Samstag, 25. März 2017

DICK TRACY (1990 Warren Beatty)


Der Mafiaboss Big Boy bekommt die anderen Verbrecherorganisationen seiner Stadt dazu überredet als große Gemeinschaft unter seiner Herrschaft zu kooperieren. Der gewissenhafte Polizist Dick Tracy ist ihm bei seinen Vorhaben stets ein Dorn im Auge...


Der Gesichtslose mischt mit...

„Dick Tracy“ gehört zu den heftigsten Kino-Flops seiner Zeit. Im Gegensatz zu Werken gleichem Schicksals, so wie „Waterworld“ oder „Howard - Ein tierischer Held“, von denen man im Vorfeld hätte wissen müssen, dass solch ein schundiges Vorhaben nur untergehen kann, hat der von Warren Beatty inszenierte Film sein Schicksal nicht verdient, schafft er es doch tatsächlich den zu Grunde liegenden Comic Fleisch werden zu lassen mittels kunterbunter Kostüme, den am Comic orientierten Masken, überdrehten Kulissen und dem Mut das Abenteuer nicht in die Gegenwart zu transferieren, sondern es wie gehabt in einer alternativen Realität der 20er bis 40er Jahre spielen zu lassen.

Vielleicht ist dies der Grund dafür, warum das Publikum Probleme mit dem Film hatte, vielleicht ist es auch die an „Derrick“ erinnernde zurückhaltende, fast charakterlose Art des Titelhelden. So oder so schaut sich „Dick Tracy“ keineswegs massentauglich, ein Liebhaberstück für ein Randpublikum ist er aber sehr wohl geworden, das hätte man von Produzentenseite aus vielleicht von Anfang an anvisieren sollen, um finanziell nicht derart unterzugehen. Der Stoff, der schon in den 30er, 40er und 50er Jahren mal in Spielfilmform und mal im Seriengewandt umgesetzt wurde und in den 60er Jahren zudem eine Zeichentrickserie erfuhr, ist recht skurril ausgefallen, bietet bis auf seine schrulligen Figuren keine weiteren Humorelemente und steuert ansonsten lediglich eine klassische Kriminalgeschichte gegen eine Mafiaorganisation an.

Es ist nicht nur den Kostümen und Settings zu verdanken, dass der Film trotz dieser gut versteckten, simplen Krimi-Geschichte zu gefallen weiß. Es ist der Mangel an Modernisierung, der „Dick Tracy“ innerhalb dieser Rezeptur so stimmig werden lässt, wird an dem klassischen Gut-Böse-Schema von einst doch nicht herumgeschraubt. Tracy ist loyal, unbestechlich und immer auf der Seite der Guten. Dass er das Gesetz selbst öfter bricht anstatt es lediglich zu dehnen, wird nicht kritisch hinterfragt, dient es doch dem guten Zweck. Ebenso werden männliche Fehltritte von Seiten der Frauen aus verziehen, ohne dass von Männerseite aus Worte der Entschuldigung nötig wären. Willkommen in den 40er Jahren!

Namhafte Stars konnten für das Projekt gewonnen werden. Urgesteine wie James Caan sind ebenso mit an Bord wie aktuelle Stars wie Al Pacino und Dustin Hoffman. Und für die zwielichtige, weibliche, große Nebenrolle konnte Sängerin Madonna gewonnen werden, die erst gar nicht zu schauspielern braucht, ist sie doch mit dabei um zu singen und den Tracy zu verführen, so dass sie quasi das machen muss, womit sie berühmt wurde: sexy sein und Lieder trällern. Letzteres weiß sie gekonnt zu meistern, ersteres haut bei ihrem hübschen Aussehen meistens hin, wirkt manches Mal aber auch zu bemüht und würdelos, billig darauf abzielend Männer könnten den Verführungskünsten dieser Frau nicht widerstehen.

