Sonntag, 22. Januar 2017

THE KENTUCKY FRIED MOVIE (1977 John Landis)


Das TV- und Kinoleben des Amerikaners wird mittels Überspitzungen im Kern seiner Schwächen parodiert...


Gefahrensucher, impotente Gorillas und eine handvoll Yen...

John Landis war damals noch ein junger Filmemacher, der einige Jahre zuvor mit „Schlock - Das Bananenmonster“ das Kino seiner Zeit parodierte und dem bekannteren „Angriff der Killertomaten“ von John DeBello damit den Weg ebnete. Kino und Fernsehen kann mit all seiner unfreiwilligen Komik nicht oft genug parodiert werden, und so kann man es als glückliche Fügung bezeichnen, dass Landis für sein darauffolgendes Projekt auf Jim Abrahams und die beiden Zucker-Brüder stieß, die uns später, selbst Regie führend, so wundervolle Komödien wie „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bescheren sollten. In „The Kentucky Fried Movie“ sind sie lediglich noch „nur“ die Autoren, und ebenso wie Landis schlüpfen sie in die ein oder andere Rolle des auf Sketche ausgelegten Filmes.

Ob es um den (heute noch immer vorhandenen) Hang geht Filme nicht mehr rein als Filme zu sehen, sondern mit Events wie 3D zu verwursten (parodiert als gefühlsechtes Kino), ob es um reißerische und theatralische Umgänge mit emotionalen Themen geht (Filmvorschau zum fiktiven „That‘s Armageddon“) oder einfach nur um die sinnlose Geschwätzigkeit der Medien (Abenteuer heute), die scheinbare Anonymität vor dem Fernseher (der Sketch um das Liebespaar vor den Nachrichten) oder die Schwächen von Werbungen (die Kopfschmerzklinik) und Lehr-Filmen (Leben ohne Zinkoxyd), „The Kentucky Fried Movie“ holt pointensicher aus, weiß exakt wie der Humor zur besten Entfaltung gesetzt werden muss und hält sich nie zu lange an einem Sketch auf, nicht einmal in dem einzig größer ausgefallenem, 35 minütigen Kurzfilm „Für eine handvoll Yen“, in welchem sich ausgiebig über die Schwächen des asiatischen Kampfkunst-Kinos lustig gemacht wird, freilich nicht ohne den Amerikaner und sein Medium ebenfalls der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Mix aus einem raffiniertem, analtytischem Blick auf die elektronische Medienlandschaft der 70er Jahre und dem Hang zum hemmungslosem Herumalbern, geben „The Kentucky Fried Movie“ das gewisse Etwas, wird doch nie stillos herumgealbert, aber doch recht gewagt. Wenn die Alarmsirene in einem großen Gebäude nach Ausbruch einer Katastrophe daraus besteht dass ein Mann mit Flüstertüte für das Geräusch besagtem Alarms verantwortlich ist, anstatt ein elektronischer Ton, dann mag mancher Humormuffel die Augen verdrehen und dies als infantil bezeichnen, der Mensch mit Humor im Herzen muss über solchen Nonsens jedoch laut lachen, und dies selbst noch bei der x-ten Sichtung.

„The Kentucky Fried Movie“ hüpft von einem Höhepunkt zum nächsten, bietet keine missglückte Episode, schaut sich mit Augen von heute aber freilich medial überholt, was ihm aber Retrocharme beschert anstatt Desinteresse. Wer das Fernsehen und das Kino einst so miterlebte wird ebenso viel Freude an Landis Episodenfilm haben wie es junge Generationen haben. Ob es die Rohölgewinnung per Abzapfung des Fettes von Teenagergesichtern ist, der herrlich absurde Trailer des fiktiven „Katholische Schulmädchen in Not“ oder der Running Gag um durch ein Horoskop hervorgesagte Überraschung für Zwillinge, „The Kentucky Fried Movie“ sprüht nur so vor Witz im Zeitgeist, hemmungslos albern, aber auch genau wissend was wieso parodiert gehört.


