auf den Fall Anneliese Michel und diversen Interviews mit innerkirchlichen Exorzismus-Gegnern, um das zu tun was er im Bereich seines Versprechens nicht darf. Er darf über besagten Fall keine kritischen Worte äußern, aber er gab keine Zusage darüber, dass sein Dokumentarfilm nicht zum Anti-Exorzismus-Film wird.

Somit ist „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ keinesfalls eine objektive Betrachtung geworden, sondern verfolgt das Ziel eine Meinung kund zu tun, in dem man versucht diese sachlich zu begründen. Als rationaler Mensch teile ich selbstverständlich die Meinung die im Film aufgegriffen wird und finde die einseitige Betrachtung auch keineswegs verkehrt, da der Film sich lediglich gegen etwas wehrt, was den Menschen für dumm verkauft und als Verbrechen legal im Alltag unter dem Schutzmantel des Rechts auf Glauben stattfinden darf.

Die Dokumentation deckt dabei nicht so viel auf wie ich mir gewünscht hätte, aber allein die Informationen über Anneliese Michel waren sehr interessant, deren Fall ich nur aus den Filmen „Requiem“ und „Der Exorzismus von Emily Rose“ kannte, nicht aber durch Fakten. Interessant dass beide Filme sich an verschiedenen Seiten der Wahrheit orientieren und jeweils andere Dinge hinzuerfinden.

Für einen aufgeklärten Menschen wirkt das ein oder andere Interview im Film, ob nun aus der Vergangenheit oder der Gegenwart, schockierend, verstecken sich Menschen doch hinter Phrasen und Leergeschwätz, um etwas zwingend als vorhanden anzuerkennen was nicht existent ist. Mit dieser Haltung werden nicht nur begangene Verbrechen legitimiert, der Grund der ganzen Sache den „Teufels Werk und Gottes Beitrag“ zudem auch als Auflösung der Dokumentation präsentiert liegt auch klar auf der Hand: der Teufel hilft dem Menschen zu glauben, auf Zwang, unter Druck. Wer nicht den Rachegott predigt, sondern den gütigen, der ist auf den Teufel noch mehr angewiesen als ohnehin schon. Quasi wird der Teufel dann gebraucht, wenn nicht geglaubt werden will. Welch Widerspruch, wenn man als Kirche doch Leute sucht die eigentlich von sich aus glauben sollten. Dass solche Methoden prinzipiell auch im Widerspruch zur Religionsfreiheit stehen, ist zumindest ein Diskussionsansatz der nicht uninteressant wäre.

So weit geht Cramers Film jedoch nicht. Das ist auch gar nicht sein Ziel. Etwas mehr Gehalt hätte er jedoch sehr wohl vertragen können. Dennoch ist sein aktuelles Werk durchaus einen Blick wert, auch wenn ich mir eigentlich mehr vom Film versprochen habe. interessant


THE DARKLING (2000 Leong Po-Chih)


Der junger Arbeiter Jeff und der Millionär Rubin lernen sich über ihre Begeisterung für Autos kennen. Zudem ist der reiche der beiden an Okkultismus interessiert und besitzt einen Geist, auf dessen Rat hin er all seinen Besitz und Erfolg erhielt. Der dunkle Geist beschließt seinen Besitzer zu wechseln und tötet die Frau Jeffs, um sich in dessen Leben einzuschleichen. Der naive Mann beißt an...


Sklave der dunklen Macht...

„The Darkling“ ist ein schlichter TV-Film, und das sieht man ihm von der ersten Minute auch gleich an. Damit schraubt man die Erwartungen als Zuschauer auch gleich etwas herunter, jedoch nicht vollkommen, da „The Darkling“ als Titel zu gefallen weiß, und Regisseur Leong Po-Chih immerhin auch verantwortlich für „Die Weisheit der Krokodile“ war, einem überdurchschnittlichen Werk in ungewöhnlichem Umgang mit dem Thema Vampirismus.

An „The Darkling“ ist so gar nichts ungewöhnlich, erzählt er doch vom altbackenen Thema wie jemand unter dunklen Einflüssen reich wird, damit jedoch jegliche Freiheit über sich und sein Leben verliert, um schlussendlich zu erfahren, dass er austauschbar ist. Das hätte sich der angeblich helle Kopf Jeff jedoch längst selbst denken können, denn sollte man beim Lesen der Geschichte meinen, dass der Held gewitzt vom Geist eingelullt wird, muss man beim Zuschauen feststellen, dass er erschreckend offen mit der Situation konfrontiert wird, womit seine Moral und das über Bord-Werfen dieser zur unglaubwürdigen Witzvorstellung verkommt.

Und darin liegt der Hund begraben: man will so gar nicht mit der Hauptfigur des Streifens mitfiebern. Trauer hin oder her, aber der gute (bzw. eher nicht so gute) Mann war sich vollkommen im klaren worauf er sich einließ. Und der alte Millionär ebenso, der, Sklave des Geists hin oder her, seinen Tod trotz aller Gier scheinbar zu akzeptieren weiß, wenn er ausgetauscht wird - ein Fakt den unser Held ebenfalls mitbekommt und damit ebenso weiß dass auch seine Stunde eines Tages schlagen wird.

Dass das neue Ziel des dunklen Geistes nach Jeff ausgerechnet seine Tochter sein würde, hätte er freilich nicht gedacht. Alle Versuche diese Partnerschaft zu verhindern rütteln ihn immerhin wieder auf, münden aber doch nur in der typisch überraschenden schwarzen Pointe, die für einen Film dieser Art so gar nicht überraschend ist. Denn diese ist geradezu „Twilight Zone“-typisch, eine Beschreibung die zum kompletten Werk passt, dessen Geschichte jedoch zu lang und undurchdacht ausgefallen ist, als dass sie der Vergleichsserie tatsächlich gerecht werden könnte.

„The Darkling“ hätte eventuell noch als Kurzfilm funktionieren können, aber selbst dann wäre ihm seine zu altbackene Geschichte in die Quere gekommen. Die Laufzeit auf Spielfilmlänge und das gewöhnliche, erschreckend einfallslose Drehbuch machen dem Ergebnis jedoch einen Strich durch die Rechnung. schlecht


CHUCKY 2 - DIE MÖRDERPUPPE IST ZURÜCK (Child's Play 2 1990 John Lafia)


Nach den mysteriösen Vorfällen aus Teil 1 wird der kleine Andy seiner für verwirrt erklärten Mutter entrissen und kommt bei Gasteltern unter, die öfters elternlose Kinder bei sich aufnehmen. Als Chucky wieder auftaucht, um Andys Körper zu ergattern, glauben die Gasteltern, dass auch Andy psychisch gestörter ist, als sie es tragen könnten. Nur die Waisengöre Kyle hält zu ihm...


Schlechte Freunde wird man schwer los...

Chucky - Die Mörderpuppe“ war dank des für sein Thema unerwartet hohen Spannungsaufbaus ein Film, der nicht zwingend nur für den eingefleischten Horror-Fan von Interesse war. Teil 2 ist nun das, was ich bereits dem Erstling zugetraut hätte: ein Film für den Genre-Freund und noch dazu ein ziemlich guter. „Chucky 2“ ist so flott erzählt, dass man am Ende noch einmal auf die Uhr schauen muss, um sich zu vergewissern, dass die Zeit auch wirklich so schnell vergegangen ist. So etwas spricht immer für gute Popkornunterhaltung.

Im Vergleich zu Teil 1 fällt so einiges auf: die Puppenanimation hat sich verbessert, insbesondere die Mimik, deren verändernde Gesichtszüge schon ein echter Hingucker sind. Nun ab Teil 2 haben wir Deutschen es in unserer Sprachversion auch mit einer strengeren Stimme zu tun. Die Zeiten sind vorbei als Charles Lee Ray noch wie eine Puppe klang. Mit der neuen Stimme darf er noch mehr fluchen und böse Sprüche bringen als im Vorgänger. Ein Versuch mit dieser Verstärkung in Freddys Fußspuren zu steigen ist deutlich erkennbar. Glücklicher Weise sind Chuckys Sprüche über den Film hin gut verteilt und fallen nie negativ auf.

Positiv fällt zudem auf, dass die Geschichte gut auf seinen Vorgänger aufbaut und dessen Logik weiter befolgt, was später bei "Chucky und seine Braut" leider nicht mehr der Fall sein sollte. Mit Alex Vincent ist auch eine Originalbesetzung zurückgekehrt, und zusammen mit seiner deutschen Synchronstimme lässt der kleine, leidende Junge auch erneut alle Herzen mit ihm fühlen. Nein, was ist er süß, und was tut er einem leid. Damit bilden die ersten „Chucky"-Filme einen Gegenpol zu den gerade in den 80er Jahre aufkommenden Sympathien der Killer gegenüber, die unsympathische Charaktere abmurksen durften.

Sehr überrascht war ich über das flotte Fortschreiten der Geschichte. Die neuen Stiefeltern sind schneller tot als vermutet, ein ewiges Hinhalten gibt es nicht. Selbst der Junge weiß sehr früh, dass Chucky zurück ist. Dadurch fehlen zwar Elemente die zu mehr Gruselstimmung verholfen hätten, andererseits wird es aber auch nie langweilig. Neben den Stiefeltern (den Papa spielt übrigens Gerrit Graham, der Schauspieler des Dr. Norman Pankow aus "Parker Lewis"), die eher Nebensache sind, wird die Figur der Teenagerin Kyle mit eingebaut. Diese wird ebenso wie Andy schnell zum Sympathiecharakter beim Zuschauer und darf dem kleinen Jungen im Finale in allen Bedrohlichkeiten zur Seite stehen.

Dort trumpft der Film mit dem Spiel der Massenware unserer heutigen Industrie auf. Schon zuvor wurde zum in die Irre führen eine weitere Good Guy-Puppe in die Geschichte eingebaut, das Finale geht noch einen Schritt weiter und spielt schließlich in jener Fabrik, die besagte Puppen herstellt. Und was in diesen Räumen mit Chucky so alles angestellt wird, ist ein Spaß für sich. Der Bösewicht darf nun mindestens ebenso leiden wie der kleine, geplagte Andy, den es 8 Jahre später in „Chucky 3“ in eine Militärakademie verschlagen wird.

