Samstag, 3. Dezember 2016

TOCHTER DES BÖSEN (The Child 1977 Robert Voskanian)


Alice kehrt in ihre Heimat zurück, da sie dort einen Babysitterjob angenommen hat. In den heimischen Wäldern lauern mörderische Kreaturen, die mit dem zu beaufsichtigendem Kind in Kontakt zu stehen scheinen...


Rosalies Babysitter...

Unter Zombiefilm-Freunden erfreut sich „Tochter des Bösen“ keiner sonderlichen Beliebtheit, was sicherlich u.a. darauf zurückzuführen ist, dass besagter Film seine Zombieidentität erst 20 Minuten vor Schluss lüftet und erst dann das klassische Szenario präsentiert, welches man mit diesem Sub-Genre in Verbindung bringt. Gekonnt hält man hierbei die Ballance aus dem gerade modern gewordenen Zombiefilm und dem klassischen, welches die Wesen als Befehlsempfänger versteht.

Hauptsächlich wird „The Child“ (Originaltitel) jedoch deswegen nicht gemocht, weil er es einem schwer macht sich mit ihm anzufreunden, hält Regisseur Robert Vaskanian, für den der Streifen seine einzige Regiearbeit bleiben sollte, doch stets eine Distanz zum Zuschauer, der es nie schafft in das simple Treiben einzusteigen. Das soll er auch scheinbar nicht, so merkwürdig wie die Schnitte und Kameraperspektiven gesetzt sind, so konfus wie die Menschen miteinander reden und die einzelnen Szenen aufeinander abgestimmt sind. Auch überrascht der merkwürdige Sound-Mix aus stimmigem Waldrauschen, theatralischem Klaviergeklimper und einer Terrormusikuntermalung, die wohl nur die wenigsten zu schätzen wissen ohne vollkommen genervt aus dem Film entlassen zu werden.

Ich persönlich mag sie ja, diese ominösen Randerscheinungen des 70er Jahre Horror-Kinos Amerikas, welche auf groteske Art in die Terrorwelle mit eingestiegen sind. Es sind Filme, die mittels Verfremdung der Sehgewohnheiten von ihren Unzulänglichkeiten ablenken wollen und es oftmals dabei schaffen eine ganz andere Form der Unterhaltung zu bieten, weit weg vom Mainstream, bizarr präsentiert, sich unschön anfühlend und doch deswegen wieder interessant werdend. Werke wie „The Destructor“, „Der Kuss der Tarantel“ und „California Axe Massacre“ wären solche Beiträge, und wer mit denen warm geworden ist, der wird vielleicht auch mit „The Zombie Child“ (Alternativtitel) glücklich.

Zwar schafft es Voskanian nicht durch die verdrehte Perspektive und die befremdliche Art der Umsetzung ein groteskes Meisterwerk zu schaffen, wie es Lucio Fulci in seinen besten Arbeiten gelang, die verstörende Art eine simple Geschichte in ein solch schundiges Gewand zu kleiden, besitzt für Stöberer des anderen Kinos jedoch trotzdem einen gewissen Reiz, freilich nur wenn die Ansprüche nicht all zu hoch sind. Das sollten sie auch beim Kauf der DVD nicht sein, ist „The Child - Tochter des Bösen“ (Alternativtitel) in all seinen Best Entertainment-Veröffentlichungen doch visuell ziemlich übel ausgefallen, muss man doch ein verwaschenes VHS-Bild ertragen, das es einem schwer macht in die Stimmung des Streifens einzutauchen.

Die Synchronisation geht halbwegs in Ordnung, am meisten wirkt „Kill And Go Hide“ (Alternativtitel) jedoch dann, wenn dialogfrei der Originalsound ertönt, von daher wäre eine professionellere Neuauflage des Streifens eine wünschenswerte Sache. Da es allerdings kaum Menschen gibt, die mit diesem schundigen Ausnahmestück liebäugeln, dürfte das finanzielle Risiko wohl zu groß sein, um „Tochter des Bösen“ eine bessere Veröffentlichung zu bescheren. Schade, denn mir hat‘s auf wunderliche Art Spaß gemacht diesem wilden Bilderhaufen zu folgen. Und die ungewöhnlich zurecht gemachten Zombies besitzen, sofern man tatsächlich einen Blick auf sie erhaschen durfte, meiner Meinung nach auch ihren Reiz.