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Samstag, 21. Januar 2017

Gastkommentar: POULTRYGEIST - NIGHT OF THE CHICKEN DEAD (2006 Lloyd Kaufman)


Autor: Frau Vulkan

Troma hat Tradition bei Trashfans. Ein Label, dessen Eigenproduktionen man dank Klassikern wie der „Toxic Avenger“-Reihe zumindest bei Underground-Fans nicht mehr vorstellen muss. Obwohl der Troma-Humor irgendwo ein sehr beständiger ist, der gnadenlos und ohne auf Political Correctness und Tabus zu achten, die amerikanische Gesellschaft parodiert, ist natürlich nicht jeder Film ein Schenkelklopfer sondersgleichen. Wenn Lloyd Kaufman also dem Titel nach eine „Poltergeist“ Persiflage in Kombination mit Geflügel („Poultry“) auf die Zuschauer loslässt, gelingt das, oder ist diese Idee doch schon zu albern?

Die Antwort ist, ich habe zum ersten Mal bei einem Tromafilm geweint. Vor lachen! Mit diesem Film sprengt Kaufman wirklich jede Grenze, die vorher noch vorhanden gewesen sein könnte. Die Fast-Food-Kette „American Chicken Bunker“ unter Leitung des Oberkapitalisten General Lee Roy (Robin Watkins) eröffnet eine neue Filiale, was natürlich nicht ohne lautstarken Protest der linksgrünen Tierschutzfraktion vonstatten geht. Der junge Arbie (Jason Yachanin) ist mit der Ökoaktivistin Wendy (Kate Graham) zunächst glücklich zusammen, zu seinem Pech zielen ihre Neigungen im Zuge des Protests allerdings plötzlich auf die lesbische Fraktion ab. Enttäuscht beschließt Arbie sich zu rächen indem er einen Job in Chicken Bunker annimmt und somit die Gegenseite unterstützt. Keiner konnte jedoch ahnen, daß das Restaurant auf einem alten Indianerfriedhof erbaut ist, und somit ein alter Fluch der Ureinwohner bald seine Wirkung zeigt...

...was absurd klingt, ist es auch. Und das mehr als es bei Troma sonst bereits sonst üblich war. Ein bunter Reigen, der nichts auslässt, weder filmisch, noch politisch, wird hier irgendwas oder irgendwer verschont. Nicht genug, dass hier Klischees von „Poltergeist“ bis „Exorzist“ durch den Kakao gezogen werden, auch beliebte 2000er Filme wie etwa „High School Musical“ bekommen ganz heißes Fett weg. Musikalisch wird hier von Folk (wenn Arbie und sein von Lloyd Kaufman gespielter Kollege in Chicken Bunker-Militäruniform tanzen, dann kommt einem das wie ein Neofolk-Konzert auf ganz viel LSD vor.) bis zu modernem Pop alles geboten, und dies nichtmal schlecht gespielt oder gesungen, aber natürlich mit Texten und Mimiken, die jeder Ernsthaftigkeit entbehren. Nicht genug des ganzen, kann sich hier keine politische Seite ducken, Kaufman trifft vom erzkonservativem Patrioten, über Rednecks, über linke Ökohippies bis hin zum arabischen Gotteskrieger einfach jeden mindestens einmal richtig hart, und am Ende lacht nur die Anarchie. Damit das ganze nicht zu liebenswürdig abgedreht wirkt, gibt es natürlich Szenen, die schon schmerzhaft unter die Gürtellinie treffen und jedem Rest guten Geschmacks völlig entbehren. Dazu muss man hier einen Hang haben - wer bei „Toxic Avenger“ schon nicht völlig begeistert war, packt hier frühzeitig ein und schaltet ab. Was von manchen sicher als flach empfunden wird, muss aber genauso sein. Der „Horror“ bei „Poultrygeist“ kommt nicht zu kurz, kann aber natürlich trotz guter handgemachter Effekte zu keiner Sekunde ernst genommen werden. Es spratzt und splattert gerade beim apokalyptischen Endkampf von Mensch gegen diabolisches Huhn an allen Ecken und Enden, Freunde solcher Szenen sei auf jeden Fall eine ungeschnittene Fassung ans Herz gelegt.