Die Synchronisation ist etwas zu schwach geraten, besonders negativ fallen die Stimmen der Stiefeltern auf. Aber ansonsten steht einer flotten, wenn auch eher anspruchslosen, Unterhaltung nichts im Weg. Die Klasse des ersten Teils ist nicht mehr vorhanden, aber für eine Horrorfortsetzung ist dieser zweite Teil überraschend gut ausgefallen. sehenswert


ARACHNIA (2003 Brett Piper)


Wegen eines Kometeneinschlags kracht ein Flugzeug frühzeitig zu Boden, deren Passagiere aus Studenten, deren Professor und seiner Assistentin bestanden, die zusammen mit dem Piloten fortan gegen Riesenspinnen zu kämpfen haben. Der Komet hat scheinbar eine Erdspalte freigelegt, welche die Arachniden bislang daran hinderte auf dem Erdboden zu jagen...


Die Achtbeiner kommen...

Vielleicht sagt dem ein oder anderen der Name Brett Piper etwas. Der Billigfilmer hat nicht so viel gedreht wie manch anderer, fiel einigen jedoch wegen seiner speziell billigen aber nicht uncharmanten Stop Motion-Technik auf, die er in die meisten seiner Werke wagte einzubauen. Mir persönlich fiel er erstmals durch „Kampf um den verlorenen Planeten“ auf, der auch als „Galaxy Destroyer“ erschien und wesentlich unterhaltsamer war als diese dämlichen Titel vermuten lassen. Seine berüchtigten Effekte ließ er, so weit ich mich erinnern kann, in diesem besagten Werk weg.

Man darf zurecht fragen ob es wirklich nötig war erneut einen Spinnen-Horror auf die Menschheit loszulassen. Ob nun „Tarantula“, „Mörderspinnen“, „Angriff der Riesenspinne“, „Die Rache der schwarzen Spinne“, „Arac Attack“, „Arachnophobia“, „Ice Spiders“, „Arachnid“, und wer weiß wie viele Werke mit Achtbeinern noch im Meer an Billigproduktionen lauern, der Filme mit ihnen hat es zu genüge gegeben, ob nun klein wie eh und je, oder groß zu Riesen mutiert. Vielleicht dachte sich Piper auch einfach, dass es noch einmal Zeit wird zum alten Trickverfahren zurück zu greifen, nun wo sich die Computereffekte in Großproduktionen durchsetzten, u.a. auch dank des großen Erfolges der Emmerich-Produktion „Arac Attack“.

Viel Geld hatte der gute Mann für dieses Vorhaben nicht beisammen. Das sieht man an der handvoll Darsteller, die erst im Finale etwas mehr Unterstützung erhalten und an den Stop Motion-Effekten, die in Freak-Kreisen ihre Beachtung erhielten. „Arachnia“ ist erst mein zweiter Brett Piper-Film, und so charmant mir seine holprige Spinnenanimation auch vorkam, wirklich wirksam für den Film war sie nicht. Mag sein dass „Star Odyssey“ und Co sie als nebensächliches Gimmick bereichert, aber in einem Film, in dem die durch Stop Motion bewegten Monster zum Hauptaugenmerk werden, ist das ruckelige Herumgekasper der Arachniden doch eine Spur zu kläglich zu nennen.

Da hätte man sicher ein Auge zugedrückt, wenn der Rest des Streifens funktionieren würde, doch auch das ist leider nicht der Fall. Konnte „Galaxy Destroyer“ durch seine treffsichere Komik einige Minuspunkte wett machen, will gleiche Rezeptur in „Arachnia“ nicht greifen, da manch pointensicherer Spruch, der das Werk als ironisch darstellen will, durch das absichtliche, ironiefreie Zelebrieren peinlicher Klischees auf der anderen Seite nicht aufhebt. Somit bekommt man bei Sichten eher das Gefühl man habe versucht einen zu peinlichen Film damit abzudämpfen alles etwas augenzwinkernd zu versehen, obwohl man die Schauwerte auf Peinlichkeiten setzt.

Und damit ist keineswegs die schundige Spinnenanimation gemeint, sondern z.B. die Nacktaufnahmen, die in Kissenschlachten und lesbischen Szenen enden, die weit über das hinaus gehen was noch augenzwinkernd gemeint sein könnte. Nach diesen Szenen überrascht es nicht mehr, dass Piper im Tiefpunkt seines Schaffens bei Misty Mundae-Filmen a la „Bite Me!“ landete. Auch die Heldencharakterisierung ist mit ihren Ansichten, die sich auf die komplette Handlung übertragen, viel zu konservativ ausgefallen, um auch nur den Anschein einer ironisch gemeinten Darstellung zu verkörpern.

Mit seinen zwei Seiten wirkt der Streifen zu unausgegoren, so dass ihm sein zu monotoner Verlauf schließlich das Genick bricht. Der an sich recht kurz laufende Film kann trotz allerhand Riesenspinnen-Szenen nicht verhindern zur Geduldsprobe zu werden, bei welcher es dem Zuschauer schwer fallen wird nicht frühzeitig auszuschalten. Ich habe bis zum Schluss durchgehalten, aber selbst da wird man für nichts belohnt, zieht sich Piper dort doch mit einem Militäreinsatz aus der Affäre, um die Chose schnell zu beenden und nicht, wie man meinen könnte, um das ganze auf clevere Art zu beenden, wie es z.B. ein „Return Of The Living Dead“ damit schaffte.

Ich mag Horrorfilme mit Spinnen, konnte selbst dem mittelmäßigen „Arachnid“ von Brian Yuzna und dem recht dämlichen „Webs“ etwas abgewinnen. „Arachnia“ erreicht jedoch maximal das Niveau eines „Ice Spiders“, der sich zu den billigen computeranimierten Produktionen zählen darf, die Tele 5 rauf und runter sendet. Dort sind hin und wieder banal unterhaltsame Treffer vorhanden, „Arachnia“ spricht sich leider davon frei. Auf der anderen Seite hat er immerhin seine schundige, handgemachte Animation zu bieten und manch freiwillige Komik, die freilich auch nicht immer zu zünden vermag. Aber immerhin bietet Pipers enttäuschender Ausflug zu den Riesenspinnen damit manch kleinen Sehwert. mittelmäßig


DIE KÖNIGE DER NUTZHOLZGEWINNUNG (2006 Matthias Keilich)


Krischan kommt nach 12 Jahren in sein Heimatdorf im Harz zurück, ein Ort in dem er sich durch sein Verschwinden viele Feinde gemacht hat. Obwohl er ihnen Schulden beschert hat, kann er zwei alte Freunde überreden, mit ihm eine Holzfällermeisterschaft zu organisieren. Unterstützung erhalten die drei Arbeitslosen nicht, also wird der Wettbewerb umfunktioniert in eine Meisterschaft, bei der nur Arbeitslose antreten dürfen...


Schnapskopf mit Holzidee...

„Die Könige der Nutzholzgewinnung“ erzählt grob betrachtet eine recht schlichte Geschichte, da muss man sich nichts vormachen. Aber dieses kleine Stück Heimat-Komödie geht über den Plot des in den Geburtsort Heimkehrenden und jenen des Verlierers, der seiner Vision folgt, hinaus. Zwar plätschert der Film fröhlich vor sich hin, doch er erlangt Tiefe dadurch, dass er die Arbeitslosensituation in Deutschland ernst nimmt, die Betroffenen glaubwürdig wiederspiegelt und sich für diese Thematisierung einen Ort aussucht der auf ganz spezielle Art betroffen ist.

Nun begeht Keilichs Film auch nicht den Fehler seine Geschichte, so wie es eigentliche Trivialunterhaltung zeigen würde, zu blauäugig zu betrachten. Die realistische Erzählweise lässt einen von Beginn an daran zweifeln ob private wie berufliche Ziele Krischans tatsächlich zum Erfolg führen. Das Drehbuch verschönt nichts, und weder Gesellschaft noch Staat kommen umhin Schelte einzukassieren.

Da kommt es dementsprechend gut, dass die Hauptfigur Krischan weit davon entfernt ist ein Sympathiecharakter zu sein. Zwar lässt sein Charakter Hoffnung auf Besserung aufkommen, immerhin kümmert er sich innerhalb seiner Grenzen liebevoll um seinen Sohn von dem er nichts wusste, aber Krischan ist schlichtweg zu dumm, um es besser zu wissen und baut dementsprechend durch mangelnde Bildung, seine schwanzgesteuerte Lebensart und seiner mangelnden Selbstreflexion immer wieder Fehler, die Menschen verletzen und in Schwierigkeiten bringen.

Krischan wird glaubhaft verkörpert durch den talentierten Schauspieler Bjarne Ingmar Mädel, den die meisten wohl als Berthold bzw. Ernie aus „Stromberg“ kennen, eine Rolle die der hier gespielten so gar nicht ähnelt, was wohl auch die Herausforderung war, erst recht wenn man alsSchauspieler so stark mit seinem populären Part identifiziert wird. Schön dass Bjarne diese Chance ergriff, zumal er sich erneut als Kenner eines guten Stoffes erweist, etwas das nicht jeder in „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ gesehen hätte.

Bislang war dies leider die letzte Regiearbeit von Matthias Keilich, der zuvor lediglich „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ fertig stellte und den Kurzfilm „Zu“. Man muss jetzt nicht zwingend von einer großartigen Regiearbeit reden, aber immerhin schafft es Keilich seine Geschichte authentisch wirken zu lassen, und das ist ein Talent welches gerade deutsche TV-Projekte zur Zeit benötigen würden. Keilich schrieb auch das Drehbuch zum hier besprochenen Film, somit kann man ihm gleich zweifach zum positiven Ergebnis gratulieren.

Letztendlich bleibt die Geschichte eine Spur zu schlicht, um dem Film nun ein komplett gutes Ergebnis anzuerkennen. Dramaturgie und Inhalt sind selbst für ein authentisches Material etwas rar vorhanden. Vielleicht fiel es mir auch etwas zu schwer Krischan mit all seinen Fehlern, die ihn menschlich (gewollt) unsympathisch wirken lassen, als Identifikationsfigur anerkennen zu können. Ich konnte nicht wirklich mit einem Mann mitfiebern, der andere Arbeitslose austricksen möchte um das Preisgeld nicht bezahlen zu müssen. Das ist für die Geschichte zwar von Vorteil und lässt den Film ungewöhnlich erscheinen, auf der anderen Seite wollte der Regisseur jedoch scheinbar, dass man während des Wettbewerbs mit den Hauptfiguren mitfiebert. Das lässt die Art der Inszenierung zumindest vermuten. Und das ist nicht drin.

