Dienstag, 21. Februar 2017

DRACULAS RÜCKKEHR (Dracula Has Risen from the Grave 1968 Freddie Francis)


Weil er die Eingangstür des Schlosses mit einem Kreuz für den Blutsauger unbewohnbar gemacht hat, nimmt Graf Dracula Rache an Monsignore Müller, indem er dessen Nichte unter seine Gewalt bringt. Da er selbst zu sehr schwächelt um den Kampf gegen seinen Erzfeind aufzunehmen, benötigt der Monsignore Hilfe vom Geliebten seiner Nichte. Da ist es nicht gerade hilfreich, dass dieser ein Atheist ist...


Der Mann mit den blutroten Augen...

Draculas zweite Rückkehr, in der dritten Fortsetzung der Hammerstudio-Version von „Dracula“, ist erstmals nicht von Terence Fisher inszeniert. Ihn ersetzt Freddie Francis, der ebenfalls Stammregiseur besagter britischer Filmschmiede war. Da ich „Blut für Dracula“, den Vorgänger des hier besprochenen Filmes, noch nicht sehen konnte, kann ich nicht beurteilen wie Draculas erste Rückkehr ausgefallen ist. Die Art wie der Graf in „Draculas Rückkehr“ in Szene gesetzt wird, ist zumindest leider nicht mehr halb so wirkungsreich wie im Originalfilm aus dem Jahre 1958.

Dracula ist nicht mehr dieses gierige Monster, dessen Menschlichkeit wie eine Verkleidung wirkte. Die Kamera fängt weder ihn noch seine blutroten Augen in Nahaufnahme erschreckend ein. Spielt Christopher Lee mit halber Backe? Ich weiß es nicht. Aber wahre Wirkung entfaltet der Vampir ironischer Weise erst dann, wenn er stirbt. Dann ist er mit dem Blut um die Augen toll zurecht gemacht, während Lee mit einem bitteren Blick den sterbenden Grafen mimt. Zuvor gab es gar Szenen, in denen er lächerlich wirkte, machte es doch den Eindruck man würde sich in einem Klamaukfilm befinden, sobald Dracula wie irre eine Kutsche lenkt, was immerhin zwei Mal im Film geschieht.

Aber das sind die Tiefpunkte in einem sonst recht unterhaltsamen Film, dem die Intensität des Originals fehlt und der harmlose Charme der ersten Fortsetzung „Dracula und seine Bräute“, der mir im Vergleich besser gefiel. Aber „Dracula‘s Revenge“ (Alternativtitel) besitzt eigene Stärken, wenn auch nicht beim Blutsauger selbst. Während bereits die eigentliche, harmlose Lovestory inklusive eifersüchtigem Sidekick zu gefallen weiß, wird die Story um zwei Asse im Ärmel bereichert. Zum einen tritt ein Atheist den Kampf gegen den Blutsauger an, was die Sache extrem erschwert, zum anderen ist es ein Priester, den Dracula zu seinem Lakaien macht, was von Francis recht reichhaltig ausgekostet wird, so oft wie der Abtrünnige den Wolf im Schafspelz verkörpern darf.

Zwar ist seine Rolle wahrlich tragisch angelegt, immerhin besitzt der Priester im Gegensatz zu vielen anderen Vampirfilm-Gehilfen Momente der eigenen Gedanken (was schließlich auch hilfreich für den Finalkampf wird), aber unter der Macht von Dracula stehend muss er quasi am eigenen Leib darunter leiden, wie er seinen eigenen Glauben mit Füßen tritt und Menschen schadet denen er nicht schaden will. So bleibt er eine traurige Figur selbst dann, wenn er den Willen des Grafen erfüllt, weiß umgekehrt aber auch durch diese durch Reue harmlose Außenwirkung in der Schurkenrolle zu gefallen, wenn alle anderen glauben sie hätten mit dem Priester wen Hilfreiches an ihrer Seite.

Dies plus einige kleine Gimmicks, wie dem Treiben auf den Dächern der Stadt, welches zu einem wichtigen Element des Filmes wird, macht aus „Draculas Rückkehr“, trotz des eher schwachen Einsatzes von Christopher Lee, einen angenehmen Film, der zwar etwas Zeit benötigt um in Fahrt zu kommen und aufgrund unnötiger Fehler, wie einer tageshellen Nachtszene, in welcher Dracula der Dorfschlampe auflauert, sich auch an anderer Stelle schwer tut, aber letztendlich doch ein angenehmer Vertreter der Gattung Horrorfilm ist, vorausgesetzt man mag auch die harmlos ausgefallenen Varianten von einst, die heutzutage niemanden mehr erschrecken und auch für ihre Zeit recht zahm ausgefallen sind.