Weitere Reviews zum Film: 

SCHREI, WENN DER TINGLER KOMMT (The Tingler 1959 William Castle)


Der Pathologe Dr. Chapin forscht in seinem Privatlabor nach einem Lebewesen, welches seiner Theorie nach auf der Wirbelsäule des Menschen haust und sich von dessen Angst nährt...


Die Taubstumme und der Tingler...

Obwohl er der alten Gattung Film inhaltlich kaum ferner sein könnte, versteht sich William Castles „The Tingler“ (Originaltitel) als Hommage an den Stummfilm, lässt er Nebenfiguren des Streifens doch nicht nur ein Kino besitzen, in welchem lediglich stumme Filme laufen, der Streifen selbst bekommt Szenen geschenkt, die nah am Stil vergangener Zeiten orientiert sind. Wenn einer taubstummen Frau in der wohl besten Szene des Filmes Angst eingejagt werden soll, dann agiert besagte Frau wie einst die Schauspieler der vergangenen Kinodekade, und das Schwarz/Weiß des Streifens, zu das man sich trotz der Farbfilmzeit entschied, weiß mehr denn je zu wirken.

So herrlich unsinnig die Thematik des Filmes ist, und so sehr das titelgebende Monster zum Schmunzeln animiert, egal wie sehr man dem Film eine ehrliche Chance geben will, William Castle schafft es tatsächlich trotz des naiven Retrocharmes des öfteren einen wirksamen Spannungsbogen aufzubauen. Und diesen verdankt „Schrei, wenn der Tingler kommt“ eben nicht dem so gar nicht angsteinflößendem Monster, sondern jenen Szenen, in welchen die Angst vordergründig thematisiert wird. Wenn der Arzt in seinem Wahn nach der Einnahme eines Halluzinogen glaubt die Wände des Raumes würden ihn erdrücken, während wir das ganze Szenario aus dem realistischen Blickwinkel heraus betrachten, dann sorgt allein die Vorstellung des Protagonisten zusammen mit dem exzellenten Mimenspiel Vincent Prices für wohliges Unbehagen jenseits des verspielten Charmes, von dem der restliche Großteil des Filmes lebt.

Eindringlicher spürt man diesen Spannungsmoment in besagter Angstszene um die taubstumme Frau, die einen geradezu zu fesseln weiß. Diese Szene funktioniert auf verschiedenen Ebenen zugleich. Der Zuschauer kann sich mit dem Opfer identifizieren, ihr Angstgefühl überträgt sich im herabgeschraubten Sinne auf das Publikum, und stilistisch weiß der Aufbau des Stummfilmszenarios zu gefallen, der mit dem überraschenden Einzug von Farbe einen beabsichtigten Bruch erhält und die Spannungsschraube mit diesem Gimmick tatsächlich zu erhöhen weiß. Selten vertrugen sich die Gegensätze des verspielten Schundes und des wirksamen Horrors so harmonisch wie in dieser liebevoll gestalteten Szene, die zudem als Paradebeispiel dessen dient, dass man bei Castles Werk mit allem rechnen muss. Selbst die Schuldzuweisungen, die einem während des Sichtens dieser Sequenz durch den Kopf geht, wird sich noch als trügerisch herausstellen.

Zugegeben, dieser überraschend wirksamen Horrormomente gibt es wenige im hier besprochenen Film, aber dass sie in einem eher wegen des Retrocharmes heutzutage so interessantem Streifen überhaupt enthalten sind, ist schon eine kleine Überraschung für sich, die das schmackhafte grundlegende naive Programm, wegendessen man überhaupt zugegriffen hat, erst zum kulinarischen Hochgenuss werden lässt. „Schrei, wenn der Tingler kommt“ steht ziemlich für sich allein, ist im Gegensatz zu „Die Fliege“, der ebenfalls wirksamen Horror mit naivem Nonsens vereinte, in seinem Mix dieser beiden Einflüsse zu unausgegoren ausgefallen, da sich belustigender Retrocharme und wirksame Horrorsequenzen meist abwechseln anstatt dauerhaft insgesamt zu harmonieren, so wie es im Vergleichsfilm der Fall ist. Castles Werk verkommt dabei jedoch nie zur Witzfigur seines Genres, auch in den Monsterszenen nicht, da der Streifen nie zu billig und reißerisch daher kommt. Ein gewisses Niveau wird immer beibehalten. Und dass man weiß, dass man eigentlich gerade ziemlichen Unsinn erzählt, ist den Verantwortlichen des Tinglers stets bewusst.

Dennoch richtet sich Castle an den besonders naiven Part des Publikums zu Beginn des Streifens. Er warnt es, so als würde man mit dem bevorstehenden Film wahres Grauen erleben. Castle geht hierbei jedoch weiter als ein Hitchcock, der mit selbigen Methoden die Werbetrommel mancher seiner Filme zu rühren wusste. Richtung Finale unterbricht der Horrorregisseur parallel zu den Geschehnissen im Film das zu sehende Werk, lässt uns lediglich auf einen dunklen Bildschirm starren, während er dem Publikum Verhaltensregeln zum Schutz gegen den Tingler in uns gibt. Da diese Unterbrechungen während jener Szene eingebracht werden, in welcher der Tingler in einem Kino wütet, wird mit diesen Zwischensequenzen stets kurzfristig der Eindruck eines Metabebenen-durchbrechenden Stilmittels suggeriert, obwohl die beiden Ebenen Film und Unterbrechung eigentlich sauber getrennt sind.

Wie bereits erwähnt, im höchst charmanten „Schrei, wenn der Tingler kommt“ muss man immer wieder mit Überraschungen rechnen. Dies zeigt sich auch in der Schlusssequenz, die zu den Höhepunkten des Streifens zählt und uns eigentlich einen Moment präsentiert, der einer Fortsetzung eigenständige Möglichkeiten bieten würde, ohne Teil 1 lediglich zu wiederholen. Leider ist es zu einer solchen Fortsetzung nie gekommen, was schade ist, gilt „The Tingler“ heutzutage doch als Geheimtipp unter Monsterfilm-Fans und ist damit längst zum Kultfilm geworden, dessen Geschichte man als Freund des nostalgischen Kinos gerne weitererzählt bekommen hätte.


Weitere Reviews zum Film: 

SHE'S THE MAN - VOLL MEIN TYP! (She's the Man 2006 Andy Fickman)


Da ihre Fußballmannschaft aufgelöst wird, bevor sie ihr Können den Talentsuchern Amerikas präsentieren kann, wechselt Viola auf die Schule ihres untergetauchten Bruders, um als er verkleidet diese Chance nachzuholen...


Nie duschen können...

Was sich trotz simpler, schlichter Umsetzung in den 80er Jahren mit „Als Junge ist sie spitze“ sympathisch umgesetzt schaute und umgekehrt erzählt in den 90ern mit Corey Haim in „He‘s My Girl 2“ ebenso, will transferiert auf das Teenie-Kino der 00er Jahre einfach nicht funktionieren, kommt „She‘s the Man“ doch einfach zu laut daher. Zwar lässt man die zu schrillen Töne und den im Teenie-Genre so gern verwendeten Fäkalhumor weg, dennoch ist das Werk von „Die Bestimmer“- und „Der Kaufhaus Cop 2“-Regisseur Andy Fickman zu unsensibel ausgefallen. Immer muss Amanda Bynes in ihrer Hauptrolle alles mimisch aufgesetzt kommentieren, und bereits deutliche Umstände werden noch einmal ausgesprochen, damit sie auch für den letzten Zuschauer klar sind.

Viola sieht nie glaubwürdig wie ein Junge aus, was im Gegensatz zum Corey Haim-Vergleichsfilm nicht einmal comicartig schundig genutzt wird um daraus wieder einen gewissen Charme zu ziehen. Hierfür fehlt den Verantwortlichen des Filmes jegliches Gefühl dafür Comicelemente so einzubauen, dass die Stimmung des Streifens damit eingefangen wird. Jegliche diesbezügliche Übertreibung stielt der Komödie stattdessen ihre Glaubwürdigkeit, wenn z.B. der unlustig ewig schwätzende Schulleiter genau frontal vor Viola steht, so dass er eigentlich sehen müsste wie sie versucht sich eingeklemmt im Aktenschrank zu befreien. Und jeder Mitbewohner würde in Kombination mit der hellen Stimme spätestens beim Aufdecken des Tampon-Verstecks keinen Mann mehr im Gesicht der Frau sehen. Die Illusion ist einfach dahin. Trotzdem will man sie unbedingt weiterhin erzwingen, was einfach nicht funktionieren kann.

