Sonntag, 21. Mai 2017

ROCKY 2 (1979 Sylvester Stallone)


Obwohl sich beide am Ende ihres Kampfes einig waren, dass es keinen Rückkampf geben soll, fordert Apollo Creed Rocky aus verletztem Stolz heraus Monate später auf zurück in den Ring zu steigen. Rocky weigert sich zunächst, aber seine angespannte finanzielle Situation bietet ihm kaum eine andere Wahl als die Herausforderung gegen den Weltmeister im Boxen anzunehmen...


Umschulung auf rechts...

Sylvester Stallone übernimmt in der Fortsetzung des Erfolges „Rocky“ selbst die Regie und versucht im Großen und Ganzen Avildsens Stil des Vorgängers beizubehalten. Er erzählt seine Geschichte ruhig und möglichst unaufgeregt, lässt den Zuschauer lange Zeit auf die Rückkehr ins Training warten und hält ihn auch im finalen Kampf lange Zeit hin, ehe die Entscheidung um Verlier und Sieger getroffen wird. Aber weder das Drehbuch, noch die imitierende Regieführung sind so gut ausgefallen wie im Erstling. Zwar ist „Rocky 2“ durchaus ein nettes Filmchen, zu unterhalten weiß er, er reißt den Zuschauer aber nicht mehr so enorm mit, wie es das Original und mancher Nachfolger der Reihe schaffte. Letztendlich wirkt „Rocky 2“ nur wie ein Wiederaufguss der bereits erzählten Geschichte.

Dabei sind einige Ideen wirklich hervorragend zu nennen. Rocky nutzt sein kurzzeitiger Ruhm nichts, da er mit seinem mangelnden Talent nicht zum Werbeträger geeignet ist. Und Mickeys Plan aus dem Linkshänder einen Rechtshänder zu machen, ist auch nicht von schlechten Eltern, bekommt im fertigen Kampf aber nicht wirklich eine Bedeutung, so hirnlos plump wie die beiden Kontrahenten aufeinander einprügeln, was noch mehr nach Straßenköter-Kampf aussieht, als es bereits im ersten Teil der Reihe der Fall war. Boxen sieht anders aus. Freunde des Sports werden die Augen verdrehen. Aber Bewunderer der Reihe sehen darüber gerne hinweg.

Leider ist die erste Hälfte um Rockys Alltag nicht halb so interessant ausgefallen wie im Vorgänger. Viele Liebesmomente zwischen Adrian und Rocky, bei denen keinesfalls romantische Gefühle für den Zuschauer aufkommen, hemmen immer wieder die Wirkung der besseren Drehbucheinfälle. Bereits hier wirkt Adrian nur wie ein Beiwerk, zur zweiten Hälfte hin wird sie fast völlig egal für die Geschichte und dient zusammen mit dem gemeinsam gezeugten Sohn nur noch als Motivator für den Sportler. Man könnte es als Spott betrachten, dass die emotional stärkste Szene zwischen dem frisch verheirateten Paar genau dann stattfindet, wenn Adrian im Koma liegt. Aber es ist wahr, und wenn Rocky um seine Ehefrau weint, weiß dies wahrlich zu rühren.

Charakterlich gibt es einige Ernüchterungen zu erleben. Pauly fällt in der Fortsetzung für seine Verhältnisse recht sozial aus und schlägt erst im Dialog mit Adrian über die Strenge, dann aber um zu helfen. Ich persönlich finde es gut, dass er ab Teil 3 wieder ins alte Muster zurück fällt, die Milde die er hier aufweist, will nicht recht überzeugen bei solch einem auf sich fixierten Menschen, der zur Selbstrefelxion nicht in der Lage ist. Schlimmer ist jedoch die Figurenzeichnung Apollo Creeds ausgefallen, der nun jegliche Milde im Gegensatz zu Pauly verloren hat und nur noch das Arschloch mimen darf, welches auf Teufel komm raus den Rückkampf will. Anders als erwartet, bleibt er selbst dann unsympathisch, wenn er im Rampenlicht nicht mehr die Rolle des Bad Guy spielen müsste.