Weitere Reviews zum Film: 

Montag, 20. Februar 2017

DRACULA UND SEINE BRÄUTE (The Brides of Dracula 1960 Terence Fisher)


Auf ihrer Reise in ein Mädcheninternat landet die junge Lehrerin Marianne aufgrund veränderter Umstände im Schloss der Gräfin Meinster. Dort stößt sie nachts in einem anderen Teil des Schlosses auf den heimlich weggesperrten Sohn der Gräfin. Sie befreit ihn, ohne zu ahnen dass sie damit einen Vampir auf die Menschen in der Umgebung losgelassen hat. Denen kann nun nur noch Dr. van Helsing helfen, der seinerzeit bereits Dracula ins Jenseits befördert hat...


Graf Meinster und seine Bräute...

Die erste von insgesamt acht Fortsetzunges des legendären Hammer-Erfolges „Dracula“ mit Christopher Lee sollte ebenfalls wieder, ebenso wie die zweite Fortsetzung „Blut für Dracula“, von Terence Fisher umgesetzt werden, der bereits das Original von 1958 schuf. Auch wenn sowohl der deutsche, als auch der englische Originaltitel „The Brides of Dracula“ den getöteten Grafen des ersten Filmes im Titel erwähnen, so taucht dieser in der ersten Fortsetzung doch gar nicht auf. Er ist nicht einmal relevant für die weiblichen Nachkommen im Titel, werden diese doch durch den bereits viele Jahre als Vampir infizierten jungen Grafen Meinster zu Geschöpfen der Nacht, womit sie seine Bräute sind und nicht die seiner berühmteren Konkurrenz.

Ein wirklicher Konkurrent ist David Peel als Meinster freilich nicht, legt er seine Rolle doch weit weniger düster an als es Christopher Lee tat. Ob das eine Entscheidung von ihm oder von Terence Fisher war, lässt sich schwer feststellen, zumindest passt sein Stil der Darbietung zur Restinszenierung, die sich sehr dem klassischen, fast schon naiven, Vampirstoff hergibt. Modern ist es nicht, was man hier zu sehen bekommt. Wie die Vampire erwachen, mit ihren spitzen Zähnchen die Menschen anzischen, wie Meinster per Hypnose verführt, vor Kreuzen zurückschreckt und die Vampire in ihren Särgen hausen, „Dracula und seine Bräute“ ist höchst klassisch und harmlos ausgefallen, keinesfalls gruselig oder zumindest so düster ausgefallen wie der Vorgänger, zieht meiner Meinung nach aber gerade daraus seinen eigenen Reiz.

Einzig jene Szene ist etwas moderner ausgefallen, in welcher Dr. van Helsing völlig unerwartet selbst von einem Vampir gebissen wird, und er daraufhin zu drastischen Mitteln der Selbstheilung greift. Ohnehin hat es diese Phase kurz vor Schluss in sich, ist doch auch die Methode mit welcher es der gebildete Vampirjäger schließlich schafft Meinster endgültig ins Jenseits zu befördern eine sehr interessante, und besonders schön für unvorbereitete Menschen wie mich zu schauen, die sich bei dem Handlungsort einer Windmühle nichts weiter gedacht haben.

Wie auch immer, so naiv der Plot dieses wunderschönen Vampirfilmes auch ausgefallen ist, die Optik dieser etwas schlichter angegangenen Fortsetzung bietet das was man sich von einem Genrebeitrag der legendären Hammer-Studios grundsätzlich erhofft: stimmige Studioaufnahmen, reichhaltige Dekorationen, und klassische Handlungsorte wie Schloss, Friedhof, Kutschfahrt durch den Wald und final wie erwähnt eine Windmühle. Das kann sich alles sehen lassen, sorgt für eine stimmige Umsetzung, wie bereits betont zwar frei von Grusel, aber durchaus mit gothischem Charme umgesetzt. Wem das reicht und wer auf die Härte des Vorgängers verzichten kann, der wird auf klassische Art bestens unterhalten.