Das wären alles unangenehme Seiten, die ein charmant besetzter Film auffangen könnte, der mit seiner Love Story oder einfach nur mit seinem Hauptcharakter Sympathiepunkte einfangen würde, aber auch das ist bei „American Peach Pie“ (Alternativtitel) nicht der Fall. Selbst die in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ so sympathisch überdreht agierende Julie Hagerty dreht hier wahrscheinlich nur auf, völlig befreit von ansteckendem Spaß, da man es von ihr als Semi-Promi erwartet.

Nein, lustig sieht anders aus, und wirkliche Romantik wollte man in der zu Fußball-dominant ausgefallenen Geschichte scheinbar gar nicht erst erreichen. Die Verwicklungen sind einem egal, da nie Verbindung zur Hauptfigur eingefangen wird, und das Drehbuch geht ohnehin den leichtesten Weg, leider auch gerade immer dann, wenn Viola wirklich einmal in brenzlige Situationen tappt. Meiner Meinung nach hätte man sich zumindest anfangs Zeit bei der Ausbildung zum Mann lassen können, wird hier doch lediglich angedeutet, dass Viola von ihrem Friseur diesbezüglich trainiert wird. Da hätte man doch was draus machen können...


BEING JOHN MALKOVICH (1999 Spike Jonze)


Als der erfolglose Puppenspieler Craig einen Bürojob annimmt, entdeckt er hinter einem Aktenschrank eines Tages zufällig eine kleine Tür, die in den Kopf des Schauspielers John Malkovich führt...


Wer lenkt hier wen?...

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.



Weitere Reviews zum Film: 

Montag, 28. November 2016

SCHWARZWALDFAHRT AUS LIEBESKUMMER (1974 Werner Jacobs)


Obwohl Renates Verlobter gerade mit ihr Schluss gemacht hat, nimmt sie mit ihren Freundinnen an einer Radtour durch den Schwarzwald auf den Weg zu der Hochzeit einer Freundin teil. Unterwegs treffen sie immer wieder auf Hannes, der gerade seinen Job und seine Beziehung zu der Tochter seines Chefs gekündigt hat. Schließlich reist man gemeinsam, und die beiden verlieben sich...


Hoch auf dem gelben Wagen...

Nachdem ich zwei typisch schräge Komödien seiner Zeit gesehen habe, in denen Roy Black den smarten Sunnyboy mimte („Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ und „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“), schaute sich der drei Jahre später entstandene „Schwarzwaldfahrt aus Liebeskummer“ völlig anders, handelt es sich bei dieser Schlager-Komödie doch um einen Genre-Beitrag, in welchem der Heimatfilm und der Romantikanteil sehr dominieren und die Komödie dementsprechend zurücksteckt.

Da Werner Jacobs Film über keinerlei Innovationen verfügt und nur die ewig gleiche Platte auflegt (außer jene Roy Blacks, der trällert freilich was es frisch zu kaufen gab), plätschert die dünne Geschichte, passend zu James Lasts Hintergrundgedudel, sanft und seicht vor sich hin, so dass cineastische Fremdgänger eher gemütlich einnicken, während Freunde dieser Gattung Film passabel genug unterhalten werden, aber eben keinen besonderen Film verpasst haben, wenn sie genau diesen Roy Black-Beitrag versehentlich überspringen.

Tatsächlich gibt es nichts weiter über dieses belanglose Stück Romantikfilm zu erzählen, da selbst die tragischen, durch Missverständnisse entstandenen, vorhandenen Wendungen so banal geschrieben und dementsprechend schlicht behoben sind, dass selbst diese Momente dem trüben Treiben kein zusätzliches Leben einhauchen können. Geduldige Zuschauer können die schöne Landschaft Deutschlands genießen und sich ein wenig an der Nostalgie erfreuen, die „Schwarzwaldfahrt aus Liebeskummer“ mit seiner naiven und überholten Art zu versprühen weiß, der Rest wird sich irgendwann lieber gelangweilt wegdrehen. So oder so hat man Jacobs Film schnell wieder vergessen.


Sonntag, 27. November 2016

WENN MEIN SCHÄTZCHEN AUF DIE PAUKE HAUT (1971 Peter Weck)


Kristian hat für die Firma seines Vaters wertvolle Steine organisiert, die er nun, verfolgt von der kriminellen Konkurrenz, zu ihm bringen möchte. Am Treffpunkt angekommen verliebt er sich in die Nichte eines Schuldirektors, der mit der Gründung einer geheimen Kinderorganisation vor Ort für allerhand Chaos sorgt, da er endlich pensioniert werden möchte...