Dennoch sei Freunden deutscher Kost „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ ans Herz gelegt. Er schafft es ähnlich wie „Schokolade für den Chef“ leichte Kost mit treffsicherer Gesellschaftskritik zu kombinieren. Dank hervorragender Darsteller (neben Mädel in erster Linie Frank Auerbach) wird die manchmal etwas banal erscheinende Geschichte dennoch zu einem kurzweiligen, charmanten Erlebnis für den Zuschauer. unterhaltsam

 
Trailer,   OFDb

Mittwoch, 25. Juli 2012

WALL-E (2008 Andrew Stanton)



Die Erde wurde vor langer Zeit von den Menschen verlassen, da sie diese zugemüllt hatten. Der kleine Roboter Wall-E räumt seit vielen Jahren den Müll auf, einzig begleitet von seinem kleinen Freund, der Kakerlake. Sehnsüchtig auf eine echte Partnerschaft wartend taucht eines Tages der Roboter Eve auf, in den sich Wall-E auch direkt verliebt. Eve ist jedoch viel zu sehr mit einem geheimen Auftrag beschäftigt, um sich auf eine Liebelei mit dem kleinen Blechkasten einzulassen...


Hoffnungslos hoffnungsvoll...

Es sind immer wieder die Pixar-Studios, die in einer von Tierfiguren und „Shrek“lichen Humor dominierten Animationsfilm-Nische innerhalb der Blockbuster-Welt die Ausnahme präsentieren und dem einzig im Mainstream orientierten Filmfreund immerhin einen Spalt Sichtweise darüber öffnen, was mit dem Medium Film mehr möglich ist als ihnen die großen Kinos vorführen. Mit „Findet Nemo“ wagte man sich in Zeiten von Jugendhumor zum klassischen Disney-Trickfilm-Erzählstil zurück, mit „Toy Story“ gebar man gar das eigentliche Sub-Genre des computeranimierten Zeichentrickfilms, mit „Oben“ wagte man sich an ein etwas erwachseneres Thema.

So ist auch „Wall-E“ innerhalb dieser Blockbuster-Welt ein gewagtes Produkt, konzentriert er sich in den ersten Minuten doch nur auf eine einzige Figur (der Einfluss der Kakerlake ist zu minimal, um sie tatsächlich dazu zu zählen) und nach einiger Zeit für etwa eine halbe Stunde an einer zweiten ähnlicher Art. Für ein Publikum, das meist die direkte Identifikation mit dem was es kennt benötigt, ist es schon mutig zwei Roboter fiepend in einer kaputten Welt miteinander kommunizieren zu lassen und, von einem Lied aus dem TV einmal abgesehen, einzig das Wort „Eve“ und „Wall-E“ aussprechen zu lassen.

Gewagter war selbiges Unterfangen jedoch in den 70er Jahren, war es doch gerade die Vorstellung, dass zwei kommunizierende Roboter ohne menschliche Begleitung keinen Menschen ins Kino locken würden, die dafür sorgte, dass George Lucas längere Zeit brauchte um wen für das Projekt „Krieg der Sterne“ gewinnen zu können. Die Anfänge des Blockbuster-Kinos waren noch mutig zu nennen, das hat sich irgendwann geändert, so dass Werke wie „Wall-E“ heute der Ausnahme angehören, eine Ausnahme, die jedoch immer wieder Schwachstellen im eigentlich Gewollten aufkommen lässt. Ob nun der hier besprochene Film, oder jüngst auch „Planet der Affen - Prevolution“, selbst die besseren Filme ihres Metiers sind nie konsequent genug.

Bis dies bei „Wall-E“ auffällt dauert seine Zeit. Zunächst ist der Streifen toll erzählt, gewohnt gekonnt animiert und, wie man es von Pixar kennt, auch detailverliebt und mit Pointen im Hintergrund versehen. Das Team hat seine Hausaufgaben gemacht, was sich u.a. auch an der zitierfreudigen Art zeigt, die in heutigen Zeiten nicht mehr fehlen darf. Höhepunkt diesbezüglich dürfte wohl eine Parodie auf „2001 - Odyssee im Weltraum“ sein.

Es ist sicherlich der Disney-Einfluss, dass eine Geschichte über einen Roboter in einer düsteren Zukunft gefühlsorientiert erzählt wird. Aber es muss nicht immer alles düster sein um zu gefallen, zumal „Wall-E“ im Gegensatz zum inhaltlich vergleichbaren „9“ ein Familienfilm sein soll. „Wall-E“, dessen Design man dreist von "Nummer 5 lebt" geklaut hat, wächst dem Zuschauer schnell ans Herz. Wer könnte sich nicht damit identifizieren, sich in vollkommener Einsamkeit nach Liebe zu sehnen? Durch seine naive Art, nimmt man es dem Blechkasten auch gar nicht krumm, dass er sich gleich in die nächstbeste Gelegenheit verliebt, ohne dass diese charakterlich auch nur einen Hauch reizvoll wäre.

Aber sonst wäre Disney auch nicht Disney, wenn sich dies im Laufe der Geschichte nicht wandeln würde. Und auch dies ist gut so. Mein Kritikpunkt liegt auf einer ganz anderen Ebene. Ich verstehe nicht, warum es in einer Geschichte über zwei Roboter um das Schicksal der Menschheit gehen muss. Hätte man in einer leicht düsteren, die Menschheit ignorierenden, Perspektive nicht ein ebenso herzerwärmendes Ergebnis erzielen können wie das erreichte? Was soll es eine Maschine interessieren, was aus den Menschen wird, die selbstverschuldet die Erde zerstörten und sich dann, mit Blick auf eine Gesellschaftskritik des Heute, der Belanglosigkeiten und der Völlerei hingegeben haben, bis sie schließlich zu unbeweglichen, gedankenlosen Fettsäcken verkamen?

Die Kritik hätte viel mehr Potential besessen, wenn man den Zustand der Menschen im All als Endergebnis präsentiert hätte, um sich ansonsten auf seine zwei Helden zu konzentrieren. Stattdessen helfen die Maschinen den lebensunwürdigen, degenerierten Kreaturen, die immerhin aus ihrer Lethargie erwachen und die Erde wieder umkrempeln wollen. Das ist gut gemeint, spiegelt aber nur den in US-Filmen immer wieder aufkommenden Gedanken wieder, dass sich alles wieder rückgängig machen lässt, egal wie katastrophal der Zustand ist. Und dem ist einfach nicht so.

Das Medium Kino ist nicht der einzige Einfluss eines jungen Menschen, aber dennoch manipuliert diese immer wiederkehrende Botschaft das Denken leicht beeinflussbarer Zuschauer, so dass damit eine kritiklose Gesellschaft gefördert wird. Auch innerhalb einer Zeichentrick-Science Fiction-Geschichte darf man sich ruhig der Realität hingeben. Und in dieser ist es unwahrscheinlich, dass ein Haufen Dicker all die Probleme auf Erden wieder hinbekommen wird bei mangelnder Bequemlichkeit, weder hitze- noch wasserresistenter Körper und ohne jegliches Fachwissen.

So lustig das Ganze gemeint ist, und in gewissem Maße ja auch zu funktionieren weiß, es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack in einem Film, der mehr sein will als die Masse, und erst recht in einem Film, der Kritik an dem ausüben will was er durch seine naive Sichtweise selber heranzüchtet. Was dies betrifft hätte es Pixar seiner Zeit sicherlich gut getan sich von der Zusammenarbeit mit den Disney Studios zu trennen, anstatt sich von ihnen aufkaufen zu lassen. Denn die Negativpunkte von „Wall-E“ tragen typische Disney-Handschrift, verglichen mit den von ihnen produzierten Jugendfilmen.

Der Schwachpunkt zeigt sich somit zwischen den Zeilen, steht dem Unterhaltungswert des Streifens somit also nicht wirklich im Wege, zumal „Wall-E“ tatsächlich gut zu unterhalten weiß. Außerhalb des Mainstreams mag man einen Blick auf das Konkurrenzprodukt „9“ werfen können, welches die Schwachpunkte des hier besprochenen Trickfilmes nicht aufzeigt. Leider krankt dieser jedoch an ganz anderen Fehlern, so dass „Wall-E“ der um Längen bessere Film von beiden ist. Also, Andrew Stanton, der übrigens auch für „Findet Nemo“ verantwortlich war, hat einen tollen Film geschrieben und gedreht, der an den typischen Blockbuster-Krankheiten leidet, aber zumindest in die richtige Richtung tendiert. unterhaltsam


IRON MAN (2008 Jon Favreau)


Der Waffenhersteller Tony Stark gerät in Kriegsgefangenschaft, was seine bisherige egoistische Lebensweise über Bord wirft, so dass er sich nach der Befreiung, die er mittels eines selbstgebauten mit Waffen und Flugmechanismus angereicherten Metallanzuges erlangt, dem Guten zuwendet. Hierfür konstruiert sich der Großindustrielle eine wesentlich kniffeligere Variante des besagten Metallanzuges. Sein Erzrivale baut sich jedoch ebenfalls einen...


Auge um Auge und Stahl um Stahl...

Seit des großen Erfolges von „Spider-Man“ packen die Filmstudios von Marvel immer wieder neue Comic-Superhelden aus, die das scheinbar nimmersatte Publikum auch immer wieder herzlichst an den Kinokassen begrüßt. Der Hype will nicht abbrechen, und so gibt es immer mal mehr oder weniger konstruierte Helden zu sichten, immer mal düstere und buntere, tiefsinnigere und oberflächliche, die komplette Palette an Eigenschaften wurde bereits abgegrast. Der nicht verfilmten Helden aus den kunterbunten Printmedien gibt es noch zu genüge.

„Iron Man“ versucht sich in der Nische des etwas erwachseneren Stoffes seines Sub-Genres, scheitert streng genommen aber ebenso wie das viel zu verspielte „X-Men“-Universum an der selbst gesetzten Messlatte. Bislang gelang es meiner Meinung nach ohnehin erst mit „The Dark Knight“ einen Superhelden möglichst erwachsenengerecht auf die Leinwand zu bringen. Ob das zwingend sein muss, sei einmal dahin gestellt, schließlich wurden all diese Figuren für eine Leserschaft mit kindlicher Phantasiewelt überhaupt erst erfunden. Aber man versucht es immer wieder mehr zu sein als der schlichte Jugend-Film, so auch im hier besprochenen Werk.

