Sonntag, 25. September 2016

ZOMBIE SHARK (2015 Misty Talley)


Als ein wissenschaftliches Army-Projekt schief geht, werden die Bewohner und Urlauber einer kleinen Insel von hartnäckigen und angriffslustigen Zombie-Haien bedroht...


Bruce und seine Gang...

Was wurde nicht schon alles mit Haien angestellt, um der Ur-Thematik von „Der weiße Hai“ mehr Pepp zu verleihen. In „Sand Sharks“ schwammen die Biester im Sand, in „Snow Sharks“ im Schnee, in „2-Headed Shark Attack“ gab es doppelte Bissfreudigkeit, in „Monster Shark" und „Sharktopus“ fraß sich ein Mutant aus Oktopus und Hai durch die Besetzung. Aus dem Jenseits kehrte der „Ghost Shark“ zurück, mit menschlichen Genen versehen war der „Sharkman“. In dem Kurzfilm „Shark Pool“ durfte eines der Bestien sogar einmal einen Swimmingpool unsicher machen, in „Bait -Haie im Supermarkt“ machte man sich George A. Romeros „Zombie“-Location zu Nutze, und in „Sharknado“ kamen die Angreifer gar aus der Luft.

Dass man im Zuge dieser wundervoll bizarren Aufzählung erst so spät auf die Idee eines „Zombie Shark“ kam, mag man kaum glauben, immerhin wurde mit „28 Days Later“ 2002 und „Dawn of the Dead" 2004 eine langjährige zweite Zombiefilm-Welle ausgelöst, die mit dem Serienerfolg „The Walking Dead“ 2010 ein erneutes Hoch erfuhr und in solch abgedrehten Ideen wie „Zombiber“ und „Paashaat“ (in welchem der Osterhase zum Zombie mutiert) mündete. Und wie so oft im Tier-Horror-Sektor war es der amerikanische TV-Sender SyFy, der sich einer solchen Idee annahm und sie, wie typisch für diesen Fernsehkanal, für den Schnellverzehr verwurstete. So innovativ die Idee halbwegs klingen mag, so durchschnittlich uninspiriert ist „Zombie Shark - The Swimming Dead“ schließlich ausgefallen.

Die letzten 20 Minuten, genau jene Phase in welcher selbst die besseren Schundfilme a la „Mega Piranha“ und „Mega Shark vs. Giant Octopus“ oft scheitern, da sie krampfhaft die 90 Minuten-Marke erreichen mussten, bieten all das was man den Rest über vermisst. Da fallen menschliche Zombies über noch Lebende her, überraschende Wendungen und unverhoffte Tote brechen das bisher so vorhersehbare Treiben, Schicksale wirken bei all dem plumpen Getue halbwegs heftig und kleine Gimmicks, wie ein vor sich her beißender Haikopf, peppen die Story noch einmal ein wenig auf.

Um so mittelmäßiger ist der Rest des Streifens ausgefallen, der zunächst mit einer extrem lahmen Computeranimation nervt, die sich meist damit begnügt den Zombiehaien weiße Augen zu bescheren und ihnen ansonsten kaum Zombieattribute zugesteht. Der Anfang wird unnötig in die Länge gezogen. Selbst nette Haiattacken werden optisch sowohl vom Schnitt her, als auch von der Computeranimation her schlecht eingefangen. Und da die Figuren völlig uninteressant ausgefallen sind, plätschert „Zombie Shark“ trotz nicht weniger Ereignisse eher lahm vor sich hin. Das ist zwar alles noch guckbar genug, quasi eine Station vor tatsächlicher Langeweile angesiedelt, mehr hatte ich mir aber schon erhofft, selbst von einem SyFy-Streifen.

Zumindest versucht man zwischendurch mit einer nachdenklichen Sexbombe und einer mitfühlenden Wissenschaftlerin die für diese Art Film typischen Stereotype zu durchbrechen, was das Ganze nicht all zu stur gucken lässt wie die üblichen Schnellschuss-Produktionen des amerikanischen Science Fiction-Senders. Da man sich aber an anderer Stelle in anderen Stereotypen suhlt und auch die vorhersehbare Geschichte lediglich ein Klischee nach dem nächsten abgrast, inklusive des mittlerweile zur Pflicht gewordenen Erwähnens der cineastischen Vorbilder, ist diese Veränderung jedoch nicht wirklich der Rede wert. Andererseits tut es gut die übliche Gut/Böse-Chose, das gegenseitige Zuschieben der Schuld und die Vorwurfshaltung der Helden einmal nicht miterleben zu müssen. Diese drei Faktoren, die eigentlich Stammgast in dieser Art Stoff sind, wurden ausgetauscht gegen das gegenseitige Verständnis füreinander und der Eigenschaft verzeihen und reflektieren zu können. Für eine geistlose SyFy-Produktion ist das fast schon erstaunlich zu nennen.
mittelmäßig