Viel Handlung um wenig Handlung...

„Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ erobert mit seinem verspielten Charme schnell die Herzen des Zuschauers, zumindest wenn dieser weiß worauf er sich einlässt, wenn er eine deutsche Heimat-Schlager-Komödie, besetzt mit den damals dafür üblichen Stars, sichtet. Peter Weck präsentiert uns allerhand kunterbunte Charaktere und Situationen, schenkt sich selbst eine herrlich alberne und überzogen Klischee-hafte Rolle, so als dürfte er so gegen den Strich besetzt erst agieren, wenn er selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Sicherlich wird mit den Running Gags auf 90 Minuten etwas zu sehr übertrieben, aber das Herz sitzt am rechten Fleck innerhalb einer Geschichte, die eigentlich keine ist.

Eigentlich erzählt Weck diverse Parallelhandlungen und vereint diese irgendwann gekonnt, eigentlich sogar zu professionell für solch konstruierte Grundszenarien, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Aber auf jede lässt man sich nur all zu gerne ein, sind doch alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei und lässt sich der Film doch Zeit seine „Geschichte“ in Ruhe zu entfalten. Dementsprechend darf es verwundern, dass die, laut Vorspann, zweite Hauptrolle Uschi Glas erst nach etwa 20 Minuten in Erscheinung tritt und besser denn je ins Geschehen integriert wird, dauert es in dieser anspruchslosen Rolle doch einige Zeit, bis sie sich als schauspielerisch untalentiert outet, was in anderen Filmen stets früher klar wurde. Dass es dann ausgerechnet eine der wenig lebensnahen Situationen ist, die sie als Stümper ihres Fachs auffliegen lässt, eine Szene in der sie eigentlich nur schadenfroh hätte lachen müssen, beweist um so mehr wie schnell die Frau, deren Frisur diesmal nicht so penetrant geraten ist wie sonst, schauspielerisch überfordert ist.

Ein schelmischer Theo Lingen, ein schurkischer Peter Weck, ein überraschend sympathischer Roy Black, ein wunderbar alberner Paul Löwinger und ein positiv routiniert agierender Gunther Philipp halten dagegen, lediglich Ilja Richter kommt trotz größerer Präsenz zu kurz, hat er doch eine ziemlich langweilige Rolle erwicht, die sich ziemlich schnell abnutzt. Freilich ist auch er sich, wie alle anderen Beteiligten, für nichts zu schade. Mag so mancher lustig gemeinter Unfall auch eher für Fremdschämen als für einen echten Lacher sorgen, so stellt sich die unbekümmerte Comic-Art des Streifens diesem Nachteil doch mutig gegenüber und präsentiert uns realitätsferne Spinnereien, wie sie auch nur beim hemmungslosen, fast wie selbstgedreht wirkenden, Herumalbern funktionieren können.

Wenn Löwinger als über dem Wasser schwimmender Fisch von einem Angler verfolgt wird, Anitas Papa stets seinen Wohnwagen verliert ohne es zu merken oder Löwinger in an Sherlock Holmes angelehnten Anziehsachen einen Kriminalfall löst, der keiner ist, dann ist die Stimmung auf einem Hoch, zugegeben auf höchst naiver Ebene, aber durch den Charme, welcher den Film vollzieht, eben doch nicht nur von einem Sympathisanten dieser filmschaffenden Zeit gönnerhaft gnädigst mit einem Augezudrücken zugesprochen, sondern tatsächlich vorhanden.

Dass das eigentliche Rezept des Streifens ziemlich simpler Natur ist, ist kein Geheimnis. Allein wie unverschämt man versucht den Erfolg der Pennälerkomödien mit in eine Heimatkomödie zu integrieren, zeigt wie sehr man von jedem Erfolgskuchen ein Stückchen ab haben wollte. Allerdings gelingt es „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ sehr gut, eben weil er eigentlich keine wirkliche Geschichte besitzt, all die verschiedenen Schwerpunkte unter einen Hut zu bringen, so dass man am Ende fast glaubt, tatsächlich einer Geschichte beigewohnt zu haben. Dass es der Streifen zudem schafft, die Instrumentalversion des höchst nervigen Songs „Schön ist es auf der Welt zu sein“, atmosphärisch stimmig einzubauen, ist ein weiteres heile Welt-Kunststück für sich das hier vollbracht wird.