Leider scheitert dieses Vorhaben trotz aktuellem politischen Bezug allein schon an den Figuren, deren Charaktere entweder zu oberflächlich oder zu sprunghaft aufgegriffen werden, um sie als Erwachsene ernst nehmen zu können. Sei es die von der talentierten Gwyneth Paltrow gespielte Assistentin Starks, die wie eine Edelnutte für ihren Herren und Meister alles tut (außer Sex, vielleicht doch kein so guter Vergleich), obwohl sie weiß, was ihr Chef für ein Arschloch ist. Heimlich himmelt sie ihn dennoch an. Mag sein, dass sie den guten Kern in Stark erkennt, bevor er ihn selbst erkennt, aber das wird wenn nicht sonderlich gut herausgearbeitet.

Stark selbst ist ein viel zu selbstverliebter, egomanischer Charakter, als dass man ihm den Wandel zum Weltverbesserer tatsächlich abkauft. Wie gesagt, ist es Kleinkrämerei darüber zu maulen, wenn man bedenkt aus welchem Medium all diese Figuren aufgegriffen wurden. Aber man sieht dem Film immer wieder an wie reif er sich geben will inmitten eines Genres das an den Kinokassen ohne großes Bummbumm und teurer Computereffekte keine Chance mehr bekommt. Da beißt sich der Fuchs in den Schwanz.

Zumindest hielt man sich in etwa an das Rezept der „Spider-Man“-Filme. Die Geschichte wird ironisch erzählt, was sich z.B. an dem aus dem Film mit dem arachniden Helden übernommenen Part erkennen lässt, in welchem wir zunächst eine höchst peinliche Variante des Superheldenkostüms präsentiert bekommen, bevor das wahrhaftige fertiggestellt ist. Selbst der Superheldenname Iron Man erhält in Bezug auf das tatsächliche Material, aus welchem der Anzug besteht, durch die zeitliche Überholung einen netten, kleinen Seitenhieb. Von dieser augenzwinkernden Erzählweise einmal abgesehen gibt es weitere Übereinstimmungen mit Spidie: Hauptcharaktere erfahren einen wichtigen Wandel durch ihre Berufung, es gibt Verrat auf sozialeigener Ebene und es ergibt sich eine Liebschaft, die unerreichbar scheint.

Der Parallelen gibt es genug, aber zünden will „Iron Man“ nicht so sehr wie der Spinnenmann. Sicherlich fällt die Identifizierung mit einem verzweifelten Teenager leichter als mit einem verwöhnten Großindustriellen. Aber das allein ist nicht der Grund warum sich Regisseur Jan Favreaus Ausflug ins Superhelden-Kino nicht so flüssig schaut wie sein jugendlicher Vorgänger. Ich denke es liegt in erster Linie daran, dass sich „Iron Man“ viel mehr dem Action-Genre zuwendet und den Dramenbereich zu weit herunterschraubt, um tatsächlich mehr als oberflächliches Interesse für den Stoff entfachen zu können.

So ist „Iron Man“ zwar ein unterhaltsamer Film, aber auch ein austauschbarer, einer, der einen nicht genug begeistern kann, um tatsächlich als besonderes Erlebnis in Erinnerung zu bleiben. Der Streifen ist nicht schlecht, langweilig wird es nie und manche Überraschung weiß zu gefallen, gerade eine am Schluss, welche die Regeln des Superhelden-Universums auf den Kopf stellt. Somit kann man sich „Iron Man“ ruhig einmal geben, aber das groß Kino-Event ist er in meinen Augen nicht geworden. mittelmäßig


Nachtrag:
Die beiden Fortsetzungen haben mir wesentlich besser gefallen, so dass ich bei Zeiten noch einmal einen Blick auf Teil 1 werfen werde, um zu überprüfen ob meine mangelnde Begeisterung mit meiner Tagesform zusammen hing oder damit, dass Teil 1 eventuell tatsächlich ein schwacher Start war.


ZUG UM ZUG IN DEN WAHNSINN (Bobby Fischer Against The World 2010 Liz Garbus)


Mit 7 Jahren lernt Bobby Fischer das Schach spielen, mit 9 ist er bereits überdurchschnittlich gut darin. Nach dem erreichten US-Meister-Titel soll er in Zeiten des kalten Krieges in Island gegen den russischen Weltmeister antreten, was trotz einiger Macken Fischers auch gelingt. Dieser Moment soll der Höhepunkt im Leben des Schachgenies bleiben, denn so nach und nach entgleitet ihm der Sinn zur Wirklichkeit...


Verdienter Erfolg...

Das Phänomen Bobby Fischer weiß auch nach all den Jahren noch immer zu begeistern und zu packen - ebenso wie seine Spiele, die von vielen Menschen damals am Fernseher mitverfolgt wurden, ein Zustand den man sich heutzutage kaum vorstellen kann, so langsam und ruhig ein Schachturnier doch eigentlich vonstatten geht und so unterhaltungsüberflutet und flott wie heute ein Produkt sein muss um überhaupt die Aufmerksamkeit des Massenpublikums zu erlangen. Doch Fischer ist ein Künstler seines Fachs, überrascht immer wieder mit für ihn völlig untypischen Schachzügen und weiß auf diesem Weg auch den Weltmeisterschafts-Titel zu holen, eine Trophäe mit der Wochen zuvor keiner mehr rechnete.

Denn Bobby war ein schwieriger Mensch. Ohnehin schon menschenscheu und arrogant, stellte er sonderbare Regeln auf, die eingehalten werden mussten, damit er überhaupt spielt. Kameras summten zu laut, Preisgelder sollten angehoben werden, usw. Erst spät erscheint er in Island, dem Austragungsort der Weltmeisterschaft. Zum ersten Spiel erscheint er viel zu spät, zum zweiten schon gar nicht mehr. Zeitzeugen sind hin und her gerissen ob sein Verhalten Teil psychologischer Kriegsführung gegen den russischen Konkurrenten war, oder schlichtweg zur Natur des Sonderling Fischers gehörte, der sich (nicht nur zu Trainingszwecken) immer mehr von der Außenwelt abkapselte.

Was Bobby machte, machte er richtig. Körperliche Fitness schien ihm als Vorbereitung zur Weltmeisterschaft wichtig, also wurde sie auch gleich in einer Extreme studiert und ausgeführt. Als Kind verbrachte er seine Freizeit einzig vor dem Schachbrett. Die kluge Mutter, die dies nicht für gesund hielt, gab auf dagegen anzukämpfen, nachdem ein Psychiater bescheinigte Schach spielen könne nicht krank machen.

Heutige Experten sehen es anders. So werden in „Zug um Zug in den Wahnsinn“ genügend Beispiele aus der Vergangenheit genannt, in welcher Schachspieler den Bezug zur Realität verloren haben, eben weil sie im Spiel so abstrakt denken müssen und im wirklichen Leben damit manchmal nicht aufhören können. Im Extremfall kann es zu einer bestimmten Form der Schizophrenie kommen. Was es bei Fischer war, wird wohl ziemlich ungelöst bleiben, da er schon vor seiner Erkrankung ein Sonderling war, der auf Vorschriften und Werte geschissen hat.

Nach der Weltmeisterschaft hofften noch viele auf eine Rückkehr. Zu dieser ist es erst ganz spät für ein Altherrenspiel gegen den ehemaligen russischen Gegner gekommen, zu einer Zeit wo beide Genies nur noch Schatten ihrer Selbst waren. Fischer war zwischendurch gläubig geworden, kehrte der ihm zugetanen Sekte jedoch den Rücken nachdem er bemerkte dass alles Schwindel war. Trotz seiner nachweislich jüdischen Herkunft versteifte er sich immer mehr in den Antisemitismus und faselte, wenn er sich mal öffentlich oder vor Freunden äußerte, immer verstärkter von irgendwelchen Verschwörungstheorien, mit denen er sogar sein sonderliches Verhalten einst bei der Ankunft in Island entschuldigte. Die CIA habe damit zu tun. Er würde es ein andermal genauer erklären.

Ihm schwebte immer vor ein Buch zu schreiben, zu dem es nie kam. Freunde kehrten ihm den Rücken. Und als später die Familie starb, hielt gar keiner mehr zu einem Mann, welcher der Welt noch so vieles in seinem Sport hätte zeigen können. Im Film wird der Vergleich zu Picasso gezogen: Stellen sie sich vor er hätte nach 5 Jahren aufgehört zu malen. Welche Kunstwerke wären nie entstanden? So erging es der Schachwelt mit Bobby Fischer, nachdem er nicht mehr öffentlich spielte.

Der deutsche Titel setzt zu verstärkt auf das geistige Abdriften Fischers, was zwar ein sehr reizvolles Thema ist, jedoch nicht zum Zentrum von „Zug um Zug in den Wahnsinn“ wird. Die Regiearbeit der Dokumentarfilmerin Liz Garbus ist ein respektvoller Umgang mit dem Phänomen Bobby Fischer, angereichert mit allerhand Archivmaterial und Informationen von Menschen, die dem Sonderling sehr nahe standen. Es gibt allerhand Interviews, und in Spekulationen verfranst man sich nie, auch wenn man sie hin und wieder streift. Gelegentlich werden Vermutungen geäußert in Bereichen die nicht recherchiert werden konnten.

Der Originaltitel „Bobby Fischer Against The World“ wird dem Dokumentarfilm gerechter als die deutsche Namensgebung, da er bereits in der Rolle des Sonderlings ansetzt und nicht erst bei der geistigen Erkrankung des Weltmeisters. Dennoch ist auch sie ein wichtiger Teil des Phänomens Fischer und wird zu einem erstklassigen Beispiel zum Thema „Genie und Wahnsinn“. Mich würde es nicht wundern, wenn Fischer Pate stand für den Mathematiker aus „Pi“, dem es bezüglich seiner Paranoia ähnlich erging. Die Fähigkeit gegen sich selbst zu spielen ist hingegen ein Bereich, der an das sehr interessante Buch „Die Schachnovelle“ erinnert.