Final bleibt zu sagen, dass „Poultrygeist“ ein einzigartig unartiges Satire-Comedy-Splatter-Musical ist, und somit Geschmackssache. Ich lache nach der 10. Sichtung immer noch - manch anderer vielleicht nicht einmal. Dieses Review hilft hoffentlich dabei zu entscheiden ob man einen Blick riskieren sollte oder nicht.
 
Autor: Frau Vulkan

POULTRYGEIST - NIGHT OF THE CHICKEN DEAD (2006 Lloyd Kaufman)


Da seine Ex-Freundin sich lieber dem eigenen Geschlecht zugewendet hat, rächt sich Arbie, indem er in jenem Laden arbeitet, gegen den die Studentin aktuell rebelliert. Dabei handelt es sich um eine Fast Food-Kette, die auf einem ehemaligen Indianerfriedhof eröffnet hat, was auch der Grund dafür ist, dass ausgerechnet an Arbies erstem Arbeitstag das Essen und damit auch die Gäste zu Monstern mutieren...


Hähnchen From Hell...

Als ich mich immer mehr von „Poultrygeist“ genervt fühlte, fragte ich mich kurzfristig, ob ich zu alt für diese Art Film geworden bin. Hatte ich mich derart verändert, dass mich solch ein hemmungsloses Herumgealber nicht mehr reizt? Oder lag es an Troma, von dessen extremeren Klamaukfilmen ich schon immer genervt wurde? Letzteres haut schon eher hin, obwohl ich mich noch vor Jahren von „Terror Firmer“ bestens unterhalten fühlte und ich darauf schwören würde, dass mir der Film auch heute noch gefallen würde. Aber es stimmt, es liegt an der Filmfirma Troma, deren Betreiber leider nicht wissen was ihre besseren Werke ausmacht. Aber das war eigentlich schon immer so, sank doch z.B. die Qualität des herrlich absurden „Class of Nuke ‘em High“ zum nervig albernen „Class of Nuke ‘em High 2“ rapide. Allerdings konnte ich den noch mit viel Geduld und gelegentlichem Lächeln zu Ende sichten, während ich „Night of the Chicken Dead“, wie der hier besprochene Streifen sympathisch mit Beititel heißt, irgendwann den Rücken kehren musste. Ich war einfach zu genervt.

Anhand der englischsprachigen Gesangsszenen merkte ich aber auch, dass am nervigen Ergebnis stark die Deutschvertonung mit Schuld war, war diese zwar nicht so penetrant ausgefallen wie im völlig unterirdischen „Isle of the Damned“, aber trotzdem wesentlich verblödeter gesprochen als das in diesem Punkt zum Szenario passendere Original. Doch den Verantwortlichen der Synchronisation allein die Schuld am üblen Ergebnis des so faszinierend lustig klingenden „Poultrygeist“ zu geben, wäre ein Fehler, begeht doch Troma-Chef Lloyd Kaufman, der für den hier besprochenen Beitrag seiner Filmfirma höchstpersönlich Platz auf dem Regiestuhl genommen hat, viele eigene, womit sich das Ergebnis von der Klasse gute Troma-Stoffe distanziert.

Provo-Komik ist einfach kein funktionierendes Anti-Hollywood mehr, wenn es so stillos zelebriert wird wie im unter Cineasten gar nicht mal so unbeliebten „Poultrygeist - Attack of the Chicken Zombies“ (Alternativtitel), erntet man doch eigentlich keine Provokation mehr mit sicher gesetzten Sexwitzchen, selbst dann wenn sie ins Extremste überspannt werden. Hollywood hat sich Dank „Scary Movie“ und „American Pie“ vom biederen Grundton der zuvor herrschte erholt. Da gibt es nur dann noch etwas abzugrasen, wenn man so verspielt daher kommt wie ein Seth Rogen-Film a la „Shopping Center King“. Was ein entblösster Pillermann dort für viel mehr Gelächter sorgt, als all die Bemühungen Tromas in „Poultrygeist“ die Grenzen bereits eingerissener Grenzen des schlechten Geschmacks noch weiter einzureißen, beweist dass auch zu scheinbar geistlosem Herumgeblödel und zur Provokation ein unauffällig mitschwingendes Niveau herrschen muss, welches weder Tunnelblick-Kultivierte, noch Mitläufer des schlechten Geschmacks bemerken, solange sie nicht mit vorurteilsfreiem, mitdenkendem Geist solche Filme verfolgen und vergleichen.