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Samstag, 24. September 2016

THE REJUVENATOR - Das Serum des Schreckens (Rejuvenatrix 1988 Brian Thomas Jones)


Eine gealterte Diva finanziert die Arbeiten eines Wissenschaftlers, der an einem Mittel zur Verjüngung forscht. Als sein Ziel erreicht scheint, bietet sich die alte Dame allen Warnungen des Forschers zum Trotz als Versuchskaninchen an - mit fatalen Folgen...


Mutation aus Eitelkeit...

Angereichert mit klassischen Elementen aus dem Horrorbereich, wie die ethisch fragwürdigen Forschungen eines Wissenschaftlers, die Erschaffung eines Monsters und dem spätestens seit „Hellraiser“ so beliebtem Morden zur eigenen Wiederherstellung, präsentiert uns Regisseur Brian Thomas Jones mit seinem ersten Spielfilm „The Rejuvenator - Das Serum des Schreckens“ eine kunterbunte und überdrehte moderne Horrorgroteske, dessen schräger Gehalt stets im Zaum gehalten wird, indem der Streifen dennoch halbwegs nüchtern erzählt wird. Was widersprüchlich klingt, tut dem Film letztendlich gut, so dass er nicht zur ungezügelten Nummern-Revue der Absonderlichkeiten verkommt, sondern angereichert mit subtilem Humor und einer Dosos Horror-Drama-Persiflage die Ereignisse erst nach und nach hochschaukelt, bevor er sich komplett dem Irrsinn seiner Story hingibt.

Die Geschichte geht dabei überraschend flott voran. Bis zur ersten Mutation der Finanzgeberin dauert es nicht all zu lange. Diese hatte ich persönlich nach Lesen der Inhaltsangabe auf dem DVD-Cover erst gegen Ende erwartet. Aber der typische Hinhalte-Horror seiner Zeit ist „Juvenatrix“ (Alternativtitel) glücklicher Weise nicht geworden. Mit Augenmerk auf die Charaktere seiner Figuren, einer kleinen Dosis philosophischer Ansätze über das Altern, sowie über Schuld, Unschuld und Schuldzuweisung kommt er weit weniger geistlos daher als man vermuten würde, während er sich hauptsächlich jedoch dem Unterhaltungswert hingibt. Damit entledigt er sich jeder möglichen intellektuellen Wirkung und gibt sich stattdessen charmant bereitwillig ohne falsche Scham dem Bereich des Schundfilmes hin.

In dieser Art weiß „Rejuvenator - Gib dem Teufel nie die Hand“ (Alternativ) dem Genre-Freund alter Schule zu gefallen, eben weil er sich keinem Publikum anbiedert, sondern sich einzig auf seine bizarre Geschichte konzentriert, die frei wirklicher Innovationen ist, aber klassische Komponenten stilsicher in die damals moderne Erzählmethode integriert. Eine handvoll sehr geglückter Spezialeffekte lässt das Fan-Herz höher schlagen, und auch die meisten Kreatureneffekte wissen zu gefallen. Lediglich die komplett mutierte Diva finde ich optisch nicht sonderlich geglückt, andererseits macht es Spaß die Schauspielerin dabei zu beobachten, wie sie in diesem Outfit selbstbewusst, sich augenzwinkernd dem Nonsens hingebend, schreiend durch die Gegend läuft. Das Ende der Kreatur gehört zu den optisch sympathischsten Spezialeffekten des Streifens und beweist einmal mehr wie sehr handgemachte Effekte denen aus dem Computer stets vorzuziehen sind.

Sicherlich ist „Rejuvenatrix - A Classic Tale of Horror“ (Alternativtitel) keine vergessene Perle des B-Movie-Bereichs. Sein Einfluss auf weitere Werke dürfte gering sein, realistisch sogar bei Null liegen. Kennt man Jones‘ Genre-Beitrag nicht, besitzt man keine nennenswerte Wissenslücke aus dem Horrorbeich. Einen sympathischen kleinen Schundfilm, der cleverer ausgefallen ist als er nach außen den Eindruck macht, hat man dann aber sehr wohl verpasst, so dass ich jedem Horrorfreund der hier vorliegenden Filmdekade nur wärmsten empfehlen kann einmal einen Blick zu riskieren. Spätestens der Effektbereich wird einen nicht enttäuschen.
unterhaltsam


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RECREATOR - DU WIRST REPLIZIERT (Recreator 2012 Gregory Orr)


Drei Teenager campen auf einer Insel, auf der einst geheime Experimente stattfanden. Plötzlich tauchen Klonversionen von ihnen auf, die klüger und talentierter sind als die Originale. Die Teenager sind sich sicher, dass sie ersetzt werden sollen und nehmen den Kampf gegen ihre Doppelgänger auf...


Zwei von der einen, eins von der anderen Sorte...

Das Finale von „Futureworld - Das Land von Übermorgen“ zeigte einst wie interessant die Doppelgänger-Thematik jenseits der berühmten „Body Snatchers“-Variante ausfallen kann, sprich wenn es nicht einzig darum geht ersetzt zu werden, sondern der Kampf mit einer perfekteren Variante seiner Selbst ausgeführt werden muss, einem Wesen das alles über dich weiß und das in den meisten Punkten so ist wie du selbst. Was seinerzeit per Roboterthematik umgesetzt wurde, wird über 30 Jahre später passend zur wissenschaftlichen Entwicklung per genetischer Klone erzählt. Leider ist „Recreator“ als kleiner Teen-Horror konzipiert, womit ihm einiges von seinem Potential flöten geht.

Begrenzt auf kleinem Raum mit naiven Teenagern im Zentrum wird die Geschichte kleiner gehalten als nötig und in einem arg blauäugigen und kaum durchdachten Gewand präsentiert. Die Ausgangslage campender Teenager, die in anderen Horrorbeiträgen ideale Grundlage für triviale Unterhaltung bietet, ist für die Doppelgängerthematik eigentlich unpassender Natur. Dass die Verantwortlichen des Streifens sich nicht über die Möglichkeiten der von ihnen verarbeiteten Thematik im Klaren waren, außer zu wissen dass man hiermit frei von Monstern und fremden Welten eine recht kostengünstige Geschichte umsetzen konnte, zeigt sich aber ohnehin spätestens in der höchst dümmlich ausgefallenen Hintergrundgeschichte, die einem nur glaubwürdig erscheinen kann wenn man gehirnamputiert ist.

Ich erwarte in einem Teenie-Horror nun nicht viele logische Aspekte, aber so gewaltig in die Kacke hauen wie man es hier tut, muss man nun wahrlich nicht. Da liegt mitten auf der Oberfläche der Insel, wo sich einst ein wissenschaftliches Gebäude befand, nach 70 Jahren noch immer ein unzerstörtes Glasgefäß aus einem Labor. Der tote Wissenschaftler von einst sieht aus als wäre er gerade eben gestorben. Das Labor ist frei von Staub und Spinnweben. Und ist das Klonverfahren erst einmal auf höchst bescheuerte Art erklärt, fragt man sich zurecht warum von jedem Helden nur ein Klon existiert. Mit jedem Versuch der Hintergrund-Thematik einen Sinn zu bescheren, verrennt sich „Recreator - Du wirst repliziert“ in immer dümmere Abgründe, die dem Film einen Schaden zufügen, von dem er sich nicht erholen kann.

Wie bei solch schwachem Drehbuch zu erwarten ist jegliche Handlungsweise der Teenager unsinniger Natur, schon lange bevor die eigentliche Horror-Thematik beginnt. Und dass sich die Doppelgänger keinesfalls klüger aufführen als ihre Originale, diese Eigenschaft also immer nur behauptet wird anstatt sie an irgendeiner Stelle zu beweisen, überrascht in einer solch dümmlich präsentierten Geschichte freilich überhaupt nicht, muss man als Autor doch halbwegs klug sein um kluges Verhalten auch anwenden zu können. Eigentlich erleben wir statt geistreicher Genies eher die eitle, frei von Reflektion und Mitleid geprägte Version der Originale.