Wenn nun diesem humorlosem, bösartigem Schwarzen der ewig betende, Gottesgläubige Italiener Rocky entgegen gesetzt wird, fragt man sich fast was hier auf rechts trainiert wurde, Rockys Faust oder Stallones Weltsicht - eine in der nicht nur faschistische Tendenzen aufzukeimen scheinen (zumindest mit übersensiblisiertem Blick von heute), sondern in welcher zudem die Selbstbeweihräucherung einige unangenehme Höhepunkte erhält, was zuvor genannten Punkt noch extremer erscheinen lässt. Das Zujubeln der Menge während des Trainings, die ihm folgenden Kinder beim Joggen und diverse Trainingssequenzen, die nur enthalten zu sein scheinen, um zu beweisen zu was Stallone in der Lage ist, und nicht Rocky, durchbrechen den ruhigen, bescheidenen Stil, den Stallone ansonsten von Avildsen kopiert. Und das will nicht wirklich miteinander harmonieren.

Nun sind dies alles Schwachpunkte, die „Rocky 2“ daran hindern so großartig auszufallen wie der Vorgänger, vielleicht zählt dazu auch die Entscheidung im Finalkampf diesmal eindeutiger den kleinen Aufsteiger zu feiern als bisher, indem dieser diesmal dem Champion den Titel weg nimmt. Dank der bekannten wichtigsten Charaktere (mit einer verstärkten Position Mickeys), dem klassischen Soundtrack und der noch immer enthaltenden Sympathie zum Gesamtwerk der Rocky-Reihe, schafft es aber auch die Fortsetzung angenehm zu unterhalten. Allerdings bildet sie auch in diesem annehmbaren Zustand den Tiefpunkt der Reihe, der von den meisten anderen Zuschauern Teil 5 zugesprochen wird.

„Rocky 2“ ist jedoch viel mutloser ausgefallen als dieser, zu sehr darauf bedacht Teil 1 ohne nennenswerte Geschichte nachzuahmen, als dass der Vergleich zum inhaltlich mutiger ausgefallenem „Rocky 5“ ein fairer sein könnte. Die etwas zu lieblos umgesetzte Kampfchoreographie im finalen Wettstreit vollendet das unausgegorene Gesamtbild der ersten Fortsetzung, so dass es um so erstaunlicher wirkt, welch sympathischer Film letztendlich doch noch aus „Rocky 2“ wurde. Somit ist der Film vergleichbar mit seinem Helden. Er steht immer wieder auf, selbst wenn man denkt dass alles vorbei wäre.


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Samstag, 20. Mai 2017

ROCKY (1976 John G. Avildsen)


Boxchampion Apollo Creed entscheidet zu Promotionzwecken mit einem unbekannten Boxer in den Ring zu steigen. Die Wahl fällt auf Rocky Balboa, der sich im Ring als unerwartet hartnäckiger Gegner herausstellt...


Wie ein Linkshänder sich doch noch die Nase brach...

Die Geschichte von „Rocky“ und Sylvester Stallone geht Hand in Hand parallel einher. Stallone wird zusammen mit Rocky zu einem Star, richtet sich mit etlichen Comebacks immer wieder auf und erlebt eine Karriere über viele Jahrzehnte hinweg. „Rocky“ erzählt die klassische Geschichte welche Amerikaner immer wieder gerne über ihr Land hören: dass hier aus einem Niemand ein Jemand werden kann, dass hier jeder eine Chance hat. Und die Parallelereignisse zwischen Stallone und seiner Figur Rocky zeigen, dass in der Ausnahme an diesem Hoffnungsschimmer vieler Armer etwas dran ist. John G. Avildsens Film ist gut erzählt, er hätte keine zusätzliche Hilfe nötig um zu gefallen. Und doch puscht es das Sichten von „Rocky“ ungemein, dass dies der Start der Karriere des Autors und Hauptdarstellers Stallone war, und egal wie tief man es schafft in den Film einzutauchen, ein Hauch Stallone schimmert immer wieder in der Figur Rocky durch, was ich keinesfalls als Nachteil empfinde.