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 19. Februar 2017

MAREBITO (2004 Takashi Shimizu)


Der Kameramann Masukoa ist fasziniert vom Erschreckendem im Leben, sammelt Aufnahmen verstörter Menschen, während er selbst fast lethargisch gefühlsarm durchs Leben geht. Von der Aufnahme eines Selbstmörders fasziniert, stößt er in den Tiefen der U-Bahn-Station, wo der Suizid stattfand, auf eine unheimliche Welt unter der Stadt. Dort trifft er auf eine angekettete, nackte, junge Frau, die er von der Unterwelt hoch in die seine nimmt. Zu Hause erforscht er die Befreite, von der er nicht weiß ob sie Mensch oder Kreatur ist...


Unter Wasser waren wir klüger...

Beim Sichten des hier besprochenen Werkes, das eine Art Mix aus Geisterhorror und Psychopathenfilm sein soll, sind mir mehrere (teilweise erst nach „Marebito" entstandene) Parallelstoffe eingefallen, die phasenweise immer Pate für den jeweiligen Schwerpunkt der Geschichte sind. Da sind Elemente aus „Baby Blood“, „Deadgirl“, „Der kleine Horrorladen“, „Alice im Wunderland“, „Nell", „Freeze Frame“, „Silk“ sowie diverse Filme über Wahnsinnige und Geisterwelten enthalten, quasi ein Mix der es in sich hat, aber trotzdem keinen großen Film hervorbringt. Je nach Phase schaut sich das Werk des Regisseurs Takashi Shimizu, der auch „Shock Labyrinth“, sowie „Ju-on“ im Original, im Remake und in diversen Fortsetzungen gedreht hat, stets unterschiedlich interessant.

Den nüchtern erzählten Part erfährt man zu Beginn, wenn wir den dokumentatorischen Worten der Hauptfigur lauschen, viele Aufnahmen aus der Perspektive seiner Videokamera vorgesetzt bekommen und etwas zu schwerfällig in den Stoff eingeleitet werden. Umständlich, ja geradezu wunderlich und verwirrend wird die Geschichte beim Abstieg in die Phantomwelt, bei der man nie weiß wie der gute Mann nun darauf kommt es mit einer Geisterwelt zu tun zu haben. Erst als er auf den quicklebendigen Selbstmörder trifft, scheint es dafür einen Beweis zu geben. Aber bereits hier stellt sich die Frage ob Masukoa etwas Ungewöhnliches erlebt, oder ob aus dem nah an einer Geisteskrankheit angesiedelten Sonderling ein wahrhaft Wahnsinniger geworden ist.

Wirklich interessant wird „Stranger from Afar“ (Alternativtitel) erst in seiner bodenständigeren Phase, wenn der Film sich in einen Forscherfilm a la „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ wandelt, dürfen wir doch nun das Wesen kennen lernen, welches Masukoa schlicht F nennt und mittels moderner Technik stets unter Beobachtung hält. Ist F eine Frau, der Schreckliches zugestoßen ist? Oder ist sie ein fremdes Wesen? Hat sie ihr merkwürdiges Verhalten deswegen weil sie von etwas Unmenschlichem großgezogen wurde, oder ist nur ihr Aussehen menschlich?

Dass dieser an Fakten gekettete Part nicht das ist was er zu sein scheint, erfährt man erst mit der Zeit. Zumindest stößt der Protagonist nun auf einige wertvolle Informationen über das Wesen, u.a. auch darauf wovon sie sich ernährt, und da beginnt nun die Phase der Selbstzerstörung und endgültig die des Wahnsinns, wird Masukoa doch für F zum Mörder, bis er aus diesem Teufelskreis als Ernährer einer Kreatur schließlich die Flucht ergreift und weit von daheim als Einsiedler unter lauter Obdachlosen versucht sich selbst zu finden.