Dass die Figuren einem von Anfang an nicht sonderlich sympathisch sind, erweist sich im Finale zwar als gekonntes Spiel mit dem Zuschauer und als einzig geistreicher Pluspunkt eines ansonsten strunzdummen Streifens, hilft mit der Erkenntnis am Schluss aber auch nicht dabei in allem was vor diesem Szenario stattfand mit den Identifikationsfiguren mitfiebern zu können. Eher gleichgültig verfolgt man das gar nicht uninteressant erzählte Treiben auf der Insel. Man ist gar überrascht, dass inmitten solchem Unsinns, ohne das Vorhandensein wahrer Stärken wie einem hohen Spannungsbogen, eine dichte Atmosphäre oder überraschende Wendungen, die Geschichte halbwegs zu funktionieren weiß.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Idee bereits ein Selbstläufer ist, die Geschichte sich nicht mit einer langen Vorgeschichte ausbremst und das ganze Miteinander zwischen Klone und Originale, so wenig man auch versteht warum da überhaupt ein Zusammenleben geübt bzw. geduldet wird, recht interessant gestaltet ist. Der spät einsetzende Kampf der beiden Gruppen gegeneinander weiß zumindest routiniert zu gefallen und ist nicht ganz so dämlich ausgefallen wie die wissenschaftlichen und zwischenmenschlichen Aspekte des Streifens. Und der Schluss ist schließlich, wie bereits erwähnt, richtig geglückt, beweist uns dass man sich der weiblichen Charakterzeichnung bewusst war, und zeigt uns seine Auflösung sogar überraschend zurückhaltend präsentiert, was mit der endgültigen Schlussszene leider wieder kaputt gemacht wird, indem dort die zuvor lediglich angedeutete Information noch einmal jenen dick aufs Brot geschmiert wird, die es noch immer nicht kapiert haben.

Vielleicht ist dies auch besser so, denn jene für die der Film eigentlich gedreht wurde, benötigen diese letzte Szene zum Verstehen. Denn an ein geistreiches oder gar mitdenkenden Publikum hat man beim Drehen von „Synchro“ (Alternativtitel), der auch unter den Titeln „Cloned - You Will Be Replaced“ und „Cloned - The Recreator Chronicles“ erschienen ist, ohnehin nicht gedacht, so extrem lückenhaft und unbedarft das Grundszenario mit wissenschaftlichem Unsinn und undurchdachten grundlegenden Elementen zusammengeflickt wurde. Um so erstaunlicher ist es feststellen zu dürfen, dass dieses Meer an unterhaltungstechnischen Nachteilen nicht verhindern kann, dass sich der Film trotzdem noch halbwegs interessant für Vielseher des Genres guckt.
mittelmäßig


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Dienstag, 20. September 2016

ONE WAY TRIP (2011 Markus Welter)


Teenager reisen in die Natur um sich halluzinogene Pilze reinzuziehen und fallen nach dem Konsum dieser einem irren Killer in die Hände...


Ami-Film Made in Schweiz...

Ich werde schnell kritisch wenn Filmemacher aus einem deutschsprachigem Raum meinen den Titel und den Vorspann ihres Werkes pseudo-cool auf Englisch halten zu müssen, erst recht wenn der Film auf deutsch abgedreht wurde. Einen besonders bitteren Geschmack bekommt diese Art Vorspann wenn man dann noch lesen muss, dass einiges an Geldern von deutschsprachigen Filmförder-Organisationen floss.

Wenn man „One Way Trip“ gesichtet hat darf man sich aber viel mehr fragen wofür solche Filmförderungen überhaupt noch stehen. So wie der originielle „Der Bunker“ keinerlei Unterstützung erhielt, der arg kommerzielle auf Massengeschmack zielende „Fack ju Göthe“ aber sehr wohl, so ungerecht scheint die finanzielle Unterstützung auch bei Markus Welters Werk eingesetzt zu sein, biedert es sich doch nicht nur dem amerikanischen Mainstream-Kino an, zu welchem der Bereich des Slashers seit der 00er Jahre mutiert ist, er immitiert ihn zudem katastrophal schlecht.

Das beginnt bereits bei dem steifen Spiel sämtlicher Darsteller, denen man zu keinem Zeitpunkt abkauft dass sie einander kennen oder mögen, was fatal ist, sollen sie doch eine eingeschworene Freundschaftsgruppe verkörpern, die sich seit Jahren kennt. Die Texte wirken wie abgelesen, selbst bei der österreichischen Scream-Queen Sabrina Reiter, die bereits in den beiden „In 3 Tagen bist Du tot“ mitgespielt hat, von welchem zumindest der erste (Teil 2 kenne ich noch nicht) zu überzeugen wusste. Dies wusste er, weil er gekonnt das amerikanische Slasher-Genre mit der österreichischen Kultur kombinierte, so dass sich dieser Slasher keinesfalls wie ein amerikanischer Abklatsch angeguckt hat, je nach Phase sogar mehr Kriminalfilm als Horrorfilm war.

„One Way Trip“, der zur vollkommenen Anbiederung ans Massenpublikum zudem noch in 3D gedreht wurde, setzt zwar zumindest vom Spielort her ganz zeigefreudig auf die Umgebung in der er entstand, mental fühlt man sich jedoch in fast jedem aufkommenden Klischee an einen US-Film erinnert. Ich weiß nicht ob der gar nicht mal unerfahrene Regisseur Welter die Darsteller so laienhaft spielen ließ, um einen authentischen Effekt zu erzielen, falls dem so war ging das Experiment jedoch nach hinten los, denn mit dem extrem mangelhaften Spiel der jungen wie alten Darsteller scheitert bereits das Grundgerüst des Streifens.

Dass einen inhaltlich nichts sonderlich Innovatives erwarten muss, ist in diesem Sub-Genre kein wirklicher Negativpunkt, ganz im Gegenteil haben zu übertrieben eigene Ideen Fortsetzungs-Werken dieser Gattung Horrorfilm oft geschadet. Dennoch fragt man sich bei „One Way Trip“ lange Zeit, warum er sich das Anfangsszenario von „Shrooms“ zu Nutze macht, wenn mit dem Horrorpart angefangen ohnehin jeder völlig frei eines halluzinogenen Zustandes agiert. Was sich wie ein Fehler guckt, soll sich in einem pfiffig gemeinten Perspektivwechsel am Ende des Filmes als Täuschung outen, was aber nur funktionieren würde, wenn die Auflösung tatsächlich intelligenter Art wäre.

Aber weder die uns im Finale deutlich gemachten versteckten Vorbereitungen innerhalb der vorangegangenen 70 Minuten wissen intelligent zu wirken, noch weiß die Auflösung zu überzeugen. Während sie auf der einen Seite unglaubwürdig zu nennen ist, da die Droge bei jedem Konsumenten trotz unterschiedlichster (wenn auch typisch oberflächlich gehaltener) Charaktere die selbe Handlungsweise und gleichzeitig die selben Halluzinationen hervorbringt, outet sich das Drehbuch auf der anderen Seite mit diesem Schluss als arg moralisch und bieder, auch wenn es sicherlich anders gemeint war.

Einzelne kurze Momente haben mir recht gut gefallen, so z.B. die Kameraperspektive der von der Feuerwehr geretteten Heldin, oder der Vorgang wie eines der Opfer nach einer leider nicht für den Zuschauer prickeln wollenden Verführung Schritt für Schritt gefesselt, geknebelt, verpackt und schließlich getötet wird. Solche Sequenzen sind leider rar gesät, eben weil die Schauspielerei ebenso flach ausgefallen ist wie die Psychologie des Drehbuchs. Besonders ärgerlich empfand ich das mangelnde Schauspieltalent der Figur des Farmers, der völlig brav drein schaut, während er eine junge Frau erwürgt.

Von dem einzig älteren Darsteller der kompletten Haupt-Riege hätte man sich doch mehr erhofft als von den blassen Jungdarstellern, die sich laut der auf der DVD enthaltenden Biografien in allerlei anderen Produktionen den ein oder anderen Nachwuchspreis erarbeitet haben. Schade dass es hier nichts vom scheinbar vorhandenen Talent der Mitwirkenden zu entdecken gab. Filmfreunde, die sehen wollen wie ein von US-Slashern inspirierter Horrorfilm auch in deutschsprachigen Ländern funktioniert, dem empfehle ich lieber in den unterschätzten „Flashback - Mörderische Ferien“ hineinzuschauen. Dieser war meiner Meinung nach der bislang beste Versuch das Genre in unserer Region einzufangen.
 schlecht


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Sonntag, 18. September 2016

DER UMLEGER (The Town That Dreaded Sundown 1976 Charles B. Pierce)


Einige Monate nach Ende des zweiten Weltkrieges beginnt in dem kleinen Ort Texerkana eine durch einen Maskierten ausgelöste Terrorwelle, der einige Tote und Schwerverletzte hinterlässt. Die Polizei versucht ihn aufzuspüren, doch als der Täter nach einiger Zeit nicht mehr nach festen Mustern handelt, scheint es unmöglich ihn zu schnappen...


Der 21-Tage-Killer...

Vergleichbar mit den Taten des legendären Zodiac-Killers, gab es bereits in den 40er Jahren einen ungelösten Kriminalfall, in welchem der Täter ebenfalls wahllos seine Opfer aufsuchte und ständig seine Methoden änderte. Mit 5 Toten und noch weniger Verletzten gehört er sicherlich nicht zu den erfolgreichsten Massenmörder der amerikanischen Kriminalgeschichte, ganz im Gegenteil, für heutige Verhältnisse klingt sein Ergebnis gar recht harmlos. Dementsprechend darf man sich in der Verfilmung seiner Taten wundern wie schnell hier Angst in der Stadt herrscht, die Polizei Verstärkung anfordert und diese auch gleich mit dem besten Mann seines Fachs erhält und warum überreagiert gleich Ausgangssperren verhängt werden.

Man kann es auf die Zeit schieben, warum hier gleich Panik und Großeinsatz herrschen, obwohl der Fall sich im Vergleich recht harmlos guckt, man muss aber auch bedenken, dass man es bei „Der Umleger“ mit einem Film aus der Billigschmiede Samuel Z. Arkoffs zu tun hat, und dessen Werke sind meist reißerisch und naiv zugleich umgesetzt. Und wenn dann in einem solchen Streifen die Helden bereits Muster erkennen, bevor es möglich ist diese zu erkennen (Zwei Taten, 21 Tage Abstand dazwischen, dann muss der Mörder also alle 21 Tage zuschlagen? Was 'ne Logik...), dann kann es am Anfang in einem Vorwort noch so heißen alles habe wie gezeigt einst so stattgefunden, Charles B. Piercers Thriller ist lediglich aufgeputscht und in seiner Logik nicht sonderlich realitätsorientiert erzählt.

Ich habe mich zu dem hier zu Grunde liegenden Fall nicht näher informiert, es mag also sein dass trotzdem vieles stimmt was „Der Umleger“ erzählt, auf den DVD-Markt hat es der vergessene Film zumindest aufgrund des kleinen Erfolges des Horrorfilmes „Warte, bis es dunkel ist“ geschafft (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hepburn-Klassiker), der sich auf den hier besprochenen Film bezieht, der, laut dem Quasi-Remake, wohl noch immer in Texerkana aufgeführt wird. Mag er in Amerika auch ein kleiner Kultfilm sein, eine verkannte Größe ist „Phantom-Killer“ (Alternativtitel) definitiv nicht, dafür leidet er an zu vielen Arkoff-Krankheiten, die ihn immer wieder herunterziehen.

Neben dem völlig unpassend eingebrachten Humor, der sich an einer festen Nebenfigur orientiert, stören in erster Linie die Off-Kommentare, mit denen in Billigstproduktionen bereits in den 50er Jahren immer wieder gearbeitet wurde, um damit kostengünstig Handlungsstränge einzusparen. In den 70er Jahren war die Methode jemand Fremdes die Geschehnisse des gerade laufenden Streifens sachlich zu kommentieren längst veraltet, außerdem erzählt der Sprecher nichts was den Hintergrund bereichern würde. Und Szenen werden mit diesem Stilmittel diesmal auch kaum eingespart.

Für eine Arkoff-Produktion war „The Town That Dreaded Sundown“ (Originaltitel) wahrscheinlich ohnehin das höchste dessen was der gute Mann finanziell springen ließ, spielt der Streifen doch in den 40er Jahren, und da mussten Setting, Autos und Co zumindest halbwegs nach vergangener Zeit aussehen. Arkoff setzte finanziell auf das nötigste diesbezüglich, und mich würde es nicht wundern wenn Kenner x Details der 70er Jahre entdecken würden, die es in den 40ern nicht gab. Zumindest würde es zu einem Film passen, der so schnell abgedreht wurde, dass man in einer Sequenz fast 2 Sekunden lang einen Kameramann auf einem vorbeifahrenden Zug sichten darf.

Das belustigt Pierces Werk zwar kurzfristig, eine unfreiwillig komische Lachnummer ist er jedoch nicht geworden. Auch die oben beschriebenen Ärgernisse lassen den Streifen nicht vollends scheitern, besitzt „Phantomkiller“ (Alternativtitel) im Gegenzug doch Stärken die einiges wieder wett machen. Dass er als einer der ersten Slasher beworben wird, ist eine Aussage die man allein deswegen nicht für voll nehmen kann, weil der Killer meist mit einer Schusswaffe arbeitet. Elemente der später so beliebten Horrorgattung sind aber tatsächlich bereits erkennbar. Freilich denkt man unweigerlich an „Freitag der 13. 2“ wenn ein Killer mit Sack auf dem Kopf mordend durch ein Waldgebiet stampft. Dessen Wirkung wird hier gar durch das psychotisch wilde Atmen unter dem Sack getoppt, was den Killer bedrohlicher wirken lässt.

Zudem schafft es Pierce die wenigen Morde und Attacken atmosphärisch dicht einzufangen. In manchen Szenen herrscht wahrer Nervenkitzel. Und wenn der Täter hin und wieder seine Schusswaffe gegen eine Spitzhacke oder gegen ein Blasinstrument tauscht, dann erinnert dies tatsächlich auch stilistisch an die mit Carpenters „Halloween“ aufgekommene Slasher-Welle, die ihr erstes Hoch in den 80er Jahren hatte.

Letztendlich guckt sich „Der Umleger“ noch zu sehr wie ein Kriminalfilm, richtet sein Hauptaugenmerk auf die Polizei und ihre Ermittlungen und macht Täter wie Opfer zu Nebenfiguren. Andererseits werden die Attacken für seine Zeit schon recht zelebriert. Bedenkt man jedoch, dass bereits 2 Jahre zuvor Leatherface wesentlich heftigeren Terror mit „Blutgericht in Texas“ auf der Kinoleinwand entfachte, merkt man endgültig wie harmlos und naiv dagegen die hier besprochene Arkoff-Produktion ausgefallen ist.

Es ist schade, dass die düstere Stimmung nach einer wunderschön abgefilmten Attacke meist durch einen nervigen, wie unnötigen Off-Kommentar unterbrochen wird, der es einfach nicht zulässt, dass man sich in die Geschichte intensiv genug einfühlen kann. Andererseits merkt man aufgrund dessen, dass mit jeder neuen Attacke die Atmosphäre trotzdem wieder auf einem Hoch ist, wie intensiv der Regisseur gerade diese Momente einzufangen weiß. Man bekommt gar das Gefühl, dass er weiß dass der wahre Held des Streifens der Killer ist, so wie er ihn in Szene setzt, was aber eigentlich eine Zuschauereinstellung benötigt, die sich erst in den 80er Jahren entwickelt hat.

Da man stets in die Polizeiarbeit involviert ist, die Charaktere halbwegs sympathisieren obwohl sie höchst oberflächlich bleiben und das Tempo aufgrund fehlender Zeitstrecker recht hoch zu nennen ist, weiß „Der Umleger“ eher zu gefallen anstatt zu enttäuschen, eben auch weil der Killer in seiner Maskerade zu wirken weiß und Pierce uns so einige spannend geratene Fluchtszenen der Opfer vor dem Täter präsentiert. Ein wirklich nennenswerter Film ist dabei nicht herausgekommen, ein wahres Vorbild für die zukünftigen Slasher ist der Streifen sicherlich auch nicht, wirken die Übereinstimmungen zum späteren Schlitzer-Genre doch eher zufällig. Wer sich aber mit einem kleinen, simplen und naiven 70er Jahre-Thriller anfreunden kann, der dürfte als Genre-Fan die nötige Dosis Unterhaltung erhalten um hinterher nicht all zu enttäuscht vom Ergebnis zu sein.
unterhaltsam


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Donnerstag, 15. September 2016

PIRANHAS (Piranha 1978 Joe Dante)


Eine speziell vom Militär entwickelte aggressive und besonders überlebensfähige Gen-manipulierte Piranha-Gattung gerät versehentlich in einen Fluss an dem ein Sommercamp und ein neu eröffnetes Erlebnisbad angrenzt...


Project Razorteeth...

Piranhas waren gern gesehene Randerscheinungen der Bedrohung in Abenteuerfilmen. Zum Star ihres eigenen Filmes sollten sie jedoch erst nach dem bahnbrechenden Erfolg von „Der weiße Hai“ werden, der in den 70er Jahren eine Tier-Horror-Welle entfachte, bei der auch Roger Corman sein Stückchen vom Kuchen abhaben wollte. Also engagierte er den späteren „Gremlins“-Regisseur Joe Dante „Piranhas“ zu drehen. Der machte aus dem Projekt eine Satire mit Seitenhieben auf das Militär und dem großen cineastischen Vorbild Steven Spielbergs, nebenbei aber auch auf geldgeile Unternehmer und autoritäre Erzieher.

Nach einer stimmigen Einführung der Bedrohung folgt zunächst das Kennenlernen der Figuren und deren Nachforschungen nach vermissten Personen, die sie recht schnell auf das verlassene Militärgelände der ersten Sequenz stoßen lässt. Von nun an lässt der Film den Helden kaum Atempausen, werden sie doch ganz im Gegensatz zu „Der weiße Hai“ fast zu Statisten im eigenen Film, die von einem Ort zum nächsten hetzen und in der Regel dort zu spät erscheinen. Dante beschert den zwei zentralen Figuren genügend Grundcharakter, damit einem die beiden Hauptfiguren nicht völlig egal sind. Und der abwechslungsreiche Rest sorgt dafür, dass dies „Piranhas“ in seinem Ergebnis nicht schadet.

Zwar wissen kleine Fische optisch nicht so toll zu wirken wie ein großer Haifisch, Dante gibt sich jedoch größte Mühe aus den Attacken mehr zu machen als ein sich rot färbendes Wassergeblubber, wie man es aus manch anderem Tier-Horrorfilm, der im Wasser spielt, kennt. Immer wieder unterbricht der Regisseure das hektisch gefilmte Kameragewackel bei Piranha-Attacken, um uns für kurze Momente deutliche Bilder von Wunden oder gefräßigen Zähnen zu zeigen. Das weiß zu wirken. Der herrliche Sound, wenn die hungrigen Biester ihrer liebsten Tätigkeit, dem Fressen, nachgehen, sorgt für den Rest.

Sicherlich ist „Piranhas“ nicht so stimmig ausgefallen wie sein großes Vorbild, aber zumindest versuchte Dante mehr als diesen lediglich zu kopieren. Der Satire-Touch verleiht dem Streifen einen anderen Anstrich, der Humor bleibt so subtil, dass der Film nie zur Horror-Komödie verkommt, und ansonsten lebt „Piranhas“ viel von dem Effekt dass man immer vorher weiß wo die Viecher das nächste Mal zuschlagen werden, so dass das fröhliche Treiben der Ahnungslosen im Wasser um so fieser wirkt.

Dante macht durch seinen Zwischenstop im Sommercamp zwar auch nicht vor Kindern Halt (ein Ort der sich zudem toll als Ort der finalen Geschehnisse geeignet hätte), belässt es aber bei angefressenen Opfern, wohingegen Erwachsene auch des öfteren ihr Leben lassen müssen. Dante lässt uns des reißerischen Effekts wegen hin und wieder kurze Blicke auf angekaute Menschen erhaschen, gerade gegen Ende wenn Sanitäter zur Rettung eilen, im Vergleich zu heute ist das Treiben jedoch nicht all zu blutig ausgefallen, allerdings schon mehr als die eher spießigen Mitläufer von Spielbergs Hai-Film wie „Panik in der Sierra Nova“ oder „Taranteln - Sie kommen um zu töten“.

Interessant ist, dass „Piranhas“ trotz seiner augenzwinkernden Erzählweise wesentlich pessimistischer daher kommt als Spielbergs Werk. Nicht nur dass das Teiben des Militärs düster gezeichnet wird, was noch geradezu typisch für die Erscheinungszeit des Streifens ist, gerade gegen Ende bemerkt man wie wenig es Dante darum geht seine Hauptfiguren als Helden zu feiern. Ob es für die wichtigste Person des Streifens positiv ausgeht, lässt Dante offen, ist er doch schwer angeschlagen von der finalen Piranha-Attacke und scheint noch unter Schock zu stehen.

So blauäugig zu glauben dass eine derart raffinierte Züchtung mit den finalen Erlebnissen tatsächlich ausgerottet ist, ist Dante freilich nicht und lässt seinen Film auch diesbezüglich pessimistisch enden, während er zu dem Fressgeräusch der Piranhas das Meer zeigt, dass symbolisch wenig subtil mittels eines Farbfilters in ein blutiges Rot getaucht wird, bevor der Abspann ins Bild tritt. Dass die Nachuntersuchungen jemandem in die Hände fallen, der den ganzen Film über das Militärprojekt vertuschen wollte, zeigt ebenso den Hang der Autoren zum Pessimismus. Naiv ist „Piranha“ (Originaltitel) somit wahrlich nicht ausgefallen, womit ihm die Haupteigenschaft der meisten anderen Mitläufer der Tier-Horror-Welle fehlt.
unterhaltsam


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