Es ist schön, dass „Zug um Zug in den Wahnsinn“ trotz aller Bewunderung für den im Zentrum stehenden Mann meist sachlich bleibt und Bobby Fischer seine Leistungen anerkennt, wie auch Respekt davor zeigt, dass er nun einmal nicht so leben wollte wie es die Masse als normal empfinden würde. Auch ein Sonderling hat das Recht ein solcher zu sein. Und da der mittlerweile verstorbene Schachweltmeister dank Archivmaterial auch immer wieder durch Interviews zu Wort kommen darf, darf der Zuschauer auch einen glaubwürdigen Blick auf das Phänomen Bobby Fischer werfen. Die guten und die schlechten Seiten, die erfolgreichen und die wunderlichen Phasen, und das ganze mit reichhaltig Informationsmaterial vollgestopft, so muss ein Portrait aussehen! „Zug um Zug in den Wahnsinn“ ist so fesselnd ausgefallen wie die Spiele die den Mann berühmt machten. sehenswert


LUCKY NUMBER SLEVIN (2006 Paul McGuigan)


Eigentlich wollte Slevin nur für ein paar Tage bei seinem Kumpel Nick unterkommen. Doch der ist nicht da, und stattdessen stehen Gangster vor der Tür, die Slevin für Nick halten, und diese bringen ihn zu ihrem Big Boss. Über einige Umwege und Missverständnisse weiter gerät Slevin zwischen die Fronten zweier Gangster-Bosse mit allerhand Schulden am Hals und dem Auftrag einen Menschen zu töten...


Zur falschen Zeit am falschen Ort...

Wer könnte widerstehen bei dieser Vielzahl an Stars, die sich in „Lucky Number Slevin“ tummeln? In der Hauptrolle erleben wir Josh Hartnett, in seiner liebsten Rolle als Auftragskiller ist Bruce Willis wieder mit dabei, Lucy Liu steht für die Frauenquote, Morgan Freeman und Ben Kingsley agieren als zwei gealterte Rivalen. Regisseur Paul McGuigan hat für seine 5. Regiearbeit einiges an Prominenz an Bord geholt für die Verfilmung eines Drehbuches, welches an die typischen Werke Tarantinos erinnert.

So einiges ist in dieser Welle mitgeschwommen und meist verdienter Maßen untergegangen. Und auch das Buch zu „Lucky Number Slevin“ ist von dem Niveau eines „True Romance“ und „Pulp Fiction“ weit entfernt, was bereits zu Beginn auffällt, wenn man besonders kluge Dialoge servieren möchte, und diese als solche nicht wirklich zu wirken wissen. Doch dies ist nur eines der wenigen Wermutstropfen in einem Film, der ansonsten zu gefallen weiß.

Ein weiterer wäre, wie sollte es anders sein, Lucy Liu, die zwar nicht wirklich negativ auffällt in ihrem eindimensionalen Spiel, aber der Gedanke ließ mich nicht los, was wohl manch begabte Schauspielerin aus dieser Rolle herausgeholt hätte. Andererseits is der weibliche Part ohnehin eher Nebensache, auch wenn zunächst Gegenteiliges den Eindruck macht. Aber wenn man ansonsten ein Werk serviert bekommt, welches mit einer wirklich guten Besetzung glänzt, dann darf man auch mal auf hohem Niveau maulen.

„Lucky Number Slevin“ ist fast ein Genre-Cocktail. Sein Schwerpunkt liegt im Thriller-Bereich. Zudem ist er gespickt mit einer leichten Prise Humor, ohne deshalb gleich zur Komödie zu werden, und dem Bereich der Dramatik ergeht es ebenso. In gewisser Hinsicht spielt auch die Action eine wichtige Rolle, auch wenn es keine Autoverfolgungsjagden und keine Zerstörungsorgien zu bewundern gibt. Aber es wird häufig geschossen, und es gibt eine Explosion. Eventuell könnte man zudem von einem kleinen Hauch Erotik sprechen. Immerhin darf Frauenschwarm Josh Harnett zunächst einige Zeit lediglich mit einem Handtuch bekleidet mitspielen, was nur eine von wirklich vielen treffenden Ideen von Situationskomik ist.

Bis der Film sich nach über 100 Minuten dem Ende neigt, gibt es interessante Wendungen mitzuerleben und dies meist zu einem Zeitpunkt wo man sich ohnehin gerade gefragt hat, wohin die ganze Erzählung nun führen soll. Zwar kann man am Ende behaupten dass „Lucky Number Slevin“ nur viel heiße Luft in sich trug, immerhin ist die Geschichte nicht gerade neu, und die etwas wirr mit Informationen um sich herschießende Erzählweise verschleierte keinen all zu kniffligen Plot. Allgemein fühlte ich mich von diesem Film jedoch sehr gut unterhalten, eben weil er flott und kurzweilig erzählt ist. Außerdem weiß die kühne Art Slevins zu gefallen, der diese Wirkung immer dann auf die Spitze treibt, wenn er unüberlegt etwas sagt. Er ist nun mal ein Klugscheißer.

Außerdem imponiert es in Zeiten, in denen im Kino immer die Post abgehen muss, dass das Finale einer Gangstergeschichte derart ruhig abläuft, anstatt sich im Actiongewitter dem Massengeschmack hinzugeben. Zwar wird im Finale nichts mehr erzählt was man nicht längst begriffen hätte, aber auch hier weiß der Film in seinem Stil zu gefallen und bleibt sich mit dieser Ruhe in seiner Art treu.

Vielleicht liegt es genau daran, dass „Lucky Number Slevin“ in Deutschland nur auf DVD erschien. Zu einer Kinoveröffentlichung kam es nur bei Spezialaufführungen. Somit reiht sich der Film in die lange Schlange der dem deutschen Publikum im Kino verweigerten Veröffentlichungen ein neben „Der blutige Pfad Gottes“ und „Donnie Darko“, alles Werke die dem Stammbesucher im Lichtspielhaus hätten zeigen können, wie ein guter Film aussieht. Aber dort serviert man ja lieber Blockbusterquatsch mit Soße. sehenswert


Dienstag, 24. Juli 2012

PAASHAAT (2011 Bouke Mekel)


Der Osterhase wird erschossen, aber nachdem sein Leichnam mit einem Gift in Berührung kommt, erwacht er als mordlüsterner Zombie-Hase zu neuem Leben und bedroht das Leben des geistig behinderten Timmie und dessen Familie...


Osterhase 2.0 ...

Wenn der Osterhase als Zombie wiederkehrt, dann braucht man nicht mehr darüber diskutieren ob ein Film augenzwinkernd erzählt sein will oder nicht, und man braucht erst recht nicht über freiwillige oder unfreiwillige Komik diskutieren, wenn kleine Gimmicks, wie eine Karotten-Harpune, die ohnehin schon so bescheuert klingende Grundgeschichte zusätzlich bereichern.

Der aus Holland stammende, halbstündig laufende Kurzfilm klingt in seiner Rezeptur jedoch eine Spur ausgeflippter als er sich letztendlich guckt. Zwar ist die eigentliche Geschichte so kaputt wie ihr Aufhänger, und die in ihr agierenden Figuren sind es ebenso, aber vom Storyverlauf her orientiert man sich doch stark am klassischen Horrormuster, so dass „Paashaat“ nicht zu einem individuellen Alternativerlebnis wird oder zu einer wilden Splatterorgie verkommt. "Paashaat" nimmt sich Zeit für seine Figuren und Situationen und lässt sein Monster erst nach der Hälfte der Laufzeit auferstehen. Weitere 5 Minuten vergehen bis der untote Osterhase einem nach dem anderen umbringen darf.

Freilich machen die letzten 10 Minuten am meisten Spaß. Die Puppe sieht herrlich billig aus und ist ähnlich professionell bewegt wie die kostengünstigen Puppenfilme eines Charles Band. Die Goremomente sind hart, auf Underground-Filmebene jedoch harmlos und zurückhaltend zu nennen. Der Spaß am Nonsens sollte im Mittelpunkt stehen, und da blieb man diesbezüglich konsequent.

Ein Film mit solch einer Story funktioniert freilich nur, wenn er direkt erzählt ist ohne das Publikum in Watte zu packen, und so verwundert es auch nicht, dass dies bei „Diseaster“ (internationaler Titel) der Fall ist. Im Mittelpunkt steht ein geistig behinderter junger Mann, den man gar nicht erst versucht ernst zu spielen. Gnadenlos blödelt sein Darsteller drauf los, was einigen sicher nicht schmecken dürfte. Aber genau das gibt dem Film sein unverkrampftes Flair, was er durch sein Einhalten des konventionellen Handlungsablaufs an anderer Stelle wieder einbüßt.

So ist „Paashaat“ auf der einen Seite zwar sehr konsequenter Unsinn, er wirkt jedoch nicht so mutig wie ein „Terror Toons“ oder ein „Nudist Colony Of The Dead“. Würden wir hier nicht von einer derart abgedrehten Geschichte sprechen, das Wort konservativ könnte passen. unterhaltsam


HOMEVIDEO (2011 Kilian Riedhof)


Jakob ist 15 und erlebt seine erste Annäherung zu einem Mädchen, während seine Eltern sich scheiden lassen. Inmitten dieser aufgewühlten Zeit geschieht etwas schreckliches. Ein Masturbationsvideo Jakobs landet in den Fingern eines Mitschülers, der die peinlichen Aufnahmen ins Internet stellt...


Liebe, Eigensex und Video...

Kinder können so grausam sein, heißt es immer wieder. Und auch im Jugendalter, in welchem der Nachwuchs nur noch ungern Kind genannt wird, kann man diesen Worten nicht widersprechen, bildet das Sozialgefüge der Schule doch ohnehin einen komplett anderen Kosmos mit eigenen Regeln und Gesetzen. Sicherlich schimmert die Welt der Erwachsenen immer wieder durch, und auch ihr gesetzlicher Einfluss scheint dominant, doch tritt er häufig erst dann in Erscheinung, wenn bereits die Extreme einer Situation erreicht wurde.

Das ist nun einmal so. Daran hat man sich gewöhnt, und da musste jeder durch, mal auf härtere, mal auf sanftere Weise. Sich gegen Gleichaltrige zu behaupten formt den Charakter und bereitet auf das weitere Leben vor, in welchem einem nun einmal nicht immer Mama und Papa zur Seite stehen. „Homevideo“ erzählt jedoch von einer Problematik, die weit über den bislang herrschenden Zustand hinaus geht. Das Mobbing über Internet, und ganz besonders jenes welches über Videomaterial online gesetzt wird, lässt sich eben nicht so leicht über die Welt der Erwachsenen kontrollieren wenn der Extrempunkt erreicht ist.