Ich bin ohnehin emotional an die komplette Filmreihe gebunden, empfand Wehmut beim nostalgischen Spin-Off „Creed“ und weinte kleine Tränen im überraschend großartigen „Rocky 6“. Ich konnte über „Rocky 4“ aufgrund seiner lächerlichen Extreme herzhaft lachen, ich empfand die Geschichte von „Rocky 3“ trotz des peinlichen Aufhängers des Auges des Tigers als äußerst reizvollen Fortsetzungsgedanken und selbst mit dem oft gescholtenen „Rocky 5“ konnte ich trotz zu extremer Klischees etwas anfangen, imponierte mir doch der Mut einen Rocky-Film lediglich mit einem Straßenkampf, anstatt mit einem großen Boxkampf enden zu lassen.

Bei meiner erneuten Sichtung des Erstlings nach etlichen Jahren versuchte ich „Rocky“ einmal nicht in der üblichen Euphorie zu sichten, die er üblicher Weise in mir auslöst. Ich wollte mit meiner seit damals angewachsenen cineastischen Erfahrung einmal einen möglichst objektiven, ehrlichen Blick auf jenes Sport-Drama werfen, welches so viele Menschen verzaubert hat. Und ich war überrascht wie extrem nüchtern der Film eigentlich erzählt ist. Relativ frei von Theatralik zeigt uns der Film mit Rocky einen Menschen, der weder charakterliches Vorzeigeideal der Gattung Mensch ist, noch ein sonderlich aufregendes Leben vor seinem Boxkampf mit dem Champion führt.

Man darf es Stallone hoch anrechnen, dass sein Drehbuch sich trotzdem in der ersten Hälfte einzig Zeit für die Nichtigkeiten in Rockys Leben gönnt. Erst nach dieser beginnt der Film mit dem Training für den bevorstehenden Kampf. Die Verantwortlichen für die Umsetzung von „Rocky“ erkannten das Potential der Figuren. Ja, es war ein Werk über den amerikanischen Traum, aber eben weil der Film sich nicht ziemlich direkt dieser Thematik widmet, erkennt man, dass den Köpfen hinter dem Filmprojekt bewusst war, welch starke Charaktere die Geschichte ausmachten, Charaktere die nach außen so gar nicht stark wirken. Rocky ist ein Prolet, der zwar ordentlich kämpft, in seinem Beruf aber nie den großen Sprung geschafft hat. Sein Auftreten ist zwar freundlich aber ordinär, seine Wirkung auf den Zuschauer keinesfalls sympathisch, höchstens etwas bemitleidenswert.

Das Unauffällige, geradezu Alltägliche in den Figuren Adrian, Mickey und Co übt diese Faszination innerhalb einer nichtig wirkenden ersten Stunde aus. Und wenn der Film gelegentlich zu Apollo Creed schwenkt, so wird selbst dieser doch ebenfalls nicht als großer Ungewöhnlicher gezeigt, den er im Showgeschäft so gerne spielen mag. Diese Bodenständigkeit tut schließlich der zweiten Hälfte des Filmes gut, die immerhin gewagt die Geschichte von einem Nobody erzählt, der den Champion im Boxen gewaltig ins Schwanken bringt und alles andere als ein leichter Gegner für zwischendurch ist. Die Bodenständigkeit sorgt für die Glaubwürdigkeit in dieser Hälfte, die bei anderer Herangehensweise leicht hätte ins Wanken geraten können.

Man merkt dem Autor und dem Regisseur an, dass ihnen der Stoff wertvoll erschien. Er wird mit größtem Respekt vor der Geschichte und den Charakteren umgesetzt. Etwas überrascht war ich von den Trainingssequenzen, hatte ich doch nicht mehr in Erinnerung, dass wir lediglich Rocky bei seinen Vorbereitungen beiwohnen, Apollos Training wird nicht gezeigt. Der Boxkampf wird schließlich zum Highlight des Streifens, so wie es sein soll, so dass „Rocky“ auch in diesem Punkt klassisches amerikanisches Erfolgs-Kino ist. „Rocky“ ist 70er Jahre Kino, er darf trotz großer Kinoauswertung noch langsam und in stillen Tönen erzählt sein. Diesen Luxus gönnte man sich damals noch, und deshalb schaut sich der Streifen auch kaum wie Mainstream, der er seinerzeit eigentlich war.

Rückblickend würde man ihn inszenatorisch aufgrund seiner emotional zurückhaltenden, so gar nicht dramatisch gepuschten, Art dem Europakino zuordnen. Lediglich die erzählte Geschichte drückt ihm endgültig den Amerikastempel auf. Somit ist „Rocky“ selbst dann noch ein beeindruckender Ausnahmefilm, wenn man Stallones Erfolgsgeschichte, die Fortsetzungen des Streifens, oder den Verweis auf den amerikanischen Traum kurzfristig wegblendet. Avildsen hat mit seiner sensiblen, realitätsnahen Umsetzung der Filmwelt ein besonderes Werk beschert. Und mit „Karate Kid“ bewies er im darauffolgenden Jahrzehnt, dass er ein gutes Sportler-Drama selbst dann noch beherrscht, wenn Moral, Kitsch und übermäßige Klischees, kurzum die typischen 80er Jahre-Krankheiten, die dem Kino nachhaltig schaden sollten, mit ins Geschehen treten.


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CREED - ROCKY'S LEGACY (Creed 2015 Ryan Coogler)


Adonis ist der Sohn von Apollo Creed und erst nach dessen Tod geboren. Schon als Kind war er stets in Prügeleien verwickelt. Obwohl er von Creeds Ehefrau adoptiert und auf den bürgerlichen Weg gebracht wird, wächst in Adonis das Verlangen Profi-Boxer zu werden. Er kontaktiert Rocky Balboa, in der Hoffnung dass dieser ihn trainiert. Der möchte zunächst zwar nicht, fasst sich aber dann doch ein Herz um aus dem engagierten Boxer das Bestmögliche herauszuholen. Als bekannt wird, dass Adonis der Sohn des berühmten Creed ist, bekommt er einen Kampf gegen den Weltmeister angeboten...


Rocky in der zweiten Reihe...

Auf die Geschichte von Creeds unehelichen Sohn, der wie sein Vater Boxer werden möchte, hat wohl kaum wer gewartet. „Rocky 6“ war sowohl inhaltlich, als auch vom Retro-Charme her ein überraschend gelungener Abschluss einer einem ans Herz gewachsenen Reihe, und da klang die Idee diese mittels eines Spin-Offs fortzusetzen, in welchem Rocky Balboa zur Nebenfigur eingesetzt wird, nicht gerade einladend. Aber was soll man sagen? Auch wenn „Creed“ nicht an den Vorgänger heranreicht, so ist er doch trotzdem ein sehenswerter Beitrag der Reihe geworden, Teil 1 zwar ähnlich wie „Das Erwachen der Macht“ ein wenig zu sehr imitierend, aber doch sympathisch genug umgesetzt, um ihm dies zu verzeihen.

Wie bereits im für Teil 6 in wichtigen Punkten ignorierten „Rocky 5“, so darf Balboa nun erneut einen jungen Boxer trainieren, kopiert dabei aber nicht die Geschichte des etwas zu Klischee-lastig ausgefallenen Vater-Sohn-Dramas, sondern setzt mit anderen Schwerpunkten versehen überraschend glaubwürdig die Geschichte des direkten Vorgängers „Rocky 6" fort. Adonis ist wie Rocky in seinem ersten Film zunächst nicht wirklich sympathisch zu nennen, aber hier wie dort schließen wir ihn in unser Herz, eben weil wir ihn im Laufe der Zeit näher kennen lernen dürfen, und damit befolgen die Verantwortlichen für „Creed“ die wichtigste Regel der Reihe: das persönliche Drama der Protagonisten steht über den Geschehnissen rund um den Kampfsport. Es geht um Persönlichkeiten, um Charaktere und nicht um seelenlose Kampfmaschinen oder hohle Figuren in menschlichen Hüllen.

Zwar fällt es auf dass es Hollywood verlernt hat seine Helden natürlich zeichnen zu können, Adonis wirkt weniger authentisch als der junge Rocky, aber die Geschichte lenkt von diesen Aspekt gut ab, zumal die Art wie Creed charakterisiert wird sich glaubwürdig der Geschichte fügt - ein Zustand den man damals nicht einmal hätte erwähnen müssen, der im heutigen Kino aber nicht mehr selbstverständlich ist. Zudem steht ihm Rocky stärkend zur Seite, und dessen Präsenz ist weit größer ausgefallen, als ich es in einem Spin-Off vermutet hätte. Zwar tritt Rocky zu Gunsten Creeds in den Hintergrund, aber seiner Geschichte wird fast ebenso viel Beachtung geschenkt, wie jener von Adonis.

Sylvester Stallone kann die Rolle, die ihn einst berühmt machte, im Schlaf spielen und beeindruckt mit dieser Performance immer wieder. Seine Interpretation des mittlerweile über sieben Filme wachsenden Charakters ist der Erfolgsschlüssel dazu, den Helden noch so Klischee strotzende Geschichten durchschreiten zu lassen, am Ende tritt er wie in seinen Kämpfen als Sieger hervor, insofern als dass er selbst inmitten von Unglaubwürdigkeit wie ein greifbarer, echter Mensch wirkt. Die Thematisierung seines Krebsleidens in diesem Teil 7 hätte schnell als theatralisches Dramen-Klischee fehlzünden können, aber es ist die uns mittlerweile stark bekannte innere Orientierung der Rocky-Figur, die solch ein unbequem klingendes Thema zu einem interessanten und emotional nachvollziehbarem Stück Rocky-Biographie macht, ohne dabei einen bitteren Nachgeschmack zu versprühen.

„Creed“ ist versehen mit Anspielungen auf die Vorgänger, manches Mal augenzweinkernd gemeint, manches Mal wehmütig, so dass es auch Ryan Coogles Werk schafft, den Zuschauer nostalgisch zu packen, den Kopf darüber zu schütteln wieviel Zeit doch seit damals vergangen ist, und über all die Charaktere nachzudenken, die im Laufe der Fortsetzungen ihr Leben lassen mussten. Denn genau dies ist kein Nebenaspekt in „Creed“, durch die Figur des Sohnes Apollos gedenkt der Film bewusst den Verstorbenen, begleitet von Gedanken an Adrian, Pauly und Co, die trotz ihres Fernbleibens noch immer das Handeln Rockys, und damit die Handlung des Filmes, beeinflussen.

„Creed“ sieht sich aufgrund der Rückbesinnung auf liebgewonnene Menschen, die nicht mehr unter uns weilen, als Plädoyer davor, dass nicht nur die biologische Familie Familie ist. Es ist der gemeinsame Lebensweg der einen verbrüdern kann. Und wenn auf einem solchen fußend überraschend an Deine Tür geklopft wird, um Familienrechte einzufordern, dann ist Dein Charakter gefragt. Und Rocky war schon immer das Spiegelbild des Zuschauergewissens. Die „Rocky“-Reihe lehrte uns stets das Richtige zu tun, ohne seine Moral dabei zu bitter oder zu streng zu vermitteln. Rocky beweist in „Creed“ (vielleicht ein letztes Mal) Menschlichkeit. Hilfsbereitschaft hört auch im Alter nicht auf, selbst dann wenn man selbst hilfsbedürftig geworden ist. Und „Creed“ zeigt dass diese Pflicht etwas sehr Schönes sein kann.


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Dienstag, 16. Mai 2017

THE RIG (2010 Peter Atencio)


Bei starkem Unwetter geht auf einer Ölplattform ein Seeungeheuer um und tötet die dort arbeitenden Menschen...


Das unheimliche Wesen aus einer feuchten Welt...