„Poultrygeist" besitzt abgesehen von seiner Grundidee her wenig gute Ideen. Die meisten habe ich im Meer an ungourtierbaren Stumpfsinn längst wieder vergessen, aber eine davon ist auf jeden Fall jene den Film in Musicalform umzusetzen, wobei man jedoch erwähnen sollte, dass „Poultrygeist“ nicht das erste Zombie-Musical ist. Der Amateurfilmer Mark Pirro ging dieser Idee bereits 1991 mit „Nudist Colony of the Dead“ nach, und dessen Werk gefällt mir auch gleich wesentlich besser als der viel zu gewollte Troma-Beitrag, eben weil Pirro übertreibt ohne zu dick aufzutragen. „Poultrygeist“ hat in der Gesamtzahl die besseren Lieder auf Lager, neben den tollen handgemachten Effekten der einzig wahre Trumpf des Streifens, und doch kommt keiner der Songs an die Komik des Inky Dinky Morning-Liedes heran, welches Brady-fröhliche Katholiken vor der Zombieattacke im Vergleichsfilm beim Camping singen.

Klar, Freunde von „Chillerama“ und Co werden auch hier glücklich werden, aber ich persönlich kann mit dieser Extemkomik frei von ansprechenden Rahmenbedingungen, wie sie beispielsweise die kaputten Splatterfilme aus Japan bieten, nichts anfangen. Und mit den Anfängen von Troma hat dies in der hier vorgeführten Extreme auch nichts mehr zu tun. Das hier Gezeigte ist nur noch Herumalbern zum Selbstzweck, frei jedwedem kritischen Blick auf den Mainstream oder anderweitiger Modeerscheinungen. „Poultrygeist“ ist nicht mehr verspielt und experimentell, wie frühe Vertreter besagter Filmfirma, sondern setzt ausgeruht sicher auf den Geschmack des selbst herangezüchteten Publikums, dass selbst dann über rülpsende und Durchfall kackende Fettsäcke lacht, wenn dies in keinem Bezug zu einem satirischen Hintergedanken steht. Auf die Art wie hier entstanden, besteht vom Humorgehalt her kein Unterschied mehr zu solchem Schund wie „Ghost Movie“ und „Supernatural Activity“. Troma ist mit seinen noch immer absurd wirkenden Filmen längst alternativer Mainstream für Menschen geworden, die unbedingt anders sein wollen als die Masse.


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Donnerstag, 19. Januar 2017

SIE TÖTETE IN EKSTASE (1971 Jess Franco)


Da seine Forschungen sich ethisch nicht vertreten lassen, wird Dr. Johnson aus der Ärztekammer verbannt, was ihn schließlich in den Selbstmord treibt. Die Witwe startet einen Rachefeldzug gegen jene vier Personen, die der Kommission angehörten, welche das vernichtende Urteil fällte...


Liebe über den Tod hinaus...

Man kann Jess Franco in seinem selbstverfassten Film „Sie tötete in Ekstase“ keine Realitätsferne vorwerfen. Wenn ein Kehlenschnitt kaum Blut hinterlässt und später nicht einmal eine Wunde, wenn ein Mann sich wissendlich getötet zu werden der Liebe mit seiner Mörderin hingibt oder Zufälle das Rachekonzept begleiten, so als wären diese planbar, dann ist dies Franco schlichtweg egal. Sein Film ist nicht in der unseren Realität angesiedelt, er kümmert sich nicht um Logik, soll er doch ein Film der Sinne sein. Man soll spüren was vor der Kamera geschieht, im erotischen, tragischen und morbidem Sinne. Somit ist „She Killed in Ecstasy“ (Alternativtitel) ein urtypischer Franco-Film, jedoch wesentlich gourtierbarer ausgefallen als mancher fast nur im Schneckentempo inszenierter Schmuddel-Thriller des Kult-Regisseurs.