So sehr man sich auch bemüht, das Internet ist unübersichtlich, kann sich über die Gesetze des eigenen Landes hinwegsetzen und bietet ein Podest für Redefreiheit. Das ist positiv wie negativ zu nennen, und bei den Auswirkungen die dies mit sich zieht braucht es einen nicht wundern, dass sich die Meinungen teilen, wenn es darum geht welche von beiden Seiten die entscheidendere ist. Man ist im Netz oft nicht mehr anonym, aber nicht alles lässt sich auf einen speziellen User zurückführen. In letzter Konsequenz könnte man von einem Computerbesitzer nicht verlangen sein Gerät derart abzuschotten, damit niemand Drittes damit online gehen kann. Wie will man da ein Online-Verbrechen auf den Grundlagen heutiger Gesetzeslagen lösen?

Die Frage in „Homevideo“ geht sogar über diesen Gedankengang hinaus. Denn selbst wenn der User geschnappt wird, der das Onlinemobbing begangen hat, ist das Sozialleben des Opfers längst zerstört, ebenso wie dessen Psyche und Karriere. Das Zusehen von Riedhofs Film schmerzt ungemein, es ist dieses intensive Erlebnis welches sein Drama so gut macht, und als Zuschauer will man da durch, weil man weiß wie wichtig dieses Thema heutzutage ist in Zeiten in denen fast jeder eine Kamera und einen Internetzugang besitzt und in der die Statistiken über Online-Mobbing erschreckend hoch sind, die Dunkelziffer nicht einmal mitbedacht.

Dass es eine Jugendwelt ist, anhand welcher das filmische Beispiel vollzogen wird, hat sicherlich den Grund, dass die Bereitschaft zu einer solchen Tat und die Kenntnisse über die Möglichkeiten im Netz in diesem Alter besonders hoch sind. Und der Eingangs angeschnittene Mikrokosmos Schulhof ist sicherlich auch ein Grund dafür. Für einen Geschichtenerzähler eignet sich das gewählte Alter jedoch weit mehr, erlebt das Opfer diese schreckliche Erfahrung doch in einer Zeit, in welcher die Seele sehr unsicher und sensibel ist, man noch aufgrund dessen dass man von allen akzeptiert werden will und sich keine Blöße geben darf besonders verletzbar ist und die Möglichkeiten der Gegenwehr noch nicht ergriffen bekommt ohne sich an jene zu wenden, von denen man sich in diesem Alter emanzipieren will.

Zwar kann man die Welt des frisch verliebten Jakob nicht als leicht und fröhlich mit Zuckerwatte in der Luft bezeichnen, immerhin lassen sich seine Eltern scheiden. Aber doch geht Jakob durch sein Verliebtsein mit einer Leichtigkeit durchs Leben, die für kurze Zeit stärker durchschimmert als seine Unsicherheit Mädchen gegenüber. Und genau zu diesem Zeitpunkt der Verletzbarkeit setzt der Part ein, in welchem ein Mitschüler an ein Masturbationsvideo Jakobs gerät, eine Sachlage die nicht nur beschämend, da peinlich ist, sondern die darüber hinaus das komplette Sozialgefüge des Schülers zerstören kann.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Video noch nicht ins Netz gestellt. Die Panik Jakobs ist bereits aus anderen Gründen sehr hoch und das Problem aus Elternsicht auch schnell gelöst, allein weil Herr Papa ohnehin für die Polizei tätig ist. Doch genau dieser Bereich der Erzählung richtet sich endgültig an das erwachsene Publikum, welches scheinbar immer noch glaubt alles lasse sich so leicht korrigieren und beheben. Denn von diesem Moment an weiß der Zuschauer mehr als die Hauptfiguren, die glücklich in ihrem angeblichen Happy End aufgehen, bevor die wahre schwarze Wolke über das Land zieht: das Einstellen dieses Videos ins Internet. Heutzutage lässt sich alles x-fach duplizieren und dank internettauglicher Handys landet ein ins World Wide Web gestelltes Filmchen auch bei jenen Leuten die direkt mit Jakob in Kontakt stehen.

Von nun an geht der Film sein Thema gnadenlos an. Er zeigt offensichtliche Maßnahmen ebenso auf, wie mit dem Hauptproblem einhergehende Geschehnisse an die man nicht sofort denkt. Lösungsmöglichkeiten werden durchgegangen, leider von Erwachsenen die allein aufgrund ihrer eigenen privaten Situation zur Zeit nicht vollkommen rational denken können. Aber selbst wenn sie es könnten, was bliebe schon für eine Möglichkeit?

Auch darauf gibt der sehr intensiv erzählte „Homevideo“ eine Antwort, jedoch nicht ohne böses Hintertürchen, eines welches raffiniert ist, da es noch einmal überdeutlich die naive Sicht der Erwachsenen zeigt, die in einem neu aufkommenden Dilemma etwas positives sehen, wohingegen es Jakob zu einer Entscheidung treibt, mit welcher der Film schließt.

So stark der Film auch erzählt ist, und so authentisch er daher kommt, der Schluss wirkt etwas aufgesetzt, zumal einige Werke dieser Art so oder ähnlich schließen („Die brennende Schnecke“, „Kinder ohne Gnade“, „Die Welle“, „Wenn die Welt uns gehört“ ...). Durch das gelungene Ergebnis macht dieser kleine Wermutstropfen den Film nicht kaputt. Ohnehin habe ich mit diesem Schluss gerechnet, eben weil der Film den üblichen Pfaden der Vergleichsfilme, bzw. seines Genres an sich folgt, zumindest mit Blick auf die europäischen Jugend-Dramen. Kennt man die Geschichte, schlägt der Streifen eigentlich keinen Weg ein, der einem als Kenner dieses Genres nicht vorher bewusst ist. Er arbeitet für den informierten Zuschauer nicht mit Überraschungen. Jener, der sich „Homevideo“ anschaut, ohne vorher zu wissen um was es geht, erlebt diese um so mehr.

Aber ob man nun vorher bescheid weiß oder nicht, macht nichts an der intensiven Wirkung des Gesehenen aus. Und diese wird meist über das hervorragende Spiel der Darsteller erzeugt, allen voran Jonas Nays sensibles Spiel als Jakob und Wotan Wilke Möhring als dessen Vater. Aber auch die Rolle der Freundin und des Peinigers sind ausgezeichnet besetzt. Großartig war ebenso die Arbeit des Drehbuchautors, der nicht nur mit dem eben erwähnten scheinheiligen Happy End-Kniff ein Gespür für eine gekonnte Erzählung beweist, sondern auch mit der Vermischung von Schwarz und Weiß bei Schuld und Unschuld, Opfer und Täter, Vorurteile und Offenheit. Besonders zur Geltung kommt diese Herangehensweise, wenn Hanna sich trotz allem was passiert ist Jakob nähern möchte, dieser aber psychisch schon derart kaputt ist, dass er diesen hilfreichen Strohhalm nicht mehr zu ergreifen weiß.

Kilian Riedhof hat auf dieser Grundlage einen gelungenen Film geschaffen, dessen Stoff sein intensives Ergebnis fast selbst erschafft. So naiv könnte man zwar denken mit Blick auf Riedhofs missglücktem Erstling „Riekes Liebe“, ebenfalls ein Jugend-Drama, aber selbstverständlich ist es auch seinem Wirken zu verdanken, dass „Homevideo“ ein solch tolles Ergebnis beschert wurde, welches aus Kritikersicht auch von den meisten gewürdigt wurde. „Homevideo“ ist ein guter Film, der vom Zuschauer viel abverlangt und zum richtigen Zeitpunkt gedreht wurde. herausragend


FINAL DESTINATION 5 (2011 Steven Quale)


Auf einem Betriebsausflug bricht eine Brücke ein. Ein junger Mann sieht das Unglück voraus und rettet einige Kollegen vor dem Tod. Doch der holt sich seine rechtmäßigen Todeskandidaten zurück...


 Todsicherer Tod...

An der Geschichte hat sich in Teil 5 eigentlich nichts geändert. Da gibt es wie in Teil 2 eine kleine Erweiterung der bestehenden Regeln, diesmal dass man wen anders für sich sterben lassen kann und dafür dessen Lebenszeit erhält, aber das ändert nicht viel am „Final Destination“-Universum, was aber auch nicht weiter wild ist, denn das simple Rezept weiß immer wieder zu unterhalten. Diesmal orientierte man sich jedoch wieder am Erzählstil der ersten beiden Teile, nachdem man mit Teil 3 zum geistfreien Horror wechselte und dies mit dem völlig überzogenen „Final Destination 4“ mit rasantem Nonsens auf die Spitze trieb und damit auf Kino-Niveau gesehen eine Art Asylum-Film schuf, gerade mit Blick auf Werke wie „Mega Piranha“.

Harter Vergleich, ich weiß, aber mit Blick auf die Qualitätsunterschiede zwischen TV-Billigproduktionen und Kinofilmen dennoch legitim, wie ich meine. Wie auch immer: „Final Destination 5“ will wieder mehr mit dem Ursprung der Geschichte zu tun haben (warum erfährt man gegen Ende), und das ist eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch will Teil 5 nicht so kompromisslos unterhalten wie die Erstlinge. Das liegt in erster Linie am Tempo des Films, das diesmal eine Spur zu langsam angegangen wurde. Das funktioniert noch in der ersten halben Stunde, eine Phase in welcher der Zuschauer bereits bemerken darf, dass Teil 5 auf subtile Art mit Humor untermalt wurde und darin seine Stärke besitzt. Aber wenn das Grundszenario erst einmal geschaffen und die Charaktere zu Ende vorgestellt sind, geht es ein wenig bergab mit einem Film, dessen Konzept eigentlich positiver Natur ist.

Letztendlich waren die Hauptfiguren der ersten beiden Teile interessanter. Dass gerade in einem Teil 5, in welchem der Plot nicht mehr neu ist und kaum was hinzuzufügen hat, die Charaktere uninteressanter werden, ist schädlich für den Unterhaltungswert. Da taten die Teile 3 und 4 gut daran dieses Manko durch Tempo zu kaschieren. Dass „Final Destination 5“ letztendlich doch nicht scheitert, verdankt er den Nebencharakteren, die zwar, typisch „Final Destination“, mal wieder völlig in ihrem Klischee übertrieben sind, Drehbuch, Regie und Schauspieler sich aber dessen bewusst waren und diese parodistisch gestalten.