Erst hier erfahren wir die Wahrheit über die miterlebten Geschehnisse, dessen Masukoa sich im Gegensatz zu uns stets bewusst war. Einige Momenten flammten zuvor auf, in welchen sich Vermutungen auftaten, die nun bestätigt werden, und das komplette Geschehen steht damit final in einem anderen Licht als zuvor. Allerdings ist es, wie erwähnt, weder eine schockierend unerwartete Überraschung, noch sorgt der andere Blick auf die Dinge für einen intelligenten Wandel. Die Sachlage ist einfach eine andere. Punkt und aus. Das kann man so annehmen und sich für gedankenlose, wandlungsreiche 90 Minuten der Unterhaltung bedanken, oder man bleibt enttäuscht zurück, nicht wissend was uns Shimizu mit dem Film überhaupt sagen wollte. Vielleicht verrät er es in dem ebenfalls auf der DVD enthaltendem Interview. Auf dieses hatte ich trotz solider Unterhaltung allerdings keine Lust mehr, dafür ist mir „Marebito“ dann doch zu austauschbar ausgefallen.


Weitere Reviews zum Film: 

DIE RÜCKKEHR DER ZEITMASCHINE (1984 Jürgen Klauß)


Ein Arzt entdeckt in den 20er Jahren im Hinterzimmer eines Trödelladens eine Zeitmaschine und ersteht diese. Herzkrank wie er ist kann der Internist die Reise nicht persönlich angehen, also sucht er gemeinsam mit Freunden nach einer Person, die sie 100 Jahre in die Zukunft schicken können. Nach kurzer Suche ist jemand relativ Unentschlossenes gefunden, aber man bekommt ihn schließlich doch noch überredet auf Reisen zu gehen. Zurückgeblieben im Jahr 1925 warten die Herren nun auf die Rückkehr ihres Zeitreisenden...


Ein Fremder kehrt zurück...

Leicht angelehnt an H.G. Wells‘ berühmten Roman und George Pals Verfilmung „Die Zeitmaschine“, erschien in den 80er Jahren ein recht interessant klingendes Produkt aus Deutschland, welches mittlerweile sogar den Weg auf den DVD-Markt gefunden hat. „Die Rückkehr der Zeitmaschine“, wie das Stück so reizvoll heißt, entpuppte sich schnell als etwas völlig anderes als von mir erwartet, handelt es sich doch um keinen Film, sondern um ein kostengünstig produziertes Fernsehspiel, so wie z.B. auch „Tagebuch eines Frauenmörders“ eines war.

Bei dem aufgedrehten Spiel der beiden zuerst auftauchenden Figuren, hätte man noch eine Komödie vermutet, werden die Charaktere doch überdreht agierend präsentiert, einen Hang zum Klamauk in sich tragend. Die später hinzugestoßenen Figuren bringen aufgrund des ruhiger werdenden Szenarios diese Eigenschaft auf reduzierte Art mit, aber sie schwebt noch immer im Raum, die affige, realitätsferne Übertreibung eines jeden Mitwirkenden. Jeder Darsteller soll eine Parodie des von ihm verkörperten Figurentyps darstellen, was in seiner zu gestellten Art bereits nicht funktioniert. Im Kontext mit der auf Drama orientierten Geschichte macht dieser Ansatz zusätzlich jedoch gar keinen Sinn, so dass sich eine Ernüchterung über das Produkt bereits breit macht, noch bevor das Interesse der Geschichte schwindet.

Dieses wird nie ganz hoch gehalten, so penetrant wie man Zeit schindet. Eine Erwartungshaltung aufbauen wollen, ein Thema vertiefen und Figuren intensiv vorstellen wollen sind alles positive Eigenschaften, aber wenn der Erzählfluss darunter so intensiv leidet, wie hier geschehen, dann ist das nur noch ärgerlich zu nennen. Mit einer Laufzeit von über 110 Minuten überfordert dies die Aufnehmungskraft jener Zuschauer, die auf leichte Unterhaltung hoffen. Wer eher etwas Philosophisches erwartert, bekommt aber ebenfalls eine Geduldsprobe präsentiert, dauert es doch eine gefühlte Ewigkeit bis endlich über das Reisen in die Zeit etwas tiefgründiger gesprochen wird.

Da warten sie nun auf die Rückkehr ihres Zeitreisenden und kommen ins Gespräch. Ich wurde endlich neugierig und hoffte gar darauf, dass sich „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ zumindest den Kniff gönnt es bei diesem Szenario zu belassen und den Rest von den Dialogen und somit der Vorstellungskraft der Zurückgebliebenen zu zehren - was zugegebener Maßen bei der uninteressanten Charakterzeichnung der Gruppe selbst bei besserem Ergebnis eine wackelige Angelegenheit gewesen wäre. Aber diese erhoffte Phase der Erzählung ist nur von kurzer Dauer, kehrt die Zeitmaschine kurz darauf doch noch zurück - jedoch mit einer fremden Person an Bord.