Zu Zeiten von „Targoor“, Anfang der 80er Jahre, schien es noch recht reizvoll zu sein den Erfolg „Alien“ zu kopieren. Und auch wenn derlei Aktionen bis heute nicht minder häufig angegangen werden als damals: je mehr Zeit vergeht, desto gelangweilter reagiert man auf alternative Kreaturen, die Gigers Schöpfung kopieren wollen, eingepackt in eine Billigproduktion meist unmotivierter Filmschaffender, die auch etwas vom nimmer enden wollenden Geldkuchen abhaben wollen. So wenig wie die mit Ridley Scotts Film begonnene Kinoreihe enden will (zur Zeit dieser Review startet gerade „Alien Covenant“ in den Kinos), so wenig endet der Versuch mit Blaupausen der dort tätigen Kreatur auf dem Heimvideomarkt Geld zu scheffeln.

Zwar grast Peter Atencio nur die grundlegenden Klischees der immer wiedergekäuerten Monsterfilmchen ab, gerade jener einfallslosen Generation der SyFy-CGI-Genrebeiträge, auf wundersame Art schafft er es jedoch, dass man seine Abziehbilder tatsächlicher Charaktere sympathischer findet als sie es eigentlich wert sind. Ein verständnisvoller Papa, eine taffe Tochter, ein verängstigter Koch, ja selbst der unter der Dusche fickende Prolet, der vor lauter Beischlaf von den Ereignissen auf der Bohrinsel lange Zeit nichts mitbekommt, bekommt gerade ebenso den Bogen zur halbwegs greifbaren Figur. Lediglich die überempanzipierte Agro-Truller, mit der er pimpert, bleibt einem bei ihrer arroganten wie aggressiven Art absolut unsympathisch.

Damit hätte der Film sich bei einer Lauflänge von 50 Minuten über Wasser halten können, aber so sehr wie Richtung 40. Minute langsam Desinteresse beim Zuschauen aufkommt, will das noch halbwegs mittelmäßige Szenario anvisiert auf eine TV-gängige Spielfilm-Laufzeit dann aber doch nicht genug funktionieren, als dass man das viel zu monotone und sich ewig wiederholende Treiben in langweiliger Kulisse tatsächlich auch nur ansatzweise interessiert verfolgen könnte. Und wenn der Haupttrumpf des Drehbuchs dann lediglich darin besteht, dass die Helden nach einer Stunde erkennen, dass sie es mit zwei Kreaturen anstatt mit einer zu tun haben, dann weiß man was man von einem Werk wie „The Platform“ (Alternativtitel) zu halten hat.

Ich bin bei derlei billigen Monsterfilm-Produktionen nun wahrlich oft sehr großzügig mit meinen Besprechungen, eben weil mein Herz seit Kindheit an im Monsterfilm-Bereich schlägt, und ich auch im schnell heruntergekurbelten CGI-Bereich, der von anderen Monsterfilm-Fans so gar nicht gemocht wird, immer wieder den ein oder anderen sympathischen Gehversuch zu entdecken meine. Aber wenn alles so lustlos heruntergekurbelt ist wie in diesem innovationsfreien Stück Langeweile, dann nutzt es auch herzlich wenig, dass die Pseudo-Charaktere zu Beginn mehr Sympathie ausstrahlten als ihre leblose Körperhüllen-Konkurrenz vergleichbarer Streifen. Manch einer von diesen funktionierte mit weniger wirksamer Figurenzeichnungen gar mehr als Atencios Schlaftablette wirksamerer mauer Helden.


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AMPHIBIOUS (2010 Brian Yuzna)


Auf einer schwimmenden Anglerinsel vor Indonesien, auf welcher Kinder unter üblen Bedingungen arbeiten müssen, sind nicht einmal mehr die Unterdrücker sicher, als das aus Holz zusammengezimmerte Konstrukt Tatort der Attacke eines riesigen Skorpions wird. Eine Meeresbiologin und ein Kapitän geraten per Zufall mitten ins Geschehen, als die Bestie gerade die letzten Überlebenden in Schach hält...


Die Magie der Riesenskorpione...

Mit Ruhm hat sich Brian Yuzna mit seiner selbst produzierten Regiearbeit „Amphibious“ nicht bekleckert. Andererseits hat er mit Werken wie „Beneath Still Waters“ und „Rottweiler“ schon weitaus schlechteres abgeliefert. Ohnehin ist er nicht der Horror-Guru der 80er Jahre, wie es manchmal scheint, besitzt Yuzna doch eher das Talent gute Werke wie „Dolls“, „Re-Animator“ und Co zu produzieren. Sitzt er selbst auf dem Regiestuhl kommt eigentlich nie etwas wirklich Geglücktes heraus. Dementsprechend braucht es nicht verwundern, dass sich Yuzna mittlerweile den Begebenheiten der Zeit gefügt hat und nun nahe dem Stil der SyFy-Tier-Produktionen arbeitet, ein Vergleich der sich aufgrund der Thematik und des kostengünstig animierten Monsters geradezu aufdrängt.

Eine Spur besser ist sein Werk im Vergleich dennoch ausgefallen. Und das liegt nicht nur an einer interessanteren Ausgangssituation zum Thema Zwangsarbeit, ein Aufhänger der sich trotzdem ziemlich schnell dem üblichen Handlungsablauf derartiger Schnellschuss-Produktionen fügt, hauptsächlich weiß der in 3D vermarktete „Amphibious“ zu gefallen, weil er Computereffekte mit handgemachten mixt. Und da kommen für eine FSK 16 schon einige derbe Bilder bei rum, die 80er Jahre-Charme mit dem Pixelpulp der 00er Jahre mixt. Nur wenigen wird dies gefallen, aber wer den Unterschied erkennt, wird in der Regel dankbar dafür sein.

Bevor der Skorpion in Ganzaufnahme erscheint, weiß er sogar per CGI zu gefallen, dann werden Menschen lediglich von seinem Stachelschwanz attackiert, und wenn dieser aus dem Meer ragt erinnert dies sogar fast an den Klassiker „Alarm für Sperrzone 7“, eine Zeit lang dachte ich augfrund der teilweise schwer einzuordnenden Animation gar, es mit mehreren Viechern dieser Art zu tun zu haben. Aber es ist tatsächlich nur ein Riesenskorpion, und was es mit dem auf sich hat weiß eigentlich nur Yuznas selbst. Der hat an der Geschichte mitgeschrieben, und diese verrät nie so genau ob die Kreatur nun per Magie oder per Erdbeben erweckt wurde.

So holpert das Konstrukt auch gerne voller Widersprüche, wenn die Kreatur mal als Rächer agiert und dann wieder willkürlich Menschen angreift. Da wir es hier aber mit einer äußerst günstigen 08/15-Produktion zu tun haben, ist jeglicher Gedanke über Sinn und Unsinn ohnehin verschwendete Zeit. Einem Werk wie „Deep Water“ (Alternativtitel) sollte man sich aufgeschlossen und geistlos hingeben, und dann kann er als sympathisches Mittelmaß Vielsehern des Tier-Horrors tatsächlich gefallen, weiß doch so mancher Darsteller hier und da etwas zu retten. Und für den Rest sorgen die Effekte.

Sicherlich gibt es x bessere Horrorfilme, die man stattdessen sichten könnte. „Sea Tremors“ (Alternativtitel) ist nichts was im Gedächtnis hängen bleibt. Aber irgendwie finde ich ihn doch wieder zu sympathisch, als dass ich ihn lediglich als maues Mittelmaß bezeichnen könnte. Dafür versucht Yuzna wiederum viel zu sehr den besagten Hauch mehr zu bieten, als es die lustlos heruntergekurbelten Fließbandproduktionen von SyFy abliefern. Wer nicht zu viel erwartet, kann auf simpler Basis angenehm überrascht werden. Dass „Amphibious“ nur etwas für den geschulten Dauergast der CGI-Monsterfilmchen geworden ist, ist jedoch kein Geheimnis. Bei jedem anderen Publikum wird er lediglich ein Achselzucken ernten.


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