Dass der Film im Finale, wenn die positiven Nebenfiguren längst nicht mehr existieren, immer noch nicht gegen die Wand fährt, liegt an der für diese Reihe sehr ungewöhnliche Herangehensweise den Finalkampf ruhig zu gestalten, fast im Thriller-Stil, was ohne die Regelerweiterung kaum sinnvoll möglich gewesen wäre. Diese Ruhe tut dem Film gut, allerdings hätte diese Schlussphase geistreicher vonstatten gehen können. Letztendlich passiert dort was man als Zuschauer aufgrund der neuen Regel ohnehin erwartet hat. Aber auch dies ist nicht weiter wild, denn das Finale geht über zu einer Schluss-Szene, welche wohl nur die wenigsten vorausgesehen haben, und so endet der Streifen doch noch mit einer netten Idee.

Nachdem „Candyman“ Tony Todd in Teil 3 nur noch im Original akustisch und in Teil 4 gar nicht mehr dabei war, schlüpft er in diesem Teil 5 ein drittes Mal in die Rolle des warnenden Unheimlichen vom Friedhof. Allerdings ist seine Rolle hier so bedeutend wie in den Vorgängern, sprich er huscht nur kurz durchs Bild, damit Horror-Prominenz an Bord ist, was auch nicht weiter schade ist, da er für mich bisher in keinem der drei „Final Destination“-Auftritte zu überzeugen wusste.

Letztendlich guckt sich der niveauvollere Teil 5 trockener als der dämliche Teil 4 und ist damit nur in der Theorie der bessere Film. Allerdings kann man auch der vierten Fortsetzung von „Final Destination“ noch sympathisch unterhalten folgen, und das liegt in erster Linie am wirklich geglückten Humor, der teilweise sehr treffsicher eingebaut wurde. Nach dem wilden vierten Teil hatte ich persönlich mit etwas anderem gerechnet und freue mich allein deshalb schon auf Teil 6, weil man bei „Final Destination“ scheinbar niemals weiß welcher Erzählstil einem diesmal serviert wird.

Das ist doch eine nette Gegenposition zur Geschichte, von der man ganz im Gegenteil weiß was sie erzählen wird. Aber vielleicht horscht ja doch irgendwann einmal ein Drehbuchautor oder Produzent auf und achtet auf die Möglichkeiten, welche der Schluss von „Final Destination 4“ bot, um dem ganzen Treiben dieser Filme eine völlig neue Erzähl-Dimension zu bescheren. So finanzstark wie die Filme mit ihrer immergleichen Story laufen, braucht man damit vorerst jedoch scheinbar nicht zu rechnen. unterhaltsam


SHOPPING-CENTER KING (2009 Jody Hill)



Ronnie ist der oberste Sicherheitsbeamte des örtlichen Einkaufszentrums und nimmt diesen Job sehr ernst. Da passt es ihm gar nicht, dass die echte Polizei dazwischen funkt, als es tatsächlich einen Fall zu lösen gibt: ein Exhibitionist verängstigt weibliche Kunden und Angestellte...


Ich - Das Zentrum der Welt...

Der kleine Mann, der seinen kleinen Beruf sehr ernst nimmt, der gerne mehr geworden wäre, da er glaubt es stecke mehr in ihm drin, der kleine Mann, der es dann doch wagt und die böse Konkurrenz von oben zu überraschen weiß, der kleine Mann, der über sich hinauswachsen muss um das Herz seiner Holden zu erobern, und so weiter und so fort! Diesen Plot kennt man, und er ist nicht neu. Schon der im selben Jahr erschienende, titelähnliche „Kaufhaus Cop“ erzählte diese altbackene Geschichte, die er nur mit leichter Abwandlung zu einem passablen Ergebnis führen konnte. So ziemlich jede drittklassige Komödie von oder mit Adam Sandler geht selbige Wege, was soll man sich da „Shopping-Center King“ anschauen? Die Antwort ist einfach: „Shopping-Center King“ ist anders.

Zwar hält er sich für meinen Geschmack viel zu eng an das klassische Muster von Storyablauf her, dieses erfährt aber eine leichte Änderung durch einen kleinen Aspekt in der Charakterzeichnung der Hauptrolle. Seth Rogen spielt einen soziopathischen Egomanen, der nur kurz davor steht eine Gefahr für sich und für andere zu sein (Zitat aus dem Ergebnis seiner Bewerbung für die Polizeischule). Und wo andere Filme einem solchen Außenseiter eine Chance geben, in dem er geläutert wird, in dem er sich zum besseren Menschen bessert, passiert in „Shopping-Center King“ diesbezüglich nichts!

Und keine Frage: das ist herrlich zu beobachten! Was hat es Spaß gemacht diesen provokativ aufpolierten Streifen zu schauen und festzustellen: die sind konsequent! Die lassen ein Arschloch Arschloch sein, und daran wird sich auch nichts ändern. Nicht einmal die Begründung der psychologischen Krankheit des Helden dient als Schutz, Ausrede oder Alibi. Es ist schlichtweg eine Begründung unter mehreren angedeuteten, warum Ronnie so ist wie er ist.

Und da er selbst das wichtigste in seinem Leben ist, das Zentrum der Welt, der Mittelpunkt aller Wichtigkeit und in diesem Zustand freilich auch vor Selbstbewusstsein nur so glüht, glaubt er auch in allem recht zu haben, selbst wenn alles um ihn herum für das Gegenteil steht. Sein Urteilsvermögen ist aus dieser Egosicht getrübt, gerät aber lange Zeit nicht ins Wanken, und wenn dies dann doch einmal passiert, ist hinterher alles wie vorher. Gegen Ende nimmt Ronnie wieder seine Tabletten. Das hat aber weniger die Bedeutung des sich bessern Wollens, a la „Besser geht‘s nicht“, sondern ist nur wieder das Geraderücken einer Verschiebung der Norm für Humorzwecke. Denn wenn man mitten im größten Chaos irgendwann erfährt, dass Ronnie auf Eigeninitiative seine Medizin weglässt, da es ihm so gut ginge, ist das nur eine von wirklich vielen gut gesetzten Pointen.

Dadurch sich dem charakterlichen Wandlungsmuster gängiger amerikanischer Komödien zu verweigern, kommt „Shopping-Center King“ wesentlich unverkrampfter daher als all das was in den letzten Jahren aus diesem Land humoristisch in unsere Kinos sprudelte. Dementsprechend locker geht der Streifen auch mit Tabuthemen um, wie dem Thema Nacktheit, welches in der Art eines „American Pie“, aber noch mehr eines „Scary Movie“ in den 90er und 00er Jahren doch recht gewollt provoziert wurde. Keine Frage, das waren wichtige Schritte in der Befreiung aus bislang gekannten Prüderie Hollywoods. Es ist aber genau so wichtig, dass die Amis in ihrem liebstem Medium neben dem TV auch endlich dahin gelangen, was „Shopping-Center King“ ihnen vor macht: die lässige Variante mit dem Tabuthema Nacktheit umzugehen. Und anbei auch das unverkrampfte Spiel mit dem Anbiederungen umgehenden Verarbeiten von Themenbereichen wie die Krankheit Ronnies oder dem Alkoholismus seiner Mutter.

Bleiben wir aber beim Thema Nacktheit, welches trotz des für kurze Zeit ins Zentrum rückenden Exhibitionisten zunächst keine Rolle spielt. Kaum zu glauben, aber das Umherlaufen eines nackten Mannes kann zur lustigsten Szene einer Komödie werden, wenn das ganze als eine Verfolgungsjagd durch ein gut besuchtes Einkaufszentrum inszeniert wird, in Zeitlupe ein hin und her zuppelnder Pillemann nicht zensiert wird und dieses Szenario mit dem Lied „Where Is My Mind“ untermalt wird. Zwar gab es mal eine vergleichbar mutige Szene 10 Jahre zuvor in „Terror Firmer“, aber die badete inmitten eines klamaukigen Provokationsfilmes, der seinerzeit auf ganz eigene Art all jenem den Stinkefinger zeigte, was Kommerzkino zu bieten hatte. „Shopping-Center King“ ist jedoch kein Gegenstück zum Mainstream-Kino. Er zeigt wie es innerhalb diesem anders geht. Ein gewisser Grad Mainstream bleibt er dennoch.

Zu schade, dass die eigentliche Geschichte viel zu routiniert abläuft. Der sture, unveränderbare Charakter des Egomanen kann schon viel vom üblichen Klischeeablauf abwenden, letztendlich verfällt der Streifen dennoch viel zu sehr ins gängige Muster. Zumindest tut er dies mehr als es nötig gewesen wäre in einem sonst so konsequent modern erzählten Streifen! Da tut es der Komödie sichtlich gut passend besetzt zu sein. Seth Rogen passt super in die Rolle des Ronnie und gefiel mir dort auch besser als in „Superbad“ oder „Beim ersten Mal“, wo ich seine Leistungen auch schon beeindruckend fand. Als Gegenspieler ist auch Ray Liotta gekonnt besetzt. Und Anna Faris, die diesmal keinen Sympathiecharakter spielen darf, tobt sich erneut aus, so wie sie es gerne tut. Müde Ausrutscher wie der ein Jahr zuvor erschienende „House Bunny“ scheinen der Vergangenheit anzugehören.

So bleibt mir nur all jenen, die beim Lesen jeglicher Inhaltsangaben und beim Titel ebenso mit den Schultern zucken mussten wie ich, zu sagen, dass „Shopping-Center King“ einfach mal anders ausgefallen ist als all das im scheinbar selben Fahrwasser erschienende. Trotz des noch immer vorhandenen Streifens des Mainstream-Bereichs ist der Film aber immerhin noch weit von den gängigen 08-15-Adam Sandler-Komödien entfernt. Denn einem Hauptrezept von diesen verweigert sich „Shopping-Center King“ komplett: den der biederen Moral. herausragend


MONSTER ARCHE (Monster Ark 2008 Declan O'Brien)


Ein Archäologen-Team stößt in einer versteckten Kammer auf eine Schriftrolle, in welcher von einem weiteren Auftrag Gottes an Noah die Rede ist. Dieser bestand darin, die Menschheit vor einem Monster zu schützen, welches für immer Dunkelheit über die Erde brächte. Im Irak stößt man auf die besagte Kreatur, und die ist noch immer putzmunter und unaufhaltsam...


Eine Religion-Legion...

Wenn sich Sy-Fy-Pictures an einen Monsterfilm wagt, was nicht gerade selten der Fall ist, dann weiß man in der Regel wie ein solcher Genre-Beitrag ausfällt: kostengünstig finanziert, inhaltlich vorhersehbar und mit einer optisch schlechten Monster-Computeranimation versehen. Dass ich mich immer wieder an ihre Werke heranwage, dient nur einem einzigen Zweck: der Suche nach brauchbarer Trivialstunterhaltung. Oft muss ein solcher Film dafür unfreiwillige Komik versprühen, und dass dieses Ziel nicht zwingend mit einem lächerlichen Drehbuch zu erreichen ist, beweisen Filme wie „Monster Arche“.

Sicherlich hält auch dieser einige Logiklücken und Unsinnigkeiten bereit, doch Partystimmung will sich in dem Film, der für seine Herkunft einer recht eigenständigen Idee nachgeht, nicht entstehen. Das hat weniger mit der ruhigen Erzählweise zu tun, dass die Geschichte einige Haken schlägt, bevor die Kreatur freigesetzt wird, fand ich sogar okay. Das gab der Geschichte einen gewissen Abenteuer-Gehalt, etwas das z.B. die Billigproduktion „Megalodon“ zu retten wusste. Da nach halber Filmlänge jedoch alles ohnehin im typischen „Wir fangen das unbesiegbare Monster“-Herumgekasper endet, erscheint die langwierige Einführung der Geschichte rückblickend jedoch dann doch eher wie das Langstrecken einer Geschichte, die kaum eine ist.

Sy-Fy war immer auf der Suche nach originellen Kreaturen, die man dem nimmersatten Horror-Fan vor die Nase setzen konnte. Ob nun wandelnde Skelette, jede noch so absurde Art von Tieren, Gargoyles, Oger, was auch immer, der TV-Sender suchte sie, fand sie und verwurstete sie. „Monster Arche“ erinnert mich in seinem Ergebnis am ehesten an „Manticore“, was nicht nur am gewählten Spielort Irak liegt, sondern allgemein an der Grundmentalität des Streifens , die weit über ein konservatives Gedankengut hinaus geht.

Beide Werke wirken als Horrorfilm getarnt, um Pro-Republikanisch zu erziehen. Da werden Soldaten und Wissenschaftler zu Freunden, Ungläubige zu Christen, und dies inmitten einer so plump aufgedrückten „Der Mensch darf zu seinem eigenen Schutz nicht alles wissen“-Soße, dass einem die Solidarität auf Propaganda-Art derart aus den Ohren läuft, dass nur noch ein unangenehmes Gefühl vorhanden ist, dort wo man sich einen geistfreien Unterhaltungswert erhoffte.

So funktioniert „Monster Arche“ dann weder als unfreiwillig komischer Schund, noch als anspruchsfreie Trivialunterhaltung. Letzteres wäre durchaus möglich gewesen, eben weil die Geschichte sich Zeit nimmt, eine eigene (zugegebener Maßen recht unsinnige) Mystik schafft und ein halbwegs akzeptables Monster präsentiert (dem es im Gegensatz zur Story allerdings etwas arg an Mystik fehlt). Nervte in „Manticore“ das Amerika-Halleluja, so wird dies hier durch „Der Gottesglaube kann neben der Wissenschaft existieren“-Humbug ersetzt, ein nicht minder nerviger Versuch die Dummen unter den Zuschauern manipulativ zu erreichen.

Wenn ein Film einen erwachsenen Menschen erziehen will, dies auch noch heimlich tut und dies auch noch in eine fragwürdige Richtung tendierend, dann macht mir ein solcher Streifen keinen Spaß mehr. Wenn ich sehen will wie Militär und Wissenschaft Hand in Hand agieren, dann greife ich lieber zu den Monsterfilmen aus der Autokino-Zeit. Die versprühen immerhin noch nostalgisches Flair. Trotz aller Ärgernisse muss man „Monster Arche“ jedoch zugestehen nicht so lustlos heruntergekurbelt zu sein wie ein „Monster Village“. Er wurde auf sein Produktions-Niveau gesehen sogar recht anständig umgesetzt. Auch die Darsteller machen sich hier teilweise besser als in vergleichbaren Werken. Regisseur Declan O‘Brien ist jedoch erst mit „Sharktopus“ ein halbwegs annehmbarer Vertreter des Monsterfilms gelungen. schlecht


A SCANNER DARKLY (2006 Richard Linklater)



In 7 Jahren wird die Droge Substanz T viele Menschen süchtig machen. Fred arbeitet Undercover, um mehr über die Herkunft des Produktes zu erfahren. Doch dafür muss er Substanz T selber nehmen, und so nach und nach verliert der Mann die Fähigkeit zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden...


T-Kapsel anstatt T-Aktie...

Woody Harrelson und Winona Ryder sind bereits zwei namentlich bekannte Zugpferde dieses Projektes. Bedenkt man jetzt noch, dass Robert Downey, Jr. in einer dominanten Rolle mit an Bord ist und Keanu Reeves gar den Part der Hauptrolle übernahm, dann wird die Frage erlaubt sein warum „A Scanner Darkly“ solch ein stilles Dasein im Bewusstsein der Filmliebhaber führt. Sollten sich bei den beiden letztgenannten Stars nicht gerade die Frauen auf diesen Film stürzen?

Die Antwort lautet nein, denn der von Richard Linklater inszenierte Film ist ein Science Fiction, ein Genre welches beim weiblichen Geschlecht meist Desinteresse auslöst. Und zudem ist er auch noch ein durch Animation optisch entfremdeter Film, sprich der Streifen wurde real gedreht und dann wurde munter farblich drübergepinselt. Der besagte Stil hat seine Wirkung, denn auf der einen Seite wird „A Scanner Darkly“ damit vordergründig zum Animationsfilm, gleichzeitig entfremdet er die Realität nicht all zu stark, so dass Menschen und Umgebung sehr realistisch bleiben, Stars als solche wiederzuerkennen sind und damit ein ungewohnter Mix entsteht: Zeichnung und Realaufnahmen, man glaubt beides zugleich zu erleben.

Dieser Kniff passt psychologisch hervorragend zur Geschichte, die schließlich von Wahn und Wirklichkeit erzählt und dem Verlieren der Fähigkeit beides unterscheiden zu können. Durch die Droge ausgelöste Halluzinationen, die lediglich durch Zeichentrick eingearbeitet werden und nicht mehr das wirklich Dargestellte überpinseln, geben der optischen Herangehensweise ihre zweite Existenzberechtigung, auch wenn es nur selten zu einer solch phantastischen Sequenz kommt.

„A Scanner Darkly“ blickt lediglich in eine sehr nahe Zukunft, dementsprechend ist unsere Welt in der Wirklichkeit der Geschichte noch deutlich zu erkennen. Linklater serviert uns keine völlig fremde Zukunftswelt. Er zeigt uns das Heute, welches durch eine gewaltige Droge in die Mülltonne gekloppt wurde. Parallelen zu „RoboCop“ sind durchaus vorhanden. Dabei stammt die literarische Vorlage vom Science Fiction-Autor Philip K. Dick, dem wir andere Filme verdanken, so z.B. „Minority Report“, „Die totale Erinnerung“ und „Blade Runner“, alles Geschichten über eine Gesellschaft in der Zukunft, die kritische Rückfragen auf die Gesellschaft von heute wirft.

Somit reiht sich „A Scanner Darkly“ passend in die Schaffenswelt von Dick ein. Leser seiner Werke behaupten gar, dass der hier besprochene Streifen seinen Printmedien am ehesten entspräche, während die berühmteren Vertreter aus dem Kino wohl stark abgewandelt wurden. Ich kenne seine Bücher nicht und kann mich dementsprechend nur am Film selbst orientieren, und der ist, was Linklaters Werk betrifft, nicht uninteressant ausgefallen.

Man muss schon betonen, dass „A Scanner Darkly“ aufgrund seiner Optik, seiner Geschwätzigkeit und dem wenigen was inhaltlich tatsächlich passiert, schon recht anstrengend zu gucken ist. Einige Zeit fragt man sich, wofür das Ganze nun gut sein soll. Lohnt sich das Investieren von so viel Geduld? Aber noch bevor man von einer wirklich guten Geschichte sprechen kann, ist man drin in der Erlebniswelt der Protagonisten. Leergeschwätz wird interessant, da es die Lebensweise der Figuren auf tragikomische Art wiederspiegelt. Und nach und nach kristallisiert sich auch die Geschichte aus diesen ganzen Nichtigkeiten heraus.

Man kann jetzt nicht von einem „Spiel mir das Lied vom Tod“ sprechen, in welchem die vom Zuschauer Geduld erfordernde Erzählweise sich langsam zu einem inhaltlich wertvollen Produkt entfaltete. „A Scanner Darkly“ hätte seinen Hauptteil der Geschichte auch stark straffen können, und den zu kurz kommenden, interessanter werdenden Part der letzten 15 Minuten früher einbringen und damit stärker vertiefen können. Aber eigentlich gefällt mir die gewählte Umsetzung Linklaters, eines Regisseurs der mal mit Filmen wie „School Of Rock“ auch simple Themen gekonnt umzusetzen weiß, manchmal aber auch anspruchsvollere Projekte wie „Fast Food Nation“ in den Sand setzt.

Wer dran bleibt wird brav belohnt mit einem interessanten Storytwist in der letzten viertel Stunde. Erst dort wird klar, was das alles sollte, und warum die Geschichte so erzählt wurde wie sie es wurde. Dies und die Art wie „A Scanner Darkly“ schließt hätte Lust und Möglichkeiten auf eine Fortsetzung gegeben. Ich weiß nicht ob eine solche ursprünglich geplant war, aber dem Film wurde nicht der Erfolg beschert wie den namentlich bekannteren Verfilmungen nach Dick. Spätestens daran dürfte ein Sequel gescheitert sein. Schaut man sich aber den Schluss des Streifens an, der ein persönliches Anliegen erkennen lässt sich für exakt diese Geschichte entschieden zu haben, kann man durchaus davon ausgehen, dass „A Scanner Darkly“ schon immer als Underground-Projekt geplant war und man sich scheinbar nie ernsthaft voreilig mit der wirtschaftlich interessanten Frage nach einer Fortsetzung auseinandergesetzt hat.

Dem Film-Fan kann es egal sein. Der kann, sofern er Werken abseits des Mainstreams nicht abgeneigt ist, mit „A Scanner Darkly“ sicherlich seinen Spaß haben. Optisch ist er interessant ausgefallen, inhaltlich manchmal arg steril, deswegen aber nicht zwingend langweilig. Action kommt niemals auf. Die komplette Geschichte findet auf sehr ruhigem Wege statt. interessant