Im Film wird es so dargestellt, als ob es eine Art Superkraft Tracys wäre ihr zu widerstehen, das ist dann aber auch der einzig unfreiwillig komische Aspekt einer Geschichte, die ansonsten abenteuerlich und faszinierend zu verfolgen ist. Wer keine Kinder in solchen Filmen mag, wird Probleme mit „Dick Tracy“ haben, spielt ein Knabe hier doch nicht nur eine größere Rolle, er soll zudem je nach Szene absichtlich nerven, so dass er dieses Ziel sicher auch bei so manchem Zuschauer erreicht. Ich empfand ihn manchmal als grenzwertig, manchmal als bereichernd, ein wirklicher Gewinn für die Geschichte ist der Junge jedoch nicht.

Viel wichtiger hingegen ist jedoch die im Raum schwebende Love Story, da sie der einzige Aspekt ist, der Dick Tracy Leben einhaucht. Erst die Liebe zur Frau macht ihn zum Menschen, wärend er ansonsten der charakterlose, stets zu Diensten agierende Kriminalist ist, der weder Gefühlsregungen, noch persönliche Interessen in seine Arbeit einfließen lässt. Dass die Arbeit sein Leben ist, wird zum Konflikt zwischen ihm und seiner Angebeteten, so dass die klassische Heldentragik, wie wir sie auch aus „Spider-Man“ und Co kennen, Früchte tragen kann. Der bewegendste Moment ist meiner Meinung nach ein stiller, für die meisten Menschen unbedeutender. Selten klang ein „Danke“ so gefühlvoll, ehrlich und bewegend wie in jener Szene, in welcher Tracy es zur Femme Fatale Madonna sagt, kurz nachdem sie ihm einen Hinweis gab wo sich die entführte Geliebte des Polizisten befindet.

Warren Beatty entfacht an vielen Stellen des Filmes ein wahres Actionfeuerwerk, ein Element welches ich in diesem Film gar nicht so stark vertreten vermutet hätte, so klassisch wie hier Krimi und Comic zelebriert werden. Aber es weiß zu wirken, zumal besagte Szenen nicht dominieren und stets den Zweck des Mehrwertes erfüllen, um die Geschichte voran zu treiben. Es mag „Dick Tracy“ der letzte Schliff zum wahrlich großen Filmerlebnis fehlen, aber ein gelungenes Stück andersartige Comicverfilmung ist er definitiv geworden, so dass er damit gerade in heutigen Zeiten ewig wiederkehrender Superhelden in sich ähnelnden Filmen eine Wiederentdeckung wert ist. Im Gegensatz zu manch anderen verkannten Werken ihrer Zeit, ist „Dick Tracy“ leider auch im Nachhinein auf VHS und DVD kein erfolgreicher Geheim-Tipp geworden. sehenswert


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BAD NEIGHBORS 2 (Bad Neighbors 2 - Sorority Rising 2016 Nicholas Stoller)


Nachdem Mac und Kelly ihr Haus verkauft haben, kann der neue Besitzer 30 Tage lang überraschend vorbei kommen, um zu sehen ob mit dem Objekt alles okay ist. Falls nicht kann er den Kauf rückgängig machen. Ausgerechnet in dieser Phase des Verkaufs zieht nebenan eine Studentenverbindung ein. Im Versuch die Studentinnen von wilden Partys abzuhalten, entbrennt ein Krieg der Nachbarschaft, an welchem auch Macs und Kellys ehemaliger Erzfeind Teddy beteiligt ist...


Dildos als Kinderspielzeug...

Bereits „Bad Neighbors“, der erste Teil des hier besprochenen Streifens, war lediglich eine nette kleine Routine-Komödie ohne nennenswerte Höhepunkte, solide inszeniert, aber bis auf winzige Elemente überraschungsfrei und vorhersehbar erzählt. Wie zu erwarten ist das Ergebnis in „Bad Neighbors 2“ nicht anders ausgefallen. Dass ich mich trotzdem relativ früh nach Erscheinen der DVD an die Fortsetzung herangewagt habe, liegt am Mitwirken von Chloë Grace Moretz, die ich für eine der talentiertesten Jungdarstellerinnen halte, die Amerika zur Zeit zu bieten hat. Wie gut der Star aus „Kick-Ass“, „Let Me In“ und „Carrie“ schauspielern kann, fällt in Nicholas Stoller Film, an welchem auch Hauptdarsteller Seth Rogen mitgeschrieben hat, jedoch kaum auf.

Das ist sehr schade. Erst kürzlich in „Die Wolken von Sils Maria“ durfte Moretz ihre Vielseitigkeit und ihr Können in einem Art House-Stoff unter Beweis stellen, und unter der Fuchtel von Seth Rogen wusste sich „Harry Potter“-Star Emma Watson in „Das ist das Ende“ mit nur einem kleinen Gastauftritt gekonnt zu emanzipieren. Dass dies in der viel größer angelegten Rolle Moretz‘ in „Bad Neighbors 2 - Sorority Rising“ (Originaltitel) nicht ebenfalls der Fall ist, liegt an der oberflächlich gezeichneten Charakterisierung. Zwar wird ihre Rolle als Kämpferin gegen den Sexismus dargestellt, letztendlich verkörpert sie aber nur das übliche Party-geile Teenie-Mädchen, wie man es in jeder x-beliebigen Teenie-Komödie zu sehen bekommt.

„Bad Neighbors 2“ soll ein kurzweiliger Partyfilm sein, deswegen ist dies nicht wirklich hinderlich für den Unterhaltungswert des Streifens, es verkauft die sympathische Schauspielerin damit lediglich unter Preis. Interessant an der Herangehensweise Stollers ist die Perspektive aus welcher der zweite Teil erzählt ist. Waren trotz diverser Abstecher ins Lager der Studenten Mac und Kelly die Stars des ersten Films, beleuchtet die Fortsetzung das Treiben der Girlies ein wenig intensiver. Einige Zeit lang beschäftigt sich der Streifen intensiver mit ihrer Seite als mit jener der Helden aus Teil 1. Damit bekommt „Bad Neighbors 2“ tatsächlich einen gewissen Teenie-Komödien-Touch.

Da der Film insgesamt nichts Neues zu erzählen hat, hat die Erwachsenenseite, die gerne jünger wäre als sie ist, ihr Alter aber akzeptieren muss, dem wilden Treiben der Mädels nicht viel entgegenzusetzen, wirkt damit gehaltloser, so dass die Teenie-Perspektive dominiert. Erst in der letzten halben Stunde besinnt man sich dessen was man eigentlich mitteilen möchte, und lenkt damit wieder auf die Seite der Erwachsenen, die, wie schon in Teil 1, mit Hilfe eines entgegenkommenden Kompromisses als Sieger vom Platz laufen.

Mit „Bad Neighbors“ verhält es sich ähnlich wie mit der „Ted“-Reihe. Innovativ und böse sieht anders aus, und ich kann jeden verstehen der auf diese Komödien schimpft, die nur das Grundlagenprogramm abarbeiten und keine wirklich großen Lacher, Kreativität und Überraschungen zu bieten haben. Als solide Routine-Kost gehen sie aber beide für mich in Ordnung, die beiden Rogen-Filme sogar mehr als die Vergleichsreihe mit Mark Wahlberg, ist mir der Hauptdarsteller seit meiner ersten Begegnung mit ihm in „Shopping-Center King“ doch einfach ursympathisch. Und dass er auch noch zusammen mit Chloë Grace Moretz in einem Film auftaucht, ist für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und rettet mir somit solch einen durchschnittlichen Stoff, in Kombination mit einer soliden und flotten Inszenierung. Einfallsreich sieht anders aus, aber Langeweile bekämpft der Streifen trotz seinem braven Einhalten gängiger Erzählregeln recht ordentlich. unterhaltsam


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DIE REISE INS ICH (Innerspace 1987 Joe Dante)


Der Pilot Tuck Pendelton nimmt an einem Miniatisierungsexperiment teil, in welchem er in einer Art Raumschiff sitzend auf Sandkorngröße geschrumpft wird, um in den Körper eines Kaninchens gespritzt zu werden. Kurz nach erfolgreich vollendeter Miniaturisierung wird das Labor jedoch von Industriespionen überfallen. Der Leiter des Projektes kann die Spritze, in der sich Tuck befindet, gerade noch retten und spritzt sie auf der Flucht vor den Ganoven aus Verzweiflung in den Körper des Supermarktangestellten Jack Putter, bevor er tot zusammen bricht. Nachdem Tuck erkannt hat was passiert ist, versucht er Kontakt zu Jack aufzunehmen, doch der hat bereits ohne einen Mann in seinem Inneren genug psychische Probleme...


Der Cowboy lässt die Stiefel an...

Ich war 12 Jahre alt, als ich „Die Reise ins Ich“ seinerzeit im Kino sah. Ich kannte den Quasi-Vorgänger „Die phantastische Reise“ noch nicht, wusste zuvor auch nicht in welchen Film mich meine Familie mitgenommen hatte, war aber schnell begeistert von der abenteuerlichen Geschichte, welche die Phantasie eines Jungen nicht nur mit der Miniaturisierungsidee anzuregen wusste, sondern auch mit manch anderem verspielten Gimmick. Wie süß Meg Ryan in ihrer Rolle wirkt, habe ich erst Jahre später entdeckt, als Ryan durch ihre Dauerpräsenz in romantischen Komödien zu einer Berühmtheit wurde. Schon zuvor gab es etliche weitere Sichtungen des Stoffes auf VHS. Und wie das so ist, wenn man sich lange Zeit mit dem Medium Film beschäftigt, so werden die Pausen auch bei vielgesehenen Liebhaberstücken aus der Jugend zwischen den einzelnen Sichtungen immer größer.

Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.

Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.

Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.

Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.

Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.

„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein ideale abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken. sehenswert


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Donnerstag, 23. März 2017

DER FROSCH MIT DER MASKE (1959 Harald Reinl)


Seit einigen Jahren erpresst, klaut und mordet sich der Frosch mit seiner immer größer werdenden Verbrecherbande durch London. Nun hat Inspektor Elk erstmals eine Spur, und die führt in die zwielichtige Lolita-Bar...


Wenn die Jukebox warnt...

Erst 25 Jahre nach der Komödie „Der Doppelgänger“ sollte es wieder eine deutsche Kinoproduktion zu den Vorlagen von Edgar Wallace geben. 1959 startete „Der Frosch mit der Maske“, der gleich als erster einer als Serie anvisierten Kinoreihe produziert wurde und bereits Joachim Fuchsberger und Eddi Arent als spätere Stamm-Stars besagter Filme mit an Bord hatte. Auch unter den Goldmann Taschenbüchern, auf welche sich die Filme beziehen, war der Roman „Der Frosch mit der Maske“ die erste Veröffentlichung, und diese bietet auch gleich einen „Dr. Mabuse“-ähnlichen Täter, der eine große Verbrecherbande auf die Beine stellt, ohne dass je wer die Identität des Anführers wüsste.

Da Harald Reinls Start der Wallace-Reihe noch recht ernst umgesetzt ist, darf ein solcher Schwerverbrecher noch düster und damit wirklich bedrohlich wirken. Nicht einmal sein Kostüm sieht in irgendeiner Weise affig aus, eher zweckdienlich und damit ideal passend zu einem Mann, der seine Verbrechen wohlüberlegt tätigt. Arent, der zum Humorhighlight der Reihe werden sollte und hier bereits in einem Schlusskommentar und in seiner augenzwinkernden, da übertriebenen, Butler-Art erstmals auf diese Rolle hinsteuert, wenn auch noch in keinster Weise klamaukig, tritt hier ungewohnter denn je auf, mehr noch als im Folgefilm „Der rote Kreis“, der ebenfalls noch eine ernste Herangehensweise erfuhr. Neben dem taffen Fuchsberger agierend, darf er Verbrecher vermöbeln, also auf ganz andere Art aktiv werden als in späteren Beiträgen, und das besitzt einen reizvollen Sehwert.

Die an sich noch tief bieder in den 50er Jahre badende Produktion, wird ein wenig aufgebrochen mit der Figur die Joachim Fuchsberger verkörpern darf, ein Millionär, der aus Langeweile Verbrecher fängt. Das erstaunliche an „Der Frosch mit der Maske“ ist jedoch, dass er auch die moderneren Aspekte noch stockbieder präsentiert. Der pseudo-Hauch Erotik, der anonyme Superverbrecher mit seiner großen Gefolgschaft, die Love Story, die Zwielichtigkeit des Millionärs, das alles atmet noch nicht die 60er Jahre-Luft, welche der Wallace-Reihe das gewisse Etwas verschaffte, und dies immerhin zu den Anfängen der 60er Jahre, als die Konkurrenz noch in den 50er Jahren zu Hause war.

Damit schaut sich „Face of the Frog“ (Alternativtitel) wie ein Außenseiter der eigenen Reihe, weiß doch selbst der direkte Nachfolger, trotz seiner großteils nüchternen Erzählmethode, weit weniger bieder zu wirken, als es der hier besprochene Film noch tut. Allerdings verleiht dies Reinls Werk auch einen gewissen Außenseiter-Charme, zumal die Geschichte selbst keineswegs zu langweilen weiß. Wallace hat aufregendere Verfilmungen erlebt, aber bereits der Einstieg in die Reihe kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man findet auch Gefallen an einem trocken erzählten, klassischen Kriminalfilm, der ohne irgendwelche Gimmicks auskommt. Das Schrillste was es hier zu erleben gibt sind die Rolle des Butlers, der Millionär und der im Froschkostüm agierende Gegner. Der Rest folgt dem klassischen Muster des Genres.

Es ist schön, dass man Fritz Rasp als ehemaliges Ur-Gestein der 30er Jahre Wallacefilme für diesen Beitrag und einige Folgebeiträge gewinnen konnte, weiß er doch selbst in seiner hier recht klein ausgefallenen Rolle zu überzeugen, mimt Rasp hier doch einen Chef, den man wahrlich nicht zum Vorgesetzten haben möchte. Fast möchte ich von unheimlich sprechen, wenn ich ein Adjektiv für seine Darbietung suche. Siegfried Lowitz darf den ermittelnden Inspektor spielen, was auch nie ein Fehler sein könnte, so sympathisch wie dieser Mensch noch in jeder Rolle wirkte, selbst dann wenn er, wie in „Der Greifer“, auch einmal den Fiesling spielen durfte.

„Der Frosch mit der Maske“ hat auf Seiten der Schauspieler, zumindest bei den männlichen Parts, somit so einiges zu bieten, und dies zusammen mit der Mabuse-ähnlichen Geschichte sorgt für einen Film, den man als Cineast ruhig einmal gesehen haben sollte, auch wenn das Werk aufgrund seiner biederen Ader eigentlich noch nicht von dem Ruhm zehren darf, den sich die Reihe erst im Laufe der Zeit erarbeitet und auch definitiv verdient hat. Aber gerade weil „Fellowship of the Frog“ (Alternativtitel) im Vergleich so anders ausgefallen ist, ist er ein interessanter Blick darauf, was aus solch einem klassischen Start gedeihen kann. Freilich besitzt der Streifen auch ohne die Vergleiche zu den Folgefilmen genügend Unterhaltungswert. unterhaltsam


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Dienstag, 21. März 2017

DER ROTE KREIS (1960 Jürgen Roland)


Der rote Kreis ist ein Meisterverbrecher, den Scotland Yard seit längerer Zeit erfolglos verfolgt. Deswegen erhält Chefinspektor Parr Unterstützung von Privatdetektiv Yale, welcher der Polizei schon in so manchen Fällen eine Nasenlänge voraus war...


Die Strickmarkierung...

Der zweite Film der legendären deutschen Edgar Wallace-Reihe der 60er Jahre ist gleich einer meiner liebsten Filme der Serie, was nicht zwingend daran liegt, dass er als früher Vertreter der Reihe noch so anders gestrickt ist als die meisten der Folgewerke, aber ich muss zugeben dass selbst dies den Film angenehm aufwertet, auch wenn ich gegen das eher typische Rezept der Wallace-Hochphase beileibe nichts einzuwenden habe. Dennoch schaut sich „Der rote Kreis“ im direkten Vergleich angenehm ernst. Die Geschichte wird recht verschmitzt erzählt, aber eben nicht tatsächlich mit Witzchen aufgewertet. Das ist gerade deswegen interessant, weil bereits Eddi Arent mit an Bord ist, der seine Rolle zwar äußerst skurril anlegt, aber keinen anderweitigen Aspekt der Belustigung durchschimmern lässt.

Dass mir Jürgen Rolands erster von leider nur zwei Beiträgen zur Reihe so außerordentlich gut gefällt, liegt aber hauptsächlich daran, dass der Kriminalfall tatsächlich zu interessieren weiß. Die Geschichte packt den Zuschauer ganz von selbst, ohne irgendwelchen Budenzauber zu benötigen. Wie der rote Kreis vorgeht, wie der Kommissar vergeblich versucht die Identität zu lüften und wie nach einigen Zuschauertäuschungen die Wahrheit tatsächlich aussieht, das weiß alles zu gefallen. In der richtigen Ballance aus nüchterner Sachlichkeit und spannend inszenierten Momenten, weiß die erste Tonverfilmung des insgesamt drei mal verfilmten Wallace-Romanes sowohl zu unterhalten, als auch zu interessieren, ist der Zuschauer doch herzlich eingeladen mitzuraten wer sich hinter der Maske des Meistererpressers versteckt.

Wer gut aufpasst erkennt den roten Kreis bereits an der Stimme, die man von der ersten Szene an im Heute angekommen bereits vorgesetzt bekommt. Aber selbst wenn man deswegen, oder aufgrund anderer Hinweise, bereits zu früh weiß um wen es sich handelt, den Sehspaß verdirbt dies nicht, guckt sich die deutsch/dänische Zusammenarbeit doch im Wissen um den Täter, also auch bei einer zweiten Sichtung, so gut wie ohne, eben weil man den Missetäter in diesem Falle Schritt für Schritt dabei beobachten darf wie er täuscht, manipuliert und die Leute gegeneinander ausspielt.

Handwerklich professionell inszeniert und mit gut agierenden Mimen besetzt kann der Film somit ganz schlicht von seiner eigentlichen Geschichte leben, was die Stärke des hier vorliegenden Kriminalfalles um so deutlicher macht. Mag der Kommissar auch ein wenig altbacken wirken, er muss kein interessanter Charakter sein, um zu funktionieren, geht es doch einzig um seine Kombinationsgabe und vorgespielte Ahnungslosigkeit, so dass man den Mann hinter dem Beruf gar nicht erst kennen lernen muss. Zum alten Eisen gehört zudem Fritz Rasp, der bereits in den 30er Jahren in „Der Hexer“ und „Der Zinker“ mitgespielt hat, und im hier besprochenen Film erneut meisterlich agieren darf.

Interessant ist die weibliche Hauptrolle ausgefallen, die eine Einzigartigkeit in der Wallace-Welle darstellt, dient sie doch nur sehr leicht als Love Interesst und ist hauptsächlich eine der Polizei bekannte, zwielichtige Persönlichkeit, eine Art frühe Cat Women, von der man nie weiß wo ihr jeweiliger Vorteil liegt, also auch nicht weiß wo genau sie inmitten der vielen zwielichtigen Personen steht. Leider wird einiges davon in der letzten Szene wieder revidiert, und dies zudem noch auf unsinnige, wie unglaubwürdige Weise, aber bis zu diesem Zeitpunkt weiß die Andersartigkeit dieser wichtigsten weiblichen Rolle definitiv zu gefallen.

Neben diesem Schwachpunkt kann man höchstens noch jenen Fehler des roten Kreises zu den Schwächen der Geschichte zählen, mit dem er sich endgültig verrät, widerspricht es doch der durchdachten Art des Profi-Verbrechers, dass er sich solch einen dicken Fauxpas erlaubt. Dies wird aber zumindest dadurch wieder abgeschwächt, dass die anderen Dinge, die ihn ohne des Mitwissens des Zuschauers für den Ermittler verdächtig werden ließen, weit weniger grobe Schnitzer sind und raffiniert in den durchdachten Plot mit eingebunden wurden. Ich habe „The Red Circle“ (Alternativtitel) nun schon zum dritten Mal gesehen, und ich bin jedes Mal wieder von seiner Wirkungskraft beeindruckt. sehenswert


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Montag, 20. März 2017

FANTOMAS BEDROHT DIE WELT (Fantômas contre Scotland Yard 1966 André Hunebelle)


Fantomas erpresst die reichsten Männer Englands um einen großen Teil ihres Vermögens. Im Schloss von Lord Rashley soll dem Schurken mit Hilfe von Reporter Fandor und Kommissar Juve in Kooperation mit Scotland Yard eine Falle gestellt werden...


Lord Fantomas...

Ging der erste „Fantomas“ aufgrund seiner Rachegeschichte noch recht schlicht mit seinen Möglichkeiten die Macht des Superverbrechers deutlich zu machen um, so holte man dies in der ersten Fortsetzung „Fantomas gegen Interpol“ nach und bescherte dem Zuschauer ein Feuerwerk an schrägen Gimmicks, eingetaucht in eine James Bond-ähnliche Parallelwelt. Dementsprechend ging ich guter Dinge an den ein Jahr später folgenden „Fantomas bedroht die Welt“ heran, suggeriert sein Titel doch, dass es ungefähr auf diesem Niveau weiter ginge. Aber weit gefehlt!

Fantomas begnügt sich nun damit Schutzerpresser wie die ollen Mafiaganoven in Amerika zu werden, und das ist schon weiter unter seinem Niveau angesiedelt. Nicht nur dass er diesmal solch schlichte, wenn auch gut bezahlte, Ziele verfolgt, auch das komplette Drumherum bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, bietet der dritte Teil der Reihe doch lediglich ein Katz- und Mausspiel auf engem Raum, der seine Komik daraus zieht, dass der Zuschauer stets eingeweiht ist, im Gegensatz zu den Helden der Geschichte, deren Gewichtung leider vertauscht wurde.

Nicht nur dass Fandor nur recht wenig Spielzeit zugedacht bekommt (ähnlich wie Scotland Yard trotz des Originaltitels „Fantômas contre Scotland Yard“), selbst seine übliche Doppelrolle mitgerechnet kommt er nicht auf eine würdige Erstnennung im Vorspann, schlüpft der titelgebende Schurke doch meist in die Rolle von Lord Rashley, so dass Jean Marais an beiden Fronten weit weniger zu tun hat als in den beiden Vorgängern. Dafür rückt nun das Treiben von Louis de Funès mehr in den Vordergrund. Da man sich allerdings damit begnügt ihn vor Wut schnaubend, hektisch kommandierend einzufangen, innerhalb eines Szenarios in welchem Fantomas den Kommissar Glauben machen will, er wäre psychisch verwirrt, weiß das auch nicht so gut zu funktionieren wie in den Vorgängern.

Dass die Story kaum glaubwürdig ist und nur wenig Nutzen aus seinem Spielort England zieht (meist nutzt man nur die Spuk-Atmosphäre des Schlosses), mag eine verschenkte Möglichkeit sein, letztendlich ist es aber egal ob „Fantomas Against Scotland Yard“ (Alternativtitel) nun hier oder dort spielt. Die Geschichte orientiert sich fast einzig an der Maskeradenschau des Schwerverbrechers, und dies meist auch nur sehr einseitig. Ansonsten hat Teil 3 kaum Sehwerte zu bieten. Weder solch wundervoll inszenierte Verfolgungsjagden wie in Teil 1, noch so schräge Gimmicks wie in Teil 2 hat „Fantomas gegen Scotland Yard“ (Alternativtitel) vorzuweisen. Begnügen muss man sich mit einem ferngelenkten Bett, einem Hund im Fuchskostüm und einer Fluchtrakete.

Mit Teil 3 wurde zudem kein Schlussstrich gezogen. Die Welt hält Fantomas für tot, der Zuschauer weiß, dass dem nicht so ist, also hat man scheinbar mit einem Teil 4 spekuliert. Ob dieser nicht zustande kam, weil Teil 3 gegenüber seinen Vorgängern derart abfällt, weiß ich nicht, wundern würde es mich jedoch nicht. Es ist den liebgewonnenen Charakteren und dem simplen Rezept der Verwechslungen zu verdanken, dass sich André Hunebelles dritter Streich trotz alledem recht amüsant guckt. Ein müdes Lächeln wechselt sich immer wieder mit geglückten Momenten ab. Damit schliddert Teil 3 haarscharf an einer desinteressierten Mittelmäßigkeit vorbei. Im Vergleich zu Teil 2, den man wohl als den besten Teil der Reihe bezeichnen darf, ist dies trotz passablem Ergebnis somit trotzdem ein Totalabsturz. unterhaltsam