Theoretisch kann man „Ich spuck‘ auf Dein Grab“ als Vergleichsfilm nennen, beides sind Rache-Thriller mit sexuellem Hintergrund, dennoch könnten beide Werke unterschiedlicher kaum sein, versteht man doch die Taten der Vergewaltigten im Vergleichsfilm, während Franco, ob gewollt oder nicht, eine Distanz zwischen Zuschauer und Hauptfigur aufkommen lässt. Ihr Mann hat beruflisch fragwürdig gehandelt, und die Liebe, welche seine Ehefrau als so hoch einschätzt, schafft es nicht den Workaholic von seinem Frust abzulenken, ganz im Gegenteil, trotz intensiver, zärtlicher Zuwendung tritt der Gatte geistig weg und begeht schließlich Selbstmord.

Die Ehefrau, von den abscheulichen Experimenten ihres Mannes wissend, ignoriert diese Tatsache, glaubt weiter daran die große Liebe hätten sie und ihren Mann begleitet, so dass sie in dem Verstoß aus der Ärztekammer ein Verbrechen sieht, welches bestraft gehört. So geht sie mittels körperlicher Verführung auf Rachefeldzug, was die Moralisten der Kommision als heuchlerisch entpuppt, zumal die ersten beiden Opfer sexuelle Vorlieben fröhnen, die bei konservativen Menschen offiziell nicht erwünscht sind. Freilich ist das extreme Vorgehen der Rächerin völlig fragwürdig, so dass sich „Sie tötete in Ekstase“ nicht mit der Hauptfigur verbrüdert guckt, sondern mit Distanz. Der Film guckt sich somit recht theoretisch, bzw. objektiv, was ich eigentlich recht gut finde.

Der Trumpf des Streifens ist aber nicht Francos typisch geistig abwesend zu scheinende Art, ein Entrücken der Realität welches diesmal nicht so hypnotisch eingefangen wird wie sonst so oft bei seinen Werken, sondern ganz klar die Darstellung der so jung verstorbenen Soledad Miranda, die jegliche Phasen ihrer Rolle mimisch spürbar macht. Der Frust, die Schmacht, das geistige Entrücken, die Trauer, das Rachegefühl, die Verführung, diese wunderschöne Frau, die auch Francos bestes Werk „Vampyros Lesbos“ zu einem Leckerbissen machte, haucht dem etwas zu theoretisch und oftmals auf der Selle tretenden „Sie tötete in Ekstase“ erst wirklich Leben ein. Sie ist der Motor, der den Film zum laufen bringt und ihn überhaupt erst so interessant macht.

Es ist schade, dass man einen Teil des Erfolges nicht auch dem meist so toll agierenden Horst Tappert zuschreiben kann. Dessen Rolle wurde nicht nur zur Nebensächlichkeit degradiert, sie sitzt zudem nur tatenlos herum, handelt selbst dann nicht wenn andere Kriminalisten Rot sehen würden und darf gegen Ende gar verständnisvolle Worte für die Taten der Ehefrau finden, was mich darin bestätigt zu glauben, dass Franco den Film völlig anders gemeint hat als ich ihn verstanden habe. Dem Ergebnis schadet es nicht. Allein die interessante Idee die Liebe nach dem Tod, die so viele Menschen intensiv nach einem schweren Verlust fühlen, auf fast nekrophile Art darzustellen, weiß zu gefallen, zumal sich die Gattin aus psychologischer Sicht selbst schon als tot betrachtet, ist es doch Teil ihres Plans nach vollendeter Rache Selbstmord zu begehen, so dass man aus ihrer Sicht nicht einmal wirklich von Nekrophilie sprechen kann.


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Dienstag, 17. Januar 2017

DAS SCHLOSS DES GRAUENS (La vergine di Norimberga 1963 Antonio Margheriti)


Ein Unbekannter, im Kostüm eines vor 400 Jahren lebenden, für seine bestialischen Urteile gefürchteten, Richters, foltert und tötet Menschen in einem Schloss, in welches vor kurzem erst die junge Gemahlin des Burgherren eingezogen ist...


Der Kapuzenmann geht um...

Als die Erfolge der Rialto-Wallace-Filme zu Ende gingen, da übernahmen die Italiener in den 70er Jahren das Ruder der 1959 begonnenen Reihe. Doch anstatt auf halbwegs ähnlichen Pfaden zu wandern, lieferten sie Giallos ab, was manchem Fan der ursprünglich deutschen Beiträge so gar nicht geschmeckt hat. Wie ein waschechter Rialto-Wallace in den Händen von Italienern hätte aussehen können, zeigt der mit Christopher Lee in einer Nebenrolle prominent besetzte „Das Schloss des Grauens“, der 1963 fertiggestellt wurde, als sich die Wallace-Welle in Deutschland gerade auf einem Hoch befand.

Es mag also sein, dass sich die Italiener bewusst dazu entschieden haben aufgrund der Erfolge in unserem Land ähnliches auch für ihr Land fertigzustellen, ohne dabei auf einen Roman des berühmten Schriftstellers zurückzugreifen. Herausgekommen ist, ob beabsichtigt oder nicht, ein an mancher Stelle etwas unsinnig ausgefallener, aber stimmiger Mix aus besagtem Wallace-Feeling und Gothik-Horror, zu Beginn mit einem Hauch Giallo-Prise versehen, ein Genre welches zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Erst gegen Ende, wenn der Film sich auf zeithistorische, fast frei erfundene, Ereignisse beruft, schwindet die Wallacefilm-Atmosphäre kurzfristig, flammt im ereignisreichem Finale jedoch noch einmal auf, angereichert mit einer gelungenen Mörderaufdeckung mit Schauertouch.

Antonio Margheriti, der oft Filme ablieferte die mich ungewollt belustigen (z.B. „Einer gegen das Imperium“) oder lediglich auf recht schundige Art zu gefallen wussten („Das Alien aus der Tiefe“) war für mich selten so nah an einem kompromisslos akzeptablen Ergebnis dran wie mit dem hier besprochenen „Die Gruft der lebenden Leichen“ (Alternativtitel), auch wenn manche Lücken in der Logik, gerade in der widersprüchlichen Charakterisierung der Heldin, die immer zwischen taff und höchst naiv springt, auch hier für unfreiwillige Komik sorgt. Eine dichte, charmant verspielte Grundatmosphäre mit leichtem Geisterbahn-Touch in Kombination mit einer überraschend schnell verlaufenden Aufdeckung einzelner Hintergründe sorgt für die nötige Stimmung.

Erst wenn sich die Geschichte gegen Ende im Kreis zu drehen droht, kommt kurzfristig Ernüchterung auf. Aber auch hier zieht Margheriti noch schnell genug die Reißleine und führt „Horror Castle“ (Alternativtitel) doch noch früh genug zum Finale. Somit guckt sich der Großteil der angenehm kurzen 80 Minuten Laufzeit flott und interessant. Und dass der ewig gleiche Handlungsort des Schlosses nicht zu langweilig ausfällt, liegt an der wunderschön morbiden wie stimmigen Dekoration, die gerade immer dann besonders klassisch zu wirken weiß, wenn die Heldin mit weißem Nachthemd nachts durch die Gegend schleicht.


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DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM (L'iguana dalla lingua di fuoco 1971 Riccardo Freda)


Im Kofferraum eines Diplomaten wird eine Frauenleiche gefunden. Zwar bietet der Diplomat überraschend seine Kooperation mit der Polizei an, da im Prozess der Befragung jedoch alles eher Schein statt Sein zu sein scheint, engagiert der Kommissar seinen frühzeitig aus dem Dienst ausgetretenen Vorgänger, um hinter die Fassaden des Diplomatenhaushaltes blicken zu können...


Bestialisch ätzender Atem...

Wer sich in das Sub-Genre des Giallo neu einfinden möchte sollte einen anderen Film als den merkwürdig betitelten „Die Bestie mit dem feurigen Atem“ sichten, könnte man doch sonst den Eindruck gewinnen diese Filmgattung stünde für Krimi-Routine angereichert mit harten Effekten. Viel mehr bietet Riccardo Freda dem Publikum nicht, was nicht weiter wild ist, da es reicht um den Stammzuschauer zu unterhalten, hervor im Meer der anderen Giallos tritt sein Werk jedoch nicht, was mitunter daran liegt, dass sein Held der Geschichte wenig charismatisch besetzt ist, ein Element das häufig beim italienischen Thriller dieser Zeit von tragender Wirksamkeit ist.

Obwohl Freda sein Werk mit harten Momenten ausstattet finden viele der Morde nicht vor laufender Kamera statt. Nicht nur dass wir ihnen als Zuschauer nicht beiwohnen dürfen, sie finden meist nicht einmal im Off statt oder werden durch das Auftauchen des Unbekannten angekündigt und abgebrochen. Oftmals bekommen wir lediglich plötzlich die Leiche des nächsten Verstorbenen präsentiert, was manch einem nicht schmecken dürfte, gehört es doch zur Rezeptur eines guten Giallos dazu, dass die Morde geradezu zelebriert werden.

Der ungewöhnliche Drehort Irlands und die zärtlich angenehm routinierte Hintergrundmusik federn einiges wieder von dem ab was „The Iguana with the Tongue of Fire“ (Alternativtitel) an anderer Stelle vermissen lässt. Der Film bietet weder einen raffinierten Kriminalfall, noch eine akzeptable Lösung. Die Hauptfigur ist wie erwähnt blass besetzt, und folgen kann man den Ermittlungen des Mannes nicht wirklich, so dass der Film lediglich ein verpuzzeltes, da fast schon sinnlos aneinandergereihtes, Szenario präsentiert, das irgendwann mit der Aufdeckung irgendeines Mörders zu einem Schluss geführt wird.

Freda hält sich nicht einmal daran die häufigste Mordmethode des Killers, das Gesicht der Opfer mit einer Säure zu verätzen, zur Standardmethode zu machen. Warum der Killer mal so und mal ganz anders vorgeht, bleibt ein Geheimnis wie so vieles im Film. Lediglich am Schluss erfahren wir eine zusätzliche Erkenntnis des Ermittlers, die zu einer gerechten Schluss-Pointe führt und uns deutlich macht, dass unser Killer nicht für alle Morde zuständig war.

Trotz manch wunderschöner Landschaftsaufnahmen und manch morbiden optischen Leckerbissen, wie die tote Katze im Kühlschrank, ist „L‘iguana dalla lingua di fuoco“ (Originaltitel) fotografisch längst nicht so schön eingefangen, wie man es von den meisten Giallos gewohnt ist. Im charakterlichen Bereich sticht die Schrulligkeit der Mutter des Ermittlers als angenehme Ausnahme hervor, was die ansonsten zu verkrampft eingefangene Ernsthaftigkeit ein wenig auflockert. Auch manch eher unmotivierte Nacktszene sorgt für einen weiteren quantitativen Sehwert. Das Alter des Films erkennt man diesbezüglich an der Freizügigkeit einer sehr jungen weiblichen Darstellerin gegen Ende, die längst noch nicht das Erwachsenenalter erreicht zu haben scheint.

„Die Bestie mit dem feurigen Atem“ ist schnell vergessene Routinekost, nicht mehr und nicht weniger und deswegen nur den Stammzuschauern des Giallo-Genres zu empfehlen. Andere werden zwischen gelangweiltem Schulterzucken und Ekelgefühlen hin und her pendeln, nicht wissend dass es den Fan dieser Art Film bereits entzückt, wenn ein mit Handschuhen bekleideter Unbekannter ein Rasiermesser zuckt.


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