Mit diesem unerwarteten Kniff gewann das müde Projekt endlich mein Interesse zurück, aber nun muss man leider warten bis der Rückkehrer auch endlich erzählen kann wer er ist, warum er die Zeitmaschine bedient hat und wie die Welt in 100 Jahren aussieht. Redet er endlich, kommen die Antworten zaghaft aus ihm heraus. Dass manches von ihm Gesprochene den Ohren der Menschen aus dem Jahr 1925, und auch jenen des Zuschauers von heute, rätselhaft klingt und mehr Fragen anstatt Antworten aufwirft, gehört zu einer der wenigen Stärken von „Die Rückkehr der Zeitmaschine“, findet jedoch zu einem Zeitpunkt statt, in welchem der Geduldsfaden des Zuschauers hauchdünn geworden ist, so dass diese Eigenschaft eher eine theoretische Stärke ist, anstatt eine die nun den Unterhaltungswert tatsächlich bereichern würde.

Über den Einfallsreichtum dessen was die Leute mit ihren unterschiedlichen Fachrichtungen nun aus dem Zeitreisenden herauskitzeln, vergleichbar mit dem Szenario aus „Man From Earth“, kann man nun unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich fand das aufgezeichnete Zukunftsbild zu konstruiert darauf gesetzt pseudo-philosophisch über den Verlust von Freiheit und Individuum debatieren zu wollen, wahrer Tiefsinn sieht anders aus, aber das wird manch Anderer sicher anders sehen können/wollen. Wie auch immer: auch diese interessanteste Phase des Stoffes ist nicht das Gelbe vom Ei, so dass ich bis zum Schluss von „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ enttäuscht wurde, so sehr sogar, dass mir die Vorstellung dessen, was man mit diesem Fernsehspiel versucht hat, nicht einmal theoretisch gefallen oder imponiert hat.


Weitere Reviews zum Film: 

Samstag, 18. Februar 2017

DIE ZEITMASCHINE (The Time Machine 1960 George Pal)


Der Erfinder H.G. Wells reist im Jahr 1899 mit einer selbst entwickelten Zeitmaschine in die Zukunft, um dem Kriegstreiben der Menschen zu entgehen. Doch anstatt Frieden zu stiften werden die Ideen einander zu zerstören im Laufe der Jahre immer gewaltiger. Als eine Atombombe im dritten Weltkrieg alles zerschmilzt was der Mensch erschaffen hat und Wells in seiner Zeitmaschine sitzend in einem Berg eingeschlossen wird, dauert es bis zum Jahre 802701 bis er wieder hinaus kommt. Das Leben unter den Menschen scheint in dieser fernen Zukunft friedlicher geworden zu sein, doch der Schein trügt...


Hilfe für die Elois...

Alle Jahre wieder krame ich mir diesen wunderschönen Science Fiction-Klassiker hervor und lasse mich von ihm verzaubern. Das mag etwas verträumt klingen für einen Kriegs-kritischen Film mit düsteren Aussichten für die Zukunft, doch mag „Die Zeitmaschine“ auch nicht „Das zauberhafte Land“ sein, wie für die 50er Jahre typisch wurde der Film stilistisch wie ein Märchen für Erwachsene angegangen, das Staunen und die Faszination des Unfassbaren ins Zentrum setzend und weniger die technische Raffinesse und der Hang zur Authentizität. Und es ist genau diese Art der Herangehensweise, welche George Pals erste von bislang drei Verfilmungen zu einem solch sehenswerten Film macht.

Pal richtet sich an das Kind im Manne, an den Abenteuerlustigen in uns bei dem Gedanken durch die Zeit reisen zu können, in eine ungewisse Zukunft. Das zeigt sich allein schon an der kunterbunt verspielt aussehenden Zeitmaschine selbst, die, wenn auch professioneller zusammengezimmert, der Wunschmaschine im Kinderstoff „Das Sams“ von der Augsburger Puppenkiste von seiner zauberhaften Wirkung her in nichts nachsteht. Wie sie funktioniert wird nie erörtert, das würde dem magischen Schleier des Märchens schaden.

Trickreich setzt die Geschichte bereits im Erscheinungsjahr in dessen Vergangenheit an, so das erste Entdeckungen des Protagonisten dem Zuschauer bereits bekannt sind. Um so erschreckender wird Wells‘ Ausflug in die uns nahe unbekannte Zukunft, prophezeit sie dort doch das Ende der Zivilisation durch eine Atomexplosion im dritten Weltkrieg. Doch so unverschönt und hart der Film auch in dieser Phase mit uns ins Gericht gehen mag, auch hier liegt ein gewisser Zauber anstatt eines zu strengen Tones in der Luft, herbeigeführt durch die Melancholie des Wiedersehens eines Bekannten. Und als dieser sich über den nicht gealterten Helden wundert, ist er wieder da, der Zauber des Unbekannten, die Verführung des Unmöglichen, also jener Ton, der den Träumer in uns anspricht und nicht den Gesellschaftskritiker.

Weiterhin konsequent den Träumer in uns ansprechend ist man auch im weiteren Verlauf der Zeitreise. Ebenso wie in der literarischen Vorlage, so landet Wells schlussendlich nicht in einer popelig fernen Zukunft 1000 Jahre später, sondern jeden Abenteurer in uns hochschrecken und neugierig werden lassend im Jahre 802701, wo die eigentliche Geschichte nun Fuß fasst und sich als eine Art Menschheits-Drama präsentiert. Zwar existiert die Menschheit noch, aber alles Kultivierte, die Wissenschaft, die Kunst, die Ethik, alles was den Menschen als wertvolles Wesen ausmachte ist vergangen. Wells stößt auf eine ungebildete, egoistische und ignorante Gesellschaft, und er sieht es als seine Aufgabe an diese Zustände zu ändern.

Hier verhält sich Wells nicht so dominant wie ein Captain Kirk aus „Raumschiff Enterprise“, der eine Gesellschaft vorverurteilt. Zwar beginnt auch Wells zu schimpfen, aber er revidiert diese aus dem Affekt entstandene Reaktion, ist ihm doch klar dass die Elois, wie die Menschen sich in der Zukunft nennen, nichts für ihren Zustand können und dumm gehalten werden - von den Morlocks, monströse unter der Erde lebende Menschen, die Wells noch kennen lernen wird. Sie versorgen die Elois und bewaren dort unten ein düsteres Geheimnis. Man kann sich denken welchen Zweck die friedlichen Elois für die bösen Morlocks haben, diese Vorhersehbarkeit macht die Erlebnisse Wells‘ jedoch nicht uninteressant. Die charakterlich Schwarz/Weiß gezeichnete Trennung der zwei Menschenarten unterstreicht noch einmal den naiven Charme der Geschichte, der klar macht, dass ein solches Werk meiner Meinung nach märchenhaft erzählt werden muss, anstatt es intellektueller oder quantitativ erwachsener umzusetzen.

Wie auch immer, Wells mischt sich aus anderen Gründen ins Geschehen ein, als es der Egomane Kirk tun würde, so dass die Mission Wells, wenn dieser erneut von der Vergangenheit in die ferne Zukunft reist, eine edle zu sein scheint, aber auch ein abenteuerliches Unterfangen, welches durchaus scheitern kann. Vieles der Fantasie des Zuschauers überlassend schließt der Film mit einer verträumt zum Nachdenken anregenden Frage: Welche Bücher hätten sie mitgenommen? Somit schließt der Film so verspielt, den kleinen Entdecker im Erwachsenen ansprechend, wie er die ganze Zeit über war und hinterlässt ein gutes Gefühl beim Zuschauer.

Dieser ist aufgrund der verträumten Verharmlosung und der Naivität des Stoffes keineswegs unterfordert worden. Ganz im Gegenteil: die Ruhe mit welcher die Geschichte in ihrem vereinfachtem Miniaturkosmos erzählt wird, die nostalgisch anmutenden Spezialeffekte und Masken, die Charme anstatt spöttisches Lästern versprühen und das Herz am rechten Fleck machen „The Time Machine“ (Originaltitel) zu einem besonderen Seherlebnis, zu einem Evergreen des phantastischen Films und damit zu einem der größten und wertvollsten Science Fiction-Filme seiner Zeit.


Weitere Reviews zum Film: